Autistische Kinder in der Kita begleiten – zwischen Inklusion, Masking und echter Unterstützung

Vor kurzem wurde ich vom Bananenblau Verlag sehr ausgiebig interviewt zu meinem Herzthema Autismus. Auf Instagram wurde das Wesentliche in Slides zusammengefasst. Auf meinem Blog gibt´ s natürlich das ganze Interview – und ein SAVE THE DATE am Ende des Artikels.

Autistische Kinder in der Kita zu begleiten bedeutet, genau hinzuschauen und zwischen Unterstützung, Anpassungsdruck und echter Inklusion zu unterscheiden. In diesem Interview spricht Bananenblau mit Nadine Mescher über die Begleitung autistischer Kinder in der Kita. Im Mittelpunkt stehen Fragen aus dem pädagogischen Alltag: Wie erkennen wir Bedürfnisse richtig, wo beginnt Anpassungsdruck, und wie kann echte Inklusion im Kita-Kontext gelingen?

Autistische Mädchen wirken oft durch Masking unauffällig. Wie erkennt man, dass ein Kind möglicherweise im Autismus-Spektrum ist?

Schüchternheit kann mit zunehmender Vertrautheit nachlassen, bei autistischen Kindern bleibt die kognitive Anstrengung jedoch meist konstant, sie wird lediglich kompensiert. Im Spiel fällt oft auf, dass ein Kind weniger spontan und kreativ agiert, sondern andere Kinder genau beobachtet und deren Verhalten „einstudiert“. Häufig zeigen sich intensive Spezialinteressen, die sich in wiederkehrenden Themen oder gleichbleibenden Spielmustern äußern. Zudem kommt es durch sensorische Überreizung nicht selten zu einem plötzlichen Rückzugsbedürfnis aus Spielsituationen.

Ein besonders wichtiges Signal: Viele Eltern berichten, dass ihr Kind in der Kita unauffällig wirkt, zu Hause jedoch regelmäßig erschöpft ist – mit Weinen oder Wutausbrüchen als Ausdruck der Überforderung.

Gibt es Tipps für Pädagogen ohne heilpädagogische Ausbildung?

Für Erzieher*innen ist es oft überraschend, wenn Eltern berichten, dass das Kind zu Hause regelmäßig zusammenbricht. Umgekehrt erleben Erzieher*innen ein Kind in der Kita als herausfordernd, während die Eltern es zu Hause als unauffällig beschreiben.

Es ist daher sinnvoll, gezielt nachzufragen, wie sich das Kind in anderen Gruppensituationen verhält, zum Beispiel auf Festen oder in Vereinen. Der Vergleich verschiedener Settings hilft dabei, besser einzuschätzen, wie das Kind in unterschiedlichen Kontexten zurechtkommt. 

Wie helfen wir autistischen Kindern in der Kita?

Es ist wichtig, den Kindern zu vermitteln: Du bist gut, so wie du bist. Unterschiedlichkeit darf sein. Statt autistische Kinder von außen anzupassen, etwa durch Training von Blickkontakt oder das Imitieren von Smalltalk, sollte ihre individuelle Art der Wahrnehmung und Kommunikation anerkannt werden.

Wenn alle Kinder im Grunde von klein auf lernen, dass verschiedene Arten zu denken, zu fühlen und zu sein in Ordnung sind, entsteht mehr Verständnis füreinander. So kann langfristig ein wertschätzender Umgang zwischen neurotypischen und neurodivergenten Menschen gefördert werden.

Ein soziales Miteinander muss gelernt werden. Aber wie unterscheidet man soziale Unterstützung vom Trainieren von Masking?

Es ist wichtig zu differenzieren: Dienen Maßnahmen, wie Blickkontakt halten, dem Kind oder eher der Umgebung? Wenn solche Anforderungen vor allem dazu dienen, dass das Kind „funktioniert“, es dabei jedoch Stress oder Erschöpfung erlebt, kann das ein Hinweis auf zu viel Masking sein. In diesem Fall sollte geprüft werden, ob eine inklusivere Umgebung geschaffen werden kann. Aus meiner Erfahrung nähern sich Kinder leichter einander an, wenn Erwachsene nicht stark steuernd oder eingreifend von außen regulieren, sondern Begegnungen wohlwollend begleiten.

Wichtig ist, dass Kinder, die bestimmte soziale Signale nicht intuitiv zeigen (z. B. Blickkontakt), lernen dürfen, dass es diese gibt und dass sie im Alltag wahrgenommen werden, ohne sie jedoch zu erzwingen oder als Mangel zu bewerten.

Gerade Mädchen haben oft den Wunsch, als freundlich erlebt zu werden. Es ist schön, wenn sie das zeigen möchten. Wenn es jedoch viel Kraft kostet, ist es ebenso in Ordnung, es nicht zu tun.

Autistische Kinder haben oft weniger soziale Interessen und sind in ihrer eigenen Welt zufrieden. Doch wie erkennt man eine Ausgrenzung bei den autistischen Kindern?

Ein ausgegrenztes Kind beobachtet meistens die anderen am Rand und versucht, die soziale Situation zu verstehen und einen Zugang zur Gruppe zu finden. Sollte keine Brücke zwischen den Kindern gebaut werden können, erleben autistische Kinder häufig Ausgrenzung, auch ohne dass es einen konkreten Anlass gibt. Andere Kinder haben oft ein Gespür dafür, dass das Kind nicht „dazugehört“, und ziehen sich zurück. Ein autistischen Kind versteht in solchen Situationen häufig nicht, warum es plötzlich allein ist.

Wenn ein Kind weniger als früher an Gruppensituationen teilnimmt, kann das ein Hinweis auf Ausgrenzung sein. Ein ausgegrenztes Kind kann langfristig beginnen, sich selbst abzuwerten. Bei massiver Ausgrenzung können psychosomatische Symptome auftreten.

Wie baut man denn eine Brücke zwischen autistischen und neurotypischen Kindern?

Autismus bedeutet nicht nur Schwierigkeiten, sondern bringt auch enorm viele Stärken mit sich. Für Pädagog*innen ist es wichtig, diese Stärken zu erkennen, anzuerkennen und bewusst in die Gruppe einzubringen, zum Beispiel Spiele auszudenken, bei denen autistische Kinder ihre Fähigkeiten gut einbringen können.


Autistische Kinder erleben viel häufiger Ausgrenzung, Ablehnung und negative Bewertungen durch ihre Umgebung. Können wir sie besser davor bewahren oder vorbereiten?

Wir können Kinder nicht vor allem schützen, aber wir können ihre Resilienz stärken und für sie da sein. Dabei sollte nicht die Angst vor Ablehnung verstärkt werden. Es geht nicht darum, Ablehnung vorherzusagen, sondern das Kind darin zu bestärken, dass die Reaktionen anderer Menschen oft mehr über deren eigene Grenzen aussagen als über den eigenen Wert. Kinder sollten lernen, ihre eigenen Grenzen zu äußern, bevor Situationen eskalieren. Das gibt Vorhersehbarkeit und Sicherheit, ohne Angst zu spüren. Pädagog*innen können – je nach Entwicklungsstand des Kindes – unterstützend vermitteln, wie Kommunikation auf unterschiedliche Weise funktionieren kann. Voraussetzung ist eine gesicherte Diagnose, wobei häufig auch beratende Stellen wie Autismus-Zentren einbezogen werden. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit im Team ist wichtig.

Aus meiner Erfahrung gibt es zum Glück oft nicht nur ein autistisches Kind in meiner Gruppe. Da kann hilfreich sein, autistische Kinder miteinander in Kontakt zu bringen, da sie sich häufig auf eine besondere Weise verstehen.

Wie bereiten wir Kinder auf eine Welt vor, die derzeit leider noch nicht so inklusiv ist, wie wir es uns wünschen?

Die Kita ist gerade eine gut geschützte Übungsumgebung. Hier können Kinder lernen, ihre eigenen Grenzen und Bedürfnisse wahrzunehmen und zu äußern, zum Beispiel: „Es ist mir zu laut.“, „Ich brauche eine Pause.“, „Ich brauche Ruhe.“ oder „Ich brauche Gehörschutz.“ Es ist wichtig, jedem Kind zu vermitteln, dass es ein Recht auf Erholung hat, wenn die Welt laut oder chaotisch ist. In meiner Erfahrung kann es hilfreich sein, wenn zum Beispiel in der Gruppe Gehörschutz für alle Kinder verfügbar ist. So entsteht keine besondere Erklärungsnotwendigkeit, und alle Kinder haben grundsätzlich jederzeit die Möglichkeit, ihn zu nutzen.

Aus meiner Perspektive werden auch Schulen in differenzierten Arbeitsphasen zunehmend offener dafür, solche Unterstützungsangebote im Alltag zu integrieren. Wenn Kinder von klein auf im Kita-Alltag lernen, sich wahrzunehmen und zu äußern, sich selbst sichere Rückzugsräume zu schaffen, ist das eine wichtige Grundlage für ihr späteres Leben – sowohl im Hinblick auf Selbstfürsorge als auch auf ein gelingendes Miteinander.

Das Interview führte Ying Song vom Banenenblau Verlag.

Save the date

Ich bin dieses Jahr als Sprecherin beim Spektakel von Wohnzimmer Neurodivers e.V. dabei.

Vom 1. bis 7. Juni gibt es für Vereinsmitglieder eine Early-Bird-Woche mit reduzierten Tickets für nur 10 Euro inklusive der Workshops und Aufzeichnungen.

Wer noch nicht Mitglied ist, kann es bis dahin werden – Mitgliedsbeitrag schon ab 24 Euro im Jahr.

Praktisches Lernen und Entwicklungsschritte meistern – das ist die Hausbauepoche in Klasse 3

Dieser Artikel enthält auch Inspirationen für Nicht-Waldorffamilien! Bitte bis zum Ende lesen. Wisst ihr, was gerade an Waldorfschulen passiert? Nach Ostern bauen die meisten Kinder der dritten Klasse Häuser. Zum Ende eines Schuljahres, das von einem großen Entwicklungsschritt geprägt war, fließt zusammen, was zuvor gemeinsam erlernt wurde und ein großer Schritt ins echte Leben ist.

Angefangen bei der Schöpfungsgeschichte. Dann: Wie man mit Maßen, Gewichten und Geld rechnet, wie man sorgfältig plant und zeichnet – und dann sowohl die Vorstellung von einem eigenen Häuschen, als auch ein gemeinsames Bauprojekt mit der ganzen Klasse auf die Beine stellt. Das alles mit einer Hingabe, die ich jedes Mal aufs Neue liebe.

Hier die Erinnerung an die Hausbau-Epoche meiner (jetzt 8.) Klasse.

Hausbauepoche. Allein das Wort macht mir Freude.

Ich erinnere mich so gern daran: Die Hausbauepoche meiner 3. Klasse. Die Kinder – so tatkräftig, konzentriert und ernsthaft bei der Sache. Da wurde gemessen und gezeichnet, da wurden Grundrisse entwickelt, Fachwerk skizziert, Dachstühle konstruiert. Und plötzlich war Mathematik kein abstraktes Fach mehr, sondern etwas, das ein Zuhause bauen kann. Und mehr.

Was mich an der Hausbauepoche immer wieder so berührt: Sie greift etwas ganz Tiefes auf, das wiederum mit dem großen Entwicklungsschritt („Rubikon“) von der Mit-Welt hin zur Um-Welt zusammenhängt. Das Ur-Bedürfnis des Menschen, sich einen Platz in der Welt zu schaffen. Einen Raum, der schützt. Einen Ort, der Sicherheit bedeutet. Die Kinder spüren das – auch wenn sie es vielleicht nicht in Worte fassen können. Aber schaut man ihnen beim Bau ihrer kleinen Häuser zu, sieht man es in ihren Gesichtern.

Noch mehr Hintergrundwissen und -fühlen

Wenn du verstehen möchtest, warum gerade diese Epoche in dieser Klasse kommt, warum der Waldorflehrplan so aufgebaut ist:

In meinem Buch „Waldorf inside“ nehme ich dich mit hinter die Kulissen. Nicht nur theoretisch, sondern als ehrlicher, lebensnaher Einblick in das, was diese Pädagogik im Kern ausmacht. Was sie kann. Was sie bewegt. Warum ich auch nach über 15 Jahren und mit Blick auf meine eigenen (inzwischen erwachsenen) Kindern dankbar bin, einen Zugang zu dieser Pädagogik gefunden zu haben. Bestellen beim Verlag  Bestellen bei Thalia Bestellen bei Amazon

Oder ein eigenes Hausbau-Projekt bei dir zu Hause

Weil Hausbauepoche ansteckend ist 🙂 Man kennt es: Die Kinder kommen nach Hause – und wollen weiter bauen. Richtig bauen. Genau das richtige Buch dafür ist „Wir bauen jetzt ein Haus“ – ein wunderbar handfestes Kinderbuch, das den Bauprozess lebendig und begreifbar macht. Perfekt für alle kleinen (und großen) Baumeister! Bestellen bei Thalia, Bestellen bei Amazon.

Und für die ganz Ambitionierten: Ein echtes Klettergerüst im Garten!

Jetzt kommt mein absoluter Geheimtipp für alle Familien mit Garten und Kindern, die echte kleine Macher sind (diese Entdeckung ließ mich übrigens erst diesen Blogartikel neu schreiben):

Ein echter Zimmermann zeigt euch Schritt für Schritt, wie ihr euer eigenes Klettergerüst mit Stelzenhaus baut. Dies ist eine professionelle, bewährte Anleitung. Verständlich aufbereitet, sodass es wirklich gelingt. Holz, Hammer, Herz und am Ende ein Abenteuerparadies, das eure Kinder den ganzen Sommer beschäftigt hält. Und zu dem sie sagen können: Das haben WIR selbst gebaut. Wenn ihr mich fragt: Das ist das Schönste, was ihr nach einer Hausbauepoche gemeinsam tun könnt.

Ein lesenswerter Besuch in der Waldorfschule

Ich frage nicht nach „Waldorf“, denn dies ist für mich kein Adjektiv, das für irgendwelche Wahrnehmungen und Interpretationen steht. Ich frage nach Waldorfschule. Der Schulform, die ich selbst nicht besucht habe, für die ich mich aber als Unterrichtende und auch für meine Kinder entschieden habe.

Was ich tagtäglich über 15 Jahre erlebe und erlebt habe: Was ist die Essenz? Das, was diese Pädagogik ausmacht? Das, was ich dir gern mit auf den Weg geben möchte, wenn du mich fragst.

Eine Haltung dem werdenden Menschen gegenüber. Das, was trägt, um letztendlich Bildung ganzheitlich zu ermöglichen.

Ich habe mich also auf eine Reise zum Kern dessen gemacht, was ich an der Waldorfpädagogik so schätze, im Jahr 2026.

Und dieses Buch ist dabei entstanden, so lebensnah es mir möglich war. Ich freue mich, wenn du es liest und mir gern Feedback schreibst.

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Aus dem Resilienztraining: Das Haus der sieben Steine

Stell dir vor, die psychische Widerstandskraft deines Kindes ist wie ein Haus. Es schützt vor den Stürmen des Lebens – egal, ob es der verlorene Turnbeutel, der Streit mit der besten Freundin oder der Frust über die Hausaufgabe am Nachmittag ist. Als Eltern oder Pädagog:innen bauen wir dieses Haus nicht für unsere Kinder, sondern mit ihnen – wir reichen die Steine und entdecken gemeinsam, wie der Bau hält und trägt.

Hier sind die 7 Säulen der Resilienz (nach Reivich und Shatté), direkt übersetzt in den Alltag mit Kindern.

1. Akzeptanz: „Es ist, wie es ist“

Die Situation: Da klappt etwas nicht. Sei es eine Bastelanleitung oder die ersten Fahrversuche auf Rollschuhen.  Die Resilienz-Lektion: Anstatt sofort zu sagen „Ist doch nicht schlimm“, helfen wir dem Kind zu akzeptieren: „Ja, das ist jetzt echt ärgerlich. Da klappt es etwas nicht so wie gedacht.“ Nur wer lernt, dass unangenehme Gefühle zum Leben gehören, kann sie überwinden.

2. Optimismus: „Es wird wieder gut“

Die Situation: Ein Kind traut sich nicht auf das neue Klettergerüst. Die Resilienz-Lektion: Optimismus bedeutet nicht, alles durch die rosarote Brille zu sehen, sondern die Zuversicht zu haben: „Ich habe heute noch Angst, aber ich kann es morgen nochmal probieren.“ Wir stärken den Glauben an ein positives Ende.

3. Selbstwirksamkeit: „Ich kann etwas bewirken“

Die Situation: Die Wasserflasche läuft aus. Die Resilienz-Lektion: Nicht sofort zum Wischtuch greifen! Lass das Kind es selbst erledigen. Das Gefühl „Ich kann einen Fehler korrigieren“ ist das Fundament für ein starkes Selbstwertgefühl. Und: Jedesmal, wenn du eine Aufgabe übernimmst, die dein Kind selbst erledigen könnte, vermittelst du, dass du es sowieso besser kannst.

4. Eigenverantwortung: „Ich kann es selbst steuern“

Die Situation: „Die Hausaufgaben sind blöd, ich mache die nicht!“ Die Resilienz-Lektion: Wir begleiten das Kind dabei, aus der Schuldzuweisung („doofe Schule“) herauszutreten. „Was kannst du tun, damit du heute mit deinen Aufgaben schneller fertig wirst?“ Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, macht stark.

5. Netzwerkorientierung: „Ich bin nicht allein“

Die Situation: Streit mit einem befreundeten Kind. Die Resilienz-Lektion: Resiliente Kinder wissen, wen sie (selbst!) um Hilfe bitten können. Das zeigt: Hilfe annehmen ist keine Schwäche, sondern eine soziale Superkraft. Wer ist dein „Sicherheitsteam“?

6. Lösungsorientierung: „Was machen wir jetzt?“

Die Situation: Das Lieblings-Kuscheltier ist im Urlaubsdomizil liegen geblieben. Die Resilienz-Lektion: Erstes Trauern ist okay, dann folgt der Schwenk: „Wie lösen wir das? Sollen wir dort anrufen oder darf ein Ersatz-Tier einspringen?“ Der Fokus liegt auf der Lösung, nicht auf dem Problem.

7. Zukunftsorientierung: „Was kommt als Nächstes?“

Die Situation: Das Wochenende steht vor der Tür, die Freude ist groß. Die Resilienz-Lektion: Ziele setzen und Pläne machen. Kinder lernen hier, dass sie ihre Zukunft mitgestalten können. „Was ist das Schönste, was wir am Samstag machen wollen?“


Resilienz ist kein Zustand, den man „hat“, sondern ein Muskel, den wir täglich trainieren. So ein Haus wird nicht an einem Tag fertig gebaut – aber jeder kleine Moment mit deinem Kind ist dazu geeignet, einen neuen Stein zu setzen.

Kleiner Tipp von mir: Wähle dir für die nächsten Tage eine Säule aus (z. B. die Lösungsorientierung), auf die du bewusst achtest. Wenn das nächste Mal etwas schiefgeht, frage dein Kind nicht „Warum hast du das gemacht?“ oder „Wie konnte das passieren?“, sondern „Was ist dein Plan, wie wir das lösen?“

Bildung durch Beziehung: Insights aus zwei Podcastfolgen mit Prof. Iru Mun

In den letzten beiden Folgen des Podcasts „Von der Praxis zur Vision – was Kinder jetzt stärkt und später trägt“ entstand ein Gespräch zu dritt (wie immer mit Dustin und mir), das noch lange nachklingt. Unser Gast war Prof. Iru Mun, und es war uns eine große Freude, zwei Folgen zu produzieren, die zugleich so gehaltvoll, verdichtet und dabei so menschlich waren.

Dabei waren unsere Gespräche keine schnellen Antworten auf komplexe Fragen. Sie waren vielmehr Einladungen zum Innehalten, zum Weiterdenken – und vielleicht auch zum Umlernen oder Dazulernen.

Bildung braucht Beziehung!

Ein roter Faden, der sich durch beide Folgen zieht, ist das tiefe Verständnis von Bildung als Beziehungsgeschehen. Lernen ist eben keine bloße Wissensvermittlung, sondern etwas, das aus echten Begegnungen entsteht: Zwischen Erwachsenen und Kindern, unter Kindern, zwischen Welt und Mensch.

Es wurde wieder einmal deutlich, dass Kinder sich nicht an Methoden erinnern werden, wohl aber an Menschen. An Erwachsene, die ihnen mit Interesse, Wärme und echtem Zutrauen begegnet sind. Dieses Zutrauen – so wurde spürbar – ist keine pädagogische Technik, sondern eine innere Haltung.

Was Kinder wirklich stärkt

Besonders berührend war die Klarheit, die immer wieder zurück zum Wesentlichen fand:

  • Kinder brauchen verlässliche Beziehungen.
  • Sie brauchen Erwachsene, die präsent sind – nicht perfekt, aber ehrlich.
  • Sie brauchen Räume, in denen sie sich als wirksam erleben dürfen.

Stärkung entsteht nicht durch Optimierung, sondern durch Resonanz. Durch das Gefühl: Ich werde gesehen. Ich werde ernst genommen. Ich darf wachsen in meinem eigenen Tempo.

Hoch aktuell und doch auch gegen den Zeitgeist

Beide Podcastfolgen stehen in einem spannenden Kontrast zu vielen aktuellen Bildungsdebatten. Während noch immer Effizienz, Messbarkeit und frühe Leistungsorientierung dominieren, entwickelte sich unser Gespräch mit Iru Mun ruhig, fundiert und konsequent über Entwicklung, über Reifung und über das Vertrauen in kindliche Prozesse.

Gerade dadurch sind die Folgen so zeitgemäß. Sie erinnern daran, dass Zukunftsfähigkeit nicht aus Beschleunigung und Anpassung entsteht, sondern aus innerer Stabilität, aus Sinnbezug und aus der Erfahrung, Teil einer tragenden Gemeinschaft zu sein.

Unser Erfahrungsraum, die Waldorfpädagogik

Es wurde spürbar, dass es eben nicht um ein fertiges Konzept geht, sondern um einen lebendigen Erfahrungsraum. Einen Raum, in dem Fragen erlaubt sind. In dem Pädagog:innen selbst Lernende bleiben dürfen. Und in dem die Entwicklung des Kindes immer wieder neu in den Mittelpunkt des Interesses rückt. Solche Gespräche machen wirklich Mut, die Haltung der Waldorfpädagogik zu verstehen: offen, forschend und zutiefst menschenzugewandt.

Dankbarkeit und Nachhall

Diese beiden Podcastfolgen hinterlassen Dankbarkeit. Dafür, dass komplexe Zusammenhänge nicht vereinfacht, sondern gemeinsam achtsam entfaltet wurden. Dafür, dass pädagogische Arbeit in ihrer Tiefe gesehen wurde. Und dafür, dass deutlich wurde, wie sehr das, was Kinder heute erleben, ihr ganzes späteres Leben trägt.

Wenn Ihr Euch Zeit nehmt für diese Gespräche, werdet Ihr mit vielleicht weiteren Perspektiven und mit der Erinnerung daran belohnt, warum wir Kinder begleiten. Nämlich, um sie stark, verbunden und menschlich ins Leben zu entlassen. Für alle Zukunftsaufgaben, die da kommen werden.

Ein herzliches Dankeschön an Prof. Iru Mun!

Die Podcastfolgen findet Ihr überall, wo es Podcasts gibt oder direkt über die folgenden Links:

Teil 1: Was brauchen unsere neuen Lehrkräfte?

Teil 2: „Unsere Pädagogik trägt für die Zukunft alles in sich!“

Eine kleine Winterwichtel-Geschichte für Auszeit-Momente

Ich wünsche Euch allen frohe Feiertage! Die Advents- und Weihnachtszeit ist für Kinder eine ganz besondere Zeit – magisch, warm, voller Vorfreude. Und manchmal… auch ziemlich viel. Viel Besuch, viele Reize, viele Gefühle. Zwischen Geschenken, Plätzchen und Erwartung passiert es schnell, dass kleine Herzen ganz groß klopfen und alles ein bisschen zu aufregend wird.

Genau dafür habe ich eine kleine Winter-Geschichte geschrieben, die Ihr hier kostenlos downloaden könnt.

Worum geht es in der Geschichte?

Die Winterwichtel Smilla und Murgel wohnen ganz nah bei den Menschen. Sie lieben Kerzenschein, Spiele und den Duft aus dem Backofen – aber manchmal wird es ihnen einfach zu viel. Sowohl die Momente der Freude, als auch die kleinen und größeren Streitereien in dieser Zeit sind herausfordernd. Das darf so sein.
Also macht Smilla etwas ganz Wichtiges:
Sie nimmt sich einen kleinen Moment nur für sich.
Sie spürt ihre Füße auf dem Boden.
Sie wiegt sich und atmet tief.
Und erinnert sich: „Ich bin da. Ich bin sicher.“

Murgel wartet in dieser Zeit geduldig auf seine liebe Freundin und gemeinsam finden sie wieder freudig zurück in den Trubel – ganz ohne Stress, ganz ohne Eile.

Für wen ist die Geschichte gedacht?
Es geht darum, Möglichkeiten zu entdecken, das Nervensystem zu regulieren. Davon profitieren besonders

  • Kinder, die schnell überreizt sind
  • alle sensible Seelen und kleine Wirbelwinde
  • Familien, die Achtsamkeit im Alltag leben möchten
  • kuschelige Vorlese-Momente am Abend oder zwischendrin, um gemeinsam aufzutanken
  • gern auch Kitas & Schulen in der Winterzeit

Ein kleines Weihnachtsgeschenk für dich

Die Geschichte erinnert daran: Ruhe zu brauchen ist nichts, wofür wir uns entschuldigen müssen.
Sie ist ein Geschenk – an uns selbst und an alle, die wir lieb haben. Ich wünsche dir und deiner Familie eine schöne Weihnachtszeit.

PDA – wenn Anforderung Angst macht

… und warum das Wort „Systemsprenger:in“ mehr über das System, als über ein Kind aussagt.

In den letzten Jahren taucht ein Wort immer häufiger auf, wenn Kinder nicht „funktionieren“: Systemsprenger. Es klingt schwerwiegend. Nahezu endgültig. Und es trifft meist diejenigen, die ohnehin schon kämpfen, nämlich Kinder, die nicht laut um Hilfe bitten können, sondern mit ihrem Verhalten „schreien“. Besonders häufig wird dieses Etikett Kindern gegeben, die ein Autismus-Profil mit PDA haben.

Was ist PDA?

PDA steht für Pathological Demand Avoidance oder – zunehmend bevorzugt – Persistent Drive for Autonomy. Es beschreibt ein Autismus-Profil, bei dem Anforderungen Gefühle auslösen, die als existenzielle Bedrohung erlebt werden. Dabei geht es also nicht um „Nicht-Wollen“, fehlende Erziehung oder Trotz. Es geht um Angst.

Für PDA-Autist:innen können selbst kleinste Erwartungen überwältigend sein. Hier einige Beispiele:

  • Wenn morgens die Jacke angezogen werden muss. Es ist Routine, eigentlich keine große Sache. Doch wenn der Moment gekommen ist, fühlt er sich an wie pure Verzweiflung. Etwas Unvorhersehbares droht, nachdem dann das Haus verlassen wird. Manchmal wird sogleich gegen das Anziehen gekämpft, manchmal funktioniert es am Anfang – bis plötzlich der Zusammenbruch kommt. Jeden Morgen.
  • „Ich freue mich auf meinen Geburtstag / einen Klassenausflug / unseren Urlaub.“ Solange ein Ereignis, das als schön empfunden wird, noch in der Ferne liegt, kann es durchaus auch für Vorfreude sorgen. Wenn es aber heißt: Es geht JETZT los, erscheint explosionsartig ein Überwältigungsgefühl vor dem, was kommt.
  • In der Schule: Es beginnt für alle Kinder der Klasse eine Eigenarbeitszeit. Wirklich? Nicht für das PDA-Kind. Es beginnt erst gar nicht, beschäftigt sich anderweitig mit einer (für es) sicheren Sache oder lenkt bewusst andere Kinder ab, auch durch Clownerie.

Was steckt dahinter?

Das Nervensystem reagiert bei kleinsten Anlässen und Veränderungen, als stünde Gefahr im Raum. Kampf, Flucht oder Erstarren setzen ein – nicht bewusst, nicht steuerbar. Kinder mit PDA vermeiden Anforderungen reflexhaft, um ihre innere Sicherheit zu bewahren.
Dabei möchten sie eigentlich kooperieren, dazugehören, „richtig“ sein – können es aber in dem Moment nicht.

Was von außen manipulativ oder frech wirkt, ist in Wirklichkeit eine Überlebensstrategie.

Wenn Systeme Druck ausüben

Unsere Systeme – Schule, Kita, Jugendhilfe usw. – sind auf Anpassung, Planbarkeit und Gehorsam ausgelegt.
PDA hingegen braucht:

  • Beziehung statt Kontrolle
  • Wahlmöglichkeiten
  • Sicherheit statt Konsequenzen

Wenn ein Kind diese Anpassung nicht leisten kann, wird es schnell als „schwierig“, „nicht tragbar“ oder eben als Systemsprenger bezeichnet.

Doch hier lohnt ein Innehalten.

Wer sprengt hier eigentlich was?

Zuallererst möchte ich betonen, dass der Begriff „systemsprengend“ keinen wissenschaftlichen Hintergrund hat, sondern meist von Medien oder umgangssprachlich verwendet wird. Dabei lässt er zunächst vermuten, das Kind sei das Problem. Allerdings zeigt das Verhalten bei genauerer Betrachtung etwas Anderes: Das System ist nicht passend. Kinder mit PDA sprengen also kein System . Sie passen schlicht nicht in starre Strukturen, die ihre neurologischen Grenzen ignorieren.
Ein System, das nicht alle Menschen einschließt, ist in sich begrenzt.

Sprache schafft Wirklichkeit – Worte formen unsere Haltung

Bezeichnen wir also ein Kind als „Systemsprenger:in“, dann vermittelt dies

  • Bedrohung (für das System) statt Bedürfnis
  • Störung statt Signal
  • Versagen statt Überforderung

Das Kind selbst hört:

„Mit mir stimmt etwas nicht.“
„Ich bin zu viel.“
„Ich passe nirgendwo rein.“

Gerade neurodivergente Kinder und ihre Familien tragen diese Botschaften oft ein Leben lang. Das ist stigmatisierend und verletzend.

Welches (Schulklassen-)System trägt denn Kinder mit PDA Autismus?

Wenn ein Kind immer wieder scheitert, lohnt sich die Frage: Was wäre, wenn nicht das Kind sich ändern müsste, sondern unser Blick? Denn Kinder mit PDAe Autismus brauchen:

  • Erwachsene, die Beziehung leben und dabei Raum geben für emotionale Regulation
  • Strukturen und Arbeitsweisen, die flexibel sind
  • Klassenräume, in denen Autonomie möglich ist
  • Verständnis für die Angst hinter dem Verhalten

Was kannst du in Elternrolle tun, wenn die Schule aufgibt?

Wenn die Lehrkräfte keine Kapazität haben, ihr System zu ändern oder dies auch nicht wollen – akzeptiere es. Du kannst es von außen nicht umkrempeln. Suche eine Lehrkraft, die PDA-erfahren ist und lass dich gern auch bei der Suche beraten.

Was kannst du als Lehrkraft tun, wenn ein Kind dein System sprengt und dich an deine Grenze bringt?

Prüfe deine Verbindung zu dem Kind und – ganz wichtig – deine Ressourcen. Spiele mit offenen Karten. Möchtest du etwas verändern? Auch ich kann dich beraten und unterstützen. Frage gern unverbindlich an:

„Ich will lieber zu Hause bleiben! – Wenn der Morgen zur Zerreißprobe wird

Es betrifft viele Kinder, besonders aber hochsensible oder neurodivergente Kinder: Die Hürde des Übergangsmoments, die morgens noch höher zu liegen scheint. Ich möchte einmal einen gesundheitspädagogischen Blick auf die all zu bekannte Schwellensituation werfen.

Viele kennen es

Die Schultasche ist sorgfältig gepackt, Jacke und Schuhe liegen bereit. Der Zeitplan wäre machbar – und doch. Dein Kind sitzt mit verschränkten Armen im Flur oder weint plötzlich. „Ich will nicht gehen.“

Vier Worte stellen den Morgen auf den Kopf

Was erst einmal wie Bockigkeit oder Unwille aussieht, ist insbesondere für hochsensible und neurodivergente Kinder (Anm. Autismus / AD(H)S) oft eine echte neurologische Hürde. Der Übergang von einer Situation in die nächste, ein Zustand in den anderen, von der Sicherheit zu Hase in die Unvorhersehbarkeit der Außenwelt. Das ist keine Kleinigkeit.

Was passiert im Übergangsmoment?

Übergänge sind für das menschliche Gehirn grundsätzlich herausfordernd. Wir erlassen einen bekannten, kontrollierbaren Zustand bewegen uns in etwas Neues, Ungewisses. Da könnte man doch sagen: Der Schultag ist doch beizeiten auch schon fest vertraut. Ist er aber nicht. Manchmal fehlen Kinder oder Lehrer, dann gibt es plötzlich Gruppenarbeiten mit Präsentation, jede Pause scheint chaotisch…. und und und

Die Vorhersehbarkeit endet tatsächlich an der Haustür

Zuhause kennt ein Kind jeden Winkel, jedes Geräusch, jeden Ablauf. Draußen warten so viele Variablen. Jede Ungewissheit aktiviert das Stresssystem. Der Körper reagiert mit: „Ich bin noch nicht bereit“. Hoch sensible Kinder brauchen oft länger, um sich zu sammeln, zu zentrieren, anzukommen. Auch zunächst mal in sich selbst. Der Übergang nach draußen verlangt eine eine innere Stabilität, die morgens oftmals noch nicht da ist.

Warum gerade morgens?

Dazu ein kurzer Überblick:

  • Nach dem Aufwachen steigt das Stresshormon Cortisol natürlicherweise an. Bei manchen Kindern geschieht das steiler und früher, was sie reizbarer und damit auch weniger flexibel macht.
  • Auch die Bewältigungsstrategien müssen sich erst warmlaufen. Die kognitiven Ressourcen, die Kinder tagsüber nutzen, um mit Stress umzugehen, sind morgens noch nicht „hochgefahren“.
  • Schlafträgheit ist ein weiteres Thema. Manche Kinder brauchen naturgemäß länger, um vom Schlaf- in den Wachzustand zu wechseln.
  • Antizipationsstress kommt hinzu. Damit ist gemeint: Eine Stresserfahrung vom Vortag (Streit, Überforderung usw.) wirkt am nächsten Morgen wie ein zusätzlicher Ziegelstein im Schultornister.

Was hilft

  • Zuvor bekannte Änderungen des Tagesablaufs vorbesprechen
  • Extra-Zeit zum „sich sammeln“, ohne irgendwelche Anforderungen wie Anziehen, Frühstücken, Zähneputzen.
  • Ein vertrauter Abschiedssatz „Ich bin da, wenn Du wiederkommst.“
  • Eltern, die selbst reguliert sind. Gönn Dir einen Achtsamkeitsmoment am Morgen.

Was nicht hilft

  • Übergehen der Gefühle à la „Reiß dich mal zusammen!“
  • Belohnungssysteme für Grundbedürfnisse wie „Wenn wir pünktlich das Haus verlassen haben, gibt es ein Glitzer-Sternchen.“
  • Einreden , Überreden und Diskutieren. Wenn das Nervensystem gestresst ist, kann der rationale Teil des Gehirns nicht mehr erreicht werde. Lange erklären verpuffen oder schlimmer noch: Sie sorgen für noch mehr Stress, weil du dich dabei in Rage reden kannst.

Der Weg zum Schulplatz: Quereinstieg und Erste Klasse an der Waldorfschule

„Alle Jahre wieder“ könnte man sagen. Jetzt beginnt die Zeit, in der die Kennlerngespräche für die nächste erste Klasse geführt werden. Aber auch Anmeldungen für Kinder und Jugendliche, die in laufende Klasse quer einsteigen, nehmen zu. In diesem Blogartikel habe ich daher einige Tipps für Euch – auch zum Hören natürlich.

10 Eckdaten, die man vorab wissen sollte

Auf dem folgenden Bild ist noch einmal das Wichtigste zusammengefasst. Zum Thema Schulentscheidung habe auch bereits hier geschrieben.

Eltern von zukünftigen Erstklässlern haben allerdings diese Frage an erster Stelle:

Wonach entscheidet sich, ob mein Kind einen Schulplatz bekommt?

Tatsächlich gibt es keinen Kriterienkatalog (schon gar nicht einen allgemein beschlossenen, wie oftmals behauptet). Jede Schule hat ihren eigenen Aufnahmeprozess, aber die Erfahrung zeigt: Es fügt sich (fast immer) von selbst. Wer es genauer wissen möchte, kann sich die Podcastfolge „Von der Anmeldung bis zur Einschulung“ unseres Podcasts „Von der Praxis zur Vision – Was Kinder jetzt stärkt und später trägt“ anhören.

Eltern von Quereinsteigern haben oft diese Frage:

Auf welchem Platz der Warteliste stehen wir?

Auch hier gibt es keine pauschale Antwort – so einfach dies für beide Seiten auch sicher wäre. Doch Fakt ist: Eine Aufnahme erfolgt immer mit Blick auf die Klasse. Heißt: Wann eine neue Schülerin oder ein neuer Schüler hinzustoßen kann, entscheiden die Klassenlehrer:innen rein pädagogisch. Und wenn es soweit ist, wird ganz neu auf die Warteliste geschaut, wer für ein Aufnahmegespräch in Frage kommt. Es geht in erster Linie nicht nach Eingangsdatum der Anmeldung, sondern nach einem passende Kind oder Jugendlichen, damit sowohl die Neuen gut anlanden, als auch die bestehende Klasse als Lerngruppe gesund wachsen kann.

Spannende Info: Ein Quereinstieg ist nicht an Fristen wie Schulhalbjahre gebunden, sondern kann jederzeit stattfinden.

Auch hierzu haben Dustin und ich eine Podcastfolge aufgenommen: Im Quereinstieg auf die Waldorfschule.

Bitte stellt gern Eure Fragen

Unser Podcast und dieser Blog lebt von der Community. Dustin und ich bewegen gern Eure Fragen. Auch freuen wir uns, wenn Ihr unseren Podcast teilt, indem wir davon erzählt oder wenn Ihr beim Podcastanbieter Eurer Wahl eine positive Bewertung abgebt. Ganz herzlichen Dank!

Über Medienresilienz – ein Einblick in ein junges Projekt. Austausch erwünscht!

Das Smartphone- und Gaming-Thema ist groß. Wann darf mein Kind ein Handy oder eine Playstation haben, wie lange darf es das Gerät täglich nutzen und welche Apps oder Spiele (mit Chatroom) dürfen installiert werden? Der ORF hat das Experiment Drei Wochen Handy-Entzug begleitet. Laut JIM-Studie 2022 sind 25 % der Jugendlichen im Alter von zwölf bis 19 Jahre schon einmal mit Cyber-Grooming (sexuelle Belästigung/ Missbrauch im digitalen Raum) konfrontiert. Wie schaffen wir also Medienresilienz für unsere Kinder?

In meiner gesundheitspädagogischen Praxis ist Resilienztraining ein Baustein für gesunde Persönlichkeitsstärkung und Lernentwicklung.

Medienresilienz?

Damit meine ich: Wie können Kinder vor oder während der Handy- und Gaming-Nutzung mit sich selbst in Verbindung bleiben, spüren, wenn es ihnen nicht mehr gut tut und stark genug sein, die Reißleine zu ziehen, wenn sich Dinge schlecht anfühlen.

Medienresilienz!

Es scheint ein großer Skill unserer Zeit zu sein. Wenn dei Wochen Handy-Entzug messbar mehr Erholung bringen als zwei Wochen Ferien. Wenn Erwachsene so leichtes Spiel haben, Kinder an ihren Geräten allein zu erreichen und sie zu manipulieren. Dann brauchen wir dringend ein Konzept, das Heranwachsende befähigt, für sich selbst gesunde Entscheidungen zu treffen – auch wenn wir nicht einschränkend und kontrollierend im Hintergrund agieren und auch, wenn der Sog durch Gleichaltrige oder das fesselnde Zocken groß sind.

Resilienztraining in zwei Welten

Ich bin Resilienztrainerin für Kinder und Jugendliche. Meine Ausbildung konzentrierte sich allerdings auf die analoge Welt. Doch meine Wahrnehmung im täglichen Umgang mit Kids und Teens sagt mir, dass das Konzept auch die digitale Welt mit einbeziehen muss. In einer Zeit, in der es Initiativen gibt wie „Bildschirmfrei bis 3„. Gefühle betäuben mittels Medien, eine Flucht, wenn alles andere so anstrengend ist, ist inzwischen Teil unserer Lebensrealität und wird auch von uns Erwachsenen vorgelebt. Ich möchte aber nicht anklagen, sondern positiv befähigen.

Meine ersten Ideen

Welche Übungen und Spiele im direkten Miteinander können sich auch positiv auf die Handy- und Gamingzeit auswirken? Wie kann man in besonderem Maße neurodivergente Kinder unterstützen, die bereits das Maskieren weit verinnerlicht haben? Diese Fragen bewege ich aktuell und wer Lust auf einen Austausch hat, kann sich gern bei mir melden 🙂 montagskind<at>posteo.de

Ich freue mich über einen Austausch mit Euch.