Was bringen Kinder mit?

Am Wochenende war ich mit Dustin auf der didacta Bildungsmesse in Köln und habe natürlich auch die Stände des Bundes der Freien Waldorfschule / Pädagogische Forschungsstelle und des Verlages Freies Geistesleben ausgiebig besucht. Dabei habe ich mal wieder den einen oder anderen Schatz gefunden. Den ersten davon möchte ich Euch gleich vorstellen: Ein sehr inspirierendes Buch vom Verlag Freies Geistesleben (unbeauftragte Werbung).

Es geht um die angeborene Spiritualität von Kindern und wie sich diese bei der künstlerischen Arbeit offenbart.

Im pädagogischen Diskurs, in der Literatur, geht es vor allem darum, was die Kinder alles nicht können (…) und selten darum, was die Kinder selber sind und offenbaren.

Christiane von KönigslöW im Vorwort ihres Buches „Der Engel – das bin ich“, Verlag Freies Geistesleben

Inspiration: „Der Engel – das bin ich…“

Es ist immer etwas anderes, ob man ein Buch im Katalog findet oder einmal live in den Händen hält. Ich glaube, dieses Buch wäre mir auf anderen Wegen nicht unbedingt direkt ins Auge gesprungen, aber jetzt liegt es hier vor mir, ich finde es einfach sehr inspirierend und bin dankbar dafür.

Kinderzeichnungen und -bilder sind ohnehin ein Steckenpferd von mir, ebenso beschäftigt mich die Spiritualität, die Kinder von klein auf in sich tragen. Auf beides geht nun dieses Buch in sehr schöner Weise ein.

Worum geht es in dem Buch?

Die Autorin ist Kindergärtnerin und beschreibt einige künstlerischen Prozesse mit ihrer Kindergruppe. Sie legt übrigens großen Wert darauf Kindergärtnerin zu sein, denn eine Gärtnerin empfindet Freude an der Schönheit der Welt, dem Natürlichen und ergreift sie für sich, kann sie bestenfalls zum Positiven weiter verwandeln. Eine Gärtnerin umgibt eine Atmosphäre von Kreativität, die Welt mit naturgegebenen Dingen zu „schmücken“, ein sehr schöner Gedanke in Bezug auf die Arbeit mit Kindern, wie ich finde.

In dem Buch beschreibt sie nun sehr feinfühlig, wie die Kinder ins Malen finden und wie das Gemalte etwas Inneres, Spirituelles nach außen trägt. Sie zeigt einige der Kunstwerke „ihrer“ Kinder und dokumentiert, was die Kinder über ihre Kunstwerke gesagt haben oder mit welchen Worten sie auch untereinander darüber gesprochen haben.

Als Leser:in kann man Anteil daran nehmen, die innere Haltung der Autorin mit einnehmen und gleichzeitig seine eigenen Antennen dafür sensibilisieren, was man gerade bei der Arbeit mit jüngeren Kindern an Schätzen entdecken kann. Wie die Kinder sich zeigen, was tief in ihren lebt und sie bereits von sich aus mitbringen. Daran erinnert dieses Buch aus dem Alltag heraus.

Sehr schön nachzuvollziehen sind auch kreative Spielprozesse und Rituale wie das vorgestellte „Arche Noah Spiel“.

Was bedeutet das für unsere Schulanfänger:innen?

Ja, richtig gelesen: In dem Buch geht es um eine Kindergartengruppe. Ich arbeite mit Schulkindern. Doch unsere Schulanfänger:innen haben ihr erstes Jahrsiebt ja auch noch nicht abgeschlossen und auch in ihnen liegen viele Schätze, die sich entdecken lassen. Wenn sie zu uns in die Schule kommen, sollten wir genau das auch deutlich wahrnehmen. Deshalb würde ich dieses Buch auch allen Lehrer:innen zur Auffrischung und Vertiefung empfehlen, die mit dieser Altersgruppe zu tun haben. Abgesehen von dem Wechsel und den Unterschiedenen der Institutionen Schule und KiTa gibt es in der kindlichen Entwicklung selbst diesen großen Sprung in der seelischen Entwicklung beim Eintritt in die Schule nicht. Dieser folgt der allgemeinen Schulreife erst im dritten Schuljahr nach.

Und was inspiriert mich dabei?

Ich habe seit einiger Zeit jedes Jahr die Klassen 1 und 2 im Musikunterricht, ein ebenfalls sehr kreatives Unterrichtsfach. Und die Kinder bewegen sich auch in dieser Atmosphäre, teilweise noch sehr stark spürbar. Wir sollten daher nicht nur unterrichten, sondern auch die Möglichkeit wahrnehmen, diesen inneren Wesenskern der Kinder durch die künstlerische Arbeit noch mehr kennenzulernen. Die Waldorfpädagogik ist eine Pädagogik der Beziehung!

Ich erlebe es beispielsweise immer als sehr besonderen Moment, wenn die Kinder die Kinderharfe kennenlernen und mit der Zeit etwas auf ihr spielen dürfen. „Mein Engel spielt sie auch“, habe ich da schon gehört. Oder bestimmte Namen, die Kinder meinen verschiedenen unkonventionellen Instrumenten nach Klängen geben. Meine Schwingstäbe aus Bronze wurden beispielsweise von meiner Klasse „Sternenstäbe“ genannt. Auch die verschiedenen Klänge locken immer wieder etwas hervor, das die Kinder offenbaren.

Ich finde es wichtig, auch dafür sensibel zu sein und zu bleiben. Im besten Sinne:

Link zum Buch

Wer sich für dieses Buch interessiert und meinen Blog unterstützen möchte, kann es über meinen Kooperationspartner Thalia unter diesem Link bestellen.

Erinnerungen an die Kindergartenzeit

Die wundervollen Aquarelle aus „Rosinas Wolle“ stammen von Lena Fischer, ebenfalls Waldorflehrerin. Lena hat ihrerseits auch zwei Kinderbücher geschrieben und illustriert: Maira, das Brombeermädchen. Ein weiteres schönes Projekt von ihr ist das Kindergarten-Freundebuch. Auch hier hat sie jede Seite selbst konzipiert und aquarelliert.

Was braucht ein gutes Freundebuch?

Gerade für das Kindergartenalter gibt es nicht viele Freundschaftsbücher, bei denen die Kinder selbst auch Einiges malen und beitragen können. Nicht selten sind die Eltern beim Ausfüllen der vielen Fragen gefordert. Lena hat sich bei der Ausarbeitung ihres Buches auf einige wenige Dinge über die Persönlichkeit eines jeden Kindes konzentriert, so dass viele liebevolle, kleine Steckbriefe enstehen. Zudem hat sie einen schönen und übersichtlichen Geburtstagskalender entworfen, in den sich alle Freunde eintragen können. So wird ein unvergesslicher Erinnerungsschatz geschaffen.

Wo gibt es das Freundebuch?

Leider nicht in jedem Buchhandel, sondern nur in ausgewählten Shops und Geschäften. Auch in meinem kleinen Shop werdet Ihr fündig, schaut mal hier.

Es ist also ein ganz besonderes Geschenk vom ersten Kindergartentag bis zum Vorschuljahr.

Das märchenhafte Erdbeergärtchen

Für eine schöne Vorfreude auf die anstehende Erdbeerzeit: Pflanzt und gestaltet mit den lieben Kleinen ein Erdbeergärtchen. So verbringt Ihr eine schöne Märchenzeit und bereitet dann gemeinsam, ganz ins Märchen eingetaucht, Eure eigene kleine Erdbeerernte vor.

Das Märchen „die Erdbeerkörbchen“

Ich habe dieses Märchen nacherzählt. Es handelt von zwei armen Kindern, die in den Wald geschickt werden, um Erdbeeren zu pflücken. Doch die vollen Körbchen verschwinden. Welches Geheimnis steckt dahinter?

Ihr könnt es in meinem Podcast „Märchen mit Klang“ hier anhören.

Das Erdbeergärtchen

Pflanzt gemeinsam Erdbeerpflanzen in eine Schale und dekoriert sie mit Schätzen und selbstgebastelten Details, die zu dem Märchen passen. Ein ganz besonderes Schaffen! Das Ergebnis sieht nicht nur schön aus, es erinnert auch beim Pflücken jedesmal daran, dass es so viel Magisches, Unsichtbares, Märchenhaftes gibt!

Ich wünsche viel Freude dabei und eine zauberhafte Erdbeerernte!

Euer Erdbeergärtchen

Ich würde mich sehr auch über Bilder von Euren Erdbeergärtchen freuen und diese mit Euerer Erlaubnis in diesem Beitrag teilen.

Der Eisbär König Valemon

Stets auf der Suche nach schönen Märchen, habe ich das Märchen „Der Eisbär König Valemon“ aus Norwegen entdeckt. Es hat mir auf Anhieb sehr gut gefallen und gleich nach den Ferien habe ich es in einer Vertretungsstunde erzählt. Auch die Kinder fanden es sehr schön und so hatten wir eine schöne Märchenstunde.

Die Geschichte

Es geht um einen Eisbär, der von einer Hexe verzaubert wurde und um eine Königstochter, die sich nach einem bestimmten goldenen Kranz sehnt. Der Eisbär besitzt diesen Kranz, doch die Königin muss ihn heiraten, um den Kranz zu bekommen. Es vergehen drei Jahre und fast wäre der Zauber gelöst worden. Doch kurz vor Ablauf der Frist muss der Eisbär fort, weil die Königstochter nicht auf ihn und ihren Vater gehört hat. Der Bär muss nun die böse Hexe heiraten und die Königstochter will es mit ganzer Kraft verhindern. Ein märchenhaftes Abenteuer beginnt.

Fundort des Märchens

Beim Lesen auf der Seite maerchenatlas.de bin ich auf dieses schöne Märchen gestoßen und habe es mit auf den Podcastplan für „Märchen mit Klang“ genommen. Es ist ab heute verfügbar.

Erzählen lassen

Der Podcast Link des Märchens

Selber vor- und nachlesen

Hier ist das Märchen als Text:

Die Glücksperlen der Eiselfe

Manchmal mache ich mir lange Gedanken, wie ich ein schönes (neues) Ritual für oder mit den Kindern meiner Klasse gestalten kann. Und dann gibt es auch wieder Rituale und Traditionen, die entstehen einfach so, ganz von selbst, mit den Kindern. Die Glücksperlen zum Jahresanfang sind ein Beispiel dafür.

Als ich gestern meinen Klassenraum für die Zeit nach den Weihnachtsferien vorbereitet habe, kam die beliebte Eiselfe wieder zum Vorschein. Sie ist Teil des winterlichen Jahreszeitentischs und bringt eine schöne Erinnerung mit. Unsere Eiselfe zeigt sich in einer Schneelandschaft. Als ich sie zum ersten mal für meine Klasse dekoriert habe, fand ich vorher zufällig in einem Geschäft kleine glitzernde Streuperlen. Diese habe ich dann auf dem weißen Samtstoff mit dekoriert.

Als die Kinder sie beim Betrachten des Jahreszeitentisches entdeckten, dauerte es nicht lange und ich wurde gefragt, ob man sich nicht vielleicht so eine schöne Perle als Erinnerung mit nach Hause nehmen dürfe. Da es Jahresanfang war und ich die Faszination der Kinder für die Perlen sah, wurden kurzerhand „Glücksperlen für das neue Jahr“ daraus. Jedes Kind durfte sich eine Perle aussuchen und für sich aufbewahren.

Im letzten Jahr haben wir uns nach den Weihnachtsferien erstmals im Frühjahr wiedergesehen, der Lockdown war sooo lang und die Eiselfe passte einfach nicht mehr in die Jahreszeit. Umso mehr freue ich mich jetzt auf Montag, wenn die Perlen endlich einmal wieder auf dem Jahreszeitentisch liegen werden.

Dazu gibt es einen Neujahrspunsch und unserer Schreibepoche beginnt mit dem ersten Thema „Meine Reise durch das neue Jahr“. Ich freue mich darauf!

Spruch zum Auswählen der Perle

Es beginnt das neue Jahr,
mit Winterträumen, wunderbar.
Eiselfe fliegt über das Land,
streut glitzernde Freuden mit zarter Hand,
Eisblumen, Perlen auf weißem Schnee.
Es schlummert die Erde, es ruht der See.
Finde Du auch Deine Spur voll Glück –
wähl´ die erste Perle in Deinem Blick.

Happy Birthday Montagskindblog

Heute ist es genau ein Jahr her, dass ich meinen Blog gestartet habe. Den Wunsch zu bloggen hatte ich seit Längerem, aber ich war mir nicht sicher, ob ein weiteres Dauer-Schreibprojekt nicht doch etwas viel werden könnte. – Statt dessen ist mein Blog zu einer liebgewonnenen Schreibroutine geworden und auch schon eine kleine Sammlung zum Nachlesen und Erinnern.

Netzwerken

Wie Ihr merkt, bin ich jetzt nach einem Jahr sehr froh, meinen Blog zu haben. Was mich letztendlich auch zu der Entscheidung geführt hat, war der Wunsch, mich weiter zu vernetzen und auszutauschen. Das hat bis jetzt prima geklappt. Ich habe viele Rückmeldungen und neue Impulse bekommen, dazu einige Kontakte geknüpft. Was gerade auch im Lockdown sehr hilfreich ist.

Podcasts

Mit dem Bloggen kamen die Podcasts. Auch auf den Podcast war ich in meiner Freizeit schon seit längerem gekommen. Und irgendwie wurde ich mit dem Bloggen auch zur Podcasterin. Ich mag Podcasts als „bildschirmfreie Alternative“ der Unterhaltung und Information. Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, vor dem Bügelbrett stehe oder einfach nur mal gemütlich auf dem Sofa sitze, läuft bei mir schon ziemlich regelmäßig der eine oder andere Podcast.

So entstand mit der Zeit die Idee, auch selbst zu podcasten und das stellte sich als gar nicht so schwierig heraus. Der Märchenpodcast „Märchen mit Klang“ entstand aus dem Herumexperimentieren, wie ich den Erzählteil des Epochenunterrichtes auf Distanz an die Kinder herantragen könnte. Inzwischen habe ich eine große Stammhörerschaft. Auch schien es mir die einzige Möglichkeit, auf Distanz ein wenig Klang-Entspannung mit den Fantasiereisen zu schaffen.

Der aktuelle Erzählteil für meine Klasse ist übrigens nicht öffentlich, da ich die Rechte an den Texten nicht habe. Ich produziere aber täglich weiter. Meine Klasse kennt sowohl den Märchenpodcast, als auch die Klänge, die darin vorkommen und die Kinder fragen mich auch gern danach.

Mit meinem Kollegen Dustin, der an einer anderen Waldorfschule arbeitet, habe ich ein klassisches Podcastformat gestartet, ein „Gespräch unter Waldorflehrern“ in Kaffee, Kreide, Morgenspruch. Auch die monatliche Produktion dieses Podcasts macht nicht nur viel Spaß, sondern hat auch eine wachsende Hörerschaft.

Was sonst noch beliebte Klassiker wurden: Die Geburtstagswoche

Geschichten, Spiel- und Unterrichtsideen und einige Rezepte haben sich zu Klassikern des Blogs entwickelt. Auch das Thema „Schule und Nachhaltigkeit“ ist und bleibt mir sehr wichtig. Daher habe ich für diese Woche eine „Geburtstagswoche“ geplant, in der jeden Tag ein Bericht zu verschiedenen Themen erscheinen wird, am Donnerstag habe ich auch eine Verlosung für Euch.

Ein Blick nach vorn

Der Blog soll mich und meine Arbeit in Zukunft begleiten und auch noch etwas barrierefreier bzw. bildschirmfreier werden. Dazu später mehr.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr besonders in dieser Woche täglich vorbeischaut oder den Blog via WordPress oder Email abonniert. – Euer Montagskind

Goldtröpfchen-Seife als dufte Geschenkidee

Mein Beitrag für den #waldorfmitmachadventskalender auf Instagram 🙂

Die Mischung ätherischer Öle, die sonst mit Mandelöl im Ölkrug ist, kommt in die Seifenbasis.

Meine Klasse mag ihr Goldtröpfchen-Öl. Daher habe ich mir für den Klassenkalender überlegt, dass die Kinder in diesem Jahr von mir eine selbstgemachte Goldtröpfchen-Seife von mir bekommen. Heißt: Die Mischung der ätherischen Öle, die auch in dem Pflegeöl enthalten ist, kommt diesmal in eine Seifenbasis.

Das ist nicht nur ein sehr persönliches Geschenk – selbstgemacht und vertrauter Duft – sondern auch ein kleine Vorfreude auf das „richtige“ Seifensieden in der anstehenden Handwerkerepoche.

Dieses Rezept ist ein Schnellverfahren, aber für die Seifenherstellung zwischendurch völlig in Ordnung und einfach umzusetzen. Hier für Dich als Download

Und hier die Beschreibung:

Benötigtes Material:

  • Seifenfrei, parfümfrei, aus 100 % pflanzlichen und biologischen Ölen
  • Mischung der ätherischen Öle – ich nehme gern Rosengeranie mit Sandelholz im Verhältnis 4:1 oder zusätzlich Vanille 3:1:1 – oder noch einfacher: eine fertige Mischung.
    • Bei der Zugabe ätherischer Öle finde ich es sehr wichtig, auf 100 % Bioqualität und Naturreinheit zu achten, da die Öle ja auch über die Haut aufgenommen werden.
  • optional: Mischung getrockneter Blüten, am besten in Lebensmittelqualität, gern Rose.
  • Pralinenförmchen, hier: Sternform

Zubereitung

Die Seifenflocken werden im Wasserbad geschmolzen. Ich habe für 30 kleine Seifen ca. 300 g Seifenflocken geschmolzen und etwa 25 Tropfen ätherische Öle hinzugegeben. Das ätherische Öl habe ich direkt in die flüssige Seifenmischung gegeben und gründlich verrührt.

Die Pralinenförmchen habe ich mit der Blütenmischung vorbereitet und dann das flüssige Gemisch in die Form gegossen – fertig.

Adventsgärtlein

Mein Apfel hat in seiner Mitte
seinen eigenen kleinen Stern.
Von dort leuchtet meine Kerze,
ihr goldenes Licht hab´ ich so gern.

N. Mescher 2020
So sah letztes Jahr die hell erleuchtete Adventsspirale aus. Von Leiermusik begleitet, haben die Kinder ihr Apfellicht entzündet.

Ein Ritual für die Seele

Mit dem Adventsgärtlein leiten wir im Kindergarten und den ersten Schuljahren die Vorweihnachtszeit ein. Das Ritual ist meditativ und gleichzeitig sehr stimmungsvoll. Damit diese Stimmung aufkommt und auch anhält, wird im Vorfeld Einiges vorbereitet. Man benötigt einen größeren Raum, der Stunden vorher hergerichtet wird. Dort wird dann in der Mitte eine große, begehbare Spiralform aus Moos und Tannenzweigen gelegt. Auch Weihnachtssterne, Christrosen und Edelsteine können diese Spirale zieren. Durch den Gang durch diese Spirale vollziehen die Kinder die Einkehr nach Innen. Dann, inmitten des Inneren, entzünden sie am Licht der großen Kerze, das symbolisch für das Christuslicht steht, ihr kleines Apfellicht und tragen dies wiederum nach außen, sozusagen in die Welt. Es ist so deutlich wahrnehmbar, wie das Licht in der Mitte am Ende durch die getragenen Apfellichter der Kinder den ganzen Raum erleuchtet.

Das Einstimmen ist wichtig

Eine meditative, feierliche Stimmung ist wichtig und in diese müssen die Kinder schrittweise geführt werden. In der Schule haben wir in den ersten beiden Schuljahren die Lieder des Adventsgärtleins direkt nach der Martinizeit jeden Morgen gesungen. Auch sind wir gemeinsam singend große Spiralformen bereits achtsam gelaufen, als Gehmeditation. In diesem Jahr kann ich daraus schöpfen, denn wir summen jetzt die bekannten Lieder und die Kinder lieben es nach wie vor, wenn wir – jetzt eben summend – morgens die Spiralform gemeinsam gehen. Summen unterstützt die meditative Stimmung übrigens ungemein, da man ganz bei sich ist, sich innerlich spürt und dies ist im Falle des Adventsgärtleins überaus förderlich.

Der große Tag

Unmittelbar vor dem Adventsgärtlein sollten die Kinder schon mit etwas Vorlaufzeit bei Kerzenschein in einem „Vorraum“ sein, ihre Schuhe gegen leise, weiche Schläppchen getauscht haben und im Geschichtenkreis sitzen. Ich habe in den Klassen 1 + 2 zunächst die Leier gespielt, dann eine Geschichte erzählt und anschließend sind wir singend in den feierlich geschmückten Raum der Adventsspirale gegangen, in dem nur das große Licht stand. Die Eltern hatten Apfellichter vorbereitet und warteten bereits. Der Moment, an dem man mit den Kindern diesen feierlichen erstmals Raum betritt, ist mit der Stimmung an Heiligabend zu vergleichen, wenn man den erleuchteten Weihnachtsbaum zum ersten mal sieht – jedenfalls ist dies mein persönliches Empfinden.

Die Kinder der Klasse 1 werden auf ihrem Weg zum großen Licht von einem Engel begleitet, die Kinder der Klasse 2 gehen den Spiralweg mit ihrem Apfellicht ganz für sich.

Was in Klasse 3 anders ist

An unserer Schule findet das Adventsgärtlein eigentlich nur für die Klassen 1 und 2 statt. Daher waren wir als 3. Klasse offiziell gar nicht mehr dabei. Doch die Kinder äußerten sehr deutlich, dass sie sich auch in diesem Jahr ein Adventsgärtlein wünschten und ich meine, dass dies ein sehr gesundes und nachvollziehbares Bedürfnis ist. Seelenpflege ist gerade in der jetzigen Zeit besonders wichtig.

Aber wir waren ja inzwischen auch 3. Klässler und als solche packen wir die Dinge selbst an. Wir pflegten wohl unsere alten Rituale und gingen morgens im rhythmischen Teil summend den Spiralweg. Am Freitag vor dem ersten Advent, habe ich mit den Kindern selbst Apfellichter vorbereitet und diesmal eine eigene und passende Form des Rituals gefunden.

Eine Geschichte habe ich geschrieben – Ihr dürft sie gern auch verwenden, bitte die Bezugsquelle nicht vergessen.

Ich wünsche allen einen besinnlichen Start in die Adventszeit!

Adventsgärtlein-Geschichte: Das Licht des Glückssterns

Musikunterricht in Klasse 1

Mit einem schönen Spruch lässt es sich noch besser in die Musikstunde starten.

i-Männchen 2020

Die i-Männchen dieses Schuljahres hatten keinen einfachen Einstieg ins Schulkinderleben: Es fehlen durch den Lockdown Monate des Übergangs von Kindergarten und KiTa zur Schule, dann erlebten sie ihre Einschulung und Eingewöhnungszeit im Rahmen eines Hygienekonzepts und mussten dazu neue Bezugspersonen, Mitschüler und Räume kennenlernen.

Ich unterrichte seit Kurzem unsere erste Klasse in Musik, dabei darf aus bekannten Gründen mit der Gruppe nicht gesungen oder geflötet werden. Aber es geht im Musikunterricht auf jeden Fall um mehr – und genau dies darf und sollte jetzt auch noch mehr im Fokus der gemeinsamen Arbeit stehen.

Audiopädie – mein Weg

Wie ich mit meiner eigenen Klasse auch während des Epochenunterrichtes künstlerisch und insbesondere audiopädisch arbeite, darüber habe ich bereits hier im Montagskindblog und auch in der Zeitschrift Erziehungskunst, Novemberausgabe 2020, berichtet.

Was brauchen die Kinder?

Eine Musikstunde in Klasse 1 kann den Kindern aktuell folgende Bausteine bieten:

  • Begrüßungs- und Abschiedsritual
  • Bewegung in Fluss und Rhythmus
  • Kennenlernen und Spielen von unkonventionellen Instrumenten
  • Schleichspiele zur Schulung des bewussten Hörens
  • Fingerspiele zur Schulung der Feinmotorik, für das spätere Flöten und Musizieren
  • Summspiele, um das Fokussieren auf sich selbst und die eigene Stimme zu üben
  • Kleine Bodypercussionübung, zum „Aufwecken“ und um den eigenen Körper auch als „Klangkörper“ wahrzunehmen
Bausteine einer Musikstunde

Darüber hinaus ist es wichtig, mit dem Jahreslauf zu gehen und die Themen der 1. Klasse, gern Märchen, aufzugreifen. Für die anstehende Adventszeit habe ich mir daher zu dem Gedicht „Frau Holle“ ein Fingerspiel überlegt, eine Summübung zum Adventsgärtleinlied, der Instrumentenkreis wird von einem weihnachtlichen Spruch begleitet. Ich lasse mir da immer wieder neue Spiele und Übungen einfallen. Um die Melodien von Liedern auch ohne Singen und Flöten kennenzulernen oder beizubehalten, spiele ich für die Kinder Lieder auf der Leier oder dem Klavier.

Was macht Musikunterricht aus?

Kreisspiele mit Schleichen, ruhige Bewegungsspiele mit Chiffontüchern, der Klangkugel usw. – manchmal frage ich mich, ob das vielleicht gar nicht „richtig“ nach Musikunterricht aussehen würde, wenn wir Zuschauer hätten? Mag sein. Aber ohne die Grundlagen: Das Hören und Lauschen lernen, ein Gefühl für verschiedene Instrumente und Klänge entwickeln, die Feinmotorik und das Rhythmusgefühl zu schulen, die eigene Stimme bei Summspielen zu erleben usw. Ohne eben diese Grundlagen intensiv erarbeitet zu haben, könnte ein späterer Zugang zur Musik erschwert sein. Gerade bei i-Männchen im Coronajahr 2020.

Die unkonventionellen Instrumente in der gemeinsamen Mitte: So weckt die Musikstunde Interesse schon beim Hereinkommen.

Die Temperamente (2) Im Erzählkreis

Eine gute, offene Arbeitsform, bei der Raum für jedes einzelne Kind ist, stellt der Erzählkreis dar. Dort wird nicht nur geübt, einander zuzuhören und selbst für alle hörbar, zusammenhängend und interessant zu erzählen. Auch verschiedene Gemütslagen werden hier bedient – und jedes Kind darf sich wahrgenommen fühlen. Am Beispiel des Erzählkreises möchte ich nun zeigen, was Kinder brauchen.

Im Erzählkreis ist für alle etwas dabei

Stellt die Sicht auf Temperamente eine „Schublade“ dar?

Ebenso wie das Gedicht im ersten Teil wird hier einzeln auf jedes der vier Temperamente geschaut. Dies bedeutet aber keinesfalls, dass sich ein deutlich sanguinisches Kind in allen Lebenslagen sanguinisch zeigt. Es ist an dieser Stelle überaus wichtig, im Blick zu behalten, dass in jedem Menschen alle vier Gemütslagen wirken, zu verschiedenen Anteilen. Bei Kindern zeigen sich mal zwei, mal ein Temperament etwas deutlicher. Das bedeutet aber nicht: Schublade auf – Temperament in Stein gemeißelt, Verhalten x ist zu Erwarten. Ganz im Gegenteil. Mit einem umsichtigen Blick auf das Kind können wir dazu beitragen, dass ein Kind mit seinem Temperament gut zurecht kommt oder es auch harmonisiert.

Der Erzählkreis – Szenen einer Schulklasse 🙂

Im fiktiven Klassenzimmer sitzt man morgens im Kreis zusammen. Einige Kinder haben schon länger im Schulhaus gewartet – die Eltern mussten früh zur Arbeit und haben ihre Sprösslinge schnell abgeliefert – , andere Kinder haben lange Zeit im Bus gesessen und wieder andere eine größere Strecke mit dem Fahrrad hinter sich gebracht. Zwei Kinder kommen verspätet und völlig außer Atem in die Klasse, ein anderes Kind muss schnell noch einen Schluck Wasser trinken. Und jetzt sitzen alle beisammen und müssen sich an diesem neuen Schultag erst einmal richtig wahrnehmen.

Die Lehrerin begrüßt die Kinder und schickt dann bald den Erzählstein auf die Reise. So kommt jedes Kind an die Reihe, darf erzählen, wie es den gestrigen Tag verbracht hat oder was es heute noch vor hat.

Kind 1 erzählt ohne Punkt und Komma, was in den Sinn kommt: „Wir haben gestern erst meinen Bruder zum Gitarrenunterricht gebracht und dann war ich mit Mama ein Eis essen. Auch letztes Jahr in Spanien gab es so eine tolle Eisdiele und ich habe immer Erdbeer, Zitrone und Schokolade gegessen, das war besonders lecker. Und außerdem war ich nicht nur in Spanien, auch schon einmal in Italien und wenn ich das nächste mal bei Oma bin, wollen wir ins Kino gehen.“ Auf die Frage der Lehrerin, ob Kind 1 den Erzählstein nun weitergeben möchte, nickt es und gibt freudig den Stein an Kind 2 weiter.

Kind 2 berichtet: „Ich habe gestern in unserem Garten einen Regenwurm gerettet. Das war knapp! Denn sonst hätte Papa ihn beim Umgraben mit dem Spaten erwischt. Ich habe überhaupt den ganzen Nachmittag mitgeholfen im Garten. Später war ich noch beim Turnen und habe zwei Flickflaks hintereinander geschafft.“

Kind 3 hat interessiert zugehört, möchte heute aber – wie so oft – selbst nichts sagen und gibt den Stein wiederum interessiert weiter.

Kind 4 ist jetzt an der Reihe, schaut aber noch immer zu Kind 2 und fragt mit dem Stein in der Hand: „Geht es denn dem Regenwurm jetzt gut?“

Da meldet sich Kind 1 schnipsend. Da es ja schon an der Reihe war und der Erzählstein von Kind zu Kind wandert, fragt die Lehrerin: „Ist es etwas Dringendes?“ Kind 1: „Ja, nächstes Jahr fahren wir wieder nach Spanien in den Urlaub.“

Wer ist wer?

Die Auflösung ist nicht schwer, da die Darstellung recht überspitzt war. Kind 1 erzählt freudig, spricht pausenlos und kommt – wie man im Ruhrgebiet so schön sagt – von Höcksken auf Stöcksken. Hier kommt das sanguinische Temperament deutlich zum Vorschein.

Kind 2 ist erkennbar aktiv und erzählt gern von seinen Abenteuern und Heldengeschichten. Das tun Choleriker sehr gern.

Kind 3 hört hervorragend zu, äußert sich selbst aber nur selten: Daran erkennt man auch Phlegmatiker. Doch meldet sich ein Phlegmatike zu Wort, erfahren wir tiefgründige, facettenreiche und auch fantasievolle Geschichten.

Kind 4 sinnt derweil noch immer über das Leid des Regenwurms nach und erzählt erst einmal nichts von sich selbst – eine melancholische Eigenschaft, die sich hier zeigt. Dass der Wurm fast mit dem Spaten erwischt wurde, beschäftigt das Kind nachhaltig.

Wer braucht was?

Die wirklich spannende Frage, wer hier was braucht, zeigt sich ebenso deutlich. Und warum ein Erzählkreis eine gute Gelegenheit dazu ist.

Sangunische Kinder brauchen nicht nur Zuhörer, sondern aufrichtige Zuwendung, sie lernen im Übrigen besonders in Beziehung – je warmherziger diese ist, desto besser. Einem sangunischen Kind lässt sich nichts eintrichtern und es muss manchmal seinen Gedanken freien Lauf lassen können. Da kann der kurze Moment im Erzählkreis, bei dem viele zuhören, schon ein kleiner Balsam für die Seele sein.

Choleriker wünschen sich Achtung und Wertschätzung. Und genau das wollen sie ihrer Bezugsperson auch entgegenbringen. Geraten sie an einen Lehrer mit ruhiger Autorität und klarer Linie, lernen sie am besten.

Phlegmatische Kinder hingegen brauchen ein vielseitiges und anregendes Umfeld. Auch wenn man ihnen es oft nicht ansieht: In der Ruhe liegt die Kraft und eine äußere Vielfalt wirkt sich positiv auf das Lernverhalten und die Entwicklung von phlegmatischen Kindern aus.

Auf melancholische Kinder hingegen wirken Lebenserfahrung und Geschichten aus dem Leben, die auch die Schattenseiten nicht auslassen. Sie sind oft „Kümmerer“ und nehmen Anteil. Wenn sie spüren, dass ein*e Mitschüler*in oder ein*e Lehrer*in auch schon Leid und Krisen durchgestanden hat oder durchsteht, ist ihre Antennen besonders wachsam.

Auf die Lehrer kommt es an

Die Mischung macht`s. Rudolf Steiner wünschte sich von Waldorflehrern, dass sie selbst stark an der Harmonisierung ihrer „Temperamentsmischung“ arbeiten, um auf jede der vier Arten die Kinder anzusprechen. Das Prinzip „Erziehung ist Selbsterziehung“ steht hier also im Vordergrund. Das wäre die Arbeit der Lehrperson an sich selbst.