Die Welt ist gut, schön und wahr (2)

Das erste Jahrsiebt

Im ersten Jahrsiebt öffnet sich das Kind mit Andacht der Welt: Es bewundert das Kleine, eine Blume, einen Käfer, aber ebenso den Erwachsenen, den es nachahmt.

Gudrun Burkhard

Bei der Geburt ist in der Regel schon alles, was sich später entwickeln muss, bereits angelegt.  Die Kinder bringen es selbst zur Ausreifung, d.h. sie müssen also im Sinne einer Erziehung zur Freiheit von Anfang an ihr Leben selbst ergreifen. Dabei werden sie durch bestimmte Anregungen von außen unterstützt. Es ist besonders förderlich, wenn die Allerkleinsten eine kindgerechte Umgebung mit menschlicher, liebevoller Unterstützung erfahren. Aufmerksame, hilfreiche Erwachsene, die zuverlässige Wegbegleiter sind.

Die Welt ist gut

Nach der Geburt bis etwa im Alter von sieben Jahren lebt das Kind in der Stimmung „Die Welt ist gut.“ Was bedeutet das? Das Kind ergreift in dieser Zeit durch Nachahmung seine Umgebung, erprobt und schult dabei auch den eigenen Körper. Es kommt an in der Welt. Es lernt, sich aufzurichten, zu gehen, zu sprechen und zu denken. In dieser Zeit kommt es besonders auf uns als Vorbild an, denn ein Kind erkennt oder wertet nicht, ob es ein gutes oder schlechtes Vorbild erlebt. Jedes Vorbild wird voll angenommmen und eben für „gut“ befunden. „Die Welt ist gut“ ist ein tiefes Bedürfnis, ein Urbedürfnis. Ein Kind lebt und überlebt in der Annahme, dass alles so wie es gerade ist, einfach richtig und gut sein muss. Darum bringt es als innere Stimmung und Haltung mit: Die Welt ist gut. Sonst würde es schließlich keinen Sinn machen, die Welt zu entdecken, nachzuahmen und für sich zu adaptieren! 

Fragen zum ersten Jahrsiebt

Nicht nur mit Blick auf die eigenen oder anvertrauten Kinder kann es ein guter Impuls sein, an dieser Stelle auf bestimmte Leitfragen zu schauen, die Voraussetzungen ins Bewusstsein zu holen, unter denen sich Kinder entwickeln. Auch für die eigene Biografie kann eine solche Reflexion über bestimmte Fragestellungen aufschlussreich sein, etwa

Wie wurde das Kind empfangen? Wunschkind, unverhoffte Schwangerschaft, Zweifel und Sorgen in der Schwangerschaft?

Wie verlief die Geburt bzw. was ist darüber bekannt? Termingerecht, schnell oder langwierig, Komplikationen, medizinische Eingriffe dabei oder danach?

Wie lebte das familiäre Umfeld? Gab es Haus, Wohnung, Garten? Eigenes Zimmer oder gemeinsam mit Geschwistern etc. Wie war die Umgebung – Land oder Stadt? Medienkonsum? Sinnesreize?

Gab es Krankheiten in der Familie?

Wie ist oder war der menschliche Umkreis? Zusammenleben, Familie, Umzüge, außerfamiliäre Bezugspersonen wie KiTa, Gruppen etc.

Diese Fragen dienen als Impuls und erheben als biografische Schlüsselfragen keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es kann hilfreich sein, Notizen zu machen, sich mit anderen auszutauschen und dabei weitere Fragen zu entwickeln.

Mehr zu dieser Reihe

Der YouTube-Film zu den Jahrsiebten

Teil 1 der Reihe

Teil 3: Die Welt ist schön

Teil 4: Die Welt ist wahr

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