Seelennahrung Erzählteil

Ein Epochen- oder Hauptunterricht an der Waldorfschule besteht aus dem so genannten Rhythmischen Teil, dem Arbeitsteil und dem Erzählteil. Bei dieser Dreigliederung werden die Kinder ganzheitlich angesprochen. Darum erfahrt Ihr hier , warum das freie Erzählen und Vorlesen bis ins Teenageralter an der Waldorfschule regelmäßig praktiziert wird und fest im Tagesablauf von Klassenlehrer:innen eingeplant ist.

Welche Unterrichtsphase spricht was an?

Ein ganzheitlicher Unterricht ist keine reine Kopfsache, sondern spricht Körper, Geist und Seele gleichermaßen an, denn Lernen ist kein Denkprozess, sondern braucht Bewegung, vielseitige Anregung und seelische Verbindung.

Der rhythmische Teil

Im so genannten rhythmischen Teil finden sich Bewegungselemente, Gemeinschaftsspiele, künstlerisches Sprechen und tägliches gemeinsames Musizieren wieder. Die tägliche Wiederholung einer Übung lässt sie immer weiter ausreifen und besser gelingen. „Rhythmus ersetzt Kraft“ gilt hier. Die verschiedenen gemeinsamen Aktivitäten führen die Kinder zusammen, wecken sie auf und spenden Energie. Die Übungen des rhythmischen Teils finden auch im Jahreslauf, mit Bezug zur jeweiligen Jahreszeit, statt und bauen eine Brücke zum Lerninhalt des Arbeitsteils.

Der Arbeitsteil

Nach der Einstimmung im rhythmischen Teil findet die Auseinandersetzung mit den Lerninhalten, die „Kopfarbeit“ statt. Hier wird das Gelernte vom Vortag wiederholt, mit neuen Inhalten vertieft und auf verschiedene Weise geübt.

Jetzt aber zum Erzählteil…

Der Erzählteil schließt den – in meiner Klasse den 105 Minuten dauernden – Epochenunterricht ab. Jetzt ist die Zeit für Märchen, Fabeln, Legenden und Mythologien. Die Kinder hören die Geschichten, die sprachlich mitunter sehr anspruchsvoll und Wortschatz erweiternd sind und viele innere Bilder schaffen. Dies fördert die Fantasiefähigkeit und die Art des inneren Erlebens ist die reinste Seelennahrung und Menschenbildung: Es geschieht durch die Belebung der Vorstellungskräfte ein inneres Erleben, das die seelische Entwicklung beflügelt und auf indirektem Wege auch kindliche Fragen beantwortet. Da gibt es Gut und Böse, die Begegnung mit der Fremde und Andersartigkeit und es gibt viele neue Entdeckungen, die vor dem inneren Auge gesehen und durchlebt werden.

Was wird wann erzählt?

In den Klassen 1 und 2 werden ganz bildhaft Märchen, Fabeln und Legenden erzählt, menschliche Eigenschaften und Weisheit gespürt.

Die Schöpfungsgeschichte der Klasse 3 knüpft an das Bedürfnis der Kinder an, sich die Umwelt neu zu erschließen und Gedanken über den Ursprung zu machen. Ich habe über den Erzählteil der Klasse 3 schon hier etwas ausführlicher geschrieben.

In der 4. Klasse erleben die Kinder starke Ritter und den großen Kampf der nordischen Götterwelt in ihren vielen Reichen. Ich erzähle meiner Klasse seit Monaten aus der nordischen Mythologie und die Begeisterung reißt nicht ab!

In Klasse 5 findet ein Übergang von Mythologie zur Historie statt, wenn die alten Kulturen und griechischen Sagen Einzug finden. Die Kinder befinden sich seelisch in einer sehr ausgewogenen Zeit und genießen die Erzählungen über den Buddha, Zarathustra und die Odysee von Homer.

In Klasse 6 werden den inzwischen sehr weltinteressierten Kindern Geschichte aus dem alten Rom erzählt und dabei die Lebensweise, Umgebung und Gewohnheiten der Römer aufgegriffen. Auch Geschichten aus dem Mittelalter erhalten Einzug und sorgen für Faszination.

In den Klassen 7 und 8 stehen menschliche Schicksale im Mittelpunkt des Erzählteils und greifen das Unsicherheitsgefühl auf, das bei den Kindern zu Beginn der Pubertät, mit den vielen körperlichen und seelischen Veränderungen, aufkommt. Sie sind interessiert an verschiedenen Lebenswegen, Lebensentwürfen und -leistungen, denn sie suchen tief in sich Antworten auf eigene Lebensfragen.

Drei Spiele für eine lockere Erzählrunde nach den Ferien

Wenn sich über 30 Kinder nach zwei Wochen Ferien wiedersehen, haben sie sich viel zu erzählen. Und selbstverständlich nehmen wir alle Anteil aneinander, jeder möchte gehört werden und der Klasse von den vielen Eindrücken und Erlebnissen berichten. Damit es eine spannende Erzählrunde wird und sich die Kinder möglichst ausdauernd zuhören, stelle ich Euch hier drei Spiele für den Erzählkreis nach den Ferien vor.

Spiel 1: Der Schatz der schönen Momente

Ab Klasse 1: Die Kinder bekommen eine kurze Zeit zum Nachdenken über die Ferien. Welcher Moment war unergesslich? Dieser ist ein Schatz in der Schatzkiste unserer Erinnerung.

Zur Visualisierung kann auch eine kleine Schatzkiste aufgestellt werden. Jedes Kind bekommt ein kleines Steinchen oder eine Perle, erzählt von einem unvergesslichen Ferienmoment und legt die Perle oder den Stein in die Schatzkiste.

Spiel 2: Zweimal wahr, einmal erdacht

Ab Klasse 3/4: Dieses Spiel mag meine Klasse auch sehr. Sie hören gern drei Dinge aus den Ferien ihrer Mitschüler:innen und raten dann, welches Erlebnis wohl erdacht ist. Dabei ist anschließend sowohl eine kleine Abstimmung mit der ganzen Klasse („Publikumsjoker“) denkbar, als auch die Möglichkeit, dass das Erzählerkind zwei oder drei Kinder auswählt, die ihren Favoriten nennen.

Tipp: Beim Spielen hat sich gezeigt, dass sich manchmal einige Auswahlmöglichkeiten wiederholen können, nachdem sie ein paarmal gehört wurden. Ich lasse daher die Kinder nun vorab einzeln drei Dinge aufschreiben, die sie dann später nennen wollen: Zweimal wahr, einmal erdacht.

Spiel 3: Meine Ferien als Bild

Ab Klasse 4: Hier biete ich einfach eine Auswahl verschiedener Bilder an. Sobald ein Kind ein Bild mit einem Ferienerlebnis verbindet, darf es das Bild an sich nehmen. In der Erzählrunde wird dann gezeigt, welches Bild man ausgewählt hat und erzählt, welches Erlebnis man damit verbindet.

Wichtig: Hier sollte die Anzahl der Bilder deutlich größer sein als die Anzahl der Kinder. Dass Bilder doppelt, dreifach oder vierfach vorkommen, macht es besonders interessant! So kann man nämlich hören, welche verschiedenen Geschichten mit ein und demselben Bild verbunden werden.

Meine Bildervorlagen habe ich hier für Euch als Download:

Ich wünsche Euch schöne Erzählkreise nach den Ferien!

Der Anfangsunterricht mit der Flöte

Wie das erste gemeinsame Instrument allmählich seinen Platz in meiner Musikstunde bekommt: Es werden zuerst zwei Rituale eingeführt, das „Aufwecken“ der Flöte und die Pflege. Dann halten so nach und nach die verschiedenen Töne Einzug. Das erste gemeinsame Flötenlied schreibe ich gegen Ende des Schuljahres für jede Klasse selbst.

Vorfreude in Klasse 1

Die Kinder sind eingeschult und bekommen meist die Flöte direkt als Schulausstattung dazu. Es ist natürlich nicht nur interessant, sondern auch wieder ganz Schulkind – groß – , ein Instrument zu spielen. Die Kinder können es meist kaum erwarten und fragen immer wieder, wann wir endlich Flöte spielen. Doch die Flöte fordert auch Einiges von den Kindern und der ganzen Klasse, die schließlich gemeinsam musizieren soll. Daher tasten wir uns Schritt für Schritt an das gemeinsame Instrument heran.

Wir gewinnen die Flöte lieb

Zurück zu dem Moment der Einschulung: Es wird gefeiert, es gibt viele Geschenke für die Kinder und aus dem Kindergartenkind wurde ein Schulkind. Die Bedeutung der vielen neuen Dinge muss sich allerdings erst noch sorgsam erschließen. Daher sollte nicht willkürlich ausprobiert werden. Die Flöte muss ihren ganz besonderen, eigenen Weg zu den Kindern finden. Dazu ganz am Rande: Auch ich entscheide von Stunde zu Stunde, von Gruppe zu Gruppe, wann und wie der nächste Schritt an der Reihe ist. Das ist in keinem Jahr gleich.

Die Stimmung der Kinder

Die Kinder befinden sich in den ersten Schuljahren in der Stimmung der „Mit-Welt“. Sie empfinden, dass alles um sie herum mit ihnen lebt. Die Flöte ist für sie daher grundsätzlich kein Gegenstand, der konsumiert wird, sondern auch das Instrument lebt in gewisser Weise mit ihnen und kann so einen wahren Platz in ihren Herzen finden. Und wenn das geschieht, dann ist das der schönste Beginn einer gemeinsamen Arbeit, den man haben kann.

Wenn ich meine neuen Gruppen kennengelernt und in eine erste passende Arbeitsweise mit ihnen gefunden habe, beginne mit der Einführung der Flötenrituale (meist um die Herbstferien). Die Flöte darf erstmals mitgebracht werden, ein besonderer, ein feierlicher Moment. Sie hat bis dahin sehr lange in ihrem Schlafsäckchen (Flötentasche) geruht und wird zunächst mitsamt ihrer Schutzhülle auf den Schoß gelegt. Wir tasten und fühlen sie von außen, wecken die Flöte ganz sanft auf.

Dann wird das Schlafsäckchen geöffnet und die liebe Flöte vorsichtig herausgeholt. Die Kinder tun dies sehr bedächtig und so geschieht es dabei in der Regel nicht, dass irgendjemand plötzlich willkürlich oder albern in das Instrument pustet und für schrille Töne sorgt. Heißt: Mit schrittweiser, liebevoller Vorbereitung braucht man vorab nicht lang und breit die Flötenregeln zu erklären. Denn es findet in der beschriebenen Atmosphäre einfach von allein in der richten Weise statt.

Zum weiteren Aufwecken braucht die Flöte Handwärme, „so wie alle Wesen auf der Erde, Menschen, Tiere und Pflanzen, die Sonnenwärme brauchen“. Sie wird mit beiden Händen gehalten, eine Hand oben, eine Hand unten. Nun können Flöte und Finger gemeinsam warm werden und dabei schöne Motorikspiele gespielt werden:

  • Die Flöte wird mit beiden Händen im großen Bogen gedreht (wie ein Propeller, das Wort darf aber nicht fallen), vorwärts und rückwärts.
  • Die Handflächen werden aneinander gedrückt, dazwischen die Flöte gelegt. Die Hände werden hin und her bewegt, die Flöte dreht sich im kleinen Kreis und wird dabei gehalten.
  • Auch nur eine Hand (Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger) kann die Flöte im großen Bogen drehen, vorwärts und rückwärts, das ist eine ganz besondere Fingergymnastik. Bitte nicht vergessen, die Hand zu wechseln.
  • Flöten-Handgesten-Spiel: Familie Spatz.

Das ganze Aufwärmspiel (angedeutet, mit Raum für eigene Fingerbewegungen ):

Download der Verse dazu:

Da sich auch die Flöte erst allmählich an alle Dinge gewöhnen muss, reicht dieses Spiel für den Anfang. Es wird in jeder Stunde wiederholt.

Ein weiteres, schönes Spiel für den Anfang: Man kann die Flöte in die eine Hand nehmen und mit der Unterseite auf die Innenseite der anderen Hand klopfen. Dies ergibt ein sehr angenehmes „Ploppen“, mit dem die Kinder auch gern spielen. Hierzu kann man laut und leise klopfen, silbengemäß zu bestimmten Versen, z.B. von Hedwig Diestel (hier nur ein Auszug, gefunden in dem Buch „Künstlerisches Sprechen im Schulalter“ von Christa Slezak-Schindler, Edition Waldorf).

Mein Pferdchen muss springen,
die Wälder durchdringen (…),

Mein Pferdchen geht leise
zur Nacht auf die Reise (….)

Solche Verse eigenen sich auch gleichzeitig als rhythmisches Laufspiel.
Nach den ersten Spielen braucht die Flöte wieder ihre Ruhe und wird schlafen gelegt. Vor der Ruhezeit wird sie gepflegt. Ich zeige den Kindern zunächst, wie man sie wischt und anschließend bekommt jedes Kind einen Tropfen Flötenöl. Mal aus dem Fläschchen, mal aus einer Muschel, mal mit einem kleinen Tropfen ätherischem Öl. Auch das variiert mit der Zeit.

Atmung, Fingerspitzengefühl und Hörfähigkeit

Damit irgendwann sehr zuverlässig ein gewünschter Ton erklingt, müssen sowohl Haltung und Atmung ,als auch Griffsicherheit stimmen. Hinzu kommen das aktive Lauschen und Einhören: Das eigene Flötenspiel und das zugleich das der ganzen Klasse wahrnehmen, dessen Teil man ist.

Es ist daher sehr wichtig, in jeder Stunde Spiele und Übungen mit den Kindern durchzuführen, die sowohl das Einhören, als auch die Fingerfertigkeit schulen und die Atmung wahrnehmen lassen. Diese müssen nicht unbedingt direkt etwas mit der Flöte zu tun haben. Es gibt viele Handgestenspiele, auch begleitet mit Glöckchen und anderen Klängen.

Zu Beginn einer Stunde sind wir immer in Bewegung: Nach dem gemeinsamen Begrüßungslied folgen meist Rhythmusspiele, ein Reigen oder Klänge in Bewegung. Nach einer Zeit der Bewegung kommen wir ins Stehen. Jetzt ist die Gelegenheit günstig, den eigenen Atem klar zu spüren, innezuhalten, die Hände auf den Bauch zu legen, die Bewegung und Wölbung zu spüren. Die Zunge wird vom Gaumen gelöst, auch einmal durch die Nase geatmet, die Schultern gelockert.

„Wir spüren unseren Atem. Die Flöte braucht ihn wie die Erde den Wind. Wie ruhig wir atmen. Wir dürfen einmal kurz die Augen schließen und unsere Hände auf den Bauch legen.“

Wenn es zur guten Gewohnheit wird, zwischendurch den eigenen Atem zu spüren, wird auch beim Flöten sicherer geatmet. Hier kann man auch viel beobachten: Wer steht unruhig, bläst die Wangen auf, hat die Schultern angezogen….. Vielleicht benötigt es weitere Spiele, die zur Ruhe führen.

Ein Lied, das wir flöten, singen wir auch vorab, was ebenfalls eine gute Hinführung in das Flötenspiel ist.

Nach einer Zeit auf den Beinen dürfen die Kinder sich dann zunächst für die Flötenrituale setzen. Später wird dann wieder im Stehen geflötet. Die Erdung, die gerade Haltung, sind wichtig.

Zum Stundenende folgt dann wiederum ein Schleichspiel, Klangschalen– oder Klangkugelspiel und wir verabschieden uns mit einem Lied.

Die Musikstunde, der Raum und andere Rahmenbedingungen

Ihr habt sicherlich bemerkt, dass der Raum einer Musikstunde viel ausmacht. Ich mag gern Räume mit viel Bewegungsfreiheit. Doch dies ist nicht immer gegeben. Dann muss ich sehen, was im Klassen- oder Musikraum möglich ist .

Corona mit vielen Einschränkungen (Flötenverbote, feste Sitzordnung etc.) hat es in den letzten Jahren auch nicht immer leicht gemacht. Doch letztendlich findet man immer einen Weg, wie man die Kinder auf das einstimmen kann, was später ein schönes gemeinsames Musizieren ist!

Das erste eigene Flötenstück

Das erste gemeinsame Flötenstück richtet sich danach, wie weit wir gegen Ende des ersten Schuljahres mit unserer gemeinsamen Arbeit sind. Dies hängt auch etwas davon ab, ob die Erstklässler:innen morgens im rhythmischen Teil auch einmal die Möglichkeit bekommen zu üben. Da ich selbst Klassenlehrerin bin, kann ich dies nicht selbst begleiten.

Zurück zum Thema: Kleine Melodien beim Erlernen der Töne ergeben sich natürlich vorab auch schon. Doch für ein erstes, größeres Stück überlege ich mir immer etwas Passendes für die Klasse, das gut zu bewältigen und auch ein Ausblick auf die Vertiefung des Flötenspiels im zweiten Schuljahr ist. Das ist eine kleine Melodie aus beieinander liegenden Tönen, dazu ein schöner Text, so dass man das Lied singen und flöten kann. Oft ist es auch Teil einer kleinen Geschichte, die ich erzähle und hat etwas mit dem Sommer zu tun – Schmetterlinge, Marienkäfer, Sonnenstrahlen oder ein kühler, plätschernder Bach kommen gern darin vor.

Jede:r gestaltet es anders

So hat es sich bei mir entwickelt, das erste Schuljahr des Musikunterrichts zu gestalten. Bitte nicht als „Standard“ sehen, denn wir Waldorflehrer:innen sind ja unterschiedlich und haben einige Freiheiten in der Unterrichtsgestaltung. Und wer weiß: Vielleicht sieht mein erstes Musik-Schuljahr in 10 Jahren auch anders aus 🙂 Daher – Stand April 2022.

Frühling!

Endlich ist er da. Heutemorgen schien die Sonne sehr hell in unseren Klassenraum, die Vorhänge blieben dabei weit geöffnet – wir haben den Frühling einfach sehr genossen. Die Fenster können aufstehen, ohne dass es kalt wird. Dafür begleitet uns Vogelgezwitscher.

Drei Klassiker: Frühlingsgedichte

Er ist`s (Mörike) – das wird unser kleines Frühlingsgedicht bis zu den Osterferien. Ich habe drei klassiche Gedichte auf praktische Kärtchen geschrieben, die man gut auf Tonpapier kleben oder laminieren kann.

Hier könnt Ihr sie gern einfach downloaden:

Märchen vom Wünschen

Passend zum Frühlingsbeginn und dem kleinen Wunschritual habe ich auch in meinem Podcast „Märchen mit Klang“ ein Märchen über das Wünschen aufgenommen: Der Arme und der Reiche. Kleiner Hinweis: Ich erzähle das Märchen so, dass das Pferd nicht mit gebrochenem Hals tot umfällt, sondern „weggewünscht“ wird.

Die Erzählversion ist hier:

Zur Podcastfolge von „Märchen mit Klang“ kommt Ihr hier:

https://montagskindblog.libsyn.com/der-arme-und-der-reiche

oder ihr schaut überall, wo es Podcasts gibt 😉

Habt eine schöne erste Frühlingswoche!

Wenn das Tafelbild vor der Klasse entsteht

Heute war es mal wieder so weit: Das neue Tafelbild mit drei verschiedenen Tintenfischen ist vor den Augen der Kinder entstanden. Warum das eine schöne Sache ist, was dabei die Herausforderungen sind und weshalb es meiner Ansicht nach nicht schlimm ist, wenn mal nicht jeder Kreidestrich perfekt sitzt, könnt Ihr hier erfahren.

Das Tafelbild als Kunstwerk

Die meisten Tafelbilder entstehen bei mir am Wochenende. Ohne Zeitdruck, voll und ganz ins Malen eingetaucht. Das ist auch gut so, denn ich bin keine großartige Malerin. Da ist es praktisch, wenn man genug Zeit hat und auch mal korrigieren kann. Oft halte ich zwischendurch inne, gehe ganz nach hinten in den Raum und schaue mir aus der Entfernung den Arbeitsstand ganz in Ruhe an: Stimmen die Proportionen? Wie wirken die Farben? Ist das Gesamtbild harmonisch?

Tafelbilder sind geplant, vorgezeichnet, ich trage meist gemütliche Kleidung – die ich im normalen Schulalltag nie tragen würde – und bin dabei oft der einzige Mensch im Schulgebäude. Ist das Bild fertig und ich zufrieden, freue ich mich, wenn die Kinder am nächsten Schultag in die Klasse kommen und staunen – und die Kinder freut es ebenso. Oftmals malen sie das Tafelbild dann auch ab, um es als Titelbild auf ihr Epochenheft zu kleben oder einfach, weil sie es schön finden und auch selbst einmal malen wollen.

Den Prozess erleben

Die Kinder lassen sich gern überraschen, aber mindestens genau so schön und spannend ist es für sie, wenn sie miterleben dürfen, wie so ein Bild entsteht. Dabei können sie auch selbst mit malen, jeden Kreidestrich genau wahrnehmen und auf das eigene Bild übertragen. Auch hier gibt es immer Momente des Staunens, wenn aus wenigen Kreidestrichen etwas Schönes entsteht – und es den Kindern Schritt für Schritt auch selbst gelingt, das Motiv zu malen.

Worauf es ankommt

Malen die Kinder mit, muss das Bild einigermaßen einfach zu malen sein. So ist man als Lehrerin nicht nur selbst ein Stück weit sicher, dass das Bild auf Anhieb gelingt, sondern führt auch die Kinder zum Erfolg. Das Malen sollte auch nicht länger als 30 Minuten dauern, sonst wird es schnell unruhig in der Klasse (am Wochenende und ohne Publikum können es auch gut und gerne mal 2 Stunden und mehr sein).

Mit mehr als 30 Kindern im Raum muss man auch eigene Abstriche in Kauf nehmen – man kann nicht voll und ganz in die künstlerische Arbeit versinken, sondern muss immer auch einen Blick auf die Kinder haben: Kind A malt ganz in Ruhe für sich, Kind B kommt gerade nicht weiter und braucht ein bisschen Hilfe, Kind C schaut links und rechts, wie die anderen Kinder malen, beginnt aber selbst noch nicht…. so ist es im Schulalltag und das beeinflusst selbstverständlich auch das Malen an der Tafel. Manchmal muss dann auch unterbrochen und neu in das Bild eingefunden werden.

Perfekt unperfekt

Der eine Arm des Oktopus ist irgendwie dicker geworden als die anderen, die Krabbe sieht etwas spinnenartig aus – mit allen im Raum ist es nun einmal schwieriger, das perfekte Tafelbild zu zaubern, aber darauf kommt es auch gar nicht an. Wir Erwachsenen können Schwächen vor den Kindern zeigen, ohne uns zu blamieren. Vielmehr sind wir so authentisch. Bei den Kindern bleibt in Erinnerung: Sie konnten mittun, kleine Zeichenkniffe lernen und sich an einem schönen Gesamtkunstwerk erfreuen – Details hin oder her.

Hier eine Impression des heute entstandenen Tafelbildes

Tafelbilder bei Kaffee, Kreide, Morgenspruch

Für alle, die unseren Podcast noch nicht kennen: Das Thema Tafelbilder haben Dustin und ich vor genau einem Jahr, im März 2021, in der Folge „Tafelmalen und Formenzeichnen“ besprochen. Hier ist auch der Blogartikel dazu bzw. die Podcastfolge:

7 Märchen auf einen Streich für die Faschingszeit

Allmählich zeigen sich die ersten Frühlingsboten und die Faschings- oder Karnevalszeit beginnt. Mit fröhlichen Liedern und Geschichten treiben wir den Winter endgültig aus. Welche Märchen kann man jetzt gut erzählen? In meinem Podcast „Märchen mit Klang“ habe ich inzwischen eine schöne Sammlung für diese Zeit. Hier ein kleiner Überblick für alle, die noch ein schönes Märchen zum Zuhören oder Vorlesen suchen.

Schlau und beliebt: Der gestiefelte Kater

Dieses Märchen habe ich meiner Klasse auf unserem ersten Klassenfasching erzählt und wir hatten sogar den gestiefelten Kater persönlich vor Ort (eine wundervolle Kostümierung).

Neu im Podcast: Der süße Brei

Ein kurzes Märchen, zu dem die Kinder auch gern malen und sich weiter vorstellen: Was passiert, wenn ein Topf von ganz allein Brei kocht und gar nicht mehr aufhört?

Sehr beliebt: Die Bremer Stadtmusikanten

Ein lustiger Klassiker – die Kinder lieben es, wenn die Tiere die Räuber in die Flucht schlagen.

Auch kurz und lustig: Die Prinzessin auf der Erbse

Woran erkennt man die richtige Prinzessin?

Ganz unbescheiden: Das tapfere Schneiderlein

Für die ausgedehnte Märchenzeit an Fasching: Ein Schneider macht sich selbst zum Helden und kommt weit herum. Ob er auch die Aufgaben des Königs bestehen kann?

Hier geht es rund: Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack

Eine hinterhältige Ziege, ein falscher Wirt und drei Schneidersöhne, denen von den ersten beiden übel mitgespielt wird: Ihr Weg zur Gerechtigkeit sorgt für eine lustige und auch sehr rustikale Märchenzeit.

Sorgt für gute Laune: Die goldene Gans

Auch dieses Märchen wird sehr geliebt! Wie der Dummling durch Treue die goldene Gans erhält und nacheinander die Menschen an ihr kleben, nachdem eine Feder gestohlen werden sollte.

Spiele mit häufigen Fehlerwörtern

Wie viele Wörter hat die deutsche Sprache? In Duden finden sich rund 150.000 Stichwörter, aber mit den verschiedenen Wortformen, „eingedeutschten“ Wörtern aus anderen Sprachen sowie sich stets wandelnden Wortkreationen wird die Zahl der deutschen Wörter laut Schätzungen drei bis viermal so groß sein. Und doch findet man Listen mit Wörtern, die besonders häufig verwendet werden. Ich habe 100 dieser Wörter, darunter einige Fehlerwörter, zu Lernkärtchen zusammengesetzt und mit meiner Klasse spielerisch die Rechtschreibung verbessert.

Die Vorarbeit: Zehn am Tag

Oft sind es kleine Wörter: Konjunktionen, Präpositionen, Pronomen usw. Wann schreibt man „im“, wann „ihm“? Begriffe wie „Fahrrad“ oder „vielleicht“ sind Fehlerquellen. Man schreibt den „Morgen“ groß, die Zeitangabe „morgens“ aber klein. Die deutsche Sprache hat so manche Tücken.

Jeden Tag und mit nur wenigen Minuten Zeitaufwand habe ich meiner Klasse zehn dieser Begriffe diktiert und anschließend an die Tafel geschrieben. Dabei konnten die Kinder sich selbst überprüfen und wurden bei der Nachbesprechung auf Fehlerpunkte aufmerksam. Zehn Wörter am Tag lassen sich gut üben – und damit dauerhaft Fehler vermeiden.

Nach 10 Tagen und 100 Wörtern wurden dann die Wörterkärtchen gebastelt, die Ihr auch hier auf dem Bild seht. Man kann sie auf Tonpapier kleben, viele Kinder haben sie aber auch laminiert.

Vorlage ohne „Montagskindblog“-Aufdruck bei Eduki und mit „Montagskindblog“-Aufdruck zum Selberbasteln als kostenloser Download:

Lernen durch Spielen

Wie übt man nun diese Wörter, von denen viele einzeln nicht viel Sinn ergeben. Begriffe wie „Fahrrad“, „vielleicht“ oder „bisschen“ lassen sich besser üben als Wörter wie „als“, „geht“ oder „sah“. Die brauchen meist einen Gesamtzusammenhang. Daher gab es zu diesen Wörtern während des Homeschoolings in Klasse 3 auch schon eine tägliche Übung mit Mini-Diktaten (Eduki-Link hierzu).

Jetzt üben wir sie aber noch gezielter, ohne Sätze drum herum, sondern ganz im Fokus – und das, ohne sie reihenweise hintereinander zu schreiben. Es klappt sehr gut, die Erfolge stellen sich ein und daher stelle ich Euch diese Spiele hier gern einmal vor. Sie eignen sich auch sehr gut für LRS-Kandiat:innen.

Wörter Bingo

Die Kinder bekommen ein Spielfeld und tragen in die 16 Felder 16 beliebige Wörter unserer Sammlung ein. Dazu dürfen sie auch die Lernkärtchen verwenden. Auf diesem Wege lesen sie die Wörter besonders häufig, so dass sie sich einprägen.

Sind die Felder ausgefüllt, kann es losgehen. Ich wähle meinerseits beliebige Wörter dieser Liste aus, sage sie den Kindern und sie schauen dann, ob das Wort auf ihrem Kärtchen zu finden ist. Ist dies so, umkreisen sie es mit einem Buntstift.

Ich schreibe meinerseits das Wort noch einmal an die Tafel, so dass wir eine Liste bekommen und Doppelungen vermeiden. Zugleich sehen die Kinder nochmals das geschriebene Wort. Sie sollen dabei auch selbst ihre Schreibweise überprüfen.

Wer zuerst drei der genannten Wörter in einer Reihe hat (horizontal, vertikal oder diagonal), hat ein „mini Bingo“ und darf dies in die Klasse hineinrufen. Ich lasse dann meine kleine Tischklingel stürmisch klingeln 🙂 und schaue mir auch schnell das Kärtchen an. Bei vier Wörtern in einer Reihe ist es übrigens ein „maxi Bingo“ oder „big Bingo“.

Ein „über“ zu viel – die Kinder achten streng auf Doppelungen.

Übrigens habe ich dieses Bingospiel bereits in Klasse 1 eingeführt, nachdem wir schon die meisten Buchstaben kennengelernt hatten. Die Kinder haben dann einfach Großbuchstaben ihrer Wahl in die Felder eingetragen und ich habe Wörter gesagt, z.B. „Apfel“ – dann mussten sie in ihrer Liste das A suchen – oder „König“ , dann war das K gesucht. Allerdings hatten die ersten Bingofelder nur 3×3 und 3×4 Felder. Ich habe dann für mich die genannten Wörter mitgeschrieben.

Hier ein Download zum Bingo Spielfeld:

Vier gewinnt Diktat

Dies ist eine Partnerarbeit, die ich auch gern zu Beginn der Mathe-Übstunde spielen lasse, die Grundidee stammt von Hendrik Simon . Aber dazu gleich mehr.

Auch bei diesem Spiel werden nacheinander Felder besetzt, bis man vier Felder in einer Reihe hat. Doch es darf nur gesetzt werden, wenn man ein diktiertes Wort richtig geschrieben hat. Ist es falsch geschrieben, ist das gewünschte Feld für diese Runde blockiert, das Kind darf aber an einem anderen Feld nochmals sein Glück versuchen.

Durch unsere Lernkärtchen und auch das Wörterbuch ist die Schreibweise der Wörter überprüfbar – und soll auch selbst überprüft werden.

In Mathe stellen sich die Kinder gegenseitig Einmaleins-Aufgaben. Es ist einfach praktisch für alle Dinge, die geübt werden müssen und als Partnerarbeit sehr geeignet.

Auch hier habe ich das Spielfeld als Download für Euch. Ich habe es in der Schule auf halbe Größe kopiert, so dass zwei Spielfelder auf ein DIN A4 Blatt passen. Je 2 Kinder benötigen dann ein Spielfeld.

Wörter TicTacToe

Das anspruchsvollste Spiel ist das Wörter TicTacToe. Hier wird auch wieder in Partnerarbeit und abwechselnd ein Wort gesucht, dessen Anfangsbuchstabe zuvor ausgelost wird. Möchte man setzen, muss man ein für das Feld passendes Wort richtig aufschreiben. Drei gewonnene Felder in der Reihe sind das „TicTacToe“.

Kategorien und das Beispiel „K

  • Anlaut: „König“
  • Verb: kaufen
  • Anlaut + tz in der Mitte: Katze
  • 3 Silben: Ker-zen-wachs
  • Laut in der Wortmitte: Pauke
  • Anlaut + ck in der Mitte: Kicker
  • Endlaut: Stock
  • 2 Silben: Ki-wi
  • Nomen: Kapitän

Das Spielfeld zu unserem Wörter TicTacToe kannst Du hier downloaden:

Rosinas Wortsalat

Zu guter Letzt ein sehr beliebtes Spiel für alle Rosina-Fans und die, die es noch werden 😉

Das Spiel kann man ab Klasse 2 gut spielen. Der Schwierigkeitsgrad ist ja beliebig ausbaubar: Von einfachen über schwierige Wörter, bis hin zu ganzen Redewendungen.

Und so funktioniert es:

Der Zauberwettkampf

Märchenempfehlung von mir: Wer dieses Märchen aus Bechstein`s Märchenbuch noch nicht kennt, sollte es sich unbedingt einmal in meinem Podcast „Märchen mit Klang“ anhören oder den Text hier auf meinem Blog nachlesen.

Das fantasiereiche Märchen passt sehr gut in die bevorstehende Karnevalszeit und regt Kinder dazu an, schöne Bilder zu malen – oder auch selbst zu erzählen oder zu spielen, welche Gestalten sich einen spannenden Wettkampf liefern können.

Die Handlung

Ein Buchbinder-Geselle will die Welt erkunden und begibt sich auf Wanderschaft. Als ihm irgendwann das Geld ausgeht, nimmt er eine Arbeit bei einem Buchbinder an. Dort kommt er gut unter und genießt viele Freiheiten. Doch es gibt ein Buch, das er nicht anrühren darf. Daran hält sich der Geselle zwei Jahre lang. Irgendwann siegt aber doch die Neugier und es stellt sich heraus, dass das Buch ein gewaltiges Zauberbuch und der Buchbinder in Wahrheit in großer Zauberer ist. Doch der Geselle hat schon Vieles aus dem Buch gelernt. Ein Zauberwettkampf beginnt.

Lesen und Hören

Das Märchen könnt Ihr hier anhören:

Die Erdbeerkörbchen Märchen mit Klang

Eine arme Frau lebt mit ihren beiden Kindern am Waldrand. Eines Tages sollen sie Erdbeeren pflücken. Doch nach getaner Arbeit sind die Körbchen verschwunden. Wer steckt dahinter?  https://montagskindblog.de/2022/04/26/das-marchenhafte-erdbeergartchen/
  1. Die Erdbeerkörbchen
  2. Spindel, Weberschiffchen und Nadel
  3. Der Arme und der Reiche
  4. Der Fischersohn, der Rappe und der Schimmel
  5. Die 12 Jäger

Hier ist der Text zum Nachlesen:

Über das Lesen und Schreiben

Meine Klasse ist im 4. Schuljahr. Was das Lesen und Schreiben betrifft, sind die 2. und 3. Klasse entscheidend. Nachdem die Buchstaben in Klasse 1 bildhaft und mit Geschichten eingeführt wurden, die den Laut hinter dem Buchstaben deutlich heraushören ließen, sollten Bild und Klang ab Klasse 2 dann verinnerlicht sein. Es setzt allmählich eine Automatisierung ein und Bücherwürmer kommen auf ihre Kosten.

In eben diese Zeit fielen in unserem Fall lange Lockdowns und Phasen des Wechselunterrichtes. Viele Kinder haben nun gern zu Hause gelesen, so ihre Lesefähigkeit stärken und das Lesen deutlich festigen können – Lesen lernen dauert laut einer schwedischen Studie übrigens 5.000 Stunden. Voller Stolz berichten mir meine Vielleser immer wieder, welche großen Werke der Kinderliteratur sie bereits in kürzester Zeit verschlingen. Das freut mich natürlich sehr und so steht es auch ganz fest auf dem Jahresplan, dass wir einmal gemeinsam die große Bibliothek in der Stadtmitte besuchen werden.

Andererseits gab und gibt es auch Kinder, die eher das Lesen und Schreiben meiden, da es für sie ein großer Kraftakt ist. Oder würdest Du gern Bücher lesen, wenn Du Dich so anstrengen musst wie beim Lesen dieses Bildes?

Welchen Vorteil haben gute Leser und Rechtschreiber?

Wer viel liest, entwickelt einen besonderen „Blick“ für Wörter und kann mit der Zeit Wörter eben wie Bilder auf einen Blick erkennen. Ist ein Wort also im Gedächtnis wie ein Bild abgespeichert, müssen nicht mehr die einzelnen Buchstaben oder Silben zusammengezogen werden, sondern die Wörter sind im Ganzen blitzschnell und vor allem Sinn entnehmend abrufbar.

Beim Schreiben hat man die Wortbilder dann wiederum als Ganzes vor dem inneren Auge. Daher sind gute Leser und Schreiber nahezu mühelos in der Lage, Texte abzuschreiben auch ihre eigenen Fehler beim Durchlesen zu finden. Sie haben somit insgesamt ein ausgeprägteres Gefühl für die richtige Schreibweise und erkennen am Aussehen des Geschriebenen, ob vielleicht ein Fehler enthalten ist. Gezielt üben müssen sie hingegen dafür kaum – das Lesen von Lieblingsbüchern ist die wesentliche Übung und damit sehr komfortabel.

Kinder, die aber diese Fähigkeiten (noch) nicht ausgebildet haben, orientieren sich am Klang der Wörter und dieser „zeigt“ ihnen nicht, wie das korrekt geschriebene Wort aussehen muss. So müssen auditive Schreiber jedes Wort innerlich nachhören und von den Einzellauten auf die Buchstaben und Silben schließen. Das führt oft dazu, dass sie ein und dasselbe Wort mitunter auf verschiedene Weise schreiben und trotz viel gezielter Übung ihre Lese- und Schreibfähigkeiten nur sehr langsam verbessern. Es gelingt daher auch häufig nicht, beim nochmaligen Durchlesen mögliche Fehler zu finden.

Was deutet auf ein Schreiben nach Gehör hin?

Da gibt es zum einen die „klassischen“ Verwechslungen wie e/ä, d/t, g/k, b/p, f/v, zum anderen wird die Groß- und Kleinschreibung auch nach Jahren nur schwer verinnerlicht. Schwierigkeiten bereiten auch die Endungen -ig/lich oder Wörter mit Dehnungs-h oder i/ie.

Wann ist eine LRS-Diagnostik sinnvoll?

Um herauszufinden, ob eine Lese-Rechtschreib-Schwäche vorliegt, sollte man zunächst eine Zeitlang beobachten, ob eine regelmäßige Leseübung zu erkennbaren Fortschritten, auch beim Schreiben, führt und das Kind auch mit eigenen Worten wiedergeben kann, was es gelesen hat. Fällt all dies dauerhaft schwer, braucht ein Kind Unterstützung, die über das reine Üben hinaus geht. Hier gibt es Experten, die auf viele Feinheiten achten, Stolpersteine beim Lernen erkennen und gezielt im Einzelfall helfen können. Damit sollte man dann nicht all zu lange warten, denn Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche nehmen sehr wohl wahr, dass sie sich für gleiche Leistung mehr anstrengen müssen, ihre Ergebnisse vergleichsweise geringer ausfallen und sie mehr Zeit für ihre Aufgaben brauchen. Da kann selbst in einer allgemein entspannten Lernatmosphäre die eigene Unzufriedenheit wachsen und Motivation verloren gehen.

Was brauchen LRS-Kinder?

In erster Linie brauchen sie Ermutigung, eine gute Lernumgebung und kontinuierliche Förderung. So sollten sich die Kinder in ihrem Lernumfeld wohl und getragen fühlen. Wenn sie bereits zu gehemmt sind, dauert es auch länger, bis die Förderung richtig angenommen wird.

Ein Blick auf später: Nachteilsausgleiche und ihre Formalitäten

In den ersten Schuljahren denkt man zwar oft noch nicht an den Schulabschluss – doch der kommt schneller, als einem lieb ist (als Mama weiß ich, wovon ich rede). Um also in zentralen Prüfungen Nachteilsausgleiche geltend machen zu können, ist es wichtig, nicht nur eine Diagnose über die Lernschwäche – von anerkannter Stelle – vorzulegen, sondern auch erhaltene Förderung bescheinigen zu können.

Weiterhin ist es wichtig – so meine Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen – dass einem Kind bereits eine Zeitlang Nachteilsausgleiche gewährt wurden und diese auch wirkungsvoll waren.

Doch die Bestimmungen rund um die Nachteilsausgleiche ändern sich immer mal wieder und variieren auch von Bundesland zu Bundesland. Daher sollte man sich frühzeitig mit den gültigen Regelungen vor Ort vertraut machen und auch formal gewisse Dinge (vorsorglich) auf den Weg bringen.

Der Rechtschreibung spielerisch begegnen

Zur Einstimmung auf unsere Epoche „Freies Schreiben“ haben wir sehr gern Wort- und Rechtschreibspiele gespielt. Diese sind sowohl für versierte, als auch für noch übende Schreiber:innen interessant. Ich stelle sie Euch in meinem nächsten Blogartikel vor.

Hier auch schon einmal ein kleiner Vorgeschmack:

Aufsätze schreiben ist wie schwimmen lernen

In Klasse 4 werden die Anforderungen an die Kinder immer komplexer. Die erlernten Fähigkeiten werden nun noch mehr miteinander verbunden. Unsere aktuelle Epoche heißt „Freies Schreiben“ und darüber möchte ich hier berichten. Im Gespräch mit der Klasse haben wir das freie Schreiben mit dem Schwimmenlernen verglichen.

Wassergewöhnung

Sich ganz dem Element Wasser hinzugeben, das gelingt nicht jedem gleich. Viele Kinder müssen sich daran erst noch gewöhnen, obwohl sie Wasser an sich schon immer kennen. Und auch die Buchstaben, Silben, Wörter und Sätze können zu einem regelrechten Meer werden. Wer gern erzählt und sicher schriftliche Aufgaben erledigt, erlebt es nicht unbedingt genauso locker, wenn die gedachten Worte und Geschichten plötzlich zu Papier gebracht werden sollen. Nicht selten kostet es Überwindung, die eigenen Gedanken nicht nur für andere hörbar, sondern auch durch die Schrift sichtbar zu machen. Wie hört es sich an, wenn jemand anderes meine erdachten Sätze ausspricht? Sind alle Wörter richtig geschrieben? Kann überhaupt meine Handschrift gut gelesen werden? Auch das freie Schreiben kostet Überwindung und braucht Mut, wie der erste Sprung vom Beckenrand, das sollte nicht vergessen werden. Da gilt es, zunächst eine einfache Struktur aufzubauen und die Anforderungen übersichtlich zu halten.

Erste Trockenübungen

Hampelmannsprünge am Beckenrand – die Bewegungen werden zunächst außerhalb des Wassers geübt. Und auch die Kinder lernen erst einmal die Buchstaben kennen, schreiben bald erste Wörter ab, nachdem sie sie gelesen haben und können dann auch Wörter nach dem Gehör oder auch schon auswendig aufschreiben. Sie werden an die ersten Rechtschreibregeln herangeführt, die Hörwörter, Nachdenkwörter und Merkwörter. Das ist der erste Schritt.

Mit der Poolnudel ins Wasser

Was draußen am Beckenrad geübt wurde, darf jetzt im Wasser probiert werden. Die Poolnudel gibt dabei noch schützende Sicherheit. Auch beim Schreiben werden die ersten Sätze von der Tafel abgeschrieben und bald darauf Lückentexte eigenständig mit Wörtern gefüllt. Der nächste Schritt ist nun, Fragen mit eigenen Worten in ganzen Sätzen zu beantworten.

Die erste Bahn ohne Schwimmhilfe

Wie aufregend, besonders und frei fühlt es sich an, die erste Bahn allein im tiefen Wasser geschafft zu haben. So erleben auch die jungen Schreiber:innen ihren ersten eigenen Aufsatz:

  • Die Kinder machen sich Gedanken zu ihrem Thema oder kleine Fantasiegeschichte und diese werden geordnet (hier habe ich mit Postern und Aufsatzkärtchen gearbeitet, siehe unten)
  • Daraus werden Sätze formuliert
  • und in Sinnzusammenhang gebracht,
  • eine erste Gliederung in Einleitung, Hauptteil und Schluss eingehalten
  • auf die Rechtschreibung geachtet und auch eigenständig ein Schema zur Rechtschreibkorrektur angewandt (Bei uns: Groß-/Kleinschreibregeln, Übung der 100 häufigsten Fehlerwörter – hier auch Material von mir auf Eduki: Übungsheft mit 30 Minidiktaten und der Umgang mit dem Wörterbuch).
  • Stets wird auch auf ein sorgsames Schriftbild geachtet.

Ja, es sind erst einmal nur kleine Aufsätze und meist nur wenige Sätze. Doch so ist ein solider Anfang gemacht. Sicherheit und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten werden durch die regelmäßige Übung gewonnen.

Schwimmtraining, Kopfsprung, Wellenbad

Die gewonnene erste Sicherheit ist ausbaufähig. Die Texte werden umfangreicher, die Inhalte nicht nur nach vorhandenem Wissen, sondern auch nach Recherchen erstellt. Es gibt nicht mehr nur einen Aufsatz, sondern ein Gesamtwerk mit kleinen und später größeren Kapiteln.

Paddeln auf dem Fluss, schwimmen im großen Meer

Irgendwann ist die Rechtschreibung erkennbar sicherer, der eigene Korrekturaufwand der Schüler:innen dadurch nicht mehr so groß. Das Formulieren ist geübt, Satzbau und Grammatik ebenso routinierter. Inhalte werden jetzt zunehmend mit recherchiertem Wissen angereichert.

Zurück zum Start

Auch unser Anfang ist gemacht, die ersten Bahnen sind geschwommen, Sicherheit wurde gewonnen und das nächste große Ziel befindet sich bereits in Sichtweite: Ein kleines Tierbuch soll in der Tierkundeepoche selbst geschrieben werden: Startsprung und auf in die ersten Wellen!

Downloads für Euch

Erste Gliederung eines Aufsatzes:

Ein Themenplakat von mir zu Jahresbeginn, das ich auf A4 gedruckt und dann auf A3 hochkopiert habe: Die Reise durch das neue (Schul-) Jahr:

Die kleinen Themenkärtchen dazu:

Das ganze Material bei EDUKI hat als weitere Themen ein Fest zu planen, das Lieblingsbuch vorzustellen, Haustierwünsche zu durchdenken und Ferienpläne zu schmieden. Es besteht aus fünf Postern und insgesamt 80 Lernkärtchen. Hier die Übersicht: