Die liebevolle Begleitung der Langeweile

Es sind Ferien. Das Programm des Alltags ruht. Viel mehr als sonst hört man von den lieben Kleinen „Mir ist so langweilig“, verbunden mit der Aufforderung an uns Erwachsene, für etwas Abwechslung oder Unterhaltung zu sorgen. Das ist ganz normal, denn unsere Kinder sind heute ein größeres Alltagsprogramm mit einigem an Ablenkung durchaus gewohnt. Das kann auch schon einmal fehlen. Daher möchte ich darüber schreiben, warum die Langeweile so wichtig ist und wie Du Dein Kind in dieser Situation liebevoll begleiten kannst.

Kann Langeweile unterfordern und ungesund sein?

Oftmals wird befürchtet, dass die Kinder durch Langeweile unterfordert sind und dies dann noch einmal ganz besonders die Stimmung drückt. Traurigkeit oder Wut könnten unnötig aufziehen und wären oder zu verhindern gewesen – oder?

Der Ausbruch aus dem gewohnten Alltagstrott mit seinen vielen äußeren Eindrücken kann ein Kind auch zunächst verunsichern. Daher ist es an dieser Stelle wichtig, es nicht einfach mit einem „du musst halt auch mal lernen, alleine zu spielen“ stehen zu lassen.

Wie reagieren, wenn Kinder „Entertainment“ einfordern?

Es ist ebenso richtig, nicht sofort alles stehen und liegen zu lassen, um dem Kind eine fertige Lösung anzubieten (dazu neigen wir manchmal, doch leider hemmt diese Form von Hilfsbereitschaft die Kinder auf dem Weg zur Eigenständigkeit).

Vielmehr kann man sagen: „Ich lese / ruhe / spüle jetzt erst noch ein wenig weiter. Aber ich bin hier, bei Dir, und findest sicherlich gleich etwas, das Du machen möchtest.“

Die Frage „Was brauchst du?“ kann helfen. Doch ebenso ist sie manchmal auch noch schwer zu beantworten. „Komm, wir schauen einmal gemeinsam, ob wir hier etwas finden, womit sich etwas Neues anfangen lässt.“ An dieser Stelle unterstützt man das Kind dabei, auf Dinge im Umkreis zu achten, die sonst eher übersehen werden. Man kann empathisch mitgrübeln, das Kind sollte aber selbst eine Antwort finden.

Wenig Vorgefertigtes ist hilfreich

Kinder lieben es, Dinge im Spiel zu erschaffen und zum Leben zu erwecken. Da wird aus einem Stein ein Löwe, im nächsten Moment aber auch ein Flugzeug. Jedes Ding kann alles sein. Das Schneckenband ist einmal ein Fluss, den die Tiere überqueren müssen, kurz darauf schon eine Pferdeleine für das Wildpferd.

Langeweile führt zur Selbstwahrnehmung

Wer einmal nicht durch äußere Dinge abgelenkt, sondern ganz auf sich gestellt ist, nimmt sich selbst viel intensiver wahr. Selbstwahrnehmung ist eine wichtige Erfahrung für Kinder, die heute oft zu kurz kommt: Geht es mir gut? Bin ich schon müde? Verzweifle ich? Gerade, wenn dabei stärkere Gefühle erlebt werden, ist wieder die liebevolle Begleitung wichtig. „Ich sehe dich, ich bin da.“ An dieser Stelle offenbart das Kind sehr viel von sich – und das kann sehr aufschlussreich sein. Besonders, wenn Ängste gezeigt werden, die sonst eher im Verborgenen sind. Auch daher ist es gut, einem Kind besser beizustehen, als fertige Lösungen anzubieten.

Schauen, „was geht“

Nach einem ersten Moment, an dem das Kind ganz bei sich war, kommt meist schon der Forscherdrang zutage. Was könnte man nun ausprobieren? Finger „erzählen“ sich etwas oder es werden plötzlich kleinere Gegenstände wahrgenommen und auch neu entdeckt. Dies schult den Blick für Details.

Kreativität und Fantasie

Kleine Dinge finden, in ihnen etwas Neues sehen, Geschichten und Spiele dazu erfinden – Kreativität und Vorstellungskräfte könnten kaum mehr gefördert werden.

Selbstwirksamkeit

Ich habe etwas entdeckt! Ich habe ein schönes neues Spiel erfunden! Ich habe etwas aus eigener Kraft geschafft!
Die Erfahrung von Selbstwirksamkeit ist essenziell für Kinder. Es macht sie stark. Übrigens auch und ganz besonders, wenn sie bei ihrer Suche zunächst gescheitert sind und daraufhin neue Wege ausprobieren mussten. Auch diese Erfahrungen sind wichtig.

Daher gilt besonders auch in den Ferien: Ein Hoch auf die Langeweile! Es hat nämlich seinen guten Grund, dass wir Menschen mit außergewöhnlichen Ideen gern kommentieren mit: „Sag mal, hattest Du Langeweile?“

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