Der Waldorf Bücherbasar

In dieser Woche findet auf Instagram auf Initiative einer lieben Kollegin wieder ein Basar statt, diesmal zum Thema Bücher und Papeterie. Ich stelle daher bei Instagram und hier auf meinem Blog die Bücher von meiner Schwester und mir bzw. von unserer Illustratorin Lena vor.

Über den Basar

Unter @waldorf_kunsthandwerk_basar finden in dieser Woche bei Instagram Buchvorstellungen, online Lesungen und Gewinnspiele statt. Bei mir wird es auch etwas zu gewinnen geben.

Mein Wochenplan

Montag, 9.5.2022: Rosinas Wolle mit Verlosung
Dienstag,10.5.2022: Das Kindergartenfreunde-Buch
Mittwoch, 11.5.2022: Yoga mit Daniela, dazu auch eine Verlosung
Donnerstag, 12.5.2022: Maira, das Brombeermädchen
Freitag, 13.5.2022: Fantasiereisen – dazu auch eine neue Fantasiereise in meinem Podcast „Märchen mit Klang“

Ich freue mich, wenn Ihr hier und auf Instagram dabei seid!

Das märchenhafte Erdbeergärtchen

Für eine schöne Vorfreude auf die anstehende Erdbeerzeit: Pflanzt und gestaltet mit den lieben Kleinen ein Erdbeergärtchen. So verbringt Ihr eine schöne Märchenzeit und bereitet dann gemeinsam, ganz ins Märchen eingetaucht, Eure eigene kleine Erdbeerernte vor.

Das Märchen „die Erdbeerkörbchen“

Ich habe dieses Märchen nacherzählt. Es handelt von zwei armen Kindern, die in den Wald geschickt werden, um Erdbeeren zu pflücken. Doch die vollen Körbchen verschwinden. Welches Geheimnis steckt dahinter?

Ihr könnt es in meinem Podcast „Märchen mit Klang“ hier anhören.

Das Erdbeergärtchen

Pflanzt gemeinsam Erdbeerpflanzen in eine Schale und dekoriert sie mit Schätzen und selbstgebastelten Details, die zu dem Märchen passen. Ein ganz besonderes Schaffen! Das Ergebnis sieht nicht nur schön aus, es erinnert auch beim Pflücken jedesmal daran, dass es so viel Magisches, Unsichtbares, Märchenhaftes gibt!

Ich wünsche viel Freude dabei und eine zauberhafte Erdbeerernte!

Euer Erdbeergärtchen

Ich würde mich sehr auch über Bilder von Euren Erdbeergärtchen freuen und diese mit Euerer Erlaubnis in diesem Beitrag teilen.

Der Anfangsunterricht mit der Flöte

Wie das erste gemeinsame Instrument allmählich seinen Platz in meiner Musikstunde bekommt: Es werden zuerst zwei Rituale eingeführt, das „Aufwecken“ der Flöte und die Pflege. Dann halten so nach und nach die verschiedenen Töne Einzug. Das erste gemeinsame Flötenlied schreibe ich gegen Ende des Schuljahres für jede Klasse selbst.

Vorfreude in Klasse 1

Die Kinder sind eingeschult und bekommen meist die Flöte direkt als Schulausstattung dazu. Es ist natürlich nicht nur interessant, sondern auch wieder ganz Schulkind – groß – , ein Instrument zu spielen. Die Kinder können es meist kaum erwarten und fragen immer wieder, wann wir endlich Flöte spielen. Doch die Flöte fordert auch Einiges von den Kindern und der ganzen Klasse, die schließlich gemeinsam musizieren soll. Daher tasten wir uns Schritt für Schritt an das gemeinsame Instrument heran.

Wir gewinnen die Flöte lieb

Zurück zu dem Moment der Einschulung: Es wird gefeiert, es gibt viele Geschenke für die Kinder und aus dem Kindergartenkind wurde ein Schulkind. Die Bedeutung der vielen neuen Dinge muss sich allerdings erst noch sorgsam erschließen. Daher sollte nicht willkürlich ausprobiert werden. Die Flöte muss ihren ganz besonderen, eigenen Weg zu den Kindern finden. Dazu ganz am Rande: Auch ich entscheide von Stunde zu Stunde, von Gruppe zu Gruppe, wann und wie der nächste Schritt an der Reihe ist. Das ist in keinem Jahr gleich.

Die Stimmung der Kinder

Die Kinder befinden sich in den ersten Schuljahren in der Stimmung der „Mit-Welt“. Sie empfinden, dass alles um sie herum mit ihnen lebt. Die Flöte ist für sie daher grundsätzlich kein Gegenstand, der konsumiert wird, sondern auch das Instrument lebt in gewisser Weise mit ihnen und kann so einen wahren Platz in ihren Herzen finden. Und wenn das geschieht, dann ist das der schönste Beginn einer gemeinsamen Arbeit, den man haben kann.

Wenn ich meine neuen Gruppen kennengelernt und in eine erste passende Arbeitsweise mit ihnen gefunden habe, beginne mit der Einführung der Flötenrituale (meist um die Herbstferien). Die Flöte darf erstmals mitgebracht werden, ein besonderer, ein feierlicher Moment. Sie hat bis dahin sehr lange in ihrem Schlafsäckchen (Flötentasche) geruht und wird zunächst mitsamt ihrer Schutzhülle auf den Schoß gelegt. Wir tasten und fühlen sie von außen, wecken die Flöte ganz sanft auf.

Dann wird das Schlafsäckchen geöffnet und die liebe Flöte vorsichtig herausgeholt. Die Kinder tun dies sehr bedächtig und so geschieht es dabei in der Regel nicht, dass irgendjemand plötzlich willkürlich oder albern in das Instrument pustet und für schrille Töne sorgt. Heißt: Mit schrittweiser, liebevoller Vorbereitung braucht man vorab nicht lang und breit die Flötenregeln zu erklären. Denn es findet in der beschriebenen Atmosphäre einfach von allein in der richten Weise statt.

Zum weiteren Aufwecken braucht die Flöte Handwärme, „so wie alle Wesen auf der Erde, Menschen, Tiere und Pflanzen, die Sonnenwärme brauchen“. Sie wird mit beiden Händen gehalten, eine Hand oben, eine Hand unten. Nun können Flöte und Finger gemeinsam warm werden und dabei schöne Motorikspiele gespielt werden:

  • Die Flöte wird mit beiden Händen im großen Bogen gedreht (wie ein Propeller, das Wort darf aber nicht fallen), vorwärts und rückwärts.
  • Die Handflächen werden aneinander gedrückt, dazwischen die Flöte gelegt. Die Hände werden hin und her bewegt, die Flöte dreht sich im kleinen Kreis und wird dabei gehalten.
  • Auch nur eine Hand (Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger) kann die Flöte im großen Bogen drehen, vorwärts und rückwärts, das ist eine ganz besondere Fingergymnastik. Bitte nicht vergessen, die Hand zu wechseln.
  • Flöten-Handgesten-Spiel: Familie Spatz.

Das ganze Aufwärmspiel (angedeutet, mit Raum für eigene Fingerbewegungen ):

Download der Verse dazu:

Da sich auch die Flöte erst allmählich an alle Dinge gewöhnen muss, reicht dieses Spiel für den Anfang. Es wird in jeder Stunde wiederholt.

Ein weiteres, schönes Spiel für den Anfang: Man kann die Flöte in die eine Hand nehmen und mit der Unterseite auf die Innenseite der anderen Hand klopfen. Dies ergibt ein sehr angenehmes „Ploppen“, mit dem die Kinder auch gern spielen. Hierzu kann man laut und leise klopfen, silbengemäß zu bestimmten Versen, z.B. von Hedwig Diestel (hier nur ein Auszug, gefunden in dem Buch „Künstlerisches Sprechen im Schulalter“ von Christa Slezak-Schindler, Edition Waldorf).

Mein Pferdchen muss springen,
die Wälder durchdringen (…),

Mein Pferdchen geht leise
zur Nacht auf die Reise (….)

Solche Verse eigenen sich auch gleichzeitig als rhythmisches Laufspiel.
Nach den ersten Spielen braucht die Flöte wieder ihre Ruhe und wird schlafen gelegt. Vor der Ruhezeit wird sie gepflegt. Ich zeige den Kindern zunächst, wie man sie wischt und anschließend bekommt jedes Kind einen Tropfen Flötenöl. Mal aus dem Fläschchen, mal aus einer Muschel, mal mit einem kleinen Tropfen ätherischem Öl. Auch das variiert mit der Zeit.

Atmung, Fingerspitzengefühl und Hörfähigkeit

Damit irgendwann sehr zuverlässig ein gewünschter Ton erklingt, müssen sowohl Haltung und Atmung ,als auch Griffsicherheit stimmen. Hinzu kommen das aktive Lauschen und Einhören: Das eigene Flötenspiel und das zugleich das der ganzen Klasse wahrnehmen, dessen Teil man ist.

Es ist daher sehr wichtig, in jeder Stunde Spiele und Übungen mit den Kindern durchzuführen, die sowohl das Einhören, als auch die Fingerfertigkeit schulen und die Atmung wahrnehmen lassen. Diese müssen nicht unbedingt direkt etwas mit der Flöte zu tun haben. Es gibt viele Handgestenspiele, auch begleitet mit Glöckchen und anderen Klängen.

Zu Beginn einer Stunde sind wir immer in Bewegung: Nach dem gemeinsamen Begrüßungslied folgen meist Rhythmusspiele, ein Reigen oder Klänge in Bewegung. Nach einer Zeit der Bewegung kommen wir ins Stehen. Jetzt ist die Gelegenheit günstig, den eigenen Atem klar zu spüren, innezuhalten, die Hände auf den Bauch zu legen, die Bewegung und Wölbung zu spüren. Die Zunge wird vom Gaumen gelöst, auch einmal durch die Nase geatmet, die Schultern gelockert.

„Wir spüren unseren Atem. Die Flöte braucht ihn wie die Erde den Wind. Wie ruhig wir atmen. Wir dürfen einmal kurz die Augen schließen und unsere Hände auf den Bauch legen.“

Wenn es zur guten Gewohnheit wird, zwischendurch den eigenen Atem zu spüren, wird auch beim Flöten sicherer geatmet. Hier kann man auch viel beobachten: Wer steht unruhig, bläst die Wangen auf, hat die Schultern angezogen….. Vielleicht benötigt es weitere Spiele, die zur Ruhe führen.

Ein Lied, das wir flöten, singen wir auch vorab, was ebenfalls eine gute Hinführung in das Flötenspiel ist.

Nach einer Zeit auf den Beinen dürfen die Kinder sich dann zunächst für die Flötenrituale setzen. Später wird dann wieder im Stehen geflötet. Die Erdung, die gerade Haltung, sind wichtig.

Zum Stundenende folgt dann wiederum ein Schleichspiel, Klangschalen– oder Klangkugelspiel und wir verabschieden uns mit einem Lied.

Die Musikstunde, der Raum und andere Rahmenbedingungen

Ihr habt sicherlich bemerkt, dass der Raum einer Musikstunde viel ausmacht. Ich mag gern Räume mit viel Bewegungsfreiheit. Doch dies ist nicht immer gegeben. Dann muss ich sehen, was im Klassen- oder Musikraum möglich ist .

Corona mit vielen Einschränkungen (Flötenverbote, feste Sitzordnung etc.) hat es in den letzten Jahren auch nicht immer leicht gemacht. Doch letztendlich findet man immer einen Weg, wie man die Kinder auf das einstimmen kann, was später ein schönes gemeinsames Musizieren ist!

Das erste eigene Flötenstück

Das erste gemeinsame Flötenstück richtet sich danach, wie weit wir gegen Ende des ersten Schuljahres mit unserer gemeinsamen Arbeit sind. Dies hängt auch etwas davon ab, ob die Erstklässler:innen morgens im rhythmischen Teil auch einmal die Möglichkeit bekommen zu üben. Da ich selbst Klassenlehrerin bin, kann ich dies nicht selbst begleiten.

Zurück zum Thema: Kleine Melodien beim Erlernen der Töne ergeben sich natürlich vorab auch schon. Doch für ein erstes, größeres Stück überlege ich mir immer etwas Passendes für die Klasse, das gut zu bewältigen und auch ein Ausblick auf die Vertiefung des Flötenspiels im zweiten Schuljahr ist. Das ist eine kleine Melodie aus beieinander liegenden Tönen, dazu ein schöner Text, so dass man das Lied singen und flöten kann. Oft ist es auch Teil einer kleinen Geschichte, die ich erzähle und hat etwas mit dem Sommer zu tun – Schmetterlinge, Marienkäfer, Sonnenstrahlen oder ein kühler, plätschernder Bach kommen gern darin vor.

Jede:r gestaltet es anders

So hat es sich bei mir entwickelt, das erste Schuljahr des Musikunterrichts zu gestalten. Bitte nicht als „Standard“ sehen, denn wir Waldorflehrer:innen sind ja unterschiedlich und haben einige Freiheiten in der Unterrichtsgestaltung. Und wer weiß: Vielleicht sieht mein erstes Musik-Schuljahr in 10 Jahren auch anders aus 🙂 Daher – Stand April 2022.

Ein Vorbild des Friedens sein

In den Medien geht, begleitend zu den schrecklichen Kriegshandlungen in der Ukraine, gerade ganz stark die Frage um, wie wir unseren Kindern „den Krieg erklären“ sollen. Das Thema ist dabei nicht nur in den sozialen Medien präsent, sondern hat es auch in meinen täglichen Nachrichtenpodcast und in die großen deutschen Tageszeitungen geschafft. Hier sind nun meine Gedanken dazu.

Unbedingt erklären?

Es wird dabei diskutiert, wie man selbst Dreijährigen die aktuelle Lage erklären sollte. Meine Haltung dazu ist: Ich erkläre, wonach ein Kind fragt oder ich gehe sehr sensibel ins Gespräch, wenn ich erkenne, dass es das Thema gibt – wenn auch bislang unausgesprochen. Dann kann übrigens bei jüngeren Kindern eine sinnige Geschichte gut helfen.

Doch zunächst muss ich erst einmal ganz genau zuhören oder auch schauen, was die Kinder spielen. Was hat das Kind aufgeschnappt, was beschäftigt es davon? Darauf muss man eingehen. Ich muss aber kein grundsätzliches „Aufklärungsgespräch“ über Krieg führen und keinem kleinen Kind erklären, wenn es nicht gezielt nach etwas fragt (das ist meine Meinung). Wir Erwachsenen sollten unsere Gespräche und unseren Nachrichtenkonsum auch mit Bedacht handhaben, nicht vor den Augen und Ohren unserer Kinder. Ich weiß, das tut nicht jede:r, daher wird es sicherlich auch schon bei jüngeren Kindern Fragen geben. Kinder erzählen sich eben untereinander, was sie gehört haben, verarbeiten im gemeinsamen Spiel und das wird auch alles mit nach Hause gebracht. Und die Kinder spüren auch, wie es uns mit dem Thema geht. Trotzdem: Erst einmal da sein und zuhören, was dazu von den Kindern kommt und darauf kann man dann eingehen.

Gegen die Ohnmacht „Wir können da nichts tun“

Wir können etwas tun! Jeder kann ein Vorbild des Friedens sein. Frieden fängt in uns selbst an, ein bewusst friedlicher Umgang gehört in Familie, Freundeskreis und Schule bzw. Kindergarten. Darauf können wir achten. Die Kraft guter Gedanken, den inneren Frieden, an die Kinder heranzutragen, ist ein ganz besonderer Beitrag für die Zukunft.
Von daher gehören gute Gedanken, Mantren und Gebete in meinen Augen zu einem Vorbild des Friedens.

Albert Schweitzer hat es so ausgedrückt:

Gebetskärtchen als Download

Hier habe ich einmal das Friedensgebet von Franziskus von Assisi so aufgeschrieben, dass es gut von der ganzen Familie oder in der Schule gesprochen werden kann, als Gebetskärtchen zum Ausschneiden. Da wir im zweiten Schuljahr auch eine Epoche über Franziskus von Assisi hatten, ist er den Kindern als Vorbild des Friedens und der Liebe bereits bekannt. Für Kinder oder Familien, die sich noch nicht mit Franziskus näher beschäftigt haben, ist hier ein Link zu einem schönen Kinderbuch für die Kleinen (Bilderbuch, ab 3 Jahre) bzw. ein Link zu einem Buch über Franziskus, das Kinder im Grundschulalter auch gut selbst lesen können. Das ist sehr passend zum Vorlesen und Anschauen in dem Zusammenhang, aber natürlich auch kein Muss, nur eine Empfehlung. Hier die Gebetskärtchen:

Was man außerdem tun kann

Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun…. Selbst spenden, Spenden sammeln, Hilfsprojekte unterstützen und in jeder Hinsicht Vorbild sein.

Lernen und die Qualität der Beziehung

Viele, viele Bücher und das Internet sind voll mit Planungshilfen, -werkzeugen und Tipps für die Unterrichtsplanung. Doch so ein Schulalltag lässt sich meiner Meinung nach erst so richtig planen, wenn die Lehrperson mit den Kindern und dem Geschehen in der Klasse verbunden ist.

Sich einlassen

Erst, wenn man tief verbunden ist und sich einlässt, kann man einen echten Plan für die Kinder entwickeln. Man erkennt, was sie gerade brauchen, um beim Lernen einen Schritt weiter zu kommen. Nein, vorab muss man sehen, welcher Schritt überhaupt ansteht. Kurz- und langfristige Ziele verfolgen.

Entwicklung sehen

Wenn Kinder und Lehrer:in jahrelang miteinander in Beziehung stehen, können die Entwicklung und die Möglichkeiten eines jeden Einzelnen am besten gesehen werden. Manches braucht tatsächlich einen Zeitraum über Jahre. Gut, dass wir acht Jahre haben!

Wer gestaltet den Lehrplan?

Unser Waldorflehrplan gibt bestimmte Inhalte vor, in Verbindung mit den allgemeinen Entwicklungsschritten der Kinder. Es hat seinen Grund, warum bei uns in der vierten Klasse die Bruchrechnung eingeführt wird und nicht in der sechsten Klassen wie allgemein üblich. Es hat aber auch seinen Grund, warum es im ersten Schuljahr fast das ganze Jahr dauert, bis beim Lesen und Schreiben alle Buchstaben und Doppellaute an die Kinder herangetragen werden.

Und inmitten dieser „allgemeinen Stoffverteilung“ stehen nun wir Lehrer:innen und haben dabei so einigen Freiraum, den Lehrplan an unsere Klassen heranzutragen – und nicht umgekehrt. Die Kinder gestalten also meine Epochenpläne unbewusst mit, denn die Auswahl von passenden Methoden, richtigen Zeitpunkten und Dauer von Unterrichten treffe ich mit Blick auf die Klasse.

Kinder kennenlernen

Hauptsächlich wird man natürlich im Schulalltag mit den Kindern vertraut, in der Interaktion und Beobachtung – beim gemeinsamen Tun, aber auch in ruhigen Eigenarbeitsphasen. Als Klassenlehrer:in ist man hier Ansprechpartner:in Nummer 1. Doch auch bei Hausbesuchen lernen wir unsere Schüler:innen und ihre Familien näher kennen und so weitet sich der Blick. Eine Berührung mit dem kindlichen Schicksal findet statt.

Am Ende des Tages

….entwickelt man nicht nur einen Plan, sondern sieht eine ganz besonders große Aufgabe.

Der Eisbär König Valemon

Stets auf der Suche nach schönen Märchen, habe ich das Märchen „Der Eisbär König Valemon“ aus Norwegen entdeckt. Es hat mir auf Anhieb sehr gut gefallen und gleich nach den Ferien habe ich es in einer Vertretungsstunde erzählt. Auch die Kinder fanden es sehr schön und so hatten wir eine schöne Märchenstunde.

Die Geschichte

Es geht um einen Eisbär, der von einer Hexe verzaubert wurde und um eine Königstochter, die sich nach einem bestimmten goldenen Kranz sehnt. Der Eisbär besitzt diesen Kranz, doch die Königin muss ihn heiraten, um den Kranz zu bekommen. Es vergehen drei Jahre und fast wäre der Zauber gelöst worden. Doch kurz vor Ablauf der Frist muss der Eisbär fort, weil die Königstochter nicht auf ihn und ihren Vater gehört hat. Der Bär muss nun die böse Hexe heiraten und die Königstochter will es mit ganzer Kraft verhindern. Ein märchenhaftes Abenteuer beginnt.

Fundort des Märchens

Beim Lesen auf der Seite maerchenatlas.de bin ich auf dieses schöne Märchen gestoßen und habe es mit auf den Podcastplan für „Märchen mit Klang“ genommen. Es ist ab heute verfügbar.

Erzählen lassen

Der Podcast Link des Märchens

Selber vor- und nachlesen

Hier ist das Märchen als Text:

Die Waldorfschulbewegung: Gestern, heute, morgen

Mit großer Dynamik hatte vor etwas über 100 Jahren die größte freie Schulbewegung weltweit ihren Ursprung. 1919, ein Jahr nach dem 1. Weltkrieg und inmitten großer gesellschaftlicher Umbrüche, zwischen Kriegsfolgen, Armut und Not, war die Schule eine Antwort auf die Frage, wie Zukunft neu zu gestalten ist. Rudolf Steiners Gedanken einer sozialen Dreigliederung fanden ihre Umsetzung in der Frage, wie eine Erziehung zur Freiheit gelingen kann.

In unserer neuen Folge „Kaffee, Kreide, Morgenspruch“ haben Dustin und ich die geschichtlichen Hintergründe der ersten Schulgründung näher beleuchtet. Zu Gast in unserem Podcast war Nele Auschra. Nele ist eines von sieben Vorstandsmitgliedern des Bundes der Freien Waldorfschulen und für die PR-Arbeit zuständig. Es war ein interessantes Gespräch.

Die Folge ist jetzt online und hier zu hören:

Wir haben uns auf diese Folge vorbereitet, u.a. über die Waldorf100-Webseite und mit dem Buch „100 Jahre Erziehung zur Freiheit – Waldorfpädagogik in den Ländern der Welt “ von Nana Goebel und Christina Reinthal, Verlag Freies Geistesleben (Buch selbst erworben, unbeauftragte Werbung).

Galerie: Wie alles begann

Die Glücksperlen der Eiselfe

Manchmal mache ich mir lange Gedanken, wie ich ein schönes (neues) Ritual für oder mit den Kindern meiner Klasse gestalten kann. Und dann gibt es auch wieder Rituale und Traditionen, die entstehen einfach so, ganz von selbst, mit den Kindern. Die Glücksperlen zum Jahresanfang sind ein Beispiel dafür.

Als ich gestern meinen Klassenraum für die Zeit nach den Weihnachtsferien vorbereitet habe, kam die beliebte Eiselfe wieder zum Vorschein. Sie ist Teil des winterlichen Jahreszeitentischs und bringt eine schöne Erinnerung mit. Unsere Eiselfe zeigt sich in einer Schneelandschaft. Als ich sie zum ersten mal für meine Klasse dekoriert habe, fand ich vorher zufällig in einem Geschäft kleine glitzernde Streuperlen. Diese habe ich dann auf dem weißen Samtstoff mit dekoriert.

Als die Kinder sie beim Betrachten des Jahreszeitentisches entdeckten, dauerte es nicht lange und ich wurde gefragt, ob man sich nicht vielleicht so eine schöne Perle als Erinnerung mit nach Hause nehmen dürfe. Da es Jahresanfang war und ich die Faszination der Kinder für die Perlen sah, wurden kurzerhand „Glücksperlen für das neue Jahr“ daraus. Jedes Kind durfte sich eine Perle aussuchen und für sich aufbewahren.

Im letzten Jahr haben wir uns nach den Weihnachtsferien erstmals im Frühjahr wiedergesehen, der Lockdown war sooo lang und die Eiselfe passte einfach nicht mehr in die Jahreszeit. Umso mehr freue ich mich jetzt auf Montag, wenn die Perlen endlich einmal wieder auf dem Jahreszeitentisch liegen werden.

Dazu gibt es einen Neujahrspunsch und unserer Schreibepoche beginnt mit dem ersten Thema „Meine Reise durch das neue Jahr“. Ich freue mich darauf!

Spruch zum Auswählen der Perle

Es beginnt das neue Jahr,
mit Winterträumen, wunderbar.
Eiselfe fliegt über das Land,
streut glitzernde Freuden mit zarter Hand,
Eisblumen, Perlen auf weißem Schnee.
Es schlummert die Erde, es ruht der See.
Finde Du auch Deine Spur voll Glück –
wähl´ die erste Perle in Deinem Blick.

Die Vorbereitung einer neuen Epoche

Eine sehr anspruchsvolle Vorbereitungszeit liegt hinter mir, wird aber auch noch reflektiert und weitergeführt: Ich habe mich in den letzten Wochen intensiv mit dem Erzählstoff der nordischen Götter- und Heldensagen auseinandergesetzt, mit Runen, dem Stabreim und Flechtbändern. Im Vorfeld war ich wenig vertraut mit diesem großen Thema.

Warum nordische Mythologie? Auf die innere Stärke kommt es jetzt an!

Bei allem, was man als (Waldorf-)Lehrende tut, sollte man genau wissen, warum genau dies jetzt ansteht, d.h. welchen Nutzen die Kinder in ihrem aktuellen Entwicklungsalter davon haben. Die Waldorfpädagogik ist darauf ausgerichtet, die kindliche Entwicklung zu unterstützen und damit weitere Lernvoraussetzungen zu schaffen. Dabei geht es in Klasse 4 verstärkt um die eigene Willensbildung, das Erleben und Wahrnehmen der eigenen – inneren und äußeren – Stärke, die Herausbildung der Persönlichkeit.

Die nordischen Sagen lassen ein rauhes, kraftvolles Schaffen erleben. Ganz neue, gewaltige und gleichsam faszinierende innere Bilder entstehen bei den Erzählungen. Die Stabreim-Übungen erfordern anhaltende Körperspannung und koordinierte Bewegung, dazu eine deutliche, laute Aussprache.

Wir singen das Lied „Yggdrasil“ und erleben wiederum eine „nordische Stimmung“, hören und üben die schwedische Aussprache, die so ganz anders ist als unsere bekannten Sprachen. Es ist so viel Energie im Raum.

Die Geschichte zur Entstehung der Runen ist magisch. Und ebenso geheimnisvoll die Zeichen. Wir lernen eine Geheimschrift!

All das stärkt die innere Sicherheit der Kinder und damit ihre Tat- und Willenskraft. Die anderen Unterrichtsinhalte werden in diesem Schuljahr ebenso komplexer und erfordern genau dies. Die Auseinandersetzung mit mehrschrittigen Rechenverfahren im großen Zahlenraum, die Bruchrechnung, Grammatik- und Rechtschreibregeln bewusst anwenden, Zeitformen erschließen und so viel mehr.

Vorbereitung am Schreibtisch?

Auch. Aber nicht nur. Ich musste die Stimmung zunächst bei mir selbst erleben: Ich habe das Lied gesungen, auf Klavier und Gitarre gespielt, verschiedene Bücher gelesen, die inneren Bilder wirken lassen. Ich habe gemalt, Stabreim geübt. Im Kollegium nachgefragt, mich korrigieren lassen, habe weiter an mir gearbeitet. Mir diese Epoche errungen. Denn mit nordischer Mythologie hatte ich mich bislang wenig befasst.

Welche Schritte braucht es, eine Epoche zu planen?

Dies hier gilt natürlich für alle Epochen, war aber mal wieder besonders intensiv für mich bei dieser.

  • Mit dem Rhythmischen Teil anfangen, sich selbst einstimmen: Lieder, Rezitationen, Bewegungen üben. Bei mir zumindest findet der erste Zugang über künstlerische Übungen statt.
  • Die Inhalte weiter erschließen. Auch hinterfragen: Stehe ich dahinter? Kann ich mit Überzeugung und Sicherheit alle Inhalte vermitteln? Insbesondere mit den Runen musste ich mich klar auseinandersetzen.
  • Literatur, Literatur. Lesen, lesen, lesen. Die eigenen inneren Bilder erleben und schärfen. Genau das finden, das zu mir passt, mit dem ich arbeiten kann.
  • Epochenhefte, Mappen usw. vorbereiten – so, wie die Kinder es erarbeiten sollen. Den Arbeitsaufwand selbst zu erleben, ist ebenso wichtig.
  • Den Klassenraum passend dekorieren, ein Tafelbild malen.

Nach dem Startschuss

Der Anfang ist zu meiner großen Freude und Erleichterung gelungen, das Interesse der Kinder geweckt. Nun gilt es, dies zu bewahren und zu vertiefen. Jeden Tag auf`s Neue.

Lehrerin als Lernende

Die Kinder erleben dabei eben auch mich als „ewig Lernende“. Gerade in dieser Epoche spüren sie, dass ich nicht in die Klasse gehe und „mal eben“ erzähle und zeige, was ich schon eh lange weiß und kann. Auch dass ich diesen Stoff für mich errungen habe, wirkt noch einmal besonders auf die Kinder. Lehrer:innen dürfen nicht nur, sondern sollten unbedingt auch als Lernende ein Vorbild sein.

Schule im Jahreslauf – Kaffee, Kreide, Morgenspruch

Dustin und ich haben zum Ferienende wieder unser monatliches „Waldorflehrergespräch“ geführt und so könnt Ihr heute, zum Ende der ersten Schulwoche nach den Herbstferien, eine neue Podcastfolge „Kaffee, Kreide, Morgenspruch“ hören. Die Zeit zwischen Herbst- und Weihnachtsferien ist geprägt von schönen, stimmungsvollen Jahresfesten. Wir haben uns darüber ausgetauscht.

Tages-, Wochen-, Jahresrhythmus

So ein Schultag bei uns hat seinen festen Ablauf: Dem Epochenunterricht – grob gegliedert in rhythmischem Teil, Arbeitsteil und Erzählteil – folgen mit festem Stundenplan die Fachstunden, in denen mindestens zwei Fremdsprachen und viele künstlerische Fächer enthalten sind. Dieser feste Tages- und Wochenrhythmus ist wiederum geprägt vom Jahreslauf.

So finden sich im rhythmischen Teil immer jahreszeitliche Lieder, Gedichte und Spiele. Auch der Epochenplan, der den Arbeitsteil gestaltet, ist ein Jahresplan und die Planung findet auch unter Berücksichtigung des Jahreslaufs statt. So gibt es Epochen, die man besonders gern ins Frühjahr oder in den Herbst legt, etwa Pflanzenkunde, im Winter habe ich gern eine ausgiebige Mathematik- oder Physikepoche usw.

Die Feste, die uns begleiten – eine Übersicht

Das Jahr beginnt mit dem Dreikönigstag. Hier gibt es kleinere Spiele und die heiligen drei Könige finden sich auf jedem Jahreszeitentisch. Ein Blogbeitrag dazu.

Mit der Faschings- oder Karnevalsfeier wird es richtig jeck in unserer Schule und den Winter treiben wir zusammen aus.

Dann erleben wir bewusst das Frühjahr, den Frühlingsanfang und die Zeit vor Ostern.

Nach Ostern werden die Tage länger, die Welt bunter. Höhepunkt zum Schuljahresende ist das Johannifest, danach geht es für uns meistens in die Sommerferien. Meine 15 Ideen für ein schönes Johannifest findet Ihr hier.

Nach den Sommerferien, im September, steht Michaeli an. Dazu gibt es mehrere Blogbeiträge, am besten als Suchbegriff eingeben 🙂

Es folgen Sankt Martin, Nikolaus, das Adventsgärtlein und eine stimmungsvolle Vorweihnachtszeit.

Kaffee, Kreide, Morgenspruch

Dustin und ich sind ja laufend im Gespräch und wir erzählen uns gegenseitig vom Alltag an den verschiedenen Schulen. Hört uns gern im Podcast zu und lasst ein paar Sternchen da 🙂

Auf ein schönes, langes Wochenende!