Verspannte Finger beim Arbeiten

An der Waldorfschule arbeiten wir in den ersten Schuljahren
besonders viel mit Wachsstiften und -blöckchen.

Ein Problem bei Schreibarbeiten, gerade in den ersten Schuljahren, sind verspannte Finger beim Schreiben. Meist gehen sie mit einer „Krakelschrift“ einher und die Kinder äußern, dass ihnen die Finger oder Hände nach einiger Zeit wehtun.

Woran kann das liegen?

  • Die Hände und Finger verfügen über zahlreiche kleine Muskeln, die auch trainiert werden sollten.
  • Ist die Feinmotorik insgesamt gut geschult?
  • Es kann am Schreibgerät liegen: Liegt es griffig in der Hand?
  • Die ganze Körperhaltung sollte beim Schreiben gerade und entspannt sein.
  • Es können natürlich auch einfach Ermüdungserscheinungen sein, wenn das Arbeiten zu lange gedauert hat.

Was sind Lösungen?

  • Nicht umsonst gibt es an der Waldorfschule zunächst Wachsblöckchen und -stifte. Beim Malen und Schreiben mit Wachsstiften werden die Finger und Hände gekräftigt.
  • Kleine Fingerspiele, -übungen und natürlich Arbeiten des alltäglichen Lebens wie Obst schneiden, Brote schmieren, das Waschbecken putzen, stricken, häkeln usw. trainieren Feinmotorik und kräftigen ebenfalls.
  • Man sollte einen Stift nicht danach als Schreibgerät auswählen, ob er die Lieblingsfarbe oder ein bestimmtes Motiv aufgedruckt hat, sondern danach, wie griffig er in der Hand liegt. Für den Anfang gilt: Je dicker, desto besser. Zu dünne Bleistifte eignen sich nicht für Schreibanfänger, evt. hilft aber eine Griffhilfe, die man über den Stift zieht. Dies sollte aber unbedingt getestet und nicht blind gekauft werden.
  • Gerade jetzt im Homeschooling sitzen die Kinder häufig einmal am Küchentisch samt Küchenstuhl. Es wäre aber wichtig, dass es zumindest ein Fußbänkchen gibt, auf dem beim Schreiben die Füße gestellt bequem gestellt werden können. Auch sollte die Tischkante nicht zu hoch sein.
  • Und es gilt: Auf Pausen achten, zwischendurch die Hände schonen und generell verschiedene Tätigkeiten mit ihnen verrichten, um nicht zu einseitig zu sein.

Kleine, interessante Ballspiele

Fünf kleine Spiele mit dem Igelball habe ich hier für Euch: Sie funktionieren natürlich auch mit anderen Bällen, z.B. einem Tennisball. Allerdings haben Igelbälle die Eigenschaft, dass sie als Massageball die Handreflexzonen stimulieren, entspannen und auch „griffig“ sind. Man bekommt sie auch im Lockdown für kleines Geld, in jeder Drogerie.

Musikunterricht in Klasse 1

Mit einem schönen Spruch lässt es sich noch besser in die Musikstunde starten.

i-Männchen 2020

Die i-Männchen dieses Schuljahres hatten keinen einfachen Einstieg ins Schulkinderleben: Es fehlen durch den Lockdown Monate des Übergangs von Kindergarten und KiTa zur Schule, dann erlebten sie ihre Einschulung und Eingewöhnungszeit im Rahmen eines Hygienekonzepts und mussten dazu neue Bezugspersonen, Mitschüler und Räume kennenlernen.

Ich unterrichte seit Kurzem unsere erste Klasse in Musik, dabei darf aus bekannten Gründen mit der Gruppe nicht gesungen oder geflötet werden. Aber es geht im Musikunterricht auf jeden Fall um mehr – und genau dies darf und sollte jetzt auch noch mehr im Fokus der gemeinsamen Arbeit stehen.

Audiopädie – mein Weg

Wie ich mit meiner eigenen Klasse auch während des Epochenunterrichtes künstlerisch und insbesondere audiopädisch arbeite, darüber habe ich bereits hier im Montagskindblog und auch in der Zeitschrift Erziehungskunst, Novemberausgabe 2020, berichtet.

Was brauchen die Kinder?

Eine Musikstunde in Klasse 1 kann den Kindern aktuell folgende Bausteine bieten:

  • Begrüßungs- und Abschiedsritual
  • Bewegung in Fluss und Rhythmus
  • Kennenlernen und Spielen von unkonventionellen Instrumenten
  • Schleichspiele zur Schulung des bewussten Hörens
  • Fingerspiele zur Schulung der Feinmotorik, für das spätere Flöten und Musizieren
  • Summspiele, um das Fokussieren auf sich selbst und die eigene Stimme zu üben
  • Kleine Bodypercussionübung, zum „Aufwecken“ und um den eigenen Körper auch als „Klangkörper“ wahrzunehmen
Bausteine einer Musikstunde

Darüber hinaus ist es wichtig, mit dem Jahreslauf zu gehen und die Themen der 1. Klasse, gern Märchen, aufzugreifen. Für die anstehende Adventszeit habe ich mir daher zu dem Gedicht „Frau Holle“ ein Fingerspiel überlegt, eine Summübung zum Adventsgärtleinlied, der Instrumentenkreis wird von einem weihnachtlichen Spruch begleitet. Ich lasse mir da immer wieder neue Spiele und Übungen einfallen. Um die Melodien von Liedern auch ohne Singen und Flöten kennenzulernen oder beizubehalten, spiele ich für die Kinder Lieder auf der Leier oder dem Klavier.

Was macht Musikunterricht aus?

Kreisspiele mit Schleichen, ruhige Bewegungsspiele mit Chiffontüchern, der Klangkugel usw. – manchmal frage ich mich, ob das vielleicht gar nicht „richtig“ nach Musikunterricht aussehen würde, wenn wir Zuschauer hätten? Mag sein. Aber ohne die Grundlagen: Das Hören und Lauschen lernen, ein Gefühl für verschiedene Instrumente und Klänge entwickeln, die Feinmotorik und das Rhythmusgefühl zu schulen, die eigene Stimme bei Summspielen zu erleben usw. Ohne eben diese Grundlagen intensiv erarbeitet zu haben, könnte ein späterer Zugang zur Musik erschwert sein. Gerade bei i-Männchen im Coronajahr 2020.

Die unkonventionellen Instrumente in der gemeinsamen Mitte: So weckt die Musikstunde Interesse schon beim Hereinkommen.

Die Einmaleinsreihen mit Fingerübungen

Fingerübungen fördern feinmotorisches Geschick und Konzentration. Man kann sie im Klassenraum gut am Platz machen und dabei finden die Kinder sehr gut zur Ruhe und bleiben ganz bei sich.

Ich habe eine Zeitlang die verschiedenen Übungen erst nach und nach angeleitet und die Kinder für sich ausprobieren lassen. Mit der Zeit gelang es dann, dazu zu sprechen.

In der letzten Rechenepoche haben wir dann anstelle der bisherigen Bohnensäckchenübungen unsere Einmaleinsreihen mit Fingerübungen begleitet.

Wichtig: Wir sprechen immer die Aufgaben mit. Also nicht 2 -4 -6 – 8…. sondern einmal zwei ist zwei. Zwei mal zwei ist vier. Drei mal zwei ist sechs….

Viel Spaß beim Üben und Ausprobieren!

So haben wir die Einmaleinsreihen mit Fingerübungen begleitet.

Schere, Stein, Papier mal anders

Neue Varianten eines Fingerspielklassikers in 3 Schritten

Wir kennen es alle – Schere, Stein, Papier. Manch einen hat es schon die eine oder andere langweilige Autofahrt gerettet. Doch irgendwann ist auch hier die Luft raus. Etwas Neues muss her. Eine Variante tut es aber auch. Damit keine Langeweile aufkommt, sind Phantasie und Kreativität gefragt. Denken wir uns als erstes eine Geschichte aus.

Schritt 1: Eine Geschichte gemeinsam ausdenken…

Meine Idee war: Der Wettlauf der Tiere. Drei sehr unterschiedliche Tiere wollen einen Wettlauf machen. Der Größte gewinnt sowieso? Wohl kaum! Aber erst einmal alles von Anfang an. Der kleine Hase hat eines Tages große Langeweile. Er hat einfach keine Lust mehr, mit den anderen Hasen durch die Wiesen und Büsche zu hüpfen. Er möchte gern etwas Neues, Aufregendes erleben. Da fällt ihm ein, dass er ja der wahrscheinlich beste Läufer – oder eher Hüpfer – weit und breit ist und das möchte er auch anderen Tieren unter Beweis stellen. So fordert er die kleine Spinne heraus, die sich immer vom Apfelbaum abseilt. Diese freut sich auch auf etwas Abwechslung und hält sich mit ihren 6 Beinen ohnehin für eine klasse Läuferin. Außerdem erinnert sich der Hase an die gemütliche, freundliche Schnecke, die der täglich beim Hoppelspiel mit den anderen Hasen überholt. Auch sie wird zu diesem besonderen Wettlauf der Tiere eingeladen. Der kleine Hase ist siegessicher. Aber weit gefehlt: Beim Wettlauf kann er wohl die Spinne überholen, doch er rutscht gehörig auf der Schleimspur der Schnecke aus. Aber auch die Schnecke kann nicht gewinnen – sie ist so langsam, dass die Spinne sie sogar mit einem Netz einfängt. Und so kann das Fingerspiel beginnen….

Schritt 2: Drei Handzeichen für Hase, Spinne und Schnecke

Man überlegt sich, wie der Hase als schnelles Handzeichen – wie bei Schere, Stein, Papier – wohl aussehen könnte. Gar nicht so schwer…Gleiches gilt natürlich auch für Spinne und Schnecke. Es geht los:

  • Spinne und Schnecke: Spinne wickelt Schnecke ein
  • Spinne und Hase: Hase überholt Spinne
  • Hase und Schnecke: Hase rutscht auf Schleimspur aus

Schritt 3: Spielen, spielen, spielen – ohne Spielzeug!

Kinder lieben es, ihrer Phantasie und Kreativität freien Lauf lassen zu können. Mit so einfachen Mitteln kann ein Spiel viele Varianten haben und unendlich weiter gespielt werden. Dabei muss man nicht immer ganz von vorn anfangen und sich neue Protagonisten ausdenken. So kann man die Geschichte mit den Dreien auch mal ganz anders erzählen: Spinne überholt Hase, klebt aber plötzlich auf Schleimspur fest, weil….. ja warum eigentlich? Vielleicht hat unsere Schnecke in der Zwischenzeit ein geheimes Schneckenschleimrezept entdeckt, um das Rennen doch noch für sich zu entscheiden. Da gibt es so viele tolle Möglichkeiten, man kann sich viele lustige Dinge erzählen und verbringt eine schöne Spielezeit ganz ohne Spielzeug. Ich wünsche viel Spaß dabei!