Zeit der Zeugnissprüche

„Ist er schon da?“ Das ist die Frage aller Fragen. „Natürlich ist er schon da. Dein Zeugnisspruch fürs nächste Schuljahr. Bitte male schon einmal ein Aquarell, auf das ich ihn schreiben kann.“ Zu keiner Zeit im Jahr zeigt sich so intensiv die Verbundenheit zwischen den Kindern der Klasse und mir nach außen, wie ich finde.

Jedes Kind vor dem inneren Auge

Alles, was man das Jahr über von jedem einzelnen Kind gesammelt hat – notierte Eindrücke, Arbeitsergebnisse und auch innere Bilder – das wird nun sorgsam in den Zeugnisberichten zu Papier gebracht. Die Beschäftigung mit jedem einzelnen Kind bewirkt, dass die Verbindung noch einmal mehr deutlich zu spüren ist. Und das macht auch etwas mit den Kindern. Allerdings ist gerade dieses „etwas“ nicht genau in Worte zu fassen. Jedenfalls nicht in erklärende, versachlichende Worte. Aber zum Glück gibt es ja Zeugnissprüche.

Künstlerische Zugewandtheit auf beiden Seiten

Die Beschäftigung mit jedem einzelnen Kind erreicht nicht nur mich als Lehrerin, sondern auch die Kinder auf einer sehr feinfühligen Ebene. Die Ebene, in der Kunst wirksam ist und zum Ausdruck kommt. Das gemeinsame Kunstwerk: Die Zeugnissprüche.

„Bereitet mir schon einmal ein Aquarell für den neuen Zeugnisspruch vor“

Das ist der Auftrag. Dann malt jedes Kind ganz in Ruhe und für sich. Es gilt, darauf zu achten, dass ich meinen Text gut platzieren kann. Den Rest bestimmen die Kinder selbst. Am Ende geschieht dann das ganz Besondere: Zeugnisspruch und Aquarell harmonieren miteinander, ohne sich vorab „gekannt“ zu haben:

Die Kinder haben nicht zu einem Spruch aquarelliert,
ich habe die Sprüche nach dem Betrachten eines Aquarells geschrieben.

Trotzdem passt beides zusammen.

Und wenn man gar nicht selbst schreibt?

Ich habe plötzlich Verse im Kopf, schreibe sie nieder und weiß genau, für wen sie sind. Da dies so unvermittelt geschieht, habe ich mein Notizbüchlein für die Zeugnissprüche immer bei mir. Ich schreibe nun einmal leidenschaftlich gern. Waldorflehrer:innen, die nicht selbst schreiben, sondern in Büchern die passenden Sprüche für ihre Schüler:innen finden, erleben Ähnliches. Sie lesen einen Spruch und wissen genau, für wen er ist. Von daher bin ich der Auffassung, dass Selbstschreiben und Finden-durch-lesen keine unterschiedlichen Qualitäten sind, sondern nur unterschiedliche Zugänge für eine zwischenmenschliche Ebene, die nicht nur versachlicht dargestellt werden kann.

Es ist übrigens auch diese künstlerische Arbeit, die mir beim „verkopften“ Schreiben der vielen Berichte immer wieder den Akku auflädt.

Mehr über Zeugnissprüche

Seelennahrung Erzählteil

Ein Epochen- oder Hauptunterricht an der Waldorfschule besteht aus dem so genannten Rhythmischen Teil, dem Arbeitsteil und dem Erzählteil. Bei dieser Dreigliederung werden die Kinder ganzheitlich angesprochen. Darum erfahrt Ihr hier , warum das freie Erzählen und Vorlesen bis ins Teenageralter an der Waldorfschule regelmäßig praktiziert wird und fest im Tagesablauf von Klassenlehrer:innen eingeplant ist.

Welche Unterrichtsphase spricht was an?

Ein ganzheitlicher Unterricht ist keine reine Kopfsache, sondern spricht Körper, Geist und Seele gleichermaßen an, denn Lernen ist kein Denkprozess, sondern braucht Bewegung, vielseitige Anregung und seelische Verbindung.

Der rhythmische Teil

Im so genannten rhythmischen Teil finden sich Bewegungselemente, Gemeinschaftsspiele, künstlerisches Sprechen und tägliches gemeinsames Musizieren wieder. Die tägliche Wiederholung einer Übung lässt sie immer weiter ausreifen und besser gelingen. „Rhythmus ersetzt Kraft“ gilt hier. Die verschiedenen gemeinsamen Aktivitäten führen die Kinder zusammen, wecken sie auf und spenden Energie. Die Übungen des rhythmischen Teils finden auch im Jahreslauf, mit Bezug zur jeweiligen Jahreszeit, statt und bauen eine Brücke zum Lerninhalt des Arbeitsteils.

Der Arbeitsteil

Nach der Einstimmung im rhythmischen Teil findet die Auseinandersetzung mit den Lerninhalten, die „Kopfarbeit“ statt. Hier wird das Gelernte vom Vortag wiederholt, mit neuen Inhalten vertieft und auf verschiedene Weise geübt.

Jetzt aber zum Erzählteil…

Der Erzählteil schließt den – in meiner Klasse den 105 Minuten dauernden – Epochenunterricht ab. Jetzt ist die Zeit für Märchen, Fabeln, Legenden und Mythologien. Die Kinder hören die Geschichten, die sprachlich mitunter sehr anspruchsvoll und Wortschatz erweiternd sind und viele innere Bilder schaffen. Dies fördert die Fantasiefähigkeit und die Art des inneren Erlebens ist die reinste Seelennahrung und Menschenbildung: Es geschieht durch die Belebung der Vorstellungskräfte ein inneres Erleben, das die seelische Entwicklung beflügelt und auf indirektem Wege auch kindliche Fragen beantwortet. Da gibt es Gut und Böse, die Begegnung mit der Fremde und Andersartigkeit und es gibt viele neue Entdeckungen, die vor dem inneren Auge gesehen und durchlebt werden.

Was wird wann erzählt?

In den Klassen 1 und 2 werden ganz bildhaft Märchen, Fabeln und Legenden erzählt, menschliche Eigenschaften und Weisheit gespürt.

Die Schöpfungsgeschichte der Klasse 3 knüpft an das Bedürfnis der Kinder an, sich die Umwelt neu zu erschließen und Gedanken über den Ursprung zu machen. Ich habe über den Erzählteil der Klasse 3 schon hier etwas ausführlicher geschrieben.

In der 4. Klasse erleben die Kinder starke Ritter und den großen Kampf der nordischen Götterwelt in ihren vielen Reichen. Ich erzähle meiner Klasse seit Monaten aus der nordischen Mythologie und die Begeisterung reißt nicht ab!

In Klasse 5 findet ein Übergang von Mythologie zur Historie statt, wenn die alten Kulturen und griechischen Sagen Einzug finden. Die Kinder befinden sich seelisch in einer sehr ausgewogenen Zeit und genießen die Erzählungen über den Buddha, Zarathustra und die Odysee von Homer.

In Klasse 6 werden den inzwischen sehr weltinteressierten Kindern Geschichte aus dem alten Rom erzählt und dabei die Lebensweise, Umgebung und Gewohnheiten der Römer aufgegriffen. Auch Geschichten aus dem Mittelalter erhalten Einzug und sorgen für Faszination.

In den Klassen 7 und 8 stehen menschliche Schicksale im Mittelpunkt des Erzählteils und greifen das Unsicherheitsgefühl auf, das bei den Kindern zu Beginn der Pubertät, mit den vielen körperlichen und seelischen Veränderungen, aufkommt. Sie sind interessiert an verschiedenen Lebenswegen, Lebensentwürfen und -leistungen, denn sie suchen tief in sich Antworten auf eigene Lebensfragen.

Vorhang Auf! für`s Herz

Kooperation und Gewinnspiel – Lostopf geschlossen | Wie viele von Euch wissen, liegt mir die Vorhang Auf! Zeitschrift sehr am Herzen: Diese einzigartige Familienzeitschrift, liebevoll mit handgefertigten Bildern und fantasievollen Geschichten gestaltet, mit kindgerechten Bastel- und Spielideen und einem Eltern-Begleitheft zum jeweiligen Thema der Ausgabe sucht ihresgleichen. Ich bin selbst seit Langem Abonnentin und auch, wenn meine eigenen Kinder schon größer sind, finde ich hier immer wieder auch schöne Ideen für meine Epochen. Die Kooperation mit Vorhang Auf! ist mir eine Herzensangelegenheit.

Gewinnspiel: Das Osterheft

Das Osterheft wurde in diesem Jahr neu aufgelegt. Ich darf es kurzfristig an Euch verlosen, zusammen mit einem schönen Oster-Kunstdruck. Kommentiert daher hier oder auf Instagram, wenn Ihr teilnehmen möchtet. Abonniert gern hier oder auf Instagram @waldorf.lehrerin und @vorhangaufzeitschrift oder meinen Blog über WordPress. Die Verlosung ist ab 18 Jahren und endet am 15.4.2022 um 12 Uhr. Der Waldowverlag versendet den Gewinn direkt an Euch. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Jahresabo via Montagskind

Wer gern die Vorhang Auf! Zeitschrift verschenken oder selbst abonnieren möchte, kann dies auch über meinen Blog tun. Füllt einfach dieses Formular aus und alles geht seinen Weg über mich. Das Jahresabo verlängert sich nicht automatisch.

Der Anfangsunterricht mit der Flöte

Wie das erste gemeinsame Instrument allmählich seinen Platz in meiner Musikstunde bekommt: Es werden zuerst zwei Rituale eingeführt, das „Aufwecken“ der Flöte und die Pflege. Dann halten so nach und nach die verschiedenen Töne Einzug. Das erste gemeinsame Flötenlied schreibe ich gegen Ende des Schuljahres für jede Klasse selbst.

Vorfreude in Klasse 1

Die Kinder sind eingeschult und bekommen meist die Flöte direkt als Schulausstattung dazu. Es ist natürlich nicht nur interessant, sondern auch wieder ganz Schulkind – groß – , ein Instrument zu spielen. Die Kinder können es meist kaum erwarten und fragen immer wieder, wann wir endlich Flöte spielen. Doch die Flöte fordert auch Einiges von den Kindern und der ganzen Klasse, die schließlich gemeinsam musizieren soll. Daher tasten wir uns Schritt für Schritt an das gemeinsame Instrument heran.

Wir gewinnen die Flöte lieb

Zurück zu dem Moment der Einschulung: Es wird gefeiert, es gibt viele Geschenke für die Kinder und aus dem Kindergartenkind wurde ein Schulkind. Die Bedeutung der vielen neuen Dinge muss sich allerdings erst noch sorgsam erschließen. Daher sollte nicht willkürlich ausprobiert werden. Die Flöte muss ihren ganz besonderen, eigenen Weg zu den Kindern finden. Dazu ganz am Rande: Auch ich entscheide von Stunde zu Stunde, von Gruppe zu Gruppe, wann und wie der nächste Schritt an der Reihe ist. Das ist in keinem Jahr gleich.

Die Stimmung der Kinder

Die Kinder befinden sich in den ersten Schuljahren in der Stimmung der „Mit-Welt“. Sie empfinden, dass alles um sie herum mit ihnen lebt. Die Flöte ist für sie daher grundsätzlich kein Gegenstand, der konsumiert wird, sondern auch das Instrument lebt in gewisser Weise mit ihnen und kann so einen wahren Platz in ihren Herzen finden. Und wenn das geschieht, dann ist das der schönste Beginn einer gemeinsamen Arbeit, den man haben kann.

Wenn ich meine neuen Gruppen kennengelernt und in eine erste passende Arbeitsweise mit ihnen gefunden habe, beginne mit der Einführung der Flötenrituale (meist um die Herbstferien). Die Flöte darf erstmals mitgebracht werden, ein besonderer, ein feierlicher Moment. Sie hat bis dahin sehr lange in ihrem Schlafsäckchen (Flötentasche) geruht und wird zunächst mitsamt ihrer Schutzhülle auf den Schoß gelegt. Wir tasten und fühlen sie von außen, wecken die Flöte ganz sanft auf.

Dann wird das Schlafsäckchen geöffnet und die liebe Flöte vorsichtig herausgeholt. Die Kinder tun dies sehr bedächtig und so geschieht es dabei in der Regel nicht, dass irgendjemand plötzlich willkürlich oder albern in das Instrument pustet und für schrille Töne sorgt. Heißt: Mit schrittweiser, liebevoller Vorbereitung braucht man vorab nicht lang und breit die Flötenregeln zu erklären. Denn es findet in der beschriebenen Atmosphäre einfach von allein in der richten Weise statt.

Zum weiteren Aufwecken braucht die Flöte Handwärme, „so wie alle Wesen auf der Erde, Menschen, Tiere und Pflanzen, die Sonnenwärme brauchen“. Sie wird mit beiden Händen gehalten, eine Hand oben, eine Hand unten. Nun können Flöte und Finger gemeinsam warm werden und dabei schöne Motorikspiele gespielt werden:

  • Die Flöte wird mit beiden Händen im großen Bogen gedreht (wie ein Propeller, das Wort darf aber nicht fallen), vorwärts und rückwärts.
  • Die Handflächen werden aneinander gedrückt, dazwischen die Flöte gelegt. Die Hände werden hin und her bewegt, die Flöte dreht sich im kleinen Kreis und wird dabei gehalten.
  • Auch nur eine Hand (Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger) kann die Flöte im großen Bogen drehen, vorwärts und rückwärts, das ist eine ganz besondere Fingergymnastik. Bitte nicht vergessen, die Hand zu wechseln.
  • Flöten-Handgesten-Spiel: Familie Spatz.

Das ganze Aufwärmspiel (angedeutet, mit Raum für eigene Fingerbewegungen ):

Download der Verse dazu:

Da sich auch die Flöte erst allmählich an alle Dinge gewöhnen muss, reicht dieses Spiel für den Anfang. Es wird in jeder Stunde wiederholt.

Ein weiteres, schönes Spiel für den Anfang: Man kann die Flöte in die eine Hand nehmen und mit der Unterseite auf die Innenseite der anderen Hand klopfen. Dies ergibt ein sehr angenehmes „Ploppen“, mit dem die Kinder auch gern spielen. Hierzu kann man laut und leise klopfen, silbengemäß zu bestimmten Versen, z.B. von Hedwig Diestel (hier nur ein Auszug, gefunden in dem Buch „Künstlerisches Sprechen im Schulalter“ von Christa Slezak-Schindler, Edition Waldorf).

Mein Pferdchen muss springen,
die Wälder durchdringen (…),

Mein Pferdchen geht leise
zur Nacht auf die Reise (….)

Solche Verse eigenen sich auch gleichzeitig als rhythmisches Laufspiel.
Nach den ersten Spielen braucht die Flöte wieder ihre Ruhe und wird schlafen gelegt. Vor der Ruhezeit wird sie gepflegt. Ich zeige den Kindern zunächst, wie man sie wischt und anschließend bekommt jedes Kind einen Tropfen Flötenöl. Mal aus dem Fläschchen, mal aus einer Muschel, mal mit einem kleinen Tropfen ätherischem Öl. Auch das variiert mit der Zeit.

Atmung, Fingerspitzengefühl und Hörfähigkeit

Damit irgendwann sehr zuverlässig ein gewünschter Ton erklingt, müssen sowohl Haltung und Atmung ,als auch Griffsicherheit stimmen. Hinzu kommen das aktive Lauschen und Einhören: Das eigene Flötenspiel und das zugleich das der ganzen Klasse wahrnehmen, dessen Teil man ist.

Es ist daher sehr wichtig, in jeder Stunde Spiele und Übungen mit den Kindern durchzuführen, die sowohl das Einhören, als auch die Fingerfertigkeit schulen und die Atmung wahrnehmen lassen. Diese müssen nicht unbedingt direkt etwas mit der Flöte zu tun haben. Es gibt viele Handgestenspiele, auch begleitet mit Glöckchen und anderen Klängen.

Zu Beginn einer Stunde sind wir immer in Bewegung: Nach dem gemeinsamen Begrüßungslied folgen meist Rhythmusspiele, ein Reigen oder Klänge in Bewegung. Nach einer Zeit der Bewegung kommen wir ins Stehen. Jetzt ist die Gelegenheit günstig, den eigenen Atem klar zu spüren, innezuhalten, die Hände auf den Bauch zu legen, die Bewegung und Wölbung zu spüren. Die Zunge wird vom Gaumen gelöst, auch einmal durch die Nase geatmet, die Schultern gelockert.

„Wir spüren unseren Atem. Die Flöte braucht ihn wie die Erde den Wind. Wie ruhig wir atmen. Wir dürfen einmal kurz die Augen schließen und unsere Hände auf den Bauch legen.“

Wenn es zur guten Gewohnheit wird, zwischendurch den eigenen Atem zu spüren, wird auch beim Flöten sicherer geatmet. Hier kann man auch viel beobachten: Wer steht unruhig, bläst die Wangen auf, hat die Schultern angezogen….. Vielleicht benötigt es weitere Spiele, die zur Ruhe führen.

Ein Lied, das wir flöten, singen wir auch vorab, was ebenfalls eine gute Hinführung in das Flötenspiel ist.

Nach einer Zeit auf den Beinen dürfen die Kinder sich dann zunächst für die Flötenrituale setzen. Später wird dann wieder im Stehen geflötet. Die Erdung, die gerade Haltung, sind wichtig.

Zum Stundenende folgt dann wiederum ein Schleichspiel, Klangschalen– oder Klangkugelspiel und wir verabschieden uns mit einem Lied.

Die Musikstunde, der Raum und andere Rahmenbedingungen

Ihr habt sicherlich bemerkt, dass der Raum einer Musikstunde viel ausmacht. Ich mag gern Räume mit viel Bewegungsfreiheit. Doch dies ist nicht immer gegeben. Dann muss ich sehen, was im Klassen- oder Musikraum möglich ist .

Corona mit vielen Einschränkungen (Flötenverbote, feste Sitzordnung etc.) hat es in den letzten Jahren auch nicht immer leicht gemacht. Doch letztendlich findet man immer einen Weg, wie man die Kinder auf das einstimmen kann, was später ein schönes gemeinsames Musizieren ist!

Das erste eigene Flötenstück

Das erste gemeinsame Flötenstück richtet sich danach, wie weit wir gegen Ende des ersten Schuljahres mit unserer gemeinsamen Arbeit sind. Dies hängt auch etwas davon ab, ob die Erstklässler:innen morgens im rhythmischen Teil auch einmal die Möglichkeit bekommen zu üben. Da ich selbst Klassenlehrerin bin, kann ich dies nicht selbst begleiten.

Zurück zum Thema: Kleine Melodien beim Erlernen der Töne ergeben sich natürlich vorab auch schon. Doch für ein erstes, größeres Stück überlege ich mir immer etwas Passendes für die Klasse, das gut zu bewältigen und auch ein Ausblick auf die Vertiefung des Flötenspiels im zweiten Schuljahr ist. Das ist eine kleine Melodie aus beieinander liegenden Tönen, dazu ein schöner Text, so dass man das Lied singen und flöten kann. Oft ist es auch Teil einer kleinen Geschichte, die ich erzähle und hat etwas mit dem Sommer zu tun – Schmetterlinge, Marienkäfer, Sonnenstrahlen oder ein kühler, plätschernder Bach kommen gern darin vor.

Jede:r gestaltet es anders

So hat es sich bei mir entwickelt, das erste Schuljahr des Musikunterrichts zu gestalten. Bitte nicht als „Standard“ sehen, denn wir Waldorflehrer:innen sind ja unterschiedlich und haben einige Freiheiten in der Unterrichtsgestaltung. Und wer weiß: Vielleicht sieht mein erstes Musik-Schuljahr in 10 Jahren auch anders aus 🙂 Daher – Stand April 2022.

Ein Vorbild des Friedens sein

In den Medien geht, begleitend zu den schrecklichen Kriegshandlungen in der Ukraine, gerade ganz stark die Frage um, wie wir unseren Kindern „den Krieg erklären“ sollen. Das Thema ist dabei nicht nur in den sozialen Medien präsent, sondern hat es auch in meinen täglichen Nachrichtenpodcast und in die großen deutschen Tageszeitungen geschafft. Hier sind nun meine Gedanken dazu.

Unbedingt erklären?

Es wird dabei diskutiert, wie man selbst Dreijährigen die aktuelle Lage erklären sollte. Meine Haltung dazu ist: Ich erkläre, wonach ein Kind fragt oder ich gehe sehr sensibel ins Gespräch, wenn ich erkenne, dass es das Thema gibt – wenn auch bislang unausgesprochen. Dann kann übrigens bei jüngeren Kindern eine sinnige Geschichte gut helfen.

Doch zunächst muss ich erst einmal ganz genau zuhören oder auch schauen, was die Kinder spielen. Was hat das Kind aufgeschnappt, was beschäftigt es davon? Darauf muss man eingehen. Ich muss aber kein grundsätzliches „Aufklärungsgespräch“ über Krieg führen und keinem kleinen Kind erklären, wenn es nicht gezielt nach etwas fragt (das ist meine Meinung). Wir Erwachsenen sollten unsere Gespräche und unseren Nachrichtenkonsum auch mit Bedacht handhaben, nicht vor den Augen und Ohren unserer Kinder. Ich weiß, das tut nicht jede:r, daher wird es sicherlich auch schon bei jüngeren Kindern Fragen geben. Kinder erzählen sich eben untereinander, was sie gehört haben, verarbeiten im gemeinsamen Spiel und das wird auch alles mit nach Hause gebracht. Und die Kinder spüren auch, wie es uns mit dem Thema geht. Trotzdem: Erst einmal da sein und zuhören, was dazu von den Kindern kommt und darauf kann man dann eingehen.

Gegen die Ohnmacht „Wir können da nichts tun“

Wir können etwas tun! Jeder kann ein Vorbild des Friedens sein. Frieden fängt in uns selbst an, ein bewusst friedlicher Umgang gehört in Familie, Freundeskreis und Schule bzw. Kindergarten. Darauf können wir achten. Die Kraft guter Gedanken, den inneren Frieden, an die Kinder heranzutragen, ist ein ganz besonderer Beitrag für die Zukunft.
Von daher gehören gute Gedanken, Mantren und Gebete in meinen Augen zu einem Vorbild des Friedens.

Albert Schweitzer hat es so ausgedrückt:

Gebetskärtchen als Download

Hier habe ich einmal das Friedensgebet von Franziskus von Assisi so aufgeschrieben, dass es gut von der ganzen Familie oder in der Schule gesprochen werden kann, als Gebetskärtchen zum Ausschneiden. Da wir im zweiten Schuljahr auch eine Epoche über Franziskus von Assisi hatten, ist er den Kindern als Vorbild des Friedens und der Liebe bereits bekannt. Für Kinder oder Familien, die sich noch nicht mit Franziskus näher beschäftigt haben, ist hier ein Link zu einem schönen Kinderbuch für die Kleinen (Bilderbuch, ab 3 Jahre) bzw. ein Link zu einem Buch über Franziskus, das Kinder im Grundschulalter auch gut selbst lesen können. Das ist sehr passend zum Vorlesen und Anschauen in dem Zusammenhang, aber natürlich auch kein Muss, nur eine Empfehlung. Hier die Gebetskärtchen:

Was man außerdem tun kann

Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun…. Selbst spenden, Spenden sammeln, Hilfsprojekte unterstützen und in jeder Hinsicht Vorbild sein.

Lernen und die Qualität der Beziehung

Viele, viele Bücher und das Internet sind voll mit Planungshilfen, -werkzeugen und Tipps für die Unterrichtsplanung. Doch so ein Schulalltag lässt sich meiner Meinung nach erst so richtig planen, wenn die Lehrperson mit den Kindern und dem Geschehen in der Klasse verbunden ist.

Sich einlassen

Erst, wenn man tief verbunden ist und sich einlässt, kann man einen echten Plan für die Kinder entwickeln. Man erkennt, was sie gerade brauchen, um beim Lernen einen Schritt weiter zu kommen. Nein, vorab muss man sehen, welcher Schritt überhaupt ansteht. Kurz- und langfristige Ziele verfolgen.

Entwicklung sehen

Wenn Kinder und Lehrer:in jahrelang miteinander in Beziehung stehen, können die Entwicklung und die Möglichkeiten eines jeden Einzelnen am besten gesehen werden. Manches braucht tatsächlich einen Zeitraum über Jahre. Gut, dass wir acht Jahre haben!

Wer gestaltet den Lehrplan?

Unser Waldorflehrplan gibt bestimmte Inhalte vor, in Verbindung mit den allgemeinen Entwicklungsschritten der Kinder. Es hat seinen Grund, warum bei uns in der vierten Klasse die Bruchrechnung eingeführt wird und nicht in der sechsten Klassen wie allgemein üblich. Es hat aber auch seinen Grund, warum es im ersten Schuljahr fast das ganze Jahr dauert, bis beim Lesen und Schreiben alle Buchstaben und Doppellaute an die Kinder herangetragen werden.

Und inmitten dieser „allgemeinen Stoffverteilung“ stehen nun wir Lehrer:innen und haben dabei so einigen Freiraum, den Lehrplan an unsere Klassen heranzutragen – und nicht umgekehrt. Die Kinder gestalten also meine Epochenpläne unbewusst mit, denn die Auswahl von passenden Methoden, richtigen Zeitpunkten und Dauer von Unterrichten treffe ich mit Blick auf die Klasse.

Kinder kennenlernen

Hauptsächlich wird man natürlich im Schulalltag mit den Kindern vertraut, in der Interaktion und Beobachtung – beim gemeinsamen Tun, aber auch in ruhigen Eigenarbeitsphasen. Als Klassenlehrer:in ist man hier Ansprechpartner:in Nummer 1. Doch auch bei Hausbesuchen lernen wir unsere Schüler:innen und ihre Familien näher kennen und so weitet sich der Blick. Eine Berührung mit dem kindlichen Schicksal findet statt.

Am Ende des Tages

….entwickelt man nicht nur einen Plan, sondern sieht eine ganz besonders große Aufgabe.

Die Waldorfschulbewegung: Gestern, heute, morgen

Mit großer Dynamik hatte vor etwas über 100 Jahren die größte freie Schulbewegung weltweit ihren Ursprung. 1919, ein Jahr nach dem 1. Weltkrieg und inmitten großer gesellschaftlicher Umbrüche, zwischen Kriegsfolgen, Armut und Not, war die Schule eine Antwort auf die Frage, wie Zukunft neu zu gestalten ist. Rudolf Steiners Gedanken einer sozialen Dreigliederung fanden ihre Umsetzung in der Frage, wie eine Erziehung zur Freiheit gelingen kann.

In unserer neuen Folge „Kaffee, Kreide, Morgenspruch“ haben Dustin und ich die geschichtlichen Hintergründe der ersten Schulgründung näher beleuchtet. Zu Gast in unserem Podcast war Nele Auschra. Nele ist eines von sieben Vorstandsmitgliedern des Bundes der Freien Waldorfschulen und für die PR-Arbeit zuständig. Es war ein interessantes Gespräch.

Die Folge ist jetzt online und hier zu hören:

Wir haben uns auf diese Folge vorbereitet, u.a. über die Waldorf100-Webseite und mit dem Buch „100 Jahre Erziehung zur Freiheit – Waldorfpädagogik in den Ländern der Welt “ von Nana Goebel und Christina Reinthal, Verlag Freies Geistesleben (Buch selbst erworben, unbeauftragte Werbung).

Galerie: Wie alles begann

In Balance – von außen nach innen mit dem Kolibri Board

Entspannung, Konzentration und inneres Gleichgewicht, das sind die Themen, die ich auch als Gesundheitspädagogin sehr in den Mittelpunkt rücke. In der Schule achte ich auf Lernen in Bewegung und so starten wir morgens mit bestimmten Bewegungsspielen und -Anregungen. Bothmer Gymnastik, Brain Gym oder Kinderyoga sind auch gern gesehen, bevor wir an die Kopfarbeit gehen. Für meinen neuen Kooperationspartner Kolibri-Boards – wieder ein junges Unternehmen aus NRW – habe ich ganz besondere Balance Boards für Euch getestet und stelle Euch nun vor, wie und warum Ihr damit den Bewegungs- und Gleichgewichtssinn Eurer Kinder stärken und fördern könnt.

Über den Gleichgewichtssinn

Über die 12 Sinne, die wir in der Waldorfpädagogik fördern, habe ich bereits hier geschrieben. Der Gleichgewichtssinn gehört zu den basalen Sinnen und sorgt nicht nur für einen guten Stand, sondern auch für innere Ruhe. Wenn Kinder mit etwa einem Jahr ihre ersten Schritte frei gehen und in die aufrechte Körperhaltung kommen, bilden sie ihren Gleichgewichtssinn aus. Dieser ist im Innenohr lokalisiert und führt nicht nur zur körperlichen, sondern auch seelischen Standfestigkeit. So werden Lage und Bewegung im Raum bewusst, die Leichtigkeit von Bewegungen, die Schwere der Ruhe erfahren. Mit einem sicheren Gefühl von körperlichem Gleichgewicht sind auch im Seelischen Vertrauen, Freiheit und Wohlbefinden verankert – die Grundlage für die Entwicklung von Sozialfähigkeit.

Unruhige Kinder

Erlebe ich unruhige, scheinbar sehr bewegungsfreudige Kinder, ist bei der täglichen Bewegung immer der Punkt interessant, an dem eine bestimmte Haltung, etwa der „Yoga-Vogel“ eine Zeitlang regungslos gehalten werden muss. Dabei stehen die Kinder auf einem Bein, lehnen sich mit ausgestreckten Armen nach vorn und strecken das andere Bein nach hinten. So sollen sie eine Zeitlang ruhig stehen, sich halten und ausbalancieren. Kinder mit geringerer Körperspannung, sichtbarer innerer Unruhe oder Konzentrationsschwierigkeiten haben dabei Schwierigkeiten. Genau an dieser Stelle kann eine regelmäßige Übung mit dem Kolibri Board helfen.

Das Kolibri Board

Ich bin sehr angetan von dem Kolibri Board, denn es ist ein fach komplett perfekt durchdacht und qualitativ hochwertig. So wurde das Brett sehr nachhaltig und in Deutschland hergestellt. Es besteht aus rasch nachwachsendem Buchenholz und auch die Korkrolle – die ich in zwei Größen dazu bekommen habe – ist ja ein nachwachsender, natürlicher Rohstoff. Die Verpackung war komplett aus Pappe und Papier, also ganz nach meinem Geschmack.

Das Kolibri Board gibt es in verschiedenen Größen und ist schon für Kinder ab 4 Jahren geeignet. So kann man bereits im Vorschulbereich Einiges für die lieben Kleinen bewirken, um den Gleichgewichtssinn zu fördern. Ich persönlich finde es sehr praktisch, dass man hier sogar einen rutschfesten Stand hat, wenn man Socken trägt oder ganz barfuß ist – ein absoluter Pluspunkt! Ich habe noch zwei andere Balanceboards, die dagegen sehr rutschig sind. Eines davon habe ich immer in der Schule und darauf dürfen sich unruhige Kinder zwischendurch auch einmal stellen (mit Gymnastikschläppchen), was sehr gern in den unteren Klassen angenommen wird.

Zurück zum Kolibri Board. Beim Training mit dem Brett werden viele verschiedene Muskelgruppen beansprucht und sogar die Tiefenmuskulatur trainiert. Doch zunächst einmal muss man lernen, sicher darauf zu stehen. Ist dies geschafft, kann man mit bestimmten Koordinationsübungen das Zusammenspiel kleinerer Muskelgruppen im Rücken-, Bauch-, Knie- und Fußbereich unterstützen. Auf diesem Wege lassen sich sogar Haltungsfehler korrigieren. Alles, was zur Stabilisierung des Körpers an Muskulatur benötigt wird, ist auf dem Board aktiviert – bis hin zum kleinsten Muskel.

Die Korkrollen und das Board selbst nehmen kaum Platz weg und lassen sich gut im Regal verstauen.

Drei kleine Einstiegsübungen

Aller Anfang ist schwer

Man stelle sich vor, ein Kind, das wenig Körperspannung hat, unruhig ist und schnell aus dem Gleichgewicht gerät, soll sich einfach mal jeden Tag irgendwie auf das Board stellen. Das ist kein guter Einstieg, denn es kann zunächst frustrierend sein. Es braucht also eine Routine mit Anfang und Ende. Daher lohnt es sich, mit kleineren, liebevollen Übungen das Kind täglich ein paar Minuten auf dem Brett zu begleiten und sich dabei gemeinsam über Fortschritte zu freuen. Wie gesagt, zunächst einmal muss ein sicherer Stand auf dem Board möglich sein, bevor man weitere Übungen machen kann.

Wenn Dein Kind die ersten Male auf dem Board steht, kannst Du noch deinen Arm anbieten, an dem es sich notfalls kurz halten kann. Diese Hilfe wird mit der Zeit dann nicht mehr gebraucht.

Meine Ideen zum Einstieg mit dem Balance Board findest Du hier als kostenlosen Download:

Auf der Seite von Kolibri Boards werden auch schöne, weitere Übungen vorgestellt:

https://www.kolibri-boards.de/balance-board-uebungen/

Ich habe das Board für diesen Artikel kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Mit dem Code Montagskind10 erhaltet Ihr 10 % Rabatt beim Kauf eines Boards.

Ich wünsche viel Spaß beim Balancieren und eine ruhige, ausgeglichene Zeit danach!

Die Vorbereitung einer neuen Epoche

Eine sehr anspruchsvolle Vorbereitungszeit liegt hinter mir, wird aber auch noch reflektiert und weitergeführt: Ich habe mich in den letzten Wochen intensiv mit dem Erzählstoff der nordischen Götter- und Heldensagen auseinandergesetzt, mit Runen, dem Stabreim und Flechtbändern. Im Vorfeld war ich wenig vertraut mit diesem großen Thema.

Warum nordische Mythologie? Auf die innere Stärke kommt es jetzt an!

Bei allem, was man als (Waldorf-)Lehrende tut, sollte man genau wissen, warum genau dies jetzt ansteht, d.h. welchen Nutzen die Kinder in ihrem aktuellen Entwicklungsalter davon haben. Die Waldorfpädagogik ist darauf ausgerichtet, die kindliche Entwicklung zu unterstützen und damit weitere Lernvoraussetzungen zu schaffen. Dabei geht es in Klasse 4 verstärkt um die eigene Willensbildung, das Erleben und Wahrnehmen der eigenen – inneren und äußeren – Stärke, die Herausbildung der Persönlichkeit.

Die nordischen Sagen lassen ein rauhes, kraftvolles Schaffen erleben. Ganz neue, gewaltige und gleichsam faszinierende innere Bilder entstehen bei den Erzählungen. Die Stabreim-Übungen erfordern anhaltende Körperspannung und koordinierte Bewegung, dazu eine deutliche, laute Aussprache.

Wir singen das Lied „Yggdrasil“ und erleben wiederum eine „nordische Stimmung“, hören und üben die schwedische Aussprache, die so ganz anders ist als unsere bekannten Sprachen. Es ist so viel Energie im Raum.

Die Geschichte zur Entstehung der Runen ist magisch. Und ebenso geheimnisvoll die Zeichen. Wir lernen eine Geheimschrift!

All das stärkt die innere Sicherheit der Kinder und damit ihre Tat- und Willenskraft. Die anderen Unterrichtsinhalte werden in diesem Schuljahr ebenso komplexer und erfordern genau dies. Die Auseinandersetzung mit mehrschrittigen Rechenverfahren im großen Zahlenraum, die Bruchrechnung, Grammatik- und Rechtschreibregeln bewusst anwenden, Zeitformen erschließen und so viel mehr.

Vorbereitung am Schreibtisch?

Auch. Aber nicht nur. Ich musste die Stimmung zunächst bei mir selbst erleben: Ich habe das Lied gesungen, auf Klavier und Gitarre gespielt, verschiedene Bücher gelesen, die inneren Bilder wirken lassen. Ich habe gemalt, Stabreim geübt. Im Kollegium nachgefragt, mich korrigieren lassen, habe weiter an mir gearbeitet. Mir diese Epoche errungen. Denn mit nordischer Mythologie hatte ich mich bislang wenig befasst.

Welche Schritte braucht es, eine Epoche zu planen?

Dies hier gilt natürlich für alle Epochen, war aber mal wieder besonders intensiv für mich bei dieser.

  • Mit dem Rhythmischen Teil anfangen, sich selbst einstimmen: Lieder, Rezitationen, Bewegungen üben. Bei mir zumindest findet der erste Zugang über künstlerische Übungen statt.
  • Die Inhalte weiter erschließen. Auch hinterfragen: Stehe ich dahinter? Kann ich mit Überzeugung und Sicherheit alle Inhalte vermitteln? Insbesondere mit den Runen musste ich mich klar auseinandersetzen.
  • Literatur, Literatur. Lesen, lesen, lesen. Die eigenen inneren Bilder erleben und schärfen. Genau das finden, das zu mir passt, mit dem ich arbeiten kann.
  • Epochenhefte, Mappen usw. vorbereiten – so, wie die Kinder es erarbeiten sollen. Den Arbeitsaufwand selbst zu erleben, ist ebenso wichtig.
  • Den Klassenraum passend dekorieren, ein Tafelbild malen.

Nach dem Startschuss

Der Anfang ist zu meiner großen Freude und Erleichterung gelungen, das Interesse der Kinder geweckt. Nun gilt es, dies zu bewahren und zu vertiefen. Jeden Tag auf`s Neue.

Lehrerin als Lernende

Die Kinder erleben dabei eben auch mich als „ewig Lernende“. Gerade in dieser Epoche spüren sie, dass ich nicht in die Klasse gehe und „mal eben“ erzähle und zeige, was ich schon eh lange weiß und kann. Auch dass ich diesen Stoff für mich errungen habe, wirkt noch einmal besonders auf die Kinder. Lehrer:innen dürfen nicht nur, sondern sollten unbedingt auch als Lernende ein Vorbild sein.

Drei Zukunftsgedanken

Eine Kollegin hat auf Instagram eine Woche lang das „Instakollegium“ aufgerufen, sich zu verschiedenen Themen auszutauschen – vom Lieblingsmaterial bis zur Selbstfürsorge im Lehrerberuf. Da kamen viele Impulse zusammen. Vor ein paar Tagen endete die Challenge mit dem Thema „Meine Vision für das Schulsystem“.

Die meisten Beiträge bezogen sich dabei auf das staatliche Schulsystem und da gibt es viele Dinge, die wir an der Waldorfschule so nicht haben. Daher habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was ich mir insbesondere für die Zukunft unserer Waldorfschulen wünsche.

Vollständige Refinanzierung

Es ist noch immer so, dass freie Schulen nicht vollständig refinanziert werden, in NRW müssen etwa 13 % der Schulbetriebskosten selbst gestemmt werden. Dies geschieht dadurch, dass Eltern monatliche Beiträge zur Deckung der Schulbetriebskosten leisten und auch dadurch, dass wir Lehrer:innen etwas weniger Einkommen haben als Lehrer:innen im staatlichen System.

Gerade die monatlichen Beiträge hält noch immer manche Familien davon ab, ihre Kinder überhaupt an einer Waldorfschule anzumelden. Gleichzeitig braucht es Lehrer:innen, für die das Arbeiten und die Arbeitsbedingungen an der Waldorfschule einen Wert haben, der die Differenz zur Bezahlung im staatlichen Schulsystem sozusagen „ausgleicht“.

Zur Unterstützung einer wirklich freien Schulwahl wäre also eine vollständige Refinanzierung unserer Schulform wünschenswert.

Alle Schulen klimaneutral

So ein Schulbetrieb hat viel Potential, unser Klima zu entlasten: Angefangen bei Strom und Heizung, Schulessen, Schulbusse und eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Elterntaxi wären da aus meiner Sicht wichtige Ansatzpunkte, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich auch Plastik aus dem Schulalltag verbannen möchte.

Fortsetzung und Vertiefung von Waldorf 100

2019 war so ein besonderes Jahr – die Initiative Waldorf 100 brachte die Schulen weltweit mehr zusammen. Leider kam dann Corona. Ich wünsche mir daher, dass dieser großartige Impuls weiter aufflammt: Mehr gegenseitige Wahrnehmung, Begegnung und Annäherung, eine tiefere internationale Verbundenheit durch alle Sprachen und Kulturen, das wäre eine wunderbare Vision für die Waldorfschulen der Zukunft.

Weitere Wünsche

Ich wünsche mir, dass unsere Waldorfbewegung sich laufend modernisiert und dabei ihre Grundlagen pflegt: Die Menschenkunde, die soziale Dreigliederung, der Gemeinschaftsgedanke.

Ich wünsche mir, dass unsere Lehrerbildung noch mehr Zulauf bekommt, denn die Zukunft braucht nunmal Menschen, die sie gestalten.

Ach, es gibt so Vieles, im Großen und im Kleinen – und Visionen sollte man pflegen. Sie gestalten die Zukunft.