Aus dem Resilienztraining: Das Haus der sieben Steine

Stell dir vor, die psychische Widerstandskraft deines Kindes ist wie ein Haus. Es schützt vor den Stürmen des Lebens – egal, ob es der verlorene Turnbeutel, der Streit mit der besten Freundin oder der Frust über die Hausaufgabe am Nachmittag ist. Als Eltern oder Pädagog:innen bauen wir dieses Haus nicht für unsere Kinder, sondern mit ihnen – wir reichen die Steine und entdecken gemeinsam, wie der Bau hält und trägt.

Hier sind die 7 Säulen der Resilienz (nach Reivich und Shatté), direkt übersetzt in den Alltag mit Kindern.

1. Akzeptanz: „Es ist, wie es ist“

Die Situation: Da klappt etwas nicht. Sei es eine Bastelanleitung oder die ersten Fahrversuche auf Rollschuhen.  Die Resilienz-Lektion: Anstatt sofort zu sagen „Ist doch nicht schlimm“, helfen wir dem Kind zu akzeptieren: „Ja, das ist jetzt echt ärgerlich. Da klappt es etwas nicht so wie gedacht.“ Nur wer lernt, dass unangenehme Gefühle zum Leben gehören, kann sie überwinden.

2. Optimismus: „Es wird wieder gut“

Die Situation: Ein Kind traut sich nicht auf das neue Klettergerüst. Die Resilienz-Lektion: Optimismus bedeutet nicht, alles durch die rosarote Brille zu sehen, sondern die Zuversicht zu haben: „Ich habe heute noch Angst, aber ich kann es morgen nochmal probieren.“ Wir stärken den Glauben an ein positives Ende.

3. Selbstwirksamkeit: „Ich kann etwas bewirken“

Die Situation: Die Wasserflasche läuft aus. Die Resilienz-Lektion: Nicht sofort zum Wischtuch greifen! Lass das Kind es selbst erledigen. Das Gefühl „Ich kann einen Fehler korrigieren“ ist das Fundament für ein starkes Selbstwertgefühl. Und: Jedesmal, wenn du eine Aufgabe übernimmst, die dein Kind selbst erledigen könnte, vermittelst du, dass du es sowieso besser kannst.

4. Eigenverantwortung: „Ich kann es selbst steuern“

Die Situation: „Die Hausaufgaben sind blöd, ich mache die nicht!“ Die Resilienz-Lektion: Wir begleiten das Kind dabei, aus der Schuldzuweisung („doofe Schule“) herauszutreten. „Was kannst du tun, damit du heute mit deinen Aufgaben schneller fertig wirst?“ Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, macht stark.

5. Netzwerkorientierung: „Ich bin nicht allein“

Die Situation: Streit mit einem befreundeten Kind. Die Resilienz-Lektion: Resiliente Kinder wissen, wen sie (selbst!) um Hilfe bitten können. Das zeigt: Hilfe annehmen ist keine Schwäche, sondern eine soziale Superkraft. Wer ist dein „Sicherheitsteam“?

6. Lösungsorientierung: „Was machen wir jetzt?“

Die Situation: Das Lieblings-Kuscheltier ist im Urlaubsdomizil liegen geblieben. Die Resilienz-Lektion: Erstes Trauern ist okay, dann folgt der Schwenk: „Wie lösen wir das? Sollen wir dort anrufen oder darf ein Ersatz-Tier einspringen?“ Der Fokus liegt auf der Lösung, nicht auf dem Problem.

7. Zukunftsorientierung: „Was kommt als Nächstes?“

Die Situation: Das Wochenende steht vor der Tür, die Freude ist groß. Die Resilienz-Lektion: Ziele setzen und Pläne machen. Kinder lernen hier, dass sie ihre Zukunft mitgestalten können. „Was ist das Schönste, was wir am Samstag machen wollen?“


Resilienz ist kein Zustand, den man „hat“, sondern ein Muskel, den wir täglich trainieren. So ein Haus wird nicht an einem Tag fertig gebaut – aber jeder kleine Moment mit deinem Kind ist dazu geeignet, einen neuen Stein zu setzen.

Kleiner Tipp von mir: Wähle dir für die nächsten Tage eine Säule aus (z. B. die Lösungsorientierung), auf die du bewusst achtest. Wenn das nächste Mal etwas schiefgeht, frage dein Kind nicht „Warum hast du das gemacht?“ oder „Wie konnte das passieren?“, sondern „Was ist dein Plan, wie wir das lösen?“

Bildung durch Beziehung: Insights aus zwei Podcastfolgen mit Prof. Iru Mun

In den letzten beiden Folgen des Podcasts „Von der Praxis zur Vision – was Kinder jetzt stärkt und später trägt“ entstand ein Gespräch zu dritt (wie immer mit Dustin und mir), das noch lange nachklingt. Unser Gast war Prof. Iru Mun, und es war uns eine große Freude, zwei Folgen zu produzieren, die zugleich so gehaltvoll, verdichtet und dabei so menschlich waren.

Dabei waren unsere Gespräche keine schnellen Antworten auf komplexe Fragen. Sie waren vielmehr Einladungen zum Innehalten, zum Weiterdenken – und vielleicht auch zum Umlernen oder Dazulernen.

Bildung braucht Beziehung!

Ein roter Faden, der sich durch beide Folgen zieht, ist das tiefe Verständnis von Bildung als Beziehungsgeschehen. Lernen ist eben keine bloße Wissensvermittlung, sondern etwas, das aus echten Begegnungen entsteht: Zwischen Erwachsenen und Kindern, unter Kindern, zwischen Welt und Mensch.

Es wurde wieder einmal deutlich, dass Kinder sich nicht an Methoden erinnern werden, wohl aber an Menschen. An Erwachsene, die ihnen mit Interesse, Wärme und echtem Zutrauen begegnet sind. Dieses Zutrauen – so wurde spürbar – ist keine pädagogische Technik, sondern eine innere Haltung.

Was Kinder wirklich stärkt

Besonders berührend war die Klarheit, die immer wieder zurück zum Wesentlichen fand:

  • Kinder brauchen verlässliche Beziehungen.
  • Sie brauchen Erwachsene, die präsent sind – nicht perfekt, aber ehrlich.
  • Sie brauchen Räume, in denen sie sich als wirksam erleben dürfen.

Stärkung entsteht nicht durch Optimierung, sondern durch Resonanz. Durch das Gefühl: Ich werde gesehen. Ich werde ernst genommen. Ich darf wachsen in meinem eigenen Tempo.

Hoch aktuell und doch auch gegen den Zeitgeist

Beide Podcastfolgen stehen in einem spannenden Kontrast zu vielen aktuellen Bildungsdebatten. Während noch immer Effizienz, Messbarkeit und frühe Leistungsorientierung dominieren, entwickelte sich unser Gespräch mit Iru Mun ruhig, fundiert und konsequent über Entwicklung, über Reifung und über das Vertrauen in kindliche Prozesse.

Gerade dadurch sind die Folgen so zeitgemäß. Sie erinnern daran, dass Zukunftsfähigkeit nicht aus Beschleunigung und Anpassung entsteht, sondern aus innerer Stabilität, aus Sinnbezug und aus der Erfahrung, Teil einer tragenden Gemeinschaft zu sein.

Unser Erfahrungsraum, die Waldorfpädagogik

Es wurde spürbar, dass es eben nicht um ein fertiges Konzept geht, sondern um einen lebendigen Erfahrungsraum. Einen Raum, in dem Fragen erlaubt sind. In dem Pädagog:innen selbst Lernende bleiben dürfen. Und in dem die Entwicklung des Kindes immer wieder neu in den Mittelpunkt des Interesses rückt. Solche Gespräche machen wirklich Mut, die Haltung der Waldorfpädagogik zu verstehen: offen, forschend und zutiefst menschenzugewandt.

Dankbarkeit und Nachhall

Diese beiden Podcastfolgen hinterlassen Dankbarkeit. Dafür, dass komplexe Zusammenhänge nicht vereinfacht, sondern gemeinsam achtsam entfaltet wurden. Dafür, dass pädagogische Arbeit in ihrer Tiefe gesehen wurde. Und dafür, dass deutlich wurde, wie sehr das, was Kinder heute erleben, ihr ganzes späteres Leben trägt.

Wenn Ihr Euch Zeit nehmt für diese Gespräche, werdet Ihr mit vielleicht weiteren Perspektiven und mit der Erinnerung daran belohnt, warum wir Kinder begleiten. Nämlich, um sie stark, verbunden und menschlich ins Leben zu entlassen. Für alle Zukunftsaufgaben, die da kommen werden.

Ein herzliches Dankeschön an Prof. Iru Mun!

Die Podcastfolgen findet Ihr überall, wo es Podcasts gibt oder direkt über die folgenden Links:

Teil 1: Was brauchen unsere neuen Lehrkräfte?

Teil 2: „Unsere Pädagogik trägt für die Zukunft alles in sich!“

Eine kleine Winterwichtel-Geschichte für Auszeit-Momente

Ich wünsche Euch allen frohe Feiertage! Die Advents- und Weihnachtszeit ist für Kinder eine ganz besondere Zeit – magisch, warm, voller Vorfreude. Und manchmal… auch ziemlich viel. Viel Besuch, viele Reize, viele Gefühle. Zwischen Geschenken, Plätzchen und Erwartung passiert es schnell, dass kleine Herzen ganz groß klopfen und alles ein bisschen zu aufregend wird.

Genau dafür habe ich eine kleine Winter-Geschichte geschrieben, die Ihr hier kostenlos downloaden könnt.

Worum geht es in der Geschichte?

Die Winterwichtel Smilla und Murgel wohnen ganz nah bei den Menschen. Sie lieben Kerzenschein, Spiele und den Duft aus dem Backofen – aber manchmal wird es ihnen einfach zu viel. Sowohl die Momente der Freude, als auch die kleinen und größeren Streitereien in dieser Zeit sind herausfordernd. Das darf so sein.
Also macht Smilla etwas ganz Wichtiges:
Sie nimmt sich einen kleinen Moment nur für sich.
Sie spürt ihre Füße auf dem Boden.
Sie wiegt sich und atmet tief.
Und erinnert sich: „Ich bin da. Ich bin sicher.“

Murgel wartet in dieser Zeit geduldig auf seine liebe Freundin und gemeinsam finden sie wieder freudig zurück in den Trubel – ganz ohne Stress, ganz ohne Eile.

Für wen ist die Geschichte gedacht?
Es geht darum, Möglichkeiten zu entdecken, das Nervensystem zu regulieren. Davon profitieren besonders

  • Kinder, die schnell überreizt sind
  • alle sensible Seelen und kleine Wirbelwinde
  • Familien, die Achtsamkeit im Alltag leben möchten
  • kuschelige Vorlese-Momente am Abend oder zwischendrin, um gemeinsam aufzutanken
  • gern auch Kitas & Schulen in der Winterzeit

Ein kleines Weihnachtsgeschenk für dich

Die Geschichte erinnert daran: Ruhe zu brauchen ist nichts, wofür wir uns entschuldigen müssen.
Sie ist ein Geschenk – an uns selbst und an alle, die wir lieb haben. Ich wünsche dir und deiner Familie eine schöne Weihnachtszeit.

PDA – wenn Anforderung Angst macht

… und warum das Wort „Systemsprenger:in“ mehr über das System, als über ein Kind aussagt.

In den letzten Jahren taucht ein Wort immer häufiger auf, wenn Kinder nicht „funktionieren“: Systemsprenger. Es klingt schwerwiegend. Nahezu endgültig. Und es trifft meist diejenigen, die ohnehin schon kämpfen, nämlich Kinder, die nicht laut um Hilfe bitten können, sondern mit ihrem Verhalten „schreien“. Besonders häufig wird dieses Etikett Kindern gegeben, die ein Autismus-Profil mit PDA haben.

Was ist PDA?

PDA steht für Pathological Demand Avoidance oder – zunehmend bevorzugt – Persistent Drive for Autonomy. Es beschreibt ein Autismus-Profil, bei dem Anforderungen Gefühle auslösen, die als existenzielle Bedrohung erlebt werden. Dabei geht es also nicht um „Nicht-Wollen“, fehlende Erziehung oder Trotz. Es geht um Angst.

Für PDA-Autist:innen können selbst kleinste Erwartungen überwältigend sein. Hier einige Beispiele:

  • Wenn morgens die Jacke angezogen werden muss. Es ist Routine, eigentlich keine große Sache. Doch wenn der Moment gekommen ist, fühlt er sich an wie pure Verzweiflung. Etwas Unvorhersehbares droht, nachdem dann das Haus verlassen wird. Manchmal wird sogleich gegen das Anziehen gekämpft, manchmal funktioniert es am Anfang – bis plötzlich der Zusammenbruch kommt. Jeden Morgen.
  • „Ich freue mich auf meinen Geburtstag / einen Klassenausflug / unseren Urlaub.“ Solange ein Ereignis, das als schön empfunden wird, noch in der Ferne liegt, kann es durchaus auch für Vorfreude sorgen. Wenn es aber heißt: Es geht JETZT los, erscheint explosionsartig ein Überwältigungsgefühl vor dem, was kommt.
  • In der Schule: Es beginnt für alle Kinder der Klasse eine Eigenarbeitszeit. Wirklich? Nicht für das PDA-Kind. Es beginnt erst gar nicht, beschäftigt sich anderweitig mit einer (für es) sicheren Sache oder lenkt bewusst andere Kinder ab, auch durch Clownerie.

Was steckt dahinter?

Das Nervensystem reagiert bei kleinsten Anlässen und Veränderungen, als stünde Gefahr im Raum. Kampf, Flucht oder Erstarren setzen ein – nicht bewusst, nicht steuerbar. Kinder mit PDA vermeiden Anforderungen reflexhaft, um ihre innere Sicherheit zu bewahren.
Dabei möchten sie eigentlich kooperieren, dazugehören, „richtig“ sein – können es aber in dem Moment nicht.

Was von außen manipulativ oder frech wirkt, ist in Wirklichkeit eine Überlebensstrategie.

Wenn Systeme Druck ausüben

Unsere Systeme – Schule, Kita, Jugendhilfe usw. – sind auf Anpassung, Planbarkeit und Gehorsam ausgelegt.
PDA hingegen braucht:

  • Beziehung statt Kontrolle
  • Wahlmöglichkeiten
  • Sicherheit statt Konsequenzen

Wenn ein Kind diese Anpassung nicht leisten kann, wird es schnell als „schwierig“, „nicht tragbar“ oder eben als Systemsprenger bezeichnet.

Doch hier lohnt ein Innehalten.

Wer sprengt hier eigentlich was?

Zuallererst möchte ich betonen, dass der Begriff „systemsprengend“ keinen wissenschaftlichen Hintergrund hat, sondern meist von Medien oder umgangssprachlich verwendet wird. Dabei lässt er zunächst vermuten, das Kind sei das Problem. Allerdings zeigt das Verhalten bei genauerer Betrachtung etwas Anderes: Das System ist nicht passend. Kinder mit PDA sprengen also kein System . Sie passen schlicht nicht in starre Strukturen, die ihre neurologischen Grenzen ignorieren.
Ein System, das nicht alle Menschen einschließt, ist in sich begrenzt.

Sprache schafft Wirklichkeit – Worte formen unsere Haltung

Bezeichnen wir also ein Kind als „Systemsprenger:in“, dann vermittelt dies

  • Bedrohung (für das System) statt Bedürfnis
  • Störung statt Signal
  • Versagen statt Überforderung

Das Kind selbst hört:

„Mit mir stimmt etwas nicht.“
„Ich bin zu viel.“
„Ich passe nirgendwo rein.“

Gerade neurodivergente Kinder und ihre Familien tragen diese Botschaften oft ein Leben lang. Das ist stigmatisierend und verletzend.

Welches (Schulklassen-)System trägt denn Kinder mit PDA Autismus?

Wenn ein Kind immer wieder scheitert, lohnt sich die Frage: Was wäre, wenn nicht das Kind sich ändern müsste, sondern unser Blick? Denn Kinder mit PDAe Autismus brauchen:

  • Erwachsene, die Beziehung leben und dabei Raum geben für emotionale Regulation
  • Strukturen und Arbeitsweisen, die flexibel sind
  • Klassenräume, in denen Autonomie möglich ist
  • Verständnis für die Angst hinter dem Verhalten

Was kannst du in Elternrolle tun, wenn die Schule aufgibt?

Wenn die Lehrkräfte keine Kapazität haben, ihr System zu ändern oder dies auch nicht wollen – akzeptiere es. Du kannst es von außen nicht umkrempeln. Suche eine Lehrkraft, die PDA-erfahren ist und lass dich gern auch bei der Suche beraten.

Was kannst du als Lehrkraft tun, wenn ein Kind dein System sprengt und dich an deine Grenze bringt?

Prüfe deine Verbindung zu dem Kind und – ganz wichtig – deine Ressourcen. Spiele mit offenen Karten. Möchtest du etwas verändern? Auch ich kann dich beraten und unterstützen. Frage gern unverbindlich an:

Der Weg zum Schulplatz: Quereinstieg und Erste Klasse an der Waldorfschule

„Alle Jahre wieder“ könnte man sagen. Jetzt beginnt die Zeit, in der die Kennlerngespräche für die nächste erste Klasse geführt werden. Aber auch Anmeldungen für Kinder und Jugendliche, die in laufende Klasse quer einsteigen, nehmen zu. In diesem Blogartikel habe ich daher einige Tipps für Euch – auch zum Hören natürlich.

10 Eckdaten, die man vorab wissen sollte

Auf dem folgenden Bild ist noch einmal das Wichtigste zusammengefasst. Zum Thema Schulentscheidung habe auch bereits hier geschrieben.

Eltern von zukünftigen Erstklässlern haben allerdings diese Frage an erster Stelle:

Wonach entscheidet sich, ob mein Kind einen Schulplatz bekommt?

Tatsächlich gibt es keinen Kriterienkatalog (schon gar nicht einen allgemein beschlossenen, wie oftmals behauptet). Jede Schule hat ihren eigenen Aufnahmeprozess, aber die Erfahrung zeigt: Es fügt sich (fast immer) von selbst. Wer es genauer wissen möchte, kann sich die Podcastfolge „Von der Anmeldung bis zur Einschulung“ unseres Podcasts „Von der Praxis zur Vision – Was Kinder jetzt stärkt und später trägt“ anhören.

Eltern von Quereinsteigern haben oft diese Frage:

Auf welchem Platz der Warteliste stehen wir?

Auch hier gibt es keine pauschale Antwort – so einfach dies für beide Seiten auch sicher wäre. Doch Fakt ist: Eine Aufnahme erfolgt immer mit Blick auf die Klasse. Heißt: Wann eine neue Schülerin oder ein neuer Schüler hinzustoßen kann, entscheiden die Klassenlehrer:innen rein pädagogisch. Und wenn es soweit ist, wird ganz neu auf die Warteliste geschaut, wer für ein Aufnahmegespräch in Frage kommt. Es geht in erster Linie nicht nach Eingangsdatum der Anmeldung, sondern nach einem passende Kind oder Jugendlichen, damit sowohl die Neuen gut anlanden, als auch die bestehende Klasse als Lerngruppe gesund wachsen kann.

Spannende Info: Ein Quereinstieg ist nicht an Fristen wie Schulhalbjahre gebunden, sondern kann jederzeit stattfinden.

Auch hierzu haben Dustin und ich eine Podcastfolge aufgenommen: Im Quereinstieg auf die Waldorfschule.

Bitte stellt gern Eure Fragen

Unser Podcast und dieser Blog lebt von der Community. Dustin und ich bewegen gern Eure Fragen. Auch freuen wir uns, wenn Ihr unseren Podcast teilt, indem wir davon erzählt oder wenn Ihr beim Podcastanbieter Eurer Wahl eine positive Bewertung abgebt. Ganz herzlichen Dank!

Kein Tabu! Hörschutz in der Schule für alle Beteiligten

Schule ist oftmals keine ohrenfreundliche Sache und Stille längst kein Kriterium mehr für guten Unterricht – im Gegenteil. Lernen, das ist ein Miteinander und ein Füreinander. Wenn gemeinsam diskutiert, gebrainstormt und gelacht wird, braucht das Nervensystem Schutz, das Hören einen Filter.

In meiner Klasse gibt es Mickymäuse, aber natürlich nicht von Disney… wer es dezenter mag, sollte übrigens unbedingt weiterlesen.

In diesem Korb steht Hörschutz bereit und darf bei Bedarf jederzeit und ohne zu fragen aufgesetzt werden. Auch Sichtschutz liegt übrigens zur freien Verfügung bei Eigenarbeiten bereit. Doch zurück zur Akustik.

Während wir unsere Augen schnell schließen können, wenn wir geblendet werden, sind unsere Ohren doch ständig auf Empfang. Das ist nicht nur ein Thema bei hoher Sensititivität oder Autismus.

Hörschutz in der Schule ist Selbstfürsorge

Hintergrundgeräusche einzudämmen oder die allgemeine Lautstärke zu reduzieren, kann in der Pause ebenso angebracht sein wie beim gemeinsamen Flöten, Spielturnen oder bei Theater-WarmUps. Ob im bewegten Klassenzimmer oder bei Gruppenarbeiten – wenn ein Kind die Möglichkeit hat, einer lauten Akustik nicht dauerhaft ausgesetzt zu sein, lernt es: Ich kann für mich sorgen, ich muss eine solche Belastung nicht aushalten. Eine kleine, große Übung in Selbstfürsorge. Und wie sieht es bei mir als Lehrerin aus?

Bin ich eine schlechte Lehrerin, wenn ich Hörschutz trage?

Gebe ich durch das Tragen von Hörschutz das Zeichen „Ich möchte Euch nicht hören?“ Definitiv nein! Ich trage seit einiger Zeit Loop Hörschutz (selbst bezahlt, aber Affiliate Link zur Finanzierung des Blogs). Da ich langes Haar habe, ist er oft gar nicht zu sehen. Wenn ich einen Zopf trage, ist ein schöner goldener Ring am Ohr zu sehen, der auf den ersten Blick wie ein Accessoire wirkt.

„Was hast du da am Ohr?“

Das fragen die Kleinen manchmal. Ich antworte dann: „Das ist mein Hörschutz, wenn es hier mal zu laut wird. Aber ich verstehe dich natürlich trotzdem sehr gut.“ Das ist also keine ablehnende Haltung, sondern vielleicht sogar ein bisschen Vorbild in der Selbstfürsorge. Wenn wir Hörschutz so verstehen, kommt er heraus aus der Tabuzone.

„Mein Beruf schadet meinem Gehör.“

Diesen Satz würden sicherlich viele Erziehende und Lernende unterschreiben. Erst neulich las ich auf Instagram von einer Kollegin, die ihren Job gekündigt hatte, einer der Gründe sei die permanente Lautstärke gewesen. Das darf nicht sein! Aber auch die lieben Kleinen sind dauerhaft dieser stressigen Geräuschkulisse ausgesetzt, der sie sich kaum entziehen können. Hörschutz als Selbstfürsorge und zur eigenständigen Regulation bei Stress und einem überreizten Nervensystem, das sollte selbstverständlich sein und werden.

So sieht mein Hörschutz übrigens aus,

Sie passen für jedes Ohr perfekt und haben einen kleinen Knopf, mit dem man die Intensität der Geräuschunterdrückung flexibel einstellen kann. Zur Aufbewahrung habe ich ein kleines Case am Schlüsselbund.

So beeinflussen Lernbedingungen den Lernerfolg

Eigentlich lernen Kinder von Natur aus. Man muss sie gar nicht dazu bringen – sie lernen einfach immer. Allerdings geraten auch Kinder in ein Ungleichgewicht mit ihren Lernbedingungen, dem größeren Lebenszusammenhang. Und auch das muss bei der Förderung im ganzheitlichen Sinne berücksichtigt werden. Slow living is the new rich!

Eine kleine Übersicht

Ich war mal kreativ und habe dieses Schaubild erstellt. Wenn all diese Dinge und Themen in einer guten Balance sind, gelingt das Lernen im wahrsten Sinne spielend.

Das jeweilige Vorwissen und die Gelgenheiten, regelmäßig zu üben, sind auf einer weiteren Ebene für den Lernerfolg wichtig.

Was sind die Gegenspieler der heutigen Zeit?

  • wechselnde oder mental abwesende Bezugspersonen
  • Reizüberflutung
  • Bewegungsmangel
  • verplante Freizeit, viele von außen gesteuerte Aktivitäten
  • zu wenig Gelegenheit, die Fantasie zu wecken und wirklich frei zu spielen
  • sich unbeobachtet ausprobieren
  • statt dessen: Viele kopflastige, fertige Informationen
  • schwer zu regulierende Gefühle
  • Schlafmangel
  • blaues Licht
  • Lautstärke
  • Fast Food

Wahrscheinlich fällt Euch noch mehr dazu ein.

Unsere Zeit ist atemberaubend schnell – die kindliche Entwicklung hat sich diesem Tempo noch nicht angepasst.

Aus diesem Grund darf ganz bewusst SLOW LIVING einziehen: In die Familien, in die Kitas und Schulen – und ganz besonders in den geschützten Förderorten.

Vom Zauber der Woche

Wie so oft in den Ferien, kremple ich mein Arbeitszimmer um. Sortiere neu, miste aus…. was man eben so macht, um den Überblick zu bewahren. Diesmal sind mir die Wochentagssprüche in die Hände gefallen, auch das Buch von Wolfgang Held „Der siebenfache Flügelschlag der Seele“ (Verlag Freies Geistesleben) rückte dabei mal wieder in den Mittelpunkt.

Wochentage fühlen sich an

Wenn man Kinder fragt, welcher Wochentag heute ist, kommt die Antwort entweder aus dem Kopf – da wird kurz abgezählt – oder aus dem Gefühl. Da lauscht man einfach mal in sich hinein, wie sich der Tag gerade anfühlt. Findet Ihr nicht auch, dass sich ein Samstag ganz anders anfühlt als ein Freitag oder ein Mittwoch? Die menschliche Seele ist mit dem rhythmischen Empfinden der Woche verbunden. Ein Wochentag bildet eine Art Charakter aus, den wir empfinden.

Und warum haben wir unsere Wochentage mit den Planeten verbunden?

Seit Jahrtausenden beobachten und dokumentieren Menschen, wie ihre Seele von Tag zu Tag in sieben verschiedenen Grundstimmungen schwingt (Wolfgang Held, S.17/18). Die Zuordnung zu den Eigenschaften der sieben klassischen Planeten wurden laut Held im alten Babylon vor etwa 4000 vorgenommen. Das liest sich immer faszinierender, oder?

Die überlieferten Sprüche knüpfen daran an

Ich habe einige der Wochentagssprüche auf Instagram veröffentlicht mit der Frage, ob jemand weiß, wer sie geschrieben hat. Es kamen einige Reaktionen von Menschen, die die Sprüche durchaus auch kannten – aber leider ergab sich keine sichere Antwort auf meine Frage nach der Urheberschaft. Daher habe ich mich nun entschlossen, die Sprüche doch nicht weiter selbst zu veröffentlichen. Ihr könnt mich bei Interesse oder näherem Wissen sehr gern anschreiben, das Kontaktformular ist unten.

Bis dahin empfehle ich Euch (unbeauftragt) das kleine, sehr feine Büchlein „Der siebenfache Flügelschlag der Seele“ und forsche selbst auch weiter.

Euer Montagskind Nadine 🙂

← Zurück

Vielen Dank für deine Antwort. ✨

Ein kleines, aber feines Gewinnspiel anlässlich des Weltkindertages

Lasst die Kinder erzählen, ladet sie von Herzen dazu ein und hört ihnen zu – nicht nur am Weltkindertag. Den feiern wir am heutigen Sonntag (auch wenn er offiziell schon am Freitag war) und ich möchte hier auf meinem Blog ein Exemplar meines Kartensets Sprechen und Zuhören im Erzählkreis unter Euch verlosen.

Über das Kartenset

Wenn verschiedene Erzählanlässe spielerisch und liebevoll ihren Raum bekommen, fördert das auf sooo vielen Ebenen. Die Karten sind eine Inspiration für Euch, das Erzählen bewusst in den Alltag zu integrieren und hilft dabei

  • ein Gemeinschaftsgefühl aufzubauen und gleichzeitig
  • sich gegenseitig einzeln wahrzunehmen
  • sich besser kennenzulernen und
  • somit eine vertrauensvolle Atmosphäre zu erschaffen
  • den Wortschatz zu erweitern
  • Sprachblockaden abzubauen
  • Ereignisse zu reflektieren
  • Erlebtes nachvollziehbar zu strukturieren
  • Wertschätzung zu erfahren
  • mit Sprache kreativ zu werden
  • und so viel mehr!

Die Verlosung

Unter meinen Followern auf Istagram (@montagskind.blog, @waldorf.lehrerin) verlose ich insgesamt zwei Exemplare, hier auf meinem Blog ein weiteres Exemplar der Kartensets.

Kommentiere einfach, wie oder für wen Du die Karten einsetzen würdest und Dein Los ist im Topf.

Die Verlosung endet am 27.9.24, die Gewinner werden am 29.9.24 benachrichtigt.

Das Kleingedruckte

Das Gewinnspiel ist eine Aktion des Montagskindblogs und steht in keinem Zusammenhang mit Instagram. Die Teilnahme ist ab 18 in Deutschland oder dem EU-Ausland. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Barauszahlung nicht möglich. Ihr werdet NUR von meinem Instagram Profilen oder meiner Montagskind-Emailadresse benachrichtig.

Ich wünsche allen Teilnehmenden viel Glück!

September Awakening: Achtsam in die dunkle Jahreszeit

Im Sommer ist gereift, was jetzt geerntet werden kann: Ihr Lieben, Ende diesen Monats erwartet uns wieder die Tages- und Nachtgleiche, die wir mit dem Michaeli-Fest am 29. September feiern. Damit ist das Tor zur dunklen Jahreszeit geöffnet! Wie schön wäre es, achtsam diesen Übergang zu begehen. Eine Gelegenheit, um Euch DANKE zu sagen für meine stetig wachsende Leserschaft. Unglaublich, wie mein Montagskindblog auch in diesem Jahr gewachsen ist! Daher habe ich mir für den September einige schöne Aktionen überlegt, von denen viele im Sommer schon gereift sind:

  • Am Wochenende 7./8. September gebe ich mein Bundle „Mindful Parenting Guide“ für nur 5€ an Euch heraus. Zu dem Bundle gehören: Ein Kurs in achtsam-friedvoller Kommunikation (Workbook, Audio), Strategien der Stressbewältigung sowie die Arbeit mit Glaubenssätzen und Affirmationen (Audio, Affirmationskärtchen). Meditationen für Schutz und Abgrenzung, Herzverbindung zu Euch und Euren Liebsten und Stärkung der positiven Glaubenssätze. (Normalerweise kostet der Selbstlernkurs 27 €, da das Hosting eines solchen Kurses nicht gerade günstig, mir aber eine Herzensangelegenheit ist)
  • Außerdem habe ich einen kostenlosen mini-Kurs für Euren ersten Flow.
  • Am Wochenende 14/15. September geht mein neues Michaeli-Märchen mit Kreisspiel on air: Als neue Folge bei „Märchen mit Klang“ und zum kostenlosen Download (Geschichte und Spiel) auf dem Blog.
  • Am 2o. September ist Weltkindertag. Lasst Euch überraschen.
  • Am 29. September ist Michaeli und Ihr dürft Euch auf eine ganz besondere Fantasiereise freuen.

Auf einen schönen, achtsamen Herbst!