Äpfel und die Magie der Wintersonnenwende

Der Zeitraum vom 21. bis 24. Dezember gilt als die Zeit der Wintersonnenwende. Sie ist auch der kalendarische Winterbeginn und schenkt uns die längste, dunkelste Nacht des Jahres oder: Die Geburt des Lichtes, denn von jetzt an werden die Tage wieder länger. Wer gern in der Stimmung der Jahreszeiten lebt, kennt einige Gewohnheiten und Rituale dieser magischen Zeit. Ich möchte in diesem Jahr einmal dem Zauber der Äpfel meine Aufmerksamkeit schenken.

Darum passen Äpfel so gut zur Wintersonnenwende

Lagern wir im Herbst die frisch geernteten, reifen Äpfel ein, überwintern sie mühelos viele Monate. Das macht sie ganzjährig als Frischkost und Vitaminquelle verfügbar. Besonders in früheren Zeiten gehörten Äpfel damit zu den wichtigsten Wintervorräten der Menschen. „An apple a day keeps the doctor away“: Äpfel sind sehr gesund, heilend und stehen damit auch für den wichtigsten und größten aller Zukunftswünsche: Die Gesundheit.

Äpfel sind weit verbreitet, von uns Menschen in allen Kulturen sehr geschätzt und so ranken sich viele Mythen, Erzählungen und Geschichten aus aller Welt um sie. Sie stehen für Liebe, Erdverbundenheit und Leben. Damit passen sie genau in diese „Wendezeit“, in der sich das Neue öffnet und auf die Zukunft geschaut wird. In der Wünsche sichtbar oder deutlich fühlbar werden.

Verborgene Wünsche und Liebe offenbaren

Da ist in dieser Zeit eine lange Nacht, mit vielen strahlenden Sternen am Himmel. Auch jeder Apfel trägt einen Stern in sich und verbindet damit Himmel und Erde. Kinder lieben es, wenn sie einen Apfel einmal waagerecht durchschneiden und diesen schönen Stern selbst entdecken dürfen.

Jeder Apfel ist ein Wunschträger und auch wir Menschen tragen Wünsche in uns. Nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere.

Einen Apfel verschenken
Haltet einen Apfel in Euren warmen Händen und denkt an den Wunschstern in seinem Inneren. Widmet jemandem den Apfel, mit einem Wunsch für den lieben Menschen.
Anschließend schenkt ihm den Apfel und genießt ihn gemeinsam.

Gute Taten säen

Wünsche sind erst unsichtbar, aber sie können die Saat für gute Taten sein. So kann man in der magischen Nacht der Wintersonnenwende Apfelkerne im Mondlicht säen. Wenn sich mit jedem Kern ein gutes Vorhaben, ein Vorsatz und eine Erneuerung verbindet, blicken wir froh in die Zukunft, gehen wir zuversichtlich ins neue Jahr.

Ich wünsche Euch eine magische Zeit!

Weitere passende Artikel:
Der mit Sternen gedeckte Apfelkuchen
Drei kleine Rituale zur Wintersonnenwende

Selbstreflektion mit dem Fingertrick

Lernen braucht ein bestärkendes Mindset. Solch ein Mindset braucht Selbstfürsorge. Selbstfürsorge braucht Selbstreflektion. Und das beginnt – wie der Name schon sagt – bei sich selbst. Auch die Kinder sollen für ihren Lernerfolg ein positives Mindset aufbauen und wissen: Wie nehme ich mich und meine Empfindungen wahr? Wie kann ich das vor allem auch sichtbar machen, zum Ausdruck bringen? Dazu fiel mir vor kurzem, an einem sehr stressigen Tag, wieder die 5-Finger-Skala wieder ein.

Ich habe den Kindern diese Übung im Rahmen einer Erzählrunde vorgestellt, an einem Tag, der für mich seit den frühen Morgenstunden schon alles andere als rund lief. Den 5-Finger-Trick habe ich, bezogen auf mein Beispiel, einmal laut vorgemacht. Die Kinder hatten gut zugehört und mich auch daran erinnert, was trotz der Kette von Missgeschicken an diesem Tag in meinem Falles alles gut war. Seitdem machen wir diese Übung zwischendurch gemeinsam, aber jeder für sich. Ich kann dabei gut wahrnehmen, wie es einzelnen Kindern geht. Auch viele Kinder sind schon in der Lage, um sich herum die Situation einiger Mitschüler:innen wahrzunehmen.

Hier die Übung einmal schnell erklärt:

Daumen: D wie Dankbarkeit

Die Frage lautet: Wofür bin ich heute dankbar? Tippe den Daumen an für jede einzelne Sache, die dich heute dankbar macht.

Zeigefinger: Z wie Ziel

Alles, was ich mir für heute vorgenommen habe: Mich in der Stunde mindestens dreimal melden, am Nachmittag meine Freunde treffen, mein Haustier pflegen….. Die Tagesstruktur findet sich auch hier wieder.

Mittelfinger: M wie Mein Gefühl

Dieser Finger ist ein Stimmungsbarometer: Geht es mir gut? Je höher, desto besser.

Ringfinger: R wie Ratgeber

Wer steht mir zur Seite? Familienmitglieder, Freunde, Mitschüler:innen, Lehrer:innen…. Tippe für jede Person, die Dir in den Sinn kommt und spüre, wie viele liebe Menschen Dich umgeben.

Kleiner Finger: K wie Kraft

Wie fühlt sich mein Körper heute an? Ist er in seiner Kraft oder gibt es etwas, das ihn hemmt. Auch der kleine Finger ist eine Anzeige: Je höher der „Stand“, desto mehr Energie habe ich.

Ich wünsche Euch viel Erfolg und gute Gedanken mit dieser kleinen Mindset-Übung!

Die Zeit zwischen St. Martin und Advent

Wie bunt und schön war der Herbst bis jetzt. Doch allmählich verschwinden die bunten Farben. Die Bäume stehen leer, auch die Tiere ziehen sich zurück. Mit dem Martinsfest und vielen Lichtern wurde nun wieder auf die bevorstehende, dunkle Jahreszeit geschaut. Mit dem Eindruck der Herzenslichter geht es nun in Richtung Advent. Welche schönen Rituale es für die Zwischenzeit gibt, das möchte ich Euch nun zeigen.

Ritual 1: Der „Adventsputz“

Es wird wieder aussortiert und geputzt, zu Hause und in der Schule. Jeden Tag nehme ich mir etwas vor – und wenn es an stressigen Tagen nur eine Schublade ist, die entrümpelt wird. Das Sortieren, Ausmisten, Ordnen und Reinigen öffnet auch innerlich für die Adventszeit. Ist alles ordentlich und sauber, kann bald festlich geschmückt werden für die heilige Zeit.

Ritual 2: Eine kleine Dankbarkeits-Meditation

Gönne Dir eine tägliche kurze Auszeit von nur 5 bis 10 Minuten. Suche Dir dazu einen gemütlichen Ort, den Du wahlweise

  • mit Kerzenlicht
  • ätherischem (Lieblings-)duft

und dazu

  • einer Klangschale oder
  • frisch gekochtem Tee

herrichtest und beginne

  • mit drei Atemzügen: Dabei atmest Du jeweils durch die Nase ein und langsam durch den Mund wieder aus. Beim Einatmen zählst Du bis 4, beim Ausatmen im selben Tempo bis 8.

Schließe Deine Augen, lenke Deine Gedanken auf das, wofür Du an diesem Tag besonders dankbar ist und begib Dich innerlich ganz dorthin. Schaue dabei so detailreich wie möglich Deine inneren Bilder und fühle die Dankbarkeit.

Du beendest Deine kleine Meditation mit dem Klang der Klangschale oder dem Genuss des frischen Tees Deine kleine, erholsame Meditation, die Dich ganz auf die Vorweihnachtszeit einstimmt.

Ritual 3: Gedichte und Lieder ziehen ein

Ich werde in den nächsten Tagen passende Sprüche, Lieder und Gedichte teilen. Man kann sie gut in einem ruhigen Moment lesen, hören und wirken lassen.

Ritual 4: Tätigwerden für den Advent

Zu den schönsten vorbereitenden Tätigkeiten zählen wohl das Filzen kleiner Dekorationen, das Kerzenziehen oder Basteln von Fenstersternen. Es gibt viele schöne kleine Tätigkeiten, mit denen wir uns innerlich einstimmen können.

Ritual 5: Jeden Tag ein kleiner Schatz

Wer einen kleinen Moosgarten herrichten oder Adventskranz binden möchte, legt jeden Tag einen kleinen Schatz bereit: Das kann eine Walnuss oder ein kleiner Apfelkern, ein Edelstein oder eine schöne Glasmurmel sein – der Kreativität und dem Sinn für kleine, achtsame Dinge sind dabei keine Grenzen gesetzt. Der kleine Schatz des Tages wird dann in den Moosgarten gelegt und die Kinder lieben es auch, die Schätze jeden Tag auf`s Neue so hinzulegen, dass es immer wieder und bis zum 1. Advent stimmig aussieht.

Ich hoffe, Ihr habt nun die eine oder andere neue Idee gefunden und schaut weiter hier vorbei. Ich wünsche Euch eine schöne „Zwischenzeit“!

Wenn Zeugnissprüche ruhen

Am letzten Schultag haben die Kinder meiner Klasse ihre neuen Zeugnissprüche für das kommende Schuljahr feierlich entgegengenommen. Ich habe sie ihnen vorgelesen, auf ihrem Aquarell konnten sie sie anschließend selbst lesen und nun begleiten die Sprüche sie bereits – egal, ob sie noch unbeachtet in der Schultasche schlummern oder vielleicht auch schon an einem kleinen Ehrenplätzchen stehen oder hängen. Auch mich begleiten sie.

Von der Bewegung zur Ruhe kommen

Das ist wohl das, was so ein Ferienbeginn ausmacht. Besonders auf der letzten Zielgeraden vor der Zeugnisausgabe gibt es gefühlte 1000 Dinge parallel zu tun, der Kopf ist voller Gedanken, der Tagesablauf voller abzuarbeitender To-Do-Listen.

Während ich in den letzten Wochen eines Schuljahres beim Zeugnisschreiben intensiv an jedes Kind denke, fallen mir die Sprüche quasi von selbst und auch ziemlich unvermittelt ein. Daher habe ich mein Zeugnisspruch-Notizbüchlein immer dabei. Ich schreibe dann schnell auf, was mir in den Sinn kam. In der folgenden Zeit lese ich die Sprüche immer wieder, verfeinere sie, streiche auch Manches und setze bewusst bestimmte sprachliche Mittel ein.

Einmal aufgeschrieben, werden die Sprüche also von mir immer weiter bewegt – bis ich sie auf das Aquarell des jeweiligen Kindes schreibe. Danach wird nichts mehr verändert und ich lasse den Spruch los.

Jetzt, in den Ferien, darf sich diese künstlerische Arbeit ebenso wie viele andere Dinge setzen. Zwischendurch schwirren auch die neuen Zeugnissprüche immer wieder in meinem Kopf herum und bekommen mit der Zeit eine andere Qualität. Ich bin sehr gespannt, wenn sie zum ersten Mal von den Kindern selbst gesprochen werden, wie meine Schüler:innen sie für sich ergriffen haben in diesen Wochen.

Eine kleine Auswahl

Ich werde immer mal wieder danach gefragt, die Sprüche auch zu veröffentlichen. Ich habe drei der neuen Sprüche herausgesucht. Sie sprechen drei besondere Epoche des neuen Schuljahres an: Die Erdkunde, die Pflanzenkunde und die alten Kulturen.

Jeder Spruch hat sein Kind

Doch mir ist es wichtig, an dieser Stelle auch zu betonen, dass es so etwas wie einen Lieblingsspruch nicht gibt. Jeder Spruch hat sein Kind und jedes Kind hat seinen Spruch.

Ferienausklang in der Schule: 3 kreative Spiele für spannende Erzählrunden

Wenn sich über 30 Kinder nach zwei Wochen Ferien wiedersehen, haben sie sich viel zu erzählen. Und selbstverständlich nehmen wir alle Anteil aneinander, jeder möchte schließlich gehört werden und der Klasse von den vielen Eindrücken und Erlebnissen berichten. Damit es eine spannende Erzählrunde wird und sich die Kinder möglichst ausdauernd zuhören, stelle ich Euch hier drei Spiele für den Erzählkreis nach den Ferien vor.

Zuvor aber noch eine kleine Werbung in eigener Sache: Ich bin die Autorin dieses schönen Kartensets für den Schulalltag: Sprechen und Zuhören im Erzählkreis. Hier geht es nicht nur um Erzählanlässe, das Zuhören und die Erweiterung des Wortschatzes der Kinder. Im Schulalltag braucht es gute Gewohnheiten und eine positive Kommunikation miteinander, die letztendlich die ganze Klassengemeinschaft stärkt. Auch mein Lieblingsthema darf natürlich nicht fehlen: Kindern einen Raum für Gott und die Welt zu geben, sie philosophieren zu lassen. Die Karten hat man auch im Eifer des Gefechts übrigens sehr schnell griffbereit 🙂

Jetzt aber zu den Ferienerlebnissen!

Spiel 1: Der Schatz der schönen Momente

Ab Klasse 1: Die Kinder bekommen eine kurze Zeit zum Nachdenken über die Ferien. Welcher Moment war unergesslich? Dieser ist ein Schatz in der Schatzkiste unserer Erinnerung.

Zur Visualisierung kann auch eine kleine Schatzkiste aufgestellt werden. Jedes Kind bekommt ein kleines Steinchen oder eine Perle, erzählt von einem unvergesslichen Ferienmoment und legt die Perle oder den Stein in die Schatzkiste.

Spiel 2: Zweimal wahr, einmal erdacht

Ab Klasse 3/4: Dieses Spiel mag meine Klasse auch sehr. Sie hören gern drei Dinge aus den Ferien ihrer Mitschüler:innen und raten dann, welches Erlebnis wohl erdacht ist. Dabei ist anschließend sowohl eine kleine Abstimmung mit der ganzen Klasse („Publikumsjoker“) denkbar, als auch die Möglichkeit, dass das Erzählerkind zwei oder drei Kinder auswählt, die ihren Favoriten nennen.

Tipp: Beim Spielen hat sich gezeigt, dass sich manchmal einige Auswahlmöglichkeiten wiederholen können, nachdem sie ein paarmal gehört wurden. Ich lasse daher die Kinder nun vorab einzeln drei Dinge aufschreiben, die sie dann später nennen wollen: Zweimal wahr, einmal erdacht.

Spiel 3: Meine Ferien als Bild

Ab Klasse 4: Hier biete ich einfach eine Auswahl verschiedener Bilder an. Sobald ein Kind ein Bild mit einem Ferienerlebnis verbindet, darf es das Bild an sich nehmen. In der Erzählrunde wird dann gezeigt, welches Bild man ausgewählt hat und erzählt, welches Erlebnis man damit verbindet.

Wichtig: Hier sollte die Anzahl der Bilder deutlich größer sein als die Anzahl der Kinder. Dass Bilder doppelt, dreifach oder vierfach vorkommen, macht es besonders interessant! So kann man nämlich hören, welche verschiedenen Geschichten mit ein und demselben Bild verbunden werden.

Meine Bildervorlagen habe ich hier für Euch als Download:

Ich wünsche Euch schöne Erzählkreise nach den Ferien!

Allein vorn an der Tafel

Aber nicht alleingelassen! Dass auch mal von einzelnen Kindern etwas vor der Klasse präsentiert oder ausprobiert wird, gehört zum Schulalltag. Damit es nicht in Stress umschlägt, sollte auf einige Dinge geachtet werden.

Rückblick in meine eigene Schulzeit

Ich wurde als Schülerin meist nicht gefragt, ob ich nach vorn an der Tafel vor allen anderen Kindern etwas vorrechnen oder schreiben möchte. Besonders in Mathe habe ich mir die allergrößte Mühe gegeben, mich so unauffällig wie möglich zu verhalten, um bloß nicht vom Lehrer entdeckt und aufgefordert zu werden. Die Gefahr, bloßgestellt zu werden, war in meinen Augen doch ziemlich groß. Nicht selten haben Lehrer einen auch mal schmoren lassen, wenn man nicht weiter kam oder es gab den einen oder anderen hämisch klingenden Spruch.

Etwa 30 Jahre später…

In meinem Klassenraum soll auch an der Tafel vorgerechnet werden. Manche Kinder möchten gern einmal wie ich da vorn stehen und vor allem ist der Wunsch groß, auch mal etwas mit der Kreide für alle an die Tafel zu schreiben.

Andere Kinder schauen sich das lieber erst ein paarmal an, melden sich aber nach einiger Zeit dann auch von selbst. Wieder andere sind und bleiben ruhige Beobachter.

Alles das ist in Ordnung.

Frag doch einmal die anderen…

Das Kind, das vorn an der Tafel steht, ist nicht allein mit der Aufgabe. Es darf jederzeit die anderen Kinder fragen, wenn es nicht weiter kommt oder es sich nicht sicher ist. Die anderen Kinder zeigen dann auf und werden vom Tafelkind drangenommen.

Wenn die Kinder dann mit eigenen Worten ihren Lösungsweg oder ihre Vorgehensweise erklären, geht nicht selten auch noch hier und da im Raum ein weiteres Lichtlein auf.

Fehlerkultur

Passiert ein Fehler, melden sich manche Kinder sogleich per Handzeichen, wenn er ihnen aufgefallen ist. Mehrere Handzeichen im Raum können also ein Hinweis sein, dass an einer Stelle noch nachgebessert werden muss. Wir warten aber erst noch ab, ob das Tafelkind den Fehler selbst bemerkt. Manchmal hilft hier auch ein kleiner Tipp meinerseits.

Für die anderen Kinder ist es übrigens auch sehr spannend, die Denkweise hinter bestimmten Fehlern zu erforschen und dadurch ihren eigenen Lösungsweg noch klarer zu sehen.

Fehler sind erwünscht, denn sie können weiterhelfen.

Entspanntes Lernen hilft

In einer gewachsenen, vertrauten Gruppe, in der entspannten Lernkultur, mit gutem Umgang untereinander, ist viel Raum für Entwicklung geschaffen.

In 10 Minuten einfach loslassen und einschlafen

5 Schritte für eine entspannte Ruhezeit

Ein Gastbeitrag von Dr. Daniela Heidtmann

Das Loslassen am Abend fällt nicht nur Kindern, sondern selbst Erwachsenen schwer und sehr viele Menschen brauchen recht lange, um in den Schlaf zu finden. Oft beginnt am Abend mit der zur-Bett-geh-Zeit der Kinder eine stressige Phase im Familienleben. Die Kinder weigern sich beharrlich und drehen oft nochmal richtig auf, bei den Eltern ist nach einem langen Tag der Akku leer, man hat keine Kraft für Diskussionen um „ich muss aber nochmal aufstehen und trinken“ oder „ich habe aber noch nicht fertig gebaut.“ 

We-Time: Mein Kind und ich

Kleine, immer wiederkehrende Rituale sind hier hilfreich, denn sie nehmen den Stress aus der Situation und zeigen einen Weg zum Loslassen ohne viele Worte. Wenn Abend für Abend ein ähnlicher Ablauf für das Kind erkennbar ist, kann es sich viel leichter darauf einlassen und geht entsprechend freudiger in Richtung „Land der Träume“. Wichtig ist hier vor allem die innere Haltung von Erwachsenen, die das Kind in dieser sensiblen Phase noch einmal achtsam wahrnehmen und sich mit ihm verbinden. Jeder einzelne Schritt kann von Erwachsenen als innige We-Time angelegt werden. Die Schritte zusammen dauern nicht mehr als 10 Minuten, schaffen aber Zufriedenheit und eine friedliche Stimmung am Abend.

Schritt 1: Das Zimmer für die Nacht vorbereiten

  • Das Bett zum Einstieg bereit machen, frisch aufschütteln
  • ein kleines Licht anzünden, 
  • etwas Lavendelöl auf ein Tüchlein neben das Bett legen / Lavendelöl in Schale tröpfeln
  • das liebste Kuscheltier „in Warteposition“ hineinlegen: Teddy freut sich auf die Nacht!

Bei diesem Schritt werden viele Kinder gern mithelfen, es ist aber kein Muss. Die positive Haltung des/der Erwachsenen bei der Vorbereitung ist sehr wichtig. Jeder einzelne Schritt sollte langsam und mit Bedacht ausgeführt werden. Dabei können Eltern selbst schon zur Ruhe finden und diese auch ausstrahlen.

Schritt 2: Eine Körperspür-Übung vor dem Gang ins Bett

Bevor es ins Bett geht, ist es für Kinder meist hilfreich, ihren Körper wahrzunehmen, beruhigende Bewegungen aus dem Yoga bieten sich hierbei an:

  • Das Kind darf sich nochmal ganz groß machen, sich dehnen und recken
  • Das Kind nochmal stehend im Arm halten und etwas wiegen
  • Eine kleine beruhigende Yogahaltung zusammen mit dem Kind üben

Schritt 3: Dem Kind im Bett Raum für Gespräch geben

Mit dem Gang ins Bett „droht“ für viele Kinder „der Kontaktabbruch“ zu den Eltern: Sie sollen schlafen, die Eltern verlassen den Raum. Hier ist es wichtig, noch eine kleine „Kommunikationszeit“ zu reservieren, um kurz in den Austausch zu kommen, das Kind wahrzunehmen, ihm verbal Raum zu geben.

  • Frage: „Was hat dir heute im Kindergarten / in der Schule besonders gut gefallen?“ oder
  • „Was hat dir heute am besten geschmeckt?“ oder
  • „Heute ist dir x/y schon richtig gut gelungen“ oder
  • „Ob Teddy schon schläft?“

Schritt 4: Angenehme Stillezeit

Nach dem Gespräch kommt die Stillezeit. Auch wenn nicht mehr/kaum noch miteinander gesprochen wird, bleibt die/der Erwachsene weiter innig mit dem Kind in Kontakt:

  • Kleine Massage der Hände oder Füße oder
  • Vorlesen einer kleinen Fantasiereise oder
  • Erzählen, wie Mond und Sterne am Himmel stehen (angepasst ans Alter des Kindes, vom kurzen Beschreiben bis zu Sternbildern) oder
  • Erzählen, was Teddy träumt

Mit Abschluss der kleinen Stillezeit kommt der wichtigste Teil des Rituals: Die Me-Time für den Erwachsenen: Eine kurze Meditation vor dem Bett des Kindes. Sie hilft, die Anstrengungen des Alltags zurückzulassen, durchzuatmen und zur Ruhe zu kommen, während das Kind behütet einschläft.

Schritt 5: Me-Time – die Meditation für Erwachsene

  • Sitze auf einem Stuhl, Kissen, oder auf dem Boden vor dem Bett deines Kindes
  • Richte die Wirbelsäule auf und Erde dich gut
  • Lasse den Atem frei fließen und nimm seinen Rhythmus wahr
  • Beobachte den Weg der Ein- und Ausatmung
  • Werde ganz still, der Körper ist unbewegt
  • Spüre die Füße, … die Hände, das entspannte Gesicht
  • Nimm dein einschlafendes Kind wahr, seinen Atmenrhythmus, dann spüre wieder deinen stillen Körper
  • Tauche ganz ein in diesen friedlichen Moment … lass los!

Viele friedvolle Familien-Abende und gute Nächte wünscht

Daniela

Hilfreiche Unterstützung

Ein Yogaabendritual für das Grundschulalter: Heidtmann, Daniela (2019): Yoga, Mond und Sterne. Buch Hardcover. Mitmach-Geschichte für Familien. Asteya-Verlag. – in meinem Shop erhältlich

Kurze Fantasiereisen zum Loslassen: Heidtmann, Daniela (2021): Kleine Fantasiereisen. Kartenset mit 30 Karten. Ellermann-Verlag – hier bestellen.Blogartikel dazu

Meditation und Entspannung lernen: Online-Workshop von Daniela Heidtmann: Meditations- und Entspannungstage vom 10.01.-14.01.2022, täglich 20.00-21.00. www.yoga-neckarau.de

Zur Autorin: @danielaheidtmann_yoga

Daniela ist Kommunikationswissenschaftlerin, dreifache Mutter und Yogalehrerin. Sie ist Autorin vieler Bücher zum Thema „Zur-Ruhe-kommen mit Yoga und Entspannungstechniken“. Als Entspannungsexpertin beschäftigt sie sich seit über 20 Jahren damit, wie Kinder und Erwachsene leichter loslassen und einschlafen können. In ihrer Yogaschule in Mannheim, aber auch online, bietet sie achtsames Yoga mit Meditation an und bildet Yogalehrer/innen aus.

Kaffee, Kreide, Morgenspruch – Morgenspruch?

Am Freitag ist die mittlerweile 10. Folge „Kaffee, Kreide Morgenspruch – der Waldorfpodcast“ erschienen, das monatliche „Waldorflehrergespräch“ von Dustin und mir.

Was ist denn eigentlich der Morgenspruch?

Mit ihm beginnt unser Tag. Nein, der Tag aller Klassen an unseren Schulen. Und an allen Schulen in ganz Deutschland. Nein, weltweit. Und das seit 100 Jahren. Die beiden Morgensprüche wurden von Rudolf Steiner für die Kinder in verschiedenen Klassen geschrieben.

Wie sie noch heute zu unserem Schultag gehören und wie wir dies erleben, darüber haben Dustin und ich uns ausgetauscht. Mit meiner vierten Klasse spreche ich: Der Sonne liebes Licht.

Dustin spricht mit seiner 6. Klasse: Ich schaue in die Welt.

Die Morgensprüche stehen also im Mittelpunkt der zehnten Folge und wie immer halten wir unseren üblichen Plausch über aktuelle Epochen und beantworten die Fragen unserer Hörer:innen.

Kaffee, Kreide, Morgenspruch gibt es überall, wo es Podcasts gibt oder ganz einfach hier:

Der mit Sternen gedeckte Apfelkuchen

Winterzeit ist Backzeit: Ofenwarm genießen, Plätzchen- und Kuchenduft im Haus. Bei uns sind gerade die winterlichen Jahresfeste – von St. Martin, über Adventsgärtlein bis Dreikönig – mit bestimmten selbstgemachten Delikatessen verbunden. An diesen Traditionen ändert sich auch dann nichts, wenn die Kinder irgendwann älter werden und die Feste nicht mehr aktiv feiern – am Esstisch kehren dennoch die schönsten Erinnerungen zurück.

Passend zum Adventsgärtlein am Wochenende habe ich nun den mit Sternen gedeckten Apfelkuchen, den auch meine Teens noch sehr lieben. Dazu passen übrigens auch die Punschrezepte ganz hervorragend. Beides wird es auch am Freitag wieder bei uns geben, ist schließlich Tradition und wird schon fest erwartet 🙂

Die Zutatenliste für den Kuchen

  • Äpfel
  • (pflanzliche) Butter
  • Dinkelmehl 630
  • Zucker
  • abgeriebene Schale einer Zitrone
  • Puddingpulver Vanille
  • (pflanzliche) Sahne
  • Prise Salz

So wird`s gemacht

Download

Du möchtest das Rezept lieber downloaden und ausdrucken? Kein Problem, hier ist es:

Ich wünsche eine genussvolle Adventszeit und viel Freude beim Backen!

Schritt für Schritt auf der Rallye – ein Übweg

Das „Übungsformat“ der Rallye ist neu bei uns in Klasse 4 und hat sich im Zusammenspiel mit den Kindern entwickelt: Es kommen nun einmal in diesem Schuljahr viele neue Lerninhalte dazu, gewisse Grundlagen müssen dafür geübt und gefestigt werden. Auch ein Überblick über die einzelnen Lernstände ist wichtig bei einer großen Klasse. Die „Rallye“ ist nun ein Weg, Lernschritte zu gehen und mit Lernfreude vorwärts zu kommen.

Ich erlebe meine Klasse jeden Tag in verschiedenen Unterrichtsstunden, die einzelnen Kinder sind mir seit ihrem ersten Schultag in der Klasse sehr vertraut. Und ich nehme natürlich in der Interaktion, bei der täglichen Arbeit mit allen, schon sehr deutlich wahr, wie die einzelnen Lernstände sind. Dennoch freue ich mich, die „Rallye“ zusätzlich als tägliche Üb-Routine gemeinsam mit den Kindern entdeckt zu haben. Warum das so ist, gebe ich gern hier weiter.

Alles begann mit dem Einmaleins

und irgendwie auch mal wieder mit der vorangegangenen, belastenden Situation von Lockdowns, Wechsel- und Distanzunterricht. Inmitten unserer ersten Einmaleins-Epoche im zweiten Schuljahr gingen damals die Lichter der Schule buchstäblich aus und der Rest der Epoche fiel in den allerersten Distanzunterricht. So fehlte mir trotz vieler schöner Rückmeldungen der Eltern und Kinder mit der Zeit einfach die genaue Übersicht, wer wo steht beim Einmaleins-Lernen. Anstelle eines klassichen „Einmaleins-Führerscheins“ wählte ich dann für den späteren Präsenzunterricht in Klasse 3 zum Thema Einmaleins erstmals die „Rallye“, um mir eine Übersicht und den Kindern eine routinierte Übung zu ermöglichen.

Es gab dann jeden Tag eine Einmaleins-„Station“ in Eigenarbeit zu bewältigen, mit festgelegtem Zeitfenster. Bei der täglichen Arbeit zeigte sich zum einen ganz genau, wer welche Reihen schon sicher auswendig kannte und andererseits, dass es von Tag zu Tag auch schöne Fortschritte beim Lernen gab. Ein großer Gewinn also.

Doch leider wurden wir auch im letzten Schuljahr dabei von Quarantäne und Lockdown überrollt, so dass diese erste Rallye keinen richtigen Abschluss fand.

Neustart in Klasse 4

Vor den Herbstferien fand in diesem Schuljahr die erste Epoche im Fach Mathematik statt. Ich griff noch einmal die Einmaleins-Rallye auf und die Kinder freuten sich sehr darüber. Täglich gab es dann Aufgaben und Umkehraufgaben des kleinen Einmaleins zu lösen.

Wir sprechen bei der Rallye übrigens nicht von „richtig“ und „falsch“, sondern für jede richtige Antwort gehen die Kinder einen „Schritt“ – und Tag für Tag kommen Schritte hinzu. Wie schön ist es, die ersten 100 Schritte auf dem Weg gegangen zu sein!

Dass es genau wie auf dem Sportplatz sehr schnelle und weniger schnelle Läufer:innen gibt, ist dabei völlig normal. Es ist ja schließlich keine Neuigkeit, dass wir alle unterschiedlich sind und jeder Mensch etwas Anderes gut kann.

Diese Vorteile haben sich gezeigt

Viele Kinder haben durch die tägliche Übung innerhalb von Tagen große Fortschritte gemacht und wurden so auf ihrem Weg immer „schneller“. Die Freude über den sicht- und spürbaren Lernzuwachs ist natürlich groß, die Stimmung im Klassenraum positiv und gleichzeitig durch die tägliche Routine auch sehr unaufgeregt.

Ruhige Eigenarbeit ist besser als Spiel!

Ja, es gibt auch so etwas wie das 4-Ecken-Rennen, den Einmaleins-König usw. Das wirkt auch auf den ersten Blick viel interessanter und auch bewegter. Doch diese „öffentlichen“ Spiele haben nun einmal die Eigenschaft, dass nicht immer alle Kinder gleichzeitig, sondern stets Einzelne punktuell an der Reihe sind. Der Übeffekt ist also nicht sehr groß. Was noch gravierender ist: Für Kinder mit Rechenschwäche sind diese Spiele ein enormer Druck, als Mannschaftsspiel gar eine echte Belastung, wenn ein Kind nur wenig dazu beitragen können, die eigene Mannschaft voranzubringen.

Bei der ruhigen Rallye kann hingegen an vielen Stellen auch Anerkennung gegeben werden. Wenn ich die korrigierten Aufgaben zurückgebe, gibt es auch immer einen Grund, die etwas langsameren Läufer zu loben – etwa dafür, wie geduldig sie durchhalten. Oder ich wertschätze – gemessen an den jeweils eigenen Möglichkeiten – die persönlichen Fortschritte der Kinder. Dabei ist dann für den Rest der Klasse nicht ersichtlich, welche Einzelleistung genau dahinter steckt.

Klar, die Anzahl der gemachten Schritte erfährt jedes Kind für sich – doch es gibt eben keinen „Klassenspiegel“.

Nur Lob?

Mir fällt natürlich auch auf, ob beispielsweise Einmaleinsreihen geübt werden, die anfangs nicht so sicher abrufbar waren – oder eben nicht. Dann schreibe ich auch mal eine kleine Botschaft dazu unter die Aufgaben (das ist dann also auch nicht öffentlich, aber eine wichtige Rückmeldung, dass es noch etwas zu tun gibt). Denn wenn ich dies ausblenden würde, spiegelte es nicht die Realität wider.

Vom Einmaleins zu weiteren Rallyes

Übungen aller Art – vom Kopfrechnen, schriftlichen Rechenverfahren bis hin zu Rechtschreibübungen, Grammatik und Vokabeln: Man kann viele wichtige Grundlagen auf diesem Wege wiederholen und festigen. Zumindest die Kinder meiner Klasse gehen gern den Rallye-Weg und freuen sich über ein spannendes Rennen.

Die Vorteile der Rallye

  • eine laufende Übungsroutine zeigt nicht nur den punktuellen Lernstand der einzelnen Kinder, sondern auch die individuelle Lernentwicklung
  • jedes Kind ist gleichermaßen gefragt und gefordert – es geht ausschließlich um wichtige Grundlagen
  • dadurch, dass die Korrekturen des Vortags täglich mit nach Hause gebracht werden, sehen auch die Eltern, wo ihre Kinder aktuell stehen und was genau die Anforderungen an die Grundlagen sind
  • eine Routine verläuft einfach vertraut und unaufgeregt, während Tests oder Arbeiten manchmal sogar eine Art Lampenfieber auslösen können
  • Ebenso unaufgeregt ist übrigens auch die tägliche Rückgabe der Aufgaben. Es ist schließlich nichts Besonderes mehr, das Ergebnis einer Einzelarbeit zu erhalten.
  • Ich kann im Unterricht direkt darauf eingehen, wenn mir aufgefallen ist, dass beispielsweise ein Fehlertyp mehrfach vorgekommen ist .
  • Ich kann auch von Tag zu Tag sehen, wo die Schwerpunkte der Wiederholung und Übung liegen und entsprechende Aufgaben für den nächste Rallye-Tag stellen.
  • Auch zurückhaltende Kinder, die sich sonst eher weniger im Unterrichtsgespräch melden, können Einiges von sich zeigen.

Ist der Korrekturaufwand ein Nachteil?

Ich meine: Nein. Zwar habe ich dadurch täglich mehr als 30 Korrekturen, doch für die Qualität meines Unterrichts und die genaue Übersicht über einzelne Lernstände ist es dies allemal wert. Die Eltern können so auch von mir eine sehr genaue Rückmeldung und Beratung im Elterngespräch bekommen.

Abgesehen davon, sind auch diese Korrekturen Teil meiner täglichen Arbeitsroutine geworden.

Download

Hier findest Du das gestaltete Rallye-Arbeitsblatt blanco sowie die Urkunde, die jedes Kind am Ende der Rallye bekommt. Ich habe übrigens verschiedene Stempel, die ich verwende und ein kleines Siegertreppchen, gebaut aus Stapelsteinen, kommt natürlich auch gut an.