Die ersten Zeugnissprüche für Klasse 4

Ich bin eingetaucht in Klasse 4. Wo werden die Kinder im Laufe der nächsten Monate stehen? Welche Epochen liegen vor uns? Ich habe mich auch erinnert an das 4. Schuljahr meiner eigenen Kinder. Und in dieser Stimmung kamen mir nach einigen Tagen die ersten Zeugnissprüche in den Sinn.

Was mich wieder besonders berührt, ist die sich verändernde Stimmung, die sich dann auch in den Sprüchen zeigt. Sie entsteht auch irgendwie bei mir, durch die Beschäftigung mit dem 4. Schuljahr und natürlich mit den Kindern und ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten. So muss ich gar nicht weiter darüber nachdenken, ob ein Spruch, der mir gerade eingefallen ist, auch gefühlsmäßig in die 4. Klasse oder zu den Kindern passt.

Auf dem Weg ins 4. Schuljahr

Hier ist einer der neuen Zeugnissprüche:

Heut´ flechte ich ein buntes Band,
die Fäden führ´ ich hin und her.

leg´ es mir sorgsam um die Hand
– doch lieber geb´ ich`s für Dich her
und flechte noch so eines für mich.

Denn so ein Band als Dein und Mein
wird Zeichen unserer Freundschaft sein.

Mehr davon…

Es werden langsam immer mehr Sprüche und sie sind teilweise so anders als noch im letzten Jahr. Die Kinder haben einige Schritte gemacht.

Erstgeborene

Das Thema Geschwister ist sensibel, schicksalhaft und sehr individuell. Man kann es nur qualitativ, vom Einzelfall aus, vertieft betrachten und bei Verallgemeinerungen von den Dingen ausgehen, die wirklich alle Geschwisterposititionen gemeinsam haben. Doch schon, wenn man sich Allgemeines bewusst macht, bekommt man einen zusätzlichen Blickwinkel, sowohl bei der Betrachtung der eigenen Rolle innerhalb der Familie, als auch beim Blick auf die eigenen und die anvertrauten Kinder.

Erstgeborene machen Familie

Erstgeborene – egal, ob sie Einzelkind bleiben oder ihnen noch weitere Geschwisterkinder nachfolgen – haben etwas Großes gemeinsam: Sie stellen das Leben ihrer Eltern tiefgreifend auf den Kopf. Sie machen aus einem Paar oder auch Single eine Familie. Das Leben ihrer Eltern wird durch sie völlig verändert. Dabei spielt es keine Rolle, ob man jahrelang sehnsüchtig auf die Schwangerschaft gewartet hat oder sich „außerplanmäßig“ in dem neuen Leben wiederfindet.

Viele Paare fühlen sich durch ihr Kind noch tiefer miteinander verbunden und erreichen in ihrer Liebe eine neue Stufe. Das Kind wird zu einer neuen Brücke, wie Jirina Prekop in ihrem Buch „Erstgeborene“ so schön bildlich beschreibt. Es gibt aber auch Paare, die sich durch ihre Elternrolle als Partner mit der Zeit aus den Augen verlieren, mit dem Kind zwischen sich eine „Trennwand“ errichten. Es wirkt polarisierend.

Die neue Rolle als Mutter, Vater oder Eltern will also gut vorbereitet sein und die Paarbeziehung immer wieder neu bewusst gemacht werden.

Erstgeborene organisieren das Leben neu

Meist ändern sich Berufstätigkeiten, Wohnsituationen und auch Beziehungen neu. Man lernt andere junge Familien kennen, kinderlose Freunde trifft man mit der Zeit doch eher seltener. Oftmals wird bei den neuen Eltern das Band zu ihrer Ursprungsfamilie nochmals enger. Im Mittelpunkt des Lebens steht jetzt ein kleiner Mensch, der heranwächst und in den nächsten Jahren geliebt, behütet und glücklich aufwachsen soll.

Gerade bei Erstgeborenen sind zudem viele frisch gebackene Eltern noch unsicher und hinterfragen sich häufig – selbst, wenn sie in ihrer Familie zuvor bereits häufig mit Neugeborenen umgehen durften. Doch nun selbst in der Rolle seines Lebens zu sein, wirft manchmal die Frage auf: Mache ich alles richtig? Bin ich gut in meiner Elternrolle?

Was macht das mit den Erstgeborenen?

Erstgeborene haben ein enges Band mit den Erwachsenen um sie herum und ihre Eltern, mindestens die erste Zeit ihres Lebens, ganz für sich. Das ist prägend. Karl König zitiert in seinem Buch „Brüder und Schwestern“ die amerikanische Psychologin Margret Lautis, die in ihrer Studie darstellt, dass Erstgeborene die Erwachsenen mehr imitieren, ihre Nähe und Anerkennung suchen als Zweit- und Drittgeborene. Dies macht sie häufig zu kleinen „Denkern“, die die Nähe zu Erwachsenen genießen.

Und auch sie spüren, dass ihre Eltern mit ihnen viel Neuland in der Elternrolle betreten. Oft sehen sich die Erstgeborenen auch als „Vorkämpfer“. Sie haben als Erste die Frage aufgeworfen, wieviel Schokolade genascht werden darf. Haben als Erste verhandelt, wie lange man mit 16 ausgehen durfte und wann in den Ferien die Bettgehzeit ist.

Wie geht es weiter?

Das Erstgeborene ist auf der Welt. Bleibt es Einzelkind? Bekommt es Geschwister? Entsteht mit den Jahren vielleicht auch eine Patchworkfamilie?

Ihr merkt, die neue Reihe über „Geschwister“ ist nicht nur sehr spannend, sondern auch vielschichtig. Ich hoffe, dass ich mit den vorsichtig dargestellten allgemeinen Aussagen schon ein wenig eigene Vertiefung anstoßen konnte und freue mich auch über Eure Fragen und Kommentare.

Fantasiereisen als Ritual

Wir können uns und unsere Kinder mental stärken und Kraft tanken mit wohltuenden Auszeiten oder Einschlafritualen.

Auf die besonderen Momente kommt es an.

Das Geniale ist: Groß und Klein tanken dabei gleichermaßen neue Energie auf und stärken sich. Dabei spielt es keine Rolle, ob Ihr es Euch gemeinsam gut gehen lasst und Du auch einfach mal entspannst oder Du für Dein Kind die Fantasiereise sprichst und dabei einen entspannenden Klang spielst – es wird Euch hinterher besser gehen.

Energiespender auch in der Schule

Wenn sich die Möglichkeit bietet oder ich merke, dass es einfach notwendig ist, gibt es ja sogar in der Schule mal für meine ganze Klasse so eine Auszeit – und wenn man auf dem ersten Blick meinen würde, dass ich dabei einen erheblichen Teil meiner Energie den Kindern gebe, so muss ich widersprechen: Ich verliere dadurch eben keine Kraft. Genau das macht Fantasiereisen im Alltag mit Kindern meiner Meinung nach so interessant und hilfreich. Bleiben wir aber bei den Ritualen im vertrauten Zuhause.

Möglichkeit 1: Auszeit gemeinsam genießen

Baut Euch ein gemeinsames Kuschelnest aus Decken und Kissen. Wichtig ist, dass Ihr dort gemütlich liegen könnt und jeder noch genug Platz für sich hat, um sich auch einmal ausstrecken zu können. Vorab kann gemeinsam ein Tee gekocht werden und frisches Obst geschnitten werden für die Erholungszeit nach der Fantasiereise. Schaltet elektrisches Licht aus, zündet gern auch irgendwo im Raum eine schöne Kerze an. Ein kleines Goldtröpfchen zur Einstimmung ist auch wunderbar. Schon seid Ihr perfekt vorbereitet. Manchmal ist es auch ratsam, vorab nochmals auf die Toilette zu gehen. Liegt alles bereit und Ihr bequem? Dann hört jetzt einfach eine Fantasiereise aus meinem Podcast „Märchen mit Klang“ an. Dort klingen meine schönsten Klangschalen und erholsamen Klänge. Der Podcast ist für jeden kostenfrei verfügbar.

Möglichkeit 2: Groß gibt die Fantasiereise für Klein

Auch hier kann man die Vorbereitungen gemeinsam treffen oder Du bereitest alles liebevoll für Dein Kind vor. Der Vorteil beim gemeinsamen Vorbereiten ist die Vorfreude, die Euch auf die Fantasiereise einstimmt. Du kannst Deinem Kind auch eine kleine Handmassage geben, um es zur Ruhe zu führen. Hast Du eine eigene Klangschale, ein Koshi Windspiel oder einen anderen Klang, den Dein Kind liebt? Dieser sollte auf jeden Fall mit einfließen. Da ich meine Fantasiereisen aus dem Podcast auch als Download zur Verfügung stelle, kannst Du hier einfach eine Fantasiereise auswählen und so die Erzähl- und Klangzeit für Dein Kind so gestalten, wie es sich für Euch beide in diesem Moment gut anfühlt.

Fantasiereisen sind bedingungslos

Fantasiereisen sind wundervoll und Kinder lieben sie sehr. Das macht sie besonders, selbst wenn sie als Ritual regelmäßig erlebt werden. So ein Schatz ist bedingungslos sollte daher mit keiner erzieherischen Maßnahme verknüpft werden: Keine Belohnung – „wenn du…. dann machen wir eine Fantasiereise“ und erst recht keine Bestrafung „…. sonst gibt es heute keine Fantasiereise“. Es ist ja auch so: Wenn Dein Kind neben der Spur läuft, braucht es eine solche Auszeit doch am meisten. Daher ist und bleibt sie ein liebevoller Helfer und fällt Dir nicht als etwaige Inkonsequenz in den Rücken.

Die neue Fantasiereise macht stark

Meine neue Fantasiereise, „Die Schatzinsel“ hat ganz besondere Qualitäten. Sie lenkt auf das, was stark macht: Die eigenen Stärken, liebenswerten Eigenschaften und die schönsten, kraftspendenden Erlebnisse.

Hier ist sie als Podcast:

https://montagskindblog.libsyn.com/die-reise-zur-schatzinsel

Und als Download – nur für den privaten Gebrauch:

Ich wünsche eine schöne, erholsame Zeit!

Hinweis: Die Verlinkungen in diesem Artikel führen nur zu meinen Projekten: montagskindblog.de und asteya-shop.de

Schmieden in Klasse 3

Feuer lodert in der Schmiede
zu des starken Meisters Liede
„Feuer“, singt er, „diene mir. 
Ich, dein Herr, gebiet‘ es dir!“

„Deine Wege will ich weisen.
Schmieden sollst du mir das Eisen,
dass ich‘s mit des Hammers Schlag
hart und biegsam schmieden mag!“

„Feuer diene, Feuer schaffe,
schmieden will ich lichte Waffe!“
Also singt der starke Schmied.
Feuer, Flamme, Funke sprüht.

(Martin Tittmann)

Ihr merkt es – ich bin noch immer ganz ergriffen vom Schmieden heutemorgen. Die Zeiten könnten ja unvorhersehbarer und unsicherer nicht sein, was ja ebenso und vielleicht sogar noch mehr auf die Kinder wirkt. Und auf einmal kann man selbst etwas schaffen und nicht nur „irgendwas“: Man kann das starke, feste Eisen biegen, formen, zurechthämmern. Richtig schwere Werkzeuge einsetzen und an die Grenzen der körperlichen Kräfte gehen, sich selbst spüren und besonders auch die Kräfte des eigenen Willens. Wenn ich will, dann kann ich – denn Schmieden muss man WOLLEN wie kaum eine andere Tätigkeit und mit Schmieden kann man Großes schaffen. Der Eisenklang dazu wirkt stärkend und klärend. Auch die sprühenden Funken, der Geruch des Rauches, zischendes, dampfendes Wasser – es sind viele Sinneserlebnisse dabei.

Ich bin also total froh, dass ich Kindern meiner Klasse heute und morgen dieses Erlebnis bescheren konnte und kann. Was für eine Kraftquelle in dieser Zeit. Die Handwerker Epoche in Klasse 3 – es war nie wichtiger, sie zu haben. Jedenfalls fühlt es sich so an.

By the way: Unser Schmied

Nein, wir konnten coronabedingt keine Schmiede besuchen und nein, unsere Schule hat keine „richtige“ eigene Schmiede, sondern „nur“ eine Esse und einen Ambos, die wir im Schulgarten aufgebaut haben. Aaaber: Wir haben großartigen Hausmeister, der Schlosser ist. Ohne ihn wäre das alles gar nicht möglich gewesen. Er schafft es immer wieder, auch mit kleinen Mitteln viel zu bewirken und hat als Schmied seine Rolle mal wieder perfekt ausgeführt. Es war ein ganz tolles Erlebnis für die Kinder (und für mich)!

Das Epochenheft, ein Schatz der Schulzeit

Ich habe heute via Instagram eine Nachricht bekommen mit der Frage, was es eigentlich genau mit dem Epochenheft auf sich hat. Gute Frage! Und so wie ich es gerade wahrnehme, ein sehr aktuelles Thema. Denn leider hat sich die Idee des Epochenheftes im Homeschooling und beim Distanzlernen immer weiter Richtung „Arbeitsheft“ verschoben. Das beobachte nicht nur ich. Also ein guter Zeitpunkt, einmal genau auf das Epochenheft zu schauen.

Liebevoll mit der Arbeit verbunden: Jedes Epochenheft wird ein kleines Meisterwerk!
Hier ist ein Kind meiner Familie bei der Arbeit.

Hefte gibt es viele

Na klar, an jeder Schule gibt es viele verschiedene Hefte. Das Epochenheft scheint mir aber eine Spezialität der Waldorfschule zu sein.

Arbeitsheft, Vorschreibheft & Co.

Diese Hefte kennen wir wohl alle. Wenn geübt wird, wenn vorformuliert wird, wenn notiert wird. Dann werden oft Hefte mit Linien und Kästchen verwendet, die reihenweise vollgeschrieben werden. Dort stehen die Übungsaufgaben. Hier ist der Ort, um Inhalte vorzubereiten, Lernstoff zu festigen, zu rechnen, Schriften auszuprobieren usw.

Das Epochenheft als Nachschlagewerk

Anders als an Regelschulen, gibt es zu den Unterrichtsepochen des Klassenlehrers meist kein Lehrbuch, an dem sich die Kinder orientieren – sie schreiben es nämlich selbst und das ist das Epochenheft. Somit ist ein vollständiges Epochenheft ein gelungenes Nachschlagewerk, das über den Zeitraum der Epoche zusehends wächst und die Inhalte der Epoche ordentlich dokumentiert.

Aufbau des Epochenheftes

Das Epochenheft beginnt mit einem Inhaltsverzeichnis. Daher wird die erste Seite meistens freigelassen. Alle weiteren Seiten werden nummeriert. Es entstehen Kapitel und Unterkapitel. Die Beiträge des Epochenheftes bekommen auch ein entsprechendes „Layout“ aus Überschrift, Text – gegebenenfalls mit Zwischenüberschriften – und Bildern, am besten selbst gezeichnet.

Am Ende der Epoche werden dann die Kapitel und Unterkapitel im Inhaltsverzeichnis zusammengetragen – und fertig ist das Nachschlagewerk der Epoche, die Kinder haben ihr eigenes Lehrbuch geschrieben.

Von der weißen Seite zum „Layout“

Die meisten Epochenhefte bestehen aus weißen, unlinierten Seiten. Die Kinder lernen, diese zu strukturieren. So wird meist mit dem Wachsblöckchen zunächst ein Rähmchen gezogen, um nicht zu weit auf den Rand zu schreiben (Orientierung auf der Seite). Schon früh arbeiten die Kinder auch mit Linienblättern. Sorgfalt ist oberstes Gebot.

Meist gehört zu jedem Text ein Bild, das gezeichnet oder gemalt werden muss. Die künstlerische Arbeit wirkt dabei im Seelischen, die Kinder verbinden sich weit mit dem Lernstoff.

Das sorgfältige Arbeiten mit Liebe zum Detail ist mehr als bloßes Niederschreiben und Einkleben. Es ist eine vielseitige, gründliche Arbeit. Das Epochenheft erfährt dadurch eine hohe Wertschätzung.

Was nicht passt, wird passend gemacht

Lose Blätter soll es nicht geben. Hat man etwas abgeschrieben und braucht die Vorlage nicht mehr, so kann die Vorlage aussortiert werden. Gehört ein Arbeitsblatt, Foto etc. ins Heft, so wird es an passender Stelle eingeklebt. Ist es zu groß, schneidet oder faltet man es ordentlich zurecht. Übersichtlichkeit ist wichtig, um sich in dem Nachschlagewerk auch später noch zurechtzufinden.

Verschiedene Arbeitsmaterialien geben Struktur

Bei mir in Klasse 3 sind für eine ordentliche Heftführung und -gestaltung inzwischen im Einsatz:

  • Wachsblöckchen für die Rähmchen der Seiten
  • Wachsmalstifte für Bilder, die Geschichten oder Erlebnisse widerspiegeln
  • Bleistift und Buntstifte für exakte Zeichnungen
  • Linienblatt zum Schreiben
  • Füller zum Schreiben
  • Lineal, um die Überschrift oder andere wichtige Textstellen zu unterstreichen, ggf. etwas durchzustreichen.
  • Kleber, um evt. auch einmal etwas einzukleben.

Der sichere Umgang mit den verschiedenen Materialien ist schon ein ziemliches „Management“, das von Anfang an angelegt und geübt werden muss. Letztendlich lernen die Kinder nicht nur den Umgang und Einsatz der Arbeitsmaterialien, sondern kommen auch von einer leeren, weißen Seite zu einem übersichtlich strukturierten Heftbeitrag in Wort und Bild.

Struktur auch für andere Bereiche

Eine Heftseite zu strukturieren und die Arbeitsmittel passend einzusetzen, ist auch auf andere Bereiche übertragbar: Es geht schließlich immer darum, die Dinge und Themen für sich zu ergreifen, indem man sie eingrenzt und einteilt (nicht nur physisch), also erst überlegt, dann planvoll umsetzt.

Durchhalten üben

Oftmals ist das leere Heft, der Beginn einer Epoche, ein wahrer Neustart. Die Kinder nehmen sich meist vor, dass dieses Heft das Schönste aller Zeiten wird. Ihr bestes Heft überhaupt. Ist das Heft dann nicht mehr so neu, lässt der Elan schonmal nach. Doch das Durchhalten zahlt sich aus: Ein gelungenes, vollständiges Nachschlagewerk ist schon eine kleine Trophäe.

Der besondere Wert

Es ist nicht nur der Erinnerungswert und die „Trophäe“, das eigene Nachschlagewerk geschaffen zu haben. Ich glaube, es ist im Gegensatz zu einem reinen „Arbeitsheft“, wie ich es zu Beginn dieses Artikels beschrieben habe, ein kleines Meisterwerk für sich.

Ein Epochenheft wird auch aufbewahrt wie ein kleiner Schatz, die Arbeits- und Vorschreibhefte meistens nicht. Da ich nun selbst schon größere Kinder habe, ist eine „Schulzeitreise“ anhand der Epochenhefte eine so wundervolle Erinnerung und Dokumentation von Lernfortschritten, für die ich sehr dankbar bin. Auch die Kinder können sehen, was sie schon alles gelernt und geschafft haben.

Das habe ich gelernt! Bilanz des Schuljahres

Ich sammle die Epochenhefte meiner Klasse über das gesamte Schuljahr hinweg. Am Ende des Schuljahres bekommen die Familien dann eine große Mappe mit allen gesammelten Epochenheften. So kann man am Schuljahresende darin schwelgen, sich in einem Jahresrückblick erinnern – und genau sehen, was sich von Beginn bis Ende eines Schuljahres so alles entwickelt hat. Eine wirklich schöne Erinnerung, ein lebendiges Erleben des Lernens und Erinnerungen fürs Leben.

Starkes Mindset, starke Kinder

Man kann Kindern gar nicht genug mit auf den Weg geben, wie willkommen, geliebt und wertvoll sie sind. Sicher, das ist in erster Linie eine ganz große Familienaufgabe. Doch auch an der Waldorfschule findet zum Glück viel konstante Beziehung über Jahre statt und dies ist ebenso eine große Chance, die anvertrauten Kinder auch mental zu stärken.

Wir kennen es alle: Schulzeit heißt eben nicht „mir fliegt alles zu“ und „ich höre immer nur, wie wunderbar mir alles gelingt“, sondern Schule heißt auch mal kämpfen, aushalten, kleine und größere Dämpfer verarbeiten, mit Kritik und Krisenstimmung umzugehen. Auch das gehört zum Leben und Aufwachsen dazu. Mit einer vertrauten und vertrauensvollen Gemeinschaft ist ein Umfeld geschaffen, in dem auch dies fürs Leben gelernt werden kann. Dass Kritik eine konstruktive Seite hat. Dass man sich manchmal auch ganz schön strecken muss, um an einer Aufgabe wachsen zu können. Dass es auch mal Rückschläge gibt.

Kinder vor negativen Dingen bewahren?

Man schützt sein Kind nicht, indem man Rückschläge von ihm fernhält und Hindernisse aus dem Weg räumt. Aber man unterstützt es, indem man es innere Stärke aufbauen lässt. Stärke, auch mit Schwierigkeiten umzugehen, Niederlagen und Streitereien zu verarbeiten.

Wie zwei Waagschalen

Wenn ein Kind an sich und seine Fähigkeiten glaubt, seine vielen Stärken aktiv erleben durfte und dann eine Niederlage erfährt, glaubt es gleichzeitig auch, dass es diese meistern kann und weiß: „Es kommen bestimmt auch wieder bessere Zeiten, denn ich kann so viel mehr und habe schon so viel geschafft.“

Nehmen wir das Bild zweier Waagschalen: Die eine ist voller positiver Glaubenssätze. Heißt: Sätze, die das Kind tief verinnerlicht hat und an die es fest glaubt.
Plötzlich fällt ein riesiger Gesteinsbrocken in die andere Waagschale und sorgt für ein enormes Ungleichgewicht. Der Stein steht für die Krise, die manchmal wie eine kleine Urgewalt daher kommt. Nun liegt es daran, die Positiv-Seite vorab so gestärkt zu haben, dass die gesamte Waage wieder ins Gleichgewicht kommen kann.

Das Glücksglas

Kleines Glas, großer Schatz

Meine Klasse befindet sich gerade in einem Entwicklungsalter, das oft mit einer Krisenstimmung, einhergeht. In der Waldorfpädagogik wird diese Zeit „Rubikon“ genannt (mehr dazu hier).

Dass Lockdown, Wechselmodell und diverse, teilweise verschärfte, Hygienekonzepte nicht gerade für ein sicheres Gefühl sorgen, muss auch nicht näher erklärt werden. Um den Fokus auf die vielen schönen Kleinigkeiten des Alltags zu legen, habe ich den Kindern im Lockdown ja schon das Glücksheft an die Hand gegeben, das einige auch sehr schätzen.

Das Glücksglas

Meine neue Idee ist das Glücksglas. Hier finden sich kleine Affirmationsbotschaften. Positive Affirmationen gehören methodisch zur Autosuggestion. Dies ist ein Weg, die Psyche positiv zu beeinflussen. Mit kleinen Merksätzen, die immer wiederholt und dadurch vor dem inneren Auge weiter ausgestaltet werden, entsteht das feste Bild der Botschaft: Ich bin wertvoll, ich bin liebenswert, ich kann so Vieles schaffen.

Am Wochenanfang dürfen die Kinder nun die „Botschaft der Woche“ für sich ziehen. Was dort steht, stimmt und bewegt. Im positiven Sinne. Nach den Zeugnissprüchen halten wir einen Moment inne, an dem jeder an seine „Glücksbotschaft der Woche“ denkt.

Wenn eine Botschaft mehrfach gezogen wurde, erlaubt sie durch die Wiederholung eine tiefere Beschäftigung. Man kann sich natürlich auch fragen: Steckt womöglich eine größere Aufgabe dahinter? Werden immer verschiedene Botschaften gezogen, entsteht auf Dauer eine eine positive Vielfalt.

Ich habe das Glas gestaltet und es bekommt seinen festen Platz in der Klasse, für ein schönes, stärkendes Ritual am Wochenanfang.

Die ersten 16 Glücksbotschaften habe ich auch hier zum kostenlosen Download für Euch:

Wer sie ohne mein „Montagskindblog“-Label haben möchte, kann hier schauen.

Ich würde mich über viele Nachahmer freuen!

Meditative Flötentöne

Die monatliche Fantasiereise in meinem Podcast „Märchen mit Klang“ wird ausnahmsweise diesmal nicht mit Klangschalen begleitet, sondern mit der meditativen Flöte Siyotanka. Jede Flöte dieser privaten Flötenwerkstatt ist ein Unikat und handgefertigt (unbeauftragte Werbung!). Es ist ein Instrument der American Natives.

Zur Fantasiereise

Die Fantasiereise führt diesmal in einen frühlingshaften Park, wo ein kleiner Baum-Bewohner dich mit bis in die hohe Baumkrone einer alten Kastanie nimmt. Dort genießt ihr gemeinsam die Frühlingssonne und die Rückkehr der Kraniche.

Hier geht es direkt zum Podcast:

Podcast-LINK

Und hier ist der Text als Download, wenn Du diese Fantasiereise selbst jemandem geben möchtest. Die Fantasiereise ist nur für den privaten Gebrauch gestattet.

Fantasiereise als Text:

Und der Link zu den Flöten

http://www.siyotanka.de

Wie alles begann

Da ist es passiert!

Ganz ehrlich: Wie wahrscheinlich ist es, einmal im Leben von einer Giraffe geknutscht zu werden? Und wie wahrscheinlich ist es, als Staatsschülerin ohne Bezug zum Waldorfumfeld, einmal Waldorflehrerin zu werden?

Nun Ja. Vor fast 25 Jahren überlegte ich fieberhaft, was ich nach dem Abi so machen könnte – und habe weder von der einen Sache, noch von der anderen im Entferntesten etwas geahnt. Doch beides ist eingetreten.

That`s Life!

Ist es nicht genial, dass das Leben jenseits der vorstellbaren Möglichkeiten passiert, ohne Plan? Zurück zum Anfang. Ich wusste schon sehr lange, dass ich gern mit Kindern arbeiten wollte. Schule gefiel mir als Arbeitsort grundsätzlich auch, aber so wie ich es selbst erlebt hatte, wünschte ich es mir nicht für meine eigene Lehrerrolle. Mir war damals schon klar, dass ich kein „Lehrplan-Service“ sein wollte, der irgendwie „von oben“ kommt, aber vielleicht gar nicht zu der Arbeit mit den Kindern passt.

Es folgten Praktika an einer Förderschule, einer heilpädagogischen Pflegeeinrichtung für Kinder und einer Grundschule. Da sah ich mich doch mehr im Bereich Schule. Am liebsten hätte ich Sondererziehung und Rehabilitation auf Lehramt studiert, doch ich bekam leider keinen Studienplatz. Andere Lehramtsstudiengänge überzeugten mich nicht.

Letztendlich studierte ich Germanistik und Sozialwissenschaften auf Magister (später Bachelor/Master) und begann, u.a. für eine Tageszeitung zu schreiben, was mir auch ausgesprochen gut gefallen hat. Deswegen blogge und schreibe ich heute noch so gerne!

Kein Weg ohne Abbiegung

Doch schon bald war ich wieder mitten im Thema „Alternative Pädagogik“ und der Waldorfweg begann, mit einem schönem Zwischenstopp bei Montessori – by the way.

Warum und wieso alles so kam, wie es kommen musste und ich familiär und beruflich voll ankommen konnte, darüber habe ich mit Dustin gesprochen, der auch Waldorflehrer, aber an einer anderen Schule, ist. Wir haben einen gemeinsamen Podcast „Kaffee, Kreide, Morgenspruch“ gestartet, wo wir uns – natürlich ganz subjektiv – über unser Waldorflehrerleben unterhalten. Dustin war übrigens auch Staatsschüler und hat auch einen sehr speziellen Weg in die Waldorfpädagogik gefunden.

Wir würden uns freuen, wenn Ihr mal bei uns reinhört. Ab Freitag überall, wo es Podcasts gibt!

Wir sind zwar keine Podcast-Profis, aber wir machen einfach
mal – könnte ja gut werden!

Zaubersterne, Zauberblumen

Ich mag sie so, diese kleinen Achtsamkeits- und Glücksmomente zwischendurch. Hier habe ich ein sehr nettes Klangschalenspiel dazu. Schaut einmal:

Ein achtsames Klangschalenspiel. Dies ist die große Beckenschale von Hess, erhältlich bei asteya-shop.de (Eigenwerbung)

Die Vorbereitung

Man bastelt kleine Sterne und Blumen, gern frei Hand oder mit dieser Vorlage:

Es muss nicht einmal symmetrisch sein. Hauptsache, man kann die Blüten oder Zacken von außen zuklappen, dass die ganze Mitte bedeckt ist.

In die Mitte der Zauberblume oder des Zaubersterns kann man dann kleine Dinge malen oder Glücksbotschaften schreiben, die sich dann offenbaren. Sie lassen sich schön mit Wachsmalern gestalten.

Los geht`s

Kleinere Kinder bekommen fertig gebastelte Blumen mit kleinen Glückszeichen, dazu diesen Spruch. Sie dürfen die Klangschale beim Sprechen zart anschlagen, um den Zauber wirken zu lassen:

Zauberblümchen, Zauberstern,
wir wecken dich so gern.
Mit Klang erwacht,
vom Wasser getragen.
die Wellen so sacht,
wollen was Liebes mir sagen.
Hört wie es klingt,
wenn die Klangschale singt.

Dabei wird beobachtet, wie die Blumen sich öffnen. Das dauert meist weniger als eine Minute.

Ältere Kinder können die Blumen und Sterne auch selbst als Überraschung für Mitschüler*innen gestalten und dann in einer meditativen Ruhe, vom Klangschalenspiel begleitet, im Wasser der Schale öffnen lassen.

Das Andenken

Sind die Blümchen und Sternchen aus nicht zu dünnem Papier (normales Druckerpapier 80g reicht völlig aus), können sie problemlos getrocknet und als Andenken oder Glücksbringer bewahrt werden.

Ich wünsche viel Freude bei dieser schönen Übung

Sonnenlauf oder Achterbahn?

Freitagmorgen, 9 Uhr: Kopfhörer auf, Mikrofon an, Meeting eröffnen. Der letzte wöchentliche Morgenkreis mit meiner 3. Klasse. Montag oder Dienstag – je nach Gruppe – sehen wir uns wieder! Es war so eine freudige Stimmung bei den Kindern, dass wir unser Meeting diesmal sogar etwas verlängert haben.

Die Kinder freuten sich und hatten doch viele Fragen. Ich habe ihnen erklärt, dass die Hygieneregeln sich im Vergleich zu Dezember nicht geändert haben – abgesehen davon, dass nur die halbe Klasse vor Ort ist und ich neuerdings eine FFP2-Maske trage.

Freitagnachmittag, kurz nach 16 Uhr: Die Schulministerin verkündet „verschäfte Hygieneregeln“, nach denen die Kinder meiner Klasse auch FFP2-Masken tragen sollen, es sei denn, diese wären noch zu groß. Außerdem dürfen die Masken nicht mehr am Platz abgenommen werden. Heißt: Unterricht mit Mundschutz. Das ist neu. Und das konnte ich nicht mehr mit den Kindern besprechen. Und selbstverständlich gilt es, die Mitteilung vom späteren Freitagnachmittag am Montag direkt umzusetzen. Ich war erst einmal geschockt am Freitag. Die Tatsache, dass die Kinder an ihren festen Plätzen die Masken grundsätzlich nicht abnehmen dürfen, hat natürlich Auswirkungen auf die Gestaltung des gesamten Unterrichts. Ich habe am Montag und Dienstag auch Fachunterricht in den Klassen 1 und 4, für die das genauso gilt.

Die einjährige Achterbahnfahrt

Seit einem Jahr ist nichts mehr wie es war. Oft fühlt es sich an, als käme ein Rückschlag nach dem nächsten. Und es war teilweise ein Jahr auch mit vielen Diskussionen und Auseinandersetzungen, die Kraft kosteten, aber nichts an der Situation ändern konnten. Wie eine Achterbahnfahrt: Kaum wurde es wieder gut, ging es fast im selben Moment auch gleich steil bergab.

Die Sonne geht immer wieder auf

Eine Sache stimmt aber auch: Es gab in diesem vergangenen Jahr auch viel Zuspruch, Zusammenhalt und eine Menge intensive, positive Momente. Irgendwie wundere ich mich auch manchmal über mich selbst, wieviel Kreativität in mir noch steckt, wenn wir wieder neue Rahmenbedingungen, die nochmal enger sind, bekommen. Auch meine Kolleg*innen haben viele tolle Ideen, es gibt einen schönen Austausch untereinander. Da werden unbeschreibliche Kräfte freigesetzt. Woher kommen die?

Keine 24 Stunden nach den Meldungen von gestern, ist mein Plan für Montag geändert und ich hatte auch Ideen, die mich zufrieden stimmen. Woher die auch immer kamen.

Montag beginnt der Wechselunterricht und es soll schön werden für die Kinder. Die Erfahrungen sagen, es wird nicht leichter. Sie sagen aber auch: Wir können alles schaffen.