Die erste Musikstunde

Morgen haben wieder neue Erstklässler:innen ihre erste Musikstunde bei mir. Ich weiß nicht, wie viele erste Klassen ich inzwischen hatte, aber auch in diesem Jahr gestalte ich die erste Stunde ganz neu. Heute kam mir eine schöne Geschichte mit erster Klangübung in den Sinn.

Klingen soll es in der Welt

In der Geschichte geht es um einen Wanderer, der unter einem Ahornbaum Rast hält und dem dort die verschiedensten, schönsten Naturklänge begegnen. Er schläft ein und nach seinem Traum macht er sich auf den Weg, um einen Baum zu finden, der dafür bestimmt ist, ihm Klänge zu schenken.

Als er diesen findet, bedankt er sich bei ihm und erarbeitet aus dem Holz die schönsten Instrumente. Seitdem ist die Welt um einige Klänge reicher.

Hier findet Ihr die Geschichte zum Download:

Mit Liebe das Interesse wecken und ins Tun kommen

Die Instrumente sind zunächst verdeckt und werden nach und nach, im Laufe der Geschichte enthüllt und gespielt. So ist jedes Instrument ein schönes Erlebnis.

Ich habe dann noch ein Körbchen mit weiteren Shakern und Klanghölzern und beginne auch eine kleine praktische Übung, das Klangorchester. So kommen die Kinder auch gleich ins Tun, denn sie wollen ja Musik machen. Beim Spiel des „Klangorchesters“ lege ich dann auch an, wie mit Instrumenten achtsam umgegangen wird und zeige kleine Handgesten für „leise“, „lauter“, „nicht mehr spielen“. Dafür eignen sich Shaker und Hölzer sehr gut.

Ich freue mich schon auf die Stunde!

Erzählkarten

Zur praktischen Handhabung habe ich außerdem Erzählkarten erstellt, die aktuell bei Eduki geprüft werden. Der Link erscheint hier in Kürze.

Die Erholung der Kinder

Das vergangene Schuljahr war – jedenfalls bei uns – wieder ein Schuljahr mit vollem Schulbetrieb, was uns natürlich alle sehr gefreut hat: Volle Klassen, kein Wechsel- oder Distanzunterricht. Auch im Sozialen waren nach den vielen Distanzzeiten alle wieder miteinander als große Gruppe gefordert. Jetzt sind Ferien und ich habe mich mal umgehört, wovon sich die Kinder in diesem Jahr am meisten erholen.

Nicht repräsentativ, aber trotzdem informativ

Ich sehe hier zu Hause, wie erholsam für meine eigenen Kinder momentan das Ausschlafen ist. Als sie noch jünger waren, genossen sie das Spielen außerhalb des ansonsten deutlich mehr getakteten Tages. Ich möchte aber nicht nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten, sondern auch die vielen Zuschriften mit einfließen lassen, die ich bei Instagram zu dem Thema bekommen habe.

Zum einen konnten meine Follower selbst formulieren, wovon sich ihre Kinder erholen. Zum anderen habe ich nach ihrer Einschätzung zu fünf Punkten – Lärm, Aufgaben/Verpflichtungen, frühes Aufstehen, „Störenfriede“ und Schulweg – gefragt. Das Ganze ist natürlich nicht repräsentativ, aber doch zeigt sich – wie ich finde – ein spannendes Bild.

Die Top 3: Lärm, Anforderungen, frühes Aufstehen

So haben meine Follower auf Instagram abgestimmt.

Lärmpegel in der Schule

Der Lärmpegel auf dem Schulhof, in den Gängen und in der Klasse ist sicherlich nicht zu verachten und auch ein Stressor, gerade in der Unter- und Mittelstufe. Auch im Unterricht lässt sich zwischendurch eine gewisse Lautstärke nicht verhindern – besonders in Phasen bewegten Lernens. Dass dies insbesondere für lärmempfindliche Kinder schwierig ist, steht außer Frage. Als Audiopädin habe ich dies auch stets auf dem Schirm – doch auch bei mir findet natürlich ein Wechsel zwischen Ruhe und Lebhaftigkeit statt und es gibt immer wieder Phasen, die auch unruhiger sind. Die Kunst ist es, die Kinder ebenso sicher wieder zur Ruhe zu führen. Doch dazu an anderer Stelle mehr (auch, warum es eine Kunst ist).

Die vielen Aufgaben und vorgegebenen Strukturen

Lernen in einer großen Gruppe bedeutet, zugunsten der gemeinsamen Arbeit die eigenen Bedürfnisse zeitweise zurückzuhalten. Diese Fähigkeit zur Selbstregulation ist besonders in der Unterstufe oft noch herausfordernd für manche Kinder und damit ebenso ein Stressor. Hier ist auch die Selbstfürsorge in der Pause ein großes Thema. Zugunsten des Freispiels werden schnell die wärmende Jacke, das Frühstück oder Toilettengänge vergessen. Dies fällt den jüngeren Schulkindern meist erst ein, wenn sie längst auf dem Schulhof oder schon wieder im Klassenraum für die nächste Unterrichtsstunde sind. Ein weiterer Punkt sind an dieser Stelle die zu erledigenden Aufgaben eines jeden Schultages, die neben fachlichen Anforderungen meist auch gleichzeitig Anforderungen an die Selbstorganisation stellen. Feste Tagesroutinen und eine gewisse räumliche Struktur in der Lernumgebung sind hier hilfreich.

Frühes Aufstehen

Besonders, wenn die Kinder heranwachsen und die großen Veränderungen (Wachstum, Gehirnentwicklung, „Körperumbau“ usw.) Schlaf erfordern, empfinden sie das Ausschlafen in den Ferien besonders erholsam – und fühlen sich ebenso gestresst durch das frühe Aufstehen während der Schulzeit.

„Störenfriede“ und der Schulweg sind zweitrangig

Das sagen meine Follower auf Instagram

„Störenfriede“

Wenn Mitschüler:innen im Unterricht oder auch in der Pause Unruhe stiften, scheint dies untereinander zwar sicherlich auch nervig zu sein, wird aber offenbar nicht als insgesamt sehr großer Stress empfunden oder rückgemeldet.

Der Schulweg

Ich unterrichte an einer Schule mit sehr großem Einzugsgebiet. Unsere Kinder haben oft schon eine lange Fahrt im Schulbus hinter sich, wenn sie am frühen Morgen zur Tür hinein kommen. Ebenso sieht es dann natürlich auch auf dem Rückweg aus, nachdem schon viele Stunden an der Schule verbracht wurden. Aus diesem Grund hatte ich danach gefragt. Offenbar (und zum Glück) scheinen all zu lange, stressige Schulwege die Ausnahme zu sein.

Andere Rückmeldungen auf die Frage, wovon sich die Kinder gerade erholen

  • „Lärm, zu viele Menschen“
  • „Schule, Stress, Leistungssport“
  • „Vom Müssen!“
  • „Von Lärm und anderen Kindern um sie herum. Einfach mal in Ruhe und alleine spielen.“
  • „Vom frühen Aufstehen“
  • „Von einem fest strukturierten Tag voller Termine und Verpflichtungen (gymnasiale Oberstufe)“
  • „Vom Unterdrücken ihrer Impulse im Unterricht“
  • „Laute Kinder in der Klasse“
  • „Vom frühen Aufstehen und einem durchgetakteten Vormittag“
  • „Muss es leider so ausdrücken: Vom Schulunterricht.“
  • „Von dem aufgezwungenen Rhythmus.“
  • „Druck in der Schule, die täglichen `Dramen´ im Freundeskreis.“
  • „Vom frühen Aufstehen.“
  • „Bei uns sind es tatsächlich zu viele Erwachsene… gerade auf dem Spielplatz dreht mein Kleiner durch, wenn zu viele Eltern an den Geräten stehen.“
  • „Mein Kind genießt noch die Ruhe vor dem Sturm.“

Das Fazit

Es ist schön, mehr über die Dinge zu erfahren. Doch was lässt sich daraus schließen?

Gewisse Stressoren gibt es überall – auch bei denen, die richtig gern zur Schule gehen. Bleiben wir also mit den Kindern im Gespräch, erfahren wir mehr darüber. Man kann vielleicht so unnötigen Stress verhindern oder eingrenzen – aber ganz sicher können wir die Kinder bewusst dabei begleiten, ihre eigenen Strategien und Resilienzen zu entwickeln. Da hat die Gesundheitspädagogik viel Prävention auf Lager und ich hoffe, Euch noch so einige Dinge hier auf meinem Blog näherbringen zu können.

Ich wünsche weiterhin schöne Ferien!

Urlaub, Lieblingsmenschen, Herzprojekte

Zwei Wochen Urlaub neigen sich gerade dem Ende entgegen. Wir haben so viele neue Eindrücke genossen und schöne Erlebnisse gesammelt, dass es sich sogar viel länger anfühlt. Die Sommerferien sind die „großen Ferien“. Doch was macht die großen Ferien erst so richtig groß?

Erst einmal raus

Ich war erst skeptisch, ob ich wirklich sofort loslassen kann – noch bevor im Arbeitszimmer klar Schiff ist nach dem großen Schuljahresendspurt. Doch der Tapetenwechsel zeigte sofort seine Wirkung. Alles, was bis zum Ferienbeginn meinen Alltag bestimmt hat, habe ich zu Hause gelassen und konnte zusammen mit der Familie neu auftanken.

Dann schöne Dinge tun

Zeit für die Lieblingsmenschen haben und mit ihnen verbringen, es zu Hause schön machen, in der Küche Leckereien zaubern… auf all das freue ich mich jetzt. Auch mein Arbeitszimmer räume ich – mit dem gewonnenen Abstand – nach und nach auf. Platz schaffen für neue Ideen, die kommen dann ohnehin von selbst. Außerdem fahre ich ab und an zur Schule, verräume im neuen Klassenzimmer und richte den neuen Förderraum her, gemeinsam mit lieben Kolleginnen und Eltern. So ein neues Schuljahr wirft seine Schatten voraus.

Und Vorfreude genießen

Noch in diesem Monat erscheint meine neue Publikation für die pädagogische Praxis. Darauf bin ich schon sehr gespannt! Auch warten neue Aufgaben auf mich: Neben Unterricht und Schulleitungsaufgaben stehen Coaching und mehr Gesundheitspädagogik an. Sowieso muss ein neues Schuljahr in seiner ganzen Vielfalt und in Ruhe vorbereitet werden. Das alles weckt Vorfreude und stimmt mich allmählich ein auf die nächste „Runde“.

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Was bringen Kinder mit?

Am Wochenende war ich mit Dustin auf der didacta Bildungsmesse in Köln und habe natürlich auch die Stände des Bundes der Freien Waldorfschule / Pädagogische Forschungsstelle und des Verlages Freies Geistesleben ausgiebig besucht. Dabei habe ich mal wieder den einen oder anderen Schatz gefunden. Den ersten davon möchte ich Euch gleich vorstellen: Ein sehr inspirierendes Buch vom Verlag Freies Geistesleben (unbeauftragte Werbung).

Es geht um die angeborene Spiritualität von Kindern und wie sich diese bei der künstlerischen Arbeit offenbart.

Im pädagogischen Diskurs, in der Literatur, geht es vor allem darum, was die Kinder alles nicht können (…) und selten darum, was die Kinder selber sind und offenbaren.

Christiane von KönigslöW im Vorwort ihres Buches „Der Engel – das bin ich“, Verlag Freies Geistesleben

Inspiration: „Der Engel – das bin ich…“

Es ist immer etwas anderes, ob man ein Buch im Katalog findet oder einmal live in den Händen hält. Ich glaube, dieses Buch wäre mir auf anderen Wegen nicht unbedingt direkt ins Auge gesprungen, aber jetzt liegt es hier vor mir, ich finde es einfach sehr inspirierend und bin dankbar dafür.

Kinderzeichnungen und -bilder sind ohnehin ein Steckenpferd von mir, ebenso beschäftigt mich die Spiritualität, die Kinder von klein auf in sich tragen. Auf beides geht nun dieses Buch in sehr schöner Weise ein.

Worum geht es in dem Buch?

Die Autorin ist Kindergärtnerin und beschreibt einige künstlerischen Prozesse mit ihrer Kindergruppe. Sie legt übrigens großen Wert darauf Kindergärtnerin zu sein, denn eine Gärtnerin empfindet Freude an der Schönheit der Welt, dem Natürlichen und ergreift sie für sich, kann sie bestenfalls zum Positiven weiter verwandeln. Eine Gärtnerin umgibt eine Atmosphäre von Kreativität, die Welt mit naturgegebenen Dingen zu „schmücken“, ein sehr schöner Gedanke in Bezug auf die Arbeit mit Kindern, wie ich finde.

In dem Buch beschreibt sie nun sehr feinfühlig, wie die Kinder ins Malen finden und wie das Gemalte etwas Inneres, Spirituelles nach außen trägt. Sie zeigt einige der Kunstwerke „ihrer“ Kinder und dokumentiert, was die Kinder über ihre Kunstwerke gesagt haben oder mit welchen Worten sie auch untereinander darüber gesprochen haben.

Als Leser:in kann man Anteil daran nehmen, die innere Haltung der Autorin mit einnehmen und gleichzeitig seine eigenen Antennen dafür sensibilisieren, was man gerade bei der Arbeit mit jüngeren Kindern an Schätzen entdecken kann. Wie die Kinder sich zeigen, was tief in ihren lebt und sie bereits von sich aus mitbringen. Daran erinnert dieses Buch aus dem Alltag heraus.

Sehr schön nachzuvollziehen sind auch kreative Spielprozesse und Rituale wie das vorgestellte „Arche Noah Spiel“.

Was bedeutet das für unsere Schulanfänger:innen?

Ja, richtig gelesen: In dem Buch geht es um eine Kindergartengruppe. Ich arbeite mit Schulkindern. Doch unsere Schulanfänger:innen haben ihr erstes Jahrsiebt ja auch noch nicht abgeschlossen und auch in ihnen liegen viele Schätze, die sich entdecken lassen. Wenn sie zu uns in die Schule kommen, sollten wir genau das auch deutlich wahrnehmen. Deshalb würde ich dieses Buch auch allen Lehrer:innen zur Auffrischung und Vertiefung empfehlen, die mit dieser Altersgruppe zu tun haben. Abgesehen von dem Wechsel und den Unterschiedenen der Institutionen Schule und KiTa gibt es in der kindlichen Entwicklung selbst diesen großen Sprung in der seelischen Entwicklung beim Eintritt in die Schule nicht. Dieser folgt der allgemeinen Schulreife erst im dritten Schuljahr nach.

Und was inspiriert mich dabei?

Ich habe seit einiger Zeit jedes Jahr die Klassen 1 und 2 im Musikunterricht, ein ebenfalls sehr kreatives Unterrichtsfach. Und die Kinder bewegen sich auch in dieser Atmosphäre, teilweise noch sehr stark spürbar. Wir sollten daher nicht nur unterrichten, sondern auch die Möglichkeit wahrnehmen, diesen inneren Wesenskern der Kinder durch die künstlerische Arbeit noch mehr kennenzulernen. Die Waldorfpädagogik ist eine Pädagogik der Beziehung!

Ich erlebe es beispielsweise immer als sehr besonderen Moment, wenn die Kinder die Kinderharfe kennenlernen und mit der Zeit etwas auf ihr spielen dürfen. „Mein Engel spielt sie auch“, habe ich da schon gehört. Oder bestimmte Namen, die Kinder meinen verschiedenen unkonventionellen Instrumenten nach Klängen geben. Meine Schwingstäbe aus Bronze wurden beispielsweise von meiner Klasse „Sternenstäbe“ genannt. Auch die verschiedenen Klänge locken immer wieder etwas hervor, das die Kinder offenbaren.

Ich finde es wichtig, auch dafür sensibel zu sein und zu bleiben. Im besten Sinne:

Link zum Buch

Wer sich für dieses Buch interessiert und meinen Blog unterstützen möchte, kann es über meinen Kooperationspartner Thalia unter diesem Link bestellen.

Stillephase mit sichtbarer Struktur – der Ruhewürfel

Es stimmt: Stille im Raum sorgt für eine konzentrierte Eigenarbeitszeit – besonders, wenn 30 Kinder und mehr gleichzeitig bei ihrer Arbeit bleiben sollen. Und genau hier liegt auch ein Stressfaktor von Ruhephasen, denn viele Kinder wissen nicht, ob und wie sich äußern sollen, wenn sie ein Anliegen haben. Um der Ruhe eine sichtbare Struktur und den Kindern das Gefühl zu geben, gesehen zu werden, gibt es in meiner Klasse jetzt Ruhewürfel.

Der Wechsel aus Ruhe und Dynamik

An einem Schultag geschehen viele Unterrichtsphasen im Wechsel. Mal wird in Bewegung gespielt, chorisch gesungen oder gesprochen, dann der Lehrerin zugehört, ein gemeinsames Gespräch geführt oder praktisch gearbeitet. Laut und Leise sind im Wechsel. Nach viel gemeinsamer Bewegung, äußerlich wie innerlich (dem Fortgang eines Gesprächs folgen) gehört dann auch eine Phase der Stille zum täglichen Unterricht. Hier soll sich jedes Kind einmal ganz für sich einem Thema auseinandersetzen, Aufgaben üben usw. Anschließend kann dann besprochen werden, welche Fragen dabei aufgekommen sind.

Jede:r bleibt bei sich – mit räumlicher Struktur

Kleiner Raum, viele Kinder und manche sind leicht ablenkbar oder unkonzentriert. Die Aufforderung „Ab jetzt sind wir leise“ hilft da nur bedingt, auch wenn man sie noch so nett in ein Sprüchlein verpackt oder mit einem „Ruhe-Klang“ begleitet. Ich habe besonders in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass Kinder immer auch eine sichtbare Struktur zur Erinnerung und Sicherheit benötigen.

Sichtbare Raumstruktur

In den Schuleingangsklassen werden zu Beginn des Arbeitsteils aus dem Bänkchenkreis gemeinsam Reihen gestellt und das kleine Tischlein, das mit Kerze, Erzählstein usw. in der Mitte stand, wird an die Seite geräumt.

Im Klassenraum mit festem Mobiliar kann man so einfach die Sitzordnung nicht umstellen. Ich verlasse zwar für Spiele und Bewegungsübungen den Raum, so dass im Klassenraum hauptsächlich unsere Gespräche und Arbeitsteile stattfinden. Dennoch braucht es noch mehr sichtbare Struktur, wenn etwa von einem Klassengespräch zur Eigenarbeit übergeleitet wird. Die erste Anschaffung waren daher kleine Stellwände aus Wellpappe im DIN A3-Format, die zur Abgrenzung auf den Tisch gestellt werden können. „Das Büro einrichten“ sagen wir dazu. Die Kinder dürfen bei Bedarf auch selbst die Stellwände nehmen und aufstellen, wenn sie sich mal abgelenkt fühlen. Damit gelingt das Arbeiten bereits deutlich konzentrierter, da reizärmer.

Möglicher Stille-Stress

Nun ist klar: Wir sind alle leise und arbeiten an unseren Aufgaben. Doch ein Stressfaktor ist noch da – denn was ist, wenn bei aller Stille und Ruhe….

  • ich doch noch eine Frage zur Aufgabe habe
  • Ich den ganzen Arbeitsauftrag irgendwie nicht so recht verstanden habe
  • Meine Tinte im Füller leer ist und ich keinen Nachschub habe
  • ich meine Arbeit schon erledigt habe und neue Aufgaben wünsche
  • ich zur Toilette muss
  • oder oder oder

Auch diese Fragen gibt es 30-fach. Und die ruhige Arbeitsatmosphäre möchte niemand wirklich stören – wie kommuniziert man nun unauffällig? Bisher war es so: Manche Kinder machten sich auf den Weg und schlichen hinter mir her, um mich flüsternd anzusprechen. Wieder andere Kinder zeigten auf, schnipsten auch, damit ich sogleich nach ihnen schaue. Auch kann es sein, dass es Kinder gibt, die so sehr nicht stören wollen, dass sie sich gar nicht äußern, auch nicht bei Fragen.

Die Lösung: Der Ruhe-Würfel

Im Montessori-Shop (Kooperation) entdeckte ich den Ruhe-Würfel und war sogleich sehr angetan. Ich bestellte den großen Würfel und besprach mit den Kindern die Einsatzmöglichkeiten. Dann war klar: Diese Würfel brauchen wir. Gesagt, bestellt, erhalten.

In einem Klassengespräch haben wir darüber gesprochen, welche Anliegen und Bedürfnisse so erfahrungsgemäß aufkommen, während die ruhige Arbeitszeit ist.

Da ich grundsätzlich im Raum präsent bin und herumgehe, ist es nun sehr leicht, mir ein Anliegen anzuzeigen. Dabei fallen die rote und die grüne Würfelfläche natürlich besonders ins Auge. Wir vereinbarten daher diese Zeichen:

  • Leere Fläche: Bei mir ist alles in Ordnung
  • Grüne Fläche: Ich bin fertig mit meinen Aufgaben und brauche ggf. „Nachschub“
  • Rote Fläche: Ich muss zur Toilette, ans Fenster (frische Luft schnappen) usw.
  • Fragezeichen: Ich habe eine Frage zu einer Aufgabe
  • Ausrufezeichen: Ich habe generell etwas nicht verstanden.

Erster Einsatz

Die erste Arbeitszeit mit den Würfeln hat prima geklappt und ich war sogar mehr „gefragt“ als sonst. Denn die sonst eher stillen Kindern, die sich eher zurücknehmen und gar nicht melden, haben sich auch über den Würfel geäußert. Trotzdem blieb es insgesamt sehr leise.

Würfel bestellen

Mit Klick auf diesen Link könnt ihr die kleinen Ruhewürfel bestellen, es gibt aber auch größere Exemplare. Ich habe aktuell einen großen Würfel (zum Vorzeigen) und 30 kleine Würfel. Es ist ja durchaus denkbar, dass es pro Doppeltisch einen Würfel gibt, der geteilt werden kann.

Seelennahrung Erzählteil

Ein Epochen- oder Hauptunterricht an der Waldorfschule besteht aus dem so genannten Rhythmischen Teil, dem Arbeitsteil und dem Erzählteil. Bei dieser Dreigliederung werden die Kinder ganzheitlich angesprochen. Darum erfahrt Ihr hier , warum das freie Erzählen und Vorlesen bis ins Teenageralter an der Waldorfschule regelmäßig praktiziert wird und fest im Tagesablauf von Klassenlehrer:innen eingeplant ist.

Welche Unterrichtsphase spricht was an?

Ein ganzheitlicher Unterricht ist keine reine Kopfsache, sondern spricht Körper, Geist und Seele gleichermaßen an, denn Lernen ist kein Denkprozess, sondern braucht Bewegung, vielseitige Anregung und seelische Verbindung.

Der rhythmische Teil

Im so genannten rhythmischen Teil finden sich Bewegungselemente, Gemeinschaftsspiele, künstlerisches Sprechen und tägliches gemeinsames Musizieren wieder. Die tägliche Wiederholung einer Übung lässt sie immer weiter ausreifen und besser gelingen. „Rhythmus ersetzt Kraft“ gilt hier. Die verschiedenen gemeinsamen Aktivitäten führen die Kinder zusammen, wecken sie auf und spenden Energie. Die Übungen des rhythmischen Teils finden auch im Jahreslauf, mit Bezug zur jeweiligen Jahreszeit, statt und bauen eine Brücke zum Lerninhalt des Arbeitsteils.

Der Arbeitsteil

Nach der Einstimmung im rhythmischen Teil findet die Auseinandersetzung mit den Lerninhalten, die „Kopfarbeit“ statt. Hier wird das Gelernte vom Vortag wiederholt, mit neuen Inhalten vertieft und auf verschiedene Weise geübt.

Jetzt aber zum Erzählteil…

Der Erzählteil schließt den – in meiner Klasse den 105 Minuten dauernden – Epochenunterricht ab. Jetzt ist die Zeit für Märchen, Fabeln, Legenden und Mythologien. Die Kinder hören die Geschichten, die sprachlich mitunter sehr anspruchsvoll und Wortschatz erweiternd sind und viele innere Bilder schaffen. Dies fördert die Fantasiefähigkeit und die Art des inneren Erlebens ist die reinste Seelennahrung und Menschenbildung: Es geschieht durch die Belebung der Vorstellungskräfte ein inneres Erleben, das die seelische Entwicklung beflügelt und auf indirektem Wege auch kindliche Fragen beantwortet. Da gibt es Gut und Böse, die Begegnung mit der Fremde und Andersartigkeit und es gibt viele neue Entdeckungen, die vor dem inneren Auge gesehen und durchlebt werden.

Was wird wann erzählt?

In den Klassen 1 und 2 werden ganz bildhaft Märchen, Fabeln und Legenden erzählt, menschliche Eigenschaften und Weisheit gespürt.

Die Schöpfungsgeschichte der Klasse 3 knüpft an das Bedürfnis der Kinder an, sich die Umwelt neu zu erschließen und Gedanken über den Ursprung zu machen. Ich habe über den Erzählteil der Klasse 3 schon hier etwas ausführlicher geschrieben.

In der 4. Klasse erleben die Kinder starke Ritter und den großen Kampf der nordischen Götterwelt in ihren vielen Reichen. Ich erzähle meiner Klasse seit Monaten aus der nordischen Mythologie und die Begeisterung reißt nicht ab!

In Klasse 5 findet ein Übergang von Mythologie zur Historie statt, wenn die alten Kulturen und griechischen Sagen Einzug finden. Die Kinder befinden sich seelisch in einer sehr ausgewogenen Zeit und genießen die Erzählungen über den Buddha, Zarathustra und die Odysee von Homer.

In Klasse 6 werden den inzwischen sehr weltinteressierten Kindern Geschichte aus dem alten Rom erzählt und dabei die Lebensweise, Umgebung und Gewohnheiten der Römer aufgegriffen. Auch Geschichten aus dem Mittelalter erhalten Einzug und sorgen für Faszination.

In den Klassen 7 und 8 stehen menschliche Schicksale im Mittelpunkt des Erzählteils und greifen das Unsicherheitsgefühl auf, das bei den Kindern zu Beginn der Pubertät, mit den vielen körperlichen und seelischen Veränderungen, aufkommt. Sie sind interessiert an verschiedenen Lebenswegen, Lebensentwürfen und -leistungen, denn sie suchen tief in sich Antworten auf eigene Lebensfragen.

Das märchenhafte Erdbeergärtchen

Für eine schöne Vorfreude auf die anstehende Erdbeerzeit: Pflanzt und gestaltet mit den lieben Kleinen ein Erdbeergärtchen. So verbringt Ihr eine schöne Märchenzeit und bereitet dann gemeinsam, ganz ins Märchen eingetaucht, Eure eigene kleine Erdbeerernte vor.

Das Märchen „die Erdbeerkörbchen“

Ich habe dieses Märchen nacherzählt. Es handelt von zwei armen Kindern, die in den Wald geschickt werden, um Erdbeeren zu pflücken. Doch die vollen Körbchen verschwinden. Welches Geheimnis steckt dahinter?

Ihr könnt es in meinem Podcast „Märchen mit Klang“ hier anhören.

Das Erdbeergärtchen

Pflanzt gemeinsam Erdbeerpflanzen in eine Schale und dekoriert sie mit Schätzen und selbstgebastelten Details, die zu dem Märchen passen. Ein ganz besonderes Schaffen! Das Ergebnis sieht nicht nur schön aus, es erinnert auch beim Pflücken jedesmal daran, dass es so viel Magisches, Unsichtbares, Märchenhaftes gibt!

Ich wünsche viel Freude dabei und eine zauberhafte Erdbeerernte!

Euer Erdbeergärtchen

Ich würde mich sehr auch über Bilder von Euren Erdbeergärtchen freuen und diese mit Euerer Erlaubnis in diesem Beitrag teilen.

Drei Spiele für eine lockere Erzählrunde nach den Ferien

Wenn sich über 30 Kinder nach zwei Wochen Ferien wiedersehen, haben sie sich viel zu erzählen. Und selbstverständlich nehmen wir alle Anteil aneinander, jeder möchte gehört werden und der Klasse von den vielen Eindrücken und Erlebnissen berichten. Damit es eine spannende Erzählrunde wird und sich die Kinder möglichst ausdauernd zuhören, stelle ich Euch hier drei Spiele für den Erzählkreis nach den Ferien vor.

Spiel 1: Der Schatz der schönen Momente

Ab Klasse 1: Die Kinder bekommen eine kurze Zeit zum Nachdenken über die Ferien. Welcher Moment war unergesslich? Dieser ist ein Schatz in der Schatzkiste unserer Erinnerung.

Zur Visualisierung kann auch eine kleine Schatzkiste aufgestellt werden. Jedes Kind bekommt ein kleines Steinchen oder eine Perle, erzählt von einem unvergesslichen Ferienmoment und legt die Perle oder den Stein in die Schatzkiste.

Spiel 2: Zweimal wahr, einmal erdacht

Ab Klasse 3/4: Dieses Spiel mag meine Klasse auch sehr. Sie hören gern drei Dinge aus den Ferien ihrer Mitschüler:innen und raten dann, welches Erlebnis wohl erdacht ist. Dabei ist anschließend sowohl eine kleine Abstimmung mit der ganzen Klasse („Publikumsjoker“) denkbar, als auch die Möglichkeit, dass das Erzählerkind zwei oder drei Kinder auswählt, die ihren Favoriten nennen.

Tipp: Beim Spielen hat sich gezeigt, dass sich manchmal einige Auswahlmöglichkeiten wiederholen können, nachdem sie ein paarmal gehört wurden. Ich lasse daher die Kinder nun vorab einzeln drei Dinge aufschreiben, die sie dann später nennen wollen: Zweimal wahr, einmal erdacht.

Spiel 3: Meine Ferien als Bild

Ab Klasse 4: Hier biete ich einfach eine Auswahl verschiedener Bilder an. Sobald ein Kind ein Bild mit einem Ferienerlebnis verbindet, darf es das Bild an sich nehmen. In der Erzählrunde wird dann gezeigt, welches Bild man ausgewählt hat und erzählt, welches Erlebnis man damit verbindet.

Wichtig: Hier sollte die Anzahl der Bilder deutlich größer sein als die Anzahl der Kinder. Dass Bilder doppelt, dreifach oder vierfach vorkommen, macht es besonders interessant! So kann man nämlich hören, welche verschiedenen Geschichten mit ein und demselben Bild verbunden werden.

Meine Bildervorlagen habe ich hier für Euch als Download:

Ich wünsche Euch schöne Erzählkreise nach den Ferien!

Der Anfangsunterricht mit der Flöte

Wie das erste gemeinsame Instrument allmählich seinen Platz in meiner Musikstunde bekommt: Es werden zuerst zwei Rituale eingeführt, das „Aufwecken“ der Flöte und die Pflege. Dann halten so nach und nach die verschiedenen Töne Einzug. Das erste gemeinsame Flötenlied schreibe ich gegen Ende des Schuljahres für jede Klasse selbst.

Vorfreude in Klasse 1

Die Kinder sind eingeschult und bekommen meist die Flöte direkt als Schulausstattung dazu. Es ist natürlich nicht nur interessant, sondern auch wieder ganz Schulkind – groß – , ein Instrument zu spielen. Die Kinder können es meist kaum erwarten und fragen immer wieder, wann wir endlich Flöte spielen. Doch die Flöte fordert auch Einiges von den Kindern und der ganzen Klasse, die schließlich gemeinsam musizieren soll. Daher tasten wir uns Schritt für Schritt an das gemeinsame Instrument heran.

Wir gewinnen die Flöte lieb

Zurück zu dem Moment der Einschulung: Es wird gefeiert, es gibt viele Geschenke für die Kinder und aus dem Kindergartenkind wurde ein Schulkind. Die Bedeutung der vielen neuen Dinge muss sich allerdings erst noch sorgsam erschließen. Daher sollte nicht willkürlich ausprobiert werden. Die Flöte muss ihren ganz besonderen, eigenen Weg zu den Kindern finden. Dazu ganz am Rande: Auch ich entscheide von Stunde zu Stunde, von Gruppe zu Gruppe, wann und wie der nächste Schritt an der Reihe ist. Das ist in keinem Jahr gleich.

Die Stimmung der Kinder

Die Kinder befinden sich in den ersten Schuljahren in der Stimmung der „Mit-Welt“. Sie empfinden, dass alles um sie herum mit ihnen lebt. Die Flöte ist für sie daher grundsätzlich kein Gegenstand, der konsumiert wird, sondern auch das Instrument lebt in gewisser Weise mit ihnen und kann so einen wahren Platz in ihren Herzen finden. Und wenn das geschieht, dann ist das der schönste Beginn einer gemeinsamen Arbeit, den man haben kann.

Wenn ich meine neuen Gruppen kennengelernt und in eine erste passende Arbeitsweise mit ihnen gefunden habe, beginne mit der Einführung der Flötenrituale (meist um die Herbstferien). Die Flöte darf erstmals mitgebracht werden, ein besonderer, ein feierlicher Moment. Sie hat bis dahin sehr lange in ihrem Schlafsäckchen (Flötentasche) geruht und wird zunächst mitsamt ihrer Schutzhülle auf den Schoß gelegt. Wir tasten und fühlen sie von außen, wecken die Flöte ganz sanft auf.

Dann wird das Schlafsäckchen geöffnet und die liebe Flöte vorsichtig herausgeholt. Die Kinder tun dies sehr bedächtig und so geschieht es dabei in der Regel nicht, dass irgendjemand plötzlich willkürlich oder albern in das Instrument pustet und für schrille Töne sorgt. Heißt: Mit schrittweiser, liebevoller Vorbereitung braucht man vorab nicht lang und breit die Flötenregeln zu erklären. Denn es findet in der beschriebenen Atmosphäre einfach von allein in der richten Weise statt.

Zum weiteren Aufwecken braucht die Flöte Handwärme, „so wie alle Wesen auf der Erde, Menschen, Tiere und Pflanzen, die Sonnenwärme brauchen“. Sie wird mit beiden Händen gehalten, eine Hand oben, eine Hand unten. Nun können Flöte und Finger gemeinsam warm werden und dabei schöne Motorikspiele gespielt werden:

  • Die Flöte wird mit beiden Händen im großen Bogen gedreht (wie ein Propeller, das Wort darf aber nicht fallen), vorwärts und rückwärts.
  • Die Handflächen werden aneinander gedrückt, dazwischen die Flöte gelegt. Die Hände werden hin und her bewegt, die Flöte dreht sich im kleinen Kreis und wird dabei gehalten.
  • Auch nur eine Hand (Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger) kann die Flöte im großen Bogen drehen, vorwärts und rückwärts, das ist eine ganz besondere Fingergymnastik. Bitte nicht vergessen, die Hand zu wechseln.
  • Flöten-Handgesten-Spiel: Familie Spatz.

Das ganze Aufwärmspiel (angedeutet, mit Raum für eigene Fingerbewegungen ):

Download der Verse dazu:

Da sich auch die Flöte erst allmählich an alle Dinge gewöhnen muss, reicht dieses Spiel für den Anfang. Es wird in jeder Stunde wiederholt.

Ein weiteres, schönes Spiel für den Anfang: Man kann die Flöte in die eine Hand nehmen und mit der Unterseite auf die Innenseite der anderen Hand klopfen. Dies ergibt ein sehr angenehmes „Ploppen“, mit dem die Kinder auch gern spielen. Hierzu kann man laut und leise klopfen, silbengemäß zu bestimmten Versen, z.B. von Hedwig Diestel (hier nur ein Auszug, gefunden in dem Buch „Künstlerisches Sprechen im Schulalter“ von Christa Slezak-Schindler, Edition Waldorf).

Mein Pferdchen muss springen,
die Wälder durchdringen (…),

Mein Pferdchen geht leise
zur Nacht auf die Reise (….)

Solche Verse eigenen sich auch gleichzeitig als rhythmisches Laufspiel.
Nach den ersten Spielen braucht die Flöte wieder ihre Ruhe und wird schlafen gelegt. Vor der Ruhezeit wird sie gepflegt. Ich zeige den Kindern zunächst, wie man sie wischt und anschließend bekommt jedes Kind einen Tropfen Flötenöl. Mal aus dem Fläschchen, mal aus einer Muschel, mal mit einem kleinen Tropfen ätherischem Öl. Auch das variiert mit der Zeit.

Atmung, Fingerspitzengefühl und Hörfähigkeit

Damit irgendwann sehr zuverlässig ein gewünschter Ton erklingt, müssen sowohl Haltung und Atmung ,als auch Griffsicherheit stimmen. Hinzu kommen das aktive Lauschen und Einhören: Das eigene Flötenspiel und das zugleich das der ganzen Klasse wahrnehmen, dessen Teil man ist.

Es ist daher sehr wichtig, in jeder Stunde Spiele und Übungen mit den Kindern durchzuführen, die sowohl das Einhören, als auch die Fingerfertigkeit schulen und die Atmung wahrnehmen lassen. Diese müssen nicht unbedingt direkt etwas mit der Flöte zu tun haben. Es gibt viele Handgestenspiele, auch begleitet mit Glöckchen und anderen Klängen.

Zu Beginn einer Stunde sind wir immer in Bewegung: Nach dem gemeinsamen Begrüßungslied folgen meist Rhythmusspiele, ein Reigen oder Klänge in Bewegung. Nach einer Zeit der Bewegung kommen wir ins Stehen. Jetzt ist die Gelegenheit günstig, den eigenen Atem klar zu spüren, innezuhalten, die Hände auf den Bauch zu legen, die Bewegung und Wölbung zu spüren. Die Zunge wird vom Gaumen gelöst, auch einmal durch die Nase geatmet, die Schultern gelockert.

„Wir spüren unseren Atem. Die Flöte braucht ihn wie die Erde den Wind. Wie ruhig wir atmen. Wir dürfen einmal kurz die Augen schließen und unsere Hände auf den Bauch legen.“

Wenn es zur guten Gewohnheit wird, zwischendurch den eigenen Atem zu spüren, wird auch beim Flöten sicherer geatmet. Hier kann man auch viel beobachten: Wer steht unruhig, bläst die Wangen auf, hat die Schultern angezogen….. Vielleicht benötigt es weitere Spiele, die zur Ruhe führen.

Ein Lied, das wir flöten, singen wir auch vorab, was ebenfalls eine gute Hinführung in das Flötenspiel ist.

Nach einer Zeit auf den Beinen dürfen die Kinder sich dann zunächst für die Flötenrituale setzen. Später wird dann wieder im Stehen geflötet. Die Erdung, die gerade Haltung, sind wichtig.

Zum Stundenende folgt dann wiederum ein Schleichspiel, Klangschalen– oder Klangkugelspiel und wir verabschieden uns mit einem Lied.

Die Musikstunde, der Raum und andere Rahmenbedingungen

Ihr habt sicherlich bemerkt, dass der Raum einer Musikstunde viel ausmacht. Ich mag gern Räume mit viel Bewegungsfreiheit. Doch dies ist nicht immer gegeben. Dann muss ich sehen, was im Klassen- oder Musikraum möglich ist .

Corona mit vielen Einschränkungen (Flötenverbote, feste Sitzordnung etc.) hat es in den letzten Jahren auch nicht immer leicht gemacht. Doch letztendlich findet man immer einen Weg, wie man die Kinder auf das einstimmen kann, was später ein schönes gemeinsames Musizieren ist!

Das erste eigene Flötenstück

Das erste gemeinsame Flötenstück richtet sich danach, wie weit wir gegen Ende des ersten Schuljahres mit unserer gemeinsamen Arbeit sind. Dies hängt auch etwas davon ab, ob die Erstklässler:innen morgens im rhythmischen Teil auch einmal die Möglichkeit bekommen zu üben. Da ich selbst Klassenlehrerin bin, kann ich dies nicht selbst begleiten.

Zurück zum Thema: Kleine Melodien beim Erlernen der Töne ergeben sich natürlich vorab auch schon. Doch für ein erstes, größeres Stück überlege ich mir immer etwas Passendes für die Klasse, das gut zu bewältigen und auch ein Ausblick auf die Vertiefung des Flötenspiels im zweiten Schuljahr ist. Das ist eine kleine Melodie aus beieinander liegenden Tönen, dazu ein schöner Text, so dass man das Lied singen und flöten kann. Oft ist es auch Teil einer kleinen Geschichte, die ich erzähle und hat etwas mit dem Sommer zu tun – Schmetterlinge, Marienkäfer, Sonnenstrahlen oder ein kühler, plätschernder Bach kommen gern darin vor.

Jede:r gestaltet es anders

So hat es sich bei mir entwickelt, das erste Schuljahr des Musikunterrichts zu gestalten. Bitte nicht als „Standard“ sehen, denn wir Waldorflehrer:innen sind ja unterschiedlich und haben einige Freiheiten in der Unterrichtsgestaltung. Und wer weiß: Vielleicht sieht mein erstes Musik-Schuljahr in 10 Jahren auch anders aus 🙂 Daher – Stand April 2022.

Wieder in der Schule

Nach dem verlängerten Wochenende war heute das erste Wiedersehen mit meiner vierten Klasse. In der Zwischenzeit haben sich die Nachrichten aus dem Kriegsgebiet überschlagen. So gingen mir auch viele Fragen durch den Kopf: Wie wird das Thema bereits unter den Kindern zur Sprache kommen und wie möchte ich damit umgehen? Wer ist vielleicht sogar durch Familie und Freunde persönlich betroffen? Oder ist das Thema doch noch ganz fern?

Selbst gedanklich sortiert sein

Das war zugegebenermaßen die erste große Herausforderung, denn meine eigenen Gedanken kreisen ja auch permanent. Innerlich habe ich mich zudem auf viele Szenarien beim Wiedersehen mit den Kindern eingestellt. Von „mit der Tür ins Haus“ bis hin zu „lieber nicht“.

Türöffner: Wie beginnt man ein solches Thema?

Ich habe zuerst die Kerze angezündet und an Franzikus und seine Friedensbotschaft erinnert. Daran denken die Kinder gern zurück (Thema im zweiten Schuljahr). Und wir haben daran gedacht, dass diese wundervolle Botschaft durch alle Zeiten hinweg für alle Menschen dieser Welt bestehen blieb und bleibt, Trost spendet. Mehr noch: Diese Friedensbotschaft wird heute wieder ganz besonders gebraucht.

An diesem Punkt war die Aufmerksamkeit der Kinder sehr groß. Ein guter Moment, um selbst aufmerksam in die Runde zu blicken, wie es jedem Kind in der Klasse heute geht. Einzeln kurz wahrnehmen. Ich habe danach das Friedensgebet gesprochen, die Kinder haben es bedächtig mitverfolgt und teilweise auch schon selbst etwas mitgesprochen.

Herantasten

So war der Raum für das Thema vorsichtig geöffnet. Man konnte hineinschauen, hineingehen – oder eben nicht. Vielleicht auch noch nicht heute, aber morgen. Oder an einem anderen Tag. Die Gewissheit, dass die Möglichkeit besteht, ist da. Die Kerze und das Friedensgebet sind da. Dazwischen heißt es:

Alles kann, nichts muss.