Die Glücksstunde zum neuen Jahr

Auf ein Neues! Morgen hat uns der Schulalltag wieder. Nachdem mich kurz vor den Weihnachtsferien die Grippe völlig lahmgelegt hatte und ich mich nicht richtig von meiner Klasse verabschieden konnte, habe ich mir vorgenommen, die erste Stunde des neuen Jahres als Glücksstunde zu planen. Achtsamkeits- und Mindsetübungen fließen zwar immer wieder in meinen Unterricht ein – diesmal ist ihnen eine ganz besondere Stunde gewidmet.

Auf in ein neues Jahr, mit Vertrautem

Wir haben ja unsere Rituale im Laufe eines Jahres. So gehören zum neuen Jahr auch die Glücksperlen dazu. Natürlich dürfen sie auch diesmal nicht fehlen, sie werden sicherlich schon erwartet.

Auch unser Glücksglas wird erneuert. Es hat in den letzten Monaten geruht und mit ihm wird eine weitere Erinnerung geweckt an ein schönes Ritual, das wir gern auch im Laufe eines Schuljahres, meist montags, gepflegt haben.

… und neuen Impulsen

Hierzu zählen sowohl eine Übung zu persönlichen Zielen, als auch ein Spiel, das das Miteinander weiter stärken soll. Als kleine individuelle Übung habe ich zudem ein Suchsel entworfen: Unbewusst werden wir auf Dinge, die uns viel bedeuten, zuerst aufmerksam. So heißt es: Die ersten drei Wörter, die man in dem Buchstaben-Dschungel entdeckt, werden im neuen Jahr für einen selbst bedeutsam.

Freebie mit dem Suchsel:

Dann git es noch ein Kleeblatt-Spiel. Hierfür habe ich Plakate mit einem großen Glücks-Kleeblatt entworfen. Es werden zunächst 4er Gruppen gelost. Dadurch kommen sich auch einmal Kinder näher, die bislang weniger miteinander zu tun hatten. Der Auftrag ist nun, das Kleeblatt zu füllen. Jedes Kind überlegt, wie es sich selbst am besten beschreiben würde und darf von sich erzählen. So finden die Kinder heraus, was sie so alles gemeinsam haben (und vielleicht bislang nicht voneinander wussten). Gleichzeitig wird ihnen auch noch einmal mehr bewusst, was sie als eigenständige Persönlichkeit ausmacht.

Der Plan für den ersten Schultag

Nach den Weihnachtsferien gibt es viel zu erzählen: Was man erlebt hat, welche tollen Geschenke ausgepackt wurden und wen man getroffen hat. Mit unseren Erzählspielen gestalten wir aber nicht nur den ersten Schultag, sondern meist die gesamte erste Schulwoche so, dass wir uns zu Beginn eines jeden Schultages ein paar Minuten lang gegenseitig zuhören und von den Ferien erzählen.

Neues Jahr, neue Pläne: Anschließend berichte ich den Kindern, was im neuen Jahr in unserer Klasse noch so alles ansteht und dann gehen wir über zur Glücksstunde, um uns auf das, was uns in den nächsten Monaten begleiten wird, gemeinsam einzustimmen.

Ob dann noch Zeit für ein erstes Geometrie-Spiel bleibt? Etwas, das bis zum nächsten Schultag schon bewegt werden kann? Wir werden sehen 🙂

Jedenfalls kommt all das, was auch tägliches Schüler-Handwerkszeug ist, in dieser lockeren ersten Schulstunde nach den Ferien vor: Von der Eigenarbeit über Gruppenarbeit, bis zum Klassengespräch. Und so hoffe ich, auch meinerseits einen guten Übergang vom Ferienmodus in den Schulalltag zu gestalten.

Ein selten schönes Weihnachtsgedicht

Auf der Suche nach einem schönen, stimmungsvollen Weihnachtsgedicht für meine Klasse bin ich auf dieses wunderbare Gedicht, aus dem Althochdeutschen übersetzt, gestoßen. Ich freue mich so, es gefunden zu haben und teile es gern mit Euch. Allen Leser:innen einen schönen ersten Advent!

Weihnachtshymne

Aus der Höh´ein Stern uns glänzet
in erhabenem Geleucht,
der dem ganzen Erdkreis schimmert
und die dunkle Nacht verscheucht.

Als die Hirten auf dem Felde
gramvoll ruhten in der Nacht,
hat ein heller Himmelsherold
ihnen Frohes kundgemacht.

Jubelhymnen ließ erschallen
die beglückte Engelschar:
Friede kommt aus Himmelshallen
allen Menschen immerdar.

Dessen Hand umspannt des Himmels
Weiten und den Erdenball,
arm in Windlein liegt er weinend
als ein Kindlein hier im Stall.

Freue, Himmel, dich mit deinem
tausendfachen Engelheer,
freut euch, weite Erdgebiete,
Sterne, Ströme, Weltenmeer!

Wahlafried Strabo, Insel Reichenau (800 – 849)

Als Kärtchen zum Download

Kleine Erinnerung: Ein etwas anderer Adventskalender

Im letzten Jahr habe ich einen Adventskalender für das Glücksglas erstellt. Wer noch etwas in dieser RIchtung sucht, wird hier fündig!

Ich wünsche Euch eine friedvolle Vorweihnachtszeit!

Selbstreflektion mit dem Fingertrick

Lernen braucht ein bestärkendes Mindset. Solch ein Mindset braucht Selbstfürsorge. Selbstfürsorge braucht Selbstreflektion. Und das beginnt – wie der Name schon sagt – bei sich selbst. Auch die Kinder sollen für ihren Lernerfolg ein positives Mindset aufbauen und wissen: Wie nehme ich mich und meine Empfindungen wahr? Wie kann ich das vor allem auch sichtbar machen, zum Ausdruck bringen? Dazu fiel mir vor kurzem, an einem sehr stressigen Tag, wieder die 5-Finger-Skala wieder ein.

Ich habe den Kindern diese Übung im Rahmen einer Erzählrunde vorgestellt, an einem Tag, der für mich seit den frühen Morgenstunden schon alles andere als rund lief. Den 5-Finger-Trick habe ich, bezogen auf mein Beispiel, einmal laut vorgemacht. Die Kinder hatten gut zugehört und mich auch daran erinnert, was trotz der Kette von Missgeschicken an diesem Tag in meinem Falles alles gut war. Seitdem machen wir diese Übung zwischendurch gemeinsam, aber jeder für sich. Ich kann dabei gut wahrnehmen, wie es einzelnen Kindern geht. Auch viele Kinder sind schon in der Lage, um sich herum die Situation einiger Mitschüler:innen wahrzunehmen.

Hier die Übung einmal schnell erklärt:

Daumen: D wie Dankbarkeit

Die Frage lautet: Wofür bin ich heute dankbar? Tippe den Daumen an für jede einzelne Sache, die dich heute dankbar macht.

Zeigefinger: Z wie Ziel

Alles, was ich mir für heute vorgenommen habe: Mich in der Stunde mindestens dreimal melden, am Nachmittag meine Freunde treffen, mein Haustier pflegen….. Die Tagesstruktur findet sich auch hier wieder.

Mittelfinger: M wie Mein Gefühl

Dieser Finger ist ein Stimmungsbarometer: Geht es mir gut? Je höher, desto besser.

Ringfinger: R wie Ratgeber

Wer steht mir zur Seite? Familienmitglieder, Freunde, Mitschüler:innen, Lehrer:innen…. Tippe für jede Person, die Dir in den Sinn kommt und spüre, wie viele liebe Menschen Dich umgeben.

Kleiner Finger: K wie Kraft

Wie fühlt sich mein Körper heute an? Ist er in seiner Kraft oder gibt es etwas, das ihn hemmt. Auch der kleine Finger ist eine Anzeige: Je höher der „Stand“, desto mehr Energie habe ich.

Ich wünsche Euch viel Erfolg und gute Gedanken mit dieser kleinen Mindset-Übung!

Über die Martinsbrezeln

Bald ist wieder Sankt Martin. Die Symbole des Martinsfestes sind tief in uns verankert: Die Laternen bringen Licht in die Dunkelheit (und in die Herzen), die Martinsbrezeln werden miteinander geteilt. Nachdem ich ein wenig der Frage nachgegangen bin, warum eigentlich ausgerechnet Brezel das „Martinsgebäck“ wurden, habe ich eine kleine Geschichte dazu aufgeschrieben.

Der genau Ursprung ist nicht bekannt

Es gibt viele verschiedene Quellen, Gedanken und Legenden dazu – wie immer, wenn eine Tradition sehr alt ist und sich in mehreren Ländern und Regionen erhalten hat. Eine Legende gefiel mir allerdings besonders gut (Quelle: Brotexperte.de): Ein Bäcker wurde wegen Betruges angeklagt und um einer Strafe zu entgehen, sollte er ein Brot backen, durch das die Sonne dreimal durchscheinen kann. So kam er auf die Form des Brezels, die auch an gekreuzte Arme beim Gebet erinnert und die übrigens daher auch ihren Namen hat (Ableitung vom lateinischen Begriff Bracchium, der Arm). Als ich das las, entstand bei mir die Idee, diese Legende ein Stückweit nachzuerzählen.

Meine Geschichte dazu

In meiner Geschichte hat der Bäcker sein Urteil angenommen und wünscht sich zutiefst eine Wiedergutmachung. Dabei nimmt er seine gutherzige Frau zum Vorbild, um ein noch besserer Mensch zu werden. Am Ende wird ihm verziehen und er kann zudem seine guten Gedanken an viele andere Menschen weitergeben und somit ebenfalls teilen.

Geschichte und Rezept

Die Geschichte kann vorgelesen und erzählt werden, bevor man gemeinsam Brezeln backt – oder vor dem gemeinsamen Essen und miteinander Teilen am Martinstag.

Hier ist die Geschichte als Download

Und hier ab dem 7.11.22 als Montagsmärchen in meinem Podcast „Märchen mit Klang“.

Gern teile ich an dieser Stelle mit Euch auch wieder mein Lieblings-Brezelrezept.

Ich wünsche Euch einen schönen Martinstag mit Euren Lieben!

Über den Epochenunterricht

Für unsere Themenreihe „Das zweite Jahrsiebt“ schreibt heute Wiebke Vos über den inhaltlichen Arbeitsteil des Epochenunterrichtes. Dieser wird umrahmt von rhythmisierten Übungen zu Beginn der Epochenzeit und dem abschließenden Erzählteil.

Über die ganze Schulzeit gesehen fängt der Unterricht an Waldorfschulen morgens mit den Epochenunterricht, vielerorts Hauptunterricht genannt, an. In der Unter- und Mittelstufe unterrichtet der/die KlassenlehrerIn die Klasse über mehrere Wochen in einem Unterrichtsfach. So haben meine SchülerInnen zum Beispiel seit 3 Wochen jeden Morgen Schreiben/Lesen.

Die Möglichkeit, intensiv in ein Thema einzutauchen

Die Unterrichtsepochen der ersten Klassen sind lang und wenig differenziert. Formenzeichnen, Rechnen und Schreiben wechseln sich ab. Hierbei ist es jedoch den LehrerInnen überlassen, in wie weit sie Natur, Jahreszeiten, Heimat und Umwelt mit einfließen lassen. In der zweiten und dritten Klasse gibt es zusätzlich zu den drei „Hauptfächern“ noch besondere Epochen wie die Bienenepoche, die Franziskusepoche, die Tierkunde- und die Ackerbauepoche. 

Übergang zur Mittelstufe

In der Mittelstufe werden die Epochen spezialisierter, es wird mehr differenziert und es kommen neue Fächer hinzu: 

Deutsch, Sachkunde, Heimatkunde, Erdkunde, Tierkunde, Menschenkunde, Pflanzenkunde, Gesteinskunde, Physik, Chemie, Geschichte, Mathematik, Geometrie usw.

Die Inhalte aus den Epochen werden auch in Übungsstunden aufgegriffen und dürfen über Nacht reifen. Dadurch wird häufig ein deutlicher Tiefgang erreicht. Ebenso wie der Schlaf in der Nacht, sind die Pause zwischen den Epochen Momente der stillen Reflexion. 

Indem sich die SchülerInnen zu einem späteren Zeitpunkt an den Unterrichtsinhalt erinnern, kann auch das Wissen gefestigt werde.  Der Unterrichtsstoff wird dadurch nachhaltig vermittelt. 

Epochenhefte

Während der Epochen arbeiten die Kinder in Epochenheften. Damit gestalten sie SchülerInnen ihre eigenen Lehrwerke. 

Das bewegte Klassenzimmer

Raumstruktur, Flexibilität und Miteinander – in vielen Klassenzimmern sind die Bänkchen, das Bochumer Modell, nicht mehr wegzudenken. Es bietet viele Möglichkeiten, die einzelnen Unterrichtsphasen zu gestalten und vor allem eins: Kinder in Bewegung.

Über die Bänkchen als Klassenzimmermobiliar

  • Sie können von den Kindern selbst umgestellt werden können.
  • Sie sind stapelbar und damit kann bei Bedarf viel Platz geschaffen werden.
  • Dreht man sie um, hat man einen kleinen Balancierbalken, der aber auch als Hürde eingesetzt werden kann.
  • Die Sitzfläche ist groß genug, dass sie Kinder sie auch als Tisch benutzen können, wenn sie frühstücken oder arbeiten. Es passen gut zwei aufgeschlagene Epochenhefte im Querformat darauf.

Kinderleicht verstellt und viel gewonnen

Die Bänkchen sind vielfältig und das Beste ist: Die Kinder stellen sie selbst um. Dabei spüren sie ihre Kräfte und das zu tragende Gewicht sorgt erst für erhöhte Körperspannung, danach für ein Gefühl der Entspannung. Außerdem üben die Kinder, miteinander zu arbeiten – immer zwei stellen ein Bänkchen, während dies um sie herum abe auch auch alle anderen Kinder tun. Am Ende muss eine Formation für die ganze Klasse stehen: Möglichst zügig und ganz sicher ohne Kollisionen.

Alle helfen mit und das ist eine kleine soziale Herausforderung: Wenn zwei Kinder ein Bänkchen tragen, dabei darf das eine Kind nicht schneller oder langsamer laufen als das andere Kind. Und wenn zusätzlich die ganze Klasse gleichzeitig alle Bänkchen verstellt, muss man auch einmal warten oder andere vorbeilassen, bis das Bänkchen am gewünschten Ort abgestellt werden kann – auch wenn man gern selbst schon dorthin möchte. Ein anderes Mal ist man aber auch schnell fertig und kann vielleicht noch anderen dabei helfen, ihr Bänkchen richtig zu platzieren – oder einfach mit schauen, ob die Formation insgesamt gut steht.

Das Umstellen der Bänkchen ist aber nicht nur eine kleine soziale Bewegungseinheit zwischendurch, es erfordert und schult auch die räumliche Orientierung im Klassenzimmer. Die Sitzordnung wird stets eingehalten und auch an dieser Stelle ist spürbar, dass es verlässliche Regeln und eine jederzeit schützende Ordnung in der Klasse gibt. Jedes einzelne Kind darf sich sicher, selbstwirksam und selbständig fühlen.

Die alltäglichen Formationen

Die verschiedenen Bänkchen-Formationen geben den verschiedenen Phasen der Epochenzeit ein „Gesicht“ im Raum. Und natürlich ist die jeweilige Struktur auch sehr hilfreich.

Parcours

Manche Kolleg:innen starten mit einem kleinen „Begrüßungsparcours“, der die Kinder jeden Tag neu in die Klasse einlädt.

Morgenkreis, gemeinsame Erarbeitung

Die erste Formation ist dann der Morgenkreis. Vieles wird auch gemeinsam in der Kreismitte erarbeitet, ausprobiert und angeschaut.

Reihen

Wenn jedoch an der Tafel gearbeitet wird und abgeschrieben werden muss, bieten sich die Reihen an. Hier müssen die Kinder dann wissen, in welche Reihe und an welche Stelle ihr Bänkchen stehen muss.

Das ist nur eine kleine Auswahl. Der Kreativität und den Möglichkeiten sind praktisch kaum Grenzen gesetzt.

Die Kissen sind eine schöne Ergänzung.

Sie können zum Sitzen flach und hochkant genutzt werden. Außerdem sind sie auch für eigene Spiele z.B. als Flusssteine oder zum Bau einer Höhle, in Kombination mit den Bänkchen, zu verwenden

Meine Erfahrung: Vor- und Nachteile

Die Vorteile sind ja bereits klar dargestellt: Die Bewegungs- und Körpererfahrungen, die Tages- und Raumstruktur, das soziale Miteinander. All das möchte ich nicht missen und würde es in den Schuleingangsklassen auch jederzeit befürworten.

Ich habe bei meiner Arbeit aber auch beobachtet, dass manche Kinder sich auch einmal zwischendurch richtig anlehnen wollen. Das ist an den Bänkchen so nicht immer möglich. Daher habe ich die Kinder bei bestimmten Übungen auch manchmal Rücken an Rücken sitzen und sich gegenseitig anlehnen lassen.

Zudem hatte ich hinten in meiner Klasse immer auch einen kleinen Gruppenarbeitsplatz aus zwei kleinen Doppeltischen mit Stühlen aus dem üblichen Schulmobiliar eingerichtet. Diese Plätze wurden in Arbeitsphasen bei Bedarf flexibel genutzt, ansonsten wurde auf den Tischen auch mal etwas zum Betrachten ausgestellt.

Insgesamt – Ihr merkt es – bin ich ein großer Fan des bewegten Klassenzimmers. Schreibt mir auch gern von Euren Erfahrungen!

Sprüche für die schriftlichen Rechenverfahren

Um die schriftliche Division und Multiplikation sicher ausführen zu können, braucht es neben der sicheren Kenntnis des Einmaleins gleich mehrere Rechenschritte. Mit Hilfe dieser beiden Sprüche klappt es mit der Zeit immer besser. Es handelt sich um Überlieferungen, z.T. habe ich etwas umformuliert. Erwartet keine große Dichtkunst, aber vielen Kindern hilft es. Die Sprüche gibt es als Kärtchen zum Download. Ich wünsche viel Erfolg!

Die schriftliche Division

Die schriftliche Multiplikation

Sprüche zum Download

Hier sind sie. Einfach ausdrucken und beidseitig auf Pappe kleben oder laminieren.

Der neue Epochenplan ist fertig

Ein neues Schuljahr zu planen, ist jedes Jahr und immer wieder etwas ganz Besonderes. Das sind diese Momente, in denen man als Waldorflehrer:in die Freiheiten und Besonderheiten des Berufs besonders spürt, wie ich finde.

Die Epochen und der Lehrplan

In der Waldorfpädagogik geht es darum, die kindliche Entwicklung zu fördern und den Kindern Antworten auf ihre vielfältigen Fragen an die Welt zu geben. Es geht also nicht darum, dass etwas unterrichtet wird, sondern auch wie und vor allem wann (in welchem Entwicklungsalter ist es passend?) Deshalb sind bei uns manche Themen und Fächer früher (Bruchrechnung, Fremdsprachen) und andere später (Einsatz von Medien, bestimmte Sachthemen, Einsatz von Geometriedreieck und Zirkel) an der Reihe im Vergleich zum staatlichen Schulsystem – und mitunter auch im Vergleich zu anderen Klassen.

Nun zu meiner Klasse. Die neuen Fünftklässler:innen stehen mit beiden Beinen fest im Leben und möchten alles um sich herum näher erforschen, vertiefenden Fragen nachgehen und Zusammenhänge ergründen. Sie haben ihre erste große Entwicklungskrise voll und ganz überwunden und verbinden sich mit vielen Inhalten. Die Pubertät ist zwar nicht mehr weit, aber eben auch noch nicht mit großen Wachstums- und Hormonschüben angekommen.

Eine schöne Zeit, die eine Vielfalt an Themen bietet, die sowohl das Verhältnis von Mensch und Umwelt, als auch die Menschentwicklung abbilden: Da wären die alten Kulturen, das antike Griechenland, die Welt der Pflanzen und Tiere, die Vielfalt Deutschlands und so viel mehr. Verschiedene Texte – Nacherzählungen, Sachtexte, die eigene Meinung – werden produziert, dabei Grammatik erforscht und die Rechtschreibung weiter geübt. Die Bruchrechnung wird umfassend erschlossen, die bisher erlernten Rechenverfahren dazu weiterhin geübt und gefestigt. Es gibt also viel zu entdecken und zu tun – und das hoffentlich mit ganz viel Lernfreude!

Beziehung und Kreativität

Vier Jahre habe ich mit meiner Klasse bereits verbracht. Zu meinem großen Bedauern sind diese Jahre unglaublich schnell verflogen und wir haben inzwischen „Klassenlehrer-Halbzeit“. Dass ich die Klasse als funktionierende Gruppe so gut kenne und weiß, was die Kinder für ihre nächsten Schritte brauchen und was ihnen gefällt, fließt natürlich voll und ganz in die Gestaltung des neuen Epochenplans ein. Mir ist bewusst, woran sie Freude haben und wie ich sie „mitnehmen“ kann. So bekommt der neue Plan dann auch einen ganz eigenen Schliff, der eben genau zu dieser Klasse passt.

Mit Blick auf die Unterlagen, die ich aus meiner letzten 5. Klasse aufbewahrt habe, spüre ich übrigens das, was gerade die aktuelle Klasse ausmacht, im Vergleich zur ehemaligen Klasse noch einmal besonders. Und es macht sehr zufrieden, genau darauf eingehen zu können. Einfach nur genial, dass ich diesen Freiraum nutzen und auch eigene Epochen passend konzeptionieren kann.

Startklar!

Die Sommerferien sind zum Glück 6 Wochen lang. Zeit, um das vergangene Schuljahr sacken zu lassen, Zeit zum Erholen, Zeit für neue Pläne. Viele Ideen habe ich gesammelt und wirken lassen – und jetzt, wo das neue Schuljahr vor der Tür steht, wird alles konkret.

Das Puzzle und die Reihenfolgen

Rein technisch muss man erst einmal schauen, wie viele Wochen zwischen den jeweiligen Ferien liegen und diese Zeit aufteilen in verschieden lange Epochen, so wie es am besten passt. Die Pflanzenkunde-Epoche zum Thema Frühblüher kann natürlich nur im Frühjahr stattfinden. Wollen wir draußen auf dem Sportplatz eine Olympiade veranstalten? Das Thema antikes Griechenland passt ohnehin gut in die Sommerzeit. Und so setzt sich das Puzzle „Epochenplan“ nach und nach zusammen.

Zum Auftakt des Schuljahres wird das Neue spürbar: Mit einem ganz neuen Themenbereich, einem neuen Arbeitsmittel oder einer neuen Lernmethode beginnt der Weg in die neue Klassenstufe. Es gilt, den Stoff sinnvoll aufzubauen, vor jeden Ferien einen schönen Abschnitt geschafft zu haben und froh auf das nächste Stück Weg zu blicken.

Doch noch ist aber alles geheim. Die ersten, die den Plan näher kennenlernen, werden meine Schüler:innen sein. Sie werden ihn dann mit nach Hause bringen und ihren Eltern von unseren Plänen berichten. Auf dem ersten Elternabend, der zeitnah stattfindet, erfahren die Eltern dann von mir Näheres zu den menschenkundlichen Hintergründen und warum genau das unser Epochenplan ist. Oftmals bekomme ich dann auch schon erste Rückmeldungen, was die Kinder zu Hause berichtet haben oder worauf sie sich schon an meisten freuen.

Ein neues Schuljahr steckt voller neuer Chancen, Herausforderungen und Überraschungen. Wir können es aktiv gestalten!

Montagskindblog

Was machen die Wachsblöckchen am Schulanfang?

Viele Erfahrungen im Bereich der Wahrnehmung und der Motorik sind wichtig auf dem Weg zum Schreiben. Es braucht so einigen jahrelangen Vorlauf, um die graphomotorischen Fertigkeiten vorzubereiten, die ab Klasse 1 benötigt werden. In der Waldorfschule kommen die flächigen Wachsmalblöckchen gerade dann intensiv zum Einsatz, wenn auch die ersten Buchstaben, Wörter, Zahlen und Rechenaufgaben zu Papier gebracht werden.

Fleißige Kinderhände

Sogleich im ersten Schuljahr werden die Hände für viele verschiedene feinmotorische Tätigkeiten benötigt: Es wird gemalt, geschrieben, geblättert, ausgeschnitten, gestrickt, geflötet, gepinselt – und so viel mehr. Eine Epochenheftseite ist erst dann fertig, wenn „nichts mehr weiß“ ist. Ganz gezielt wird mit dem Wachsmalblöckchen in der Fläche gearbeitet: Ausgemalt, eingerahmt, Schwungübungen gemacht und der Heftseite ein feiner „Schimmer“ verliehen.

Die Handgriffe des Wachsmalblöckchens

Bei der Erarbeitung einer Epochenheftseite verwenden die Kinder die verschiedenen Seiten des Wachsmalblöckchens. Dabei ist jede Seite anders zu greifen:

Die verschiedenen Griffe aktivieren und trainieren dabei verschiedene kleine Muskeln und üben gezielt feinste Bewegungen.Mit ihnen werden immer sicherer bestimmte Bewegungsspuren zu Papier gebracht: Kreise, Kurven, Geraden, Überkreuzungen. Dabei reichen die meist fließenden, rhythmischen Bewegungen bis ins Handgelenk.

Verschiedene Griffe, verschiedene Effekte

Wenn man das Blöckchen nur ganz leicht über das Papier zieht, entsteht der feine Schimmer. Wenn man nicht zu kräftig drückt, können auch zwei Farben miteinander kombiniert werden und eine schöne Farbmischung entsteht. Kräftig aufgedrückt, tritt das Gemalte in den Vordergrund, wirkt beweglich und lebendig.

Vielfalt ist wichtig

Es ist sicher so, dass das Wachsmalblöckchen zu den anspruchsvolleren Materialien gehören, mit denen die Kinder arbeiten. Nicht selten empfinden die Kinder dies auch als anstrengend. Es sollte daher auch auf etwas Abwechslung geachtet werden. Und: Je mehr Erfahrungen mit unterschiedlichen Schreib- und Malwerkzeugen gesammelt werden können, desto besser. Wobei ich persönlich Filzstifte für meine eigenen Kinder und auch in meinem Klassenzimmer ablehne: Zu viel Plastik, zu viel Chemie, zu leichtgängig und wenig Varianz in der Farbintensität.

Themenreihe Wachsmalblöckchen: Das Blöckchen

Sie sind so einfach und so genial – so genial einfach: Unsere Wachsmalblöckchen. Mit ihnen kann man die schönsten Bilder malen, Heftseiten vorbereiten und verzieren, spielen und so viel mehr. Aus der Anfangszeit der Waldorfschule sind sie einfach nicht wegzudenken und so möchte ich ihnen eine kleine Themenreihe auf meinem Blog widmen.

Die verschiedenen Seiten und ihre Namen

Werden die Kinder für den Umgang mit den Blöckchen angeleitet, ist es praktisch, den verschiedenen Seiten anschauliche Namen zu geben, die möglichst die Größenverhältnisse abbilden. So kann man sich leicht über die Verwendung verständigen, die Kinder nehmen die Seiten und ihre Bezeichnungen bewusst wahr und merken sich die Bezeichnungen schnell.

Die lange Seite des Blöckchens wird für die großen Flächen eines Bildes verwendet. Mit ihr kann man gut Hintergründe oder Landschaften malen, auch der Heftseite einen leichten „Schimmer“ verleihen. Meine Klasse hat die längste Seite des Blöckchens „Elefantenseite“ genannt.

Die breite Seite, die zusammen mit der langen Seite ein Rechteck bildet, kann auch flächig eingesetzt werden, ist dabei aber etwas schmaler: Mit ihr malen die Kinder beispielsweise Wellen im See oder das „Rähmchen“ des Epochenheftes. Wir haben sie die „Bärenseite“ genannt.

Die kürzeste Seite, die die Dicke des Blöckchens ausmacht, kann für feinere Formen und Umrisse eingesetzt werden: Figuren aller Art und die Linien in den ersten Epochenheften. Das war immer unsere „Rehleinseite“.

Die Ecken des Blöckchens sind für die „Feinarbeiten“. Diese sollen aber meist auch von den Wachsmalstiften übernommen werden – das hängt von der geplanten Verwendung ab. Wir haben die Ecken das „Mausezähnchen“ genannt.

Weitere Namen

Ihr habt mit auf Instagram zahlreiche weitere schöne Namen für die drei Hauptseiten genannt. Diese möchte ich als Anregung gern hier teilen:

  • Riesen-, Zwerge-, Elfenseiten
  • Sonnen-, Mond- und Sternenseite
  • Mutter-, Vater-, Kindseite
  • Elefanten-, Bären- und Mausseite
  • Baumstamm, Ast und Zweig
  • Dreifinger, Zweifinger, Einfinger
  • König, Königin, Königskind
  • Elefanten-, Bären- und Ameisenseite
  • Bein, Arm, Finger (und Fingernägelchen)
  • Papa bear, mama bear, baby bear
  • Flügel, Köpfchen, Schnabelspitze

Die Ecken hießen entweder auch Mausezähnchen oder Zwergenmütze – auch eine sehr niedliche Bezeichnung, wie ich finde!

Heftseitengeographie: Einteilung der blanko Heftseite mit Wachsmalblöckchen

An der Waldorfschule lernen die Kinder, die Seitenteinteilung ihrer Hefte selbst vorzunehmen, um sich bald an den Rändern und den Linien sicher zu orientieren. So hilft das Wachsmalblöcken dabei (Spruch zur Seitenvorbereitung folgt).

Beispiel 1
Beispiel 2

Natürliches Malwerkzeug

Ich bevorzuge Wachsblöckchen aus natürlichen, reinen und hochwertigen Rohstoffe wie Bienenwachs. Erdöl- und Palmölwachse gehören meiner Meinung nach nicht in Kinderhände. In meinem Shop bekommt Ihr daher nur Wachsmalblöckchen und -stifte in höchster Qualität (kleine Eigenwerbung an dieser Stelle).

Noch mehr Wachsmal-Content

So geht`s weiter mit der kleinen Themenreihe zu den Blöckchen:

  • Wachsmaler für die Hand- und Schreibmotorik
  • fördernde Mal-Geschichten
  • Spiele und Anfangsrechnen mit den Blöckchen