Yoga, Mond und Rubikon

Über den besonderen Entwicklungsschritt von Kindern im 9./10. Lebensjahr, die Bedeutung neuer Rituale und das Buch „Yoga, Mond & Sterne“

Wenn wir Waldörfler vom „Rubikon“ sprechen, meinen wir einen besonderen Entwicklungsschritt, der altersmäßig im 3. Schuljahr beginnt und seinem Namen einer Legende zu verdanken hat: Als Cäsar mit seinem Heer den Grenzfluss Rubikon überquerte – und es von diesem Zeitpunkt an kein Zurück mehr gab.

Eine Grenze und kein Zurück mehr

Auch ich erinnere mich an diesen Moment, beim Blick in den Spiegel meiner Oma, als mir schlagartig klar war: Dieses Spiegelbild zeigt nur mein Äußeres, meine Gedanken, meine innere Welt, die ist nur für mich. Da kann niemand hineinschauen. Eine Grenze zwischen Innen und Außen war von nun an gezogen. Das Gefühl von „Ich bin eins mit der Welt“, das noch im 1. und 2. Schuljahr existiert, verschwindet meist sehr plötzlich. Das erschreckt manche Kinder, andere hingegen finden es auch schön, etwas ganz Eigenes zu haben und sind beflügelt davon.

Ist bei Kindern dieser Entwicklungsschritt erfolgt, spüren sie also erstmals ganz deutlich, dass es eine eigene, innere Welt gibt, die dem Äußeren verborgen ist. Oftmals entsteht unbewusst dieses Gefühl von „Es gibt kein Zurück mehr“ auch bei ihnen und das kann – nicht muss – die eine oder andere Krisenstimmung hervorrufen. Auslöser können dabei auch einfache Situationen sein, die wir Erwachsenen vielleicht gar nicht so stark wahrnehmen. Beim Kind kommt aber an: „Ich werde nicht verstanden“ oder: „Nur ich kann mich verstehen. Ich bin einsam.“

So geht es auch Maitri, der Hauptakteurin in dem Kinderyogabuch „Yoga, Mond & Sterne“ von meiner Schwester, Dr. Daniela Heidtmann. Sie fühlt sich im Alltagstrubel ihrer Familie nicht gesehen und zieht sich bockig zurück. Eine Situation, die wir alle kennen und die wir als Leser*innen dieses Buches nun einmal auch als Zuschauer mit anderen Augen sehen dürfen.

Neue Rituale, neue Sicherheit

Die Phase dieses Entwicklungsschrittes ist ja überhaupt auch eine anstrengende Zeit. Die äußere Welt wird immer spannender, sie muss entdeckt und verstanden werden! Die Kinder wenden sich tagsüber mehr und mehr der Außenwelt zu, entwickeln Interesse für die Themen der Welt. Müde vom Tag mit so vielen Eindrücken und Gefühlen, brauchen sie dann besonders abends den sicheren Halt der Familie. Meist kommen dann auch die Erwachsenen nach einem langen Arbeitstag ebenso zur Ruhe und können die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit und Bindung auch ihrerseits genießen.

Hier helfen neue und alte Rituale. Viele Rituale und Spiele, die bis dahin alltägliche Begleiter waren, entstammen noch der früheren Zeit, als es noch kein Innen und Außen gab . Das fühlt sich plötzlich so „für Kleine“ an. Man kann aber dennoch an ihnen anknüpfen, sie neu entdecken und ausbauen, etwa das Goldtröpfchenritual zu einer entspannenden Rückenmassage werden lassen oder auch einen ganz neuen, gemeinsamen Tagesabschluss finden.

Maitri und ihre Eltern gestalten ein neues Abendritual – und das ist auch für den Leser sehr inspirierend und zu empfehlen. Es gibt Yogaspiele, Yogageschichten, das Goldtröpfchenritual, eine Traumreise, Eltern-Meditation und mehr. Viele schöne Routinen werden gezeigt, die sowohl für Eltern, als auch für die Kinder eine Quelle der Erholung sein können.

Rubikon als Grundstein der Pubertät

Auch wenn dieser Entwicklungsschritt keineswegs schon etwas mit der Pubertät zu tun hat – hormonell ist nämlich noch nicht viel Veränderung da – ist es wichtig zu wissen, dass Rituale, die im Rubikon begonnen werden, vom Kind bis in die Pubertät hinein angenommen werden. Bereits ein bis zwei Jahre später lassen sich solche Rituale kaum noch aufbauen.

Denkt man an seine eigene Kinderheit zurück, hat man oft viele Erinnerungen an dieses Alter: Selbst kleine Begegnungen prägen das Kind in dieser Zeit und dessen Vorstellung von seiner Zukunft. Menschen und ihre Biografien dienen als Vorbild, vermeintliche Kleinigkeiten können das Kind nachhaltig stärken oder enttäuschen. Es ist daher auch Aufgabe von uns Erwachsenen, einerseits dafür sensibel zu sein, andererseits aber auch Impulse, Ermutigungen und Herausforderungen zu bieten. Es ist ganz und gar nicht dienlich, den Kindern alles abzunehmen. Sie brauchen jetzt besonders das Gefühl von Selbstwirksamkeit – und die Möglichkeit, all ihre Fähigkeiten und Erfahrungen auf analoge Weise ausreifen zu lassen.

Yoga, Mond & Sterne mit der Klasse

Das Buch Yoga, Mond & Sterne ist die Geschichte von Maitri, die in einer Rubikonkrise steckt und von ihrer Mutter auf liebevolle Weise wieder aufgefangen wird. Dabei bauen die beiden ein schönes Abendritual mit der ganzen Familie auf, das Sicherheit gibt und stärkt. Ich habe mit meiner Klasse bereits einige Yogaspiele aus diesem Buch durchgeführt – es funktioniert also auch mit festen Gruppen. Da ich die Kinder ja meinerseits ebenso als Bezugsperson begleite, möchte ich auch bestimmte kleine Rituale neu einführen oder ausbauen. Meine Klasse ist bereits sehr vertraut mit den Asanas, die manchmal zu Beginn oder Ende der Spielturnen-Stunde oder auch im rhythmischen Teil des Epochenunterrichtes spielerisch vorkommen. Das Goldtröpfchenöl steht in der Klasse bereit, um die Hände nach dem Händewaschen zu pflegen. Es gibt auch mini Ölfläschchen in unserer Geburtstagsschatzkiste. Diese werden dann gern auch mit nach Hause genommen. Zu besonderen Anlässen gibt es auch einmal eine Fantasiereise, die ich dann mit Klangschalen begleite. Die Kinder äußern inzwischen selbst, wie wohltuend diese Elemente der Entspannung sind oder fragen an manchen Tagen danach.

Über das Buch

Das Buch ist im Asteya Verlag meiner Schwester erschienen, erhältlich in unserem Asteya Shop und überall, wo es Bücher gibt. Mit dem Kauf unterstützt Ihr auch direkt unsere weiteren Projekte. Yoga, Mond & Sterne hat ein Hardcover, kostet 19,90 € und mein persönliches Highlight sind auch die vielen Aquarellbilder, die von Teresa Heilmann einzeln handgemalt wurden. Alles in allem merkt man diesem Buch auf jeder Seite an, dass es ein absolutes Herzprojekt war und ist. Es sprüht vor liebevollen Details und schönen Rubikon-Impulsen. Man findet sich als großer und kleiner Leser darin wieder. Meine Empfehlung!

Das Goldene Tor – ein Klangschalenritual

Ein Spiel, das eine schöne erste Anwendungsmöglichkeit mit Klangschalen zeigt, ist „das goldene Tor“. Es kann mit kleineren Kindergruppen jeder Altersklasse bis etwa 2. Schuljahr als Begrüßungsritual gemacht werden.

Das goldene Tor

Zwei kleine oder große Menschen halten gemeinsam eine Klangschale und bilden dadurch das goldene Tor, durch die anderen Kinder in den Kreis gehen können. In der Schule bringt dies einen ruhigen Stundenbeginn, insbesondere wenn vorab eine Pause war und die Kinder viel getobt haben.

Ebenso wäre es auch möglich, einen liebevollen Tagesabschluss zu Hause mit der Klangschale zu kreieren: Durch das goldene Tor geht es dann ins kuschelweiche Bett.

Klangschalenempfehlung: Die Universalschale (Hess) – unbeauftragte Werbung.

Keine Angst vorm Singen

Steht das Tor, wird gesungen. Singen scheint manchmal für Nicht-Sänger*innen ein kleines Hindernis zu sein. Damit dies so entspannt wie möglich klappt, denkt man sich einfach eine eigene Melodie aus, die man selbst gut singen kann. Das Lied geht so:

Komm(t) herbei, komm(t) hervor,
trete(t) durch das goldene Tor.
Himmlisch klingt es,
golden singt es,
lässt mit seinem Klang jetzt ein
den/die……. in den Kreis/ das kuschelweiche Bett
hinein.

Text: N.Mescher

Gesehen werden

So bekommt jedes Kind seinen Klang und darf sich einmal gesehen und wahrgenommen fühlen. Wenn es mehr als etwa fünf Kinder sind, kann man das ganze Lied auch nur einmal singen und dann nur noch die Klangschale erklingen lassen: Einmal anschlagen, Namen nennen und das jeweilige Kind im Klang ruhig und bedächtig in den Kreis eintreten lassen.

Zur Ruhe kommen

Wenn die Kinder die Möglichkeit haben, sich hinzulegen oder in der Schule den Oberkörper auf das Bänkchen oder den Tisch aufzulegen, kann die Klangschale nach dem Eintritt des letzten Kindes auch einmal von Rücken zu Rücken wandern und eine mini Klangmassage schenken.

So kann es weitergehen

Die Kinder sind da, zur Ruhe gekommen und erwarten, was als nächstes kommt. Ein Lied? Ein Fingerspiel? Sie sind aufgeschlossen.

Zu Hause kann die Klangmassage auch noch etwas ausgedehnt werden und dann die Gute-Nacht-Geschichte folgen.

Ich wünsche viel Freude mit diesem schönen Klangritual!

Yoga in der Schule: Auf geht`s

Mein Instagram-Beitrag zum Yoga-Mondengruß soll Auftankt eines besonders schönen Themas sein. Der Mondengruß selbst eignet sich übrigens auch sehr gut für zu Hause, als kleines Ritual beim Zubettgehen.

Ja, es hat einige Zeit gedauert, bis ich zum Yoga gefunden habe. Aber dann hat es mich gepackt und in meinem Alltag ist Yoga inzwischen nicht mehr wegzudenken. Yoga ist ein wichtiger Baustein für meine Gesundheit und so bin ich unter anderem meine doch recht häufigen und nervigen Nackenschmerzen dadurch losgeworden.

Auch in der Schule, mit meiner Klasse, gehört es seit dem 1. Schuljahr dazu: Denn Yoga, das sind harmonisierende, ganzheitliche Bewegungsabläufe, zusammen mit guten Gedanken und vielseitiger Sinnesschulung. Einfach ideal, um sie in den gemeinsamen Alltag mit einzubinden! Es gibt viele schöne Yoga-Sequenzen, die man mit Schulkindern im Klassenraum machen kann, ohne dass gleich überall die Matten ausgerollt werden müssen. Auch beim Spielturnen ist vieles möglich.

Da es zu diesem Thema einige Nachfragen an mich gibt und gab, werde ich auf jeden Fall noch mehr dazu schreiben und zeigen, versprochen. Wer jetzt schon Inspirationen sucht, dem empfehle ich natürlich sehr gern die Yoga-Bücher meiner Schwester Dr. Daniela Heidtmann: „Yoga, Mond & Sterne“ und „It´s Buddha-Time“ – in jedem Buchhandel lokal erhältlich oder online shoppen unter http://www.asteya-shop.de