Frühling!

Endlich ist er da. Heutemorgen schien die Sonne sehr hell in unseren Klassenraum, die Vorhänge blieben dabei weit geöffnet – wir haben den Frühling einfach sehr genossen. Die Fenster können aufstehen, ohne dass es kalt wird. Dafür begleitet uns Vogelgezwitscher.

Drei Klassiker: Frühlingsgedichte

Er ist`s (Mörike) – das wird unser kleines Frühlingsgedicht bis zu den Osterferien. Ich habe drei klassiche Gedichte auf praktische Kärtchen geschrieben, die man gut auf Tonpapier kleben oder laminieren kann.

Hier könnt Ihr sie gern einfach downloaden:

Märchen vom Wünschen

Passend zum Frühlingsbeginn und dem kleinen Wunschritual habe ich auch in meinem Podcast „Märchen mit Klang“ ein Märchen über das Wünschen aufgenommen: Der Arme und der Reiche. Kleiner Hinweis: Ich erzähle das Märchen so, dass das Pferd nicht mit gebrochenem Hals tot umfällt, sondern „weggewünscht“ wird.

Die Erzählversion ist hier:

Zur Podcastfolge von „Märchen mit Klang“ kommt Ihr hier:

https://montagskindblog.libsyn.com/der-arme-und-der-reiche

oder ihr schaut überall, wo es Podcasts gibt 😉

Habt eine schöne erste Frühlingswoche!

Tages- und Nachtgleiche zu Frühlingsbeginn

Heute, am 20. März 2022, ist der kalendarische Frühlingsbeginn. Die Sonne steht im Zenit und es sind Tag und Nacht exakt gleich lang. Zeit für ein schönes Ritual, das unsere Wünsche und Hoffnungen wachsen lässt wie die Saat auf den Feldern im März.

Frühling steht für Erwachen und Neubeginn

Dies kann man zur Tages- und Nachtgleiche noch einmal besonders bewusst werden lassen. Ab heute überwiegen die hellen Stunden. März ist auch die Zeit, in der die Bauern beginnen, ihre Felder zu bestellen, verbunden mit Wünschen und Hoffnungen auf eine gute Ernte. Genauso kann man auch innerlich etwas Gutes säen.

Ein kleines Ritual: Einen Wunsch säen

Sinne nach, welches Dein größter Herzenswunsch ist. Hast Du mehrere Wünsche, schreibe sie zunächst auf und stelle Dir vor, wie sie in Erfüllung gehen. Welche Wunscherfüllung brauchst Du zur Zeit am meisten? Diesen Wunsch solltest Du jetzt auch „säen“.

Dies kannst Du Dir visualisieren, indem Du ihn auf ein Stück Papier schreibst und ihn gemeinsam mit einen Samenkorn in die Erde legst. Am besten, Du wählst dazu einen Ort aus, an dem Du besonders gern bist und der Dir Kraft schenkt. Das kann ein Platz in Deinem Garten sein, ein Topf mit Erde auf dem Balkon, der Küchenfensterbank oder einen anderen schönen Ort, den Du bei einem Spaziergang gern aufsuchst.

Pflegen und wachsen lassen

Hast Du gesät, müssen Wunsch und Pflanze jetzt gepflegt werden, damit Wachstum und segensreiche Ernte möglich wird.

Du kannst den Ort, an dem Dein Samenkorn sprießt, für eine tägliche Meditation aufsuchen, damit auch Dein Wunsch gepflegt wird. Wenn Du dort bist, schließe die Augen und stelle Dir vor, wie es ist, wenn Dein Wunsch sich erfüllt. An jedem Tag erinnerst Du Dich, wie Du Dir ihn bisher vorstellst und finde ein weiteres, neues Detail für Deine Vorstellung.

Doch konzentriere Dich nicht nur auf die tiefe Vorstellung Deines Wunsches, sondern schließe die Meditation ab mit drei Dingen, für die Du heute – also an jedem Tag der Pflege – dankbar bist und spüre die Kraft, die Dir dieser Ort verleiht.

Erntedank

Zur Tages- und Nachtgleiche im Herbst, also dieses Jahr am 23.9.2022, kannst Du Erntedank feiern. Traditionell wurde beim Erntedankfest für jede Ernte gedankt – auch für noch so geringe Erträge. Alles, was Du über den Sommer empfangen hast, was gewachsen und gereift ist, verdient Dank. Doch dazu im Herbst mehr 🙂

Ich hoffe, dass Dich gerade in der jetzigen Zeit dieses kleine Ritual inspirieren konnte.

In Sicherheit

In der vergangenen Woche stand unser Familienleben etwas Kopf. Es ging sehr schnell, dass wir eine geflüchtete Frau aus der Ukraine bei uns aufgenommen haben. Da mich zu diesem Thema viele Fragen erreicht haben, fasse ich heute einmal unsere ganz persönlichen Erfahrungswerte nach einer Woche zusammen.

Unterkünfte bei Privatleuten

Bislang war die Unterbringung von Geflüchteten meist in Sammelunterkünften organisiert, Privatleute mit ihren Wohnungen und Räumen außen vor. Das ist diesmal anders. Jeder kann und darf eine Unterkunft anbieten, so dass dieses Thema auch von vielen bewegt wird und Fragen aufwirft. Insbesondere natürlich die Frage, ob man sich eine Aufnahme zutrauen kann, wenn man noch ein Zimmer übrig hat.

Wir haben uns schnell entschieden, es gab aber auch besondere Umstände

In der lokalen Presse hatten wir bereits mitverfolgt, dass in unserer Stadt die ersten Geflüchteten angekommen sind und dies über ein privates Netzwerk organisiert wurde. Zeitgleich wurde auch die Webseite Waldorf hilft Ukraine vom Bund der Freien Waldorfschulen gestartet, wo ebenfalls Hilfsangebote eingestellt werden können. So passierte bereits viel „vor unserer Haustür“, das wir aufmerksam verfolgten.

Es kreisten also unsere Gedanken schon zu dem Thema, als eine Schülerin meiner Klasse, die bei uns „um die Ecke“ wohnt, am Freitagmorgen berichtete, dass am Abend zuvor eine junge Mutter mit Kleinkind bei ihnen eingezogen war. Da habe ich zunächst den Eltern meine (nachbarschaftliche) Hilfe angeboten. Am Samstag bekamen wir dann schon die Nachricht, dass auch die Mutter der jungen Frau inzwischen geflohen sei und eine Unterkunft benötige. Der Gedanke, die Familie durch eine Unterkunft bei uns in dieser extremen Notlage wieder zusammenführen zu können, ließ uns dann ziemlich spontan als Familie die Entscheidung treffen, ein Zimmer mit eigenem Bad bei uns anzubieten.

Wir haben an diesem Samstag alle Wochenendpläne über Bord geworfen, mein Arbeitszimmer zu einem Gästezimmer umgestaltet, das Badezimmer vorbereitet und noch einen kleinen Ikea-Einkauf am Abend eingeschoben. Am nächsten Morgen erfolgten dann die letzten Handgriffe.

Die Ankunft

Bereits am Sonntagnachmittag kam unsere neue Mitbewohnerin körperlich erschöpft und emotional sehr aufgewühlt bei uns an. Noch nie in ihrem Leben war sie irgendwohin gereist und hatte nun plötzlich eine Flucht hinter sich.

Unsere Haustür war noch gar nicht wieder geschlossen, da musste mein Mann schon unser WLAN-Passwort ins Handy eingeben. Das Handy – allerwichtigstes Utensil, um in Kontakt zu bleiben. Nicht zu vergessen: Die Übersetzer App! Dabei hatte sie zuvor gar kein Handy besessen und so gab es noch kleinere Schwierigkeiten, es zu bedienen. Allerdings lieb es dabei nicht lange.

Zimmer beziehen

In unserer Vorstellung hatte sie in ihrem Koffer ihre wichtigsten persönlichen Dinge, mit denen sie sich nun einrichten würde. Weit gefehlt: Flüchten heißt, um das eigene Überleben zu kämpfen. Da hilft nichts außer Nahrungsmittel. Somit war in ihrer Reisetasche nur ein Essensvorrat, den sie sogleich im Kühlschrank aufbewahren wollte. Alle anderen Dinge, von Wäsche bis zur Seife, fehlten im Gepäck. Wir waren aber soweit auf alles vorbereitet, glücklicherweise konnte ich schnell von einer Kollegin Kleidung in passender Größe organisieren.

Anlaufstelle im Nachbarort

Nur 2 km von uns entfernt, im Nachbarort, ist von ehrenamtlichen Helfern ein Spendenlager für Geflüchtete eingerichtet worden: Von Bettzeug über Kleidung, Hygieneartikel und Lebensmittel, ist dort alles für den täglichen Bedarf kostenfrei erhältlich. Dort hätten wir auch vor der Aufnahme alles bekommen. Man wird auch sehr gut beraten und unterstützt.

Die drei waren in den letzten Tagen mit mir und auch der anderen Familie dort. Nun denke ich aber, dass sie wirklich mit allem ausgestattet sind und es ist auch nicht nötig, dass sie von dort Lebensmittel beziehen – auch wenn sie gern würden. Denn sie möchten uns am liebsten in keinster Weise zur Last fallen. Es ist ihnen nicht angenehm, plötzlich auf fremde Menschen völlig angewiesen zu sein.

Helfen und Hilfe annehmen

Da wären wir schon beim nächsten Thema. Wir erleben gerade in unserem Freundes- und Familienkreis eine große Anteilnahme – und dass jeder am liebsten etwas geben und helfen möchte. Doch hat sich herausgestellt, dass zu viele „Geschenke“ das Abhängigkeitsgefühl bei den Geflüchteten verstärken.

Unsere neue Mitbewohnerin möchte definitiv etwas zurückgeben und fragte von Beginn an jeden Tag, was denn sie für uns tun könnte. Meine erste Reaktion war: „Erholt Euch doch erst einmal, es ist alles in Ordnung, macht Euch keine Gedanken.“ Doch es war auch ziemlich schnell zu bemerken, dass dadurch die Last noch größer wurde. Inzwischen übernimmt sie kleinere Dinge im Haushalt und fühlt sich dadurch etwas wohler. Es hat sich Vieles eingespielt in den letzten Tagen.

Umgang mit Lebensmitteln

Hier hat die ganze Familie nochmal dazugelernt. Auch wenn wir immer schon darauf achten, umsichtig und wenig verschwenderisch mit Lebensmitteln umzugehen. Unsere Mitbewohnerin hat kaum etwas frisch Zubereitetes von uns angenommen, sondern aus Höflichkeit dann eine Kleinigkeit mitgegessen, sich aber weiterhin hauptsächlich von ihren Vorräten der Flucht (Sandwiches, Riegel, Konserven) ernährt. Wenn abends Tee übrig bleibt, wärmt sie ihn sich morgens auf.

Wir achten nun noch mehr darauf, dass wir keine Reste haben und dass wir vor ihren Augen nicht etwa abgestandenen Tee wegschütten.

Eindrücke in der Familie besprechen

Wie Ihr sicherlich schon zwischen den Zeilen lesen konntet, ist unsere Mitbewohnerin ziemlich zurückgezogen und bemüht, uns am besten keine Umstände zu machen. Trotzdem bekommt man natürlich mit, dass sie – vor allem abends – sorgenvoll den Kontakt zur Heimat hält und sich berichten lässt, was vor Ort geschieht. Ihr Wohnhaus existiert inzwischen nicht mehr. Gut, dass sie hier in Sicherheit ist und ihre Tochter unterstützen kann, die um ihren Mann im Krieg bangt. Schlimm, dass ihre schwer kranke Mutter aus dem Krankenhaus evakuiert wurde und sie nicht bei ihr sein kann. Inzwischen hungern ihre Eltern, es gibt nichts mehr in den Läden. Ihre Nächte sind lang und sorgenvoll.

Das, was wir davon mitbekommen, macht sehr betroffen. Wir können es miteinander in der Familie gut besprechen und auffangen. Für unsere Kinder im Alter von 13 und 16 Jahren ist es wichtig, dass wir hier etwas tun können und „unsere“ Geflüchteten in Sicherheit sind.

Auch das große Kind, das schon ausgezogen ist, erfährt natürlich, was bei uns zu Hause passiert.

Die Sprachbarriere

Wir hatten zunächst die Hoffnung, ein bisschen Englisch sprechen zu können, doch es stellte sich bald heraus, dass man in Sachen Sprache keinen gemeinsamen Nenner hat. Unsere Waldorfschule bietet auch kein Russisch an, so dass wir komplett auf die Übersetzer App angewiesen sind. Doch auch die verstehen wir immer besser 🙂

„Ich gehe mein Pferd streicheln“ heißt beispielsweise „Haare waschen“. Wir haben also auch skurrile Momente …. Ich bin oft gefragt worden, warum Russisch und nicht Ukrainisch. Sicher weiß ich es nicht, aber ich fürchte, der Übersetzer funktioniert mit Russisch etwas besser.

Behördengänge

Die hat mein Mann übernommen und musste sich in dem Dschungel erst zurechtfinden. Am Freitag gab es aber eine erste Barauszahlung an unsere Mitbewohnerin und so hat sie nun ein wenig eigenes Geld.

Es ist gut, dass mein Mann beruflich flexibel und im Homeoffice auch jederzeit grundsätzlich ansprechbar ist. Wer viel außer Haus ist, braucht zumindest ein verlässliches Netzwerk! Es ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, jemanden bei sich aufzunehmen, der sich in einem fremden Land zurechtfinden und familiär jederzeit mit dem Schlimmsten rechnen muss.

Wie es weitergeht

Genau wissen wir es natürlich noch nicht. Am allerliebsten würden die drei so schnell wie möglich in ihr Land zurückkehren. Bis das jedoch möglich ist, lernen sie Deutsch, wollen irgendetwas arbeiten und am besten eine eigene kleine Wohnung beziehen. Kurz gesagt: Wieder auf eigenen Füßen stehen.

Doch machen wir uns nichts vor: Das wird dauern. Und sie werden auch noch einige Zeit unsere Unterstützung benötigen.

Trotzdem ist heute unser Fazit: Wir sind froh, es gewagt zu haben und werden der kleinen Familie weiterhin zur Seite stehen.

Wenn das Tafelbild vor der Klasse entsteht

Heute war es mal wieder so weit: Das neue Tafelbild mit drei verschiedenen Tintenfischen ist vor den Augen der Kinder entstanden. Warum das eine schöne Sache ist, was dabei die Herausforderungen sind und weshalb es meiner Ansicht nach nicht schlimm ist, wenn mal nicht jeder Kreidestrich perfekt sitzt, könnt Ihr hier erfahren.

Das Tafelbild als Kunstwerk

Die meisten Tafelbilder entstehen bei mir am Wochenende. Ohne Zeitdruck, voll und ganz ins Malen eingetaucht. Das ist auch gut so, denn ich bin keine großartige Malerin. Da ist es praktisch, wenn man genug Zeit hat und auch mal korrigieren kann. Oft halte ich zwischendurch inne, gehe ganz nach hinten in den Raum und schaue mir aus der Entfernung den Arbeitsstand ganz in Ruhe an: Stimmen die Proportionen? Wie wirken die Farben? Ist das Gesamtbild harmonisch?

Tafelbilder sind geplant, vorgezeichnet, ich trage meist gemütliche Kleidung – die ich im normalen Schulalltag nie tragen würde – und bin dabei oft der einzige Mensch im Schulgebäude. Ist das Bild fertig und ich zufrieden, freue ich mich, wenn die Kinder am nächsten Schultag in die Klasse kommen und staunen – und die Kinder freut es ebenso. Oftmals malen sie das Tafelbild dann auch ab, um es als Titelbild auf ihr Epochenheft zu kleben oder einfach, weil sie es schön finden und auch selbst einmal malen wollen.

Den Prozess erleben

Die Kinder lassen sich gern überraschen, aber mindestens genau so schön und spannend ist es für sie, wenn sie miterleben dürfen, wie so ein Bild entsteht. Dabei können sie auch selbst mit malen, jeden Kreidestrich genau wahrnehmen und auf das eigene Bild übertragen. Auch hier gibt es immer Momente des Staunens, wenn aus wenigen Kreidestrichen etwas Schönes entsteht – und es den Kindern Schritt für Schritt auch selbst gelingt, das Motiv zu malen.

Worauf es ankommt

Malen die Kinder mit, muss das Bild einigermaßen einfach zu malen sein. So ist man als Lehrerin nicht nur selbst ein Stück weit sicher, dass das Bild auf Anhieb gelingt, sondern führt auch die Kinder zum Erfolg. Das Malen sollte auch nicht länger als 30 Minuten dauern, sonst wird es schnell unruhig in der Klasse (am Wochenende und ohne Publikum können es auch gut und gerne mal 2 Stunden und mehr sein).

Mit mehr als 30 Kindern im Raum muss man auch eigene Abstriche in Kauf nehmen – man kann nicht voll und ganz in die künstlerische Arbeit versinken, sondern muss immer auch einen Blick auf die Kinder haben: Kind A malt ganz in Ruhe für sich, Kind B kommt gerade nicht weiter und braucht ein bisschen Hilfe, Kind C schaut links und rechts, wie die anderen Kinder malen, beginnt aber selbst noch nicht…. so ist es im Schulalltag und das beeinflusst selbstverständlich auch das Malen an der Tafel. Manchmal muss dann auch unterbrochen und neu in das Bild eingefunden werden.

Perfekt unperfekt

Der eine Arm des Oktopus ist irgendwie dicker geworden als die anderen, die Krabbe sieht etwas spinnenartig aus – mit allen im Raum ist es nun einmal schwieriger, das perfekte Tafelbild zu zaubern, aber darauf kommt es auch gar nicht an. Wir Erwachsenen können Schwächen vor den Kindern zeigen, ohne uns zu blamieren. Vielmehr sind wir so authentisch. Bei den Kindern bleibt in Erinnerung: Sie konnten mittun, kleine Zeichenkniffe lernen und sich an einem schönen Gesamtkunstwerk erfreuen – Details hin oder her.

Hier eine Impression des heute entstandenen Tafelbildes

Tafelbilder bei Kaffee, Kreide, Morgenspruch

Für alle, die unseren Podcast noch nicht kennen: Das Thema Tafelbilder haben Dustin und ich vor genau einem Jahr, im März 2021, in der Folge „Tafelmalen und Formenzeichnen“ besprochen. Hier ist auch der Blogartikel dazu bzw. die Podcastfolge:

Viele kleine Schritte

Warum ich vor 6 Uhr morgens schon blogge, sich das Montagsmärchen verspätet und wie sich unsere kleine Morgenroutine mit dem Friedensritual entwickelt.

Die letzten Tage hatten es in sich und haben unseren Alltag ziemlich auf den Kopf gestellt – wenn`s mehr nicht ist! Innerhalb von 24 Stunden habe ich mein Arbeitszimmer aufgelöst und einer geflüchteten Dame zur Verfügung gestellt. Nun gilt es, Schulorganisation, Blog und Podcasts etwas zu verlagern – wenn` s mehr nicht ist!

Werte verändern sich

Es ist hier also gerade etwas turbulent und der Google Übersetzer ist unser ständiger Begleiter, Freund und Helfer 🙂 Man spürt aber schon, wie die Dinge beginnen, sich einzupendeln. Und auch, dass Werte sich verschieben. Ich bitte daher in diesen Tagen um etwas Geduld mit meinen außerschulischen Projekten.

Friedenswünsche in der Schule

Unser neues Morgenritual, die Friedenskerze anzuzünden und sie jeden Tag auf einem anderen Schülertisch aufzustellen, wird sehr gern angenommen. Danach folgt das Friedensgebet von Franziskus. Gestern haben wir auch darüber gesprochen, dass dies selbstverständlich nicht das einzige Friedensgebet ist und sich alle Religionen den Frieden wünschen. Daher spricht ab dieser Woche auch mein lieber Kollege ein muslimisches Friedensgebet für meine Klasse – erst auf arabisch, danach auf Deutsch. Wir möchten die Friedensgebete der Welt kennenlernen! Und ich hoffe, dass wir mit der Zeit auch eigene Worte finden, denn Gebete sind ja auch etwas zutiefst Persönliches. Doch eins nach dem anderen.

Für unser Freiarbeitsregal, wo es neben allgemeinen Übaufgaben auch ein Fach für Konzentration gibt, habe ich drei Mandalas erstellt, die ich auch gern hier teile:

Hier auch noch einmal die Gebetskärtchen zum Friedensgebet als Download:

Ich danke Euch für Eure Geduld!

Wieder in der Schule

Nach dem verlängerten Wochenende war heute das erste Wiedersehen mit meiner vierten Klasse. In der Zwischenzeit haben sich die Nachrichten aus dem Kriegsgebiet überschlagen. So gingen mir auch viele Fragen durch den Kopf: Wie wird das Thema bereits unter den Kindern zur Sprache kommen und wie möchte ich damit umgehen? Wer ist vielleicht sogar durch Familie und Freunde persönlich betroffen? Oder ist das Thema doch noch ganz fern?

Selbst gedanklich sortiert sein

Das war zugegebenermaßen die erste große Herausforderung, denn meine eigenen Gedanken kreisen ja auch permanent. Innerlich habe ich mich zudem auf viele Szenarien beim Wiedersehen mit den Kindern eingestellt. Von „mit der Tür ins Haus“ bis hin zu „lieber nicht“.

Türöffner: Wie beginnt man ein solches Thema?

Ich habe zuerst die Kerze angezündet und an Franzikus und seine Friedensbotschaft erinnert. Daran denken die Kinder gern zurück (Thema im zweiten Schuljahr). Und wir haben daran gedacht, dass diese wundervolle Botschaft durch alle Zeiten hinweg für alle Menschen dieser Welt bestehen blieb und bleibt, Trost spendet. Mehr noch: Diese Friedensbotschaft wird heute wieder ganz besonders gebraucht.

An diesem Punkt war die Aufmerksamkeit der Kinder sehr groß. Ein guter Moment, um selbst aufmerksam in die Runde zu blicken, wie es jedem Kind in der Klasse heute geht. Einzeln kurz wahrnehmen. Ich habe danach das Friedensgebet gesprochen, die Kinder haben es bedächtig mitverfolgt und teilweise auch schon selbst etwas mitgesprochen.

Herantasten

So war der Raum für das Thema vorsichtig geöffnet. Man konnte hineinschauen, hineingehen – oder eben nicht. Vielleicht auch noch nicht heute, aber morgen. Oder an einem anderen Tag. Die Gewissheit, dass die Möglichkeit besteht, ist da. Die Kerze und das Friedensgebet sind da. Dazwischen heißt es:

Alles kann, nichts muss.

Ein Vorbild des Friedens sein

In den Medien geht, begleitend zu den schrecklichen Kriegshandlungen in der Ukraine, gerade ganz stark die Frage um, wie wir unseren Kindern „den Krieg erklären“ sollen. Das Thema ist dabei nicht nur in den sozialen Medien präsent, sondern hat es auch in meinen täglichen Nachrichtenpodcast und in die großen deutschen Tageszeitungen geschafft. Hier sind nun meine Gedanken dazu.

Unbedingt erklären?

Es wird dabei diskutiert, wie man selbst Dreijährigen die aktuelle Lage erklären sollte. Meine Haltung dazu ist: Ich erkläre, wonach ein Kind fragt oder ich gehe sehr sensibel ins Gespräch, wenn ich erkenne, dass es das Thema gibt – wenn auch bislang unausgesprochen. Dann kann übrigens bei jüngeren Kindern eine sinnige Geschichte gut helfen.

Doch zunächst muss ich erst einmal ganz genau zuhören oder auch schauen, was die Kinder spielen. Was hat das Kind aufgeschnappt, was beschäftigt es davon? Darauf muss man eingehen. Ich muss aber kein grundsätzliches „Aufklärungsgespräch“ über Krieg führen und keinem kleinen Kind erklären, wenn es nicht gezielt nach etwas fragt (das ist meine Meinung). Wir Erwachsenen sollten unsere Gespräche und unseren Nachrichtenkonsum auch mit Bedacht handhaben, nicht vor den Augen und Ohren unserer Kinder. Ich weiß, das tut nicht jede:r, daher wird es sicherlich auch schon bei jüngeren Kindern Fragen geben. Kinder erzählen sich eben untereinander, was sie gehört haben, verarbeiten im gemeinsamen Spiel und das wird auch alles mit nach Hause gebracht. Und die Kinder spüren auch, wie es uns mit dem Thema geht. Trotzdem: Erst einmal da sein und zuhören, was dazu von den Kindern kommt und darauf kann man dann eingehen.

Gegen die Ohnmacht „Wir können da nichts tun“

Wir können etwas tun! Jeder kann ein Vorbild des Friedens sein. Frieden fängt in uns selbst an, ein bewusst friedlicher Umgang gehört in Familie, Freundeskreis und Schule bzw. Kindergarten. Darauf können wir achten. Die Kraft guter Gedanken, den inneren Frieden, an die Kinder heranzutragen, ist ein ganz besonderer Beitrag für die Zukunft.
Von daher gehören gute Gedanken, Mantren und Gebete in meinen Augen zu einem Vorbild des Friedens.

Albert Schweitzer hat es so ausgedrückt:

Gebetskärtchen als Download

Hier habe ich einmal das Friedensgebet von Franziskus von Assisi so aufgeschrieben, dass es gut von der ganzen Familie oder in der Schule gesprochen werden kann, als Gebetskärtchen zum Ausschneiden. Da wir im zweiten Schuljahr auch eine Epoche über Franziskus von Assisi hatten, ist er den Kindern als Vorbild des Friedens und der Liebe bereits bekannt. Für Kinder oder Familien, die sich noch nicht mit Franziskus näher beschäftigt haben, ist hier ein Link zu einem schönen Kinderbuch für die Kleinen (Bilderbuch, ab 3 Jahre) bzw. ein Link zu einem Buch über Franziskus, das Kinder im Grundschulalter auch gut selbst lesen können. Das ist sehr passend zum Vorlesen und Anschauen in dem Zusammenhang, aber natürlich auch kein Muss, nur eine Empfehlung. Hier die Gebetskärtchen:

Was man außerdem tun kann

Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun…. Selbst spenden, Spenden sammeln, Hilfsprojekte unterstützen und in jeder Hinsicht Vorbild sein.

7 Märchen auf einen Streich für die Faschingszeit

Allmählich zeigen sich die ersten Frühlingsboten und die Faschings- oder Karnevalszeit beginnt. Mit fröhlichen Liedern und Geschichten treiben wir den Winter endgültig aus. Welche Märchen kann man jetzt gut erzählen? In meinem Podcast „Märchen mit Klang“ habe ich inzwischen eine schöne Sammlung für diese Zeit. Hier ein kleiner Überblick für alle, die noch ein schönes Märchen zum Zuhören oder Vorlesen suchen.

Schlau und beliebt: Der gestiefelte Kater

Dieses Märchen habe ich meiner Klasse auf unserem ersten Klassenfasching erzählt und wir hatten sogar den gestiefelten Kater persönlich vor Ort (eine wundervolle Kostümierung).

Neu im Podcast: Der süße Brei

Ein kurzes Märchen, zu dem die Kinder auch gern malen und sich weiter vorstellen: Was passiert, wenn ein Topf von ganz allein Brei kocht und gar nicht mehr aufhört?

Sehr beliebt: Die Bremer Stadtmusikanten

Ein lustiger Klassiker – die Kinder lieben es, wenn die Tiere die Räuber in die Flucht schlagen.

Auch kurz und lustig: Die Prinzessin auf der Erbse

Woran erkennt man die richtige Prinzessin?

Ganz unbescheiden: Das tapfere Schneiderlein

Für die ausgedehnte Märchenzeit an Fasching: Ein Schneider macht sich selbst zum Helden und kommt weit herum. Ob er auch die Aufgaben des Königs bestehen kann?

Hier geht es rund: Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack

Eine hinterhältige Ziege, ein falscher Wirt und drei Schneidersöhne, denen von den ersten beiden übel mitgespielt wird: Ihr Weg zur Gerechtigkeit sorgt für eine lustige und auch sehr rustikale Märchenzeit.

Sorgt für gute Laune: Die goldene Gans

Auch dieses Märchen wird sehr geliebt! Wie der Dummling durch Treue die goldene Gans erhält und nacheinander die Menschen an ihr kleben, nachdem eine Feder gestohlen werden sollte.

Lernen und die Qualität der Beziehung

Viele, viele Bücher und das Internet sind voll mit Planungshilfen, -werkzeugen und Tipps für die Unterrichtsplanung. Doch so ein Schulalltag lässt sich meiner Meinung nach erst so richtig planen, wenn die Lehrperson mit den Kindern und dem Geschehen in der Klasse verbunden ist.

Sich einlassen

Erst, wenn man tief verbunden ist und sich einlässt, kann man einen echten Plan für die Kinder entwickeln. Man erkennt, was sie gerade brauchen, um beim Lernen einen Schritt weiter zu kommen. Nein, vorab muss man sehen, welcher Schritt überhaupt ansteht. Kurz- und langfristige Ziele verfolgen.

Entwicklung sehen

Wenn Kinder und Lehrer:in jahrelang miteinander in Beziehung stehen, können die Entwicklung und die Möglichkeiten eines jeden Einzelnen am besten gesehen werden. Manches braucht tatsächlich einen Zeitraum über Jahre. Gut, dass wir acht Jahre haben!

Wer gestaltet den Lehrplan?

Unser Waldorflehrplan gibt bestimmte Inhalte vor, in Verbindung mit den allgemeinen Entwicklungsschritten der Kinder. Es hat seinen Grund, warum bei uns in der vierten Klasse die Bruchrechnung eingeführt wird und nicht in der sechsten Klassen wie allgemein üblich. Es hat aber auch seinen Grund, warum es im ersten Schuljahr fast das ganze Jahr dauert, bis beim Lesen und Schreiben alle Buchstaben und Doppellaute an die Kinder herangetragen werden.

Und inmitten dieser „allgemeinen Stoffverteilung“ stehen nun wir Lehrer:innen und haben dabei so einigen Freiraum, den Lehrplan an unsere Klassen heranzutragen – und nicht umgekehrt. Die Kinder gestalten also meine Epochenpläne unbewusst mit, denn die Auswahl von passenden Methoden, richtigen Zeitpunkten und Dauer von Unterrichten treffe ich mit Blick auf die Klasse.

Kinder kennenlernen

Hauptsächlich wird man natürlich im Schulalltag mit den Kindern vertraut, in der Interaktion und Beobachtung – beim gemeinsamen Tun, aber auch in ruhigen Eigenarbeitsphasen. Als Klassenlehrer:in ist man hier Ansprechpartner:in Nummer 1. Doch auch bei Hausbesuchen lernen wir unsere Schüler:innen und ihre Familien näher kennen und so weitet sich der Blick. Eine Berührung mit dem kindlichen Schicksal findet statt.

Am Ende des Tages

….entwickelt man nicht nur einen Plan, sondern sieht eine ganz besonders große Aufgabe.