Wie alles begann

Da ist es passiert!

Ganz ehrlich: Wie wahrscheinlich ist es, einmal im Leben von einer Giraffe geknutscht zu werden? Und wie wahrscheinlich ist es, als Staatsschülerin ohne Bezug zum Waldorfumfeld, einmal Waldorflehrerin zu werden?

Nun Ja. Vor fast 25 Jahren überlegte ich fieberhaft, was ich nach dem Abi so machen könnte – und habe weder von der einen Sache, noch von der anderen im Entferntesten etwas geahnt. Doch beides ist eingetreten.

That`s Life!

Ist es nicht genial, dass das Leben jenseits der vorstellbaren Möglichkeiten passiert, ohne Plan? Zurück zum Anfang. Ich wusste schon sehr lange, dass ich gern mit Kindern arbeiten wollte. Schule gefiel mir als Arbeitsort grundsätzlich auch, aber so wie ich es selbst erlebt hatte, wünschte ich es mir nicht für meine eigene Lehrerrolle. Mir war damals schon klar, dass ich kein „Lehrplan-Service“ sein wollte, der irgendwie „von oben“ kommt, aber vielleicht gar nicht zu der Arbeit mit den Kindern passt.

Es folgten Praktika an einer Förderschule, einer heilpädagogischen Pflegeeinrichtung für Kinder und einer Grundschule. Da sah ich mich doch mehr im Bereich Schule. Am liebsten hätte ich Sondererziehung und Rehabilitation auf Lehramt studiert, doch ich bekam leider keinen Studienplatz. Andere Lehramtsstudiengänge überzeugten mich nicht.

Letztendlich studierte ich Germanistik und Sozialwissenschaften auf Magister (später Bachelor/Master) und begann, u.a. für eine Tageszeitung zu schreiben, was mir auch ausgesprochen gut gefallen hat. Deswegen blogge und schreibe ich heute noch so gerne!

Kein Weg ohne Abbiegung

Doch schon bald war ich wieder mitten im Thema „Alternative Pädagogik“ und der Waldorfweg begann, mit einem schönem Zwischenstopp bei Montessori – by the way.

Warum und wieso alles so kam, wie es kommen musste und ich familiär und beruflich voll ankommen konnte, darüber habe ich mit Dustin gesprochen, der auch Waldorflehrer, aber an einer anderen Schule, ist. Wir haben einen gemeinsamen Podcast „Kaffee, Kreide, Morgenspruch“ gestartet, wo wir uns – natürlich ganz subjektiv – über unser Waldorflehrerleben unterhalten. Dustin war übrigens auch Staatsschüler und hat auch einen sehr speziellen Weg in die Waldorfpädagogik gefunden.

Wir würden uns freuen, wenn Ihr mal bei uns reinhört. Ab Freitag überall, wo es Podcasts gibt!

Wir sind zwar keine Podcast-Profis, aber wir machen einfach
mal – könnte ja gut werden!

Sonnenlauf oder Achterbahn?

Freitagmorgen, 9 Uhr: Kopfhörer auf, Mikrofon an, Meeting eröffnen. Der letzte wöchentliche Morgenkreis mit meiner 3. Klasse. Montag oder Dienstag – je nach Gruppe – sehen wir uns wieder! Es war so eine freudige Stimmung bei den Kindern, dass wir unser Meeting diesmal sogar etwas verlängert haben.

Die Kinder freuten sich und hatten doch viele Fragen. Ich habe ihnen erklärt, dass die Hygieneregeln sich im Vergleich zu Dezember nicht geändert haben – abgesehen davon, dass nur die halbe Klasse vor Ort ist und ich neuerdings eine FFP2-Maske trage.

Freitagnachmittag, kurz nach 16 Uhr: Die Schulministerin verkündet „verschäfte Hygieneregeln“, nach denen die Kinder meiner Klasse auch FFP2-Masken tragen sollen, es sei denn, diese wären noch zu groß. Außerdem dürfen die Masken nicht mehr am Platz abgenommen werden. Heißt: Unterricht mit Mundschutz. Das ist neu. Und das konnte ich nicht mehr mit den Kindern besprechen. Und selbstverständlich gilt es, die Mitteilung vom späteren Freitagnachmittag am Montag direkt umzusetzen. Ich war erst einmal geschockt am Freitag. Die Tatsache, dass die Kinder an ihren festen Plätzen die Masken grundsätzlich nicht abnehmen dürfen, hat natürlich Auswirkungen auf die Gestaltung des gesamten Unterrichts. Ich habe am Montag und Dienstag auch Fachunterricht in den Klassen 1 und 4, für die das genauso gilt.

Die einjährige Achterbahnfahrt

Seit einem Jahr ist nichts mehr wie es war. Oft fühlt es sich an, als käme ein Rückschlag nach dem nächsten. Und es war teilweise ein Jahr auch mit vielen Diskussionen und Auseinandersetzungen, die Kraft kosteten, aber nichts an der Situation ändern konnten. Wie eine Achterbahnfahrt: Kaum wurde es wieder gut, ging es fast im selben Moment auch gleich steil bergab.

Die Sonne geht immer wieder auf

Eine Sache stimmt aber auch: Es gab in diesem vergangenen Jahr auch viel Zuspruch, Zusammenhalt und eine Menge intensive, positive Momente. Irgendwie wundere ich mich auch manchmal über mich selbst, wieviel Kreativität in mir noch steckt, wenn wir wieder neue Rahmenbedingungen, die nochmal enger sind, bekommen. Auch meine Kolleg*innen haben viele tolle Ideen, es gibt einen schönen Austausch untereinander. Da werden unbeschreibliche Kräfte freigesetzt. Woher kommen die?

Keine 24 Stunden nach den Meldungen von gestern, ist mein Plan für Montag geändert und ich hatte auch Ideen, die mich zufrieden stimmen. Woher die auch immer kamen.

Montag beginnt der Wechselunterricht und es soll schön werden für die Kinder. Die Erfahrungen sagen, es wird nicht leichter. Sie sagen aber auch: Wir können alles schaffen.

Wochenpläne für den Wechselunterricht

Ab Montag geht es bei uns in NRW mit dem Wechselunterricht los – so lange, bis die Kultusministerin etwas Anderes sagt, abhängig vom RKI-Wert. Es soll ja schließlich nicht langweilig werden 😉

Theorie und Praxis

Man stelle sich eine Familie mit vielleicht sogar mehreren Kindern im Wechselmodell vor. Wer ist wann an der Reihe, hat dann welche Stunden? Was sollte mitgebracht und beachtet werden? Wenn ich mich mit anderen einmal austauschen will: Wer ist denn noch alles in der Gruppe meines Kindes? Da ist es nicht immer leicht, den Überblick zu bewahren.

Ich habe mir einen wochenaktuellen Plan für meine Klasse überlegt.

Mein Wochenplan für den Wechselunterricht

Ich erstelle für jede Gruppe einen Wochenplan im voraus: Darin ist alles vermerkt. Wer wann im Präsenzunterricht ist, wann im Distanzlernen. Wer wann welches Unterrichtsfach hat – denn wir Kolleg*innen haben auch an der einen oder anderen Stelle miteinander mal Stunden getauscht.

Dieser Plan geht an die Eltern, die OGS – die parallel zur weiter laufenden Notbetreuung die reguläre Betreuung im Wechselmodell anbietet und auch an die Kolleg*innen, die in meiner Klasse unterrichten.

Die Pläne für beide Gruppen werden auch im Klassenraum ausgehängt.

Für alle, die den Plan auch verwenden möchten, habe ich ihn hier als Download für Euch.

Ich freue mich, wenn ich Euch weiterhelfen kann.

200 Steine – unzählige Möglichkeiten

Ich habe Pestas Dominosteine kostenlos zugeschickt bekommen und durfte sie testen – lest gern hier zum Thema Kooperation/Werbung nach. Hier ist mein Bericht. Eines vorab: Ich bin schwer begeistert, denn wir haben nicht nur zu Hause viel Freude an den Dominosteinen, sondern ich kann die Pestas Steine auch in der Schule gut gebrauchen. Aber das Ganze von vorn:

Zügige Lieferung aus Österreich

Nachdem ich der Kooperation zugesagt und für meine Blogleser*innen einen kleinen Rabatt bekommen hatte, trafen innerhalb weniger Tage die 200 Steine samt „Trickkiste“ bei mir ein. Die Trickkiste ist eine Sammlung von kreativen Baumöglichkeiten. Damit allein kommt schon keine Langeweile auf.

Vorbildliche Verpackung und ökologisches Material

Die Steine waren komplett plastikfrei verpackt: In einem Baumwollnetz, das sich wiederum in einem stabilen Pappkarton befand. Die Dominosteine selbst wurden nachhaltig produziert, ökologisch verarbeitet und schon direkt nach dem Auspacken duftete es nach Holz und Öl bzw. Wachs. Die Pestas sind nämlich aus nachhaltig gewachsenem Birkensperrholz gefertigt. Sie wurden mit einem Ölwachs auf Basis natürlicher Öle und Wachse gefärbt und in Österreich unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt. Allein das ist ja schon großartig. Beim Bauen liegen die Steine sehr gut in der Hand und der Holzduft ist übrigens angenehm, nicht zu stark, wie ich finde.

Das Tolle an Pestas

… ist einfach das kreative Spielen. Man kann vielfältig Bauen und mit Spannung den Domino-Effekt erwarten oder auch einfach mit den vier Farben ein Bild legen, kleine Häuser bauen und dem kindlichen Spiel freien Lauf lassen.

Es werden nicht nur Feinmotorik, Kreativität und Konzentration gefördert, sondern auch das genaue Umsetzen von Bauanleitungen, wenn man mit der „Trickkiste“ arbeitet.

Letzteres, die Tricks der Trickkiste auszuprobieren, kam bei meiner Familie sehr gut an. Und so haben wir in den letzten Tagen viel gebaut….

Eines von vielen Kunstwerken, das in den letzten Tagen entstanden ist. Hier: Der Richtungswechsel.

Einsatz in der Schule: Das Spielkind ist erwacht

Hat man die 200 Steine in 4 Farben in der Schule, ist Vieles möglich:

  • Die Steine werden aufgeteilt und die Kinder sind in einer Legearbeit nacheinander und ganz in Ruhe dran, gemeinsam ein schönes Muster zu erschaffen und dieses anschließend in Ruhe zu betrachten – das fördert das soziale Miteinander, Aufmerksamkeit und bringt die Kinder zur Ruhe.
  • Wenn für Spiele oder Gruppen ausgelost werden muss, können z.B. die Anzahl der Gruppenmitglieder als farbige Steine in ein Säckchen gelegt werden und die Kinder greifen herein und ziehen ihre Gruppe oder Rolle.
  • Man kann die Steine mit Kreppband beschriften und dann im Unterricht einsetzen, z.B. um Wortarten darzustellen: Nomen auf die blauen Steine schreiben, diese verteilen und dann Artikeln, die auf gelben Steinen stehen, zuordnen. Oder Nomen (blau) und Adjektive (grün) zufällig kombinieren. Oder man beschriftet Steine mit Adjektiven, die Kinder ziehen sie oder decken sie auf und suchen dann das Gegenteil als Wortschatzspiel.
  • Beim Rechnen kann man die Mengen darstellen: 3 x 4 als 3 Stapel à 4 Steine oder eben 12 Steine teilen, auf vier Stapel.
  • Oder Übungen mit dem Dezimalsystem machen: Dabei wieder eine Handvoll Steine aus dem Säckchen ziehen. Dabei sind blau die Einer, rot die Zehner, grün die Hunderter und gelb die Tausender. Hat ein Kind einen gelben Stein, zwei grüne und drei rote Steine gezogen, ist es die Zahl 1.230. Wenn mehrere Kinder ihre „Zahlen“ ziehen, kann auch verglichen werden, wer die größte oder kleinste Zahl hat oder die dargestellten Zahlen der Größe nach sortiert werden.
  • Man kann mit den Steinen Muster fortsetzen, Spiegelungen darstellen oder auch Merkspiele spielen: Eine Farbreihenfolge legen, diese Abdecken und dann diese Reihe von den Kindern nachlegen lassen. Anschließend die Abdeckung entfernen und schauen, ob es richtig gelegt ist.
  • Mir sind auch spontan Bewegungsspiele eingefallen: Eine Menge Steine in die Mitte legen und los geht das Fitnessprogramm: rot = hüpfen, grün = Kniebeugen, blau = Hampelmann, gelb = Schultern kreisen. Oder: „Der Wind weht“ -> Jedes Kind zieht eine Farbe, die Klasse steht im Kreis und ein Kind geht in die Mitte. Die Spielleitung sagt beispielsweise: „Der Wind weht für Rot“, dann müssen alle mit der Farbe Rot den Platz tauschen und dabei muss das Kind in der Mitte einen freien Platz ergattern. Nach der Runde steht ein Kind mit „Rot“ in der Mitte und hat die nächste Chance.

Mein Fazit und Euer Rabatt

Mein Fazit ist keine Überraschung: Die Steine sind so vielfältig und dabei ökologisch und fair hergestellt, dass sie meine Empfehlung bekommen. Wenn Ihr Pestas für Eure Lieben anschaffen wollt, dann bekommt Ihr bis Ostern 2021 mit dem Code „Montagskind“ 7 % Rabatt:

http://www.pestas.net

Ich erhalte übrigens weder für diesen Artikel, noch für Verkäufe eine Provision, mir wurden aber die Steine und die Trickkiste kostenlos zur Verfügung gestellt.

Darum die Abeezee – Schrift

Ich habe mir die Schriftart „Abeezee“ installiert, die für Leseanfänger und bei LRS empfohlen wird. Und damit gestalte ich ab sofort alle Arbeitsblätter, denn es gibt große Vorteile:

  • bd und qp sind keine Spiegelungen, sondern unterscheiden sich voneinander,
  • das kleine L (l) und das große I unterscheiden sich ebenfalls.
  • insgesamt ist die Schrift weder schnörkelig noch „hart“ im Bild.
  • Sie ist zudem frei verfügbar, man kommt schnell über die Suchmaschine zum gratis Download.

Große Empfehlung!

Strukturierungshilfen bei Homeschooling und Hausaufgaben

In der Schule helfe ich den Kindern, ihre Arbeitsmaterialien zu strukturieren. Meist brauche ich meine Klasse schon gar nicht mehr daran zu erinnern, dass schon zu Stundenbeginn alles auf dem Tisch liegt, was man brauchen wird. Im Distanzlernen organisieren die Eltern die Arbeitszeit zu Hause – und zwar so, wie es im jeweiligen Zuhause am besten passt.

Jetzt kommt das „Wechselmodell“

Ab dem 22. Februar wird meine Klasse im „Wechselmodell“ unterrichtet. Das bedeutet, dass sie in zwei Gruppen geteilt wird und jede Gruppe alle zwei Tage Präsenzunterricht bekommt. Dieser Wechsel von Präsenz- zum Distanzlernen ist neu und auch etwas herausfordernd, was die Struktur der Arbeitsunterlagen angeht. Wie schnell wird einmal etwas vergessen oder verlegt.

Drei Strukturierungshilfen

3 Tipps, um die Arbeit im Wechselmodell im Blick zu behalten.

Ich habe mir eine Strukturierungshilfe überlegt, mit der sich hoffentlich gut arbeiten lässt. Der Grundgedanke ist, die Aufgaben nach Material zu vorzusortieren. Da sich Tornister oftmals zu kleinen, unübersichtlichen Umzugskisten entwickeln und die Arbeitsmaterialien mal in der Schule, mal zu Hause gebraucht werden, habe ich die Idee, dass es zu Hause eine „Arbeitskiste“ gibt, in die man alle Arbeitsmaterialien der jeweiligen Epoche (Unterrichtseinheit) legt. Diese Kiste sollten Eltern und Kinder gemeinsam packen. Hier kann eine kleine Packliste helfen.

1. Die „Arbeitskiste“ zu Hause

Es hat sich nämlich gezeigt, dass die „theoretische Hausaufgabenübersicht“ in Form von Hausaufgabenheftchen doch teilweise mehr in der Theorie bleibt als sie sollte. Also: In der Kiste ist genau das Material – und nichts anderes – was für die Arbeit gebraucht wird: Lieblingsplüschtiere, Sammelkarten, Glitzerstifte usw. dürfen dann also nicht hinein. So bleibt es übersichtlich und die „Arbeit“ an der Sache wird herausgestellt.

Den Arbeitstag nach Material sortieren

Für den Arbeitstag zu Hause braucht man die „Sternchenliste“ und das Hausaufgabenheft bzw. das zweite Blatt meiner Download-Listen, das die Arbeitsaufgaben nach Material sortieren hilft. Die „Sternchenliste“ zeigt dann kleinschrittig die Arbeit des Tages im jeweiligen Heft an, mit Pausen dazwischen. So ist klar: Die Arbeit ist nicht unendlich lang. Es gibt eine greifbare Pause und ein sichtbares Häkchen, wenn ich den jetzigen Schritt beende. Ist eine Sache erledigt, wird sie dann direkt abgehakt und auch unten auf dem Weg zum Sternchen angekreuzt.

2. Kleinschrittiges, übersichtliches Vorgehen

Je kleinschrittiger und „greifbarer“ der Arbeitsablauf also ist, desto besser. Dies zur Gewohnheit zu machen, hilft insbesondere auch Kindern, die eher unkonzentriert sind. Die „Sternchenliste“ zeigt nicht nur den Arbeitsfortschritt an, sondern hilft auch, den Tornister für den Präsenzunterricht am nächsten Tag wieder zu packen.

3. Ein minimalistischer Arbeitsplatz

In der Schule finden die Kinder in der Regel an ihrem Platz auch nur Tisch und Stuhl vor. Viel Platz für individuelle Dekoration ist nicht vorhanden (auch wenn es ab und zu mal vorkommt). Schreibtische in Kinderzimmern sind hingegen oftmals nett dekoriert oder schlicht und ergreifend auch mal vollgestellt. Drum herum die Spielumgebung, das lenkt ab. Daher finde ich es gut, wenn zumindest kleinere Kinder einen anderen Ort als ihr Zimmer zum Arbeitsplatz haben. Wählt man den Esstisch, sollte auch hier nichts weiter herumstehen. Bitte achtet darauf, dass die Kinderfüße Erdung haben bei der Arbeit. Ein Fußbänkchen kann helfen. Beachtet dazu auch diesen Blogartikel.

Ein Arbeitsplatz außerhalb der Spielumgebung versinkt dank der Arbeitskiste, die schnell gepackt und verstaut ist, nicht im Chaos. Und die Kiste hilft außerdem, alles Wichtige für den nächsten Schultag zu packen.

Wir wir seit einem Jahr das Beste aus der Situation machen, so werden wir hoffentlich auch das Wechselmodell packen!

Download der „Checklisten“ für Arbeitskiste und Arbeitstag:

Waldorf- und Montessoripädagogik haben ein gemeinsames Ziel

Welches Bild haben wir von Kindern und Kindheit?

Viele von Euch wissen, dass ich die Montessoripädagogik auch sehr schätze. Das Material hat seit Langem auch Einzug in meinen Unterricht gefunden. Es gibt zwar auch deutliche Unterschiede zwischen Waldorf und Montessori, doch das Ziel ist ein Gemeinsames:

Kinder zur Freiheit erziehen

Wenn man möchte, dass aus Kindern Erwachsene werden, die ihr Leben selbstbestimmt in die Hand nehmen, ein freies Urteil fällen können und authentisch ihren Weg gehen, muss man ihnen gegenüber eine Grundhaltung einnehmen, die signalisiert:

  • So, wie du bist, bist du gut
  • du kannst Vieles schaffen
  • Wenn du mich brauchst, bin ich da. Ich helfe Dir, es selbst zu tun.

Selbstwirksamkeit spüren

Beide pädagogische Ansätze setzen auf Selbstwirksamkeit. Wenn Kinder die Möglichkeiten bekommen, eigene praktische Erfahrungen zu machen und Dinge auch zu tun, die die Großen tun, setzt dies eine große Lernfreude und viele positive Kräfte frei. Wir müssen Kindern nicht erzählen, wie die Welt funktioniert, wie müssen sie selbst in ihr tätig werden lassen. Wer Gemüse schneiden und etwas schnitzen will, braucht ein scharfes Werkzeug. Was gefährlich erscheint, wird sorgsam angeleitet – Hilf mir, es selbst zu tun. Mit Bedacht, aber großem Zutrauen.

Das alltägliche Leben hat mehr Anreize als Spielzeug

Das alltägliche Leben ist eigentlich Sinnes- und Motorikschulung genug – und alles, was man hier schafft, wird gebraucht und hat einen Sinn. Kinder möchten so gern Teil davon sein und nicht passiv berieselt werden – schon gar nicht mit intellekturellen Dingen, bevor sie selbst ihre Fragen dazu entwickelt haben. Diese Haltung haben beide pädagogische Ansätze gemeinsam.

Doch es gibt auch Unterschiede.

An dieser Stelle spreche ich nur für mich. Was mir an der Waldorfpädagogik besser gefällt, ist der Umgang mit den kindlichen Nachahmungskräften, die Rolle von Lehrer*innen und Erzieher*innen als feste Bezugsperson und Vorbild – und nicht nur als „Begleiter*in“, die sich sonst meist stark zurücknehmen. Auch die rhythmischen Abläufe der Waldorfpädagogik und der Gemeinschaftssinn, gerade in der heutigen Zeit, haben mich überzeugt. Ich kann aber aus beiden Ansätzen viel Positives mitnehmen und verbinden, es sind eben keine schwarz-weiß-Sichtweisen, die sich gegenseitig ausschließen. Sicherlich werde ich auch weiterhin als Waldorfbloggerin Themen und Ideen der Montessoripädagogik mit aufgreifen und auch sehr gern Fragen beantworten.

Vom kleinen Glück

Die Idee des Glückshefts hatte ich während der Zeit des Distanzlernens. Im Lockdown passiert ja so viel weniger als sonst: Keine größeren Spielkontakte, kein Austausch bei der schulischen Arbeit, der größte Teil des Tages findet zu Hause statt. Umso wichtiger und gleichzeitig herausfordernd ist es, dabei positiv zu bleiben und die kleinen Glücksmomente nicht aus den Augen zu verlieren.

Doch auch jetzt, nach dem Ende der Pandemie, ist das Glücksheftchen sehr aktuell. Nun geht es um Entschleunigung und Achtsamkeit in einem oft hektischen, reizüberfluteten Alltag.

Manchmal übersieht man leicht das kleine Glück

Zum Glücksheft: Im Hosentaschenformat passt es überall hinein und mit ihn können diese Momente in Erinnerung bewahrt werden: Eine kurze Notiz, eine kleine Zeichnung. Im Wochenrückblick haben die Kinder dann hoffentlich eine kleine Sammlung glücklicher Momente, auf die sie zurückgreifen können. Gleichzeitig sollte durch diese achtsame Aufgabe das Bewusstsein für die kleinen Dinge gestärkt werden.

Glück kann überall sein und so unterschiedlich aussehen.

Als Hinführung habe ich mir mal wieder eine kleine Geschichte überlegt. Diese hatte ich den Kindern live über Zoom erzählt, aber auch zum Nachlesen und selber Lesen mit ins Lernpaket gepackt. Da das wöchentliche Zoom-Angebot freiwillig ist und nicht jeder teilnehmen kann, sollen ja keine Nachteile entstehen.

Da doch jede:r ein kleines Glück gebrauchen kann, findet Ihr die Geschichte und die Bastelvorlagen hier zum Download. Außerdem ist noch eine kleine „allgemeine“ Glücks-Sammlung, ohne Wochentage, dabei.

Ich wünsche viele achtsame, kleine Momente!

Heitere Märchen

Eigentlich geht es gerade stark auf Karneval zu. Doch wie so Vieles in diesem Jahr, muss auch dieses Fest ausfallen. Statt dessen geht der Lockdown weiter und viele Familien sind stark belastet. Zumindest wird es in den nächsten Wochen in meinem Podcast „Märchen mit Klang“ einige heitere Märchen geben.

Den Anfang hat heute „das tapfere Schneiderlein“ gemacht, eines meiner Lieblingsmärchen. Auch meine Klasse mochte es von Anfang an sehr. Ich habe es mehrfach vorgelesen, zuletzt in diesem (3.) Schuljahr. Dieser kleine Schneider, der eigentlich arm und kraftlos ist, dann aber einen regelrechten Höhenflug erlebt, nachdem er sieben Fliegen mit einem Lappen erwischt hat – immer wieder schön. Ein Höhenflug, der ihn fröhlich und unbeschwert jedes Hindernis auf seinem Weg annehmen und überwinden lässt. So weit kann man kommen – mit Selbstbewusstsein, Mut und List. Zugegeben, es ist auch Hochstapelei im Spiel. Doch das macht es gerade so unterhaltsam.

Hier ist eine Hörprobe

Auch die nächsten Märchen sollen für Fröhlichkeit sorgen. Ich wünsche viel Freude beim Hören.


Montag ist #Märchenmontag!
Überall, wo es Podcasts gibt und hier über meinen Blog zu hören.

Mehr über den „rhythmischen Teil“

Es erreichen mich immer wieder Fragen zum „rhythmischen Teil“ des Epochenunterrichtes. Für alle Interessierten und frisch gebackenen Waldorfeltern möchte ich daher einmal erklären, was es mit dem „rhythmischen Teil“ auf sich hat und was man so alles macht während dieser Phase des Unterrichts. Aus aktuellem Anlass teile ich auch meine Gedanken zum Thema „Rhythmischer Teil im Homeschooling“.

Bald ist das gemeinsame Musizieren hoffentlich wieder möglich.

Die ganzheitliche Förderung des Kindes

Als Waldorfpädagogen möchten wir die Kinder in ihrer gesunden Entwicklung unterstützen. Daher ist es auch ein wesentlicher Teil unserer Ausbildung, die Entwicklungsschritte im jeweiligen Lebensalter zu kennen und auch zu lernen, wie man sie fördert. Der ganzheitliche Blick richtet sich dabei sowohl auf die körperliche Entwicklung, als auch auf die geistige und seelische Entwicklung der uns anvertrauten Kinder.

Wir Klassenlehrer*innen verbringen in unserem Epochenunterricht jeden Morgen viel Zeit mit den Kindern, lernen jedes einzelne Kind dabei ganz genau kennen und wissen um den jeweiligen Entwicklungsstand. Dadurch haben wir die Möglichkeit, unseren Unterricht so zu gestalten, dass die drei genannten Entwicklungsbereiche bei den Kinder angesprochen werden. Außerdem entsteht Raum für die Gemeinschaft. So geschieht das soziale Miteinander eben nicht nur hauptsächlich in den Pausen auf dem Schulhof, sondern auch unter der Aufsicht der vertrauten Lehrperson. Die Kinder nehmen sich untereinander in den unterschiedlichsten Qualitäten wahr. Da wird ein*e gute*r Flötenspieler*in oder Maler*in ebenso wertgeschätzt wie ein*e schnelle*r Rechner*in oder Läufer*in. Eine wichtige Erkenntnis, die quasi von selbst geschieht: Jedes Kind hat etwas, das es besonders gut kann!

Die Gliederung des Epochenunterrichtes

Der Epochenunterricht, mancherorts auch „Hauptunterricht“ genannt, beginnt nach der täglichen Begrüßung mit dem rhythmischen Teil. Hier ist die Klasse gemeinsam künstlerisch und in Bewegung aktiv: Es wird im Chor gesungen, musiziert oder Gedichte werden rezitiert, meist mit begleitenden Gesten. Thematisch knüpft man an das jeweilige Unterrichtsfach der Epoche oder an den Jahreslauf an. In der Unterstufe ist dann auch noch viel Zeit für Finger- und Klatschspiele, Rhythmusspiele, Übungen zur Körpergeographie, Sinnesschulung und Vieles mehr. Der rhythmische Teil spendet Sicherheit und Kraft durch die tägliche Wiederholung, mit kleineren Varianten.

Dann wird ein spielerischer Übergang zur gedanklichen Arbeit geschafft: Im so genannten Arbeitsteil steht Kopfarbeit an: Lesen, schreiben, rechnen, betrachten, erinnern, vertiefen. Zuletzt folgt der Erzählteil. Durch das lebendige Erzählen geschieht ein inneres Erleben, das die seelische Ebene anspricht. Die Vorstellungskräfte werden geweckt, wenn die Kinder in das Reich der Märchen, Fabeln und Legenden eintauchen. Der jeweilige Erzählstoff wirkt stark im Seelischen. Unsere äußere Welt ist inzwischen so visuell, dass die Kinder heute viel damit befasst sind, diese zahlreichen äußeren Eindrücke innerlich zu verarbeiten, dass die eigenen, „altersgemäßen“ inneren Bilder weniger zur Entfaltung kommen. Der Raum für innere Bilder sollte daher bewusst geschaffen werden.

Rhythmischer Teil im Corona Homeschooling

Wenn Lehrer*innen ihren Schüler*innen während Schulschließungen auftragen, ihre Gedichte, Rhythmusspiele usw. auch zu Hause zu üben, hat dies also den Hintergrund, dass sie weiterhin ihre Klasse möglichst ganzheitlich fördern wollen – auch auf Distanz. Wobei natürlich nichts diese besondere, gemeinschaftliche Atmosphäre im Klassenraum ersetzen kann!

Von Schülerseite her habe ich da verschiedene Rückmeldungen bekommen. Es gibt Kinder, die sehr gern auch zu Hause die Übungen des rhythmischen Teils machen und sich dann aktiv an die schönen Momente in der Schule erinnern. Anderen kommt es zu Hause aber so seltsam vor, ganz allein diese Dinge zu sprechen, bewegen usw., dass sie damit nicht glücklich sind.

Daher möchte ich mit diesem Beitrag auch etwas sensibilisieren. Wenn die Kinder neben ihren Homeschoolingaufgaben zu Hause an der frischen Luft sind, Bewegung haben, ein Instrument spielen, malen usw. dann ist auch das Ziel erreicht. Wenn sich ein Familienmitglied findet, ein vertrautes Gedicht mitzusprechen, ist dies sicher die bessere Variante als es dem Kind allein zu überlassen. Aber mit ein wenig Aufmerksamkeit in Sinn und Zweck des rhythmischen Teils ist sicherlich das Meiste schon gewonnen.

So mache ich es

Ich ermuntere die Kinder, mir zu berichten: Einerseits, wie sie mit ihren Aufgaben zurechtgekommen sind, andererseits, was sie denn zu Hause künstlerisch arbeiten oder wie sie in Bewegung sind. Mehrere Kinder schickten mir Bilder vom Trampolin im Garten, einem Waldspaziergang, Geocaching, Stricken einer „Pferdeleine“, Malen usw. Auf meinem YouTube Kanal findet man als Anregung z.B. unseren Yogavers, kleine Flötenübungen, die Fingerbewegung der Einmaleinsreihen oder die Igelball-Übungen. Da jede Familie in dieser besonderen Zeit aber auch ihre besonderen Herausforderungen und Abläufe hat, möchte ich hier keine „Vorschriften“ machen. Zumal es sich zu Hause, wie gesagt, für die Kinder ganz anders anfühlt. Dass Bewegung und künstlerische Arbeit aber den gleichen Stellenwert wie die „Kopfarbeit“ des Tages haben, wissen die Kinder und ihre Familien. So hoffe ich, dass auch jeden Tag daran gedacht wird.