In 10 Minuten einfach loslassen und einschlafen

5 Schritte für eine entspannte Ruhezeit

Ein Gastbeitrag von Dr. Daniela Heidtmann

Das Loslassen am Abend fällt nicht nur Kindern, sondern selbst Erwachsenen schwer und sehr viele Menschen brauchen recht lange, um in den Schlaf zu finden. Oft beginnt am Abend mit der zur-Bett-geh-Zeit der Kinder eine stressige Phase im Familienleben. Die Kinder weigern sich beharrlich und drehen oft nochmal richtig auf, bei den Eltern ist nach einem langen Tag der Akku leer, man hat keine Kraft für Diskussionen um „ich muss aber nochmal aufstehen und trinken“ oder „ich habe aber noch nicht fertig gebaut.“ 

We-Time: Mein Kind und ich

Kleine, immer wiederkehrende Rituale sind hier hilfreich, denn sie nehmen den Stress aus der Situation und zeigen einen Weg zum Loslassen ohne viele Worte. Wenn Abend für Abend ein ähnlicher Ablauf für das Kind erkennbar ist, kann es sich viel leichter darauf einlassen und geht entsprechend freudiger in Richtung „Land der Träume“. Wichtig ist hier vor allem die innere Haltung von Erwachsenen, die das Kind in dieser sensiblen Phase noch einmal achtsam wahrnehmen und sich mit ihm verbinden. Jeder einzelne Schritt kann von Erwachsenen als innige We-Time angelegt werden. Die Schritte zusammen dauern nicht mehr als 10 Minuten, schaffen aber Zufriedenheit und eine friedliche Stimmung am Abend.

Schritt 1: Das Zimmer für die Nacht vorbereiten

  • Das Bett zum Einstieg bereit machen, frisch aufschütteln
  • ein kleines Licht anzünden, 
  • etwas Lavendelöl auf ein Tüchlein neben das Bett legen / Lavendelöl in Schale tröpfeln
  • das liebste Kuscheltier „in Warteposition“ hineinlegen: Teddy freut sich auf die Nacht!

Bei diesem Schritt werden viele Kinder gern mithelfen, es ist aber kein Muss. Die positive Haltung des/der Erwachsenen bei der Vorbereitung ist sehr wichtig. Jeder einzelne Schritt sollte langsam und mit Bedacht ausgeführt werden. Dabei können Eltern selbst schon zur Ruhe finden und diese auch ausstrahlen.

Schritt 2: Eine Körperspür-Übung vor dem Gang ins Bett

Bevor es ins Bett geht, ist es für Kinder meist hilfreich, ihren Körper wahrzunehmen, beruhigende Bewegungen aus dem Yoga bieten sich hierbei an:

  • Das Kind darf sich nochmal ganz groß machen, sich dehnen und recken
  • Das Kind nochmal stehend im Arm halten und etwas wiegen
  • Eine kleine beruhigende Yogahaltung zusammen mit dem Kind üben

Schritt 3: Dem Kind im Bett Raum für Gespräch geben

Mit dem Gang ins Bett „droht“ für viele Kinder „der Kontaktabbruch“ zu den Eltern: Sie sollen schlafen, die Eltern verlassen den Raum. Hier ist es wichtig, noch eine kleine „Kommunikationszeit“ zu reservieren, um kurz in den Austausch zu kommen, das Kind wahrzunehmen, ihm verbal Raum zu geben.

  • Frage: „Was hat dir heute im Kindergarten / in der Schule besonders gut gefallen?“ oder
  • „Was hat dir heute am besten geschmeckt?“ oder
  • „Heute ist dir x/y schon richtig gut gelungen“ oder
  • „Ob Teddy schon schläft?“

Schritt 4: Angenehme Stillezeit

Nach dem Gespräch kommt die Stillezeit. Auch wenn nicht mehr/kaum noch miteinander gesprochen wird, bleibt die/der Erwachsene weiter innig mit dem Kind in Kontakt:

  • Kleine Massage der Hände oder Füße oder
  • Vorlesen einer kleinen Fantasiereise oder
  • Erzählen, wie Mond und Sterne am Himmel stehen (angepasst ans Alter des Kindes, vom kurzen Beschreiben bis zu Sternbildern) oder
  • Erzählen, was Teddy träumt

Mit Abschluss der kleinen Stillezeit kommt der wichtigste Teil des Rituals: Die Me-Time für den Erwachsenen: Eine kurze Meditation vor dem Bett des Kindes. Sie hilft, die Anstrengungen des Alltags zurückzulassen, durchzuatmen und zur Ruhe zu kommen, während das Kind behütet einschläft.

Schritt 5: Me-Time – die Meditation für Erwachsene

  • Sitze auf einem Stuhl, Kissen, oder auf dem Boden vor dem Bett deines Kindes
  • Richte die Wirbelsäule auf und Erde dich gut
  • Lasse den Atem frei fließen und nimm seinen Rhythmus wahr
  • Beobachte den Weg der Ein- und Ausatmung
  • Werde ganz still, der Körper ist unbewegt
  • Spüre die Füße, … die Hände, das entspannte Gesicht
  • Nimm dein einschlafendes Kind wahr, seinen Atmenrhythmus, dann spüre wieder deinen stillen Körper
  • Tauche ganz ein in diesen friedlichen Moment … lass los!

Viele friedvolle Familien-Abende und gute Nächte wünscht

Daniela

Hilfreiche Unterstützung

Ein Yogaabendritual für das Grundschulalter: Heidtmann, Daniela (2019): Yoga, Mond und Sterne. Buch Hardcover. Mitmach-Geschichte für Familien. Asteya-Verlag. – in meinem Shop erhältlich

Kurze Fantasiereisen zum Loslassen: Heidtmann, Daniela (2021): Kleine Fantasiereisen. Kartenset mit 30 Karten. Ellermann-Verlag – hier bestellen.Blogartikel dazu

Meditation und Entspannung lernen: Online-Workshop von Daniela Heidtmann: Meditations- und Entspannungstage vom 10.01.-14.01.2022, täglich 20.00-21.00. www.yoga-neckarau.de

Zur Autorin: @danielaheidtmann_yoga

Daniela ist Kommunikationswissenschaftlerin, dreifache Mutter und Yogalehrerin. Sie ist Autorin vieler Bücher zum Thema „Zur-Ruhe-kommen mit Yoga und Entspannungstechniken“. Als Entspannungsexpertin beschäftigt sie sich seit über 20 Jahren damit, wie Kinder und Erwachsene leichter loslassen und einschlafen können. In ihrer Yogaschule in Mannheim, aber auch online, bietet sie achtsames Yoga mit Meditation an und bildet Yogalehrer/innen aus.

Gastbeitrag: Waldorfbücher für Kinder

Ich freue mich über diesen wundervollen Gastbeitrag meiner lieben Kollegin
Kerstin Gruler aus Baden-Württemberg. Sie hat in sehr gelungener Weise über die Besonderheiten der Waldorfbücher für Kinder geschrieben – was als Autorin ja auch mein Herzensthema ist. Ich wünsche Euch viel Freude beim Lesen:

Waldorfbücher sind Kinderbücher,  welche nach antroposophischen Grundsätzen gestaltet sind. Der Begriff Waldorfbuch ist kein feststehender Begriff,  dennoch hat man eine bestimmtes Bild im Kopf wenn man davon spricht. 

Zur Gestaltung

Als erstes geht man wohl von einem Buch mit wunderschönen Bildern aus. Dies ist auf jeden Fall schonmal richtig. Die meisten Bücher sind wahre Kunstwerke, meist in Aquarelltechnik.
Ein Waldorf-Bilderbuch zeichnet über das aber auch aus, dass die Zeichnungen nicht nur einen hohen ästhetischen Anspruch haben, sondern auch, dass die Lebewesen lebensecht dargestellt werden. 

Tiere mit übergroßen Augen und comicartig gezeichnet gehören nicht dazu.  
Beliebt ist jedoch auch die dargestellten Lebewesen nur leicht zu umreissen um möglichst viel Raum für die eigene Fantasie zu lassen. 

Oft sind die Figuren fließend, weich und wandelbar. Die Gesichter sind meist nur angedeutet, um auch dort soviel Raum für die Fantasie zu lassen wie nur möglich. Auch die harmonische Farbgebung ist gewollt und an das Lesealter angepasst. 

Schafft es das Buch,  einen in eine fantastische Fantasiewelt zu begleiten und eine wohlige Stimmung zu verbreiten, ist alles richtig gelaufen. 

Die Sprachgestaltung von Waldorfbüchern

Im ersten Jahrsiebt braucht es vor allem Eltern,  welche Geschichten frei erzählen. In den Worten, die das Kind kennt, mit der Stimme die ihm vertraut ist. Beim freien Erzählen entsteht eine ganz andere Stimmung und Beziehung zwischen Erwachsenem und Kind.

Häufig sind die Bücher für die jüngeren Kinder in Reimform. Dieser Rhythmus der Reime unterstützt mit den gesehen Bildern die Gefühle, die durch das gemeinsame Lesen entstehen. Kinder im ersten Jahrsiebt lieben Reime und vor allem Wiederholungen..
Im zweiten Jahrsiebt nimmt die geschriebene Sprache an Bedeutung zu. Altes Kulturgut, eine Sprache, die vielleicht auch fremd klingt, und Wörter, die man im Alltag nicht hört, machen die Geschichten für Kinder interessant. Fabeln und Märchen fangen die Stimmung der Kinder auf und holen sie in ihrer Gefühlswelt ab. 

Altersempfehlungen

Für Kinder im ersten Jahrsiebt sind vorallem die Bilder,  welche die Fantasie beflügeln und nicht zuviel vorgeben, richtig. Die Kinder unterscheiden Realität und Fantasie noch nicht richtig und können so tief in die Geschichten voll Zwergen,  Feen und magischer Orte eintauchen.
Um dieses eigene Bild,  welches die Kinder in sich entstehen lassen, noch zu intensivieren, braucht es eigentlich gar keinen Text, sondern Geschichten die frei erzählt werden und das Kind so tief in verschiedene Gefühlswelten eintauchen lassen. Fantasievolle Geschichten wie es etwa Märchen sind, entführen die Kinder in eine Welt voller Liebe, Missgunst, Freundschaft, Vertrauen und Verrat. Gemeinsam mit einem Erwachsenen,  der dem Kind in diesem Moment Nähe gibt, ist das Geschichtenerzählen eine tiefe, grundlegende Erfahrung für die Kinder. 

Rhythmus und Wiederholung

Eines ist noch zu sagen: Diese Geschichten im ersten Jahrsiebt leben vom Rhythmus. Kinder brauchen diese Wiederholung. Auch wenn ich die Geschichte schon zum fünften Mal hintereinander erzähle, ist es für das Kind immer wieder das selbe schöne Gefühl,  welches dabei entsteht. Wiederholung schafft Sicherheit und ein Gefühl von Geborgenheit. 
Ab dem zweiten Jahrsiebt werden die Vorstellungen der Kinder konkreter, nun werden auch Vorlesebücher mit konkreteren Bildern und Geschichten, die aus dem Alltag kommen, interessant und wertvoll. Viele Vorlesebücher können die Kinder im Wechsel dann vielleicht auch schon selbst lesen. Die Geschichten handeln immer noch gerne von Fabeln und Zauberwesen, aber nach und nach auch von Menschen , Freundschaften und Familie. Spannend müssen diese Bücher erst gegen Ende des zweiten Jahrsiebts sein. Aber das ist dann wieder eine ganz andere *Geschichte*.

Quellen

Die Fotos dieses Beitrags aus den Büchern „Nachts am Berge tanzen Zwerge“ von Bettina Stietencron, Verlag Engel und Co.
„Das Nebelmännle vom Bodensee“ von Anke Klaaßen, Verlag Urachhaus.

Außerdem „Rosinas Wolle“ von Nadine Mescher (mein Buch), „Yoga, Mond & Sterne“ von Daniela Heidtmann und „Maira, das Brombeermädchen“ von Lena Fischer, Asteya Verlag.

Gastbeiträge

Gastbeiträge sind mir jederzeit willkommen, wenn sie zu meinem Blog passen. Ich freue mich daher über Emails von Gastautor*innen an „montagskind<@>posteo.de“.