Die Welt ist gut, schön und wahr (4)

Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeinet, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen.

Gotthold Ephraim Lessing

Das dritte Jahrsiebt

Um den 12. Geburtstag herum setzt die Pubertät ein, wir sind mitten in der sechsten Klasse oder am Anfang der siebten Klasse. Es sind die letzten Jahre der Klassenlehrerzeit und man muss den Heranwachsenden bereits mit Blick auf den nächsten Entwicklungsschritt – der Suche nach der Wahrheit –  begegnen. 

Wahrheit und Urteil

Mit dem Einsetzen der Pubertät findet nicht nur der körperliche Umbau zum Erwachsenen statt. Es beginnt wieder eine Suche – die Suche nach der Wahrheit, die dem Bedürfnis nach einem eigenen Urteil entspricht. Die Urteilsreife tritt ein. Erfahrungen liefern Erkenntnisse, der junge Mensch will die Welt verstehen, ihre Gesetzmäßigkeiten und das für ihn Richtige denken und tun. Dabei wird auch viel polarisiert und Extremes ausprobiert. „Die Welt ist wahr“ ist die Stimmung und der Motor, das Richtige zu wollen. Dieses Wollen treibt weitere besondere Suchen im eigenen Leben an: Die Suche nach der wahren Liebe, nach wahren Freundschaften und nach den Geheimnissen der Welt. 

Eine weitere Trennung vollzieht sich

Auch die bisherigen Vorbilder werden geprüft: Wie wahr seid ihr denn eigentlich? Es offenbaren sich Schwächen. Nicht nur die Eltern, sondern auch vertraute, bis dato quasi bedingungslos geliebte Lehrer werden nun genau beobachtet und hinterfragt. Eine neue Trennung setzt ein, die seelische Trennung von den Eltern und Bezugspersonen, vollzieht sich mehr und mehr. Auch entsteht dadurch häufig ein neues Gefühl von Einsamkeit und eine Sehnsucht nach neuen Vorbildern und Idealen.

So reagiert der Waldorflehrplan

Die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und das Streben nach Unabhängigkeit wird stärker. Der Unterricht an den Waldorfschulen bekommt jetzt eine besondere Gliederung: Ein Phänomen oder eine Tatsache wird an die Schüler herangetragen, was meist zunächst ein Gefühl auslöst. Am Folgetag erst wird dann das Erlebte, Neue wiederum aufgegriffen und zu einem sachlichen Urteil bzw. einer Schlussfolgerung oder Begriffsbildung geführt. Die Schülerinnen und Schüler erfahren zudem im Unterricht von den unterschiedlichsten Biografien und Lebensleistungen. 

Dieses Vorgehen, das selbständige Erlangen von Erkenntnissen, das Kennenlernen neuer Ideale, beflügelt die Jugendlichen sehr.

Bis nach dem 21. Lebensjahr das „Ich“ vollständig ausgereift ist, sind viele Entwicklungsaufgaben wichtig.

Fragen zum zweiten Jahrsiebt

Wann und wie wurden die körperlichen Veränderungen bemerkt und erlebt?

Gibt es einen Hang zu Rauchen, Alkohol oder anderen Rauschmitteln?

Zeigen sich Depressionen, Wutausbrüche oder sind physische Krankheiten entstanden?

Wie kräftig ist der/die Jugendliche? Welche Sportarten werden ausgeübt oder neu entdeckt?

Welche neuen Interessenschwerpunkte und Berufswünsche entwickeln sich?

Welche Ideale gibt es? 

Wie lässt sich der Freundeskreis beschreiben? 

Gibt es mindestens eine Vertrauensperson?

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