„Ich bin schon fertig. Was kann ich tun?“

Du bist Kind, hast zügig und konzentriert gearbeitet und alle Dir aufgetragenen Aufgaben erledigt. Welche Antwort würdest Du nun gerne hören wollen? Etwa: „Alles klar, hier sind weitere 20 Aufgaben“? oder lieber „prima, nun kannst Du Dir eine für Dich passende neue Aufgabe für den Rest der Zeit auswählen“? – Eine Auswahl aus: Anderen helfen, einen Klassendienst ausführen, eigene Lücken schließen – oder was Dir eben gerade jetzt nach erster getaner Arbeit gut tut. Bewegung, Soziales, individuelle Vertiefung. Ich stelle Euch heute meine Wolke vor. Sie erweitert das Freiarbeitsregal der Unterstufe.

Ein kleiner Rückblick. Wenn es ein bestimmtes Aufgabenpensum zu erledigen gibt, sind manche Kinder aus verschiedenen Gründen immer etwas schneller fertig und andere brauchen wiederum aus ebenso verschiedenen Gründen mehr Zeit. Mal liegt es an der Konzentrationsfähigkeit und Ablenkbarkeit, mal daran, wie das individuelle Arbeitstempo ist oder schlicht und ergreifend, ob die Aufgaben leicht fallen und Spaß machen.

Das Freiarbeitsregal der Unterstufe

In der Unterstufe hatte ich für diesen Fall ein kleines Regal mit verschiedenen Üb-Aufgaben: Von Einmaleins- und Knobelaufgaben über Lesetexte bis hin zu Mandalas durfte in diesem Fall etwas ausgesucht werden für die restliche Zeit der Arbeitsphase. In der Mittelstufe gibt es inzwischen noch mehr Möglichkeiten, auch an Sozialformen und eigenverantwortlichen, mitdenkenden Aufgaben, die nun nicht mehr angeleitet werden müssen. So entstand die Idee der „Wolke“.

Reflexion: Was brauche ich jetzt?

An dieser Stelle wird nicht mehr vorgegeben, was als nächstes zu tun ist, sondern die Kinder dürfen sich selbst einmal wahrnehmen und danach handeln: Was brauche ich gerade? Die Wolke bietet verschiedene Möglichkeiten.

Bewegung: Manch einer möchte erst einmal ein wenig leise herumlaufen. Prima, die Gießkanne kann doch gleich mitgenommen und die Pflanzen der Klasse gepflegt werden! Oder die Tafel kann gewischt werden.

Mehr davon: Haben die Aufgaben Spaß gemacht, darf es selbstverständlich gern auch einen „Nachschlag“ geben.

Wer braucht Hilfe: Kinder lernen auch, indem sie anderen helfen oder Hilfe von anderen Kindern bekommen. Ist man sich einig, darf auch in einer ruhigen Arbeitsphase gern ein bisschen persönlicher Kontakt untereinander stattfinden.

Lücken schließen: Nicht immer gelingt es Kindern, alle Aufgaben vollständig zu erledigen – aus welchen Gründen auch immer. Nun kann man eigenverantwortlich auch die Zeit nutzen und ältere Lücken schließen, vielleicht auch einmal das Heft eines anderen Kindes dazu ausleihen.

Außerdem: Zeitmanagement

Wieviel Zeit ist überhaupt noch übrig und wie lange würde es brauchen, wenn ich jetzt anfange, die Tafel zu wischen? Lieber noch schnell meine Stifte anspitzen oder das Etui aufräumen?
Auch diese Überlegungen spielen im Zusammenhang mit der Wolke eine Rolle und sollen während dieser kleinen Leerläufe bedacht werden. So lernt sich in scheinbaren „Leerlaufzeiten“ doch nebenbei eine ganze Menge.

Umsetzung: Wolke + Wäscheklammern

Die Wolke hängt einfach an der Pinnwand und wenn man eine Aufgabe von ihr übernimmt, hängt man die Klammer mit der Aufgabe einfach an die kleine „erledigt“-Wolke.

So behalten wir einfach die Übersicht. Es steckt also keine große Bastelaktion dahinter (was man natürlich auch gern machen kann). Das Wichtigste ist: Die Kinder nehmen die Aufgaben gern an. Wenn sie selbst noch eine Idee haben, welche Tätigkeiten und Aufgaben ebenfalls passend wären, wird es gern ergänzt. Es lohnt sich also, mitzudenken und die eigene Gedanken auch einzubringen. Die Ideen der Kinder sind sowieso Gold wert!

Ferien!

NRW ist in diesem Jahr das erste Bundesland, das in die Sommerferien startet. Bei meiner Klasse und mir war auch am letzten Schultag gefühlt die Luft nicht raus. Doch jetzt, wo die Ziellinie des Schuljahres glücklich überschritten ist, fällt schon Vieles von mir ab. Ab in den Urlaub!

Die letzte (Fließband-) Arbeiten

Obwohl ich mir in diesem Jahr einige bewusste Auszeiten auch während der „heißen Zeugnisphase“ gegönnt und darauf hingearbeitet habe, so waren die letzten Tage vor den Ferien doch sehr anstrengend. Ich habe mehr als 150 Zeugnisseiten unterschrieben, sortiert, kopiert, eingetütet und was man sonst noch alles macht. Daneben mit den Kindern noch beendet, was beendet werden musste und eine schöne Johanni-Bastelei vorbereitet (Bericht dazu folgt).

Abschied nehmen

Schuljahresende, das heißt auch meist Abschied nehmen. In diesem Schuljahr musste ich mich von einer sehr lieb gewonnenen Kollegin verabschieden. Ebenso musste ich zwei Kinder meiner Klasse auf den Weg in die Förderschule als neuen Lernort begleiten. Auch diese Abschiede hinterlassen ihre Spuren.

Das Neue wartet schon!

Gleichzeitig war da dieser Funke, der jetzt schon den nächsten Abschnitt des Weges entzündet: Die Vorfreude auf das fünfte Schuljahr ist geweckt. Ich habe den Kindern von den neuen Epochen erzählt, die anstehen. Und schon jetzt freuen sie sich auf die nächste mehrtägige Klassenfahrt, die kurz nach den Sommerferien schon losgeht. Und die magische Verwandlung in Fünftklässler (Bericht folgt) fand nach der Vergabe der Zeugnissprüche (Bericht folgt) und Zeugnisberichte dann auch statt und wurde ausgelassen bejubelt.

Und in den Ferien?

Jetzt geht es erst einmal in den wohl verdienten Urlaub. Auch mein kleiner Shop und der Podcast „Kaffee, Kreide, Morgenspruch“ machen Ferien.
Doch noch in den Ferien, nämlich ab Mitte Juli, darf ich Euch schon meine neue Publikation präsentieren, den neu gestalteten Förderraum der Schule mit einrichten und mich auf ein ganz besonderes Schuljahr mit neuen Aufgaben und Projekten einstimmen. Wird alles hier zu lesen sein 🙂

Gebloggt wird weiter!

Was wäre ich ohne die Schreiberei? Keine Erholung ohne Schreiberei. Auch wird es wieder schöne Ferienklänge in meinem Podcast „Märchen mit Klang“ geben. Seid gespannt und schaut weiter vorbei. Dieser Beitrag zeigt ja schon die vielen Themen, die diese Zeit so mitbringt.

Ich wünsche allen eine schöne restliche Schulzeit und – wer sie auch schon hat – schöne Ferien!

Was ist eigentlich „waldorf“?

Immer wieder begegnen mir Sätze wie „das ist ganz waldorf“ oder „da ist aber nicht viel waldorf“. Daher habe ich vor kurzem mal das Schwarmwissen bei Instagram gefragt, welche Erfahrungen es bei Euch mit dem Adjektiv „waldorf“ gibt.

Fast alle kannten das „Adjektiv“

Sätze, in denen „Waldorf“ als fester Begriff vorkam, kannten deutlich über 90 % derjenigen, die an meiner Umfrage teilgenommen hatten. (Okay, das ist bei meinen Abonnenten eigentlich nicht sehr verwunderlich.)

Und was bedeutet es?

Die Frage war also, was Ihr genau mit „Waldorf“ verbindet und da gab es viele individuelle Antworten, die ich Euch gern hier vorstellen möchte:

  • Ein Bildungssystem
  • kindorientiert
  • Sinn für Ästhetik
  • Ruhe, Verständnis, Kreativität, Freiheit
  • Bullerbü
  • Die ganzheitliche Betrachtung des Menschen
  • Naturverbundenheit und Respekt
  • Teil der anthroposophischen Bewegung
  • Lernen macht Spaß, Elternarbeit, Rhythmus, im Einklang mit der Natur
  • die Tatsache, dass von 255 Waldorfschulen in Deutschland nur 10 inklusiv arbeiten.
  • Öko, altbacken
  • nah am Kind, nah am Bedürfnis
  • bestimmte Atmosphäre von Räumen
  • öko, anders, esoterisch, natürlich
  • bestimmte Sachen, die nur in der Waldorfschule getan oder gedacht werden
  • keine Rechten Winkel, bestimmte Gestaltung von Räumen
  • draußen spielen
  • Denken, kreative Lösungen für Probleme finden
  • ein Ort mit Zuhause, der friedlich ist
  • etwas, das der Waldorfpädagogik entspricht, aber tendenziell abwertend
  • öko, alternativ, esoterisch, versponnen
  • naturverbunden, altersgerecht, dem Jahreskreis entsprechend
  • ökologisch angehaucht, keine grellen Farben
  • Einstellung zum Lernen und Leben
  • sämtliche Klischees
  • Schlichtes, Selbstgemachtes, pädagogisch Wertvolles
  • Holz, Filz, Wolle
  • anthroposophisch
  • öko, oft negative Konnotation
  • mit Aufmerksamkeit in den eigenen Händen etwas Individuelles herstellen
  • oft im Sinne von altmodisch verwendet
  • Anthroposophie

Fazit und Danke 🙂

Also die Vielfalt der Antworten deutet schon darauf hin, dass jede:r im Zusammenhang mit „Waldorf“ anscheinend ein Erleben von (hauptsächlich) Schulen und Kindergärten und sehr persönlichen Eindrücken verbindet, eben individuelle Erfahrungen macht und empfindet. Dies muss ja auch so sein, da jede Einrichtung eine eigene Gründungsgeschichte und ihr eigenes Umfeld hat. Zu dieser individuellen Wirkung der verschiedenen Einrichtungen kommt oft auch noch eine Außenansicht, die von anderen gespiegelt wird.

Für mich heißt es, dass ich tendenziell vorsichtig mit „Waldorf“ als Umschreibung oder Bezeichnung umgehe, da man ja nicht weiß, was das Gegenüber damit verbindet bzw. ob wir auf einem Nenner sind.

Ich danke allen für die Teilnahme an meiner kleinen Umfrage und für Eure Offenheit!

Der Waldorf Bücherbasar

In dieser Woche findet auf Instagram auf Initiative einer lieben Kollegin wieder ein Basar statt, diesmal zum Thema Bücher und Papeterie. Ich stelle daher bei Instagram und hier auf meinem Blog die Bücher von meiner Schwester und mir bzw. von unserer Illustratorin Lena vor.

Über den Basar

Unter @waldorf_kunsthandwerk_basar finden in dieser Woche bei Instagram Buchvorstellungen, online Lesungen und Gewinnspiele statt. Bei mir wird es auch etwas zu gewinnen geben.

Mein Wochenplan

Montag, 9.5.2022: Rosinas Wolle mit Verlosung
Dienstag,10.5.2022: Das Kindergartenfreunde-Buch
Mittwoch, 11.5.2022: Yoga mit Daniela, dazu auch eine Verlosung
Donnerstag, 12.5.2022: Maira, das Brombeermädchen
Freitag, 13.5.2022: Fantasiereisen – dazu auch eine neue Fantasiereise in meinem Podcast „Märchen mit Klang“

Ich freue mich, wenn Ihr hier und auf Instagram dabei seid!

Vorhang Auf! für`s Herz

Kooperation und Gewinnspiel – Lostopf geschlossen | Wie viele von Euch wissen, liegt mir die Vorhang Auf! Zeitschrift sehr am Herzen: Diese einzigartige Familienzeitschrift, liebevoll mit handgefertigten Bildern und fantasievollen Geschichten gestaltet, mit kindgerechten Bastel- und Spielideen und einem Eltern-Begleitheft zum jeweiligen Thema der Ausgabe sucht ihresgleichen. Ich bin selbst seit Langem Abonnentin und auch, wenn meine eigenen Kinder schon größer sind, finde ich hier immer wieder auch schöne Ideen für meine Epochen. Die Kooperation mit Vorhang Auf! ist mir eine Herzensangelegenheit.

Gewinnspiel: Das Osterheft

Das Osterheft wurde in diesem Jahr neu aufgelegt. Ich darf es kurzfristig an Euch verlosen, zusammen mit einem schönen Oster-Kunstdruck. Kommentiert daher hier oder auf Instagram, wenn Ihr teilnehmen möchtet. Abonniert gern hier oder auf Instagram @waldorf.lehrerin und @vorhangaufzeitschrift oder meinen Blog über WordPress. Die Verlosung ist ab 18 Jahren und endet am 15.4.2022 um 12 Uhr. Der Waldowverlag versendet den Gewinn direkt an Euch. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Jahresabo via Montagskind

Wer gern die Vorhang Auf! Zeitschrift verschenken oder selbst abonnieren möchte, kann dies auch über meinen Blog tun. Füllt einfach dieses Formular aus und alles geht seinen Weg über mich. Das Jahresabo verlängert sich nicht automatisch.

Frühling!

Endlich ist er da. Heutemorgen schien die Sonne sehr hell in unseren Klassenraum, die Vorhänge blieben dabei weit geöffnet – wir haben den Frühling einfach sehr genossen. Die Fenster können aufstehen, ohne dass es kalt wird. Dafür begleitet uns Vogelgezwitscher.

Drei Klassiker: Frühlingsgedichte

Er ist`s (Mörike) – das wird unser kleines Frühlingsgedicht bis zu den Osterferien. Ich habe drei klassiche Gedichte auf praktische Kärtchen geschrieben, die man gut auf Tonpapier kleben oder laminieren kann.

Hier könnt Ihr sie gern einfach downloaden:

Märchen vom Wünschen

Passend zum Frühlingsbeginn und dem kleinen Wunschritual habe ich auch in meinem Podcast „Märchen mit Klang“ ein Märchen über das Wünschen aufgenommen: Der Arme und der Reiche. Kleiner Hinweis: Ich erzähle das Märchen so, dass das Pferd nicht mit gebrochenem Hals tot umfällt, sondern „weggewünscht“ wird.

Die Erzählversion ist hier:

Zur Podcastfolge von „Märchen mit Klang“ kommt Ihr hier:

https://montagskindblog.libsyn.com/der-arme-und-der-reiche

oder ihr schaut überall, wo es Podcasts gibt 😉

Habt eine schöne erste Frühlingswoche!

Tages- und Nachtgleiche zu Frühlingsbeginn

Heute, am 20. März 2022, ist der kalendarische Frühlingsbeginn. Die Sonne steht im Zenit und es sind Tag und Nacht exakt gleich lang. Zeit für ein schönes Ritual, das unsere Wünsche und Hoffnungen wachsen lässt wie die Saat auf den Feldern im März.

Frühling steht für Erwachen und Neubeginn

Dies kann man zur Tages- und Nachtgleiche noch einmal besonders bewusst werden lassen. Ab heute überwiegen die hellen Stunden. März ist auch die Zeit, in der die Bauern beginnen, ihre Felder zu bestellen, verbunden mit Wünschen und Hoffnungen auf eine gute Ernte. Genauso kann man auch innerlich etwas Gutes säen.

Ein kleines Ritual: Einen Wunsch säen

Sinne nach, welches Dein größter Herzenswunsch ist. Hast Du mehrere Wünsche, schreibe sie zunächst auf und stelle Dir vor, wie sie in Erfüllung gehen. Welche Wunscherfüllung brauchst Du zur Zeit am meisten? Diesen Wunsch solltest Du jetzt auch „säen“.

Dies kannst Du Dir visualisieren, indem Du ihn auf ein Stück Papier schreibst und ihn gemeinsam mit einen Samenkorn in die Erde legst. Am besten, Du wählst dazu einen Ort aus, an dem Du besonders gern bist und der Dir Kraft schenkt. Das kann ein Platz in Deinem Garten sein, ein Topf mit Erde auf dem Balkon, der Küchenfensterbank oder einen anderen schönen Ort, den Du bei einem Spaziergang gern aufsuchst.

Pflegen und wachsen lassen

Hast Du gesät, müssen Wunsch und Pflanze jetzt gepflegt werden, damit Wachstum und segensreiche Ernte möglich wird.

Du kannst den Ort, an dem Dein Samenkorn sprießt, für eine tägliche Meditation aufsuchen, damit auch Dein Wunsch gepflegt wird. Wenn Du dort bist, schließe die Augen und stelle Dir vor, wie es ist, wenn Dein Wunsch sich erfüllt. An jedem Tag erinnerst Du Dich, wie Du Dir ihn bisher vorstellst und finde ein weiteres, neues Detail für Deine Vorstellung.

Doch konzentriere Dich nicht nur auf die tiefe Vorstellung Deines Wunsches, sondern schließe die Meditation ab mit drei Dingen, für die Du heute – also an jedem Tag der Pflege – dankbar bist und spüre die Kraft, die Dir dieser Ort verleiht.

Erntedank

Zur Tages- und Nachtgleiche im Herbst, also dieses Jahr am 23.9.2022, kannst Du Erntedank feiern. Traditionell wurde beim Erntedankfest für jede Ernte gedankt – auch für noch so geringe Erträge. Alles, was Du über den Sommer empfangen hast, was gewachsen und gereift ist, verdient Dank. Doch dazu im Herbst mehr 🙂

Ich hoffe, dass Dich gerade in der jetzigen Zeit dieses kleine Ritual inspirieren konnte.

Viele kleine Schritte

Warum ich vor 6 Uhr morgens schon blogge, sich das Montagsmärchen verspätet und wie sich unsere kleine Morgenroutine mit dem Friedensritual entwickelt.

Die letzten Tage hatten es in sich und haben unseren Alltag ziemlich auf den Kopf gestellt – wenn`s mehr nicht ist! Innerhalb von 24 Stunden habe ich mein Arbeitszimmer aufgelöst und einer geflüchteten Dame zur Verfügung gestellt. Nun gilt es, Schulorganisation, Blog und Podcasts etwas zu verlagern – wenn` s mehr nicht ist!

Werte verändern sich

Es ist hier also gerade etwas turbulent und der Google Übersetzer ist unser ständiger Begleiter, Freund und Helfer 🙂 Man spürt aber schon, wie die Dinge beginnen, sich einzupendeln. Und auch, dass Werte sich verschieben. Ich bitte daher in diesen Tagen um etwas Geduld mit meinen außerschulischen Projekten.

Friedenswünsche in der Schule

Unser neues Morgenritual, die Friedenskerze anzuzünden und sie jeden Tag auf einem anderen Schülertisch aufzustellen, wird sehr gern angenommen. Danach folgt das Friedensgebet von Franziskus. Gestern haben wir auch darüber gesprochen, dass dies selbstverständlich nicht das einzige Friedensgebet ist und sich alle Religionen den Frieden wünschen. Daher spricht ab dieser Woche auch mein lieber Kollege ein muslimisches Friedensgebet für meine Klasse – erst auf arabisch, danach auf Deutsch. Wir möchten die Friedensgebete der Welt kennenlernen! Und ich hoffe, dass wir mit der Zeit auch eigene Worte finden, denn Gebete sind ja auch etwas zutiefst Persönliches. Doch eins nach dem anderen.

Für unser Freiarbeitsregal, wo es neben allgemeinen Übaufgaben auch ein Fach für Konzentration gibt, habe ich drei Mandalas erstellt, die ich auch gern hier teile:

Hier auch noch einmal die Gebetskärtchen zum Friedensgebet als Download:

Ich danke Euch für Eure Geduld!

Wieder in der Schule

Nach dem verlängerten Wochenende war heute das erste Wiedersehen mit meiner vierten Klasse. In der Zwischenzeit haben sich die Nachrichten aus dem Kriegsgebiet überschlagen. So gingen mir auch viele Fragen durch den Kopf: Wie wird das Thema bereits unter den Kindern zur Sprache kommen und wie möchte ich damit umgehen? Wer ist vielleicht sogar durch Familie und Freunde persönlich betroffen? Oder ist das Thema doch noch ganz fern?

Selbst gedanklich sortiert sein

Das war zugegebenermaßen die erste große Herausforderung, denn meine eigenen Gedanken kreisen ja auch permanent. Innerlich habe ich mich zudem auf viele Szenarien beim Wiedersehen mit den Kindern eingestellt. Von „mit der Tür ins Haus“ bis hin zu „lieber nicht“.

Türöffner: Wie beginnt man ein solches Thema?

Ich habe zuerst die Kerze angezündet und an Franzikus und seine Friedensbotschaft erinnert. Daran denken die Kinder gern zurück (Thema im zweiten Schuljahr). Und wir haben daran gedacht, dass diese wundervolle Botschaft durch alle Zeiten hinweg für alle Menschen dieser Welt bestehen blieb und bleibt, Trost spendet. Mehr noch: Diese Friedensbotschaft wird heute wieder ganz besonders gebraucht.

An diesem Punkt war die Aufmerksamkeit der Kinder sehr groß. Ein guter Moment, um selbst aufmerksam in die Runde zu blicken, wie es jedem Kind in der Klasse heute geht. Einzeln kurz wahrnehmen. Ich habe danach das Friedensgebet gesprochen, die Kinder haben es bedächtig mitverfolgt und teilweise auch schon selbst etwas mitgesprochen.

Herantasten

So war der Raum für das Thema vorsichtig geöffnet. Man konnte hineinschauen, hineingehen – oder eben nicht. Vielleicht auch noch nicht heute, aber morgen. Oder an einem anderen Tag. Die Gewissheit, dass die Möglichkeit besteht, ist da. Die Kerze und das Friedensgebet sind da. Dazwischen heißt es:

Alles kann, nichts muss.