PTBS bei Kindern: Was wir übersehen – und was wirklich hilft

Ein Artikel für Eltern, Lehrkräfte und alle, die Kindern nah sind.

Es gibt ein Bild, das viele von uns im Kopf haben, wenn wir an Trauma denken: ein Kind im Kinderheim. Ein Kind, das einen schweren Verkehrsunfall miterleben musste oder den Tod eines nahen Angehörigen. Ein Kind, das offensichtlich leidet. Doch dieses Bild ist unvollständig Denn Trauma sitzt auch in Klassenzimmern. In Schulbussen. Hinter unauffälligen Gesichtern von Kindern, die einfach „still“ sind, „nicht zuhören können“ oder „immer stören“. Kinder, bei denen niemand auf die Idee kommt zu fragen: Was trägst du gerade mit dir?

Was ist PTBS bei Kindern überhaupt?

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entsteht, wenn ein Erlebnis die Verarbeitungskapazität eines Menschen deutlich übersteigt. Was für Erwachsene gilt, gilt für Kinder umso mehr, denn ihr Nervensystem ist noch in der Entwicklung, ihre Bewältigungsstrategien sind begrenzt, und sie sind von Erwachsenen abhängig, die sie manchmal selbst nicht schützen können.

Traumatische Erlebnisse im Kindesalter sind vielfältig: körperliche oder emotionale Misshandlung, Vernachlässigung, der Verlust einer Bezugsperson, häusliche Gewalt, Unfälle, aber auch chronischer Stress in einem dysfunktionalen Familienumfeld.

Wichtig zu wissen: PTBS bei Kindern sieht selten so aus, wie wir es erwarten.

Das unsichtbare Gesicht von Trauma

Kinder zeigen Trauma meist nicht mit Worten. Sie zeigen es mit Verhalten.

Und genau das wird so oft falsch verstanden.

Ein Kind, das im Unterricht nicht stillsitzen kann, wird schnell als ADHS-verdächtig eingestuft. Ein Kind, das sich verweigert, gilt als faul oder störrisch. Ein Kind, das ausrastet, als aggressiv. Ein Kind, das erschöpft und müde ist, als desinteressiert. Was dahinter stecken könnte? E

in Nervensystem, das im Dauerstress-Modus feststeckt.

Fachleute warnen ausdrücklich davor: Übererregungssymptome einer PTBS wie Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit und Wutausbrüche werden bei Kindern regelmäßig als ADHS fehldiagnostiziert. Das bedeutet: Kinder werden für ein Problem behandelt, das gar nicht das eigentliche Problem ist. Und das eigentliche Problem bleibt unsichtbar.

Die Zahlen, die uns wachrütteln sollten

Trauma im Kindesalter ist kein seltenes Phänomen. Es ist erschreckend verbreitet. Eine repräsentative deutsche Studie (Deutsches Ärzteblatt, 2019) zeigt: Fast 44 % der deutschen Bevölkerung hat mindestens ein belastendes Kindheitserlebnis erlebt. Fast 9 % sogar vier oder mehr. Im Jahr 2022 meldeten deutsche Jugendämter über 62.000 Fälle von Kindeswohlgefährdung – und das ist nur, was sichtbar wurde. Die Dunkelziffer ist erheblich.

Und dann ist da noch die Gruppe der neurodivergenten Kinder mit ADHS, Autismus, Lernstörungen. Sie sind besonders gefährdet, denn ihr Nervensystem ist sensibler, ihre Reizschwelle niedriger, und Studien zeigen: Neurodivergenz gilt als Risikofaktor dafür, dass belastende Erlebnisse sich tiefer eingraben und eher zu PTBS führen.

Gleichzeitig haben über 53 % aller Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung mindestens eine psychiatrische Begleiterkrankung. Angststörungen, Depressionen, PTBS – alles auf einmal, in einem kleinen Körper, der morgens in die Schule muss.

Warum wir es so oft verpassen

Es gibt einen Satz, der in der Traumapädagogik immer wieder auftaucht:

Nicht: Was stimmt mit dir nicht? Sondern: Was ist dir passiert?“

Dieser Perspektivwechsel klingt klein. Er ist es keineswegs.

Denn unser Schulsystem – ja unser gesellschaftliches System insgesamt – ist auf Sichtbarkeit ausgelegt. Gebrochene Arme werden behandelt. Traurigkeit, die man sieht, bekommt Mitgefühl. Aber ein Kind, das innerlich kämpft und äußerlich stört? Das bekommt oft vorschnell Sanktionen.

Neurodivergente Kinder werden dabei besonders oft übersehen. Viele von ihnen lernen früh das sogenannte Masking — sie passen sich an, verbergen ihr wahres Erleben, funktionieren nach außen. Bis sie es nicht mehr können. Bis sich ihre Fassade in Erschöpfung, Angst oder Ausbrüchen entlädt.

Das ist kein Versagen des Kindes. Es ist das Ergebnis einer Umgebung, die keinen Raum für Andersartigkeit gelassen hat. Und leider ist es oft so, dass Lehrkräfte (in meinen Augen) schon in ihrer Ausbildung viel zu wenig geschult werden im Bereich der Traumapädagogik und Neurodivergenz.

Du musst kein Therapeut sein. Aber du kannst eine sichere Person sein.

Das reicht oft weiter, als wir denken.

Für Lehrkräfte und Pädagog:innen:

  • Struktur ist Fürsorge. Ein vorhersehbarer Tagesablauf, ein Tagesplan an der Tafel, immer dasselbe Morgenritual – das gibt einem dysregulierten Nervensystem Halt (Link zu. meinem Kartenset „30 Übergänge und Rituale in der Grundschule“)
  • Rückzug ermöglichen. Ein vereinbarter ruhiger Ort, den ein Kind aufsuchen darf, wenn es nicht mehr kann: ohne Strafe, ohne Beschämung.
  • Die Sprache ändern. „Was brauchst du gerade?“ statt „Warum machst du das?“ öffnet Türen, die anklagende Fragen schließen. Wirklich!
  • Beziehung ist Schutzfaktor Nummer eins. Ein kurzer echter Kontakt täglich… ein Lächeln, ein kurzes Gespräch – das kann für ein Kind mit unsicherer Bindungserfahrung bedeutsamer sein als jede pädagogische Maßnahme.

Für Eltern:

  • Glaub deinem Kind, auch wenn du es nicht verstehst. „Ich glaube dir, dass es schwer ist“ ist ein mächtiger Satz. Du kannst die Gefühle zwar nicht abnehmen (das wäre auch nicht im Interesse des Kindes!), aber co-regulieren.
  • Suche dir selbst Unterstützung. Eltern von traumatisierten oder neurodivergenten Kindern tragen viel. Du kannst nicht aus einem leeren Tank geben. Mein unkompliziertes Coaching-Angebot für akuten Bedarf.
  • Rede mit der Schule – aber bereite dich vor. Bring konkrete Beobachtungen mit. Nicht Diagnosen oder gar Anschuldigungen, sondern: „Ich bemerke, dass mein Kind morgens sehr angespannt ist. Was beobachten Sie?“
  • Fachliche Hilfe ist kein Versagen. Traumafokussierte Kinderpsychotherapie wirkt. Frühzeitig angesetzt, kann sie enorm viel verändern.

Ein kleines Wort zum Schluss

Kinder, die Trauma tragen, brauchen keine Disziplin. Sie brauchen Sicherheit.

Sie brauchen Erwachsene, die nicht wegsehen, wenn es unbequem wird. Die fragen, statt zu urteilen. Die Verhalten als Sprache lesen – als den einzigen Weg, den ein Kind hat, um zu sagen: Ich brauche Hilfe.

PTBS bei Kindern ist real. Sie ist sogar häufig. Und sie ist unsichtbar – bis jemand anfängt, anders hinzuschauen.

Du kannst dieser jemand sein.

Autistische Kinder in der Kita begleiten – zwischen Inklusion, Masking und echter Unterstützung

Vor kurzem wurde ich vom Bananenblau Verlag sehr ausgiebig interviewt zu meinem Herzthema Autismus. Auf Instagram wurde das Wesentliche in Slides zusammengefasst. Auf meinem Blog gibt´ s natürlich das ganze Interview – und ein SAVE THE DATE am Ende des Artikels.

Autistische Kinder in der Kita zu begleiten bedeutet, genau hinzuschauen und zwischen Unterstützung, Anpassungsdruck und echter Inklusion zu unterscheiden. In diesem Interview spricht Bananenblau mit Nadine Mescher über die Begleitung autistischer Kinder in der Kita. Im Mittelpunkt stehen Fragen aus dem pädagogischen Alltag: Wie erkennen wir Bedürfnisse richtig, wo beginnt Anpassungsdruck, und wie kann echte Inklusion im Kita-Kontext gelingen?

Autistische Mädchen wirken oft durch Masking unauffällig. Wie erkennt man, dass ein Kind möglicherweise im Autismus-Spektrum ist?

Schüchternheit kann mit zunehmender Vertrautheit nachlassen, bei autistischen Kindern bleibt die kognitive Anstrengung jedoch meist konstant, sie wird lediglich kompensiert. Im Spiel fällt oft auf, dass ein Kind weniger spontan und kreativ agiert, sondern andere Kinder genau beobachtet und deren Verhalten „einstudiert“. Häufig zeigen sich intensive Spezialinteressen, die sich in wiederkehrenden Themen oder gleichbleibenden Spielmustern äußern. Zudem kommt es durch sensorische Überreizung nicht selten zu einem plötzlichen Rückzugsbedürfnis aus Spielsituationen.

Ein besonders wichtiges Signal: Viele Eltern berichten, dass ihr Kind in der Kita unauffällig wirkt, zu Hause jedoch regelmäßig erschöpft ist – mit Weinen oder Wutausbrüchen als Ausdruck der Überforderung.

Gibt es Tipps für Pädagogen ohne heilpädagogische Ausbildung?

Für Erzieher*innen ist es oft überraschend, wenn Eltern berichten, dass das Kind zu Hause regelmäßig zusammenbricht. Umgekehrt erleben Erzieher*innen ein Kind in der Kita als herausfordernd, während die Eltern es zu Hause als unauffällig beschreiben.

Es ist daher sinnvoll, gezielt nachzufragen, wie sich das Kind in anderen Gruppensituationen verhält, zum Beispiel auf Festen oder in Vereinen. Der Vergleich verschiedener Settings hilft dabei, besser einzuschätzen, wie das Kind in unterschiedlichen Kontexten zurechtkommt. 

Wie helfen wir autistischen Kindern in der Kita?

Es ist wichtig, den Kindern zu vermitteln: Du bist gut, so wie du bist. Unterschiedlichkeit darf sein. Statt autistische Kinder von außen anzupassen, etwa durch Training von Blickkontakt oder das Imitieren von Smalltalk, sollte ihre individuelle Art der Wahrnehmung und Kommunikation anerkannt werden.

Wenn alle Kinder im Grunde von klein auf lernen, dass verschiedene Arten zu denken, zu fühlen und zu sein in Ordnung sind, entsteht mehr Verständnis füreinander. So kann langfristig ein wertschätzender Umgang zwischen neurotypischen und neurodivergenten Menschen gefördert werden.

Ein soziales Miteinander muss gelernt werden. Aber wie unterscheidet man soziale Unterstützung vom Trainieren von Masking?

Es ist wichtig zu differenzieren: Dienen Maßnahmen, wie Blickkontakt halten, dem Kind oder eher der Umgebung? Wenn solche Anforderungen vor allem dazu dienen, dass das Kind „funktioniert“, es dabei jedoch Stress oder Erschöpfung erlebt, kann das ein Hinweis auf zu viel Masking sein. In diesem Fall sollte geprüft werden, ob eine inklusivere Umgebung geschaffen werden kann. Aus meiner Erfahrung nähern sich Kinder leichter einander an, wenn Erwachsene nicht stark steuernd oder eingreifend von außen regulieren, sondern Begegnungen wohlwollend begleiten.

Wichtig ist, dass Kinder, die bestimmte soziale Signale nicht intuitiv zeigen (z. B. Blickkontakt), lernen dürfen, dass es diese gibt und dass sie im Alltag wahrgenommen werden, ohne sie jedoch zu erzwingen oder als Mangel zu bewerten.

Gerade Mädchen haben oft den Wunsch, als freundlich erlebt zu werden. Es ist schön, wenn sie das zeigen möchten. Wenn es jedoch viel Kraft kostet, ist es ebenso in Ordnung, es nicht zu tun.

Autistische Kinder haben oft weniger soziale Interessen und sind in ihrer eigenen Welt zufrieden. Doch wie erkennt man eine Ausgrenzung bei den autistischen Kindern?

Ein ausgegrenztes Kind beobachtet meistens die anderen am Rand und versucht, die soziale Situation zu verstehen und einen Zugang zur Gruppe zu finden. Sollte keine Brücke zwischen den Kindern gebaut werden können, erleben autistische Kinder häufig Ausgrenzung, auch ohne dass es einen konkreten Anlass gibt. Andere Kinder haben oft ein Gespür dafür, dass das Kind nicht „dazugehört“, und ziehen sich zurück. Ein autistischen Kind versteht in solchen Situationen häufig nicht, warum es plötzlich allein ist.

Wenn ein Kind weniger als früher an Gruppensituationen teilnimmt, kann das ein Hinweis auf Ausgrenzung sein. Ein ausgegrenztes Kind kann langfristig beginnen, sich selbst abzuwerten. Bei massiver Ausgrenzung können psychosomatische Symptome auftreten.

Wie baut man denn eine Brücke zwischen autistischen und neurotypischen Kindern?

Autismus bedeutet nicht nur Schwierigkeiten, sondern bringt auch enorm viele Stärken mit sich. Für Pädagog*innen ist es wichtig, diese Stärken zu erkennen, anzuerkennen und bewusst in die Gruppe einzubringen, zum Beispiel Spiele auszudenken, bei denen autistische Kinder ihre Fähigkeiten gut einbringen können.


Autistische Kinder erleben viel häufiger Ausgrenzung, Ablehnung und negative Bewertungen durch ihre Umgebung. Können wir sie besser davor bewahren oder vorbereiten?

Wir können Kinder nicht vor allem schützen, aber wir können ihre Resilienz stärken und für sie da sein. Dabei sollte nicht die Angst vor Ablehnung verstärkt werden. Es geht nicht darum, Ablehnung vorherzusagen, sondern das Kind darin zu bestärken, dass die Reaktionen anderer Menschen oft mehr über deren eigene Grenzen aussagen als über den eigenen Wert. Kinder sollten lernen, ihre eigenen Grenzen zu äußern, bevor Situationen eskalieren. Das gibt Vorhersehbarkeit und Sicherheit, ohne Angst zu spüren. Pädagog*innen können – je nach Entwicklungsstand des Kindes – unterstützend vermitteln, wie Kommunikation auf unterschiedliche Weise funktionieren kann. Voraussetzung ist eine gesicherte Diagnose, wobei häufig auch beratende Stellen wie Autismus-Zentren einbezogen werden. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit im Team ist wichtig.

Aus meiner Erfahrung gibt es zum Glück oft nicht nur ein autistisches Kind in meiner Gruppe. Da kann hilfreich sein, autistische Kinder miteinander in Kontakt zu bringen, da sie sich häufig auf eine besondere Weise verstehen.

Wie bereiten wir Kinder auf eine Welt vor, die derzeit leider noch nicht so inklusiv ist, wie wir es uns wünschen?

Die Kita ist gerade eine gut geschützte Übungsumgebung. Hier können Kinder lernen, ihre eigenen Grenzen und Bedürfnisse wahrzunehmen und zu äußern, zum Beispiel: „Es ist mir zu laut.“, „Ich brauche eine Pause.“, „Ich brauche Ruhe.“ oder „Ich brauche Gehörschutz.“ Es ist wichtig, jedem Kind zu vermitteln, dass es ein Recht auf Erholung hat, wenn die Welt laut oder chaotisch ist. In meiner Erfahrung kann es hilfreich sein, wenn zum Beispiel in der Gruppe Gehörschutz für alle Kinder verfügbar ist. So entsteht keine besondere Erklärungsnotwendigkeit, und alle Kinder haben grundsätzlich jederzeit die Möglichkeit, ihn zu nutzen.

Aus meiner Perspektive werden auch Schulen in differenzierten Arbeitsphasen zunehmend offener dafür, solche Unterstützungsangebote im Alltag zu integrieren. Wenn Kinder von klein auf im Kita-Alltag lernen, sich wahrzunehmen und zu äußern, sich selbst sichere Rückzugsräume zu schaffen, ist das eine wichtige Grundlage für ihr späteres Leben – sowohl im Hinblick auf Selbstfürsorge als auch auf ein gelingendes Miteinander.

Das Interview führte Ying Song vom Banenenblau Verlag.

Save the date

Ich bin dieses Jahr als Sprecherin beim Spektakel von Wohnzimmer Neurodivers e.V. dabei.

Vom 1. bis 7. Juni gibt es für Vereinsmitglieder eine Early-Bird-Woche mit reduzierten Tickets für nur 10 Euro inklusive der Workshops und Aufzeichnungen.

Wer noch nicht Mitglied ist, kann es bis dahin werden – Mitgliedsbeitrag schon ab 24 Euro im Jahr.

Über Medienresilienz – ein Einblick in ein junges Projekt. Austausch erwünscht!

Das Smartphone- und Gaming-Thema ist groß. Wann darf mein Kind ein Handy oder eine Playstation haben, wie lange darf es das Gerät täglich nutzen und welche Apps oder Spiele (mit Chatroom) dürfen installiert werden? Der ORF hat das Experiment Drei Wochen Handy-Entzug begleitet. Laut JIM-Studie 2022 sind 25 % der Jugendlichen im Alter von zwölf bis 19 Jahre schon einmal mit Cyber-Grooming (sexuelle Belästigung/ Missbrauch im digitalen Raum) konfrontiert. Wie schaffen wir also Medienresilienz für unsere Kinder?

In meiner gesundheitspädagogischen Praxis ist Resilienztraining ein Baustein für gesunde Persönlichkeitsstärkung und Lernentwicklung.

Medienresilienz?

Damit meine ich: Wie können Kinder vor oder während der Handy- und Gaming-Nutzung mit sich selbst in Verbindung bleiben, spüren, wenn es ihnen nicht mehr gut tut und stark genug sein, die Reißleine zu ziehen, wenn sich Dinge schlecht anfühlen.

Medienresilienz!

Es scheint ein großer Skill unserer Zeit zu sein. Wenn dei Wochen Handy-Entzug messbar mehr Erholung bringen als zwei Wochen Ferien. Wenn Erwachsene so leichtes Spiel haben, Kinder an ihren Geräten allein zu erreichen und sie zu manipulieren. Dann brauchen wir dringend ein Konzept, das Heranwachsende befähigt, für sich selbst gesunde Entscheidungen zu treffen – auch wenn wir nicht einschränkend und kontrollierend im Hintergrund agieren und auch, wenn der Sog durch Gleichaltrige oder das fesselnde Zocken groß sind.

Resilienztraining in zwei Welten

Ich bin Resilienztrainerin für Kinder und Jugendliche. Meine Ausbildung konzentrierte sich allerdings auf die analoge Welt. Doch meine Wahrnehmung im täglichen Umgang mit Kids und Teens sagt mir, dass das Konzept auch die digitale Welt mit einbeziehen muss. In einer Zeit, in der es Initiativen gibt wie „Bildschirmfrei bis 3„. Gefühle betäuben mittels Medien, eine Flucht, wenn alles andere so anstrengend ist, ist inzwischen Teil unserer Lebensrealität und wird auch von uns Erwachsenen vorgelebt. Ich möchte aber nicht anklagen, sondern positiv befähigen.

Meine ersten Ideen

Welche Übungen und Spiele im direkten Miteinander können sich auch positiv auf die Handy- und Gamingzeit auswirken? Wie kann man in besonderem Maße neurodivergente Kinder unterstützen, die bereits das Maskieren weit verinnerlicht haben? Diese Fragen bewege ich aktuell und wer Lust auf einen Austausch hat, kann sich gern bei mir melden 🙂 montagskind<at>posteo.de

Ich freue mich über einen Austausch mit Euch.

Feriengedanken

Die Sommerferien haben längst angefangen und ich habe mich erst einmal in mein Schneckenhaus verkrochen. Nun strecke ich meine Fühler wieder etwas heraus, mit Blick auf das neue Schuljahr. Ganz bewusst nehme ich mich zurück. Damit schaffe ich für meine dann 8. Klasse einen begleiteten Übergang in die Oberstufe. Gleichzeitig gehe ich eigene gesundheitliche Baustellen an und öffne Räume für Herzensthemen, die einen Raum außerhalb von Schule brauchen.

Ja, es gibt also viele Themen und Gedanken, an denen ich Euch natürlich weiter teilhaben lasse. Nach zwei Wochen Ferien bin ich tatsächlich noch immer etwas müde. Mit unserem kleinen Familienurlaub und etwas Abstand darf sich dies dann wandeln, hin zu neuer Energie.

Das nächste Schuljahr wird

besonders. Denn ich darf loslassen und dennoch Anteil haben.

Ganz neu wird sein

dass ich als Gesundheitspädagogin und Resilienztrainerin für Kinder Kurse mit Krankenkassenzuschuss geben werde. Damit kann ich einen neuen Raum aufmachen, einen Support bieten, der so im Schulalltag keinen Platz hat – besonders auch für

Neurodivergente und hochsensible Kinder

Diese haben ja ohnehin einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen, denn sie gehen sooo oft eine für andere unsichtbare Extrameile. Und diese Extrameile möchte ich sichtbar machen und auch in meiner Kurswelt mini Kurse für Eltern anbieten.

Meine Gedanken in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Eltern

sind übrigens auch, dass ich ganz klar jederzeit auf liebende, mitfühlende Eltern stoße – zugleich aber auch auf deren „innere Schulkinder“. Versteht Ihr, wie ich das meine? Da gibt es nämlich manch alte Wunden oder Narben aus der eigenen Schulzeit und diese können durchaus noch eine Rolle spielen in der Schulzeit der eigenen Kinder. Hier möchte ich gern etwas weiter forschen, Ihr dürft mir gern auch Mails mit eigenen Erfahrungen schicken.

Von der Praxis zur Vision

Was sich dahinter verbirgt, erfahrt Ihr als nächstes! Also stay tuned.

Schulhofkonflikte oder: Was hat ein Kind zu sagen, das wütend schimpft?

Es ist große Pause. Nach zwei Stunden der Aktivität, des Zuhörens und Arbeitens sieht man kaum ein Kind gemütlich in Richtung Schulhof schlendern. Ganz im Gegenteil: Man sieht die meisten Kinder rennen, oftmals miteinander schreien statt zu reden. Warum ist das so?

Das aktuelle Bild hat keinen Alternativtext. Der Dateiname ist: pexels-photo-8457717.jpeg

Der Bewegungsdrang und die laute Stimme sind oft ein Zeichen dafür, dass nun erst einmal ein überreiztes Nervensystem reguliert werden muss. Schreien und Rennen lässt den eigenen Körper spüren, schottet auch etwas nach außen ab und natürlich suchen angestaute Energien ihren Weg nach draußen.

Und es geht noch weiter

Im Eifer des Gefechts hat man keine der freien Schaukeln mehr erwischt. Durch die Luft sausen, dieses Kribbeln im Bauch, die Fliehkräfte – das alles soll jetzt warten? So ein Ärger aber auch! Dabei ist Schaukeln ebenso wichtig. Das Kind, das gerade schaukelt, mag da natürlich den heiß ergatterten Schaukelsitz nicht direkt räumen. Da wird es auch schon angeschrien: „Du blöde Kuh! Ich hasse Dich! Nie wieder werde ich mit dir spielen und dich auch nie mehr auf die Schaukel lassen!“

Die Pausenaufsicht kommt hinzu

… und greift ein mit den Worten: „So gehen wir aber nicht miteinander um! Stell Dir mal vor, so etwas würde man Dir sagen. Das ist nicht in Ordnung! Jeder darf einmal schaukeln. Bitte entschuldige dich.“ Die Pausenaufsicht möchte den Konflikt herunterkochen, für gegenseitiges Verständnis werben und natürlich die Regeln für ein gutes Miteinander vermitteln.

Was die Pausenaufsicht dabei nicht bedenkt

Hinter dem Schimpfen steckt kein böser Wille, sondern Überforderung. Ein überfordertes Kind befindet sich auf der Ebene der Selbstoffenbarung.

  • „Du blöde Kuh“ heißt nicht „Ich möchte Dich beleidigen“, sondern „ich bin überfordert.“
  • „Ich hasse Dich“ heißt nicht „ich will Dich abwerten“, sondern „ich bin so voller Gefühl, dass mein Verstand gerade nicht erreichbar ist.“
  • „Ich lasse Dich nie wieder schaukeln“ heißt nicht „ich wünsche dir eine gemeine Strafe“, sondern „ich verliere gerade selbst die Sicherheit.“

Was können denn Erwachsene sonst tun, um die Situation zu entschärfen?

Dazu möchte ich gern meine Gedanken in den Raum stellen.

  • Ein erstes Einschreiten mit dem Wort „Stop!“ unterbricht das Geschehen.
  • Wir Erwachsenen müssen an der Stelle nicht für äußerliche Gerechtigkeit sorgen, sondern dafür, dass die Kinder in dem Moment höchster Aufregung wieder einen Anker finden, sich selbst zu spüren. Erst dann können sie sich wieder regulieren und im Nachhinein durchaus auch zu der Einsicht kommen, sich ihnen der Ausraster leid tut.

Was ist denn der Anker?

Beide Kinder sollen gesehen und anerkannt werden. Da reicht es zu sagen: „Mäxchen, dir ist gerade scheinbar alles zu viel. Du bist ja ganz wütend.“ Zu dem Kind auf der Schaukel: „Da hast Du Dich bestimmt ganz schon erschrocken.“

Und um beide zu entlasten: „Ich verstehe, dass ihr beide die Schaukel gerade braucht. Da bleibe ich am besten hier kurz stehen und achte gemeinsam mit euch darauf, dass abgewechselt wird.“ Dann aber auch im Gespräch bleiben.

Und die Realität?

  • Da ploppen in solchen Situationen auch alte Streitigkeiten wieder hoch, die eigentlich schon vergessen schienen
  • Sollte man bestimmte Schimpfwörter oder Handgesten nicht direkt tadeln, weil sie Grenzen überschreiten?
  • Das Kind auf der Schaukel ärgert vielleicht auch gern, indem es extra lange sitzen bleibt?
  • Mäxchen wird auch schnell handgreiflich und muss doch dringend gestoppt werden
  • Solche Situationen wiederholen sich doch immer und immer wieder….
  • und vielleicht kann man gar nicht länger bei den beiden bleiben, weil fünf Meter weiter ein anderer Streit ausgebrochen ist.

Fakt ist

  • beide Kinder brauchen akut eine Hilfestellung.
  • Erst, wenn man mit beiden wieder unaufgeregt sprechen kann, bringt es wirklich etwas, die Schimpfwörter und Handgesten anzusprechen.
  • Solche Situation wiederholen sich nur dann immer wieder, wenn man auf sie immer wieder nur oberflächlich reagiert. Ja, einige Kinder verlieren schnell die Verbindung zu sich und brauchen länger, um sie wiederzufinden – ihr Nervensystem fährt zu schnell hoch. Dennoch bringt eine Hilfestellung aus Anerkennung der unsicheren Lage auf lange Sicht garantiert eine Besserung.
  • Sollte es nebenan noch doller brennen, lässt man die Kinder nicht einfach stehen, sondern sagt: „Ich werden dort drüben gebraucht. Ruft mich, wenn Ihr abwechselt.“

Ob ich das im Schulalltag auch immer so schaffe?

Ganz ehrlich: Eine 100 % kann ich nicht geben. Aber je häufiger ich mir die eigentliche Situation der Kinder wieder vor Augen führe, desto besser gelingt es. Mein ganz subjektiver Eindruck ist, dass die Fähigkeit, mit sich selbst in Verbindung zu bleiben, eine immer größer werdende Herausforderung für die Kinder der heutigen Zeit ist. Denn in unserer schnelllebigen Welt voller Außenreize, die auf das junge Nervensystem wirken, ist eine 1. Hilfe in Form von Co-Regulation immer wichtiger.

September Awakening: Achtsam in die dunkle Jahreszeit

Im Sommer ist gereift, was jetzt geerntet werden kann: Ihr Lieben, Ende diesen Monats erwartet uns wieder die Tages- und Nachtgleiche, die wir mit dem Michaeli-Fest am 29. September feiern. Damit ist das Tor zur dunklen Jahreszeit geöffnet! Wie schön wäre es, achtsam diesen Übergang zu begehen. Eine Gelegenheit, um Euch DANKE zu sagen für meine stetig wachsende Leserschaft. Unglaublich, wie mein Montagskindblog auch in diesem Jahr gewachsen ist! Daher habe ich mir für den September einige schöne Aktionen überlegt, von denen viele im Sommer schon gereift sind:

  • Am Wochenende 7./8. September gebe ich mein Bundle „Mindful Parenting Guide“ für nur 5€ an Euch heraus. Zu dem Bundle gehören: Ein Kurs in achtsam-friedvoller Kommunikation (Workbook, Audio), Strategien der Stressbewältigung sowie die Arbeit mit Glaubenssätzen und Affirmationen (Audio, Affirmationskärtchen). Meditationen für Schutz und Abgrenzung, Herzverbindung zu Euch und Euren Liebsten und Stärkung der positiven Glaubenssätze. (Normalerweise kostet der Selbstlernkurs 27 €, da das Hosting eines solchen Kurses nicht gerade günstig, mir aber eine Herzensangelegenheit ist)
  • Außerdem habe ich einen kostenlosen mini-Kurs für Euren ersten Flow.
  • Am Wochenende 14/15. September geht mein neues Michaeli-Märchen mit Kreisspiel on air: Als neue Folge bei „Märchen mit Klang“ und zum kostenlosen Download (Geschichte und Spiel) auf dem Blog.
  • Am 2o. September ist Weltkindertag. Lasst Euch überraschen.
  • Am 29. September ist Michaeli und Ihr dürft Euch auf eine ganz besondere Fantasiereise freuen.

Auf einen schönen, achtsamen Herbst!

Zehn erste Schritte mit der Klangschale

Eine turbulente Woche neigt sich gerade dem Ende zu. Die größte und schönste Überraschung war die Email meiner Lektorin, dass mein neues Hörbuch „Klangschale mit Kindern: Anwendung, Einsatz & Wirkung in Kindergarten, Grundschule und daheim“ zum Preis von 9,99 € frisch veröffentlicht wurde.

Was sind also die 10 ersten Schritte?

  • Der 1. Schritt: Grundsätzliches: Wie man eine Klangschale aufbewahrt, transportiert und pflegt, damit sie lange ihre Schönheit und vor allem den gewünschten Klang erhält.
  • Der 2. Schritt: Das Anklingen. Hier zeige ich Euch, wie man sich der Klangschale annähert und vor allem auch, wie man Kinder an diese wundervolle Klanginstrument heranführt.
  • Der 3. Schritt: Hier wollen wir die Qualitäten von Klängen bewusst wahrnehmen.
  • Der 4. Schritt: Das Zusammenspiel von Klang und Umgebung bzw. Raum.
  • Der 5. Schritt: Erste kleine Schritte auf dem Weg der Entspannung.
  • Der 6. Schritt: Entspannen mit Affirmationen – die Energie-Tankstelle 
  • Der 7. Schritt: Das Zusammenspiel zwischen Deiner Stimme und der Klangschale 
  • Der 8. Schritt: Klang und Bewegung begleiten. Da vor allem Kinder durch Klang in ihrer natürlichen Bewegung angeregt werden, ist auch dieser Schritt eine wichtige Grundlage der pädagogischen Arbeit. (schaut dazu auch meine anderen beiden Werke an, die Klangschalenspiele und die Klang-Yoga-Spiele)
  • Der 9. Schritt: Erster Körperkontakt: Anleitung einer Handreflexzonenmassage.
  • Der 10. Schritt: Dein Weg zu weiteren Klangmassagen 
  • Vorbereitungen für die Fantasiereise „Die Reise zu deiner Schatzinsel“ 

Die Fantasiereise gibt es als Bonusmaterial dazu.

Wo kann man das Hörbuch kaufen?

Es ist zwar über alle gängigen Streamingdienste zu erwerben, aber ich empfehle Euch, direkt bei Don Bosco zu kaufen. Denn: Wie bei Streamingplattformen üblich, werden die Tracklängen und für die Spieldauer von den Streaminganbietern optimiert. Dies hat zur Folge, dass die Kapitel auf den Streamingplattformen leider nicht immer ganz mit unseren Kapiteln der einzelnen Schritten beginnen. Wird das Hörbuch bei uns im Don Bosco Shop erworben, entspricht es den Kapiteln wie in meinem Manuskript.

Habt Ihr weitere Fragen oder Wünsche?

Schreibt sie in die Kommentare, ich beantworte Eure Fragen sehr gern und hoffe einfach, dass noch mehr Menschen die Klangschalen für sich und ihre Lieben entdecken oder auch in der pädagogischen Arbeit sinnvoll einsetzen.

Neues Jahr, neue Themen

Liebe Leserin, lieber Leser! Ich wünsche Euch ein gesundes, glückliches und schönes neues Jahr! Und so melde ich mich zurück aus der kreativen Blogpause, übrigens mit großer Podcast-Laune.

Das Thema High Needs

Es gibt da dieses Thema, das mich schon sehr lange beschäftigt: Es geht um High Needs. Um Kinder, die mit besonderen Gaben und Begabungen geboren wurden. Sie brauchen keine Diagnose, sie sind einfach wie sie sind – und dennoch ist der Alltag für sie immer wieder voller ungeahnter Hindernisse.

High-Need-Kinder haben Wahrnehmungsbegabungen, intellektuelle Gaben oder ein ausgesprochen großes Bedürfnis nach neuen Lern- und Erfahrungsfeldern (Scanner-Kinder). Mit diesen Themen habe ich mich beschäftigt und beschäftige mich noch immer. Schließlich gibt es in jeder Schulklasse durchschnittlich 3 – 5 Kinder mit High Needs, auch in meiner Klasse und in denen, die ich unterrichte. Ich selbst bin übrigens (aber das wusstet Ihr schon lange) ein Scanner. Deswegen bin ich Waldorflehrerin. Und zwar nicht „nur“, sondern „auch“.

Der Elternflow

Mit vielen Eltern- und Alltagsaufgaben in Balance zu bleiben, das ist der Elternflow (ich nenne es so). Und gerade Eltern von High-Need-Kindern haben hier aus verschiedenen Gründen auch so ihre Hürden zu meistern. Ich habe für mich die Elternmeditation, verschiedene Yogaübungen und eine Tages- und Wochenstruktur gefunden, die mir seit Jahren diesen Flow bewahrt. Auch hier möchte ich gern Impulse weitergeben.

Neuer mini Podcast

Und so habe ich den mini Podcast „Im Elternflow mit High Needs“ gestartet, der heute einfach mal an den Start gegangen ist. Da er noch so frisch ist, dauert es noch eine Weile, bis er bei allen Podcast-Anbietern zu hören ist.

Daher ist hier der erste Link zum mini Podcast

Und Kaffee, Kreide, Morgenspruch?

Die nächste Folge erscheint noch im Januar und wieder haben wir eine ehemalige Schülerin meiner Schule zu Gast. Sie wird über ihre Schulzeit sprechen, die durch Legasthenie und Dyskalkulie auch mit besonderen Herausforderungen verbunden war.

Im Februar nehmen Dustin und ich dann wieder live auf der Didacta in Köln auf (wir sind sehr motiviert, dass es diesmal mit der Soundqualität besser klappt!). Am Tag zuvor darf ich noch einen Impulsvortrag auf der Bundes-Elternrats-Tagung der Waldorfschulen halten. Mein Thema lautet „Lernen ist Begegnung“.

Neue Publikationen

Auch hier steht einiges an. Unter anderem erscheint im März ein weiteres Kartenset im Don Bosco Verlag „30 Klang-Yoga-Bildkarten – Körperwahrnehmung mit Kinderyoga“. Das Set ist sogar jetzt schon vorbestellbar.

Was für ein Start

So kann das Jahr gleich gut losgehen, auch schulisch warten einige Aufgaben auf mich.
Ich wünsche Euch allen ein ebenso ereignisreiches Jahr!