Erziehung ist Beziehung ist Erziehung

Ein neuer Spruch! Wer mich kennt, weiß, dass ich normalerweise gern sage: „Erziehung geht nur mit Beziehung.“ Dieser Spruch kam mir ehrlich gesagt inzwischen etwas abgenutzt vor und auch irgendwie etwas unvollständig. Tadaaa – ein neuer „Slogan“.

Wie funktioniert es?

Warum das Ganze? Wir können einem Kind nur etwas beibringen, wenn es das Neue mit einem Gefühl verbindet. Gefühle sind wie ein Bote und sie entstehen durch Beziehung. Lehrer, die immer wieder ausgetauscht werden und wechseln, können gleiche Inhalte nicht in derselben Weise vermitteln wie ein einzelner, vertrauter Lehrer, der die Schüler bestens kennt und den die Schüler ihrerseits bestens kennen. Und mal ganz abgesehen von schulischen Inhalten: Die Kinder lernen so viel mehr als bloße Inhalte.

Lernen ist immer sozial

Sie nehmen ebenso auf, was gleichzeitig in der Lernsituation herum, im sozialen Kontext, passiert. Dabei fühlen sie etwas und das speichert sich ab.

An der Waldorfschule ist es im Idealfall so, dass ein Klassenlehrer „seine“ Kinder vom Tag der Einschulung an acht Jahre lang begleitet. Dabei entsteht auch eine Verbindung mit den Eltern und man steht Seite an Seite zusammen und begleitet einen sehr langen Entwicklungszeitraum im Leben der Heranwachsenden. Zum Alltag von Waldorflehrern und -erziehern gehört es daher auch, die Familien mal außerhalb von Schule zu Hause zu besuchen – ein Thema für sich.

Was braucht es?

Hier meine Gedanken dazu, was wichtig ist für die Qualität der Beziehung zwischen Kindern und ihren Bezugspersonen

  • Die Erwachsenen sind in diesem Miteinander jederzeit für die Kinder der sichere Hafen, die verlässliche, unterstützende Instanz.
  • Die Kinder wollen dabei einfach an unserem normalen Leben teilhaben und müssen gar nicht so viel extra bespaßt werden, wie wir Erwachsenen annehmen. Wir allein, mitten im Alltag, sind schon spannend genug.
  • Die Kinder schauen sich Alltägliches aufmerksam von uns ab und lernen dabei alles, was sie später einmal selbst im Leben brauchen. Daher nur Mut, wenn es mal nicht die heile Welt ist!
  • Die Kinder lernen nämlich dann von uns, wie wir unseren täglichen Verpflichtungen nachgehen, wie wir mit und über andere reden, wie wir Stress oder Krisen bewältigen – oder auch mal einfach nur etwas Gutes für uns tun oder Fünfe grade sein lassen! Denn:
  • Kinder brauchen authentische Erwachsene, um selbst ins wahre Leben zu finden. Wichtig ist nur, dass wir nicht den Anschein erwecken, nicht mehr ganz der sichere Hafen zu sein.
  • Und wir Erwachsene sollten unsererseits ebenso am kindlichen Leben Anteil nehmen,
  • uns anerkennend und aufrichtig für ihr Spiel und ihre Erlebnisse interessieren
  • ihnen bewusst und liebevoll bei den vielen Dingen des Alltags zuschauen, sie machen und forschen lassen und so begleiten.

Viel geschafft

Dadurch ist schon richtig viel gewonnen und wir können dabei selbst auch viel von den Kleinen lernen. Zum Schluss mal wieder ein Zitat von Jesper Juul, dessen Arbeit ich sehr schätze:

Erziehung ist ein Prozess zwischen Kindern und Erwachsenen und beide werden dabei gegenseitig erzogen

Jesper Juul

Oder: Beziehung ist Erziehung ist Beziehung 🙂