Allein vorn an der Tafel

Aber nicht alleingelassen! Dass auch mal von einzelnen Kindern etwas vor der Klasse präsentiert oder ausprobiert wird, gehört zum Schulalltag. Damit es nicht in Stress umschlägt, sollte auf einige Dinge geachtet werden.

Rückblick in meine eigene Schulzeit

Ich wurde als Schülerin meist nicht gefragt, ob ich nach vorn an der Tafel vor allen anderen Kindern etwas vorrechnen oder schreiben möchte. Besonders in Mathe habe ich mir die allergrößte Mühe gegeben, mich so unauffällig wie möglich zu verhalten, um bloß nicht vom Lehrer entdeckt und aufgefordert zu werden. Die Gefahr, bloßgestellt zu werden, war in meinen Augen doch ziemlich groß. Nicht selten haben Lehrer einen auch mal schmoren lassen, wenn man nicht weiter kam oder es gab den einen oder anderen hämisch klingenden Spruch.

Etwa 30 Jahre später…

In meinem Klassenraum soll auch an der Tafel vorgerechnet werden. Manche Kinder möchten gern einmal wie ich da vorn stehen und vor allem ist der Wunsch groß, auch mal etwas mit der Kreide für alle an die Tafel zu schreiben.

Andere Kinder schauen sich das lieber erst ein paarmal an, melden sich aber nach einiger Zeit dann auch von selbst. Wieder andere sind und bleiben ruhige Beobachter.

Alles das ist in Ordnung.

Frag doch einmal die anderen…

Das Kind, das vorn an der Tafel steht, ist nicht allein mit der Aufgabe. Es darf jederzeit die anderen Kinder fragen, wenn es nicht weiter kommt oder es sich nicht sicher ist. Die anderen Kinder zeigen dann auf und werden vom Tafelkind drangenommen.

Wenn die Kinder dann mit eigenen Worten ihren Lösungsweg oder ihre Vorgehensweise erklären, geht nicht selten auch noch hier und da im Raum ein weiteres Lichtlein auf.

Fehlerkultur

Passiert ein Fehler, melden sich manche Kinder sogleich per Handzeichen, wenn er ihnen aufgefallen ist. Mehrere Handzeichen im Raum können also ein Hinweis sein, dass an einer Stelle noch nachgebessert werden muss. Wir warten aber erst noch ab, ob das Tafelkind den Fehler selbst bemerkt. Manchmal hilft hier auch ein kleiner Tipp meinerseits.

Für die anderen Kinder ist es übrigens auch sehr spannend, die Denkweise hinter bestimmten Fehlern zu erforschen und dadurch ihren eigenen Lösungsweg noch klarer zu sehen.

Fehler sind erwünscht, denn sie können weiterhelfen.

Entspanntes Lernen hilft

In einer gewachsenen, vertrauten Gruppe, in der entspannten Lernkultur, mit gutem Umgang untereinander, ist viel Raum für Entwicklung geschaffen.

Spiele mit häufigen Fehlerwörtern

Wie viele Wörter hat die deutsche Sprache? In Duden finden sich rund 150.000 Stichwörter, aber mit den verschiedenen Wortformen, „eingedeutschten“ Wörtern aus anderen Sprachen sowie sich stets wandelnden Wortkreationen wird die Zahl der deutschen Wörter laut Schätzungen drei bis viermal so groß sein. Und doch findet man Listen mit Wörtern, die besonders häufig verwendet werden. Ich habe 100 dieser Wörter, darunter einige Fehlerwörter, zu Lernkärtchen zusammengesetzt und mit meiner Klasse spielerisch die Rechtschreibung verbessert.

Die Vorarbeit: Zehn am Tag

Oft sind es kleine Wörter: Konjunktionen, Präpositionen, Pronomen usw. Wann schreibt man „im“, wann „ihm“? Begriffe wie „Fahrrad“ oder „vielleicht“ sind Fehlerquellen. Man schreibt den „Morgen“ groß, die Zeitangabe „morgens“ aber klein. Die deutsche Sprache hat so manche Tücken.

Jeden Tag und mit nur wenigen Minuten Zeitaufwand habe ich meiner Klasse zehn dieser Begriffe diktiert und anschließend an die Tafel geschrieben. Dabei konnten die Kinder sich selbst überprüfen und wurden bei der Nachbesprechung auf Fehlerpunkte aufmerksam. Zehn Wörter am Tag lassen sich gut üben – und damit dauerhaft Fehler vermeiden.

Nach 10 Tagen und 100 Wörtern wurden dann die Wörterkärtchen gebastelt, die Ihr auch hier auf dem Bild seht. Man kann sie auf Tonpapier kleben, viele Kinder haben sie aber auch laminiert.

Vorlage ohne „Montagskindblog“-Aufdruck bei Eduki und mit „Montagskindblog“-Aufdruck zum Selberbasteln als kostenloser Download:

Lernen durch Spielen

Wie übt man nun diese Wörter, von denen viele einzeln nicht viel Sinn ergeben. Begriffe wie „Fahrrad“, „vielleicht“ oder „bisschen“ lassen sich besser üben als Wörter wie „als“, „geht“ oder „sah“. Die brauchen meist einen Gesamtzusammenhang. Daher gab es zu diesen Wörtern während des Homeschoolings in Klasse 3 auch schon eine tägliche Übung mit Mini-Diktaten (Eduki-Link hierzu).

Jetzt üben wir sie aber noch gezielter, ohne Sätze drum herum, sondern ganz im Fokus – und das, ohne sie reihenweise hintereinander zu schreiben. Es klappt sehr gut, die Erfolge stellen sich ein und daher stelle ich Euch diese Spiele hier gern einmal vor. Sie eignen sich auch sehr gut für LRS-Kandiat:innen.

Wörter Bingo

Die Kinder bekommen ein Spielfeld und tragen in die 16 Felder 16 beliebige Wörter unserer Sammlung ein. Dazu dürfen sie auch die Lernkärtchen verwenden. Auf diesem Wege lesen sie die Wörter besonders häufig, so dass sie sich einprägen.

Sind die Felder ausgefüllt, kann es losgehen. Ich wähle meinerseits beliebige Wörter dieser Liste aus, sage sie den Kindern und sie schauen dann, ob das Wort auf ihrem Kärtchen zu finden ist. Ist dies so, umkreisen sie es mit einem Buntstift.

Ich schreibe meinerseits das Wort noch einmal an die Tafel, so dass wir eine Liste bekommen und Doppelungen vermeiden. Zugleich sehen die Kinder nochmals das geschriebene Wort. Sie sollen dabei auch selbst ihre Schreibweise überprüfen.

Wer zuerst drei der genannten Wörter in einer Reihe hat (horizontal, vertikal oder diagonal), hat ein „mini Bingo“ und darf dies in die Klasse hineinrufen. Ich lasse dann meine kleine Tischklingel stürmisch klingeln 🙂 und schaue mir auch schnell das Kärtchen an. Bei vier Wörtern in einer Reihe ist es übrigens ein „maxi Bingo“ oder „big Bingo“.

Ein „über“ zu viel – die Kinder achten streng auf Doppelungen.

Übrigens habe ich dieses Bingospiel bereits in Klasse 1 eingeführt, nachdem wir schon die meisten Buchstaben kennengelernt hatten. Die Kinder haben dann einfach Großbuchstaben ihrer Wahl in die Felder eingetragen und ich habe Wörter gesagt, z.B. „Apfel“ – dann mussten sie in ihrer Liste das A suchen – oder „König“ , dann war das K gesucht. Allerdings hatten die ersten Bingofelder nur 3×3 und 3×4 Felder. Ich habe dann für mich die genannten Wörter mitgeschrieben.

Hier ein Download zum Bingo Spielfeld:

Vier gewinnt Diktat

Dies ist eine Partnerarbeit, die ich auch gern zu Beginn der Mathe-Übstunde spielen lasse, die Grundidee stammt von Hendrik Simon . Aber dazu gleich mehr.

Auch bei diesem Spiel werden nacheinander Felder besetzt, bis man vier Felder in einer Reihe hat. Doch es darf nur gesetzt werden, wenn man ein diktiertes Wort richtig geschrieben hat. Ist es falsch geschrieben, ist das gewünschte Feld für diese Runde blockiert, das Kind darf aber an einem anderen Feld nochmals sein Glück versuchen.

Durch unsere Lernkärtchen und auch das Wörterbuch ist die Schreibweise der Wörter überprüfbar – und soll auch selbst überprüft werden.

In Mathe stellen sich die Kinder gegenseitig Einmaleins-Aufgaben. Es ist einfach praktisch für alle Dinge, die geübt werden müssen und als Partnerarbeit sehr geeignet.

Auch hier habe ich das Spielfeld als Download für Euch. Ich habe es in der Schule auf halbe Größe kopiert, so dass zwei Spielfelder auf ein DIN A4 Blatt passen. Je 2 Kinder benötigen dann ein Spielfeld.

Wörter TicTacToe

Das anspruchsvollste Spiel ist das Wörter TicTacToe. Hier wird auch wieder in Partnerarbeit und abwechselnd ein Wort gesucht, dessen Anfangsbuchstabe zuvor ausgelost wird. Möchte man setzen, muss man ein für das Feld passendes Wort richtig aufschreiben. Drei gewonnene Felder in der Reihe sind das „TicTacToe“.

Kategorien und das Beispiel „K

  • Anlaut: „König“
  • Verb: kaufen
  • Anlaut + tz in der Mitte: Katze
  • 3 Silben: Ker-zen-wachs
  • Laut in der Wortmitte: Pauke
  • Anlaut + ck in der Mitte: Kicker
  • Endlaut: Stock
  • 2 Silben: Ki-wi
  • Nomen: Kapitän

Das Spielfeld zu unserem Wörter TicTacToe kannst Du hier downloaden:

Rosinas Wortsalat

Zu guter Letzt ein sehr beliebtes Spiel für alle Rosina-Fans und die, die es noch werden 😉

Das Spiel kann man ab Klasse 2 gut spielen. Der Schwierigkeitsgrad ist ja beliebig ausbaubar: Von einfachen über schwierige Wörter, bis hin zu ganzen Redewendungen.

Und so funktioniert es:

Die Montag – Mittwoch – Balance

In diesem Schuljahr ist der Montag immer gleich der rasante Start in die Woche – das ist schon ganz nach meinem Geschmack, schließlich fing bei mir an einem Montag alles an… Der Gegenpol dazu ist in diesem Schuljahr der Mittwoch, für mich ein kurzer Schultag, an dem ich schon um 12 Uhr meine Unterrichte erledigt habe. Als Tag vor dem langen Donnerstag halte ich ihn mir möglichst frei von Terminen und festen Verpflichtungen.

Zwei gegensätzliche Tage in meinem Wochenverlauf – ich lieb`s

Tag der Komfortzone

Streng genommen unterscheidet sich der Mittwoch gar nicht so sehr von den anderen Tagen. Die üblichen Aufgaben wie Unterrichtsvorbereitungen, Emails, Schulleitungskommunikation – all das findet natürlich auch und im vollen Umfang am Nachmittag statt.

Da ich aber früh zu Hause und bewusst frei von Terminen oder anderen festen Verpflichtungen bin, nehme ich mir an diesem Tag immer wieder kleine, achtsame Pausen und genieße die Besonderheiten dieses Tages. Das beginnt schon damit, dass ich ganz in Ruhe für uns alle kochen kann. Wenn die Kinder dann von der Schule zurückkommen, ist alles fertig für ein gemütliches, gemeinsames Mittagessen. Auch mein Mann hat seine Mittagspause.

Nach dem Essen wieder etwas Arbeit – dann alle elektronischen Geräte an die Seite für eine Tee- und Spielezeit. Weitere Arbeitszeit, dann ein kleiner Spaziergang. Schauen, was an Nachrichten und Emails gekommen ist – dann Querflöte üben und alles für den nächsten Tag packen.

Haltgebende Wochenstruktur

So eine Wochenstruktur ist ja überhaupt nichts Neues und gibt uns allen schon immer Halt. Meist hat man das gar nicht so wirklich wahrgenommen. Wahrscheinlich genieße ich in letzter Zeit den Mittwoch so sehr, weil um mich herum wieder mal alles im Corona-Chaos versinkt und der gewohnt ruhige Tag zu Hause einfach ein Fels in der Brandung ist.

Work-Life-Balance oder Montag-Mittwoch-Balance.

Aufsätze schreiben ist wie schwimmen lernen

In Klasse 4 werden die Anforderungen an die Kinder immer komplexer. Die erlernten Fähigkeiten werden nun noch mehr miteinander verbunden. Unsere aktuelle Epoche heißt „Freies Schreiben“ und darüber möchte ich hier berichten. Im Gespräch mit der Klasse haben wir das freie Schreiben mit dem Schwimmenlernen verglichen.

Wassergewöhnung

Sich ganz dem Element Wasser hinzugeben, das gelingt nicht jedem gleich. Viele Kinder müssen sich daran erst noch gewöhnen, obwohl sie Wasser an sich schon immer kennen. Und auch die Buchstaben, Silben, Wörter und Sätze können zu einem regelrechten Meer werden. Wer gern erzählt und sicher schriftliche Aufgaben erledigt, erlebt es nicht unbedingt genauso locker, wenn die gedachten Worte und Geschichten plötzlich zu Papier gebracht werden sollen. Nicht selten kostet es Überwindung, die eigenen Gedanken nicht nur für andere hörbar, sondern auch durch die Schrift sichtbar zu machen. Wie hört es sich an, wenn jemand anderes meine erdachten Sätze ausspricht? Sind alle Wörter richtig geschrieben? Kann überhaupt meine Handschrift gut gelesen werden? Auch das freie Schreiben kostet Überwindung und braucht Mut, wie der erste Sprung vom Beckenrand, das sollte nicht vergessen werden. Da gilt es, zunächst eine einfache Struktur aufzubauen und die Anforderungen übersichtlich zu halten.

Erste Trockenübungen

Hampelmannsprünge am Beckenrand – die Bewegungen werden zunächst außerhalb des Wassers geübt. Und auch die Kinder lernen erst einmal die Buchstaben kennen, schreiben bald erste Wörter ab, nachdem sie sie gelesen haben und können dann auch Wörter nach dem Gehör oder auch schon auswendig aufschreiben. Sie werden an die ersten Rechtschreibregeln herangeführt, die Hörwörter, Nachdenkwörter und Merkwörter. Das ist der erste Schritt.

Mit der Poolnudel ins Wasser

Was draußen am Beckenrad geübt wurde, darf jetzt im Wasser probiert werden. Die Poolnudel gibt dabei noch schützende Sicherheit. Auch beim Schreiben werden die ersten Sätze von der Tafel abgeschrieben und bald darauf Lückentexte eigenständig mit Wörtern gefüllt. Der nächste Schritt ist nun, Fragen mit eigenen Worten in ganzen Sätzen zu beantworten.

Die erste Bahn ohne Schwimmhilfe

Wie aufregend, besonders und frei fühlt es sich an, die erste Bahn allein im tiefen Wasser geschafft zu haben. So erleben auch die jungen Schreiber:innen ihren ersten eigenen Aufsatz:

  • Die Kinder machen sich Gedanken zu ihrem Thema oder kleine Fantasiegeschichte und diese werden geordnet (hier habe ich mit Postern und Aufsatzkärtchen gearbeitet, siehe unten)
  • Daraus werden Sätze formuliert
  • und in Sinnzusammenhang gebracht,
  • eine erste Gliederung in Einleitung, Hauptteil und Schluss eingehalten
  • auf die Rechtschreibung geachtet und auch eigenständig ein Schema zur Rechtschreibkorrektur angewandt (Bei uns: Groß-/Kleinschreibregeln, Übung der 100 häufigsten Fehlerwörter – hier auch Material von mir auf Eduki: Übungsheft mit 30 Minidiktaten und der Umgang mit dem Wörterbuch).
  • Stets wird auch auf ein sorgsames Schriftbild geachtet.

Ja, es sind erst einmal nur kleine Aufsätze und meist nur wenige Sätze. Doch so ist ein solider Anfang gemacht. Sicherheit und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten werden durch die regelmäßige Übung gewonnen.

Schwimmtraining, Kopfsprung, Wellenbad

Die gewonnene erste Sicherheit ist ausbaufähig. Die Texte werden umfangreicher, die Inhalte nicht nur nach vorhandenem Wissen, sondern auch nach Recherchen erstellt. Es gibt nicht mehr nur einen Aufsatz, sondern ein Gesamtwerk mit kleinen und später größeren Kapiteln.

Paddeln auf dem Fluss, schwimmen im großen Meer

Irgendwann ist die Rechtschreibung erkennbar sicherer, der eigene Korrekturaufwand der Schüler:innen dadurch nicht mehr so groß. Das Formulieren ist geübt, Satzbau und Grammatik ebenso routinierter. Inhalte werden jetzt zunehmend mit recherchiertem Wissen angereichert.

Zurück zum Start

Auch unser Anfang ist gemacht, die ersten Bahnen sind geschwommen, Sicherheit wurde gewonnen und das nächste große Ziel befindet sich bereits in Sichtweite: Ein kleines Tierbuch soll in der Tierkundeepoche selbst geschrieben werden: Startsprung und auf in die ersten Wellen!

Downloads für Euch

Erste Gliederung eines Aufsatzes:

Ein Themenplakat von mir zu Jahresbeginn, das ich auf A4 gedruckt und dann auf A3 hochkopiert habe: Die Reise durch das neue (Schul-) Jahr:

Die kleinen Themenkärtchen dazu:

Das ganze Material bei EDUKI hat als weitere Themen ein Fest zu planen, das Lieblingsbuch vorzustellen, Haustierwünsche zu durchdenken und Ferienpläne zu schmieden. Es besteht aus fünf Postern und insgesamt 80 Lernkärtchen. Hier die Übersicht:

Die Glücksperlen der Eiselfe

Manchmal mache ich mir lange Gedanken, wie ich ein schönes (neues) Ritual für oder mit den Kindern meiner Klasse gestalten kann. Und dann gibt es auch wieder Rituale und Traditionen, die entstehen einfach so, ganz von selbst, mit den Kindern. Die Glücksperlen zum Jahresanfang sind ein Beispiel dafür.

Als ich gestern meinen Klassenraum für die Zeit nach den Weihnachtsferien vorbereitet habe, kam die beliebte Eiselfe wieder zum Vorschein. Sie ist Teil des winterlichen Jahreszeitentischs und bringt eine schöne Erinnerung mit. Unsere Eiselfe zeigt sich in einer Schneelandschaft. Als ich sie zum ersten mal für meine Klasse dekoriert habe, fand ich vorher zufällig in einem Geschäft kleine glitzernde Streuperlen. Diese habe ich dann auf dem weißen Samtstoff mit dekoriert.

Als die Kinder sie beim Betrachten des Jahreszeitentisches entdeckten, dauerte es nicht lange und ich wurde gefragt, ob man sich nicht vielleicht so eine schöne Perle als Erinnerung mit nach Hause nehmen dürfe. Da es Jahresanfang war und ich die Faszination der Kinder für die Perlen sah, wurden kurzerhand „Glücksperlen für das neue Jahr“ daraus. Jedes Kind durfte sich eine Perle aussuchen und für sich aufbewahren.

Im letzten Jahr haben wir uns nach den Weihnachtsferien erstmals im Frühjahr wiedergesehen, der Lockdown war sooo lang und die Eiselfe passte einfach nicht mehr in die Jahreszeit. Umso mehr freue ich mich jetzt auf Montag, wenn die Perlen endlich einmal wieder auf dem Jahreszeitentisch liegen werden.

Dazu gibt es einen Neujahrspunsch und unserer Schreibepoche beginnt mit dem ersten Thema „Meine Reise durch das neue Jahr“. Ich freue mich darauf!

Spruch zum Auswählen der Perle

Es beginnt das neue Jahr,
mit Winterträumen, wunderbar.
Eiselfe fliegt über das Land,
streut glitzernde Freuden mit zarter Hand,
Eisblumen, Perlen auf weißem Schnee.
Es schlummert die Erde, es ruht der See.
Finde Du auch Deine Spur voll Glück –
wähl´ die erste Perle in Deinem Blick.

Auf ins neue Jahr

Am Anfang braucht man Mut, um am Ende glücklich zu sein.

Ich wünsche Euch ein sonniges und glückliches neues Jahr! Schön, dass Ihr alle hier seid meine Blogbeiträge lest, rund 44.000 mal im vergangenen Jahr. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken.

Was auch immer das neue Jahr für uns bereit hält:

– lasst es uns annehmen

– für uns verwandeln

– und daraus neue Pläne schmieden

Auf ein gutes Jahr 2022

Mein erstes Bild vom Morgen des 1. Januar 2022: Die Neujahrssonne

Ein Weihnachtsmärchen gemeinsam erklingen lassen

Ich habe für meine Musik-Klassen 1 und 2 ein kleines Weihnachtsmärchen geschrieben, das man, von Klang begleitet, erzählen kann. Es ist für pentatonische Instrumente gedacht, im Text kommt die Kinderharfe (kleine Leier) vor. Das Märchen kann aber auch mit der Flöte oder dem Glockenspiel erzählt werden. Ihr könnt die Geschichte ab dem 20.12.21 im Podcast „Märchen mit Klang“ anhören und auch den Text für Euch selbst kostenlos downloaden.

Weihnachtszeit ist Märchenzeit

Gerade die letzten Unterrichtsstunden vor den Weihnachtsferien werden in den unteren Klassen sehr gern genutzt, um in weihnachtlicher Stimmung und Vorfreude schöne Geschichten zu erzählen. Die Kinder wollen aber nicht nur lauschen, sondern auch selbst tätig werden. Oftmals wird gemalt, im Musikunterricht stehen selbstverständlich die lieb gewordenen Instrumente und Klänge im Mittelpunkt.

Die Instrumente sind variabel

In dem Text geht es um die Kinderharfe, man kann die Geschichte aber ebenso mit der „himmlischen Hirtenflöte“ oder den „Engelsglöckchen“ (Glockenspiele) erzählen. Das Wichtigste ist, dass es sich um pentatonische Instrumente handelt, denn diese klingen immer harmonisch.

Bei der Arbeit mit den Kindern nehme ich in Klasse 1 die pentatonischen Glockenspiele oder Handspiele, auch die Kinderharfe wird geliebt. Klasse 2 kennt bereits alle sieben Töne der Flöte und kann auch hiermit schon mitspielen.

Über die Geschichte

Ein armer Hirtenjunge wacht mit seiner kleinen Schafherde in der Nähe der Stadt Bethlehem am Lagerfeuer. Die Nacht ins finster, bis ihn plötzlich ein leuchtender Stern mit seinem Licht zum Feld lockt. Dort findet er eine kleine Harfe, ein himmlisches Instrument. Doch zunächst spielt diese nur einen Ton. Mit der Zeit schenkt der Himmel dem Hirten immer mehr Töne, je zuversichtlicher er sich von dem Stern leiten lässt.

Wiederholend erzählen

In meinen Stunden mit den Kindern erzähle ich das Märchen zweimal: Beim ersten Mal dürfen die Kinder lauschen, die Geschichte und Klänge dazu kennenlernen. Danach haben sie meist selbst den Wunsch, das Ganze noch einmal zu hören und mitzumachen.

Im zweiten Durchgang spielen die Kinder dann also schon mit. Dabei erlebe ich sie sehr aufmerksam und ganz eingetaucht in die inneren Bilder.

Die Geschichte lebt sowieso von der Wiederholung und ist daher auch für den rhythmischen Teil an den Schultagen vor den Weihnachtsferien geeignet.

Hier verfügbar

Den Text könnt Ihr hier kostenlos downloaden:

Direkt anhören

Vorlesezeit im Advent

Vorlesen ist wichtig für die kindliche Entwicklung. Es gibt keine schönere Weise, einen umfangreichen Sprachschatz aufzubauen, das konzentrierte Zuhören zu üben, das Vorstellungsvermögen zu erweitern und sowieso die Beziehung zueinander durch gemeinsam verbrachte Zeit zu stärken. In der dunklen Jahreszeit ist die Vorlesezeit – so mein Empfinden – nochmal intensiver, wenn durch Kerzenschein, Plätzchenduft und kuschelige Decken die Sinne in der typischen vorweihnachtlichen Wohlfühlatmosphäre angesprochen werden.

Vorlesen und Erzählen in der Schule

Auch in der Schule wird viel vorgelesen. In manchen Klassen im Rahmen einer Vertretungsstunde, in der eigenen Klasse – je nach Alter – darf es auch eine größere, zusammenhängende Geschichte sein, die Tag für Tag weiter vorgelesen oder auch frei erzählt wird.

Meine Auswahl in der Vorweihnachtszeit

Ich möchte Euch hiermit eine Auswahl meiner Lieblingsbücher vorstellen. Dies ist übrigens keine beauftragte Werbung, jedes Buch habe ich selbst gekauft.

  • Tomte Tummetott (Astrid Lindgren): Dieses liebevolle Buch um den Winterwichtel Tomte eignet sich in der ersten Klasse für eine schöne Vorlesestunde, kann aber auch problemlos über mehrere Tage wiederholend vorgelesen – auch mitgesprochen und gespielt – werden.
  • Marias kleiner Esel (Gunhild Sehlin): Zu diesem Buch habe ich in der zweiten Klasse die ganze vorweihnachtliche Epoche gestaltet. Die Kinder haben zu der Geschichte jeden Tag gemalt und einige erzählende Sätze geschrieben. Das Gesamtwerk war das Weihnachtsgeschenk für die Eltern.
  • Sankt Nikolaus (Jakob Streit): Im Rahmen des Erzählstoffs der zweiten Klasse, die Heiligenlegenden, eignet sich dieses Büchlein ganz besonders. Es braucht auch einige Tage, um die Lebensgeschichte des heiligen Sankt Nikolaus in der Nikolauszeit zu erzählen oder vorzulesen.
  • Das Licht in der Laterne (Georg Dreißig): Dieses Buch habe ich in Klasse als tägliche Adventskalendergeschichte vorgelesen und mit einer Legearbeit (Tücher, Steine, Figuren) begleitet.
  • Vom Osten strahlt ein Stern herein (Geschichtensammlung): Dieses Buch ist eine ganz wundervolle Sammlung adventlicher Geschichten für viele Altersklassen und bei mir sowohl in Religionsstunden, als auch Vertretungsstunden im Einsatz.
  • Friede auf Erden (Selma Lagerlöf): Auch dieses Buch ist eine kleine Sammlung mit den schönsten Weihnachtsgeschichten von Selma Lagerlöf, Einsatz eher im Bereich der Mittelstufe.

Ich hoffe, ich konnte Euch mit dieser Auswahl einen schönen Einblick in die weihnachtliche Vorlesezeit meines Schulalltags geben und freue mich auch über Eure Fragen und Empfehlungen. Auf Instagram kamen bereits viele weitere schön Buchempfehlungen, die ich einem Button meines Profils @waldorf.lehrerin gesichert habe.

Der mit Sternen gedeckte Apfelkuchen

Winterzeit ist Backzeit: Ofenwarm genießen, Plätzchen- und Kuchenduft im Haus. Bei uns sind gerade die winterlichen Jahresfeste – von St. Martin, über Adventsgärtlein bis Dreikönig – mit bestimmten selbstgemachten Delikatessen verbunden. An diesen Traditionen ändert sich auch dann nichts, wenn die Kinder irgendwann älter werden und die Feste nicht mehr aktiv feiern – am Esstisch kehren dennoch die schönsten Erinnerungen zurück.

Passend zum Adventsgärtlein am Wochenende habe ich nun den mit Sternen gedeckten Apfelkuchen, den auch meine Teens noch sehr lieben. Dazu passen übrigens auch die Punschrezepte ganz hervorragend. Beides wird es auch am Freitag wieder bei uns geben, ist schließlich Tradition und wird schon fest erwartet 🙂

Die Zutatenliste für den Kuchen

  • Äpfel
  • (pflanzliche) Butter
  • Dinkelmehl 630
  • Zucker
  • abgeriebene Schale einer Zitrone
  • Puddingpulver Vanille
  • (pflanzliche) Sahne
  • Prise Salz

So wird`s gemacht

Download

Du möchtest das Rezept lieber downloaden und ausdrucken? Kein Problem, hier ist es:

Ich wünsche eine genussvolle Adventszeit und viel Freude beim Backen!

Die Vorbereitung einer neuen Epoche

Eine sehr anspruchsvolle Vorbereitungszeit liegt hinter mir, wird aber auch noch reflektiert und weitergeführt: Ich habe mich in den letzten Wochen intensiv mit dem Erzählstoff der nordischen Götter- und Heldensagen auseinandergesetzt, mit Runen, dem Stabreim und Flechtbändern. Im Vorfeld war ich wenig vertraut mit diesem großen Thema.

Warum nordische Mythologie? Auf die innere Stärke kommt es jetzt an!

Bei allem, was man als (Waldorf-)Lehrende tut, sollte man genau wissen, warum genau dies jetzt ansteht, d.h. welchen Nutzen die Kinder in ihrem aktuellen Entwicklungsalter davon haben. Die Waldorfpädagogik ist darauf ausgerichtet, die kindliche Entwicklung zu unterstützen und damit weitere Lernvoraussetzungen zu schaffen. Dabei geht es in Klasse 4 verstärkt um die eigene Willensbildung, das Erleben und Wahrnehmen der eigenen – inneren und äußeren – Stärke, die Herausbildung der Persönlichkeit.

Die nordischen Sagen lassen ein rauhes, kraftvolles Schaffen erleben. Ganz neue, gewaltige und gleichsam faszinierende innere Bilder entstehen bei den Erzählungen. Die Stabreim-Übungen erfordern anhaltende Körperspannung und koordinierte Bewegung, dazu eine deutliche, laute Aussprache.

Wir singen das Lied „Yggdrasil“ und erleben wiederum eine „nordische Stimmung“, hören und üben die schwedische Aussprache, die so ganz anders ist als unsere bekannten Sprachen. Es ist so viel Energie im Raum.

Die Geschichte zur Entstehung der Runen ist magisch. Und ebenso geheimnisvoll die Zeichen. Wir lernen eine Geheimschrift!

All das stärkt die innere Sicherheit der Kinder und damit ihre Tat- und Willenskraft. Die anderen Unterrichtsinhalte werden in diesem Schuljahr ebenso komplexer und erfordern genau dies. Die Auseinandersetzung mit mehrschrittigen Rechenverfahren im großen Zahlenraum, die Bruchrechnung, Grammatik- und Rechtschreibregeln bewusst anwenden, Zeitformen erschließen und so viel mehr.

Vorbereitung am Schreibtisch?

Auch. Aber nicht nur. Ich musste die Stimmung zunächst bei mir selbst erleben: Ich habe das Lied gesungen, auf Klavier und Gitarre gespielt, verschiedene Bücher gelesen, die inneren Bilder wirken lassen. Ich habe gemalt, Stabreim geübt. Im Kollegium nachgefragt, mich korrigieren lassen, habe weiter an mir gearbeitet. Mir diese Epoche errungen. Denn mit nordischer Mythologie hatte ich mich bislang wenig befasst.

Welche Schritte braucht es, eine Epoche zu planen?

Dies hier gilt natürlich für alle Epochen, war aber mal wieder besonders intensiv für mich bei dieser.

  • Mit dem Rhythmischen Teil anfangen, sich selbst einstimmen: Lieder, Rezitationen, Bewegungen üben. Bei mir zumindest findet der erste Zugang über künstlerische Übungen statt.
  • Die Inhalte weiter erschließen. Auch hinterfragen: Stehe ich dahinter? Kann ich mit Überzeugung und Sicherheit alle Inhalte vermitteln? Insbesondere mit den Runen musste ich mich klar auseinandersetzen.
  • Literatur, Literatur. Lesen, lesen, lesen. Die eigenen inneren Bilder erleben und schärfen. Genau das finden, das zu mir passt, mit dem ich arbeiten kann.
  • Epochenhefte, Mappen usw. vorbereiten – so, wie die Kinder es erarbeiten sollen. Den Arbeitsaufwand selbst zu erleben, ist ebenso wichtig.
  • Den Klassenraum passend dekorieren, ein Tafelbild malen.

Nach dem Startschuss

Der Anfang ist zu meiner großen Freude und Erleichterung gelungen, das Interesse der Kinder geweckt. Nun gilt es, dies zu bewahren und zu vertiefen. Jeden Tag auf`s Neue.

Lehrerin als Lernende

Die Kinder erleben dabei eben auch mich als „ewig Lernende“. Gerade in dieser Epoche spüren sie, dass ich nicht in die Klasse gehe und „mal eben“ erzähle und zeige, was ich schon eh lange weiß und kann. Auch dass ich diesen Stoff für mich errungen habe, wirkt noch einmal besonders auf die Kinder. Lehrer:innen dürfen nicht nur, sondern sollten unbedingt auch als Lernende ein Vorbild sein.