Montessori-Material: Immer 10 wollen miteinander gehen

Ein kleines Gedicht, das veranschaulichen soll: Einer machen kleine Schritte, Zehner schon etwas größere Sprünge und Hunderter kommen gut voran. Naja, beim Tausenderwürfel halten wir an – vorerst. In Klasse 4 warten dann die ganz großen Zahlen auf uns.

Es wanderten neun kleine Einer,
in Einerschritten durch den Wald.
Doch mit dem 10. wurde es heiter,
in Zehnersprüngen hüpften sie weiter.

Die Zehnerstange sprang flugs voran
und traf den nächsten Zehner bald.
Bald hüpften gleichsam neun der Stangen
gemeinsam durch den schönen Wald.

Kam ein zehnter Zehner und und wusste Rat:
„Besser voran kommen wir als Quadrat.“
Ein Hunderter ist 10 mal 10,
so wollen wir zusammen gehen.

Und auch die Hundert wurden mehr,
das freute alle Wanderer sehr.
Am Ende kamen die Hunderter an
und dann waren sie bald wieder 10.
Die blieben dann ganz fest zusammen
als Tausenderwürfel stehen.

Ein Würfel? Nicht, dass Ihr Euch wundert:
Tausend, das sind 10 mal 100.
Mit ihnen endet die Wanderung hier
und weiter geht`s in Klasse 4!

N.Mescher

10 Einer, das sind 10.
10 Zehner, das sind 100.
10 Hunderter sind 1000.

Hier noch einmal ein Blogartikel zu dem Montessorimaterial, mit Download.

Das gezeigte Material und könnt Ihr übrigens zum Preis von 8,30 € hier bestellen (und unterstützt dabei den Montagskindblog, da Kooperation mit Edumero).


Sonnenlauf oder Achterbahn?

Freitagmorgen, 9 Uhr: Kopfhörer auf, Mikrofon an, Meeting eröffnen. Der letzte wöchentliche Morgenkreis mit meiner 3. Klasse. Montag oder Dienstag – je nach Gruppe – sehen wir uns wieder! Es war so eine freudige Stimmung bei den Kindern, dass wir unser Meeting diesmal sogar etwas verlängert haben.

Die Kinder freuten sich und hatten doch viele Fragen. Ich habe ihnen erklärt, dass die Hygieneregeln sich im Vergleich zu Dezember nicht geändert haben – abgesehen davon, dass nur die halbe Klasse vor Ort ist und ich neuerdings eine FFP2-Maske trage.

Freitagnachmittag, kurz nach 16 Uhr: Die Schulministerin verkündet „verschäfte Hygieneregeln“, nach denen die Kinder meiner Klasse auch FFP2-Masken tragen sollen, es sei denn, diese wären noch zu groß. Außerdem dürfen die Masken nicht mehr am Platz abgenommen werden. Heißt: Unterricht mit Mundschutz. Das ist neu. Und das konnte ich nicht mehr mit den Kindern besprechen. Und selbstverständlich gilt es, die Mitteilung vom späteren Freitagnachmittag am Montag direkt umzusetzen. Ich war erst einmal geschockt am Freitag. Die Tatsache, dass die Kinder an ihren festen Plätzen die Masken grundsätzlich nicht abnehmen dürfen, hat natürlich Auswirkungen auf die Gestaltung des gesamten Unterrichts. Ich habe am Montag und Dienstag auch Fachunterricht in den Klassen 1 und 4, für die das genauso gilt.

Die einjährige Achterbahnfahrt

Seit einem Jahr ist nichts mehr wie es war. Oft fühlt es sich an, als käme ein Rückschlag nach dem nächsten. Und es war teilweise ein Jahr auch mit vielen Diskussionen und Auseinandersetzungen, die Kraft kosteten, aber nichts an der Situation ändern konnten. Wie eine Achterbahnfahrt: Kaum wurde es wieder gut, ging es fast im selben Moment auch gleich steil bergab.

Die Sonne geht immer wieder auf

Eine Sache stimmt aber auch: Es gab in diesem vergangenen Jahr auch viel Zuspruch, Zusammenhalt und eine Menge intensive, positive Momente. Irgendwie wundere ich mich auch manchmal über mich selbst, wieviel Kreativität in mir noch steckt, wenn wir wieder neue Rahmenbedingungen, die nochmal enger sind, bekommen. Auch meine Kolleg*innen haben viele tolle Ideen, es gibt einen schönen Austausch untereinander. Da werden unbeschreibliche Kräfte freigesetzt. Woher kommen die?

Keine 24 Stunden nach den Meldungen von gestern, ist mein Plan für Montag geändert und ich hatte auch Ideen, die mich zufrieden stimmen. Woher die auch immer kamen.

Montag beginnt der Wechselunterricht und es soll schön werden für die Kinder. Die Erfahrungen sagen, es wird nicht leichter. Sie sagen aber auch: Wir können alles schaffen.

Strukturierungshilfen bei Homeschooling und Hausaufgaben

In der Schule helfe ich den Kindern, ihre Arbeitsmaterialien zu strukturieren. Meist brauche ich meine Klasse schon gar nicht mehr daran zu erinnern, dass schon zu Stundenbeginn alles auf dem Tisch liegt, was man brauchen wird. Im Distanzlernen organisieren die Eltern die Arbeitszeit zu Hause – und zwar so, wie es im jeweiligen Zuhause am besten passt.

Jetzt kommt das „Wechselmodell“

Ab dem 22. Februar wird meine Klasse im „Wechselmodell“ unterrichtet. Das bedeutet, dass sie in zwei Gruppen geteilt wird und jede Gruppe alle zwei Tage Präsenzunterricht bekommt. Dieser Wechsel von Präsenz- zum Distanzlernen ist neu und auch etwas herausfordernd, was die Struktur der Arbeitsunterlagen angeht. Wie schnell wird einmal etwas vergessen oder verlegt.

Drei Strukturierungshilfen

3 Tipps, um die Arbeit im Wechselmodell im Blick zu behalten.

Ich habe mir eine Strukturierungshilfe überlegt, mit der sich hoffentlich gut arbeiten lässt. Der Grundgedanke ist, die Aufgaben nach Material zu vorzusortieren. Da sich Tornister oftmals zu kleinen, unübersichtlichen Umzugskisten entwickeln und die Arbeitsmaterialien mal in der Schule, mal zu Hause gebraucht werden, habe ich die Idee, dass es zu Hause eine „Arbeitskiste“ gibt, in die man alle Arbeitsmaterialien der jeweiligen Epoche (Unterrichtseinheit) legt. Diese Kiste sollten Eltern und Kinder gemeinsam packen. Hier kann eine kleine Packliste helfen.

1. Die „Arbeitskiste“ zu Hause

Es hat sich nämlich gezeigt, dass die „theoretische Hausaufgabenübersicht“ in Form von Hausaufgabenheftchen doch teilweise mehr in der Theorie bleibt als sie sollte. Also: In der Kiste ist genau das Material – und nichts anderes – was für die Arbeit gebraucht wird: Lieblingsplüschtiere, Sammelkarten, Glitzerstifte usw. dürfen dann also nicht hinein. So bleibt es übersichtlich und die „Arbeit“ an der Sache wird herausgestellt.

Den Arbeitstag nach Material sortieren

Für den Arbeitstag zu Hause braucht man die „Sternchenliste“ und das Hausaufgabenheft bzw. das zweite Blatt meiner Download-Listen, das die Arbeitsaufgaben nach Material sortieren hilft. Die „Sternchenliste“ zeigt dann kleinschrittig die Arbeit des Tages im jeweiligen Heft an, mit Pausen dazwischen. So ist klar: Die Arbeit ist nicht unendlich lang. Es gibt eine greifbare Pause und ein sichtbares Häkchen, wenn ich den jetzigen Schritt beende. Ist eine Sache erledigt, wird sie dann direkt abgehakt und auch unten auf dem Weg zum Sternchen angekreuzt.

2. Kleinschrittiges, übersichtliches Vorgehen

Je kleinschrittiger und „greifbarer“ der Arbeitsablauf also ist, desto besser. Dies zur Gewohnheit zu machen, hilft insbesondere auch Kindern, die eher unkonzentriert sind. Die „Sternchenliste“ zeigt nicht nur den Arbeitsfortschritt an, sondern hilft auch, den Tornister für den Präsenzunterricht am nächsten Tag wieder zu packen.

3. Ein minimalistischer Arbeitsplatz

In der Schule finden die Kinder in der Regel an ihrem Platz auch nur Tisch und Stuhl vor. Viel Platz für individuelle Dekoration ist nicht vorhanden (auch wenn es ab und zu mal vorkommt). Schreibtische in Kinderzimmern sind hingegen oftmals nett dekoriert oder schlicht und ergreifend auch mal vollgestellt. Drum herum die Spielumgebung, das lenkt ab. Daher finde ich es gut, wenn zumindest kleinere Kinder einen anderen Ort als ihr Zimmer zum Arbeitsplatz haben. Wählt man den Esstisch, sollte auch hier nichts weiter herumstehen. Bitte achtet darauf, dass die Kinderfüße Erdung haben bei der Arbeit. Ein Fußbänkchen kann helfen. Beachtet dazu auch diesen Blogartikel.

Ein Arbeitsplatz außerhalb der Spielumgebung versinkt dank der Arbeitskiste, die schnell gepackt und verstaut ist, nicht im Chaos. Und die Kiste hilft außerdem, alles Wichtige für den nächsten Schultag zu packen.

Wir wir seit einem Jahr das Beste aus der Situation machen, so werden wir hoffentlich auch das Wechselmodell packen!

Download der „Checklisten“ für Arbeitskiste und Arbeitstag:

Die Flamme nähren

Der Geist ist keine Scheune, die man füllt,
sondern eine Flamme, die man nährt.

Verfasser unbekannt

Genau dieser Spruch schwebte mir heute mehrfach durch den Kopf, als ich für meine Klasse das nächste Lernpaket fertiggstellt habe. Leider konnte ich bislang nicht herausfinden, wo er eigentlich herkommt. Es ist später Abend und nach tagelanger, stundenlager Kleinarbeit sind die Kopiervorlagen erstellt und dürfen morgen stundenlang den Schulkopierer heißlaufen lassen.
Es gibt neben der Epoche noch eine schöne Kreativaufgabe, freies Arbeiten und eine tägliche Achtsamkeitsübung. Bis das alles gestaltet ist, vergehen wirklich viele, viele Stunden. Zusätzlich zum täglichen YouTube Dreh.

Bitte nicht die Scheune füllen.

Die Flamme möchte ich nähren, deswegen bin ich ja Waldorflehrerin geworden. Wegen der Kreativität, der Freiheit beim Unterrichten und der langjährigen Beziehung zu den Kindern. Keine Frage, das ist gerade jetzt die größte Herausforderung beim Homeschooling. Wenn die Kinder viel weniger Inspiration von außen bekommen. Eine innere Verbindung zu Lerninhalten schaffen, ohne die vertraute Lerngruppe und die Lernatmosphäre drum herum. Die Chance auf eigenes Entdecken so gut es geht möglich machen, Lernfreude wecken.

Alles, was man Kindern fertig serviert, können sie nicht mehr selbst entdecken!

Also gilt es, aus der Entfernung so viel wie möglich von dem zu erspüren, das die Flamme nährt. Beziehung, Beziehung und außerdem noch Beziehung. Das ist das Wichtigste dabei. Auch die Eltern wirken daran mit. Dadurch, dass ich so viele Rückmeldungen von ihnen bekomme, kann ich mich gut auf die Kinder im Homeschooling einstellen. Es kostet dennoch viel Energie, diesen Distanzunterricht im Voraus auf so vielen Ebenen zu planen. Aber ich glaube, es ist machbar, den Kindern mehr zu bieten, als eine Sammlung von Aufgaben und Arbeitsblättern. Solange das so ist, ist es jede Mühe wert. Ich stelle in den nächsten Tage einmal genauer Teile aus dem Lernpaket vor.

Rechenbingo – Das Verdoppeln und Halbieren üben

Das zählende Rechnen überwinden

Eine große Herausforderung im Unterrichtsfach Mathematik besteht darin, die Kinder auf ihrem Weg zum denkenden Rechnen zu unterstützen. Ein wesentlicher Schritt dazu ist die Abkehr vom zählenden Rechnen. Wer für jedes Ergebnis erneut abzählen muss, verbraucht viel Zeit, Konzentration und macht im Schnitt mehr Fehler.

Automatisieren fördern

Ziel ist es, dass die Kinder Zahlenstrukturen und -zusammenhänge für sich erkennen und ergreifen. So entwickelt sich ein echtes Zahlenverständnis. Zahlen sollten als zusammengesetzte Mengen erkannt und vorteilhaft genutzt werden.

Daher findet man als Aufgabentypen so häufig die Zahlenhäuser (Ergebnis im Dach), Zahlenmauern (zusammengesetzte Mengen) oder arbeitet in den unteren Klassen mit Rechenketten, Perlenschiebern oder dem Montessorimaterial.

Doch nach der Veranschaulichung der Rechenschritte mit dem Material sollte der nächste Schritt sein, die „Automatisierung“ zu fördern.

Ein Schritt dahin ist das Halbieren und Verdoppeln

Hier wird die Entwicklung von Zahlenzusammenhängen gefördert. Um dies spielerisch zu unterstützen, habe ich dieses kleine Bingospiel entwickelt:

Ihr könnt das gezeigte Spiel hier kostenlos downloaden:

Um die Zahlbeispiele mit eigenen Aufgaben zu erweitern, habe ich auch eine blanko Vorlage für Euch:

Ich wünsche viel Erfolg beim spielerischen Üben!

Verspannte Finger beim Arbeiten

An der Waldorfschule arbeiten wir in den ersten Schuljahren
besonders viel mit Wachsstiften und -blöckchen.

Ein Problem bei Schreibarbeiten, gerade in den ersten Schuljahren, sind verspannte Finger beim Schreiben. Meist gehen sie mit einer „Krakelschrift“ einher und die Kinder äußern, dass ihnen die Finger oder Hände nach einiger Zeit wehtun.

Woran kann das liegen?

  • Die Hände und Finger verfügen über zahlreiche kleine Muskeln, die auch trainiert werden sollten.
  • Ist die Feinmotorik insgesamt gut geschult?
  • Es kann am Schreibgerät liegen: Liegt es griffig in der Hand?
  • Die ganze Körperhaltung sollte beim Schreiben gerade und entspannt sein.
  • Es können natürlich auch einfach Ermüdungserscheinungen sein, wenn das Arbeiten zu lange gedauert hat.

Was sind Lösungen?

  • Nicht umsonst gibt es an der Waldorfschule zunächst Wachsblöckchen und -stifte. Beim Malen und Schreiben mit Wachsstiften werden die Finger und Hände gekräftigt.
  • Kleine Fingerspiele, -übungen und natürlich Arbeiten des alltäglichen Lebens wie Obst schneiden, Brote schmieren, das Waschbecken putzen, stricken, häkeln usw. trainieren Feinmotorik und kräftigen ebenfalls.
  • Man sollte einen Stift nicht danach als Schreibgerät auswählen, ob er die Lieblingsfarbe oder ein bestimmtes Motiv aufgedruckt hat, sondern danach, wie griffig er in der Hand liegt. Für den Anfang gilt: Je dicker, desto besser. Zu dünne Bleistifte eignen sich nicht für Schreibanfänger, evt. hilft aber eine Griffhilfe, die man über den Stift zieht. Dies sollte aber unbedingt getestet und nicht blind gekauft werden.
  • Gerade jetzt im Homeschooling sitzen die Kinder häufig einmal am Küchentisch samt Küchenstuhl. Es wäre aber wichtig, dass es zumindest ein Fußbänkchen gibt, auf dem beim Schreiben die Füße gestellt bequem gestellt werden können. Auch sollte die Tischkante nicht zu hoch sein.
  • Und es gilt: Auf Pausen achten, zwischendurch die Hände schonen und generell verschiedene Tätigkeiten mit ihnen verrichten, um nicht zu einseitig zu sein.

Kleine, interessante Ballspiele

Fünf kleine Spiele mit dem Igelball habe ich hier für Euch: Sie funktionieren natürlich auch mit anderen Bällen, z.B. einem Tennisball. Allerdings haben Igelbälle die Eigenschaft, dass sie als Massageball die Handreflexzonen stimulieren, entspannen und auch „griffig“ sind. Man bekommt sie auch im Lockdown für kleines Geld, in jeder Drogerie.

Waldorf Homeschooling, die Zweite

Wir brauchen langen Atem. Seit 9 Monaten ist Schule nicht mehr so, wie sie früher war. Nach einer langen ersten Homeschoolingzeit, die uns mehr oder weniger kalt erwischt hat, kamen Phasen des gruppenweisen, wechselnden Distanz-/Präsenzunterrichtes und eingeschränkten Präsenzunterrichtes. Jetzt ist es bekanntlich wieder so, dass alle Kinder von zu Hause aus unterrichtet werden. Wir haben Erfahrungen gesammelt, wir bleiben flexibel, wir machen das Beste daraus – auch wenn es fordert. Die Kinder haben nur diese Kindheit und nur diese Schulzeit. Da ist ein Jahr eine lange Zeit und sollte deshalb trotz allem so positiv und freudig sein wie Kinder es verdienen.

Wenn die Entscheidung fällt…. geht`s los

Am Dienstag haben die Ministerpäsidenten mit Kanzlerin Merkel getagt, am Mittwoch haben wir lange gewartet, wie es nun konkret für unser Bundesland NRW laufen wird. Dann stand fest: Die ganze Klasse bleibt zu Hause und zwar bis zum 31.1. Das sind 3 Wochen Unterrichtszeit. Mittwochabend: Überlegen und entscheiden, was für meine 3. Klasse im Homeschooling geeignet ist, Epoche im Distanzunterricht konzipieren. Dazwischen: Dreikönigskuchen backen, mit der Familie die Mandel suchen und eine Spielezeit einlegen – ganz so, wie vom König gewünscht. Donnerstag: Material heraussuchen und zusammenstellen. Freitag: Lernpakete erstellen, „eintüten“ und mit Verteilung beginnen. Samstag: Drehbuch für YouTube-Begleitung fertig. Planung rhythmischer Teil, Erzählteil kann Podcast sein. Auf geht`s!

Warum nochmal YouTube?

Ich könnte selbstverständlich jede Erklärung zu den Materialien auch verschriftlichen, doch dies würde von den Eltern verlangen, dass sie viel zu lesen haben, um es wiederum ihren Kindern anschließend zu erklären, größtenteils noch selbst im Homeoffice. Auch wenn alle Aufgabentypen bereits bekannt sind, brauchen die Kinder für den Einstieg Erinnerungshilfen. Per Video spreche ich die Kinder in gewohnter Weise an, so wie es bereits angelegt ist. Die Eltern können entscheiden, ob sie ihre Kinder dies selbst ansehen lassen oder es anschauen und wiedergeben. Es ist aber allemal nicht so anstrengend und aufwändig wie „lesen und übersetzen“. Das tägliche Video dauert nur wenige Minuten und viele Elternhäuser haben rückgemeldet, dass die Kinder es sehr mochten, meine Stimme zu hören -> Lernen mit Beziehung. So durfte im Frühjahr jedes Kind meine Videos schauen und das führte mich jetzt zum Homeschooling mit Hund….

Das Lernpaket für Kopf, Herz und Hand

Rechnen ist Kopfsache. Kopfsache? Nun ja, es wird in dieser Epoche gerechnet und dabei auch viel wiederholt: Das Einmaleins ist eine zentrale Grundlage für den Mathematikunterricht. Es ist in unserem Lernpaket jeden Tag dabei, mit Aufgaben Querbeet, auch Division und eine Vertiefung in Richtung gemeinsame Vielfache, gemeinsame Teiler, Einmaleins mit Zehnern oder Hundertern.

Mit dem vertrauten Montessorimaterial wird nochmals gründlich der Übergang zu den halbschriftlichen Rechenverfahren durchgenommen. Dieses Thema haben wir im letzten Schuljahr coronabedingt schon nicht geschafft und als es dieses Jahr an der Reihe war, musste die Epoche abgebrochen werden, da von 28 Kindern 18 in Quarantäne kamen. Wo knüpft man da an?

Es geht zunächst weit zurück, damit auch die rechenschwachen Kinder sicher ins Boot kommen. Und damit es nicht langweilig für die Stärkeren wird, ist das Herz gefragt.

Unser „Klassenhund“ Idefix rechnet diesmal in den Videos aktiv mit. Und dass er dabei ist und wie er es anstellt, macht es allemal interessant. Dies motiviert die Kinder auch auf Distanz. Jedes Kind der Klasse kennt Idefix. Ist schon mit dem Gassi gegangen, hat ihn gestreichelt, Leckerchen gegeben oder ein Pfötchen als Gruß von ihm bekommen. Im ersten Schuljahr hat er uns bei der Einführung der Buchstaben das X gebracht. Er wird so sehr gemocht wie das Schaf Rosina, mit dessen Wolle wir im Dezember so schöne Dinge aus dem Wollhandwerk kennengelernt haben.

Auch das praktische Tun gehört ins Homeschooling, Lernen mit Hand. So gibt es kleine Logikaufgaben, die nicht nur „Gehirnjogging“ sind, sondern auch motorisches Geschickt fordern und fördern. Außerdem hat jedes Kind einen Kalender bekommen, 12 Mandalas gilt es zu gestalten, für jeden Monat eines. Es wird ein Geburtstagskalender kreativ gestaltet, am Ende die Geburtstage aller Kinder und mir eingetragen. Somit bleibt auch der gedankliche Bezug zur Klassengemeinschaft.

Nun hoffe ich, von Mittwoch bis Freitag einen Weg gefunden zu haben, die Kinder gut zu erreichen – ohne dass es für die Familien eine zu große zusätzliche Belastung wird. Und eben so, wie ich es mir als Waldorflehrerin wünsche. Es bleibt spannend.

Das Jahr 2020

Am letzten Schultages im Jahr 2019 habe ich meine Klasse mit der Montessori Jahreskette überrascht. Wir wollten das neue Jahr 2020 mit einer „Jahresepoche“ beginnen und die Kette hatte nicht nur eine Perle für jeden einen Tag des neuen Jahres, sondern veranschaulichte auch farblich die Monate und Jahreszeiten.

Wir betrachteten also die Kette und überlegten uns viele schöne Dinge und Wünsche zu jeder Perle, jedem Tag, jeden Monat. Wir suchten und fanden die Geburtstage der Klasse, schauten auf anstehende Epochen…. Mit dieser Kette wurde gleich sehr viel Vorfreude verbunden.

Doch dann kam Vieles anders

Das Leben passiert, während wir Pläne schmieden – ein oft zitierter Satz. Doch für 2020 trifft er ganz klar und deutlich zu. Plötzlich musste ich mir überlegen, wie man eine 2. Klasse im Homeschooling, auf Distanz, unterrichtet. Wenn man bedenkt, dass Waldorfpädagogik über Beziehung funktioniert, ist Distanz ja alles andere als förderlich. Doch es gelang, mit den meisten Familien in gutem Kontakt zu bleiben. Über unsere App und auch einzelne Treffen auf Distanz kam es zu einem guten Austausch. Unser Hund Idefix hatte viele Gassi-Kilometer mit Kindern meiner Klasse am anderen Ende der Leine! Unser Terminkalender war oft sehr voll mit Verabredungen zum Spaziergang – zwar mit etwas Abstand, aber dennoch Zeit füreinander, zum Zuhören und Erzählen, sich wieder wahrnehmen. Wie waren doch die Kinder gewachsen!

Ich selbst habe hunderte Kilometer mit dem Rad hinter mir. Mein Mann hatte Routen für uns ausgetüftelt, um das Lernmaterial zu verteilen. Und manchmal konnte man dem einen oder anderen Kind aus der Entfernung auch einmal durchs Fenster zuwinken.

Über YouTube konnte ich selbst zeigen, wie und was gearbeitet werden soll, so dass die Eltern nicht selbst vor der Herausforderungen standen, wie sie die verteilten Arbeitsmaterialien nun an ihre Kinder herantragen sollten.

Kurz: Viele neue Wege mussten gefunden und gegangen werden, um miteinander in Kontakt zu bleiben.

Das Wiedersehen nach 5 Monaten

Im August war es dann so weit: Nach 5 Monaten war die Klasse wieder als Gemeinschaft zusammen. Das war rückblickend eine sehr intensive, schöne Zeit mit tollen Epochen. Endlich wieder Klänge, Geschichten, Aquarellmalen – die Schöpfungsgeschichte war geprägt von großer Wiedersehens- und Lernfreude. Dies war sogar in der Erziehungskunst nachzulesen.

Unsere Ackerbauepoche ist mit Sicherheit ausufernder geworden, weil auch ich es in vollen Zügen genossen habe, mit den Kindern die vielen schönen Gartenaktionen zu erleben. Mir fällt auch auch heute nichts ein, was da noch gefehlt hätte. Nun wurden also Dinge, die sonst selbstverständlich waren, noch einmal bewusster wahrgenommen – auf beiden Seiten übrigens.

Nach den Herbstferien

Die Zeit nach den Herbstferien zeigte dann, dass nun nach viel praktischer Arbeit und künstlerischem Erleben mehr Kopfarbeit anstand: Rechnen und erste Grammatik standen auf dem Plan, unterbrochen von einer Quarantänezeit, in der wir das Formenzeichnen vorzogen.

Als sich dann noch über den „Lockdown light“ abzeichnete, dass es eng werden könnte mit der Epochenplanung zum Jahresende, haben wir die Epoche zu den Wortarten mit „Rosinas Wolle“ durchgenommen und noch gemeinsam unsere weihnachtliche Wollwerkstatt genossen. Gerade, als jedes Kind seinen kleinen Moosgarten mit selbst gefilztem Schaf fertiggestellt hatte, wurde der nächste Lockdown angekündigt. Die gemeinsame Weihnachtsfeier musste verschoben werden. Das Thema Wortarten wird uns noch weiter beschäftigen.

Jetzt sind Weihnachtsferien

Ruhig wie nie, noch immer im Lockdown. Wir müssen warten, wie es im Januar weitergeht. Trotzdem meine ich: 2021 kann kommen! Wir nehmen diese Herausforderung an und bleiben weiterhin positiv. Mein größter Wunsch für das neue Jahr: Positiv und kreativ mit den Gegebenheiten umgehen, Spaltung verhindern, aufeinander achten. Angst und Wut waren schon immer die schlechtesten Berater.

Ich wünsche allen Leser*innen einen erholsamen Jahreswechsel und viel Optimismus.

Lockdown II – absehbar und doch so plötzlich

Nun ist er beschlossen, der erneute Lockdown. Am Freitagmittag hieß es, in der kommenden Woche werde die Präsenzpflicht ausgesetzt und Eltern dürften selbst entscheiden, ob ihre Kinder zum Präsenzunterricht kommen oder ins Lernen auf Distanz wechseln.

Für uns Lehrer heißt das „zweigleisig fahren“. Darauf bin ich, darauf ist meine Klasse bereits eingerichtet. Wir hatten zudem im November eine Quarantänephase, in der ebenfalls ein Teil der Klasse vor Ort, der andere Teil von zu Hause aus unterrichtet wurde. So weit, so möglich.

Ab dem 14.12.20 ist es wieder so weit. Was wird sich ab dem 15.12.20 ändern?

Als Sozialwissenschaftlerin weiß ich sehr genau, wie politische Entscheidungen zustande kommen und kann die Schritte dieser Krise auch nachvollziehen. Als Lehrerin kann ich mich darauf einstellen, als Mutter dreier schulpflichtiger Kinder auch. So weit, so sachlich.

Was mich aber stört ist, dass die Beschlüsse immer erst dann fallen oder gefallen sind, wenn Unterrichtsschluss war – jedenfalls in meinem Fall, da meine Klasse nur bis mittags unterrichtet wird. Ich hatte also weder vor Lockdown I noch vor Lockdown II die Gelegenheit, mich richtig von der Klasse oder einigen Kindern zu verabschieden. Klar, wer die Medien verfolgt, konnte damit rechenen. Aber ich sage den 8- bis 9-jährigen Kindern ja nicht auf gut Glück: „Vielleicht sehen wir uns Montag nicht wieder.“ Das führt doch zu zusätzlicher Verunsicherung.

Die Weihnachtsfeier, die wir für Freitag geplant haben, wird in eine Neujahrsfeier umgewandelt, kein Problem. Das Schreiben mit der Gänsefeder – es sollten Weihnachtskarten werden – kann auf Januar verschoben werden – Neujahrsgrüße. Wir machen eben immer das Beste draus, auch das ist eine Botschaft, die ich gern vermittle.

Trotzdem ist es schade, wenn die Kinder und wir Lehrer so plötzlich mit den neuen Beschlüssen umgehen müssen. Hätte das Ganze nicht auch schon Donnerstagnachmittag oder Freitag um 10 Uhr kommuniziert werden können? Es war doch abzusehen, dass die Coronazahlen nicht mehr deutlich sinken. Mit diesen plötzlichen Abbrüchen bekommt der Schulalltag bald einen Beigeschmack. Da fehlt ein Stück vom sicheren Hafen für die Kinder in dieser Pandemie. Ich würde gern meine Klasse zumindest auch etwas mit vorbereiten auf die anstehende Veränderung und auch zu Hause muss ich meinen Kindern klar machen, dass sie sich nicht mehr von ihren Freunden und Lehrern für dieses Jahr verabschieden können.

Ich hoffe, dass ich meine Klasse trotzdem noch mit guten Wünschen erreichen kann – ob vor Ort oder aus der Ferne.

Die Einmaleinsreihen mit Fingerübungen

Fingerübungen fördern feinmotorisches Geschick und Konzentration. Man kann sie im Klassenraum gut am Platz machen und dabei finden die Kinder sehr gut zur Ruhe und bleiben ganz bei sich.

Ich habe eine Zeitlang die verschiedenen Übungen erst nach und nach angeleitet und die Kinder für sich ausprobieren lassen. Mit der Zeit gelang es dann, dazu zu sprechen.

In der letzten Rechenepoche haben wir dann anstelle der bisherigen Bohnensäckchenübungen unsere Einmaleinsreihen mit Fingerübungen begleitet.

Wichtig: Wir sprechen immer die Aufgaben mit. Also nicht 2 -4 -6 – 8…. sondern einmal zwei ist zwei. Zwei mal zwei ist vier. Drei mal zwei ist sechs….

Viel Spaß beim Üben und Ausprobieren!

So haben wir die Einmaleinsreihen mit Fingerübungen begleitet.