Fußübung „Liegende Acht“

Heute stelle ich Euch die Fußübung „Liegende Acht“ vor. Als Sinnesschulung und zur vielfältigen Förderung hat sie es wirklich in sich. Man braucht dazu zum Vorzeichnen der liegenden Acht ein Seilchen, Schneckenband oder auch Kreide. Die Übung selbst macht man am besten barfuß, auf Socken oder in dünnen Gymnastikschläppchen. Ein kleiner Ball muss auch noch her.

Für meine Klasse habe ich sie im Homeschooling auf YouTube gezeigt:

Lernen – aber bitte in Bewegung!

Zur Schule, zum Lernen gehört Bewegung. Wenn dabei die körperlichen Impulse passen, kann sich dies auch positiv auf die geistige Leistung auswirken.

Kinder erleben heute häufig weniger Bewegungsvielfalt, die das Zusammenspiel der beiden Hirnhälften aktiviert: Klettern, Seilspringen, Balancieren, Radfahren, Hinkelspiele – nicht immer sind die Nachmittags mit vielfältigen Bewegungsspielen gefüllt. Das kann dann dazu führen, dass auch viel geistiges Potential nicht richtig ausgeschöpft werden kann. Dies ist inzwischen vielfach wissenschaftlich belegt. Die Bewegungsabläufe im Yoga sind hier hilfreich und fördernd, aber auch Kinesiologie in Form von Brain Gym kann wunderbar und gezielt in den Ablauf des Schulalltags mit einfließen.

Wer hören will, braucht Füße

Eine Fußübung am Tag – das das Fokussieren auf einen Körperteil, der am weitesten weg ist vom Kopf – steigert die Konzentration und die Fähigkeit, zuzuhören. Fußübungen gibt es viele. Diese hier ist mit der Verwendung des Bällchens und in der Form der liegenden Acht besonders aktivierend und fördernd.

Was diese Übung kann – auf einen Blick

Was wird alles hierdurch gefördert? Eine Übersicht

  • die Konzentrationsfähigkeit
  • der Gleichgewichtssinn
  • die Feinmotorik
  • der Tastsinn
  • der Bewegungsspiel
  • das Zusammenspiel der Hirnhälften

Coronatauglich

Dieses Spielchen kann man mit verschiedenen Bällen – von der Murmel bis zum Luftballon – variieren. Im Homeschooling ist es ebenso praktisch wie in vor Ort in der Schule, auch unter Corona-Bedingungen: Man muss ja seinen Platz nicht verlassen und kann so den Abstand halten.

Einzelübung! – Einzelübung??

Was einfach nicht zu unterschätzen ist: Als Gruppengeschehen ist die Übung nochmal effektiver, denn geistige Fitness hängt nicht nur an der körperlichen Bewegung. Gerade das gemeinsame Spiel führt durch die gegenseitige Wahrnehmung und Anregung zu einem stärkeren Belebungseffekt für das Gehirn.

Also: Beim Homeschooling Groß und Klein, alle die mit im Haushalt leben, mit einbeziehen. Es tut schließlich jedem gut.

Viel Spaß beim Üben und Ausprobieren.

Homeschooling oder: Fliegen lernen im freien Fall, Teil 2

YouTube – ein neuer Weg im Homeschooling

Eltern berichteten mir also, wie sehr sich die Kleinen gefreut hatten, endlich meine Stimme wieder zu hören und etwas Vertrautes zu erleben. Mein erstes, freiwilliges YouTube-Angebot wurde sehr gut angenommen und bot auch für mich eine Möglichkeit, die Kinder direkt so anzusprechen, wie sie es von mir auch kennen.

Nachdem die Etappe bis zu den Osterferien geschafft war, erwartete ich mit Spannung eine politische Entscheidung über den Wiederbeginn des regulären Unterrichts. Und irgendwann war klar: Es wird auf lange, lange Sicht keinen Unterricht mehr geben, wie wir ihn bis dato im Klassenverband hatten. Wir müssen langfristiger denken, mit Homeschooling (-Anteilen). Umso wichtiger wird es sein, dass sich auch hier bei allen Beteiligten Routinen einstellen und eine Vorgehensweise entwickelt wird, mit der alle Familien gut zurechtkommen. Ich brauchte dafür unbedingt noch etwas Zeit bis zur heiß ersehnten „Franziskus-Epoche“, ein Highlight im 2. Schuljahr!

YouTube als täglicher Homeschooling-Begleiter

Nach den Osterferien ging es dann erst einmal los mit einer kleinen Schreib-Epoche. Um das Schreiben und die ersten Rechtschreibstrategien – jede Silbe hat einen „König“ (Vokal) und es gibt Hörwörter, Nachdenkwörter und Merkwörter – nochmals zu wiederholen, setzte ich Homeschooling-Material von Labbé ein (Miniwörterbücher – Werbung, da Namennennung, unbeauftragt und unbezahlt, aber eine Empfehlung). Diese konnte man einzeln und selbsterklärend bearbeiten: Jeden Tag zu einem Thema das Wörterbuch malen und basteln und die Wörter sorgsam ins Epochenheft übertragen.

Die Kinder und Eltern bekamen von mir die Wörterbuch-Kopien und Epochenhefte geliefert, dazu wieder ein Plan, was wann an der Reihe ist. Gleichzeitig zeigte ich täglich bei YouTube in einem kleinen Film, wie ich selbst auch die Wörter ins Epochenheft schrieb und brachte den Inhalt der Wörter und ihre Schreibweise auch in einen Sinnzusammenhang. Nach wenigen Tagen arbeiteten alle Kinder der Klasse parallel zum täglichen YouTube Film von mir. Ich versuchte, die Folgen so zu gestalten, dass es aus pädagogischer Sicht vertretbar war: Gleicher Aufbau einer jeden Folge, wenig wechselnde Bilder, direkte und liebevolle Ansprache.

Hilfreich für die Homeschooling-Routine

Die Kinder konnten sehr gut und sehr selbständig damit arbeiten. Zudem fühlten sie sich direkt von mir angesprochen – das ist natürlich so ganz anders, als wenn ich alles in Eltern-Emails erkläre und anschließend dann nur die Eltern in meinem Namen mit den Kindern sprechen und sie arbeiten lassen. So zogen schnell in alle Familien die YouTube-Minuten fest in den Tagesablauf ein. Das Gute ist ja auch, dass es zeitungebunden ist. Ich habe sogar gehört, dass Kinder auch ältere Folgen nochmal gern schauen. Bisher haben mir die Eltern ausnahmslos rückgemeldet, dass es sehr hilfreich und entlastend sei bei aller täglicher Anstrengung zu Hause, eigenem Homeoffice usw. Auch ich habe meinen festen Platz im Tagesablauf mit dem YouTube-Unterricht.

Digitale 2. Klasse: Gut reflektieren und hinterfragen!

Wenn aber so gar keine Kritik kommt, gerade beim Einsatz eines digatalen Mediums in dieser Altersklasse, bleibt es immer meine Hauptaufgabe, täglich und wöchentlich weiter selbst zu reflektieren und das, was ich da tue zu hinterfragen….

Fortsetzung folgt: Die Planung der Franziskus-Epoche mit Hilfe von YouTube

Homeschooling oder: Fliegen lernen im freien Fall – Teil 1

Unser letzter Morgenkreis für lange Zeit

Es war Freitag, der 13. März 2020. In den Tagen zuvor deutete sich schon an, dass es evt. zu Schulschließungen kommen könnte – was zu dem Zeitpunkt aber irgendwie auch so unwirklich schien. Als auch eine gewisse Corona-Sorge bei meinen Kleinen aufkeimte, war ich sehr bemüht, beruhigend mit der 2. Klasse umzugehen. In unserem letzten Morgenkreis fragten die Kinder unter anderem, wie gefährlich denn wohl „Corona“ sei, sorgten sich auch um ältere Lehrerinnen der Schule und fragten genauer nach, warum wir eigentlich seit einiger Zeit diesen „Coronagruß“ mit den Füßen beim Hereinkommen in den Klassenraum machten – anstelle des morgendlichen Handgebens.

Ansonsten war es ein Schultag wie jeder andere auch, die Spiele und Übungen rund um die 4er Reihe des kleinen Einmaleins hatten die Zeit wie im Flug vergehen lassen. Zum Abschied deutete ich aber an: „Es kann sein, dass wir uns am Montag vielleicht doch nicht sehen. Es schließen nämlich manche Schulen, damit die Menschen gesund bleiben. Wir müssen abwarten, was sein wird.“ So ging ich recht entspannt mit den Kleinen auseinander. Da ich es mir immer noch nicht vorstellen konnte, dass dies der letzte Schultag für eine lange Zeit sein sollte, dekorierte ich noch etwas den Jahreszeitentisch um. Eine Mutter kam für den wöchentlichen Putzdienst. Dann ging ich in die Aula, wo mein Sohn für das 8. Klass-Spiel probte und schaute, ob ich meinem Kollegen in dieser heißen Phase – kurz vor den Aufführungen – noch mit kleinen Dingen helfen konnte.

Die Meldung von der Schulschließung

Mittags saßen wir auf dem Rückweg von der Schule im Auto und im Radio hörten wir, dass bis zu den Osterferien alle Schulen in NRW geschlossen bleiben würden. An diesem Nachmittag setzte ich mich an den Schreibtisch und schrieb einen Wochenplan, wie meine Einmalseins-Epoche in dieser Zeit als Homeschooling weitergeführt werden konnte. Zum Glück hatte ich die ersten vier Reihen schon nach einem bestimmten Schema und im Dreischritt eingeführt, so dass dies zu Hause fortgesetzt werden konnte. Mit Tages- und Wochenplänen für die Zeit bis zu den Osterferien und die Bitte an die Eltern, mir Rückmeldungen aller Art zu geben und sehr gern Fragen zu stellen, hatte ich gefühlt einen großen Teil des Homeschoolings erst einmal sichergestellt. Nur blieb die Frage: Wie kann Homeschooling funktionieren, wenn doch das Lernen in der 2. Klasse von der Nachahmung geprägt ist??

Lernen mit Nachahmung und YouTube

Schon bald zeigte sich in den Elternmails und -telefonaten sehr deutlich, dass die Kinder besonders den rhythmischen Teil am Morgen vermissten. Nach einiger Überlegung richtete ich meinen YouTube-Kanal „Waldorflehrerin“ ein, wo ich drei Gedichte zum Mitsprechen, unser vertrautes Flötenritual und ein Lied zum Mitflöten anbot. Mein Gedanke zu dieser Zeit war: „Wenn jemand sein Kind nicht vor den Bildschirm setzen möchte, muss er das selbstverständlich nicht. Der YouTube-Kanal ist nur ein Angebot, eine Erinnerung für die Kinder an den rhythmischen Teil.“

So reagierten Eltern und Kinder

Nachdem die ersten Videos online gingen, kam es zu einer Resonanz, die ich nicht für möglich gehalten hatte. Schließlich ist ein digitales Angebot für Zweitklässler nicht gerade unkritisch zu betrachten. Eltern berichteten mir, wie sehr sich die Kleinen gefreut hatten, endlich meine Stimme wieder zu hören und etwas Vertrautes zu erleben. Mein YouTube-Angebot wurde sehr gut angenommen und bot auch für mich eine Möglichkeit, die Kinder direkt so anzusprechen, wie sie es von mir auch kennen.

Seitdem wachse ich hinein in das Thema: Digitales Homeschooling in der 2. Klasse. Fortsetzung folgt!