Urlaub, Lieblingsmenschen, Herzprojekte

Zwei Wochen Urlaub neigen sich gerade dem Ende entgegen. Wir haben so viele neue Eindrücke genossen und schöne Erlebnisse gesammelt, dass es sich sogar viel länger anfühlt. Die Sommerferien sind die „großen Ferien“. Doch was macht die großen Ferien erst so richtig groß?

Erst einmal raus

Ich war erst skeptisch, ob ich wirklich sofort loslassen kann – noch bevor im Arbeitszimmer klar Schiff ist nach dem großen Schuljahresendspurt. Doch der Tapetenwechsel zeigte sofort seine Wirkung. Alles, was bis zum Ferienbeginn meinen Alltag bestimmt hat, habe ich zu Hause gelassen und konnte zusammen mit der Familie neu auftanken.

Dann schöne Dinge tun

Zeit für die Lieblingsmenschen haben und mit ihnen verbringen, es zu Hause schön machen, in der Küche Leckereien zaubern… auf all das freue ich mich jetzt. Auch mein Arbeitszimmer räume ich – mit dem gewonnenen Abstand – nach und nach auf. Platz schaffen für neue Ideen, die kommen dann ohnehin von selbst. Außerdem fahre ich ab und an zur Schule, verräume im neuen Klassenzimmer und richte den neuen Förderraum her, gemeinsam mit lieben Kolleginnen und Eltern. So ein neues Schuljahr wirft seine Schatten voraus.

Und Vorfreude genießen

Noch in diesem Monat erscheint meine neue Publikation für die pädagogische Praxis. Darauf bin ich schon sehr gespannt! Auch warten neue Aufgaben auf mich: Neben Unterricht und Schulleitungsaufgaben stehen Coaching und mehr Gesundheitspädagogik an. Sowieso muss ein neues Schuljahr in seiner ganzen Vielfalt und in Ruhe vorbereitet werden. Das alles weckt Vorfreude und stimmt mich allmählich ein auf die nächste „Runde“.

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Ferien!

NRW ist in diesem Jahr das erste Bundesland, das in die Sommerferien startet. Bei meiner Klasse und mir war auch am letzten Schultag gefühlt die Luft nicht raus. Doch jetzt, wo die Ziellinie des Schuljahres glücklich überschritten ist, fällt schon Vieles von mir ab. Ab in den Urlaub!

Die letzte (Fließband-) Arbeiten

Obwohl ich mir in diesem Jahr einige bewusste Auszeiten auch während der „heißen Zeugnisphase“ gegönnt und darauf hingearbeitet habe, so waren die letzten Tage vor den Ferien doch sehr anstrengend. Ich habe mehr als 150 Zeugnisseiten unterschrieben, sortiert, kopiert, eingetütet und was man sonst noch alles macht. Daneben mit den Kindern noch beendet, was beendet werden musste und eine schöne Johanni-Bastelei vorbereitet (Bericht dazu folgt).

Abschied nehmen

Schuljahresende, das heißt auch meist Abschied nehmen. In diesem Schuljahr musste ich mich von einer sehr lieb gewonnenen Kollegin verabschieden. Ebenso musste ich zwei Kinder meiner Klasse auf den Weg in die Förderschule als neuen Lernort begleiten. Auch diese Abschiede hinterlassen ihre Spuren.

Das Neue wartet schon!

Gleichzeitig war da dieser Funke, der jetzt schon den nächsten Abschnitt des Weges entzündet: Die Vorfreude auf das fünfte Schuljahr ist geweckt. Ich habe den Kindern von den neuen Epochen erzählt, die anstehen. Und schon jetzt freuen sie sich auf die nächste mehrtägige Klassenfahrt, die kurz nach den Sommerferien schon losgeht. Und die magische Verwandlung in Fünftklässler (Bericht folgt) fand nach der Vergabe der Zeugnissprüche (Bericht folgt) und Zeugnisberichte dann auch statt und wurde ausgelassen bejubelt.

Und in den Ferien?

Jetzt geht es erst einmal in den wohl verdienten Urlaub. Auch mein kleiner Shop und der Podcast „Kaffee, Kreide, Morgenspruch“ machen Ferien.
Doch noch in den Ferien, nämlich ab Mitte Juli, darf ich Euch schon meine neue Publikation präsentieren, den neu gestalteten Förderraum der Schule mit einrichten und mich auf ein ganz besonderes Schuljahr mit neuen Aufgaben und Projekten einstimmen. Wird alles hier zu lesen sein 🙂

Gebloggt wird weiter!

Was wäre ich ohne die Schreiberei? Keine Erholung ohne Schreiberei. Auch wird es wieder schöne Ferienklänge in meinem Podcast „Märchen mit Klang“ geben. Seid gespannt und schaut weiter vorbei. Dieser Beitrag zeigt ja schon die vielen Themen, die diese Zeit so mitbringt.

Ich wünsche allen eine schöne restliche Schulzeit und – wer sie auch schon hat – schöne Ferien!

Was bringen Kinder mit?

Am Wochenende war ich mit Dustin auf der didacta Bildungsmesse in Köln und habe natürlich auch die Stände des Bundes der Freien Waldorfschule / Pädagogische Forschungsstelle und des Verlages Freies Geistesleben ausgiebig besucht. Dabei habe ich mal wieder den einen oder anderen Schatz gefunden. Den ersten davon möchte ich Euch gleich vorstellen: Ein sehr inspirierendes Buch vom Verlag Freies Geistesleben (unbeauftragte Werbung).

Es geht um die angeborene Spiritualität von Kindern und wie sich diese bei der künstlerischen Arbeit offenbart.

Im pädagogischen Diskurs, in der Literatur, geht es vor allem darum, was die Kinder alles nicht können (…) und selten darum, was die Kinder selber sind und offenbaren.

Christiane von KönigslöW im Vorwort ihres Buches „Der Engel – das bin ich“, Verlag Freies Geistesleben

Inspiration: „Der Engel – das bin ich…“

Es ist immer etwas anderes, ob man ein Buch im Katalog findet oder einmal live in den Händen hält. Ich glaube, dieses Buch wäre mir auf anderen Wegen nicht unbedingt direkt ins Auge gesprungen, aber jetzt liegt es hier vor mir, ich finde es einfach sehr inspirierend und bin dankbar dafür.

Kinderzeichnungen und -bilder sind ohnehin ein Steckenpferd von mir, ebenso beschäftigt mich die Spiritualität, die Kinder von klein auf in sich tragen. Auf beides geht nun dieses Buch in sehr schöner Weise ein.

Worum geht es in dem Buch?

Die Autorin ist Kindergärtnerin und beschreibt einige künstlerischen Prozesse mit ihrer Kindergruppe. Sie legt übrigens großen Wert darauf Kindergärtnerin zu sein, denn eine Gärtnerin empfindet Freude an der Schönheit der Welt, dem Natürlichen und ergreift sie für sich, kann sie bestenfalls zum Positiven weiter verwandeln. Eine Gärtnerin umgibt eine Atmosphäre von Kreativität, die Welt mit naturgegebenen Dingen zu „schmücken“, ein sehr schöner Gedanke in Bezug auf die Arbeit mit Kindern, wie ich finde.

In dem Buch beschreibt sie nun sehr feinfühlig, wie die Kinder ins Malen finden und wie das Gemalte etwas Inneres, Spirituelles nach außen trägt. Sie zeigt einige der Kunstwerke „ihrer“ Kinder und dokumentiert, was die Kinder über ihre Kunstwerke gesagt haben oder mit welchen Worten sie auch untereinander darüber gesprochen haben.

Als Leser:in kann man Anteil daran nehmen, die innere Haltung der Autorin mit einnehmen und gleichzeitig seine eigenen Antennen dafür sensibilisieren, was man gerade bei der Arbeit mit jüngeren Kindern an Schätzen entdecken kann. Wie die Kinder sich zeigen, was tief in ihren lebt und sie bereits von sich aus mitbringen. Daran erinnert dieses Buch aus dem Alltag heraus.

Sehr schön nachzuvollziehen sind auch kreative Spielprozesse und Rituale wie das vorgestellte „Arche Noah Spiel“.

Was bedeutet das für unsere Schulanfänger:innen?

Ja, richtig gelesen: In dem Buch geht es um eine Kindergartengruppe. Ich arbeite mit Schulkindern. Doch unsere Schulanfänger:innen haben ihr erstes Jahrsiebt ja auch noch nicht abgeschlossen und auch in ihnen liegen viele Schätze, die sich entdecken lassen. Wenn sie zu uns in die Schule kommen, sollten wir genau das auch deutlich wahrnehmen. Deshalb würde ich dieses Buch auch allen Lehrer:innen zur Auffrischung und Vertiefung empfehlen, die mit dieser Altersgruppe zu tun haben. Abgesehen von dem Wechsel und den Unterschiedenen der Institutionen Schule und KiTa gibt es in der kindlichen Entwicklung selbst diesen großen Sprung in der seelischen Entwicklung beim Eintritt in die Schule nicht. Dieser folgt der allgemeinen Schulreife erst im dritten Schuljahr nach.

Und was inspiriert mich dabei?

Ich habe seit einiger Zeit jedes Jahr die Klassen 1 und 2 im Musikunterricht, ein ebenfalls sehr kreatives Unterrichtsfach. Und die Kinder bewegen sich auch in dieser Atmosphäre, teilweise noch sehr stark spürbar. Wir sollten daher nicht nur unterrichten, sondern auch die Möglichkeit wahrnehmen, diesen inneren Wesenskern der Kinder durch die künstlerische Arbeit noch mehr kennenzulernen. Die Waldorfpädagogik ist eine Pädagogik der Beziehung!

Ich erlebe es beispielsweise immer als sehr besonderen Moment, wenn die Kinder die Kinderharfe kennenlernen und mit der Zeit etwas auf ihr spielen dürfen. „Mein Engel spielt sie auch“, habe ich da schon gehört. Oder bestimmte Namen, die Kinder meinen verschiedenen unkonventionellen Instrumenten nach Klängen geben. Meine Schwingstäbe aus Bronze wurden beispielsweise von meiner Klasse „Sternenstäbe“ genannt. Auch die verschiedenen Klänge locken immer wieder etwas hervor, das die Kinder offenbaren.

Ich finde es wichtig, auch dafür sensibel zu sein und zu bleiben. Im besten Sinne:

Link zum Buch

Wer sich für dieses Buch interessiert und meinen Blog unterstützen möchte, kann es über meinen Kooperationspartner Thalia unter diesem Link bestellen.

Zeit der Zeugnissprüche

„Ist er schon da?“ Das ist die Frage aller Fragen. „Natürlich ist er schon da. Dein Zeugnisspruch fürs nächste Schuljahr. Bitte male schon einmal ein Aquarell, auf das ich ihn schreiben kann.“ Zu keiner Zeit im Jahr zeigt sich so intensiv die Verbundenheit zwischen den Kindern der Klasse und mir nach außen, wie ich finde.

Jedes Kind vor dem inneren Auge

Alles, was man das Jahr über von jedem einzelnen Kind gesammelt hat – notierte Eindrücke, Arbeitsergebnisse und auch innere Bilder – das wird nun sorgsam in den Zeugnisberichten zu Papier gebracht. Die Beschäftigung mit jedem einzelnen Kind bewirkt, dass die Verbindung noch einmal mehr deutlich zu spüren ist. Und das macht auch etwas mit den Kindern. Allerdings ist gerade dieses „etwas“ nicht genau in Worte zu fassen. Jedenfalls nicht in erklärende, versachlichende Worte. Aber zum Glück gibt es ja Zeugnissprüche.

Künstlerische Zugewandtheit auf beiden Seiten

Die Beschäftigung mit jedem einzelnen Kind erreicht nicht nur mich als Lehrerin, sondern auch die Kinder auf einer sehr feinfühligen Ebene. Die Ebene, in der Kunst wirksam ist und zum Ausdruck kommt. Das gemeinsame Kunstwerk: Die Zeugnissprüche.

„Bereitet mir schon einmal ein Aquarell für den neuen Zeugnisspruch vor“

Das ist der Auftrag. Dann malt jedes Kind ganz in Ruhe und für sich. Es gilt, darauf zu achten, dass ich meinen Text gut platzieren kann. Den Rest bestimmen die Kinder selbst. Am Ende geschieht dann das ganz Besondere: Zeugnisspruch und Aquarell harmonieren miteinander, ohne sich vorab „gekannt“ zu haben:

Die Kinder haben nicht zu einem Spruch aquarelliert,
ich habe die Sprüche nach dem Betrachten eines Aquarells geschrieben.

Trotzdem passt beides zusammen.

Und wenn man gar nicht selbst schreibt?

Ich habe plötzlich Verse im Kopf, schreibe sie nieder und weiß genau, für wen sie sind. Da dies so unvermittelt geschieht, habe ich mein Notizbüchlein für die Zeugnissprüche immer bei mir. Ich schreibe nun einmal leidenschaftlich gern. Waldorflehrer:innen, die nicht selbst schreiben, sondern in Büchern die passenden Sprüche für ihre Schüler:innen finden, erleben Ähnliches. Sie lesen einen Spruch und wissen genau, für wen er ist. Von daher bin ich der Auffassung, dass Selbstschreiben und Finden-durch-lesen keine unterschiedlichen Qualitäten sind, sondern nur unterschiedliche Zugänge für eine zwischenmenschliche Ebene, die nicht nur versachlicht dargestellt werden kann.

Es ist übrigens auch diese künstlerische Arbeit, die mir beim „verkopften“ Schreiben der vielen Berichte immer wieder den Akku auflädt.

Mehr über Zeugnissprüche

Rosinas Wolle auf dem Waldorf Bücherbasar

Zum Auftakt dieser Themenwoche stelle ich mein erstes Buch „Rosinas Wolle“ vor, das inzwischen in der ersten Auflage fast ausverkauft ist. Ich freue mich riesig über die Resonanz. Die Geschichte handelt von Schaf Rosina, das im Frühjahr als Lamm auf die Schafwiese kommt, alle Jahreszeiten erlebt und an einem Montag, wieder im Frühling, die erste Schur erhalten soll. Doch sie ist trotzig und sagt: „Meine Wolle bleibt dran.“ Die Woche nimmt einen ganz besonderen Lauf.

Schafwolle als kostbarer Rohstoff

Mit dem Büchlein lernen die Kinder Schafwolle als kostbaren, nachwachsenden Rohstoff kennen, der vielseitig zu verarbeiten ist. Auch die Schritte der Wollverarbeitung – vom Waschen, Kämmen, Verspinnen zum Stricken – werden liebevoll erklärt.

Doch „Rosinas Wolle“ ist auch eine Geschichte über Freundschaft und dem Geben und Nehmen.

Geschichte mit Wollwerkstatt

Rosina gibt es wirklich! Ihre erste Besitzerin ist eine liebe Freundin von mir, die jahrelang mit Kindern Wollwerkstätten durchgeführt hat. Diese schöne, naturnahe Arbeit mit allen Sinnen wollte ich gerne in die Geschichte einfließen lassen. So entstand dann auch das kostenlose Zusatzmaterial „Rosinas Wollwerkstatt“, das Ihr hier zum Download bekommt.

Mehr über Rosinas Wolle

Hier findet Ihr einen früheren Blogartikel über die Entstehung des Projektes.

Einen ersten Blick ins Buch könnt Ihr hier vornehmen.

Einsatz in der Schule und zum Lernen zu Hause

Inzwischen werden auch schon Klassensätze bei mir bestellt, was mich wirklich sehr freut! Das Buch ist mit seinem Fabelcharakter auch eine schöne erste Lektüre in Klasse 2.

Es eignet sich ebenso zum Einstieg in das Fach Handarbeit in Klasse 1.

Wer es zum Einführen der drei Wortarten Nomen, Verben, Adjektive verwenden will, kann sich auch hier umschauen. Ein schönes Wortspiel ist auch „Rosinas Wortsalat“:

Hier ist ein schönes Fingerspiel mit Wolle, das ebenfalls Teil des Zusatzmaterials ist:

Der Weg zum Buch

Das Buch erhaltet Ihr in meinem Shop , im Waldorfshop, bei Glomer Buchversand und überall, wo es Bücher gibt. Im Zuge des Waldorf Bücherbasars könnt Ihr es auch zusammen mit einem Beutel Märchenwolle gewinnen. Einfach hier oder bei Instagram bis zum 14.5.2022 einen Kommentar hinterlassen. Es wandert wieder alles in einen Topf und wird am Sonntag gelost. Ich wünsche Euch viel Glück!

Teilnahme ab 18 und innerhalb der EU, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

In Sicherheit

In der vergangenen Woche stand unser Familienleben etwas Kopf. Es ging sehr schnell, dass wir eine geflüchtete Frau aus der Ukraine bei uns aufgenommen haben. Da mich zu diesem Thema viele Fragen erreicht haben, fasse ich heute einmal unsere ganz persönlichen Erfahrungswerte nach einer Woche zusammen.

Unterkünfte bei Privatleuten

Bislang war die Unterbringung von Geflüchteten meist in Sammelunterkünften organisiert, Privatleute mit ihren Wohnungen und Räumen außen vor. Das ist diesmal anders. Jeder kann und darf eine Unterkunft anbieten, so dass dieses Thema auch von vielen bewegt wird und Fragen aufwirft. Insbesondere natürlich die Frage, ob man sich eine Aufnahme zutrauen kann, wenn man noch ein Zimmer übrig hat.

Wir haben uns schnell entschieden, es gab aber auch besondere Umstände

In der lokalen Presse hatten wir bereits mitverfolgt, dass in unserer Stadt die ersten Geflüchteten angekommen sind und dies über ein privates Netzwerk organisiert wurde. Zeitgleich wurde auch die Webseite Waldorf hilft Ukraine vom Bund der Freien Waldorfschulen gestartet, wo ebenfalls Hilfsangebote eingestellt werden können. So passierte bereits viel „vor unserer Haustür“, das wir aufmerksam verfolgten.

Es kreisten also unsere Gedanken schon zu dem Thema, als eine Schülerin meiner Klasse, die bei uns „um die Ecke“ wohnt, am Freitagmorgen berichtete, dass am Abend zuvor eine junge Mutter mit Kleinkind bei ihnen eingezogen war. Da habe ich zunächst den Eltern meine (nachbarschaftliche) Hilfe angeboten. Am Samstag bekamen wir dann schon die Nachricht, dass auch die Mutter der jungen Frau inzwischen geflohen sei und eine Unterkunft benötige. Der Gedanke, die Familie durch eine Unterkunft bei uns in dieser extremen Notlage wieder zusammenführen zu können, ließ uns dann ziemlich spontan als Familie die Entscheidung treffen, ein Zimmer mit eigenem Bad bei uns anzubieten.

Wir haben an diesem Samstag alle Wochenendpläne über Bord geworfen, mein Arbeitszimmer zu einem Gästezimmer umgestaltet, das Badezimmer vorbereitet und noch einen kleinen Ikea-Einkauf am Abend eingeschoben. Am nächsten Morgen erfolgten dann die letzten Handgriffe.

Die Ankunft

Bereits am Sonntagnachmittag kam unsere neue Mitbewohnerin körperlich erschöpft und emotional sehr aufgewühlt bei uns an. Noch nie in ihrem Leben war sie irgendwohin gereist und hatte nun plötzlich eine Flucht hinter sich.

Unsere Haustür war noch gar nicht wieder geschlossen, da musste mein Mann schon unser WLAN-Passwort ins Handy eingeben. Das Handy – allerwichtigstes Utensil, um in Kontakt zu bleiben. Nicht zu vergessen: Die Übersetzer App! Dabei hatte sie zuvor gar kein Handy besessen und so gab es noch kleinere Schwierigkeiten, es zu bedienen. Allerdings lieb es dabei nicht lange.

Zimmer beziehen

In unserer Vorstellung hatte sie in ihrem Koffer ihre wichtigsten persönlichen Dinge, mit denen sie sich nun einrichten würde. Weit gefehlt: Flüchten heißt, um das eigene Überleben zu kämpfen. Da hilft nichts außer Nahrungsmittel. Somit war in ihrer Reisetasche nur ein Essensvorrat, den sie sogleich im Kühlschrank aufbewahren wollte. Alle anderen Dinge, von Wäsche bis zur Seife, fehlten im Gepäck. Wir waren aber soweit auf alles vorbereitet, glücklicherweise konnte ich schnell von einer Kollegin Kleidung in passender Größe organisieren.

Anlaufstelle im Nachbarort

Nur 2 km von uns entfernt, im Nachbarort, ist von ehrenamtlichen Helfern ein Spendenlager für Geflüchtete eingerichtet worden: Von Bettzeug über Kleidung, Hygieneartikel und Lebensmittel, ist dort alles für den täglichen Bedarf kostenfrei erhältlich. Dort hätten wir auch vor der Aufnahme alles bekommen. Man wird auch sehr gut beraten und unterstützt.

Die drei waren in den letzten Tagen mit mir und auch der anderen Familie dort. Nun denke ich aber, dass sie wirklich mit allem ausgestattet sind und es ist auch nicht nötig, dass sie von dort Lebensmittel beziehen – auch wenn sie gern würden. Denn sie möchten uns am liebsten in keinster Weise zur Last fallen. Es ist ihnen nicht angenehm, plötzlich auf fremde Menschen völlig angewiesen zu sein.

Helfen und Hilfe annehmen

Da wären wir schon beim nächsten Thema. Wir erleben gerade in unserem Freundes- und Familienkreis eine große Anteilnahme – und dass jeder am liebsten etwas geben und helfen möchte. Doch hat sich herausgestellt, dass zu viele „Geschenke“ das Abhängigkeitsgefühl bei den Geflüchteten verstärken.

Unsere neue Mitbewohnerin möchte definitiv etwas zurückgeben und fragte von Beginn an jeden Tag, was denn sie für uns tun könnte. Meine erste Reaktion war: „Erholt Euch doch erst einmal, es ist alles in Ordnung, macht Euch keine Gedanken.“ Doch es war auch ziemlich schnell zu bemerken, dass dadurch die Last noch größer wurde. Inzwischen übernimmt sie kleinere Dinge im Haushalt und fühlt sich dadurch etwas wohler. Es hat sich Vieles eingespielt in den letzten Tagen.

Umgang mit Lebensmitteln

Hier hat die ganze Familie nochmal dazugelernt. Auch wenn wir immer schon darauf achten, umsichtig und wenig verschwenderisch mit Lebensmitteln umzugehen. Unsere Mitbewohnerin hat kaum etwas frisch Zubereitetes von uns angenommen, sondern aus Höflichkeit dann eine Kleinigkeit mitgegessen, sich aber weiterhin hauptsächlich von ihren Vorräten der Flucht (Sandwiches, Riegel, Konserven) ernährt. Wenn abends Tee übrig bleibt, wärmt sie ihn sich morgens auf.

Wir achten nun noch mehr darauf, dass wir keine Reste haben und dass wir vor ihren Augen nicht etwa abgestandenen Tee wegschütten.

Eindrücke in der Familie besprechen

Wie Ihr sicherlich schon zwischen den Zeilen lesen konntet, ist unsere Mitbewohnerin ziemlich zurückgezogen und bemüht, uns am besten keine Umstände zu machen. Trotzdem bekommt man natürlich mit, dass sie – vor allem abends – sorgenvoll den Kontakt zur Heimat hält und sich berichten lässt, was vor Ort geschieht. Ihr Wohnhaus existiert inzwischen nicht mehr. Gut, dass sie hier in Sicherheit ist und ihre Tochter unterstützen kann, die um ihren Mann im Krieg bangt. Schlimm, dass ihre schwer kranke Mutter aus dem Krankenhaus evakuiert wurde und sie nicht bei ihr sein kann. Inzwischen hungern ihre Eltern, es gibt nichts mehr in den Läden. Ihre Nächte sind lang und sorgenvoll.

Das, was wir davon mitbekommen, macht sehr betroffen. Wir können es miteinander in der Familie gut besprechen und auffangen. Für unsere Kinder im Alter von 13 und 16 Jahren ist es wichtig, dass wir hier etwas tun können und „unsere“ Geflüchteten in Sicherheit sind.

Auch das große Kind, das schon ausgezogen ist, erfährt natürlich, was bei uns zu Hause passiert.

Die Sprachbarriere

Wir hatten zunächst die Hoffnung, ein bisschen Englisch sprechen zu können, doch es stellte sich bald heraus, dass man in Sachen Sprache keinen gemeinsamen Nenner hat. Unsere Waldorfschule bietet auch kein Russisch an, so dass wir komplett auf die Übersetzer App angewiesen sind. Doch auch die verstehen wir immer besser 🙂

„Ich gehe mein Pferd streicheln“ heißt beispielsweise „Haare waschen“. Wir haben also auch skurrile Momente …. Ich bin oft gefragt worden, warum Russisch und nicht Ukrainisch. Sicher weiß ich es nicht, aber ich fürchte, der Übersetzer funktioniert mit Russisch etwas besser.

Behördengänge

Die hat mein Mann übernommen und musste sich in dem Dschungel erst zurechtfinden. Am Freitag gab es aber eine erste Barauszahlung an unsere Mitbewohnerin und so hat sie nun ein wenig eigenes Geld.

Es ist gut, dass mein Mann beruflich flexibel und im Homeoffice auch jederzeit grundsätzlich ansprechbar ist. Wer viel außer Haus ist, braucht zumindest ein verlässliches Netzwerk! Es ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, jemanden bei sich aufzunehmen, der sich in einem fremden Land zurechtfinden und familiär jederzeit mit dem Schlimmsten rechnen muss.

Wie es weitergeht

Genau wissen wir es natürlich noch nicht. Am allerliebsten würden die drei so schnell wie möglich in ihr Land zurückkehren. Bis das jedoch möglich ist, lernen sie Deutsch, wollen irgendetwas arbeiten und am besten eine eigene kleine Wohnung beziehen. Kurz gesagt: Wieder auf eigenen Füßen stehen.

Doch machen wir uns nichts vor: Das wird dauern. Und sie werden auch noch einige Zeit unsere Unterstützung benötigen.

Trotzdem ist heute unser Fazit: Wir sind froh, es gewagt zu haben und werden der kleinen Familie weiterhin zur Seite stehen.

Viele kleine Schritte

Warum ich vor 6 Uhr morgens schon blogge, sich das Montagsmärchen verspätet und wie sich unsere kleine Morgenroutine mit dem Friedensritual entwickelt.

Die letzten Tage hatten es in sich und haben unseren Alltag ziemlich auf den Kopf gestellt – wenn`s mehr nicht ist! Innerhalb von 24 Stunden habe ich mein Arbeitszimmer aufgelöst und einer geflüchteten Dame zur Verfügung gestellt. Nun gilt es, Schulorganisation, Blog und Podcasts etwas zu verlagern – wenn` s mehr nicht ist!

Werte verändern sich

Es ist hier also gerade etwas turbulent und der Google Übersetzer ist unser ständiger Begleiter, Freund und Helfer 🙂 Man spürt aber schon, wie die Dinge beginnen, sich einzupendeln. Und auch, dass Werte sich verschieben. Ich bitte daher in diesen Tagen um etwas Geduld mit meinen außerschulischen Projekten.

Friedenswünsche in der Schule

Unser neues Morgenritual, die Friedenskerze anzuzünden und sie jeden Tag auf einem anderen Schülertisch aufzustellen, wird sehr gern angenommen. Danach folgt das Friedensgebet von Franziskus. Gestern haben wir auch darüber gesprochen, dass dies selbstverständlich nicht das einzige Friedensgebet ist und sich alle Religionen den Frieden wünschen. Daher spricht ab dieser Woche auch mein lieber Kollege ein muslimisches Friedensgebet für meine Klasse – erst auf arabisch, danach auf Deutsch. Wir möchten die Friedensgebete der Welt kennenlernen! Und ich hoffe, dass wir mit der Zeit auch eigene Worte finden, denn Gebete sind ja auch etwas zutiefst Persönliches. Doch eins nach dem anderen.

Für unser Freiarbeitsregal, wo es neben allgemeinen Übaufgaben auch ein Fach für Konzentration gibt, habe ich drei Mandalas erstellt, die ich auch gern hier teile:

Hier auch noch einmal die Gebetskärtchen zum Friedensgebet als Download:

Ich danke Euch für Eure Geduld!

In der Kraft bleiben

Kraftspender nutzen und bewahren, Kräftezehrendes im Blick behalten. Die Schultage sind momentan wenig planbar, die Terminkalender voll. Da ist es wichtig, Freiräume zu erhalten und die festen Haltepunkte des Tages bewusst wahrzunehmen. Darüber sprechen Dustin und ich in der Februar-Folge von Kaffee, Kreide, Morgenspruch.


Zeit für mich am Morgen

Es zeigte sich, dass wir da schon grundverschieden sind und doch gelingt es uns beiden recht gut, auf unsere eigene Weise mit den Kräften zu haushalten. Dustin findet seinen Ausgleich im Sport, bei mir sind es Meditation und Routinen. Ich stelle Euch hier einmal Tagesbeginn und -abschluss vor.

Me-Time am Morgen

So startet mein Tag. Dies habe ich mir angewöhnt, als meine Kinder noch sehr klein waren und habe es bis heute beibehalten: Vor allen anderen Familienmitgliedern aufzustehen, in Ruhe zu duschen, zu frühstücken (ich bin ein Frühstücksmensch) und noch einmal ganz in Ruhe meine Pläne für den Tag durchzugehen. Das verschafft mir eine gewisse innere Ordnung trotz vielerlei Dinge, die dann im Laufe des Tages noch meine spontane Reaktion erfordern.

Seelenübung „Rückwärts denken“ am Abend

Meditation hat auf verschiedene Weise bei mir einen Platz im Alltag. Die Routine, die ich hier und im Podcast vorstelle, ist eine meditative Übung, wie sie auch zur Stärkung der Seelenkräfte von R. Steiner angeregt wurde. Sie gefällt mir sehr und ist zu einer guten Gewohnheit geworden. Es geht darum, dass Seeleninhalte, die durch äußere Dinge auf uns einwirken, von einem anderen Gesichtspunkt aus wahrgenommen werden. Es ist wiederum ein Moment der inneren Ordnung.

Dabei geht man in Gedanken die Erlebnisse des Tages nacheinander durch und zwar chronologisch „rückwärts“, also von abends schrittweise bis zum Aufstehen am Morgen des Tages.

Kaffee, Kreide, Morgenspruch

Wir unterhalten uns also über Freiräume und Haltepunkte, unsere aktuellen Unterrichte und erstmals ist unsere neue Rubrik „Waldorf stellt sich vor“ an der Reihe. Den Anfang macht „meine“ Schule, die Freie Waldorfschule Hamm. Zu Gast war mein Kollege Horst Konrad, der viel über die Geschichte unserer Schule und ihre Besonderheiten erzählt hat.

Hier ist der Link zum Podcast

Die Montag – Mittwoch – Balance

In diesem Schuljahr ist der Montag immer gleich der rasante Start in die Woche – das ist schon ganz nach meinem Geschmack, schließlich fing bei mir an einem Montag alles an… Der Gegenpol dazu ist in diesem Schuljahr der Mittwoch, für mich ein kurzer Schultag, an dem ich schon um 12 Uhr meine Unterrichte erledigt habe. Als Tag vor dem langen Donnerstag halte ich ihn mir möglichst frei von Terminen und festen Verpflichtungen.

Zwei gegensätzliche Tage in meinem Wochenverlauf – ich lieb`s

Tag der Komfortzone

Streng genommen unterscheidet sich der Mittwoch gar nicht so sehr von den anderen Tagen. Die üblichen Aufgaben wie Unterrichtsvorbereitungen, Emails, Schulleitungskommunikation – all das findet natürlich auch und im vollen Umfang am Nachmittag statt.

Da ich aber früh zu Hause und bewusst frei von Terminen oder anderen festen Verpflichtungen bin, nehme ich mir an diesem Tag immer wieder kleine, achtsame Pausen und genieße die Besonderheiten dieses Tages. Das beginnt schon damit, dass ich ganz in Ruhe für uns alle kochen kann. Wenn die Kinder dann von der Schule zurückkommen, ist alles fertig für ein gemütliches, gemeinsames Mittagessen. Auch mein Mann hat seine Mittagspause.

Nach dem Essen wieder etwas Arbeit – dann alle elektronischen Geräte an die Seite für eine Tee- und Spielezeit. Weitere Arbeitszeit, dann ein kleiner Spaziergang. Schauen, was an Nachrichten und Emails gekommen ist – dann Querflöte üben und alles für den nächsten Tag packen.

Haltgebende Wochenstruktur

So eine Wochenstruktur ist ja überhaupt nichts Neues und gibt uns allen schon immer Halt. Meist hat man das gar nicht so wirklich wahrgenommen. Wahrscheinlich genieße ich in letzter Zeit den Mittwoch so sehr, weil um mich herum wieder mal alles im Corona-Chaos versinkt und der gewohnt ruhige Tag zu Hause einfach ein Fels in der Brandung ist.

Work-Life-Balance oder Montag-Mittwoch-Balance.

Herbstferien: Halbzeit!

Es ist gerade einmal die erste Woche der Herbstferien vorbei und es kommt mir vor, als wäre schon viel mehr Zeit vergangen: Wir haben zu Hause renoviert und schon Vieles geschafft, ein langes, erholsames Wochenende liegt hinter uns. In der kommenden Woche steht aber auch noch so Einiges an.

Das Wochenende war sehr erholsam

Mein eigenes Arbeitszimmer

Durch unsere „Zimmerumzüge“ habe ich jetzt ein eigenes Arbeitszimmer bekommen, das aber auch gleichzeitig das Gästezimmer für unser großes Kind ist. Hier werde ich in den nächsten Tagen mein kleines Tonstudio für die Podcasts noch weiter ausbauen und darauf freue ich mich schon sehr.

Ich habe natürlich auch für die Schule viele Vorbereitungen zu erledigen, etwa die neue Rechenrallye, Wendediktate und Wörterbuchübungen erstellen und in den Erzählstoff der nordischen Mythologie weiter eintauchen. Die unteren Klassen werden nach den Ferien im Fach Musik wieder St. Martin, das Adventsgärtlein und die Vorweihnachtszeit mit Klängen und Liedern begleiten, das wird eine besonders schöne Zeit, die ich auch wieder für die diesjährigen Klassen neu und passend gestalte.

Mein Montagskindblog wird in nächster Zeit auch noch etwas überarbeitet, aber das wird wohl erst nach den Ferien etwas, seid gespannt.

Zeit für Besuch

Die kommende Woche ist auch für Familie und Freunde reserviert. Wir werden viel Besuch bekommen und sind auch mit Freunden verabredet. So lässt es sich weiter auftanken.

Abstand und gute Vorbereitung

Das ist also mein Ferienrezept. Etwas Ausbruch aus dem gewohnten Alltag, Zeit für Schönes genießen und den Rücken ein Stück weit frei machen für alles, was noch ansteht: Eine gute Planung für das zweite Quartal des Schuljahres lässt doch zuversichtlich in die Herbst-/Winterzeit starten.