Drei Zukunftsgedanken

Eine Kollegin hat auf Instagram eine Woche lang das „Instakollegium“ aufgerufen, sich zu verschiedenen Themen auszutauschen – vom Lieblingsmaterial bis zur Selbstfürsorge im Lehrerberuf. Da kamen viele Impulse zusammen. Vor ein paar Tagen endete die Challenge mit dem Thema „Meine Vision für das Schulsystem“.

Die meisten Beiträge bezogen sich dabei auf das staatliche Schulsystem und da gibt es viele Dinge, die wir an der Waldorfschule so nicht haben. Daher habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was ich mir insbesondere für die Zukunft unserer Waldorfschulen wünsche.

Vollständige Refinanzierung

Es ist noch immer so, dass freie Schulen nicht vollständig refinanziert werden, in NRW müssen etwa 13 % der Schulbetriebskosten selbst gestemmt werden. Dies geschieht dadurch, dass Eltern monatliche Beiträge zur Deckung der Schulbetriebskosten leisten und auch dadurch, dass wir Lehrer:innen etwas weniger Einkommen haben als Lehrer:innen im staatlichen System.

Gerade die monatlichen Beiträge hält noch immer manche Familien davon ab, ihre Kinder überhaupt an einer Waldorfschule anzumelden. Gleichzeitig braucht es Lehrer:innen, für die das Arbeiten und die Arbeitsbedingungen an der Waldorfschule einen Wert haben, der die Differenz zur Bezahlung im staatlichen Schulsystem sozusagen „ausgleicht“.

Zur Unterstützung einer wirklich freien Schulwahl wäre also eine vollständige Refinanzierung unserer Schulform wünschenswert.

Alle Schulen klimaneutral

So ein Schulbetrieb hat viel Potential, unser Klima zu entlasten: Angefangen bei Strom und Heizung, Schulessen, Schulbusse und eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Elterntaxi wären da aus meiner Sicht wichtige Ansatzpunkte, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich auch Plastik aus dem Schulalltag verbannen möchte.

Fortsetzung und Vertiefung von Waldorf 100

2019 war so ein besonderes Jahr – die Initiative Waldorf 100 brachte die Schulen weltweit mehr zusammen. Leider kam dann Corona. Ich wünsche mir daher, dass dieser großartige Impuls weiter aufflammt: Mehr gegenseitige Wahrnehmung, Begegnung und Annäherung, eine tiefere internationale Verbundenheit durch alle Sprachen und Kulturen, das wäre eine wunderbare Vision für die Waldorfschulen der Zukunft.

Weitere Wünsche

Ich wünsche mir, dass unsere Waldorfbewegung sich laufend modernisiert und dabei ihre Grundlagen pflegt: Die Menschenkunde, die soziale Dreigliederung, der Gemeinschaftsgedanke.

Ich wünsche mir, dass unsere Lehrerbildung noch mehr Zulauf bekommt, denn die Zukunft braucht nunmal Menschen, die sie gestalten.

Ach, es gibt so Vieles, im Großen und im Kleinen – und Visionen sollte man pflegen. Sie gestalten die Zukunft.