Wieder mehr Gemeinschaft leben

Heilsam ist nur,
wenn im Spiegel der Menschenseele
sich bildet die ganze Gemeinschaft
und in der Gemeinschaft
lebet der Einzelseele Kraft.

Rudolf Steiner

Wie heilsam das Leben in einer Gemeinschaft ist, spürt man um so mehr, wenn sie eine Zeitlang gefehlt hat. Und erst recht, wenn sie danach wieder möglich wird und quasi neu laufen lernen muss.

Die ersten Schritte

Als klar war, dass eine Klassenfahrt wieder möglich wird, war meine erste Reaktion: Sofort zugreifen, ehe es wieder zu spät ist! Wie Ihr ja wisst und auch noch einmal in der neuen Folge von Kaffee, Kreide, Morgenspruch genauer hören könnt, war ich mit meiner Klasse auch direkt on Tour und es war einfach nur großartig. Diesen Schwung haben wir dann auch gleich mitgenommen in die aktuelle Epoche und überhaupt in den Schulalltag.

Geht da etwa noch mehr?

Man liest seit einiger Zeit von verkürzten Quarantänezeiten, diesen 3 und 2 Gs und bekommt dabei auch ein wenig den Eindruck, als wäre doch noch mehr und vielleicht sogar längerfristig möglich.

Die Gemeinschaft meiner vierten Klasse wird nun auch auf der Ebene der Familien wieder mehr zueinander finden bzw. neu aufgenommene Familien auch noch die anderen Familien näher kennenlernen. Daher haben wir eine Gartenaktion mit kleinem Erntedankfest an der Schule geplant. Und Michaeli wollen wir in diesem Jahr auch wieder etwas größer, etwas mutiger feiern.

Die Schule selbst ist ebenso wieder mehr präsent: Elternabende sind live vor Ort, die Arbeitskreise und Gremien finden sich neu, bald gibt es auch einen Tag der offenen Tür und unsere Schule zeigt sich an diesem Wochenende wieder beim Weltkindertag.

Übrigens hat sich die Kumpanei des Oberuferer Christgeburtsspiels erneut gefunden. Seid gespannt, ich mache auch wieder mit.

Viele Wünsche, viele Hoffnungen

So viele sind es eigentlich gar nicht. Es wäre halt einfach schön, wenn wir zumindest dieses aufkeimende neue Gemeinschaftsgefühl weiter erhalten und Pläne machen können, die nicht all zu wackelig sind.

Angekommen in den Ferien

Als ich am Freitag nach Hause kam, war ich gleichzeitig froh über unsere ausgelassene Zeugnisvergabe und erschöpft von den letzten Tagen und Wochen vor den Ferien. Erstmals hatte ich eine Schreibblockade in der Zeugniszeit, was mir doch einigermaßen Sorge bereitet hat. Doch jetzt ist es Mittwoch, gerade fünf Tage später, und die Energie kommt deutlich zurück.

Darauf habe ich geachtet

Viele Wege führen zur Erholung. Ich fasse einmal zusammen, was mir aus dieser Erschöpfung herausgeholfen hat.

1.“Betriebsferien“ zu Hause

Ich habe es mir einfach mal erlaubt, müde zu sein und mich zu erholen. So habe ich insbesondere am Wochenende viel Schlaf nachgeholt, trotz der Fortbildung. Die Familie hat Rücksicht genommen. Außerdem habe ich nicht so aufwändig gekocht und gebacken wie ich es sonst am Wochenende so gern tue und auch die üblichen Wäscheberge zu Hause mussten warten.

2. Auf in die Lieblings-Tapasbar

Erholung geht durch den Magen, zumindest als Auszeit zwischendurch, und so war ich mit meinem Mann und Freunden in unserer Lieblings-Tapasbar, habe einen schönen Abend verbracht und geschlemmt. Anschließend hieß es wieder: Ausschlafen.

3. Äußeres Chaos sortieren und entrümpeln

Hiermit bin ich noch nicht fertig, aber ich habe angefangen und das ist auch immer eine Wohltat. Ich erledige die liegen gebliebenen Aufgaben im Haushalt, verpacke die Unterrichtsmaterialien des Schuljahres, sortiere und entrümple Schränke. Mich von unnötigem materiellen Ballast zu befreien, sorgt jedesmal wieder für neue Energien.

4. Zeit für gesunde Routinen

In der Zeugnis- und Schuljahresabschlussphase bleibt oft wenig Zeit für die Zubereitung gesunder Snacks, viel zu häufig wird auf die Schnelle mal genascht. An Bewegung mangelte es mir dieses Jahr dank der Bauepoche zum Glück nicht, das kommt sonst auch noch dazu. Jetzt ist es wieder Zeit für gesunde neue Routinen und Rezepte. Dabei überlege ich mir auch, wie ich es anschließend im Schulalltag schaffen kann, sie zu bewahren. Die Routinen diesmal: Warmes Zitronenwasser vor dem Frühstück trinken, insgesamt basisch frühstücken und am Nachmittag eine Tasse goldene Milch trinken. Tägliche Bewegung in Form von Spaziergängen, Schwimmen oder Radfahren ist sowieso Programm.

5. Jeden Tag etwas haben, auf das man sich freut

Einen schönen Ausflug machen, liebe Menschen besuchen, ein gutes Buch lesen, Spieleabende und künstlerische Projekte genießen. Es gibt jeden Tag so viel Schönes, das man sich bewusst machen sollte. Nichts ist selbstverständlich. Ich mache jedes Jahr auch irgendetwas Künstlerisches in den Sommerferien. Letztes Jahr war es das Aquarellmalen, dieses Jahr möchte ich mit Kind 3 gern schnitzen und etwas plastizieren. Außerdem habe ich meine Podcasts und die Schreiberei, da gibt es übrigens auch schöne, neue Ideen und Projekte, auf die ich mich freue.

6. Die Zeit nach den Ferien ist kein Tabu

Ich lebe nicht nur im Hier und Jetzt, sondern denke auch immer wieder an die Zeit nach den Ferien. Ich mag es, wenn bereits jetzt Schritt für Schritt allmählich ein Bild davon entsteht, wie es im neuen Schuljahr sein sollte – auch wenn die Erfahrungen der letzten Monate gezeigt haben, dass es vielleicht nicht immer so eintritt, wie man es sich vorgestellt hatte. Aber ich verdränge die Schule und meine Klasse in den Ferien nicht. So funktioniert mein „Abschalten“ eben nicht. Meine Arbeit und meine Klasse gehören einfach viel zu sehr zu meinem Leben. Auch wenn der Schreibtisch und das Email-Postfach ruhen, die Gedanken tun es nicht und das darf auch so sein. Sie sortieren sich auch allmählich. So sind die Ferien: Alles kann, nichts muss.

Schöne Ferien!

Ich freue mich auf die nächsten Wochen, schreibe weiter und wünsche auch Euch eine schöne Zeit! Was sind Eure Wege, die Akkus wieder aufzuladen?

Das war`s – auf in die Sommerferien

Ein sehr besonderes Schuljahr ist beendet. Ein Schuljahr, bei dem keine Planung sicher stand und das dadurch stark gefordert hat. Ein Schuljahr, in dem wir so viel vor hatten. Ein Schuljahr, das einen die Grenzen deutlich spüren ließ.

Diese Arbeitslatzhose hat mir meine Klasse geschenkt. Alle Kinder haben sich darauf verewigt.

Ein Rückblick der besonderen Art

Ja, wir haben viel erlebt, viel angepackt, viel gewerkelt und gebaut. Dabei so viel gelernt, die Inhalte des Jahres gut geschafft – und gleichzeitig waren wir auch so viel zu Hause. Am Freitag, unserem letzten Schultag, lenkten die Kinder mich von sich aus ganz schnell vom Jahresrückblick auf die Vorschau. Wie sehr spiegelt dies, dass wir lieber freudig nach vorn blicken wollen? Kinder sind weise.

Mit Konfetti ins vierte Schuljahr

Die Zeugnissprüche ließen bereits ahnen, was alles Neues kommen wird. Es ging um viele Tiere und ihre Gaben (die erste Tierkunde), es ging um Runen, es ging um Siegfried, es ging um Heimat und Orientierung (Heimatkunde), um Freundschaften (Thema im Sozialen), um die Zeiten und Vieles mehr. Wie schön es war, dass so viele Kinder direkt gesagt haben „DAS ist MEIN Zeugnisspruch“ – und es stimmte. Und wie schön es auch war, dass so oft auch von anderen Kindern erkannt wurde, für wen ich einen Zeugnisspruch geschrieben hatte.

Die Vorfreude auf Klasse 4 ist geweckt und groß – fehlte nur noch die „Verwandlung“ in Viertklässler. Da half in diesem Jahr ein bunter Konfettiregen. Die Kinder haben es genossen und sind freudig in die wohl verdienten Ferien gestartet.

Wie es mir ging in letzter Zeit

Für mich endet mit dem Schuljahr tatsächlich der Höhepunkt einer Achterbahnfahrt. Ende Mai ging es plötzlich innerhalb von drei Tagen vom wochenlangen Lockdown in den vollen Präsenzunterricht. Das war klasse, aber auch anstrengend. Ich hatte die Hausbau-Epoche zu organisieren, saß vor einem riesigen Stapel Epochenheften aus dem Lockdown und zusätzlich musste ich innerhalb von vier Wochen 30 Klassenlehrerzeugnisse (à 5-6 Seiten) auf den Weg bringen, dazu die Zeugnistexte für meine Fachstunden in Musik und Religion.

Das Schuljahr endete mit dem vierten Highlight des Jahres: Der Bauepoche. Wir haben im Schulgarten gesenst, gemäht, gegraben, gepflastert, gemauert. Dazu hat jedes Kind ein kleines Modellhaus nach eigenen Vorstellungen gebaut. Diese Epoche war Kraftquelle und Kraftverbrauch in einem. Dies hat man auch hier auf meinem Blog gemerkt, ich war oft geschafft und trotzdem zeitlich voll durchgetaktet – für meinen Blog geschrieben habe ich so gut wie gar nicht mehr. Auch die Märchen mit Klang pausieren, was wiederum Auswirkungen zeigt. Denn ohne künstlerischem Ausgleich sind stressige Phasen doch noch etwas schwieriger zu bewältigen. Es kam dieses Jahr erstmals meine Zeugnisspruch-Schreiberei ins Stocken. Ein Symptom. Am Ende habe ich aber doch noch alles geschafft – da waren wohl Zauberkräfte im Spiel.

Denn als „Sahnehäubchen“ gab es in dieser Zeit auch noch einige sehr aufwändige Gespräche in der Schule, die ebenfalls protokolliert werden mussten, familiäre Veränderungen und weiterhin der Zustand fehlender Planungssicherheit für viele Dinge, inklusive einer dringend nötigen Urlaubsreise. So fiel dann am Freitag nach Schulschluss, bzw. Klassenumzug Teil 1, eine Menge von mir ab und es gibt auch noch Einiges, das nun sacken und verarbeitet werden muss.

Jetzt wird also sortiert, entrümpelt und nach vorn geschaut.

Ich wünsche allen schöne und erholsame Sommerferien 2021!

Johannizeit – meine 15 Ideen für ein Fest mit Kindern

In der kommenden Woche ist es so weit: Am Montag ist Sommeranfang und am Donnerstag, den 24. Juni, die Sommersonnenwende. Für die Klasse schließt sich der Kreis: Wir haben mit der Schöpfungsgeschichte künstlerisch das Schuljahr begonnen und an Johanne zeigt sich die gesamte Schöpfung voller Leben. Dies möchte ich in den Mittelpunkt unserer Klassenfeier am Schuljahresende stellen.

Das ist Johanni

An diesem Tag wird an Johannes dem Täufer gedacht wird. Dazu ist der 24. Juni der längste Tag des Jahres, mit der kürzesten Nacht. Ganz im Gegensatz zur Weihnacht am 24. Dezember, ein halbes Jahr später. Hier sind es die längste Nacht des Jahres und der kürzeste Tag. Im Jahreslauf bewegen wir uns dazwischen: Bis Johanni auf immer länger werdende Tage hin, danach auf immer länger werdende Nächte.

Unser Leben im Jahreslauf

Bei uns an der Schule gehören das Leben und Erleben im Rhythmus und Jahreslauf fest und ganz bewusst zum Miteinander und dem Alltag.Wir feiern daher nicht nur Weihnachten im Winter und Ostern im Frühling, sondern auch Johanni im Sommer und Michaeli im Herbst. Jedes Fest hat dabei seinen Schwerpunkt. Im Klassenzimmer haben wir den Jahreszeitentisch als kleinen Spiegel der Jahreszeit, auch begleiten uns verschiedene Lieder und Geschichten durch das Jahr.

Ein Sommerfest mit Kindern

An Johanni erfährt die Welt maximale Erneuerung und Leben: Alles blüht, überall kann man Tierkinder beobachten und die Früchte an den Bäumen und Sträuchern werden reif. All das lädt ein: Für lange Abende am Lagerfeuer, für kulinarische Vielfalt, für Freude und Aktivität. Genießt es!

Johanni in meiner Klasse

Da wir im vergangenen Schuljahr auf das Fest verzichten mussten und nun endlich wieder beisammen sein dürfen, wird der 24. Juni natürlich richtig ausgekostet. Ich habe die Kinder gefragt, was sie sich für unser Johannifest wünschen.

Diese Wünsche haben die Kinder in unserem Gespräch geäußert.

Die Sammlung

Es gefiel mit ausgesprochen gut, dass die Kinder auch in einer Stimmung sind, in der sie sich für diesem Tag neben Liedern und Sprüchen auch Gebete wünschten. All das möchte ich in meiner Planung berücksichtigen.

15 Ideen für das Fest

Ich habe hier 15 Ideen für ein Johannifest zusammengetragen, die ich gern mit Euch teile. Dabei ist es mein Rahmen und Plan, die vier Elemente und ihre unsichtbaren Kräfte mit den Kindern zu erleben. Ich werde unser Fest auch mit der Klanggeschichte eröffnen, die weitere Planung wird sich noch zeigen.

Ich wünsche allen eine schöne Johannizeit.

Mein Johannibeitrag vom letzten Jahr (2. Klasse) und das Rezept für die leckere Beerentarte findest Du übrigens hier.

Warum? Darum.

Hin und wieder kommt es vor, dass man gefragt wird, warum man sich eigentlich aktiv für den Ersatzschuldienst und damit gegen eine Verbeamtung, private Krankenkasse usw. entscheidet. Warum arbeiten wir Lehrer*innen an freien Schulen zu vermeintlich ungünstigeren „Konditionen“? Ich kann da natürlich nur meine eigene Sichtweise schildern, aber das möchte ich gern einmal tun.

Eine Typ-Frage

Von Fachstunde zu Fachstunde, von Lerngruppe zu Lerngruppe zu tingeln, mit halbjährlich wechselndem Plan, das ist nichts für mich. Als Klassenlehrerin an der Waldorfschule habe ich 8 Jahre lang jeden Tag meine feste Lerngruppe, die ich über einen ganzen Lebensabschnitt begleite. Ich mag es so vertraut und ohne den äußeren Zwang, die Kinder standardisiert nach Leistungen zu beurteilen. Nicht, dass ich kein Verständnis dafür habe, es so zu tun. Wer pro Schuljahr durchaus mehrere Hundert Schüler*innen unterrichtet, braucht klare Methoden, die Kinder möglichst fair zu beurteilen und ihren Lernzuwachs zu messen, keine Frage.
In meinem überschaubaren Rahmen weiß ich allerdings auch ohne Vergleichsarbeiten & Co., wo jedes einzelne Kind steht und wie ich unterstützen kann. Diese Arbeitsbedingungen fühlen sich für mich richtig an und haben dadurch auf jeden Fall auch ihren Wert.

Gemeinschaft und Individualität

Das ist zu schaffen: Eine Klassengemeinschaft zu bilden, in der jedes Kind seinen Platz hat und gesehen wird. „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“, sagt man in Afrika. So gehören auch die Eltern fest zur Schulgemeinschaft und tragen im vertrauensvollen Austausch – nicht als „Kunde“ – dazu bei, dass sich ihr Kind wohl fühlt und gut lernen kann. Man sucht gemeinsam nach Lösungen, wenn es Schwierigkeiten gibt.

Kopf, Herz und Hand

Die Welt nicht nur aus Büchern und Filmen zu vermitteln, sondern Vieles selbst aktiv und auch künstlerisch auszuprobieren. Die Kinder dabei zu erleben, wie sie auf vielfältige Art und Weise den Dingen auf den Grund gehen, sich Themen erschließen – das begeistert mich.

Schulentwicklung

Jede Waldorfschule hat etwas mit den anderen Waldorfschulen gemeinsam. Und doch ist jede Schule anders, denn sie wird aktiv von Eltern und dem Kollegium mit- und weiterentwickelt. Dass man sich mit Ideen und Mithilfe einbringen kann, ist ein weiterer Grund, warum ich so gern an dieser freien Schulform arbeite – übrigens auch in der Elternrolle.

… und Dynamik

So ist jeder Schultag vor Ort lebendig und spannend, fordert aber auch die Kreativität, das Engagement und die eigene Lernbereitschaft heraus.

Auch wenn sich momentan Vieles durch die auferlegten Einschränkungen und die langen Phasen des Distanzlernens so „ausgebremst“ anfühlt, sollten wir versuchen, auf bessere Zeiten hinzuarbeiten und dabei so optimistisch wie möglich nach vorn zu schauen. Denn Waldorfschule ist, was wir draus machen – ein wertvoller Schatz.

Eine besondere Epoche in der Planung

Eines meiner liebsten Blogthemen ist immer wieder, dass der Waldorflehrplan besondere Epochen für besondere kindliche Entwicklungsschritte bereithält. Es begeistert mich sehr, wie wir die Kinder dadurch unterstützen und begleiten können. Eine dieser ganz besonderen Epochen steht für meine Klasse auch in Kürze wieder an. Diesmal ist es das Thema „Hausbau“.

Vom groben Plan….

Ich habe diese Epoche im Kopf. Ich weiß, warum ich sie unterrichte. Und ich weiß, wie ich sie für meine Klasse umsetzen werde. Seit Monaten freue ich mich sehr darauf. Doch diese Epoche ist nur für Präsenzunterricht geeignet, ich brauche die Kinder vor Ort dazu.

Es war und ist ein Zittern und Bangen. Noch vor gut 3 Wochen lag der Corona-Inzidenzwert am Schulstandort bei über 300, besonders in den letzten Tagen ist er aber rapide gefallen. Und damit kann ich endlich weiter planen: Unsere Hausbau-Epoche ist zum Greifen nah.

…zur genauen Ausarbeitung

Klar ist: Es wird Unterricht im Wechselmodell, also jedes Kind hat im täglichen Wechsel Präsenz- und Distanzunterricht. Das muss ich berücksichtigen.

Ich vertiefe für mich noch einmal ganz gründlich den pädagogischen Hintergrund, den Wendepunkt im Leben eines Kindes im 9. Lebensjahr: Der Umzug im „eigenen Haus“, ein inneres „Umgestalten“ vollzieht sich beim Kind: Körperlich, seelisch und geistig. Ich denke intensiv an jedes einzelne Kind und sehe es vor mir (wunderbarer Nebeneffekt: Bei dieser Übung schneien wieder neue Zeugnissprüche rein).

Ich plane, wie wir gemeinsam künstlerisch herangehen können und suche einen schönen Spruch, den wir zusammen sprechen können. Leider dürfen wir ja nicht singen und flöten. Ein Spiel für den rhythmischen Teil, zum gemeinsamen Einstimmen, das suche ich auch.

Inhaltlich geht es um die Gewerke des Hausbaus. Hier wird gelesen, geschrieben, gezeichnet. Die Dokumentation wird eher im Homeschooling stattfinden, nach erster Anleitung in der Schule.

Jedes Kind soll vor Ort in der Schule den individuellen Raum bekommen, sein persönliches Traumhaus zu planen und in der Klasse als Modell zu bauen. Hier sind der Kreativität und Schaffensfreude keine Grenzen gesetzt, eine großes Gefühl von Selbstwirksamkeit – in der aktuellen Lage so unendlich wichtig. Und es ist wichtig, dass diese Häuser in der Schule gebaut werden. Denn die Kinder sollen sich auch untereinander im Tun wahrnehmen.

Und in Gemeinschaft schaffen wir auch noch etwas für die Schulgemeinschaft: Im Schulgarten gibt es eine gemeinsame Bauzeit. Hier zählt jede helfende Hand. Wir wollen zusammen ein Hühnergehege bauen, vor unserem Lehmofen eine kleine Fläche pflastern und außerdem einen schönen Festplatz herrichten. Gemeinschaftsgefühl – der zweite große Mangel der letzten Zeit.

Jetzt heißt es: Daumen drücken!

Ehrlich gesagt, ich hatte in letzter Zeit so oft das Gefühl, dass besonders die schönen Seiten meines Berufs so derart ausgebremst werden. Ich habe wirklich sehr darauf gewartet, dass es endlich vor Ort weitergehen kann mit den Kindern. Jetzt ist der Schuljahresendspurt vor Ort zum Greifen nah. Mit der ersehnten Epoche.

Ich werde berichten.

Hinweis: Auf dem Bild ist die Zeitschrift „Vorhang Auf“ zum Thema „Hausbau zu sehen. Dies ist eine unaufgeforderte und unbezahlte Werbung, da Empfehlung. Ich habe das Heft selbst gekauft.

Zaubersand für die Sinne

Fühlen, kneten, formen, Duft genießen: Ein sehr schönes und selbst herzustellendes Sinnesmaterial ist der „Zaubersand“. Für meinen Distanzunterricht im Fach Formenzeichnen habe ich für jedes Kind eine kleine Tüte Zaubersand beigefügt, den ich recht schnell selbst hergestellt habe. Als Clou duftet der Sand nach unserem allseits beliebten Goldtröpfchenöl.

Für die ganze Familie

Die Schulkinder können den Zaubersand auch auf ein Tablett geben und mit dem Finger Buchstaben, Zahlen und Formen üben. „Zaubersand“ ist auch eine schöne Beschäftigung für die ganz Kleinen und fördert schon hier die Feinmotorik – nicht umsonst ist er in den Pikler Spielräumen zu finden. Eine größere Menge in der Schüssel oder Kiste, dazu ein Kochlöffel oder ein kleiner Becher – das ist sehr viel Spielspaß. Und wenn einmal etwas im Mund landet, ist es auch nicht schlimm. Man sollte dann aber ein ätherisches Öl in Lebensmittelqualität verwenden oder auf den Duft verzichten.

Die Zutatenliste

Ich nehme dazu sehr feines Dinkel- oder Weizenmehl. Als Öl habe ich mich für Sesamöl entschieden, da Sesamöl sehr hautfreundlich ist und auch schon in der Babymassage angewendet werden kann. Wenige Tropfen unseres Goldtröpfchenöls hinzu – und fertig ist der Spielsand für die Sinne. Man kann auch Lebensmittelfarbe hinzugeben, wenn man etwas Farbe ins Spiel bringen möchte.

Die Mischung

Für 1 kg Mehl nehme ich 120 ml Sesamöl und 5 – 8 Tropfen ätherisches Öl. Wenn man eine größere Menge herstellen möchte, kann man es einfach hochrechnen.

Haltbarkeit und Lagerung

Da es sich bei dem Sand um Lebensmittel handelt, sollte man ihn vorsichtshalber nicht länger als 3 Wochen lagern. Am besten, er bleibt in einem offenen Behälter oder einer Papiertüte, so dass auch Luft herankommt.

Du kannst diese Infos kompakt hier downloaden:

Und wieder ein neues Lernpaket

Wir müssen weiter zu Hause bleiben. Der Abstand zur Schule wird immer größer, das Lernen zu Hause, ohne die Gemeinschaft, immer eintöniger. Jedes neue Lernpaket ist für die Kinder eine willkommene Abwechslung, hat auch für mich seine eigenen Herausforderungen: Die Verbundenheit zwischen den Kindern, der Schule und mir erhalten, die Herzen erreichen, dazu Lernfortschritte ermöglichen.

Diese Woche war `s wieder schwer

Diese Woche lief wieder dieses schräge Parallelprogramm: Die letzten Epochentage im Fach Mathematik mussten in Distanz an die Kinder herangetragen werden, gleichzeitig liefen die Vorbereitungen für das neue Lernpaket. Und das ist eine große Herausforderung und ziemlicher Kraftakt. Auch wenn das vielleicht von außen betrachtet nicht so erkennbar ist.

Ich muss mich vorab selbst irgendwie auf die neue Epoche einstimmen und mich innerlich mit ihr und den Kindern dabei verbinden. Das große Ziel ist es, die Kinder in der Ferne Kinder zu erreichen, ohne eben unmittelbar ihre Reaktionen dabei mitzubekommen. Und das für jeden einzelnen vor uns liegenden Unterrichtstag, für alle Kinder der Klasse. Jetzt schon. Während noch die letzten Tage der Vorgängerepoche laufen. Denn das Material muss ja nicht nur erstellt werden, sondern auch rechtzeitig beim Kind ankommen. Das ist also auf vielen Ebenen schon recht anstrengend und natürlich durch eine gewisse Ungewissheit, die einen dauerhaft begleitet und nicht planbar ist, auch nicht so richtig zufriedenstellend.

Formenzeichnen in Distanz – das neue Lernpaket

Gerade Formenzeichnen lebt vom gemeinsamen Tun, ist als Unterrichtsfach anspruchsvoll, dabei aber nicht intellektuell. Hier habe ich bereits darüber berichtet. Die Formen sollen bei den Kindern als Geste ankommen. Sie wirken weit im Seelischen. Das ist eine große Hürde, die man im Distanzunterricht nehmen muss.

Ich habe daher den Kindern auf einer Übersicht viele ihnen bekannte Wege aufgezeigt, sich sinnlich und bewegend mit den gegebenen Formen auseinanderzusetzen. Da jedes Kind einen anderen Zugang findet und andere Gegebenheiten zu Hause hat, darf jeden Tag aus einer langen Reihe von Ideen gewählt werden, wie man an die jeweilige Form des Tages herangehen will.

Im Paket befinden sich daher auch: Ein von den Kindern in der Handwerkerepoche selbst gesponnener Faden, von mir hergestellter kinetischer Sand, der nach unserem „Goldtröpfchen“ duftet (zum Rezept) und zwei Stückchen Kreide, um Formen in Groß aufzumalen, z.B. auf die Hauseinfahrt oder den Hauseingang (auf groß gemalte Formen kann man balancieren oder hinkeln).

Außerdem ist ein kleines Geheimnis enthalten, eine Muttertagsbastelei. Basteln für den Muttertag ist in der Schule immer sehr beliebt, kleine Geschenke herzustellen, ist generell ein Highlight. Die Kinder machen ihren Eltern so gern eine Freude. Das fällt dann wenigstens nicht ganz aus – und die Mütter sind meist so eingebunden ins Homeschooling, dass eine kleine Aufmerksamkeit auf jeden Fall auch ganz wichtig ist.

Manchmal ist Präsenz durch nichts zu ersetzen

So sieht`s aus. Kopfthemen lassen sich im Großen und Ganzen recht gut aus der Distanz unterrichten. Herzthemen sind schon schon etwas schwieriger und brauchen viel Feingefühl – und das gemeinsame Handanlegen ist nicht zu ersetzen. Die Hausbauepoche, das Erfassen von Maßen und Gewichten – das fällt aus bis zur nächsten Präsenzphase, die hoffentlich bald möglich ist. Und dann wird jeder Schultag erst einmal ein kleines Fest…

Doch bis dahin gilt es, mit allen Familien in gutem Kontakt zu bleiben und gemeinsam diese schwierige Zeit zu überstehen.

Die Qualität der Wortarten durch Fantasie erleben

In Klasse 3 werden die drei Wortarten Nomen (Namenwort), Verb (Tuwort) und Adjektiv (Wiewort/Eigenschaftswort) erstmals ins Bewusstsein der Kinder gehoben.

Mit dem Sprachenlernen hat das Kind sich die Logik, die in solchen Sprachen steckt, einverleibt. Sie bleibt ihm jedoch genau so unbewusst wie das füllige Spracherleben, das gerade eine bestimmte Mundart in ihm hervorruft. Nun gilt es, im Unterricht Spracherleben, Sprachlogik und Bewusstmachung beider in der richtigen Weise miteinander ins Spiel zu bringen.

Erika Dühnfort (Die Sprache als Kunstwerk, Verlag Freies Geistesleben)

Ich habe als Kind im Fach Deutsch große Schwierigkeiten mit dem Grammatikunterricht am Gymnasium gehabt, weil mir die Bewusstmachung der mir längst „einverleibten“ Logik quasi von oben mit Definitionen übergestulpt wurde. Dadurch konnte ich es nicht selbst ins Bewusstsein heben. Von daher ist es mir heute ein besonderes Anliegen, dass dies den Kindern meiner Klasse gelingt und sie darüber einen ersten Zugang zur Grammatik bekommen.

Auch dies geschieht bei mir im Unterricht mit einer kleinen Fantasiereise, die an drei aufeinander folgenden Tagen erzählt wird. Hierbei wird die Qualität der Wortarten zunächst durch das Gefühl berührt, das die inneren Bilder bei den Kindern auslösen. Später kann man dann mit ihnen darüber sprechen, wie sie die kleine Fantasiereise erlebt haben. Es ist erstaunlich, wie die Kinder berichten!

So funktioniert es: Man denkt sich eine Szene aus, am besten mit Tieren, da dies die Kinder sehr anspricht und berührt. Am ersten Tag wird diese durch Nomen beschrieben. Die Kinder empfinden eine Art Gegenüber. Die Szene füllt sich mit Dingen.

Am zweiten Tag kommen die Adjektive zu der nun schon bekannten Szene hinzu. Dadurch passiert etwas vor dem inneren Auge. Die hinzu gekommenen Eigenschaften verändern die Vorstellung, die die Kinder bisher von dem Nomen hatten und auch das macht innerlich etwas mit den Kindern.

Im dritten Schritt kommen die Verben zu den Nomen. Die Kinder sind so sehr mit ihrer Vorstellung verbunden, dass sie die Bewegung, die die Verben in die Szene bringen, innerlich mitgehen und diese wiederum erleben.

Hier drei Beispieltexte:

Direkt nach dieser kleinen Fantasiereise sollte man diese erst wirken und nachwirken lassen. Später kann man die Kinder fragen, ob sie einen Unterschied bei den Wörtern gespürt haben und dann über ein Gespräch dieser Sache auf den Grund gehen.

Im rückschauenden Gespräch kann man auch zur weiteren Verdeutlichung erst eine Reihe von Tieren nennen, die sehr unterschiedlich sind, klein wie groß: Elefant, Ameise, Flamingo, Biene, Löwe, Schmetterling. Diese erscheinen dann hintereinander vor dem inneren Auge, was den Kindern fast wie ein Zauber vorkommt. Für die Adjektive kann man sich dann ein Tier heraussuchen und ihm auch Adjektive geben, die sehr unterschiedlich sind: Der blaue Elefant, der graue Elefant, der riesige Elefant, der winzige Elefant. So spüren die Kinder, wie sich der Elefant vor dem inneren Auge verändert. Danach: Der Elefant badet, der Elefant frisst, der Elefant läuft, der Elefant freut sich, der Elefant sucht etwas…. Hier wird die Handlung wiederum innerlich vollzogen, eine Verbindung hergestellt zu dem zuvor eher abseits stehenden Nomen.

So haben wir die Wortarten erlebt und es braucht Zeit. Allmählich erst entsteht eine Ausdifferenzierung, die sich dann genau benennen lässt. Am Ende hat es die Grammatik vom Unbewussten ins Bewusste geschafft:

Grammatik bringt man nicht bei. Man hebt sie hervor!

Das neue Jahr – schon da

Ich wünsche allen meinen Leser*innen ein hoffnungsvolles und gesundes neues Jahr 2021!

Zum Jahreswechsel habe ich das Märchen „Der alte Silvester und das Jahrkind“ von Eduard Mörike als Märchen mit Klang aufgenommen. Dieses Märchen habe ich letztes Jahr den Kindern meiner Klasse vorgelesen. Es war der Auftakt unserer „Jahresepoche“. Doch gleichzeitig ist dieses Märchen eine dieser bereichernden, nachdenklich stimmenden Geschichten, die man als kleine Tradition jedes Jahr an Silvester und/oder Neujahr mit guten Gedanken neu in die Hand nehmen kann. Als Buch ist es beim Verlag Urachhaus erschienen, ganz zauberhaft illustriert und an dieser Stelle eine echte Herzensempfehlung von mir (Werbung, unbeauftragt und selbst bezahlt).

Mit den Klängen der Kinderharfe und des Carillons
erzähle ich das Märchen vom alten Silvester und
dem Jahrkind

Pläne für das neue Jahr

Im alten Jahr habe ich während des Lockdowns im Mai diesen Blog gestartet. Ich habe bis zum Jahresende sage und schreibe 71 Artikel geschrieben, die mehr als 12.000 mal gelesen wurden, von mehr als 4.500 Lesern. Das freut mich sehr!

Parallel zum Blog hat mein Instragram-Account (@waldorf.lehrerin) seine Reichweite vervielfacht und nicht wenige Follower melden sich bei mir mit Nachfragen und Feedback.

Daher werde ich natürlich gerne weiter bloggen und Ideen mit Euch teilen!

Viele Beiträge sind durch meine Arbeit mit den Kindern entstanden, in den Epochen(-planungen) oder auch Vorbereitungen von online Elternabenden, die ja 2020 ihr Debut fanden.

So ergeben sich manche Inhalte fast von selbst. Beim Schreiben kann ich sehr gut darüber reflektieren. Aber ebenso werde ich auch von meinen Leser*innen auf Themen gestoßen, wofür ich sehr dankbar bin. Und so freue ich mich auch im neuen Jahr über jede Zuschrift.

Und sonst?

Wir sind wieder im Lockdown und warten auf den 5. Januar, wie es mit der Schule weitergehen wird. Zum Jahresbeginn habe ich viele Ideen und bereite dazu Unterrichtsmaterialien bzw. Spiele vor – sowohl für meine 3. Klasse, als auch für meine Musikklassen. Die Handwerkerepoche wird unter Coronabedingungen stattfinden – es fragt sich nur, welche das sein werden? Alle zusammen vor Ort oder gruppenweise? Ich will mich auf alles einstellen und die Epoche trotz aller Umstände für die Kinder zu einem schönen Erlebnis werden lassen.

Wenn es wärmer wird und die Impfquoten steigen, hoffe ich auf eine schöne Bauepoche zum Ende des Schuljahres – so wie unsere Ackerbauepoche im Spätsommer gelungen ist.

Ich freue mich sehr, wenn Ihr weiterhin mitlest, mir Eure Rückmeldungen und Fragen schickt. Herzlichen Dank dafür und ein gesundes, frohes Jahr für Euch!