Zeit der Zeugnissprüche

„Ist er schon da?“ Das ist die Frage aller Fragen. „Natürlich ist er schon da. Dein Zeugnisspruch fürs nächste Schuljahr. Bitte male schon einmal ein Aquarell, auf das ich ihn schreiben kann.“ Zu keiner Zeit im Jahr zeigt sich so intensiv die Verbundenheit zwischen den Kindern der Klasse und mir nach außen, wie ich finde.

Jedes Kind vor dem inneren Auge

Alles, was man das Jahr über von jedem einzelnen Kind gesammelt hat – notierte Eindrücke, Arbeitsergebnisse und auch innere Bilder – das wird nun sorgsam in den Zeugnisberichten zu Papier gebracht. Die Beschäftigung mit jedem einzelnen Kind bewirkt, dass die Verbindung noch einmal mehr deutlich zu spüren ist. Und das macht auch etwas mit den Kindern. Allerdings ist gerade dieses „etwas“ nicht genau in Worte zu fassen. Jedenfalls nicht in erklärende, versachlichende Worte. Aber zum Glück gibt es ja Zeugnissprüche.

Künstlerische Zugewandtheit auf beiden Seiten

Die Beschäftigung mit jedem einzelnen Kind erreicht nicht nur mich als Lehrerin, sondern auch die Kinder auf einer sehr feinfühligen Ebene. Die Ebene, in der Kunst wirksam ist und zum Ausdruck kommt. Das gemeinsame Kunstwerk: Die Zeugnissprüche.

„Bereitet mir schon einmal ein Aquarell für den neuen Zeugnisspruch vor“

Das ist der Auftrag. Dann malt jedes Kind ganz in Ruhe und für sich. Es gilt, darauf zu achten, dass ich meinen Text gut platzieren kann. Den Rest bestimmen die Kinder selbst. Am Ende geschieht dann das ganz Besondere: Zeugnisspruch und Aquarell harmonieren miteinander, ohne sich vorab „gekannt“ zu haben:

Die Kinder haben nicht zu einem Spruch aquarelliert,
ich habe die Sprüche nach dem Betrachten eines Aquarells geschrieben.

Trotzdem passt beides zusammen.

Und wenn man gar nicht selbst schreibt?

Ich habe plötzlich Verse im Kopf, schreibe sie nieder und weiß genau, für wen sie sind. Da dies so unvermittelt geschieht, habe ich mein Notizbüchlein für die Zeugnissprüche immer bei mir. Ich schreibe nun einmal leidenschaftlich gern. Waldorflehrer:innen, die nicht selbst schreiben, sondern in Büchern die passenden Sprüche für ihre Schüler:innen finden, erleben Ähnliches. Sie lesen einen Spruch und wissen genau, für wen er ist. Von daher bin ich der Auffassung, dass Selbstschreiben und Finden-durch-lesen keine unterschiedlichen Qualitäten sind, sondern nur unterschiedliche Zugänge für eine zwischenmenschliche Ebene, die nicht nur versachlicht dargestellt werden kann.

Es ist übrigens auch diese künstlerische Arbeit, die mir beim „verkopften“ Schreiben der vielen Berichte immer wieder den Akku auflädt.

Mehr über Zeugnissprüche

Rosinas Wolle auf dem Waldorf Bücherbasar

Zum Auftakt dieser Themenwoche stelle ich mein erstes Buch „Rosinas Wolle“ vor, das inzwischen in der ersten Auflage fast ausverkauft ist. Ich freue mich riesig über die Resonanz. Die Geschichte handelt von Schaf Rosina, das im Frühjahr als Lamm auf die Schafwiese kommt, alle Jahreszeiten erlebt und an einem Montag, wieder im Frühling, die erste Schur erhalten soll. Doch sie ist trotzig und sagt: „Meine Wolle bleibt dran.“ Die Woche nimmt einen ganz besonderen Lauf.

Schafwolle als kostbarer Rohstoff

Mit dem Büchlein lernen die Kinder Schafwolle als kostbaren, nachwachsenden Rohstoff kennen, der vielseitig zu verarbeiten ist. Auch die Schritte der Wollverarbeitung – vom Waschen, Kämmen, Verspinnen zum Stricken – werden liebevoll erklärt.

Doch „Rosinas Wolle“ ist auch eine Geschichte über Freundschaft und dem Geben und Nehmen.

Geschichte mit Wollwerkstatt

Rosina gibt es wirklich! Ihre erste Besitzerin ist eine liebe Freundin von mir, die jahrelang mit Kindern Wollwerkstätten durchgeführt hat. Diese schöne, naturnahe Arbeit mit allen Sinnen wollte ich gerne in die Geschichte einfließen lassen. So entstand dann auch das kostenlose Zusatzmaterial „Rosinas Wollwerkstatt“, das Ihr hier zum Download bekommt.

Mehr über Rosinas Wolle

Hier findet Ihr einen früheren Blogartikel über die Entstehung des Projektes.

Einen ersten Blick ins Buch könnt Ihr hier vornehmen.

Einsatz in der Schule und zum Lernen zu Hause

Inzwischen werden auch schon Klassensätze bei mir bestellt, was mich wirklich sehr freut! Das Buch ist mit seinem Fabelcharakter auch eine schöne erste Lektüre in Klasse 2.

Es eignet sich ebenso zum Einstieg in das Fach Handarbeit in Klasse 1.

Wer es zum Einführen der drei Wortarten Nomen, Verben, Adjektive verwenden will, kann sich auch hier umschauen. Ein schönes Wortspiel ist auch „Rosinas Wortsalat“:

Hier ist ein schönes Fingerspiel mit Wolle, das ebenfalls Teil des Zusatzmaterials ist:

Der Weg zum Buch

Das Buch erhaltet Ihr in meinem Shop , im Waldorfshop, bei Glomer Buchversand und überall, wo es Bücher gibt. Im Zuge des Waldorf Bücherbasars könnt Ihr es auch zusammen mit einem Beutel Märchenwolle gewinnen. Einfach hier oder bei Instagram bis zum 14.5.2022 einen Kommentar hinterlassen. Es wandert wieder alles in einen Topf und wird am Sonntag gelost. Ich wünsche Euch viel Glück!

Teilnahme ab 18 und innerhalb der EU, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

In Sicherheit

In der vergangenen Woche stand unser Familienleben etwas Kopf. Es ging sehr schnell, dass wir eine geflüchtete Frau aus der Ukraine bei uns aufgenommen haben. Da mich zu diesem Thema viele Fragen erreicht haben, fasse ich heute einmal unsere ganz persönlichen Erfahrungswerte nach einer Woche zusammen.

Unterkünfte bei Privatleuten

Bislang war die Unterbringung von Geflüchteten meist in Sammelunterkünften organisiert, Privatleute mit ihren Wohnungen und Räumen außen vor. Das ist diesmal anders. Jeder kann und darf eine Unterkunft anbieten, so dass dieses Thema auch von vielen bewegt wird und Fragen aufwirft. Insbesondere natürlich die Frage, ob man sich eine Aufnahme zutrauen kann, wenn man noch ein Zimmer übrig hat.

Wir haben uns schnell entschieden, es gab aber auch besondere Umstände

In der lokalen Presse hatten wir bereits mitverfolgt, dass in unserer Stadt die ersten Geflüchteten angekommen sind und dies über ein privates Netzwerk organisiert wurde. Zeitgleich wurde auch die Webseite Waldorf hilft Ukraine vom Bund der Freien Waldorfschulen gestartet, wo ebenfalls Hilfsangebote eingestellt werden können. So passierte bereits viel „vor unserer Haustür“, das wir aufmerksam verfolgten.

Es kreisten also unsere Gedanken schon zu dem Thema, als eine Schülerin meiner Klasse, die bei uns „um die Ecke“ wohnt, am Freitagmorgen berichtete, dass am Abend zuvor eine junge Mutter mit Kleinkind bei ihnen eingezogen war. Da habe ich zunächst den Eltern meine (nachbarschaftliche) Hilfe angeboten. Am Samstag bekamen wir dann schon die Nachricht, dass auch die Mutter der jungen Frau inzwischen geflohen sei und eine Unterkunft benötige. Der Gedanke, die Familie durch eine Unterkunft bei uns in dieser extremen Notlage wieder zusammenführen zu können, ließ uns dann ziemlich spontan als Familie die Entscheidung treffen, ein Zimmer mit eigenem Bad bei uns anzubieten.

Wir haben an diesem Samstag alle Wochenendpläne über Bord geworfen, mein Arbeitszimmer zu einem Gästezimmer umgestaltet, das Badezimmer vorbereitet und noch einen kleinen Ikea-Einkauf am Abend eingeschoben. Am nächsten Morgen erfolgten dann die letzten Handgriffe.

Die Ankunft

Bereits am Sonntagnachmittag kam unsere neue Mitbewohnerin körperlich erschöpft und emotional sehr aufgewühlt bei uns an. Noch nie in ihrem Leben war sie irgendwohin gereist und hatte nun plötzlich eine Flucht hinter sich.

Unsere Haustür war noch gar nicht wieder geschlossen, da musste mein Mann schon unser WLAN-Passwort ins Handy eingeben. Das Handy – allerwichtigstes Utensil, um in Kontakt zu bleiben. Nicht zu vergessen: Die Übersetzer App! Dabei hatte sie zuvor gar kein Handy besessen und so gab es noch kleinere Schwierigkeiten, es zu bedienen. Allerdings lieb es dabei nicht lange.

Zimmer beziehen

In unserer Vorstellung hatte sie in ihrem Koffer ihre wichtigsten persönlichen Dinge, mit denen sie sich nun einrichten würde. Weit gefehlt: Flüchten heißt, um das eigene Überleben zu kämpfen. Da hilft nichts außer Nahrungsmittel. Somit war in ihrer Reisetasche nur ein Essensvorrat, den sie sogleich im Kühlschrank aufbewahren wollte. Alle anderen Dinge, von Wäsche bis zur Seife, fehlten im Gepäck. Wir waren aber soweit auf alles vorbereitet, glücklicherweise konnte ich schnell von einer Kollegin Kleidung in passender Größe organisieren.

Anlaufstelle im Nachbarort

Nur 2 km von uns entfernt, im Nachbarort, ist von ehrenamtlichen Helfern ein Spendenlager für Geflüchtete eingerichtet worden: Von Bettzeug über Kleidung, Hygieneartikel und Lebensmittel, ist dort alles für den täglichen Bedarf kostenfrei erhältlich. Dort hätten wir auch vor der Aufnahme alles bekommen. Man wird auch sehr gut beraten und unterstützt.

Die drei waren in den letzten Tagen mit mir und auch der anderen Familie dort. Nun denke ich aber, dass sie wirklich mit allem ausgestattet sind und es ist auch nicht nötig, dass sie von dort Lebensmittel beziehen – auch wenn sie gern würden. Denn sie möchten uns am liebsten in keinster Weise zur Last fallen. Es ist ihnen nicht angenehm, plötzlich auf fremde Menschen völlig angewiesen zu sein.

Helfen und Hilfe annehmen

Da wären wir schon beim nächsten Thema. Wir erleben gerade in unserem Freundes- und Familienkreis eine große Anteilnahme – und dass jeder am liebsten etwas geben und helfen möchte. Doch hat sich herausgestellt, dass zu viele „Geschenke“ das Abhängigkeitsgefühl bei den Geflüchteten verstärken.

Unsere neue Mitbewohnerin möchte definitiv etwas zurückgeben und fragte von Beginn an jeden Tag, was denn sie für uns tun könnte. Meine erste Reaktion war: „Erholt Euch doch erst einmal, es ist alles in Ordnung, macht Euch keine Gedanken.“ Doch es war auch ziemlich schnell zu bemerken, dass dadurch die Last noch größer wurde. Inzwischen übernimmt sie kleinere Dinge im Haushalt und fühlt sich dadurch etwas wohler. Es hat sich Vieles eingespielt in den letzten Tagen.

Umgang mit Lebensmitteln

Hier hat die ganze Familie nochmal dazugelernt. Auch wenn wir immer schon darauf achten, umsichtig und wenig verschwenderisch mit Lebensmitteln umzugehen. Unsere Mitbewohnerin hat kaum etwas frisch Zubereitetes von uns angenommen, sondern aus Höflichkeit dann eine Kleinigkeit mitgegessen, sich aber weiterhin hauptsächlich von ihren Vorräten der Flucht (Sandwiches, Riegel, Konserven) ernährt. Wenn abends Tee übrig bleibt, wärmt sie ihn sich morgens auf.

Wir achten nun noch mehr darauf, dass wir keine Reste haben und dass wir vor ihren Augen nicht etwa abgestandenen Tee wegschütten.

Eindrücke in der Familie besprechen

Wie Ihr sicherlich schon zwischen den Zeilen lesen konntet, ist unsere Mitbewohnerin ziemlich zurückgezogen und bemüht, uns am besten keine Umstände zu machen. Trotzdem bekommt man natürlich mit, dass sie – vor allem abends – sorgenvoll den Kontakt zur Heimat hält und sich berichten lässt, was vor Ort geschieht. Ihr Wohnhaus existiert inzwischen nicht mehr. Gut, dass sie hier in Sicherheit ist und ihre Tochter unterstützen kann, die um ihren Mann im Krieg bangt. Schlimm, dass ihre schwer kranke Mutter aus dem Krankenhaus evakuiert wurde und sie nicht bei ihr sein kann. Inzwischen hungern ihre Eltern, es gibt nichts mehr in den Läden. Ihre Nächte sind lang und sorgenvoll.

Das, was wir davon mitbekommen, macht sehr betroffen. Wir können es miteinander in der Familie gut besprechen und auffangen. Für unsere Kinder im Alter von 13 und 16 Jahren ist es wichtig, dass wir hier etwas tun können und „unsere“ Geflüchteten in Sicherheit sind.

Auch das große Kind, das schon ausgezogen ist, erfährt natürlich, was bei uns zu Hause passiert.

Die Sprachbarriere

Wir hatten zunächst die Hoffnung, ein bisschen Englisch sprechen zu können, doch es stellte sich bald heraus, dass man in Sachen Sprache keinen gemeinsamen Nenner hat. Unsere Waldorfschule bietet auch kein Russisch an, so dass wir komplett auf die Übersetzer App angewiesen sind. Doch auch die verstehen wir immer besser 🙂

„Ich gehe mein Pferd streicheln“ heißt beispielsweise „Haare waschen“. Wir haben also auch skurrile Momente …. Ich bin oft gefragt worden, warum Russisch und nicht Ukrainisch. Sicher weiß ich es nicht, aber ich fürchte, der Übersetzer funktioniert mit Russisch etwas besser.

Behördengänge

Die hat mein Mann übernommen und musste sich in dem Dschungel erst zurechtfinden. Am Freitag gab es aber eine erste Barauszahlung an unsere Mitbewohnerin und so hat sie nun ein wenig eigenes Geld.

Es ist gut, dass mein Mann beruflich flexibel und im Homeoffice auch jederzeit grundsätzlich ansprechbar ist. Wer viel außer Haus ist, braucht zumindest ein verlässliches Netzwerk! Es ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, jemanden bei sich aufzunehmen, der sich in einem fremden Land zurechtfinden und familiär jederzeit mit dem Schlimmsten rechnen muss.

Wie es weitergeht

Genau wissen wir es natürlich noch nicht. Am allerliebsten würden die drei so schnell wie möglich in ihr Land zurückkehren. Bis das jedoch möglich ist, lernen sie Deutsch, wollen irgendetwas arbeiten und am besten eine eigene kleine Wohnung beziehen. Kurz gesagt: Wieder auf eigenen Füßen stehen.

Doch machen wir uns nichts vor: Das wird dauern. Und sie werden auch noch einige Zeit unsere Unterstützung benötigen.

Trotzdem ist heute unser Fazit: Wir sind froh, es gewagt zu haben und werden der kleinen Familie weiterhin zur Seite stehen.

Viele kleine Schritte

Warum ich vor 6 Uhr morgens schon blogge, sich das Montagsmärchen verspätet und wie sich unsere kleine Morgenroutine mit dem Friedensritual entwickelt.

Die letzten Tage hatten es in sich und haben unseren Alltag ziemlich auf den Kopf gestellt – wenn`s mehr nicht ist! Innerhalb von 24 Stunden habe ich mein Arbeitszimmer aufgelöst und einer geflüchteten Dame zur Verfügung gestellt. Nun gilt es, Schulorganisation, Blog und Podcasts etwas zu verlagern – wenn` s mehr nicht ist!

Werte verändern sich

Es ist hier also gerade etwas turbulent und der Google Übersetzer ist unser ständiger Begleiter, Freund und Helfer 🙂 Man spürt aber schon, wie die Dinge beginnen, sich einzupendeln. Und auch, dass Werte sich verschieben. Ich bitte daher in diesen Tagen um etwas Geduld mit meinen außerschulischen Projekten.

Friedenswünsche in der Schule

Unser neues Morgenritual, die Friedenskerze anzuzünden und sie jeden Tag auf einem anderen Schülertisch aufzustellen, wird sehr gern angenommen. Danach folgt das Friedensgebet von Franziskus. Gestern haben wir auch darüber gesprochen, dass dies selbstverständlich nicht das einzige Friedensgebet ist und sich alle Religionen den Frieden wünschen. Daher spricht ab dieser Woche auch mein lieber Kollege ein muslimisches Friedensgebet für meine Klasse – erst auf arabisch, danach auf Deutsch. Wir möchten die Friedensgebete der Welt kennenlernen! Und ich hoffe, dass wir mit der Zeit auch eigene Worte finden, denn Gebete sind ja auch etwas zutiefst Persönliches. Doch eins nach dem anderen.

Für unser Freiarbeitsregal, wo es neben allgemeinen Übaufgaben auch ein Fach für Konzentration gibt, habe ich drei Mandalas erstellt, die ich auch gern hier teile:

Hier auch noch einmal die Gebetskärtchen zum Friedensgebet als Download:

Ich danke Euch für Eure Geduld!

In der Kraft bleiben

Kraftspender nutzen und bewahren, Kräftezehrendes im Blick behalten. Die Schultage sind momentan wenig planbar, die Terminkalender voll. Da ist es wichtig, Freiräume zu erhalten und die festen Haltepunkte des Tages bewusst wahrzunehmen. Darüber sprechen Dustin und ich in der Februar-Folge von Kaffee, Kreide, Morgenspruch.


Zeit für mich am Morgen

Es zeigte sich, dass wir da schon grundverschieden sind und doch gelingt es uns beiden recht gut, auf unsere eigene Weise mit den Kräften zu haushalten. Dustin findet seinen Ausgleich im Sport, bei mir sind es Meditation und Routinen. Ich stelle Euch hier einmal Tagesbeginn und -abschluss vor.

Me-Time am Morgen

So startet mein Tag. Dies habe ich mir angewöhnt, als meine Kinder noch sehr klein waren und habe es bis heute beibehalten: Vor allen anderen Familienmitgliedern aufzustehen, in Ruhe zu duschen, zu frühstücken (ich bin ein Frühstücksmensch) und noch einmal ganz in Ruhe meine Pläne für den Tag durchzugehen. Das verschafft mir eine gewisse innere Ordnung trotz vielerlei Dinge, die dann im Laufe des Tages noch meine spontane Reaktion erfordern.

Seelenübung „Rückwärts denken“ am Abend

Meditation hat auf verschiedene Weise bei mir einen Platz im Alltag. Die Routine, die ich hier und im Podcast vorstelle, ist eine meditative Übung, wie sie auch zur Stärkung der Seelenkräfte von R. Steiner angeregt wurde. Sie gefällt mir sehr und ist zu einer guten Gewohnheit geworden. Es geht darum, dass Seeleninhalte, die durch äußere Dinge auf uns einwirken, von einem anderen Gesichtspunkt aus wahrgenommen werden. Es ist wiederum ein Moment der inneren Ordnung.

Dabei geht man in Gedanken die Erlebnisse des Tages nacheinander durch und zwar chronologisch „rückwärts“, also von abends schrittweise bis zum Aufstehen am Morgen des Tages.

Kaffee, Kreide, Morgenspruch

Wir unterhalten uns also über Freiräume und Haltepunkte, unsere aktuellen Unterrichte und erstmals ist unsere neue Rubrik „Waldorf stellt sich vor“ an der Reihe. Den Anfang macht „meine“ Schule, die Freie Waldorfschule Hamm. Zu Gast war mein Kollege Horst Konrad, der viel über die Geschichte unserer Schule und ihre Besonderheiten erzählt hat.

Hier ist der Link zum Podcast

Die Montag – Mittwoch – Balance

In diesem Schuljahr ist der Montag immer gleich der rasante Start in die Woche – das ist schon ganz nach meinem Geschmack, schließlich fing bei mir an einem Montag alles an… Der Gegenpol dazu ist in diesem Schuljahr der Mittwoch, für mich ein kurzer Schultag, an dem ich schon um 12 Uhr meine Unterrichte erledigt habe. Als Tag vor dem langen Donnerstag halte ich ihn mir möglichst frei von Terminen und festen Verpflichtungen.

Zwei gegensätzliche Tage in meinem Wochenverlauf – ich lieb`s

Tag der Komfortzone

Streng genommen unterscheidet sich der Mittwoch gar nicht so sehr von den anderen Tagen. Die üblichen Aufgaben wie Unterrichtsvorbereitungen, Emails, Schulleitungskommunikation – all das findet natürlich auch und im vollen Umfang am Nachmittag statt.

Da ich aber früh zu Hause und bewusst frei von Terminen oder anderen festen Verpflichtungen bin, nehme ich mir an diesem Tag immer wieder kleine, achtsame Pausen und genieße die Besonderheiten dieses Tages. Das beginnt schon damit, dass ich ganz in Ruhe für uns alle kochen kann. Wenn die Kinder dann von der Schule zurückkommen, ist alles fertig für ein gemütliches, gemeinsames Mittagessen. Auch mein Mann hat seine Mittagspause.

Nach dem Essen wieder etwas Arbeit – dann alle elektronischen Geräte an die Seite für eine Tee- und Spielezeit. Weitere Arbeitszeit, dann ein kleiner Spaziergang. Schauen, was an Nachrichten und Emails gekommen ist – dann Querflöte üben und alles für den nächsten Tag packen.

Haltgebende Wochenstruktur

So eine Wochenstruktur ist ja überhaupt nichts Neues und gibt uns allen schon immer Halt. Meist hat man das gar nicht so wirklich wahrgenommen. Wahrscheinlich genieße ich in letzter Zeit den Mittwoch so sehr, weil um mich herum wieder mal alles im Corona-Chaos versinkt und der gewohnt ruhige Tag zu Hause einfach ein Fels in der Brandung ist.

Work-Life-Balance oder Montag-Mittwoch-Balance.

Herbstferien: Halbzeit!

Es ist gerade einmal die erste Woche der Herbstferien vorbei und es kommt mir vor, als wäre schon viel mehr Zeit vergangen: Wir haben zu Hause renoviert und schon Vieles geschafft, ein langes, erholsames Wochenende liegt hinter uns. In der kommenden Woche steht aber auch noch so Einiges an.

Das Wochenende war sehr erholsam

Mein eigenes Arbeitszimmer

Durch unsere „Zimmerumzüge“ habe ich jetzt ein eigenes Arbeitszimmer bekommen, das aber auch gleichzeitig das Gästezimmer für unser großes Kind ist. Hier werde ich in den nächsten Tagen mein kleines Tonstudio für die Podcasts noch weiter ausbauen und darauf freue ich mich schon sehr.

Ich habe natürlich auch für die Schule viele Vorbereitungen zu erledigen, etwa die neue Rechenrallye, Wendediktate und Wörterbuchübungen erstellen und in den Erzählstoff der nordischen Mythologie weiter eintauchen. Die unteren Klassen werden nach den Ferien im Fach Musik wieder St. Martin, das Adventsgärtlein und die Vorweihnachtszeit mit Klängen und Liedern begleiten, das wird eine besonders schöne Zeit, die ich auch wieder für die diesjährigen Klassen neu und passend gestalte.

Mein Montagskindblog wird in nächster Zeit auch noch etwas überarbeitet, aber das wird wohl erst nach den Ferien etwas, seid gespannt.

Zeit für Besuch

Die kommende Woche ist auch für Familie und Freunde reserviert. Wir werden viel Besuch bekommen und sind auch mit Freunden verabredet. So lässt es sich weiter auftanken.

Abstand und gute Vorbereitung

Das ist also mein Ferienrezept. Etwas Ausbruch aus dem gewohnten Alltag, Zeit für Schönes genießen und den Rücken ein Stück weit frei machen für alles, was noch ansteht: Eine gute Planung für das zweite Quartal des Schuljahres lässt doch zuversichtlich in die Herbst-/Winterzeit starten.

Aurelino – als sich der kleine Sonnenkönig auf den Weg machte

Aurelino feiert Geburtstag. Vor gut einem Jahr ist mit „Der Klang der Sonnenstrahlen“ das erste gemeinsame Hörbuch von meiner Schwester und mir erschienen, zunächst rein „physisch“ auf CD, inzwischen auch im Streaming. Unser Sonnenkönig „Aurelino“ erfreut sich mit seiner entspannenden Erdenreise seitdem wachsender Beliebtheit. Und hier erzähle ich Euch, wie diese ganz besondere Geschichte entstanden ist.

Wie alles begann

Entspannung für Kinder, in der Schule und zu Hause, ist seit Langem schon ein Thema, das mich begleitet und an dem ich aktiv arbeite, wie Ihr wisst. So fing ich dann im Rahmen meiner Weiterbildung zur Gesundheitspädagogin an, kleinere Geschichten zu schreiben, in die ich verschiedene Entspannungstechniken für Kinder und natürlich auch die Qualität der wunderbaren Audiopädie (Klangpädagogik) einfließen ließ. Das war Anfang 2018. Irgendwann wurde dabei der kleine König „Aurelino“ zum Hauptakteur. Doch meine ersten Geschichten waren eher noch einzeln zu sehen und alles andere als ein Gesamtwerk. Ich stand also vor der Aufgabe, den berühmten roten Faden zu finden.

„Wir machen das gemeinsam“

Meine Schwester Daniela hatte gerade ihren Asteya Verlag gegründet und ihr wundervolles Buch „Yoga, Mond & Sterne (Blogbeitrag) herausgebracht“, das es ebenfalls als Hörbuch, auch im Streaming (z.B. hier ), gibt. Außerdem hat sie mein Büchlein „Rosinas Wolle„, die liebevolle Schafgeschichte mit den praktischen Ideen zum Wollhandwerk mit Kindern, wunderbar verfeinert und entscheidend mit überarbeitet.

Als nächstes wollten wir dann also eine gemeinsame Geschichte rund um den kleinen Sonnenkönig Aurelino schreiben. Als erfahrene Yogalehrerin war meine Schwester ohnehin eine Bereicherung für Aurelinos Abenteuer.

Bei der Arbeit an Rosinas Wolle hat es uns sehr gut getan, tagelang am Stück an dem Büchlein zu arbeiten, begleitet von kleinen gemeinsamen Auszeiten. Und genau das nahmen wir uns jetzt auch wieder für den „Klang der Sonnenstrahlen“ vor. Wir suchten uns also einen ruhigen Rückzugsort, um wieder gemeinsam in unsere Geschichten eintauchen zu können. Das heißt für uns: Schreiben, an der frischen Luft unterwegs sein, Yoga, Hörraum und Meditation…. einfach raus aus dem Alltag sein und uns intensiv mit allem verbinden, das unsere Geschichte ausmacht. Und diese Auszeit gönnten wir uns zum Jahresanfang 2020.

„Es wird eine Heldenreise“

Die Geschichte zusammenzuführen, das war nun die große Kunst. Ziemlich schnell stand fest: Eine Heldenreise soll es werden – und so fingen wir an zu schreiben und das Puzzle zu lösen. Daniela entwickelte den Yoga- Erdengruß für die Geschichte, ich ließ die Klänge einfließen, gemeinsam fügten wir Elemente des autogenen Trainings, Achtsamkeitsübungen und andere Entspannungstechniken kindgerecht in die Geschichte ein.

Anschließend erzählten und spielten wir die Geschichte mit all ihren Klängen und Übungen, nicht mehr nur zu zweit, sondern auch mit unseren eigenen Kindern. Dabei wurden auch kleinere Details noch verfeinert. Die Geschichte wurde anschließend von Igel Records in der Reihe „Kids in Balance“ produziert und so waren wir im Juni 2020 im Tonstudio: Daniela sprach die Geschichte ein, ich spielte die Instrumente, meine kleine Nichte gab dem kleinen Sonnenkönig Aurelino ihre Stimme und sang die Lieder. Was für ein Familien-Abenteuer!

Happy Birthday, Aurelino!

Inzwischen ist ein Jahr vergangen, in dem Aurelino bei vielen Kindern für mehr Entspannung und besseres Einschlafen gesorgt hat. Wir haben so liebe und positive Rückmeldungen in den letzen Monaten erhalten, dass Ihr mit Sicherheit in Zukunft noch mehr von uns lesen und hören werdet.

Seit einigen Monaten ist auch das Hörbuch zu „Der Klang der Sonnenstrahlen“ im Streaming verfügbar. Unter diesem Link kannst Du es kostenlos hören, als unverbindlicher Probemonat bei Audible:

Der Klang der Sonnenstrahlen

Ich wünsche viel Spaß, besseres Einschlafen und entspannte Kinder!

Ende des Dornröschenschlafs

Sie waren auch in der „Zeugnispause“ – und sie wurden vermisst. Es ist schön zu lesen, dass Euch die Märchen mit Klang gefehlt haben. Zum Glück gibt es ja bereits 47 Episoden, die immer mal wieder gehört werden können. Bis heute wurden sie sogar fast 60.000 mal abgespielt, sooo klasse! Morgen hat das Warten ein Ende.

Neue Märchen mit Klang

Ein neuer Märchenmontag steht bereits vor der Tür.

Ich produziere wieder neue Märchen, auch ein mehrteiliges Ferienmärchen und eine neue Fantasiereise sind in Planung, seid gespannt.

In den Märchen stecken viel Liebe, Klänge, Zeit und Geld. Es ist ein ganz besonderes Hobby und das Angebot ist und bleibt kostenlos. Wer es aber dennoch gern unterstützen möchte, kann es hier über Steadyhq tun. Vielen lieben Dank!

Noch im Dornröschenschlaf

seit der Zeugnisphase ist auch mein kleiner Shop. Er wird gerade ebenso überarbeitet, so dass Ihr natürlich weiterhin „Rosinas Wolle“, „Der Klang der Sonnenstrahlen“, die schönen Choroi-Instrumente und andere Liebhabereien bestellen könnt. Momentan geht dies über meinen Etsy-Shop.

Ich danke Euch für Eure Geduld!

Angekommen in den Ferien

Als ich am Freitag nach Hause kam, war ich gleichzeitig froh über unsere ausgelassene Zeugnisvergabe und erschöpft von den letzten Tagen und Wochen vor den Ferien. Erstmals hatte ich eine Schreibblockade in der Zeugniszeit, was mir doch einigermaßen Sorge bereitet hat. Doch jetzt ist es Mittwoch, gerade fünf Tage später, und die Energie kommt deutlich zurück.

Darauf habe ich geachtet

Viele Wege führen zur Erholung. Ich fasse einmal zusammen, was mir aus dieser Erschöpfung herausgeholfen hat.

1.“Betriebsferien“ zu Hause

Ich habe es mir einfach mal erlaubt, müde zu sein und mich zu erholen. So habe ich insbesondere am Wochenende viel Schlaf nachgeholt, trotz der Fortbildung. Die Familie hat Rücksicht genommen. Außerdem habe ich nicht so aufwändig gekocht und gebacken wie ich es sonst am Wochenende so gern tue und auch die üblichen Wäscheberge zu Hause mussten warten.

2. Auf in die Lieblings-Tapasbar

Erholung geht durch den Magen, zumindest als Auszeit zwischendurch, und so war ich mit meinem Mann und Freunden in unserer Lieblings-Tapasbar, habe einen schönen Abend verbracht und geschlemmt. Anschließend hieß es wieder: Ausschlafen.

3. Äußeres Chaos sortieren und entrümpeln

Hiermit bin ich noch nicht fertig, aber ich habe angefangen und das ist auch immer eine Wohltat. Ich erledige die liegen gebliebenen Aufgaben im Haushalt, verpacke die Unterrichtsmaterialien des Schuljahres, sortiere und entrümple Schränke. Mich von unnötigem materiellen Ballast zu befreien, sorgt jedesmal wieder für neue Energien.

4. Zeit für gesunde Routinen

In der Zeugnis- und Schuljahresabschlussphase bleibt oft wenig Zeit für die Zubereitung gesunder Snacks, viel zu häufig wird auf die Schnelle mal genascht. An Bewegung mangelte es mir dieses Jahr dank der Bauepoche zum Glück nicht, das kommt sonst auch noch dazu. Jetzt ist es wieder Zeit für gesunde neue Routinen und Rezepte. Dabei überlege ich mir auch, wie ich es anschließend im Schulalltag schaffen kann, sie zu bewahren. Die Routinen diesmal: Warmes Zitronenwasser vor dem Frühstück trinken, insgesamt basisch frühstücken und am Nachmittag eine Tasse goldene Milch trinken. Tägliche Bewegung in Form von Spaziergängen, Schwimmen oder Radfahren ist sowieso Programm.

5. Jeden Tag etwas haben, auf das man sich freut

Einen schönen Ausflug machen, liebe Menschen besuchen, ein gutes Buch lesen, Spieleabende und künstlerische Projekte genießen. Es gibt jeden Tag so viel Schönes, das man sich bewusst machen sollte. Nichts ist selbstverständlich. Ich mache jedes Jahr auch irgendetwas Künstlerisches in den Sommerferien. Letztes Jahr war es das Aquarellmalen, dieses Jahr möchte ich mit Kind 3 gern schnitzen und etwas plastizieren. Außerdem habe ich meine Podcasts und die Schreiberei, da gibt es übrigens auch schöne, neue Ideen und Projekte, auf die ich mich freue.

6. Die Zeit nach den Ferien ist kein Tabu

Ich lebe nicht nur im Hier und Jetzt, sondern denke auch immer wieder an die Zeit nach den Ferien. Ich mag es, wenn bereits jetzt Schritt für Schritt allmählich ein Bild davon entsteht, wie es im neuen Schuljahr sein sollte – auch wenn die Erfahrungen der letzten Monate gezeigt haben, dass es vielleicht nicht immer so eintritt, wie man es sich vorgestellt hatte. Aber ich verdränge die Schule und meine Klasse in den Ferien nicht. So funktioniert mein „Abschalten“ eben nicht. Meine Arbeit und meine Klasse gehören einfach viel zu sehr zu meinem Leben. Auch wenn der Schreibtisch und das Email-Postfach ruhen, die Gedanken tun es nicht und das darf auch so sein. Sie sortieren sich auch allmählich. So sind die Ferien: Alles kann, nichts muss.

Schöne Ferien!

Ich freue mich auf die nächsten Wochen, schreibe weiter und wünsche auch Euch eine schöne Zeit! Was sind Eure Wege, die Akkus wieder aufzuladen?