Ritterkräfte in der Unterstufe und Vertrauen in der Mittelstufe

Auch in diesem Jahr habe ich mir wieder mit viel Freude Dinge für Michaeli überlegt und mit meiner Klasse den bevorstehenden Tag geplant. Wir sind ja jetzt schon in der Mittelstufe angekommen. Meine neue Michaeli-Geschichte ist allerdings für den Einsatz Unterstufe gedacht und passt auch wieder zu dem Drachenfußspuren-Spiel. Meine Klasse wird hingegen eine besonders schöne Vertrauensübung machen.

Eine sinnige Geschichte: Ritterkraft in mir

Hier geht es auch darum, dass manche Ängste und Sorgen einfach übernommen werden. Dass man mutig eigene Wege gehen darf und soll. Dass Gefühle gelebt werden wollen und müssen. Und dass man als Gemeinschaft stark ist. Es geht um die Ritterkraft, die in jedem von uns steckt….

In einem kleinen Dorf sind alle Menschen leise, weil man ihnen gesagt hat, in der Nähe schlafe ein gefährlicher Drache in seiner Höhle. Kaum jemand wagt sich vor die Tür. Der Drache könnte aufgeweckt werden und schlimme Dinge anstellen! Dabei scheint noch niemand den Drachen je gesehen zu haben. Doch die Furcht ist groß. Ein kleines Mädchen, das voller Tatkraft und Lebensfreude ist, gerät in Wut darüber, dass es immer so leise sein soll. Aus ihrer Wut heraus weckt sie ihre Ritterkräfte – und die wirken bald ansteckend.

Ihr könnt die Geschichte hier kostenlos downloaden oder ab dem 29.9.22 auch von mir erzählen lassen in meinem Podcast „Märchen mit Klang“ :

Vertrauensübung in Klasse 5: Deine Stärken

In meiner Klasse wird es eine Vertrauensübung geben, die die gegenseitige Wertschätzung erleben und festhalten lässt. Ein inneres Licht, passend zur Mutkerze. Mehr verrate ich an dieser Stelle aber noch nicht.

Meine Michaeli-Wünsche für Euch

Seid mutig und öffnet Eure Herzen, traut Euch und Euren Kindern etwas zu. Ihr habt alle Ritterkräfte und tragt einen großen Schatz in Euch.

Werden die Tage kurz,

werden die Herzen hell.

Über dem Herbste strahlt leuchtend

Sankt Michael!

überliefert*

Waffeln und Mutkerzen an Michaeli

Da wir jetzt ja schon in der Mittelstufe angekommen sind, habe ich meine Klasse gefragt, was sie in diesem Jahr am Michaelitag (noch) gern machen würde. Dabei stellte sich heraus, was wahrscheinlich unsere feste Tradition – auch noch in der Mittelstufe – wird.

Bis zu welchem Alter feiert man eigentlich Michaeli?

Die Mutproben, der Sinnespfad, das Schwerterbacken – all diese schönen Aktivitäten sind in der Unterstufe angesiedelt. Die Kinder leben stark in den inneren Bildern der mutmachenden Geschichte. Üblicherweise wird ab Klasse 5/6 Michaeli dann nicht mehr groß gefeiert, weil die Kinder einfach einen anderen, veränderten Bezug dazu haben. Doch dieses Jahr war in meiner Klasse sogar noch der Wunsch nach Schwertbacken da. Die verschiedenen Backöfen der Schule sind aber für die Unterstufe reserviert. Kein Problem – dann backen wir eben Waffeln im Klassenraum. Und damit es auch Michaeli-Waffeln werden, habe ich mir die Puderzuckerformen einfallen lassen.

So wird`s gemacht

Die Vorlage ausdrucken, Schwert und/ oder Drache ausschneiden, auf die Waffel legen und Puderzucker drum herum streuen.

Hier ist die Vorlage:

Wie man sieht, habe ich beim Ausschneiden die Zacken des Drachen nicht beachtet – es sieht trotzdem wie ein Drache aus 🙂

Mutkerzen

Die Mutkerzen haben wir letztes Jahr als erstmals angefertigt. Das Licht dieser Kerze soll uns durch die dunkle Jahreszeit begleiten und uns an unsere Stärken erinnern. Dazu werden mit Knetbienenwachs verschiedene passende Formen und Figuren gestaltet und an die Kerze gedrückt.

Die Kinder haben sich sehr gewünscht, auch dieses Jahr wieder eine Mutkerze zu haben. So habe ich bereits für jedes Kind eine kleinere Kerze gekauft und für unseren Klassenraum eine große Kerze. An der großen Kerze arbeiten wir gemeinsam, wir behalten Sie über die dunkle Jahreszeit im Klassenraum. Dazu fertigt jedes Kind eine eigene Kerze für die Familie an und nimmt diese mit nach Hause.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir noch weitere Jahre in Folge die Tradition der Mutkerze fortsetzen werden. Ich bin gespannt, wie sich die Klasse entwickelt!

Die Gezeiten und die Nordsee – im Glas

Der Norden Deutschlands mit dem Weltnaturerbe Wattenmeer war zu Beginn dieses Schuljahres einer unserer Themenschwerpunkte in Erdkunde, denn dorthin geht nun unsere Klassenfahrt. Das Phänomen der Gezeiten an die Kinder heranzutragen, war eine der Herausforderungen, über die ich lange nachgedacht hatte. So kam ich auf die Idee der „Nordsee im Glas“, um die Kinder durch eigenes Erleben und in Bewegung den Lerninhalt für sich ergreifen zu lassen.

Der Lerninhalt – ziemlich abstrakt

Die Gezeiten entstehen durch das Zusammenspiel von Erde und Mond. Dabei zieht der Mond das Wasser auf der Erdoberfläche durch die Wirkung seiner Gravitationskräfte an. Diese Kräfte hängen vom Stand des Mondes auf seiner Umlaufbahn sowie der Erdrotation ab. Auf der mondzugewandten Seite der Erde ist die Gravitationskraft größer als die Fliehkraft der mondabgewandten Seite und das Wasser wird Richtung Mond gezogen – es entsteht ein „Flutberg“. Auf der mondabgewandten Seite ist die Gravitationskraft des Mondes wiederum kleiner als die Fliehkraft. Die Wassermassen verschieben sich in die entgegengesetzte Richtung und es entsteht ein zweiter Flutberg. Die Erde dreht sich bei ihrer täglichen Rotation und dadurch gibt es zweimal täglich Hochwasser und zweimal täglich Niedrigwasser. Soweit die Theorie.

Gezeiten-Übung Teil 1: Partnerarbeit

Wir suchten uns einen großen Raum und immer zwei Kinder bildeten ein Team. Dabei stellte ein Kind die Erde dar und das andere den Mond: Die Erde dreht sich um ihre eigene Achse und der Mond läuft dabei um die Erde herum. Um die Geschwindigkeiten zu verdeutlichen, geht als nächstes der Mond etwa einen Schritt weiter auf seiner Bahn, nachdem sich die Erde einmal herumgedreht hat. Vorsicht bei zu schneller Rotation der Erde! Schließlich soll es niemandem schwindelig werden. Der Mond muss seine Bahn daher auch nicht vollenden. Es reicht, wenn die Bewegung verstanden und einige Male wiederholt wurde. Denn wenn man es ganz genau nimmt, müsste nämlich der Mond in etwa 26-28 Schritten die Erde umkreisen und sich die Erde dabei ebenfalls 26-28 mal um die eigene Achse drehen….

Nachdem man also die Bewegung der beiden Himmelskörper einmal nachgestellt hat, findet ein Rollenwechsel statt, damit jedes Kind die Bewegung von Erde und Mond jeweils einmal erlebt. Danach ist der große Bewegungsdrang dieser Übung auch erst einmal gestillt und man kann sich ganz in Ruhe dem Wasser auf der „Erde“ zuwenden.

Gezeiten-Übung Teil 2: Nordsee im Glas

Ich habe zur Vorbereitung in einen Eimer mit Wasser etwas blaue Aquarellfarbe gegeben (die blaue Farbe zeigt sich den Kindern deutlicher als klares Wasser) und das Gemisch auf Einmachgläser verteilt – die Nordsee im Glas. Jedes Team bekam ein Glas. Das Kind, das die Erde darstellte, hielt sozusagen die Nordsee in Händen. Während es sich langsam um die eigene Achse drehte, musste das Glas ein wenig in Richtung Mond (Anziehungskraft) gekippt werden – wie vom Mond angezogen – , vom Mond abgewandt wiederum zur anderen Seite. Das Kind, welches also Erde mit Nordsee darstellte, musste bei der eigenen Drehbewegung auf den Standort des „Mondkindes“ achten. Dieses wiederum konnte die Bewegung des blauen Wassers gut beobachten.

Auch hier wurde nach einigen Runden die Rollen getauscht.

Lernen in Bewegung

Im Anschluss an diese Übung haben die Kinder sich eigene Notizen und Skizzen gemacht. In der Folgestunde konnten wir gut einen gemeinsamen Epochenheftbeitrag zu dem Thema erarbeiten und jedes Kind hat zudem selbständig zur Veranschaulichung eine Zeichnung angefertigt, dabei das Lernerlebnis also nochmals durchdacht und umgesetzt.

Selbstverständlich haben wir gründlich besprochen, dass die Erde die Meere nicht „kippt“ (wie die Kinder die Gläser), da ja andere Kräfte wirken. Dennoch zeigte sich die Bewegung des Wassers und das Phänomen Ebbe und Flut erschloss sich auf diese Weise den Kindern.

Die erste Musikstunde

Morgen haben wieder neue Erstklässler:innen ihre erste Musikstunde bei mir. Ich weiß nicht, wie viele erste Klassen ich inzwischen hatte, aber auch in diesem Jahr gestalte ich die erste Stunde ganz neu. Heute kam mir eine schöne Geschichte mit erster Klangübung in den Sinn.

Klingen soll es in der Welt

In der Geschichte geht es um einen Wanderer, der unter einem Ahornbaum Rast hält und dem dort die verschiedensten, schönsten Naturklänge begegnen. Er schläft ein und nach seinem Traum macht er sich auf den Weg, um einen Baum zu finden, der dafür bestimmt ist, ihm Klänge zu schenken.

Als er diesen findet, bedankt er sich bei ihm und erarbeitet aus dem Holz die schönsten Instrumente. Seitdem ist die Welt um einige Klänge reicher.

Hier findet Ihr die Geschichte zum Download:

Mit Liebe das Interesse wecken und ins Tun kommen

Die Instrumente sind zunächst verdeckt und werden nach und nach, im Laufe der Geschichte enthüllt und gespielt. So ist jedes Instrument ein schönes Erlebnis.

Ich habe dann noch ein Körbchen mit weiteren Shakern und Klanghölzern und beginne auch eine kleine praktische Übung, das Klangorchester. So kommen die Kinder auch gleich ins Tun, denn sie wollen ja Musik machen. Beim Spiel des „Klangorchesters“ lege ich dann auch an, wie mit Instrumenten achtsam umgegangen wird und zeige kleine Handgesten für „leise“, „lauter“, „nicht mehr spielen“. Dafür eignen sich Shaker und Hölzer sehr gut.

Ich freue mich schon auf die Stunde!

Erzählkarten

Zur praktischen Handhabung habe ich außerdem Erzählkarten erstellt, die aktuell bei Eduki geprüft werden. Der Link erscheint hier in Kürze.

Der neue Epochenplan ist fertig

Ein neues Schuljahr zu planen, ist jedes Jahr und immer wieder etwas ganz Besonderes. Das sind diese Momente, in denen man als Waldorflehrer:in die Freiheiten und Besonderheiten des Berufs besonders spürt, wie ich finde.

Die Epochen und der Lehrplan

In der Waldorfpädagogik geht es darum, die kindliche Entwicklung zu fördern und den Kindern Antworten auf ihre vielfältigen Fragen an die Welt zu geben. Es geht also nicht darum, dass etwas unterrichtet wird, sondern auch wie und vor allem wann (in welchem Entwicklungsalter ist es passend?) Deshalb sind bei uns manche Themen und Fächer früher (Bruchrechnung, Fremdsprachen) und andere später (Einsatz von Medien, bestimmte Sachthemen, Einsatz von Geometriedreieck und Zirkel) an der Reihe im Vergleich zum staatlichen Schulsystem – und mitunter auch im Vergleich zu anderen Klassen.

Nun zu meiner Klasse. Die neuen Fünftklässler:innen stehen mit beiden Beinen fest im Leben und möchten alles um sich herum näher erforschen, vertiefenden Fragen nachgehen und Zusammenhänge ergründen. Sie haben ihre erste große Entwicklungskrise voll und ganz überwunden und verbinden sich mit vielen Inhalten. Die Pubertät ist zwar nicht mehr weit, aber eben auch noch nicht mit großen Wachstums- und Hormonschüben angekommen.

Eine schöne Zeit, die eine Vielfalt an Themen bietet, die sowohl das Verhältnis von Mensch und Umwelt, als auch die Menschentwicklung abbilden: Da wären die alten Kulturen, das antike Griechenland, die Welt der Pflanzen und Tiere, die Vielfalt Deutschlands und so viel mehr. Verschiedene Texte – Nacherzählungen, Sachtexte, die eigene Meinung – werden produziert, dabei Grammatik erforscht und die Rechtschreibung weiter geübt. Die Bruchrechnung wird umfassend erschlossen, die bisher erlernten Rechenverfahren dazu weiterhin geübt und gefestigt. Es gibt also viel zu entdecken und zu tun – und das hoffentlich mit ganz viel Lernfreude!

Beziehung und Kreativität

Vier Jahre habe ich mit meiner Klasse bereits verbracht. Zu meinem großen Bedauern sind diese Jahre unglaublich schnell verflogen und wir haben inzwischen „Klassenlehrer-Halbzeit“. Dass ich die Klasse als funktionierende Gruppe so gut kenne und weiß, was die Kinder für ihre nächsten Schritte brauchen und was ihnen gefällt, fließt natürlich voll und ganz in die Gestaltung des neuen Epochenplans ein. Mir ist bewusst, woran sie Freude haben und wie ich sie „mitnehmen“ kann. So bekommt der neue Plan dann auch einen ganz eigenen Schliff, der eben genau zu dieser Klasse passt.

Mit Blick auf die Unterlagen, die ich aus meiner letzten 5. Klasse aufbewahrt habe, spüre ich übrigens das, was gerade die aktuelle Klasse ausmacht, im Vergleich zur ehemaligen Klasse noch einmal besonders. Und es macht sehr zufrieden, genau darauf eingehen zu können. Einfach nur genial, dass ich diesen Freiraum nutzen und auch eigene Epochen passend konzeptionieren kann.

Startklar!

Die Sommerferien sind zum Glück 6 Wochen lang. Zeit, um das vergangene Schuljahr sacken zu lassen, Zeit zum Erholen, Zeit für neue Pläne. Viele Ideen habe ich gesammelt und wirken lassen – und jetzt, wo das neue Schuljahr vor der Tür steht, wird alles konkret.

Das Puzzle und die Reihenfolgen

Rein technisch muss man erst einmal schauen, wie viele Wochen zwischen den jeweiligen Ferien liegen und diese Zeit aufteilen in verschieden lange Epochen, so wie es am besten passt. Die Pflanzenkunde-Epoche zum Thema Frühblüher kann natürlich nur im Frühjahr stattfinden. Wollen wir draußen auf dem Sportplatz eine Olympiade veranstalten? Das Thema antikes Griechenland passt ohnehin gut in die Sommerzeit. Und so setzt sich das Puzzle „Epochenplan“ nach und nach zusammen.

Zum Auftakt des Schuljahres wird das Neue spürbar: Mit einem ganz neuen Themenbereich, einem neuen Arbeitsmittel oder einer neuen Lernmethode beginnt der Weg in die neue Klassenstufe. Es gilt, den Stoff sinnvoll aufzubauen, vor jeden Ferien einen schönen Abschnitt geschafft zu haben und froh auf das nächste Stück Weg zu blicken.

Doch noch ist aber alles geheim. Die ersten, die den Plan näher kennenlernen, werden meine Schüler:innen sein. Sie werden ihn dann mit nach Hause bringen und ihren Eltern von unseren Plänen berichten. Auf dem ersten Elternabend, der zeitnah stattfindet, erfahren die Eltern dann von mir Näheres zu den menschenkundlichen Hintergründen und warum genau das unser Epochenplan ist. Oftmals bekomme ich dann auch schon erste Rückmeldungen, was die Kinder zu Hause berichtet haben oder worauf sie sich schon an meisten freuen.

Ein neues Schuljahr steckt voller neuer Chancen, Herausforderungen und Überraschungen. Wir können es aktiv gestalten!

Montagskindblog

Was machen die Wachsblöckchen am Schulanfang?

Viele Erfahrungen im Bereich der Wahrnehmung und der Motorik sind wichtig auf dem Weg zum Schreiben. Es braucht so einigen jahrelangen Vorlauf, um die graphomotorischen Fertigkeiten vorzubereiten, die ab Klasse 1 benötigt werden. In der Waldorfschule kommen die flächigen Wachsmalblöckchen gerade dann intensiv zum Einsatz, wenn auch die ersten Buchstaben, Wörter, Zahlen und Rechenaufgaben zu Papier gebracht werden.

Fleißige Kinderhände

Sogleich im ersten Schuljahr werden die Hände für viele verschiedene feinmotorische Tätigkeiten benötigt: Es wird gemalt, geschrieben, geblättert, ausgeschnitten, gestrickt, geflötet, gepinselt – und so viel mehr. Eine Epochenheftseite ist erst dann fertig, wenn „nichts mehr weiß“ ist. Ganz gezielt wird mit dem Wachsmalblöckchen in der Fläche gearbeitet: Ausgemalt, eingerahmt, Schwungübungen gemacht und der Heftseite ein feiner „Schimmer“ verliehen.

Die Handgriffe des Wachsmalblöckchens

Bei der Erarbeitung einer Epochenheftseite verwenden die Kinder die verschiedenen Seiten des Wachsmalblöckchens. Dabei ist jede Seite anders zu greifen:

Die verschiedenen Griffe aktivieren und trainieren dabei verschiedene kleine Muskeln und üben gezielt feinste Bewegungen.Mit ihnen werden immer sicherer bestimmte Bewegungsspuren zu Papier gebracht: Kreise, Kurven, Geraden, Überkreuzungen. Dabei reichen die meist fließenden, rhythmischen Bewegungen bis ins Handgelenk.

Verschiedene Griffe, verschiedene Effekte

Wenn man das Blöckchen nur ganz leicht über das Papier zieht, entsteht der feine Schimmer. Wenn man nicht zu kräftig drückt, können auch zwei Farben miteinander kombiniert werden und eine schöne Farbmischung entsteht. Kräftig aufgedrückt, tritt das Gemalte in den Vordergrund, wirkt beweglich und lebendig.

Vielfalt ist wichtig

Es ist sicher so, dass das Wachsmalblöckchen zu den anspruchsvolleren Materialien gehören, mit denen die Kinder arbeiten. Nicht selten empfinden die Kinder dies auch als anstrengend. Es sollte daher auch auf etwas Abwechslung geachtet werden. Und: Je mehr Erfahrungen mit unterschiedlichen Schreib- und Malwerkzeugen gesammelt werden können, desto besser. Wobei ich persönlich Filzstifte für meine eigenen Kinder und auch in meinem Klassenzimmer ablehne: Zu viel Plastik, zu viel Chemie, zu leichtgängig und wenig Varianz in der Farbintensität.

Themenreihe Wachsmalblöckchen: Das Blöckchen

Sie sind so einfach und so genial – so genial einfach: Unsere Wachsmalblöckchen. Mit ihnen kann man die schönsten Bilder malen, Heftseiten vorbereiten und verzieren, spielen und so viel mehr. Aus der Anfangszeit der Waldorfschule sind sie einfach nicht wegzudenken und so möchte ich ihnen eine kleine Themenreihe auf meinem Blog widmen.

Die verschiedenen Seiten und ihre Namen

Werden die Kinder für den Umgang mit den Blöckchen angeleitet, ist es praktisch, den verschiedenen Seiten anschauliche Namen zu geben, die möglichst die Größenverhältnisse abbilden. So kann man sich leicht über die Verwendung verständigen, die Kinder nehmen die Seiten und ihre Bezeichnungen bewusst wahr und merken sich die Bezeichnungen schnell.

Die lange Seite des Blöckchens wird für die großen Flächen eines Bildes verwendet. Mit ihr kann man gut Hintergründe oder Landschaften malen, auch der Heftseite einen leichten „Schimmer“ verleihen. Meine Klasse hat die längste Seite des Blöckchens „Elefantenseite“ genannt.

Die breite Seite, die zusammen mit der langen Seite ein Rechteck bildet, kann auch flächig eingesetzt werden, ist dabei aber etwas schmaler: Mit ihr malen die Kinder beispielsweise Wellen im See oder das „Rähmchen“ des Epochenheftes. Wir haben sie die „Bärenseite“ genannt.

Die kürzeste Seite, die die Dicke des Blöckchens ausmacht, kann für feinere Formen und Umrisse eingesetzt werden: Figuren aller Art und die Linien in den ersten Epochenheften. Das war immer unsere „Rehleinseite“.

Die Ecken des Blöckchens sind für die „Feinarbeiten“. Diese sollen aber meist auch von den Wachsmalstiften übernommen werden – das hängt von der geplanten Verwendung ab. Wir haben die Ecken das „Mausezähnchen“ genannt.

Weitere Namen

Ihr habt mit auf Instagram zahlreiche weitere schöne Namen für die drei Hauptseiten genannt. Diese möchte ich als Anregung gern hier teilen:

  • Riesen-, Zwerge-, Elfenseiten
  • Sonnen-, Mond- und Sternenseite
  • Mutter-, Vater-, Kindseite
  • Elefanten-, Bären- und Mausseite
  • Baumstamm, Ast und Zweig
  • Dreifinger, Zweifinger, Einfinger
  • König, Königin, Königskind
  • Elefanten-, Bären- und Ameisenseite
  • Bein, Arm, Finger (und Fingernägelchen)
  • Papa bear, mama bear, baby bear
  • Flügel, Köpfchen, Schnabelspitze

Die Ecken hießen entweder auch Mausezähnchen oder Zwergenmütze – auch eine sehr niedliche Bezeichnung, wie ich finde!

Heftseitengeographie: Einteilung der blanko Heftseite mit Wachsmalblöckchen

An der Waldorfschule lernen die Kinder, die Seitenteinteilung ihrer Hefte selbst vorzunehmen, um sich bald an den Rändern und den Linien sicher zu orientieren. So hilft das Wachsmalblöcken dabei (Spruch zur Seitenvorbereitung folgt).

Beispiel 1
Beispiel 2

Natürliches Malwerkzeug

Ich bevorzuge Wachsblöckchen aus natürlichen, reinen und hochwertigen Rohstoffe wie Bienenwachs. Erdöl- und Palmölwachse gehören meiner Meinung nach nicht in Kinderhände. In meinem Shop bekommt Ihr daher nur Wachsmalblöckchen und -stifte in höchster Qualität (kleine Eigenwerbung an dieser Stelle).

Noch mehr Wachsmal-Content

So geht`s weiter mit der kleinen Themenreihe zu den Blöckchen:

  • Wachsmaler für die Hand- und Schreibmotorik
  • fördernde Mal-Geschichten
  • Spiele und Anfangsrechnen mit den Blöckchen

Die liebevolle Begleitung der Langeweile

Es sind Ferien. Das Programm des Alltags ruht. Viel mehr als sonst hört man von den lieben Kleinen „Mir ist so langweilig“, verbunden mit der Aufforderung an uns Erwachsene, für etwas Abwechslung oder Unterhaltung zu sorgen. Das ist ganz normal, denn unsere Kinder sind heute ein größeres Alltagsprogramm mit einigem an Ablenkung durchaus gewohnt. Das kann auch schon einmal fehlen. Daher möchte ich darüber schreiben, warum die Langeweile so wichtig ist und wie Du Dein Kind in dieser Situation liebevoll begleiten kannst.

Kann Langeweile unterfordern und ungesund sein?

Oftmals wird befürchtet, dass die Kinder durch Langeweile unterfordert sind und dies dann noch einmal ganz besonders die Stimmung drückt. Traurigkeit oder Wut könnten unnötig aufziehen und wären oder zu verhindern gewesen – oder?

Der Ausbruch aus dem gewohnten Alltagstrott mit seinen vielen äußeren Eindrücken kann ein Kind auch zunächst verunsichern. Daher ist es an dieser Stelle wichtig, es nicht einfach mit einem „du musst halt auch mal lernen, alleine zu spielen“ stehen zu lassen.

Wie reagieren, wenn Kinder „Entertainment“ einfordern?

Es ist ebenso richtig, nicht sofort alles stehen und liegen zu lassen, um dem Kind eine fertige Lösung anzubieten (dazu neigen wir manchmal, doch leider hemmt diese Form von Hilfsbereitschaft die Kinder auf dem Weg zur Eigenständigkeit).

Vielmehr kann man sagen: „Ich lese / ruhe / spüle jetzt erst noch ein wenig weiter. Aber ich bin hier, bei Dir, und findest sicherlich gleich etwas, das Du machen möchtest.“

Die Frage „Was brauchst du?“ kann helfen. Doch ebenso ist sie manchmal auch noch schwer zu beantworten. „Komm, wir schauen einmal gemeinsam, ob wir hier etwas finden, womit sich etwas Neues anfangen lässt.“ An dieser Stelle unterstützt man das Kind dabei, auf Dinge im Umkreis zu achten, die sonst eher übersehen werden. Man kann empathisch mitgrübeln, das Kind sollte aber selbst eine Antwort finden.

Wenig Vorgefertigtes ist hilfreich

Kinder lieben es, Dinge im Spiel zu erschaffen und zum Leben zu erwecken. Da wird aus einem Stein ein Löwe, im nächsten Moment aber auch ein Flugzeug. Jedes Ding kann alles sein. Das Schneckenband ist einmal ein Fluss, den die Tiere überqueren müssen, kurz darauf schon eine Pferdeleine für das Wildpferd.

Langeweile führt zur Selbstwahrnehmung

Wer einmal nicht durch äußere Dinge abgelenkt, sondern ganz auf sich gestellt ist, nimmt sich selbst viel intensiver wahr. Selbstwahrnehmung ist eine wichtige Erfahrung für Kinder, die heute oft zu kurz kommt: Geht es mir gut? Bin ich schon müde? Verzweifle ich? Gerade, wenn dabei stärkere Gefühle erlebt werden, ist wieder die liebevolle Begleitung wichtig. „Ich sehe dich, ich bin da.“ An dieser Stelle offenbart das Kind sehr viel von sich – und das kann sehr aufschlussreich sein. Besonders, wenn Ängste gezeigt werden, die sonst eher im Verborgenen sind. Auch daher ist es gut, einem Kind besser beizustehen, als fertige Lösungen anzubieten.

Schauen, „was geht“

Nach einem ersten Moment, an dem das Kind ganz bei sich war, kommt meist schon der Forscherdrang zutage. Was könnte man nun ausprobieren? Finger „erzählen“ sich etwas oder es werden plötzlich kleinere Gegenstände wahrgenommen und auch neu entdeckt. Dies schult den Blick für Details.

Kreativität und Fantasie

Kleine Dinge finden, in ihnen etwas Neues sehen, Geschichten und Spiele dazu erfinden – Kreativität und Vorstellungskräfte könnten kaum mehr gefördert werden.

Selbstwirksamkeit

Ich habe etwas entdeckt! Ich habe ein schönes neues Spiel erfunden! Ich habe etwas aus eigener Kraft geschafft!
Die Erfahrung von Selbstwirksamkeit ist essenziell für Kinder. Es macht sie stark. Übrigens auch und ganz besonders, wenn sie bei ihrer Suche zunächst gescheitert sind und daraufhin neue Wege ausprobieren mussten. Auch diese Erfahrungen sind wichtig.

Daher gilt besonders auch in den Ferien: Ein Hoch auf die Langeweile! Es hat nämlich seinen guten Grund, dass wir Menschen mit außergewöhnlichen Ideen gern kommentieren mit: „Sag mal, hattest Du Langeweile?“

Wenn Zeugnissprüche ruhen

Am letzten Schultag haben die Kinder meiner Klasse ihre neuen Zeugnissprüche für das kommende Schuljahr feierlich entgegengenommen. Ich habe sie ihnen vorgelesen, auf ihrem Aquarell konnten sie sie anschließend selbst lesen und nun begleiten die Sprüche sie bereits – egal, ob sie noch unbeachtet in der Schultasche schlummern oder vielleicht auch schon an einem kleinen Ehrenplätzchen stehen oder hängen. Auch mich begleiten sie.

Von der Bewegung zur Ruhe kommen

Das ist wohl das, was so ein Ferienbeginn ausmacht. Besonders auf der letzten Zielgeraden vor der Zeugnisausgabe gibt es gefühlte 1000 Dinge parallel zu tun, der Kopf ist voller Gedanken, der Tagesablauf voller abzuarbeitender To-Do-Listen.

Während ich in den letzten Wochen eines Schuljahres beim Zeugnisschreiben intensiv an jedes Kind denke, fallen mir die Sprüche quasi von selbst und auch ziemlich unvermittelt ein. Daher habe ich mein Zeugnisspruch-Notizbüchlein immer dabei. Ich schreibe dann schnell auf, was mir in den Sinn kam. In der folgenden Zeit lese ich die Sprüche immer wieder, verfeinere sie, streiche auch Manches und setze bewusst bestimmte sprachliche Mittel ein.

Einmal aufgeschrieben, werden die Sprüche also von mir immer weiter bewegt – bis ich sie auf das Aquarell des jeweiligen Kindes schreibe. Danach wird nichts mehr verändert und ich lasse den Spruch los.

Jetzt, in den Ferien, darf sich diese künstlerische Arbeit ebenso wie viele andere Dinge setzen. Zwischendurch schwirren auch die neuen Zeugnissprüche immer wieder in meinem Kopf herum und bekommen mit der Zeit eine andere Qualität. Ich bin sehr gespannt, wenn sie zum ersten Mal von den Kindern selbst gesprochen werden, wie meine Schüler:innen sie für sich ergriffen haben in diesen Wochen.

Eine kleine Auswahl

Ich werde immer mal wieder danach gefragt, die Sprüche auch zu veröffentlichen. Ich habe drei der neuen Sprüche herausgesucht. Sie sprechen drei besondere Epoche des neuen Schuljahres an: Die Erdkunde, die Pflanzenkunde und die alten Kulturen.

Jeder Spruch hat sein Kind

Doch mir ist es wichtig, an dieser Stelle auch zu betonen, dass es so etwas wie einen Lieblingsspruch nicht gibt. Jeder Spruch hat sein Kind und jedes Kind hat seinen Spruch.

Was bringen Kinder mit?

Am Wochenende war ich mit Dustin auf der didacta Bildungsmesse in Köln und habe natürlich auch die Stände des Bundes der Freien Waldorfschule / Pädagogische Forschungsstelle und des Verlages Freies Geistesleben ausgiebig besucht. Dabei habe ich mal wieder den einen oder anderen Schatz gefunden. Den ersten davon möchte ich Euch gleich vorstellen: Ein sehr inspirierendes Buch vom Verlag Freies Geistesleben (unbeauftragte Werbung).

Es geht um die angeborene Spiritualität von Kindern und wie sich diese bei der künstlerischen Arbeit offenbart.

Im pädagogischen Diskurs, in der Literatur, geht es vor allem darum, was die Kinder alles nicht können (…) und selten darum, was die Kinder selber sind und offenbaren.

Christiane von KönigslöW im Vorwort ihres Buches „Der Engel – das bin ich“, Verlag Freies Geistesleben

Inspiration: „Der Engel – das bin ich…“

Es ist immer etwas anderes, ob man ein Buch im Katalog findet oder einmal live in den Händen hält. Ich glaube, dieses Buch wäre mir auf anderen Wegen nicht unbedingt direkt ins Auge gesprungen, aber jetzt liegt es hier vor mir, ich finde es einfach sehr inspirierend und bin dankbar dafür.

Kinderzeichnungen und -bilder sind ohnehin ein Steckenpferd von mir, ebenso beschäftigt mich die Spiritualität, die Kinder von klein auf in sich tragen. Auf beides geht nun dieses Buch in sehr schöner Weise ein.

Worum geht es in dem Buch?

Die Autorin ist Kindergärtnerin und beschreibt einige künstlerischen Prozesse mit ihrer Kindergruppe. Sie legt übrigens großen Wert darauf Kindergärtnerin zu sein, denn eine Gärtnerin empfindet Freude an der Schönheit der Welt, dem Natürlichen und ergreift sie für sich, kann sie bestenfalls zum Positiven weiter verwandeln. Eine Gärtnerin umgibt eine Atmosphäre von Kreativität, die Welt mit naturgegebenen Dingen zu „schmücken“, ein sehr schöner Gedanke in Bezug auf die Arbeit mit Kindern, wie ich finde.

In dem Buch beschreibt sie nun sehr feinfühlig, wie die Kinder ins Malen finden und wie das Gemalte etwas Inneres, Spirituelles nach außen trägt. Sie zeigt einige der Kunstwerke „ihrer“ Kinder und dokumentiert, was die Kinder über ihre Kunstwerke gesagt haben oder mit welchen Worten sie auch untereinander darüber gesprochen haben.

Als Leser:in kann man Anteil daran nehmen, die innere Haltung der Autorin mit einnehmen und gleichzeitig seine eigenen Antennen dafür sensibilisieren, was man gerade bei der Arbeit mit jüngeren Kindern an Schätzen entdecken kann. Wie die Kinder sich zeigen, was tief in ihren lebt und sie bereits von sich aus mitbringen. Daran erinnert dieses Buch aus dem Alltag heraus.

Sehr schön nachzuvollziehen sind auch kreative Spielprozesse und Rituale wie das vorgestellte „Arche Noah Spiel“.

Was bedeutet das für unsere Schulanfänger:innen?

Ja, richtig gelesen: In dem Buch geht es um eine Kindergartengruppe. Ich arbeite mit Schulkindern. Doch unsere Schulanfänger:innen haben ihr erstes Jahrsiebt ja auch noch nicht abgeschlossen und auch in ihnen liegen viele Schätze, die sich entdecken lassen. Wenn sie zu uns in die Schule kommen, sollten wir genau das auch deutlich wahrnehmen. Deshalb würde ich dieses Buch auch allen Lehrer:innen zur Auffrischung und Vertiefung empfehlen, die mit dieser Altersgruppe zu tun haben. Abgesehen von dem Wechsel und den Unterschiedenen der Institutionen Schule und KiTa gibt es in der kindlichen Entwicklung selbst diesen großen Sprung in der seelischen Entwicklung beim Eintritt in die Schule nicht. Dieser folgt der allgemeinen Schulreife erst im dritten Schuljahr nach.

Und was inspiriert mich dabei?

Ich habe seit einiger Zeit jedes Jahr die Klassen 1 und 2 im Musikunterricht, ein ebenfalls sehr kreatives Unterrichtsfach. Und die Kinder bewegen sich auch in dieser Atmosphäre, teilweise noch sehr stark spürbar. Wir sollten daher nicht nur unterrichten, sondern auch die Möglichkeit wahrnehmen, diesen inneren Wesenskern der Kinder durch die künstlerische Arbeit noch mehr kennenzulernen. Die Waldorfpädagogik ist eine Pädagogik der Beziehung!

Ich erlebe es beispielsweise immer als sehr besonderen Moment, wenn die Kinder die Kinderharfe kennenlernen und mit der Zeit etwas auf ihr spielen dürfen. „Mein Engel spielt sie auch“, habe ich da schon gehört. Oder bestimmte Namen, die Kinder meinen verschiedenen unkonventionellen Instrumenten nach Klängen geben. Meine Schwingstäbe aus Bronze wurden beispielsweise von meiner Klasse „Sternenstäbe“ genannt. Auch die verschiedenen Klänge locken immer wieder etwas hervor, das die Kinder offenbaren.

Ich finde es wichtig, auch dafür sensibel zu sein und zu bleiben. Im besten Sinne:

Link zum Buch

Wer sich für dieses Buch interessiert und meinen Blog unterstützen möchte, kann es über meinen Kooperationspartner Thalia unter diesem Link bestellen.