Die Erholung der Kinder

Das vergangene Schuljahr war – jedenfalls bei uns – wieder ein Schuljahr mit vollem Schulbetrieb, was uns natürlich alle sehr gefreut hat: Volle Klassen, kein Wechsel- oder Distanzunterricht. Auch im Sozialen waren nach den vielen Distanzzeiten alle wieder miteinander als große Gruppe gefordert. Jetzt sind Ferien und ich habe mich mal umgehört, wovon sich die Kinder in diesem Jahr am meisten erholen.

Nicht repräsentativ, aber trotzdem informativ

Ich sehe hier zu Hause, wie erholsam für meine eigenen Kinder momentan das Ausschlafen ist. Als sie noch jünger waren, genossen sie das Spielen außerhalb des ansonsten deutlich mehr getakteten Tages. Ich möchte aber nicht nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten, sondern auch die vielen Zuschriften mit einfließen lassen, die ich bei Instagram zu dem Thema bekommen habe.

Zum einen konnten meine Follower selbst formulieren, wovon sich ihre Kinder erholen. Zum anderen habe ich nach ihrer Einschätzung zu fünf Punkten – Lärm, Aufgaben/Verpflichtungen, frühes Aufstehen, „Störenfriede“ und Schulweg – gefragt. Das Ganze ist natürlich nicht repräsentativ, aber doch zeigt sich – wie ich finde – ein spannendes Bild.

Die Top 3: Lärm, Anforderungen, frühes Aufstehen

So haben meine Follower auf Instagram abgestimmt.

Lärmpegel in der Schule

Der Lärmpegel auf dem Schulhof, in den Gängen und in der Klasse ist sicherlich nicht zu verachten und auch ein Stressor, gerade in der Unter- und Mittelstufe. Auch im Unterricht lässt sich zwischendurch eine gewisse Lautstärke nicht verhindern – besonders in Phasen bewegten Lernens. Dass dies insbesondere für lärmempfindliche Kinder schwierig ist, steht außer Frage. Als Audiopädin habe ich dies auch stets auf dem Schirm – doch auch bei mir findet natürlich ein Wechsel zwischen Ruhe und Lebhaftigkeit statt und es gibt immer wieder Phasen, die auch unruhiger sind. Die Kunst ist es, die Kinder ebenso sicher wieder zur Ruhe zu führen. Doch dazu an anderer Stelle mehr (auch, warum es eine Kunst ist).

Die vielen Aufgaben und vorgegebenen Strukturen

Lernen in einer großen Gruppe bedeutet, zugunsten der gemeinsamen Arbeit die eigenen Bedürfnisse zeitweise zurückzuhalten. Diese Fähigkeit zur Selbstregulation ist besonders in der Unterstufe oft noch herausfordernd für manche Kinder und damit ebenso ein Stressor. Hier ist auch die Selbstfürsorge in der Pause ein großes Thema. Zugunsten des Freispiels werden schnell die wärmende Jacke, das Frühstück oder Toilettengänge vergessen. Dies fällt den jüngeren Schulkindern meist erst ein, wenn sie längst auf dem Schulhof oder schon wieder im Klassenraum für die nächste Unterrichtsstunde sind. Ein weiterer Punkt sind an dieser Stelle die zu erledigenden Aufgaben eines jeden Schultages, die neben fachlichen Anforderungen meist auch gleichzeitig Anforderungen an die Selbstorganisation stellen. Feste Tagesroutinen und eine gewisse räumliche Struktur in der Lernumgebung sind hier hilfreich.

Frühes Aufstehen

Besonders, wenn die Kinder heranwachsen und die großen Veränderungen (Wachstum, Gehirnentwicklung, „Körperumbau“ usw.) Schlaf erfordern, empfinden sie das Ausschlafen in den Ferien besonders erholsam – und fühlen sich ebenso gestresst durch das frühe Aufstehen während der Schulzeit.

„Störenfriede“ und der Schulweg sind zweitrangig

Das sagen meine Follower auf Instagram

„Störenfriede“

Wenn Mitschüler:innen im Unterricht oder auch in der Pause Unruhe stiften, scheint dies untereinander zwar sicherlich auch nervig zu sein, wird aber offenbar nicht als insgesamt sehr großer Stress empfunden oder rückgemeldet.

Der Schulweg

Ich unterrichte an einer Schule mit sehr großem Einzugsgebiet. Unsere Kinder haben oft schon eine lange Fahrt im Schulbus hinter sich, wenn sie am frühen Morgen zur Tür hinein kommen. Ebenso sieht es dann natürlich auch auf dem Rückweg aus, nachdem schon viele Stunden an der Schule verbracht wurden. Aus diesem Grund hatte ich danach gefragt. Offenbar (und zum Glück) scheinen all zu lange, stressige Schulwege die Ausnahme zu sein.

Andere Rückmeldungen auf die Frage, wovon sich die Kinder gerade erholen

  • „Lärm, zu viele Menschen“
  • „Schule, Stress, Leistungssport“
  • „Vom Müssen!“
  • „Von Lärm und anderen Kindern um sie herum. Einfach mal in Ruhe und alleine spielen.“
  • „Vom frühen Aufstehen“
  • „Von einem fest strukturierten Tag voller Termine und Verpflichtungen (gymnasiale Oberstufe)“
  • „Vom Unterdrücken ihrer Impulse im Unterricht“
  • „Laute Kinder in der Klasse“
  • „Vom frühen Aufstehen und einem durchgetakteten Vormittag“
  • „Muss es leider so ausdrücken: Vom Schulunterricht.“
  • „Von dem aufgezwungenen Rhythmus.“
  • „Druck in der Schule, die täglichen `Dramen´ im Freundeskreis.“
  • „Vom frühen Aufstehen.“
  • „Bei uns sind es tatsächlich zu viele Erwachsene… gerade auf dem Spielplatz dreht mein Kleiner durch, wenn zu viele Eltern an den Geräten stehen.“
  • „Mein Kind genießt noch die Ruhe vor dem Sturm.“

Das Fazit

Es ist schön, mehr über die Dinge zu erfahren. Doch was lässt sich daraus schließen?

Gewisse Stressoren gibt es überall – auch bei denen, die richtig gern zur Schule gehen. Bleiben wir also mit den Kindern im Gespräch, erfahren wir mehr darüber. Man kann vielleicht so unnötigen Stress verhindern oder eingrenzen – aber ganz sicher können wir die Kinder bewusst dabei begleiten, ihre eigenen Strategien und Resilienzen zu entwickeln. Da hat die Gesundheitspädagogik viel Prävention auf Lager und ich hoffe, Euch noch so einige Dinge hier auf meinem Blog näherbringen zu können.

Ich wünsche weiterhin schöne Ferien!

Angekommen in den Ferien

Als ich am Freitag nach Hause kam, war ich gleichzeitig froh über unsere ausgelassene Zeugnisvergabe und erschöpft von den letzten Tagen und Wochen vor den Ferien. Erstmals hatte ich eine Schreibblockade in der Zeugniszeit, was mir doch einigermaßen Sorge bereitet hat. Doch jetzt ist es Mittwoch, gerade fünf Tage später, und die Energie kommt deutlich zurück.

Darauf habe ich geachtet

Viele Wege führen zur Erholung. Ich fasse einmal zusammen, was mir aus dieser Erschöpfung herausgeholfen hat.

1.“Betriebsferien“ zu Hause

Ich habe es mir einfach mal erlaubt, müde zu sein und mich zu erholen. So habe ich insbesondere am Wochenende viel Schlaf nachgeholt, trotz der Fortbildung. Die Familie hat Rücksicht genommen. Außerdem habe ich nicht so aufwändig gekocht und gebacken wie ich es sonst am Wochenende so gern tue und auch die üblichen Wäscheberge zu Hause mussten warten.

2. Auf in die Lieblings-Tapasbar

Erholung geht durch den Magen, zumindest als Auszeit zwischendurch, und so war ich mit meinem Mann und Freunden in unserer Lieblings-Tapasbar, habe einen schönen Abend verbracht und geschlemmt. Anschließend hieß es wieder: Ausschlafen.

3. Äußeres Chaos sortieren und entrümpeln

Hiermit bin ich noch nicht fertig, aber ich habe angefangen und das ist auch immer eine Wohltat. Ich erledige die liegen gebliebenen Aufgaben im Haushalt, verpacke die Unterrichtsmaterialien des Schuljahres, sortiere und entrümple Schränke. Mich von unnötigem materiellen Ballast zu befreien, sorgt jedesmal wieder für neue Energien.

4. Zeit für gesunde Routinen

In der Zeugnis- und Schuljahresabschlussphase bleibt oft wenig Zeit für die Zubereitung gesunder Snacks, viel zu häufig wird auf die Schnelle mal genascht. An Bewegung mangelte es mir dieses Jahr dank der Bauepoche zum Glück nicht, das kommt sonst auch noch dazu. Jetzt ist es wieder Zeit für gesunde neue Routinen und Rezepte. Dabei überlege ich mir auch, wie ich es anschließend im Schulalltag schaffen kann, sie zu bewahren. Die Routinen diesmal: Warmes Zitronenwasser vor dem Frühstück trinken, insgesamt basisch frühstücken und am Nachmittag eine Tasse goldene Milch trinken. Tägliche Bewegung in Form von Spaziergängen, Schwimmen oder Radfahren ist sowieso Programm.

5. Jeden Tag etwas haben, auf das man sich freut

Einen schönen Ausflug machen, liebe Menschen besuchen, ein gutes Buch lesen, Spieleabende und künstlerische Projekte genießen. Es gibt jeden Tag so viel Schönes, das man sich bewusst machen sollte. Nichts ist selbstverständlich. Ich mache jedes Jahr auch irgendetwas Künstlerisches in den Sommerferien. Letztes Jahr war es das Aquarellmalen, dieses Jahr möchte ich mit Kind 3 gern schnitzen und etwas plastizieren. Außerdem habe ich meine Podcasts und die Schreiberei, da gibt es übrigens auch schöne, neue Ideen und Projekte, auf die ich mich freue.

6. Die Zeit nach den Ferien ist kein Tabu

Ich lebe nicht nur im Hier und Jetzt, sondern denke auch immer wieder an die Zeit nach den Ferien. Ich mag es, wenn bereits jetzt Schritt für Schritt allmählich ein Bild davon entsteht, wie es im neuen Schuljahr sein sollte – auch wenn die Erfahrungen der letzten Monate gezeigt haben, dass es vielleicht nicht immer so eintritt, wie man es sich vorgestellt hatte. Aber ich verdränge die Schule und meine Klasse in den Ferien nicht. So funktioniert mein „Abschalten“ eben nicht. Meine Arbeit und meine Klasse gehören einfach viel zu sehr zu meinem Leben. Auch wenn der Schreibtisch und das Email-Postfach ruhen, die Gedanken tun es nicht und das darf auch so sein. Sie sortieren sich auch allmählich. So sind die Ferien: Alles kann, nichts muss.

Schöne Ferien!

Ich freue mich auf die nächsten Wochen, schreibe weiter und wünsche auch Euch eine schöne Zeit! Was sind Eure Wege, die Akkus wieder aufzuladen?