Die Mitmachschule

Jede einzelne Waldorfschule gründet – wie alle anderen freien Schulen auch – auf einer Initiative von Eltern und Lehrern und wird gemeinsam, Seite an Seite, aufgebaut. So kann man sagen: „Unsere Schule besteht nur, weil wir sie wollen“. Es gibt keine staatlichen Vorgaben darüber, wie viele Ersatzschulen in welchen Regionen vorhanden sein sollen. Zwar gibt es (zurecht) zahlreiche strenge staatliche Vorgaben zur Genehmungsfähigkeit einer jeden Schule. Trotzdem trägt jede Schule die Handschrift ihrer ganz eigenen Schulgemeinschaft.

Zwischen Personalverantwortung, dem Organisieren von Schulveranstaltungen und dem Begleiten von Klassenfahrten und -aktionen des eigenen Kindes gibt es an Waldorfschulen viele Möglichkeiten, sich als Eltern einzubringen.

Ist das nicht viel Aufwand neben Job und Familie?

Die Möglichkeiten, Teil der Schulgemeinschaft zu sein, sind vielfältig. Es ist dabei völlig verständlich, dass beispielsweise berufstätige Alleinerziehende mehrerer Kinder weniger Möglichkeiten haben, vor Ort an der Schule Zeit zu verbringen. Eine Schulgemeinschaft als Solidargemeinschaft kann dies gemeinsam tragen.

Glücklicherweise gibt es aber in einer lebendigen Schulgemeinschaft viele verschiedene Anknüpfungspunkte, auch ohne die Übernahme von Ämtern bei der Gremienarbeit.

Schul- und Klassengemeinschaften sind Netzwerke

Die Schulzeit der eigenen Kinder ist nichts, das man als Familie allein bewältigen sollte. Es ist immer hilfreich, sich dabei mit anderen auszutauschen, gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam Ideen einzubringen.

Die Kinder freuen sich über die Anteilnahme der Eltern

Die Schule sollte nicht der Ort sein, der Kindern vermitteln, dass hier die Einflussnahme ihrer Eltern endet und sie die meisten Dinge allein bewältigen müssen.

Sind Eltern bei Aktionstagen, Klassenausflügen oder Schulfesten dabei, fühlen sich Kinder an ihrem zweiten Lebensmittelpunkt gestärkt und gesehen. Auch ist es für die Kinder einer Klassengemeinschaft schön zu sehen, wenn ihre Eltern auch die Eltern ihrer Mitschüler:innen kennen und die Erwachsenen irgendwie auch miteinander zu tun haben.

Dies gilt besonders auch für das Miteinander zwischen Eltern und Lehrenden.

Erziehungspartnerschaft

Er-ziehung braucht Be-ziehung. Dies gilt auch für die Erwachsenen. Da die Schule ein Ort ist, an dem die eigenen Kinder einen nicht geringen Teil des Tages verbringen, ist die Zusammenarbeit mit den Klassenlehrer:innen als weitere Bezugsperson im Leben des eigenen Kindes immens wichtig. Daher ist es für uns Lehrer:innen an Waldorfschulen auch üblich, die Familien zu Hause zu besuchen.

Wenn wir Erwachsenen den Kindern vermitteln, gemeinsam für sie da zu sein, kann man viele Wege miteinander gehen. Ist man sich in manchen Punkten nicht einig, zeigt eine gute Gesprächs- und Konfliktkultur, dass es sich sowohl lohnt, den eigenen Standpunkt zu vertreten, als auch die Perspektive des anderen einzunehmen.

Zusammenarbeit mit den Eltern im Podcast „Kaffee, Kreide, Morgenspruch“

Auch Dustin und ich haben in unserer Januarfolge über die Zusammenarbeit mit den Eltern gesprochen. Spannend ist dabei wieder, wie sich dies an unseren beiden Schulen und innerhalb unserer jeweiligen Klassengemeinschaft auf verschiedene Weise gestaltet.

Hört mal vorbei!

Wenn viele kleine Menschen viele kleine Dinge tun…

Wie Ihr wisst, liegt mir das Thema Nachhaltigkeit sehr am Herzen. Auf meiner Hamburgreise habe ich dazu ein langes Gespräch mit Marianus von Hörsten geführt. Marianus ist 30 Jahre alt, ehemaliger Waldorfschüler und auf einem Demeterhof aufgewachsen. Gemeinsam mit einem Partner betreibt er in Hamburg das Restaurant Klinker. Als Koch wurde er u.a. zum besten Jungkoch der Welt gekürt. Er ist Klimaaktivist und hat gerade sein Geografiestudium mit sehr guten Noten abgeschlossen. Bei der ARD ist seine Dokureihe „The Green Garage“ zu sehen. Ich habe bereits Folgen seiner Reihe in meinem Unterricht eingesetzt. Sie erreichen und bewegen die Jugendlichen. Nun möchte ich Euch ebenso einladen, Marianus´ nachhaltige Wege kennenzulernen.

Das Interview mit Marianus

Wir haben lange und intensiv gesprochen, auch für „Kaffee, Kreide, Morgenspruch“. Ich habe mich entschieden, keinen „klassischen“ Blogbeitrag zu schreiben, sondern das Interview hier abzubilden. Ich möchte Marianus dabei zu unterstützen, möglichst viele Menschen zu erreichen. Macht Euch ein Bild, schaut The Green Garage und lasst Euch inspirieren.

Marianus, wie bist Du aufgewachsen und wie kamen die Themen Nachhaltigkeit und bewusster Konsum zu Dir?

Ich komme aus der Lüneburger Nordheide von einem Demeter Bauernhof. Und ich glaube, da ist es relativ logisch, wo die Nachhaltigkeit herkommt: Von den Eltern. Lebensmittel hast Du nicht verschwendet, weil Du wusstest, was es für eine Arbeit ist, sie dem Boden abzuringen. Das ist wohl der einfachste, kurz zusammengefasste Umgang damit.

Wie kam es zu Deinem Projekt „The Green Garage“?

Ich hatte im Lockdown sehr viel Zeit, weil unser Restaurant ja geschlossen war, und da hatte ich die Idee. Weil ich es schwierig finde, dass diese ganzenThemen, die uns beeinflussen und die wir ja selbst beeinflussen können, immer so fatalistisch in der öffentlichen Darstellung präsentiert werden. Das fand ich schade und dachte, es wäre cool, mal die Möglichkeit zu haben und zu schauen: Was kann ich denn in meinem kleinen Kosmos anders machen, dass es besser läuft.

Dann habe ich mich mit einem Produzenten zusammengesetzt und wir haben es der ARD vorgeschlagen. Dort wurde es angenommen und wir haben es produziert. (Anm.: Aktuell läuft schon die zweite Staffel.)

Du gehst bewusst mit Lebensmitteln um und gehst konsequemt Wege, Lebensmittelverschwendung zu minimieren. Du hast einen gastronomischen Betrieb – wie funktioniert es da?

Dadurch, dass wir eine sehr kleine Karte fahren und immer alles frisch machen, haben wir so gut wie keine Lebensmittelverschwendung. Wir schmeißen sehr, sehr, wenig weg, nur wenn etwas schlecht wird. Und das ist in den dreieinhalb Jahren, in denen wir am Markt sind, erst zweimal passiert. Dazu kommt, dass wir aus allen Produkten das Maximale herausholen. Aus einer Karottenschale, aus einer Zwiebelschale, aus einem Sellerieabschnitt, daraus kannst du immer noch Gemüsefond kochen. Und den Fond kannst du zum Aufgießen für dein richtiges Gericht nehmen. So kannst du aus jedem Teil das Maximum herausholen und das ist der erste Punkt.

Bei tierischen Produkten, die wir nur sehr wenig verarbeiten – wobei wir mehr Butter und Milch verwenden und weniger Fleisch, aus Gründen – da sind wir noch viel penibler. Wir haben auch nur zwei Gerichte mit Fleisch auf der Karte, der Rest ist vegetarisch. Knochen werden dreimal ausgekocht, das Fett wird auch zum confieren von anderen Lebensmittel verwendet, dass es saftiger bleibt und mehr Geschmack daran ist. Wir holen aus dem Tier das Maximale heraus, dass es, bei allem, nicht umsonst gestorben ist.

Wie kalkulierst Du denn die Mengen? Du arbeitest ja auch nicht mit Reservierungen im Restaurant…

Das ist richtig. Bei den Mengen haben wir inzwischen Erfahrungswerte und daran halten wir uns. Wir wissen, dass wir pro Abend eine bestimmte Anzahl des einen und des anderen Gerichts verkaufen. Es gibt Gerichte, die gehen immer gut und es gibt Gerichte für die ambitionierten Esser:innen. Aber auch das ist ja unser Job, den Leuten zu zeigen, was man aus bekannten Lebensmitteln noch alles so machen kann. Und am Ende des Tages sagen wir lieber: `Was aus ist, ist aus.´ Wir produzieren lieber so viel, dass wir wissen, wir bekommen diesen Schnitt, den wir immer haben. Und gerade am Freitag, sind schnell mal Gerichte aus, weil wir ja am Wochenende schließen. Das ist genau das, was wir wollen. So machen wir es am Montag wieder frisch.

Es ist nicht nur spannend, wie achtsam Ihr mit den Lebensmitteln umgeht, die Ihr verarbeitet, sondern auch den innovativen Weg, die Arbeitsbedingungen in der Gastronomie zu verändern, finde ich sehr beachtlich. Eure Öffnungszeiten sind auch sehr speziell. Beschreibe doch einmal, was ihr sonst noch anders macht und wie es dazu kam.

Ich glaube, viele Dinge aus unserem Alltag sind irgendwie nur ausgedacht oder durch Mindsets geprägt. Wer sagt denn, dass man nur samstags essen geht oder am Sonntag. Mein Geschäftspartner und ich kommen aus der Sternegastronomie, hatten irgendwann keinen Bock mehr und sind dann andere Wege gegangen. Dann haben wir uns gesagt: Wenn wir wieder in der Gastronomie arbeiten wollen, dann müsste sie sich stark verändern. Das wird kein anderer für Dich machen. Also gibt es für Dich die Möglichkeit: Entweder, du nimmst die Missstände hin, du veränderst sie oder du gehst. Wir sind erst gegangen, haben andere Sachen gemacht und uns dann gedacht: Nein, wir verändern es jetzt. Und wir machen es nachhaltig. Nachhaltigkeit teilt sich in unserer Wahrnehmung in drei Teile auf: Ökologisch, ökonomisch und sozial.

Die ökologische Nachhaltigkeit ist uns wohl allen ein Begriff. Wir kaufen gute Lebensmittel, die gut für den Boden, gut für die Produzent:innen, gut für das Klima usw. sind.

Ökonomisch ist aus wichtig: Wenn wir das alles nicht bezahlen können, können wir es auch lassen.

Dann ist da noch das Soziale. Und das ist ein Bereich, der in der Gastronomie oft vernachlässigt wird, auch wenn sich gerade viel tut. Viele Menschen fangen gerade an nachzudenken, weil sie schlicht und ergreifend kein Personal mehr finden. Das ist aber nur Reaktion und nicht Agitation. Die Menschen kommen auf Ideen, weil ihnen Missstände offengelegt werden. Es ist traurig, dass es immer so funktionieren muss, aber so ist es nunmal. Und wir haben gesagt, wir wollen es anders machen. Wir hatten zum Beispiel einen Mitarbeiter, der gerne am Wochenende Fußball spielen wollte und wir haben gesagt: Gut, wir machen dann am Wochenende immer zu. Das kam uns natürlich auch entgegen, denn wir wollen ja auch am Wochenende unseren Freudeskreis haben und unser Team halt auch.

Und so machen wir Gastronomie nicht wirklich anders als vor 100 Jahren, aber anders als noch vor 10 Jahren, indem wir ganzheitlich denken.

Zum Thema Fleischkonsum….

Wir kaufen ganze oder halbe Tiere, d.h. wir haben auch viele Teile, die eine differenzierte Verarbeitungstechnik benötigen. Was aber in der Gastronomie auch nicht mehr beigebracht wird. Heutzutage ist es so: Wenn ich Filet auf die Karte nehme, dann kaufe ich kein ganzes Tier, sondern einen Fleischbeutel. Was damit einher geht, ist ein unheimlicher Wissensverlust für die Auszubildenden. Wir müssen unser Wissen an die Leute weitergeben, die jetzt nachkommen. Das bedeutet auch, dass sie sehen, wie Tiere geschlachtet werden. Denn nur, wenn Du siehst, dass Du ein Leben nimmst für den Konsum, dann kommst du zu einem Bewusstsein.

Man hört im Pausenhoftalk `Die Menschen wissen gar nicht mehr, dass die Tiere für das Fleisch sterben müssen.´ – Doch, das wissen sie schon, aber sie sehen es nicht. Und so funktioniert es mit allem: Aus den Augen, aus dem Sinn. Und an dieser Stelle muss man das Wissen weitergeben: Das Tier stirbt jetzt. Verarbeite es mit Anstand und einer Portion Respekt und sieh vor allem zu, dass du es komplett verarbeitest.

Dann ist es automatisch auch ökonomisch. Denn wenn ich so ein Tier im Ganzen kaufe und klug genug bin, alle Teile zu verarbeiten, dann geht auch der Einkaufspreis rapide herunter. Ich kaufe ein Demeter Tier. Ist zwar mehr Arbeit, ich habe aber sämtliche Abschnitte, die ein Fleischbeutel nicht hat. Die beim Schlachter im Fleischwolf landen und als Hackfleisch verkauft werden. Auch die vielen Knochen kann ich alle auf verschiedenste Weise verarbeiten.

Und die Tiere, die Ihr einkauft, kommen aus dem Umland?

Ja, wie fast alle Lebensmittel. Wir kaufen auch nur aus Landwirtschaft, wo mit dem Boden gut umgegangen wird.

Du gehörst auf jeden Fall in die Ausbildung!

Wir bilden auch aus. Von Anfang an haben wir ausgebildet. Das hört auch zur Nachhaltigkeit.

Ja total. Ich finde auch, wenn man so einen Weg geht, der innovativ aber noch selten ist, dann ist es besonders wichtig, dass Du Dein Wissen auch weitergibst.

Und es ist wichtig, dass es genügend Leute gibt, die es auch mitmachen. In Hamburg gibt es viele Gastronomen, die einen sehr guten Job in der Ausbildung machen, einen sehr guten Job in der Produktbeschaffung machen und sehr innovativ sind. Die sollte man unterstützen, da sollte man hingehen und mit denen sollte man ins Gespräch gehen und auch deren Stimme hören.

Das Bewusstmachen gehört unbedingt dazu. Als ich The Green Garage gesehen habe, ist mir auch an vielen Stellen nochmal klar geworden, was wir durch den Konsum, die Globalisierung der letzten Jahrzehnte, an Wissen über nachhaltiges Handeln verloren haben.

Es geht bei der Sendung aber nicht darum, den Zeigefinger zu erheben. Es geht darum zu sagen: Es gibt Möglichkeiten, bei denen Du was machen kannst. Wenn nur jeder Zweite oder Dritte, der die Sendung guckt (Anm.: Bei einer Verweildauer von ca. 97 %), irgendetwas an seinem Konsumverhalten ändert – und wenn er nur im Winter keine Tomaten mehr kauft – dann hat der Einkauf an sich gar nicht wehgetan, man hat aber etwas Gutes für das Klima getan. Und es war so einfach.

Und wenn Du dann beim Einkauf Deiner Klamotten auch noch überlegst: Brauche ich eigentlich schon wieder eine neue Jeans? – dann hast Du schon etwas verändert und einen guten Job gemacht.

Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist – es wäre nur Deine Schuld, wenn sie so bleibt!

Du brauchst keinen CO2-Erlass zu kaufen, mache Dir einfach die kleinen Dinge bewusst. Wir brauchen keine statischen Lösungen (Anm. gemeint sind CO2-Zertifikate, Nachhaltigkeitssiegel und -Apps) für dynamische Probleme. Probleme zu lösen bedeutet, sie zu verstehen. Was wir nicht tun. Wer versteht schon unser global vernetztes System in Gänze. Wir haben auch Lebensräume, die wir nicht erforscht haben.

Die Darstellungen und Denkanstöße bei The Green Garage sind dazu sehr gelungen..

Ich kenne ja auch nicht die Lösung der globalen Probleme. Aber ich glaube, dass die Ansätze, die wir da vertreten, so schlecht nicht sein können. Jedenfalls machen sie Welt nicht zu einem schlechteren Ort.

DANKE für Deinen Einsatz auf so vielen Ebenen, Marianus!

Ich habe mit Marianus auch noch für Kaffee, Kreide, Morgenspruch über seine Zeit als Waldorfschüler gesprochen und wie er heute auf seine Schulzeit schaut. Auf dieses Interview dürft Ihr Euch zeitnah freuen!

Die Fotos für diesen Beitrag wurden mir von Marianus von Hörsten zur Verfügung gestellt.

In Balance – von außen nach innen mit dem Kolibri Board

Entspannung, Konzentration und inneres Gleichgewicht, das sind die Themen, die ich auch als Gesundheitspädagogin sehr in den Mittelpunkt rücke. In der Schule achte ich auf Lernen in Bewegung und so starten wir morgens mit bestimmten Bewegungsspielen und -Anregungen. Bothmer Gymnastik, Brain Gym oder Kinderyoga sind auch gern gesehen, bevor wir an die Kopfarbeit gehen. Für meinen neuen Kooperationspartner Kolibri-Boards – wieder ein junges Unternehmen aus NRW – habe ich ganz besondere Balance Boards für Euch getestet und stelle Euch nun vor, wie und warum Ihr damit den Bewegungs- und Gleichgewichtssinn Eurer Kinder stärken und fördern könnt.

Über den Gleichgewichtssinn

Über die 12 Sinne, die wir in der Waldorfpädagogik fördern, habe ich bereits hier geschrieben. Der Gleichgewichtssinn gehört zu den basalen Sinnen und sorgt nicht nur für einen guten Stand, sondern auch für innere Ruhe. Wenn Kinder mit etwa einem Jahr ihre ersten Schritte frei gehen und in die aufrechte Körperhaltung kommen, bilden sie ihren Gleichgewichtssinn aus. Dieser ist im Innenohr lokalisiert und führt nicht nur zur körperlichen, sondern auch seelischen Standfestigkeit. So werden Lage und Bewegung im Raum bewusst, die Leichtigkeit von Bewegungen, die Schwere der Ruhe erfahren. Mit einem sicheren Gefühl von körperlichem Gleichgewicht sind auch im Seelischen Vertrauen, Freiheit und Wohlbefinden verankert – die Grundlage für die Entwicklung von Sozialfähigkeit.

Unruhige Kinder

Erlebe ich unruhige, scheinbar sehr bewegungsfreudige Kinder, ist bei der täglichen Bewegung immer der Punkt interessant, an dem eine bestimmte Haltung, etwa der „Yoga-Vogel“ eine Zeitlang regungslos gehalten werden muss. Dabei stehen die Kinder auf einem Bein, lehnen sich mit ausgestreckten Armen nach vorn und strecken das andere Bein nach hinten. So sollen sie eine Zeitlang ruhig stehen, sich halten und ausbalancieren. Kinder mit geringerer Körperspannung, sichtbarer innerer Unruhe oder Konzentrationsschwierigkeiten haben dabei Schwierigkeiten. Genau an dieser Stelle kann eine regelmäßige Übung mit dem Kolibri Board helfen.

Das Kolibri Board

Ich bin sehr angetan von dem Kolibri Board, denn es ist ein fach komplett perfekt durchdacht und qualitativ hochwertig. So wurde das Brett sehr nachhaltig und in Deutschland hergestellt. Es besteht aus rasch nachwachsendem Buchenholz und auch die Korkrolle – die ich in zwei Größen dazu bekommen habe – ist ja ein nachwachsender, natürlicher Rohstoff. Die Verpackung war komplett aus Pappe und Papier, also ganz nach meinem Geschmack.

Das Kolibri Board gibt es in verschiedenen Größen und ist schon für Kinder ab 4 Jahren geeignet. So kann man bereits im Vorschulbereich Einiges für die lieben Kleinen bewirken, um den Gleichgewichtssinn zu fördern. Ich persönlich finde es sehr praktisch, dass man hier sogar einen rutschfesten Stand hat, wenn man Socken trägt oder ganz barfuß ist – ein absoluter Pluspunkt! Ich habe noch zwei andere Balanceboards, die dagegen sehr rutschig sind. Eines davon habe ich immer in der Schule und darauf dürfen sich unruhige Kinder zwischendurch auch einmal stellen (mit Gymnastikschläppchen), was sehr gern in den unteren Klassen angenommen wird.

Zurück zum Kolibri Board. Beim Training mit dem Brett werden viele verschiedene Muskelgruppen beansprucht und sogar die Tiefenmuskulatur trainiert. Doch zunächst einmal muss man lernen, sicher darauf zu stehen. Ist dies geschafft, kann man mit bestimmten Koordinationsübungen das Zusammenspiel kleinerer Muskelgruppen im Rücken-, Bauch-, Knie- und Fußbereich unterstützen. Auf diesem Wege lassen sich sogar Haltungsfehler korrigieren. Alles, was zur Stabilisierung des Körpers an Muskulatur benötigt wird, ist auf dem Board aktiviert – bis hin zum kleinsten Muskel.

Die Korkrollen und das Board selbst nehmen kaum Platz weg und lassen sich gut im Regal verstauen.

Drei kleine Einstiegsübungen

Aller Anfang ist schwer

Man stelle sich vor, ein Kind, das wenig Körperspannung hat, unruhig ist und schnell aus dem Gleichgewicht gerät, soll sich einfach mal jeden Tag irgendwie auf das Board stellen. Das ist kein guter Einstieg, denn es kann zunächst frustrierend sein. Es braucht also eine Routine mit Anfang und Ende. Daher lohnt es sich, mit kleineren, liebevollen Übungen das Kind täglich ein paar Minuten auf dem Brett zu begleiten und sich dabei gemeinsam über Fortschritte zu freuen. Wie gesagt, zunächst einmal muss ein sicherer Stand auf dem Board möglich sein, bevor man weitere Übungen machen kann.

Wenn Dein Kind die ersten Male auf dem Board steht, kannst Du noch deinen Arm anbieten, an dem es sich notfalls kurz halten kann. Diese Hilfe wird mit der Zeit dann nicht mehr gebraucht.

Meine Ideen zum Einstieg mit dem Balance Board findest Du hier als kostenlosen Download:

Auf der Seite von Kolibri Boards werden auch schöne, weitere Übungen vorgestellt:

https://www.kolibri-boards.de/balance-board-uebungen/

Ich habe das Board für diesen Artikel kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Mit dem Code Montagskind10 erhaltet Ihr 10 % Rabatt beim Kauf eines Boards.

Ich wünsche viel Spaß beim Balancieren und eine ruhige, ausgeglichene Zeit danach!

Die große Stapelsteinliebe

Dieser Sommer steckte voller Überraschungen: Dank einer neuen Kooperation sind die Stapelsteine erst bei uns zu Hause, dann in meinem Klassenraum eingezogen – und es war Liebe auf den ersten Blick. Aber lest selbst.

Die Ankunft

Die Steine kamen bereits in den Sommerferien zu mir, ich habe sie kostenlos zum Testen bekommen. Verpackt waren sie in vorbildlicher Weise komplett plastikfrei und da sie zu 100 Prozent in Deutschland und klimaneutral hergestellt werden, hatten sie auch nur einen relativ kurzen Weg hinter sich. Allein das ist schon ganz nach meinem Geschmack, wie Ihr wisst.

Ausgepackt und Angepackt

Wer glaubt, dass mein Kind hier einen schweren Stapel Steine schleppt, der irrt sich: Die acht bunten Stapelsteine wiegen gerade einmal etwas mehr als ein Kilogramm. Dass sie kinderleicht zu tragen und frei von spitzen Kanten, Weichmachern und Schadstoffen sind, macht sie in praktisch allen Altersgruppen für Spiele und leichtes Aufräumen interessant. 

Mit seinen 180 g Gewicht ist so ein Stapelstein aber alles andere als zerbrechlich: Tragen kann er nämlich 180 kg und dabei ist er noch stoß- und bissfest. 

Stapelsteine sind also wahre Multitalente, so genannte Open Ended Toys, die die Fantasie enorm beflügeln, lest auch gern meinen Blogbericht dazu: 

Blogbericht zum Thema Fantasie:

Jedenfalls hatten nicht nur Zwei-, sondern auch Vierbeiner bei uns viel Spaß mit den Stapelsteinen!

In der Schule: Sogar Einsatz ohne Einsatz

Nachdem die Steine also zu Hause auf vielfältigste Art bespielt und getestet wurden, sind sie inzwischen in meinen Klassenraum eingezogen und zeigten dort ebenso vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Dabei nimmt der Stapel keinen Platz weg, sondern ist auch nützlich, selbst wenn er gerade nicht als Spiel- und Arbeitsmaterial im Einsatz ist: 

 Bequemes Sitzen

Vor der Tafel ist der Stapel nun mein mobiler Erzählhocker. Und wenn ich nicht gerade dort sitze, sieht so ein Türmchen Stapelsteine immer noch dekorativ aus.

Bei unserer Einmaleinsrallye haben wir mit den Stapelsteinen auch blitzschnell ein Siegertreppchen hergestellt:

Erden

Die acht Steine bieten übrigens gerade am Schuljahresanfang auch achtfach die Möglichkeit, einen (noch) etwas zu hohen Stuhl ausgleichen zu können. Ein neuer Klassenraum bedeutet ja auch immer etwas größeres, mitwachsendes Mobiliar. Wir haben zwar auch verschiedene Tisch- und Stuhlgrößen im Klassenzimmer, doch dank Stapelstein reicht es in diesem Jahr oftmals schon aus, wenn die Füße bei der Arbeit am Platz auf einem Stapelstein stehen können. Jedenfalls, solange sie noch nicht den Boden berühren. Dann ist bei Eigenarbeitsphasen der notwendige Halt an Tisch und Stuhl gegeben und das wird von den Kindern gern angenommen.

Statt Pylonen

Bei Spielen, die Markierungen und Abgrenzungen erfordern, kann man am Spielfeldrand auch gewisse Punkte mit Stapelsteinen markieren. Ebenso kann man auf sehr einfache Art und Weise die Steine für Parcours verwenden: Für Slalom oder den Bau einfacher Hürden.

Als ich in der Schule die Stapelsteine einfach mal in eine Reihe gelegt habe, um ein Spiel zu beginnen, fingen die Kinder schon direkt von selbst an, von Stein zu Stein zu springen, über die Steine zu hüpfen oder Slalom zu laufen. So anregend und einladend wirkt es jedenfalls auf meine 4. Klasse.

Eine Fülle von Spielideen

Das Spielkind in mir war also gleich geweckt – und so ging es auch noch einigen Anderen vor mir. Von daher gibt es bereits auf der Homepage von Stapelsteinen und auch in der gleichnamigen App eine Fülle von Spielideen, auf die ich gern zurückgreife: Von Gleichgewichtsübungen über Wurfspiele mit dem Bohnensäckchen bis hin zu vielen anderen Bewegungsspielen.

Für meinen Einsatz im Unterricht habe ich mir weitere Lern- und Gruppenspiele einfallen lassen. Dabei kamen auch viele Impulse von den Kindern selbst. Fazit also zu Beginn der Herbstferien: Klare Spiel- und Lernempfehlung.

Ich wünsche Euch viel Spaß mit den bunten Steinen!

Hier geht es zum Stapelstein-Shop – und Ihr unterstützt mit Eurer Bestellung über diesen Link gleichzeitig den Montagskindblog.

Download: Meine 15 Spiele mit den Stapelsteinen:

Plastik sparen im Schulalltag

Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun…. Ich habe hier einmal einige Beispiele, wie im Schulalltag eine Menge Plastik eingespart werden kann. Denn leider ist Plastik noch viel zu oft und viel zu selbstverständlich unser ständiger Begleiter: Laminierfolien, Tintenpatronen, Klebestifte, Schnellhefter und Heftumschläge – dabei bleibt das Schulfrühstück diesmal sogar außen vor. Zum Glück gibt es schöne Alternativen.

Plastik und Schule in Zahlen

Es gibt etwa 9 Millionen Schulkinder und ca. 750.000 Lehrer*innen in Deutschland, die all diese Utensilien tagtäglich benutzen. Dabei sind die meisten dieser Artikel davon Wegwerfartikel: Eine Tintenpatrone etwa ist nach ein paar Tagen leer, ihr Plastikmüll zersetzt sich aber erst nach mehreren hundert Jahren.

In Deutschland gelangen jährlich 446.000 Tonnen Plastik in die Umwelt, mehr als 70 % davon sind Mikroplasitik. Laut Weltnaturschutzunion (IUCN) gelangen jedes Jahr insgesamt 3,2 Millionen Tonnen Mikroplastik in die Umwelt, etwa 1,5 Millionen Tonnen davon in die Meere. Dies ändert unsere gesamte Biosphäre.

Warum es Sinn macht, im Kleinen und bei den Kleinen anzufangen

Die Zahlen sind groß, die Tintenpatronen klein. Das macht doch gar nichts aus, oder? Doch, das macht es – denn es ist ein wichtiger Zukunftsauftrag, die Kinder frühzeitig dafür zu sensibilisieren, dass Plastikmüll nicht in großen Mengen vorkommen darf und es gute Alternativen gibt, die unsere Umwelt schonen. Schließlich wächt gerade eine Generation heran, die viele Umweltsünden der Vergangenheit in ihrem Leben spüren wird und jetzt schon spürt.

Daher hier meine Tipps für einen achtsamen, umweltfreundlichen Schulalltag.

Konverter statt Tintenpatrone

Wie kleine Spritzen werden Konverter am Tintenfass aufgezogen. Das hat den Vorteil, dass man jeden Tag vor oder nach der Arbeit frisch volltanken kann und damit nie das Problem einer leeren Patrone hat. Wenn es früher hieß „Hast Du eine Patrone, die in Füller XY passt?“, heißt es nun: „Hat jemand ein Tintenfass zum Nachtanken dabei?“ In meiner Klasse verwenden fast alle Kinder einen Konverter. Es gibt für jeden gängigen Füller einen passenden Konverter.

Nachfüllbarer Klebstoff statt Einweg Klebestift

Es gibt sie, die großen Flaschen mit flüssigem Klebstoff, mit denen man kleine Klebestifte oder Klebeflaschen auffüllen kann. Ich habe auch schon selbst Klebstoff hergestellt, aber die Nachfüll-Variante ist in der Alltagshektik einfach praktikabler. Ich habe nun einen nachfüllbaren Klebestift von Uhu und ein kleines Klebefläschchen aus dem Waldorfshop, das durch seine sehr feine Spitze punktgenau kleben lässt. Dabei ist der Kleber vom Waldorfshop von hoher ökologischer Qualität, selbstverständlich frei von Lösungsmitteln und auswaschbar, wenn mal etwas an die Kleidung kommt. Die Flasche ist zudem aus recycletem Kunststoff (unbeauftragte Werbung! Empfehlung, keine Kooperation)

Heftumschläge aus Papier

Auf die Heftumschläge von Minouki bin ich bei meinen Recherchen für diesen Artikel gestoßen und durfte sie gleich für Euch testen (Kooperation: Umschläge wurden kostenlos zur Verfügung gestellt). Ich bin restlos begeistert: Die Umschläge sind aus 100 % recycletem Papier, doch die Oberfläche fühlt sich so glatt an, nein – sie ist so glatt, dass sie abwischbar ist. Die Auswahl an Farben und Mustern ist nicht nur groß, sondern vom Design her vollkommen gelungen. Zudem ist alles in Deutschland hergestellt. Die Umschläge haben daher meine 100 %-ige Empfehlung – was für eine schöne und plastikfreie Möglichkeit, die Hefte der Kinder zu schonen!

Farbenstarke Textmarker als Buntstifte

Die hier gezeigten Textmarker sind auch wieder aus dem Waldorfshop (wieder keine Kooperation, alles selbst bezahlt), ich habe aber auch im Schreibwarenhandel vor Ort schon „trockene“ Textmarker gesehen. Die Farben sind leuchtend und stehen der Plastikvariante nicht nach. Dazu sind sie sehr lange haltbar, wie jeder Buntstift werden sie angespitzt.

Mit Tonpapier verstärken statt laminieren

Wenn ich Kärtchen und Schilder basteln und haltbar machen will, greife ich inzwischen nur noch zu Tonpapier, auf das ich die Papierkarten klebe. Als ich für meinen Bothmer-Reigen draußen mein Kärtchen dabei hatte, habe ich es einfach in eine Klarsichthülle gesteckt, um es vor Schmutz zu schützen. So eine Klarsichthülle ist ja immer wieder verwendbar. So ist das inzwischen meine Laminier-Alternative geworden.

Papierhefter statt Plastikmappen

Schnellhefter aus Papier sind ja vielerorts schon standardmäßig im Einsatz, dennoch möchte ich sie gern erwähnen, denn der Handel zeigt, dass auch die Plastikvarianten noch gefragt zu sein scheinen. Also darf es in meiner Sammlung hier nicht fehlen.

Fazit: Viel Potenzial

Bei vielen gängigen Lern- und Lehrmittel kann unnötiger Plastikmüll eingespart werden. Wenn zehn Millionen potentielle Nutzer ihren Beitrag leisten, ist die kleine Tintenpatrone des Einzelnen gar nicht einmal so wenig!