Wie alles begann

Da ist es passiert!

Ganz ehrlich: Wie wahrscheinlich ist es, einmal im Leben von einer Giraffe geknutscht zu werden? Und wie wahrscheinlich ist es, als Staatsschülerin ohne Bezug zum Waldorfumfeld, einmal Waldorflehrerin zu werden?

Nun Ja. Vor fast 25 Jahren überlegte ich fieberhaft, was ich nach dem Abi so machen könnte – und habe weder von der einen Sache, noch von der anderen im Entferntesten etwas geahnt. Doch beides ist eingetreten.

That`s Life!

Ist es nicht genial, dass das Leben jenseits der vorstellbaren Möglichkeiten passiert, ohne Plan? Zurück zum Anfang. Ich wusste schon sehr lange, dass ich gern mit Kindern arbeiten wollte. Schule gefiel mir als Arbeitsort grundsätzlich auch, aber so wie ich es selbst erlebt hatte, wünschte ich es mir nicht für meine eigene Lehrerrolle. Mir war damals schon klar, dass ich kein „Lehrplan-Service“ sein wollte, der irgendwie „von oben“ kommt, aber vielleicht gar nicht zu der Arbeit mit den Kindern passt.

Es folgten Praktika an einer Förderschule, einer heilpädagogischen Pflegeeinrichtung für Kinder und einer Grundschule. Da sah ich mich doch mehr im Bereich Schule. Am liebsten hätte ich Sondererziehung und Rehabilitation auf Lehramt studiert, doch ich bekam leider keinen Studienplatz. Andere Lehramtsstudiengänge überzeugten mich nicht.

Letztendlich studierte ich Germanistik und Sozialwissenschaften auf Magister (später Bachelor/Master) und begann, u.a. für eine Tageszeitung zu schreiben, was mir auch ausgesprochen gut gefallen hat. Deswegen blogge und schreibe ich heute noch so gerne!

Kein Weg ohne Abbiegung

Doch schon bald war ich wieder mitten im Thema „Alternative Pädagogik“ und der Waldorfweg begann, mit einem schönem Zwischenstopp bei Montessori – by the way.

Warum und wieso alles so kam, wie es kommen musste und ich familiär und beruflich voll ankommen konnte, darüber habe ich mit Dustin gesprochen, der auch Waldorflehrer, aber an einer anderen Schule, ist. Wir haben einen gemeinsamen Podcast „Kaffee, Kreide, Morgenspruch“ gestartet, wo wir uns – natürlich ganz subjektiv – über unser Waldorflehrerleben unterhalten. Dustin war übrigens auch Staatsschüler und hat auch einen sehr speziellen Weg in die Waldorfpädagogik gefunden.

Wir würden uns freuen, wenn Ihr mal bei uns reinhört. Ab Freitag überall, wo es Podcasts gibt!

Wir sind zwar keine Podcast-Profis, aber wir machen einfach
mal – könnte ja gut werden!

Darum die Abeezee – Schrift

Ich habe mir die Schriftart „Abeezee“ installiert, die für Leseanfänger und bei LRS empfohlen wird. Und damit gestalte ich ab sofort alle Arbeitsblätter, denn es gibt große Vorteile:

  • bd und qp sind keine Spiegelungen, sondern unterscheiden sich voneinander,
  • das kleine L (l) und das große I unterscheiden sich ebenfalls.
  • insgesamt ist die Schrift weder schnörkelig noch „hart“ im Bild.
  • Sie ist zudem frei verfügbar, man kommt schnell über die Suchmaschine zum gratis Download.

Große Empfehlung!

Die Gebrauchsanweisung für meine Klasse

Das alte Schuljahr ist so gut wie vorbei, zumindest bei uns in NRW. Die Zeugnisphase neigt sich dem Ende zu und ich fange schon an, gespannt auf das neue Schuljahr zu blicken. Neben dem Jahresplan mit all seinen neuen Epochen ist auch im Kleinen diese eine Planung ganz wichtig: Mein Lehrerheft oder auch – Die „Gebrauchsanweisung für meine Klasse“. Und hierfür habe ich heute ein nigelnagelneues Epochenheft schon bereitgelegt.

Mein Lehrerheft begleitet die Klasse das ganze Schuljahr und hat seinen festen Platz im Klassenzimmer.

Was ist denn ein Lehrerheft?

Hier schreibe ich alle Abläufe detailliert auf, vom Ankommen der Kinder, unsere guten Gewohnheiten und Rituale bis zum Schlusslied – einfach alles. Es ist wie ein kleines Regiebuch.

Dem alten Heft vom 2. Schuljahr sieht man an, dass es ein guter Helfer war. Das Titelbild wurde übrigens von einer Schülerin aquarelliert.

Ich überlege, wie die Abläufe im neuen Schuljahr sein werden, suche schöne Sprüche aus für die Frühstückszeit, den Stundenbeginn oder die neuen Lieder für die Geburtstagskinder, das Schlusslied. Solche Dinge.

Auch die Zeugnissprüche der Kinder sind, nach Wochentag sortiert, hier aufgeschrieben. Jedes Kind spricht seinen Zeugnisspruch an dem Wochentag, an dem es geboren wurde – ich wäre zum Beispiel ein Montagskind, aber das wisst Ihr ja schon.

Jeder Spruch, jede gute Gewohnheit, ist im Lehrerheft enthalten.

Wozu das Ganze?

Zum einen mache ich mir zur Vorbereitung des neuen Schuljahres bis ins kleinste Detail bewusst, wie im neuen Lebensalter der Kinder die Abläufe sein werden – was ich beibehalten und was ich ändern werde. Das Heft dient mir zur Visualisierung und Strukturierung des Schultages und hilft mir besonders am Schuljahresanfang, die Veränderungen auch konsequent umzusetzen.

Doch auch wenn ich mal nicht da sein kann und ein Kollege oder eine Kollegin mich plötzlich vertreten muss, bringt es den Kindern große Sicherheit, wenn „ihre“ Abläufe hinterlegt sind. Die Kinder kennen auch mein Heft als „Gebrauchsanweisung“ und wenn es mal zu einer Vertretung kommt, holen sie schon selbst heraus.

Andersherum ist jeder Kollege, der die Klasse nicht gut kennt, besonders froh, auch den Kindern ihren üblichen Rahmen geben zu können.

Kinder brauchen Sicherheit

Rhythmus, klare, liebevolle Abläufe und feste Bezugspersonen – das sind in der Waldorfpädagogik sehr wichtige Eckpfeiler in der Erziehung. Von daher ist so eine „Gebrauchsanweisung“ auch im Fall der Fälle sehr wichtig.

Homeschooling oder: Fliegen lernen im freien Fall – Teil 1

Unser letzter Morgenkreis für lange Zeit

Es war Freitag, der 13. März 2020. In den Tagen zuvor deutete sich schon an, dass es evt. zu Schulschließungen kommen könnte – was zu dem Zeitpunkt aber irgendwie auch so unwirklich schien. Als auch eine gewisse Corona-Sorge bei meinen Kleinen aufkeimte, war ich sehr bemüht, beruhigend mit der 2. Klasse umzugehen. In unserem letzten Morgenkreis fragten die Kinder unter anderem, wie gefährlich denn wohl „Corona“ sei, sorgten sich auch um ältere Lehrerinnen der Schule und fragten genauer nach, warum wir eigentlich seit einiger Zeit diesen „Coronagruß“ mit den Füßen beim Hereinkommen in den Klassenraum machten – anstelle des morgendlichen Handgebens.

Ansonsten war es ein Schultag wie jeder andere auch, die Spiele und Übungen rund um die 4er Reihe des kleinen Einmaleins hatten die Zeit wie im Flug vergehen lassen. Zum Abschied deutete ich aber an: „Es kann sein, dass wir uns am Montag vielleicht doch nicht sehen. Es schließen nämlich manche Schulen, damit die Menschen gesund bleiben. Wir müssen abwarten, was sein wird.“ So ging ich recht entspannt mit den Kleinen auseinander. Da ich es mir immer noch nicht vorstellen konnte, dass dies der letzte Schultag für eine lange Zeit sein sollte, dekorierte ich noch etwas den Jahreszeitentisch um. Eine Mutter kam für den wöchentlichen Putzdienst. Dann ging ich in die Aula, wo mein Sohn für das 8. Klass-Spiel probte und schaute, ob ich meinem Kollegen in dieser heißen Phase – kurz vor den Aufführungen – noch mit kleinen Dingen helfen konnte.

Die Meldung von der Schulschließung

Mittags saßen wir auf dem Rückweg von der Schule im Auto und im Radio hörten wir, dass bis zu den Osterferien alle Schulen in NRW geschlossen bleiben würden. An diesem Nachmittag setzte ich mich an den Schreibtisch und schrieb einen Wochenplan, wie meine Einmalseins-Epoche in dieser Zeit als Homeschooling weitergeführt werden konnte. Zum Glück hatte ich die ersten vier Reihen schon nach einem bestimmten Schema und im Dreischritt eingeführt, so dass dies zu Hause fortgesetzt werden konnte. Mit Tages- und Wochenplänen für die Zeit bis zu den Osterferien und die Bitte an die Eltern, mir Rückmeldungen aller Art zu geben und sehr gern Fragen zu stellen, hatte ich gefühlt einen großen Teil des Homeschoolings erst einmal sichergestellt. Nur blieb die Frage: Wie kann Homeschooling funktionieren, wenn doch das Lernen in der 2. Klasse von der Nachahmung geprägt ist??

Lernen mit Nachahmung und YouTube

Schon bald zeigte sich in den Elternmails und -telefonaten sehr deutlich, dass die Kinder besonders den rhythmischen Teil am Morgen vermissten. Nach einiger Überlegung richtete ich meinen YouTube-Kanal „Waldorflehrerin“ ein, wo ich drei Gedichte zum Mitsprechen, unser vertrautes Flötenritual und ein Lied zum Mitflöten anbot. Mein Gedanke zu dieser Zeit war: „Wenn jemand sein Kind nicht vor den Bildschirm setzen möchte, muss er das selbstverständlich nicht. Der YouTube-Kanal ist nur ein Angebot, eine Erinnerung für die Kinder an den rhythmischen Teil.“

So reagierten Eltern und Kinder

Nachdem die ersten Videos online gingen, kam es zu einer Resonanz, die ich nicht für möglich gehalten hatte. Schließlich ist ein digitales Angebot für Zweitklässler nicht gerade unkritisch zu betrachten. Eltern berichteten mir, wie sehr sich die Kleinen gefreut hatten, endlich meine Stimme wieder zu hören und etwas Vertrautes zu erleben. Mein YouTube-Angebot wurde sehr gut angenommen und bot auch für mich eine Möglichkeit, die Kinder direkt so anzusprechen, wie sie es von mir auch kennen.

Seitdem wachse ich hinein in das Thema: Digitales Homeschooling in der 2. Klasse. Fortsetzung folgt!