Die Montagsmärchen sind wieder da

Die 8. Staffel „Märchen mit Klang“ ist am Donnerstag mit der Michaeli-Geschichte „Ritterkraft in mir“ gestartet. Ab heute geht es mit den Montagsmärchen weiter. „Zwergenmützchen“ nach Ludwig Bechstein macht den Anfang.

Kreative Pause

Mit der diesjährigen Zeugniszeit begann eine längere kreative Pause meines Märchen-Podcasts „Märchen mit Klang“ – und mit dem beginnenden Herbst setzte sogleich die Märchenstimmung wieder ein. Dies bemerke ich nicht nur an mir selbst, sondern es zeigen auch die Nachfragen meiner Hörer:innen und die wieder deutlich steigenden Hörer:innenzahlen in der Podcast-Statistik, dass die Zeit für eine neue Staffel gekommen ist. So möchte ich danke sagen für Eure Treue!

Was erwartet Euch in Staffel 8?

Es wird wieder eine Mischung aus seltenen schönen Märchen zum Kennenlernen, bekannten Märchen zum Erinnern und auch eine herbstliche Fantasiereise steht auf meinem Episodenplan. Lasst Euch überraschen.

Wie gewohnt, werden die Märchen reizarm und ruhig erzählt, ohne vielfach verstellte Stimme, zusätzlichen Soundeffekten etc. Lediglich natürliche Klanginstrumente kommen wohldosiert zwischendurch zum Einsatz. So hoffe ich, Euch und Euren Lieben eine entspannte Märchenzeit zu bereiten.

Auftakt an Michaeli

Die neue Staffel begann diesmal nicht an einem Montag, sondern am Michaeli-Tag, der dieses Jahr auf einen Donnerstag fiel. Meine selbst geschriebene Geschichte „Ritterkraft in mir“ war und ist nicht nur im Blog nachzulesen und als Download verfügbar, sondern kann auch ganz in Ruhe, mit Klangschalen begleitet, im Podcast angehört werden. Zu Beginn der Episode spiele ich übrigens das Michaeli-Lied „Wenn ich groß bin“ auf der pentatonischen Flöte.

Ritterkraft in mir

Erster Märchenmontag seit längerer Zeit

Ab heute könnt Ihr wie gewohnt an jedem Montag ein neues Märchen hören. Den Auftakt macht „Zwergenmützchen“ nach Ludwig Bechstein.

Zwergenmützchen

Ein Müller hat drei Söhne und eine Tochter. Für seine Söhne hat er nur Gemeinheiten über, während seine Tochter bevorzugt wird. Eines Tages beschließen die Söhne, die Zwerge in den grünen Bergen aufzusuchen, denn diese haben Nebelkäppchen, mit denen sie sich unsichtbar machen können. Der Älteste zieht los, ein solches Zwergenmützchen zu stibitzen, kommt aber nicht zurück. Die Zwerge nehmen ihn gefangen. So ergeht es auch dem zweiten Bruder. Zuletzt macht sich dann der jüngste Bruder auf den Weg….

Ich wünsche Euch eine schöne, herbstliche Märchenzeit.

Ritterkräfte in der Unterstufe und Vertrauen in der Mittelstufe

Auch in diesem Jahr habe ich mir wieder mit viel Freude Dinge für Michaeli überlegt und mit meiner Klasse den bevorstehenden Tag geplant. Wir sind ja jetzt schon in der Mittelstufe angekommen. Meine neue Michaeli-Geschichte ist allerdings für den Einsatz Unterstufe gedacht und passt auch wieder zu dem Drachenfußspuren-Spiel. Meine Klasse wird hingegen eine besonders schöne Vertrauensübung machen.

Eine sinnige Geschichte: Ritterkraft in mir

Hier geht es auch darum, dass manche Ängste und Sorgen einfach übernommen werden. Dass man mutig eigene Wege gehen darf und soll. Dass Gefühle gelebt werden wollen und müssen. Und dass man als Gemeinschaft stark ist. Es geht um die Ritterkraft, die in jedem von uns steckt….

In einem kleinen Dorf sind alle Menschen leise, weil man ihnen gesagt hat, in der Nähe schlafe ein gefährlicher Drache in seiner Höhle. Kaum jemand wagt sich vor die Tür. Der Drache könnte aufgeweckt werden und schlimme Dinge anstellen! Dabei scheint noch niemand den Drachen je gesehen zu haben. Doch die Furcht ist groß. Ein kleines Mädchen, das voller Tatkraft und Lebensfreude ist, gerät in Wut darüber, dass es immer so leise sein soll. Aus ihrer Wut heraus weckt sie ihre Ritterkräfte – und die wirken bald ansteckend.

Ihr könnt die Geschichte hier kostenlos downloaden oder ab dem 29.9.22 auch von mir erzählen lassen in meinem Podcast „Märchen mit Klang“ :

Vertrauensübung in Klasse 5: Deine Stärken

In meiner Klasse wird es eine Vertrauensübung geben, die die gegenseitige Wertschätzung erleben und festhalten lässt. Ein inneres Licht, passend zur Mutkerze. Mehr verrate ich an dieser Stelle aber noch nicht.

Meine Michaeli-Wünsche für Euch

Seid mutig und öffnet Eure Herzen, traut Euch und Euren Kindern etwas zu. Ihr habt alle Ritterkräfte und tragt einen großen Schatz in Euch.

Werden die Tage kurz,

werden die Herzen hell.

Über dem Herbste strahlt leuchtend

Sankt Michael!

überliefert*

Waffeln und Mutkerzen an Michaeli

Da wir jetzt ja schon in der Mittelstufe angekommen sind, habe ich meine Klasse gefragt, was sie in diesem Jahr am Michaelitag (noch) gern machen würde. Dabei stellte sich heraus, was wahrscheinlich unsere feste Tradition – auch noch in der Mittelstufe – wird.

Bis zu welchem Alter feiert man eigentlich Michaeli?

Die Mutproben, der Sinnespfad, das Schwerterbacken – all diese schönen Aktivitäten sind in der Unterstufe angesiedelt. Die Kinder leben stark in den inneren Bildern der mutmachenden Geschichte. Üblicherweise wird ab Klasse 5/6 Michaeli dann nicht mehr groß gefeiert, weil die Kinder einfach einen anderen, veränderten Bezug dazu haben. Doch dieses Jahr war in meiner Klasse sogar noch der Wunsch nach Schwertbacken da. Die verschiedenen Backöfen der Schule sind aber für die Unterstufe reserviert. Kein Problem – dann backen wir eben Waffeln im Klassenraum. Und damit es auch Michaeli-Waffeln werden, habe ich mir die Puderzuckerformen einfallen lassen.

So wird`s gemacht

Die Vorlage ausdrucken, Schwert und/ oder Drache ausschneiden, auf die Waffel legen und Puderzucker drum herum streuen.

Hier ist die Vorlage:

Wie man sieht, habe ich beim Ausschneiden die Zacken des Drachen nicht beachtet – es sieht trotzdem wie ein Drache aus 🙂

Mutkerzen

Die Mutkerzen haben wir letztes Jahr als erstmals angefertigt. Das Licht dieser Kerze soll uns durch die dunkle Jahreszeit begleiten und uns an unsere Stärken erinnern. Dazu werden mit Knetbienenwachs verschiedene passende Formen und Figuren gestaltet und an die Kerze gedrückt.

Die Kinder haben sich sehr gewünscht, auch dieses Jahr wieder eine Mutkerze zu haben. So habe ich bereits für jedes Kind eine kleinere Kerze gekauft und für unseren Klassenraum eine große Kerze. An der großen Kerze arbeiten wir gemeinsam, wir behalten Sie über die dunkle Jahreszeit im Klassenraum. Dazu fertigt jedes Kind eine eigene Kerze für die Familie an und nimmt diese mit nach Hause.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir noch weitere Jahre in Folge die Tradition der Mutkerze fortsetzen werden. Ich bin gespannt, wie sich die Klasse entwickelt!

„Ich bin schon fertig. Was kann ich tun?“

Du bist Kind, hast zügig und konzentriert gearbeitet und alle Dir aufgetragenen Aufgaben erledigt. Welche Antwort würdest Du nun gerne hören wollen? Etwa: „Alles klar, hier sind weitere 20 Aufgaben“? oder lieber „prima, nun kannst Du Dir eine für Dich passende neue Aufgabe für den Rest der Zeit auswählen“? – Eine Auswahl aus: Anderen helfen, einen Klassendienst ausführen, eigene Lücken schließen – oder was Dir eben gerade jetzt nach erster getaner Arbeit gut tut. Bewegung, Soziales, individuelle Vertiefung. Ich stelle Euch heute meine Wolke vor. Sie erweitert das Freiarbeitsregal der Unterstufe.

Ein kleiner Rückblick. Wenn es ein bestimmtes Aufgabenpensum zu erledigen gibt, sind manche Kinder aus verschiedenen Gründen immer etwas schneller fertig und andere brauchen wiederum aus ebenso verschiedenen Gründen mehr Zeit. Mal liegt es an der Konzentrationsfähigkeit und Ablenkbarkeit, mal daran, wie das individuelle Arbeitstempo ist oder schlicht und ergreifend, ob die Aufgaben leicht fallen und Spaß machen.

Das Freiarbeitsregal der Unterstufe

In der Unterstufe hatte ich für diesen Fall ein kleines Regal mit verschiedenen Üb-Aufgaben: Von Einmaleins- und Knobelaufgaben über Lesetexte bis hin zu Mandalas durfte in diesem Fall etwas ausgesucht werden für die restliche Zeit der Arbeitsphase. In der Mittelstufe gibt es inzwischen noch mehr Möglichkeiten, auch an Sozialformen und eigenverantwortlichen, mitdenkenden Aufgaben, die nun nicht mehr angeleitet werden müssen. So entstand die Idee der „Wolke“.

Reflexion: Was brauche ich jetzt?

An dieser Stelle wird nicht mehr vorgegeben, was als nächstes zu tun ist, sondern die Kinder dürfen sich selbst einmal wahrnehmen und danach handeln: Was brauche ich gerade? Die Wolke bietet verschiedene Möglichkeiten.

Bewegung: Manch einer möchte erst einmal ein wenig leise herumlaufen. Prima, die Gießkanne kann doch gleich mitgenommen und die Pflanzen der Klasse gepflegt werden! Oder die Tafel kann gewischt werden.

Mehr davon: Haben die Aufgaben Spaß gemacht, darf es selbstverständlich gern auch einen „Nachschlag“ geben.

Wer braucht Hilfe: Kinder lernen auch, indem sie anderen helfen oder Hilfe von anderen Kindern bekommen. Ist man sich einig, darf auch in einer ruhigen Arbeitsphase gern ein bisschen persönlicher Kontakt untereinander stattfinden.

Lücken schließen: Nicht immer gelingt es Kindern, alle Aufgaben vollständig zu erledigen – aus welchen Gründen auch immer. Nun kann man eigenverantwortlich auch die Zeit nutzen und ältere Lücken schließen, vielleicht auch einmal das Heft eines anderen Kindes dazu ausleihen.

Außerdem: Zeitmanagement

Wieviel Zeit ist überhaupt noch übrig und wie lange würde es brauchen, wenn ich jetzt anfange, die Tafel zu wischen? Lieber noch schnell meine Stifte anspitzen oder das Etui aufräumen?
Auch diese Überlegungen spielen im Zusammenhang mit der Wolke eine Rolle und sollen während dieser kleinen Leerläufe bedacht werden. So lernt sich in scheinbaren „Leerlaufzeiten“ doch nebenbei eine ganze Menge.

Umsetzung: Wolke + Wäscheklammern

Die Wolke hängt einfach an der Pinnwand und wenn man eine Aufgabe von ihr übernimmt, hängt man die Klammer mit der Aufgabe einfach an die kleine „erledigt“-Wolke.

So behalten wir einfach die Übersicht. Es steckt also keine große Bastelaktion dahinter (was man natürlich auch gern machen kann). Das Wichtigste ist: Die Kinder nehmen die Aufgaben gern an. Wenn sie selbst noch eine Idee haben, welche Tätigkeiten und Aufgaben ebenfalls passend wären, wird es gern ergänzt. Es lohnt sich also, mitzudenken und die eigene Gedanken auch einzubringen. Die Ideen der Kinder sind sowieso Gold wert!

Sprüche für die schriftlichen Rechenverfahren

Um die schriftliche Division und Multiplikation sicher ausführen zu können, braucht es neben der sicheren Kenntnis des Einmaleins gleich mehrere Rechenschritte. Mit Hilfe dieser beiden Sprüche klappt es mit der Zeit immer besser. Es handelt sich um Überlieferungen, z.T. habe ich etwas umformuliert. Erwartet keine große Dichtkunst, aber vielen Kindern hilft es. Die Sprüche gibt es als Kärtchen zum Download. Ich wünsche viel Erfolg!

Die schriftliche Division

Die schriftliche Multiplikation

Sprüche zum Download

Hier sind sie. Einfach ausdrucken und beidseitig auf Pappe kleben oder laminieren.

Die ersten Herbsttage schmecken schon

Regen, Erntezeit und Kerzen – an diesem Wochenende waren wir seit Langem mal wieder viel im Haus und haben es uns so richtig gemütlich gemacht: Mit Tee, Gesellschaftsspielen und Köstlichkeiten, die es so nur im Herbst gibt: Kürbissuppe, Apfel-Pflaumen-Crumble und Zucchinikuchen. Da es auf Instagram viele Nachfragen zum Crumble gab, teile ich hier einmal das Rezept.

Haferflocken-Dinkel-Crumble

Ja, es ist süß und sowas von lecker. Macht aber auch satt.

Hier das Rezept in Bildern:

Ich wünsche guten Appetit!

PS. Weitere Rezepte für einen leckeren Herbst findet Ihr hier:

Eine Klassenfahrt ohne Programmbausteine

Nun haben wir die zweite Klassenfahrt geschafft und blicken zurück auf eine Woche voller Abenteuer. Auch für diese Fahrt wurden mir Programmbausteine vor Ort angeboten, ich habe aber darauf verzichtet und selbst organisiert. Ein Rückblick.

Kurzfristige Entscheidung

Der Wunsch nach einer weiteren Klassenfahrt war zum Ende des vierten Schuljahres bei den Kindern sehr groß und wurde nahezu täglich nachgefragt, sodass ich mich nach einiger Zeit und mit Blick auf den Kalender entschloss, doch noch für diesen Sommer unsere zweite Fahrt zu planen. Wer weiß schon, ob und wie es mit weiteren Einschränkungen im Schulbetrieb weitergeht im Herbst?! Diesmal sollte es dann also an die Nordsee gehen, doch ich war nicht allein mit meiner Idee. Fast alle Jugendherbergen waren bereits ausgebucht und nach stundenlangen Telefonaten konnte ich doch noch einige Zimmer in einer Jugendherberge an der Nordsee ergattern. Sie war nicht meine erste Wahl, aber ein guter Kompromiss, um die Fahrt stattfinden zu lassen.

Ich stellte auch eine Anfrage an die Bahn bezüglich einer Gruppenreise, denn ich war in der Vergangenheit schon oft mit Klassen im Zug unterwegs und fand dies sehr komfortabel. Die erhöhten Spritpreise hatten zudem die Buskosten weit nach oben getrieben.

Dann kam das 9-Euro-Ticket

Die gebuchte Jugendherberge war hervorragend über den Nahverkehr (einmal umsteigen in Münster) zu erreichen und auch vor Ort in der näheren Umgebung sehr gut im ÖPNV angebunden, was dann durch die Einführung des 9-Euro-Tickets unser Reisebudget deutlich veränderte. Im Nahverkehr kann man eh nicht reservieren, dafür waren wir vor Ort aber auch besonders mobil ohne weitere Kosten.

Als ich die Angebotsbausteine der Jugendherberge erhielt, stellte ich dann fest, dass wir bei eigener Organisation nicht nur flexibler mit den Zeiten waren, sondern auch vor Ort mehr unternehmen konnten. Wir konnten uns schlichtweg mehr Aktivitäten leisten und die Auswahl vor Ort war groß. Der Gedanke, mich und die Kinder nicht komplett an vorgegebene Terminpläne zu binden, sondern die Fahrt diesmal passend für meine Klasse gestalten zu können, ließ mich dann ein eigenes Programm planen.

Mehr Ausflüge waren möglich

Ich habe viele Tage lang recherchiert, gerechnet und geplant. Was ist vor Ort möglich? Welche Termine sind noch frei? Wie gut passt es in mein Gesamtkonzept? Da taten sich viele Möglichkeiten auf und finanziell war ja auch mehr machbar, als beim Einkauf von Programmbausteinen für Gruppenfahrten.

Auf dem Elternabend fragte ich ab, ob es große Bedenken bezüglich Schifffahrten gäbe und dem stand soweit nichts im Wege. Allerdings waren einige Kinder noch nie mit einem größeren Schiff gefahren, was zu bedenken war. Außerdem wollte ich den Kindern lieber nach dem Frühstück noch etwas Zeit zum freien Spielen einräumen, als mit Mahlzeiten und Programmpunkten zu eng getaktet zu sein. Ein Blick auf den Gezeitenplan und bald stand dann unser Plan für eine schöne Woche.

Das war unser Programm

  • Tag 1: Anfahrt und Ankommen in der Jugendherberge, Erkunden er Umgebung rund um die Jugendherberge
  • Tag 2: Stadtbesichtigung mit Hafenrundfahrt (erste Schifffahrt auf ganz ruhigem Gewässer) und Eisessen
  • Tag 3: Fahrt zur Insel Borkum mit dem Katamaran, ein Strandtag am Wattenmeer. Für die Fahrt mit dem Katamaran buchte ich mit geringem Aufpreis sogar das Panoramadeck, bei dem die Kinder eine gute Sicht und ggf. auch Tische zum Spielen und Malen hatten.
  • Tag 4: Der Seehunde-Tag. Zuerst wurde informiert und geforscht an der Seehundaufzuchtstation Norddeich, anschließend ging es auf einem Kutter zu den Seehundbänken, wo die Kinder sehr nah und intensiv die Tiere in freier Natur beobachten konnten.
  • Tag 5: Heimreise. Hier ergab sich spontan noch ein weiteres Erlebnis: Zwei sehr nette Lokführer zeigten meiner Klasse das Cockpit des Zuges und als die Fahrt losging, durfte ein Schüler sogar die Durchsage dazu machen.

Pro und Contra

Es war nicht das erste Mal, dass ich eine Fahrt komplett selbst organisiert habe und so wusste ich letztes Jahr auch sehr genau, was ich habe, wenn ich mich auf Programmbausteine verlasse. Hier eine Zusammenfassung:

Wie beschrieben, sind die Vorteile die große Flexibilität: Ich habe die Zeiten herausgesucht, die Ausflüge aufeinander abgestimmt und dabei darauf geachtet, dass es nicht zu viel und dennoch abwechslungsreich wurde – ganz mit Blick auf die Klasse. Diesmal gab es halb auch deutliche finanzielle Vorteile, die einfach mehr möglich gemacht haben.

Was anstrengend ist: Ich stehe immer in der Organisationsverantwortung und bin Ansprechpartnerin für alles und jeden. Zudem sind beispielsweise Teamtrainings mit Externen auch insofern interessant, als dass man als Lehrperson auch sehr gut mal in eine Beobachterrolle schlüpfen kann und nicht immer selbst „drin steckt“. Wenn Teamer meine Klasse anleiten und nicht ich selbst, hat auch dies eine Qualität für die pädagogische Arbeit.

Außerdem sind Programmbausteine oft bewährte Konzepte von Menschen, die mit allen Begebenheiten vor Ort vertraut und dort gut vernetzt sind. Aus der Ferne online zu buchen, hatte auch ein gewisses Risiko. Dennoch passiert auch Unvorhergesehenes, wenn man etwas Festes plant. So ist das Leben.

Fazit

Mit Blick auf meine Klasse und auf diese Fahrt würde ich es genau so wieder tun! Unsere zweite Klassenfahrt war in meinen Augen sehr gelungen – auch, weil genügend Möglichkeiten da waren, die Tage nach der jeweiligen Tagesform der Klasse spontan auszurichten. Ob unsere nächste Fahrt allerdings wieder selbst organisiert wird oder ich ganz klassisch Programmbausteine buche, hängt im hohen Maße davon ab, was die Klasse zu dem gegebenen Zeitpunkt braucht und wie ich dies pädagogische am besten umsetzen kann: Durch zeitliche Flexiblität, gemeinsame Prozesse und Ziele. Aber eines gilt für jede Fahrt:

Was Kinder auf Klassenfahrten lernen,
lernen sie auch nur auf Klassenfahrten!

Wir haben viele Abenteuer gemeinsam erlebt, waren füreinander da und konnten uns auf eine starke Gemeinschaft verlassen. Man konnte vielfach zusehen, wie Kinder über sich selbst hinausgewachsen sind und an Selbstvertrauen gewinnen konnten – auch wenn dafür manche Anstrengung nötig und manche Grenze gefühlt wurde. Ich bin stolz auf meine Klasse!

Die Gezeiten und die Nordsee – im Glas

Der Norden Deutschlands mit dem Weltnaturerbe Wattenmeer war zu Beginn dieses Schuljahres einer unserer Themenschwerpunkte in Erdkunde, denn dorthin geht nun unsere Klassenfahrt. Das Phänomen der Gezeiten an die Kinder heranzutragen, war eine der Herausforderungen, über die ich lange nachgedacht hatte. So kam ich auf die Idee der „Nordsee im Glas“, um die Kinder durch eigenes Erleben und in Bewegung den Lerninhalt für sich ergreifen zu lassen.

Der Lerninhalt – ziemlich abstrakt

Die Gezeiten entstehen durch das Zusammenspiel von Erde und Mond. Dabei zieht der Mond das Wasser auf der Erdoberfläche durch die Wirkung seiner Gravitationskräfte an. Diese Kräfte hängen vom Stand des Mondes auf seiner Umlaufbahn sowie der Erdrotation ab. Auf der mondzugewandten Seite der Erde ist die Gravitationskraft größer als die Fliehkraft der mondabgewandten Seite und das Wasser wird Richtung Mond gezogen – es entsteht ein „Flutberg“. Auf der mondabgewandten Seite ist die Gravitationskraft des Mondes wiederum kleiner als die Fliehkraft. Die Wassermassen verschieben sich in die entgegengesetzte Richtung und es entsteht ein zweiter Flutberg. Die Erde dreht sich bei ihrer täglichen Rotation und dadurch gibt es zweimal täglich Hochwasser und zweimal täglich Niedrigwasser. Soweit die Theorie.

Gezeiten-Übung Teil 1: Partnerarbeit

Wir suchten uns einen großen Raum und immer zwei Kinder bildeten ein Team. Dabei stellte ein Kind die Erde dar und das andere den Mond: Die Erde dreht sich um ihre eigene Achse und der Mond läuft dabei um die Erde herum. Um die Geschwindigkeiten zu verdeutlichen, geht als nächstes der Mond etwa einen Schritt weiter auf seiner Bahn, nachdem sich die Erde einmal herumgedreht hat. Vorsicht bei zu schneller Rotation der Erde! Schließlich soll es niemandem schwindelig werden. Der Mond muss seine Bahn daher auch nicht vollenden. Es reicht, wenn die Bewegung verstanden und einige Male wiederholt wurde. Denn wenn man es ganz genau nimmt, müsste nämlich der Mond in etwa 26-28 Schritten die Erde umkreisen und sich die Erde dabei ebenfalls 26-28 mal um die eigene Achse drehen….

Nachdem man also die Bewegung der beiden Himmelskörper einmal nachgestellt hat, findet ein Rollenwechsel statt, damit jedes Kind die Bewegung von Erde und Mond jeweils einmal erlebt. Danach ist der große Bewegungsdrang dieser Übung auch erst einmal gestillt und man kann sich ganz in Ruhe dem Wasser auf der „Erde“ zuwenden.

Gezeiten-Übung Teil 2: Nordsee im Glas

Ich habe zur Vorbereitung in einen Eimer mit Wasser etwas blaue Aquarellfarbe gegeben (die blaue Farbe zeigt sich den Kindern deutlicher als klares Wasser) und das Gemisch auf Einmachgläser verteilt – die Nordsee im Glas. Jedes Team bekam ein Glas. Das Kind, das die Erde darstellte, hielt sozusagen die Nordsee in Händen. Während es sich langsam um die eigene Achse drehte, musste das Glas ein wenig in Richtung Mond (Anziehungskraft) gekippt werden – wie vom Mond angezogen – , vom Mond abgewandt wiederum zur anderen Seite. Das Kind, welches also Erde mit Nordsee darstellte, musste bei der eigenen Drehbewegung auf den Standort des „Mondkindes“ achten. Dieses wiederum konnte die Bewegung des blauen Wassers gut beobachten.

Auch hier wurde nach einigen Runden die Rollen getauscht.

Lernen in Bewegung

Im Anschluss an diese Übung haben die Kinder sich eigene Notizen und Skizzen gemacht. In der Folgestunde konnten wir gut einen gemeinsamen Epochenheftbeitrag zu dem Thema erarbeiten und jedes Kind hat zudem selbständig zur Veranschaulichung eine Zeichnung angefertigt, dabei das Lernerlebnis also nochmals durchdacht und umgesetzt.

Selbstverständlich haben wir gründlich besprochen, dass die Erde die Meere nicht „kippt“ (wie die Kinder die Gläser), da ja andere Kräfte wirken. Dennoch zeigte sich die Bewegung des Wassers und das Phänomen Ebbe und Flut erschloss sich auf diese Weise den Kindern.

Die erste Musikstunde

Morgen haben wieder neue Erstklässler:innen ihre erste Musikstunde bei mir. Ich weiß nicht, wie viele erste Klassen ich inzwischen hatte, aber auch in diesem Jahr gestalte ich die erste Stunde ganz neu. Heute kam mir eine schöne Geschichte mit erster Klangübung in den Sinn.

Klingen soll es in der Welt

In der Geschichte geht es um einen Wanderer, der unter einem Ahornbaum Rast hält und dem dort die verschiedensten, schönsten Naturklänge begegnen. Er schläft ein und nach seinem Traum macht er sich auf den Weg, um einen Baum zu finden, der dafür bestimmt ist, ihm Klänge zu schenken.

Als er diesen findet, bedankt er sich bei ihm und erarbeitet aus dem Holz die schönsten Instrumente. Seitdem ist die Welt um einige Klänge reicher.

Hier findet Ihr die Geschichte zum Download:

Mit Liebe das Interesse wecken und ins Tun kommen

Die Instrumente sind zunächst verdeckt und werden nach und nach, im Laufe der Geschichte enthüllt und gespielt. So ist jedes Instrument ein schönes Erlebnis.

Ich habe dann noch ein Körbchen mit weiteren Shakern und Klanghölzern und beginne auch eine kleine praktische Übung, das Klangorchester. So kommen die Kinder auch gleich ins Tun, denn sie wollen ja Musik machen. Beim Spiel des „Klangorchesters“ lege ich dann auch an, wie mit Instrumenten achtsam umgegangen wird und zeige kleine Handgesten für „leise“, „lauter“, „nicht mehr spielen“. Dafür eignen sich Shaker und Hölzer sehr gut.

Ich freue mich schon auf die Stunde!

Erzählkarten

Zur praktischen Handhabung habe ich außerdem Erzählkarten erstellt, die aktuell bei Eduki geprüft werden. Der Link erscheint hier in Kürze.

Der neue Epochenplan ist fertig

Ein neues Schuljahr zu planen, ist jedes Jahr und immer wieder etwas ganz Besonderes. Das sind diese Momente, in denen man als Waldorflehrer:in die Freiheiten und Besonderheiten des Berufs besonders spürt, wie ich finde.

Die Epochen und der Lehrplan

In der Waldorfpädagogik geht es darum, die kindliche Entwicklung zu fördern und den Kindern Antworten auf ihre vielfältigen Fragen an die Welt zu geben. Es geht also nicht darum, dass etwas unterrichtet wird, sondern auch wie und vor allem wann (in welchem Entwicklungsalter ist es passend?) Deshalb sind bei uns manche Themen und Fächer früher (Bruchrechnung, Fremdsprachen) und andere später (Einsatz von Medien, bestimmte Sachthemen, Einsatz von Geometriedreieck und Zirkel) an der Reihe im Vergleich zum staatlichen Schulsystem – und mitunter auch im Vergleich zu anderen Klassen.

Nun zu meiner Klasse. Die neuen Fünftklässler:innen stehen mit beiden Beinen fest im Leben und möchten alles um sich herum näher erforschen, vertiefenden Fragen nachgehen und Zusammenhänge ergründen. Sie haben ihre erste große Entwicklungskrise voll und ganz überwunden und verbinden sich mit vielen Inhalten. Die Pubertät ist zwar nicht mehr weit, aber eben auch noch nicht mit großen Wachstums- und Hormonschüben angekommen.

Eine schöne Zeit, die eine Vielfalt an Themen bietet, die sowohl das Verhältnis von Mensch und Umwelt, als auch die Menschentwicklung abbilden: Da wären die alten Kulturen, das antike Griechenland, die Welt der Pflanzen und Tiere, die Vielfalt Deutschlands und so viel mehr. Verschiedene Texte – Nacherzählungen, Sachtexte, die eigene Meinung – werden produziert, dabei Grammatik erforscht und die Rechtschreibung weiter geübt. Die Bruchrechnung wird umfassend erschlossen, die bisher erlernten Rechenverfahren dazu weiterhin geübt und gefestigt. Es gibt also viel zu entdecken und zu tun – und das hoffentlich mit ganz viel Lernfreude!

Beziehung und Kreativität

Vier Jahre habe ich mit meiner Klasse bereits verbracht. Zu meinem großen Bedauern sind diese Jahre unglaublich schnell verflogen und wir haben inzwischen „Klassenlehrer-Halbzeit“. Dass ich die Klasse als funktionierende Gruppe so gut kenne und weiß, was die Kinder für ihre nächsten Schritte brauchen und was ihnen gefällt, fließt natürlich voll und ganz in die Gestaltung des neuen Epochenplans ein. Mir ist bewusst, woran sie Freude haben und wie ich sie „mitnehmen“ kann. So bekommt der neue Plan dann auch einen ganz eigenen Schliff, der eben genau zu dieser Klasse passt.

Mit Blick auf die Unterlagen, die ich aus meiner letzten 5. Klasse aufbewahrt habe, spüre ich übrigens das, was gerade die aktuelle Klasse ausmacht, im Vergleich zur ehemaligen Klasse noch einmal besonders. Und es macht sehr zufrieden, genau darauf eingehen zu können. Einfach nur genial, dass ich diesen Freiraum nutzen und auch eigene Epochen passend konzeptionieren kann.

Startklar!

Die Sommerferien sind zum Glück 6 Wochen lang. Zeit, um das vergangene Schuljahr sacken zu lassen, Zeit zum Erholen, Zeit für neue Pläne. Viele Ideen habe ich gesammelt und wirken lassen – und jetzt, wo das neue Schuljahr vor der Tür steht, wird alles konkret.

Das Puzzle und die Reihenfolgen

Rein technisch muss man erst einmal schauen, wie viele Wochen zwischen den jeweiligen Ferien liegen und diese Zeit aufteilen in verschieden lange Epochen, so wie es am besten passt. Die Pflanzenkunde-Epoche zum Thema Frühblüher kann natürlich nur im Frühjahr stattfinden. Wollen wir draußen auf dem Sportplatz eine Olympiade veranstalten? Das Thema antikes Griechenland passt ohnehin gut in die Sommerzeit. Und so setzt sich das Puzzle „Epochenplan“ nach und nach zusammen.

Zum Auftakt des Schuljahres wird das Neue spürbar: Mit einem ganz neuen Themenbereich, einem neuen Arbeitsmittel oder einer neuen Lernmethode beginnt der Weg in die neue Klassenstufe. Es gilt, den Stoff sinnvoll aufzubauen, vor jeden Ferien einen schönen Abschnitt geschafft zu haben und froh auf das nächste Stück Weg zu blicken.

Doch noch ist aber alles geheim. Die ersten, die den Plan näher kennenlernen, werden meine Schüler:innen sein. Sie werden ihn dann mit nach Hause bringen und ihren Eltern von unseren Plänen berichten. Auf dem ersten Elternabend, der zeitnah stattfindet, erfahren die Eltern dann von mir Näheres zu den menschenkundlichen Hintergründen und warum genau das unser Epochenplan ist. Oftmals bekomme ich dann auch schon erste Rückmeldungen, was die Kinder zu Hause berichtet haben oder worauf sie sich schon an meisten freuen.

Ein neues Schuljahr steckt voller neuer Chancen, Herausforderungen und Überraschungen. Wir können es aktiv gestalten!

Montagskindblog